k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumberlîn stN. kumberlînkërne swM. kumberlînwaʒʒer stN. kumbern swV. kumbernagel stM. kumbernisse stFN. kumberpîn stM. kumberrîche Adj. kumbersal stN. kumbersâme swM. kumbersmërze swM. kumberstrâʒe F. kumber|stunge swF. kumbertragende Adj. kumberunge stF. kumberwende swF. kûme Adv. kûmeclîche Adv. kumel stM. kumel stMN. kûmelîche Adv. kumelinc stM. kumelle Subst. kümelpulver stN. kûmen swV. kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kumberlîn
stN.
‘kleine Gurke’
(vgl. gleichbed. mlat. cucumericella, außerdem cucumis,
cucumer
‘Gurke, Melone, Kürbis’ [MlatWB 2,2065f.] und den Beleg s.v. →
kumberlînkërne
):
erdepfel [Melonen, s. →
ërtapfel
1.2
] sint kalt vnde vuchte an deme dritten gradu.
also sin ouch di cumberl SalArz
13,47;
kumbrel ebd.
67,27;
daz dunne in dem kumberlein ebd.
68,50;
electuarium daz ist ein souch der wirt gedrucket uz den
wilden kumberlin so si zitic sint in dem owste ebd.
86,29
MWB 3,2 679,18; Bearbeiter: Bohnert
kumberlînkërne
swM.
Kern des kumberlîn:
gip im curbiz kerne vnde cumberi [l.
cumberl, vgl. →
kumberlîn
] kerne SalArz
58,3
MWB 3,2 679,28; Bearbeiter: Bohnert
kumberlînwaʒʒer
stN.
Saft des kumberlîn:
swenne in durste, so gip im psillium in kuberlin
[l. kumberlin, vgl. La. chvmberln Hs. C
(Klosterneuburg), fol. 79#’v] wazzer
SalArz
69,41
MWB 3,2 679,31; Bearbeiter: Bohnert
kumbern
swV.
1
‘jmdn./ein Tier belästigen, bedrängen, quälen, plagen’
2
‘sich mit einer Sache/ Handlung plagen, abmühen, eifrig
beschäftigen’ , refl. 3
‘jmdn. mit (mit/ umbe) einer Sache belasten, in Anspruch nehmen,
belangen’
4
‘jmdn. (in Bezug auf etw.) schädigen, beeinträchtigen’
5
‘etw. beschädigen’
6
‘jmdn./ etw. mit Arrest/ Beschlag belegen’
7
‘etw. (eine Fläche) in Beschlag nehmen, beanspruchen, ausfüllen’
1
‘jmdn./ein Tier belästigen, bedrängen, quälen, plagen’
zeiget mir die / die iuch dâ kumbernt Iw
5222;
kumbert in iemen, / daz wert er RvEAlex
4952;
jâ kumbert [kasteit] maniger den lîp, / daz des diu
sêle werde vrô Greg
2668;
ein eber kumbert vast die hunde [...]. / er bringt
die hunde in grôze nôt WälGa
3253;
ein [ein und dasselbe] zil / hât diu maht und diu
unmaht: / si kumbernt uns tag unde naht ebd.
3292;
swens [
si, die Minne] an
kumt gidrange, / den kümbirt ungemüete SM:Had
17: 3,9;
WälGa
3812.
4149.
4152;
RvEAlex
9328
2
‘sich mit einer Sache/ Handlung plagen, abmühen, eifrig
beschäftigen’, refl.:
wa kuͤmmert ir iuch mite? [d.h. was
kümmert Euch das?]
Rennew
11340;
enkummert uch neit myt unsen doden. / geit, helpt den levendigen zo eren noden
HagenChr (G)
5756;
ir, die da teglich v̍ch kvmrunt mit meditierenne vnd der schrift ze
losende RvBib
44,4
3
‘jmdn. mit (mit/ umbe) einer Sache belasten, in Anspruch nehmen,
belangen’
ez wær denne so vil, daz si [Ratsherren] mit
unsern [des Herzogs] geschæften gechumbert
wuͦrden, daz si zu ein ander nicht choͤmen mæhten [um
Ratssitzung zu halten]
UrkCorp (WMU)
2345,18;
were ouch, das er missevuͤre an deheinem dinge, so súlen
sú ab im richten von sinem libe vnd von sinem guͦte ane minen zorn
also, das ich darumbe die burger niemer gekúmbern sol ebd.
3364,38
4
‘jmdn. (in Bezug auf etw.) schädigen, beeinträchtigen’
were aber, das ieman den andern daruber ansprechig hette oder in kumberte oder
irte SchweizId
10,735
(B Anz. (Uw.) [= Anz. f. schweiz. Geschichte NF 8 (1901), S. 296]; a.
1348).
– mit Präp. an:
und dc ich sú mit worten noch mit werchen
[...] kumberre ald biswêre an dien selben
lúton UrkCorp (WMU)
2048,22;
daz ich [...] wer sol sin án allen
steten, swa si ieman daran kummeren oder irren woͤlte ebd.
718,14;
swa man si kumbert an den akern UrkHeiligkreuztal
100,20
(a. 1315).
– mit Präp. mit:
unde were aber ieman, der sinen lenman dar uber bekuͥnberen wolte
oder entwerren des selben lehens unde er dc selbe guͦt wolte einem andern
lihen, swer denne dc selbe guͦt enphienge oder in dekeinen weg da mitte
kumberte, der sol dem geshadegeten sin shaden abe tuͦn UrkCorp
(WMU)
N613,6
5
‘etw. beschädigen’
das nieman der stat tu̍rne ald der gozhu̍ser ku̍mbern sol
StRZürich (B)
58,28
6
‘jmdn./ etw. mit Arrest/ Beschlag belegen’
inde sal neimanne unschuldigen ane spreggen, kumberen ove haigthen
[verhaften] uͦmbe die scholt, die ein ander
gemagt heit UrkCorp (WMU)
380,33;
auch ensal man an deme lantgerihte keinen man beclagen ioch kummeren
UrkFrankf
1,423
(a. 1303);
WeistGr
1,536.
(a. 1324).
–
duͦ kummerte Hencle den pait [die Pacht]
mit eyme richtere UrkWetzl
1,232
(nach 1300);
und tuͦn wir des nit, so suͥlen si alles unser guͦt
daz wir denne haben cuͥmmern und noͤten
UrkHeiligkreuztal
67,30
(a. 1303)
7
‘etw. (eine Fläche) in Beschlag nehmen, beanspruchen, ausfüllen’
sîn bart was swarz [...]. / des antlütts kumberte er
nit vil WvRh
6330;
und dú gruͦbe der mulistaine [Steinbruch für
Mühlsteine] , kummert dú aine iuchart akkers
[des zu verkaufenden Gutes] , so sol ich aine
sameliche alde aine bezzer anderswa widerlegin UrkCorp (WMU)
3139,32
(oder ‘beeinträchtigen’? vgl. 4).
MWB 3,2 679,35; Bearbeiter: Bohnert
kumbernagel
stM.
Ansatz und Bed. unsicher:
die liebe ist ein kummernagel [nach Anm. z.St. ist gemeint:
„Liebe macht kummer unschädlich”, Näheres s. dort und
FrlWB S. 197; s.a. M. Egidi, Höfische Liebe, Heidelberg
2002, S. 110, Anm.
460]
Frl
6:10,7
MWB 3,2 680,38; Bearbeiter: Bohnert
kumbernisse
stFN.
1
‘Bedrängnis’
2
‘Beeinträchtigung, Schädigung’ , âne alle ~
1
‘Bedrängnis’
swer gotes lêre enpfâhen wil, der muoz sich samenen
[...] und sich kêren von allen sorgen und kumbernissen
und von dem gewerbe niderr dinge Eckh
3:240,5;
den leip [...] entladen auzzerr chumernuzze
MvHeilFr
57;
ir last úch rúwen / ir kommernuß und not: / si ist
beschwaͤrt unntz in den tot FrSchw
5571;
kummernuß unnd ach ebd.
4713.
11.
5301;
KlarAugsb
22,50;
AdelhLangm
89,27
2
‘Beeinträchtigung, Schädigung’, âne alle ~
:
vnd geben sû in lidig vnd losch, fri vnd fûr ein fri eigen ewecliche ze
besitzende vnd ze hande ane alle kûmbernûsse UrkCorp (WMU)
1047,44;
ane alle widerrede vnd ane alle kúmbernisse ebd.
N220,36;
on alle hindernizze, kumernizze vnd irrunge UrkWürzb
41,417
(a. 1349)
MWB 3,2 680,44; Bearbeiter: Bohnert
kumberpîn
stM.
‘belastendes, schweres Leid’
wolte mich diu vrouwe mîne / scheiden von sô manegem kumberpîne, / den ich von
ir gwalte dol Neidh
WL 36:1,9
MWB 3,2 680,60; Bearbeiter: Bohnert
kumberrîche
Adj.
‘reich an kumber
2.1’
daz sie got so chumberriche / hete gescaffen
Wernh
D 486;
daz werltliche ungefure / duhte sie so chumberriche ebd.
D 1485;
was er durch ir willen lait / kumbericher arebait
RvEWh
13824
MWB 3,2 681,1; Bearbeiter: Bohnert
kumbersal
stN.
‘Belastung, Bedrängnis’
obe uns deheiner slaht arbeit, armuͦt, notdurft, oder cumbersal, oder
ungeschiht anviel, oder not UrkLicht
7,378
(a. 1324);
der [
babest
] vernam ir kummersal
Elis
6416;
ane kummersal / ir herzen ebd.
6930;
innerliches kummersal ebd.
8393.
–
‘(finanzielle) Belastung, Pfandschuld’
(vgl. →
kumber
2.4):
der sin wib widemen wil [...], der sal suchen gut,
daz nit ganerben habe oder keinerley kummersal KlKsr
3,33
MWB 3,2 681,6; Bearbeiter: Bohnert
kumbersâme
swM.
‘Gurkensamen’
(vgl. →
kumberlînkërne
):
nim curbiz samen unde erdepfel samen unde pfedemen samen unde
kumber samen unde latichen samen, islichs siben dragme SalArz
44,58
MWB 3,2 681,16; Bearbeiter: Bohnert
kumbersmërze
swM.
‘belastender, starker Schmerz’
man sol den kumbersmerzen / vil gerne lîden unde tragen
KvWTroj
29846
MWB 3,2 681,21; Bearbeiter: Bohnert
kumberstrâʒe
F.
‘Straße des kumbers
2.1’
daz ich [...] / muz gen uf kummerstrazen
Frl
7:25,15
MWB 3,2 681,24; Bearbeiter: Bohnert
kumber|stunge
swF.
‘Stachel, der kumber
2.1 erregt’
der minne kumber stungen [: jungen
]
JTit
816,2
(vgl.
der minne stungen / im kumber gap ebd.
1762,2
)
MWB 3,2 681,26; Bearbeiter: Bohnert
kumbertragende
Adj.
‘kumber
2.1 mit sich bringend’
mit kummertragenden smerzen Frl
7:40,7
MWB 3,2 681,30; Bearbeiter: Bohnert
kumberunge
stF.
‘Beschlagnahmung’
duͦ kummerte Hencle den pait [die ihm vorenthaltene
Pacht] mit eyme richtere. duͦ des gewar wart Conrait
Waltsmeit, sin vedere, duͦ inkummerte her das guͦith unde sein paith
[...]. andirwerbe na dirre kummerunge geboit Demud unde
Hencle, ir suͦn, Conrade, sime vederin, an geritthe [=
gerihte
]
UrkWetzl
1,232
(nach 1300)
MWB 3,2 681,32; Bearbeiter: Bohnert
kumberwende
swF.
‘Abwenderin von kumber
2.1’
du jamers kummer wende WhvÖst
9564
MWB 3,2 681,40; Bearbeiter: Bohnert
kûme
Adv.
ahd. kûmo (AWB 5,470).
–
ein Adj. kûm(e) (vgl. schweiz. chūm, mnd.
kü̂me u.a., s. EWA 5,868 s.v. kûmîg) ist unbelegt, von den
früher dafür angeführten Stellen zeigen
Tr
852
(s. DWB 5,352) und
LvRegFr
1708
(l. kûme ir lîpnar) das Adv.;
Fittiche
361
ist kranc zu lesen (Hs. Berlin, Staatsbibl., mgf 736, fol.
14#’r).
–
diphthongiert koume (Reimbelege:
Krone
3725;
Mantel
965;
Kudr
1603,4;
Loheng
4736
).
–
kivm-
RvEBarl (W)
596,20;
Bihteb
9.
–
häufig vil (auch harte) kûme.
1
‘ mit Mühe, unter Anstrengungen, Schwierigkeiten’
1.1 deutlich auf körperliche Handlungen bezogen 1.2 in weiterem Sinne 1.2.1 allg. 1.2.2 jmd. tut etw. kûme , ‘es fällt jmdm. schwer, etw. zu
tun’
1.2.3
‘mit Mühe und Not, mit knapper Not’
2
‘fast nicht, nur wenig, so gerade eben’
3
‘eher/ wahrscheinlich nicht, schwerlich’
3.1 allg. 3.2 litotetisch i.S.v. ‘gar nicht, gewiss nicht’ (vgl. Hübner, Ironie S. 95f.) 4
‘nicht völlig, nicht einmal; höchstens, bestenfalls, gerade einmal, knapp’
4.1 allg. 4.2 bei Zahlangaben
1
‘ mit Mühe, unter Anstrengungen, Schwierigkeiten’
1.1
deutlich auf körperliche Handlungen bezogen:
doch was er sô sêre wuont, / den schilt er kûme dar
getruoc Parz
595,27;
einen swæren stein [...]. / in
truogen kûme zwelfe NibB
449,4;
einen pfarren [...] unmâzen starc
[...]: / vil harte kûme in hundert man / gevüerent
KvWSilv
4590;
kum wart er [während eines
Unwetters]
[...] / zu der kirchen
getragen / mit vil grozer arbeit / unde in ein grab da geleit Vät
23393;
sin horn Olivanden [...] erhuͦbe er
chuͦme genuͦch StrKarl (S)
7985;
alsus neigir dô Riwalîn / vil kûme, als ez dô mohte sîn /
von eime tôtsiechem man Tr
1288;
sie mochten kvme vber daz felt / vor toten geriten
Herb
13302;
den adem her [ein Gelähmter]
kvͦme behielt / in sineme libe Ägidius
1477;
VMos
28,21;
SAlex
6746.
–
ir herzen sûft daz wort zebrach / daz si vil kûme gesprach
Er
5349;
[
er
] sprach / kûme unde kûmeclîchen
Tr
9462;
daz wort sprach er chume Rol
1541
(ähnl.
Kchr
14460;
StrKarl (S)
1802;
GvJudenb
4641;
Vät
25420
);
nû het er in gedrücket vor sô harte, / daz er kûm daz wort gewan
Loheng
2217.
–
mit der tjost er im sluoc / den schilt an daz houbet. / dâ von wart er
betoubet / daz er kûme gesaz Er
772;
an ir herze kom ein schric, / daz si dâ vor kûm gesaz
Georg
2843;
Rol
2055.
6064;
Iw
3672;
UvZLanz
4483;
Häslein
452.
– neben anderem Adv.:
und lebete [...] in swacher wât / kûme und
ermeclîche Flore (P)
2413;
hart und choume / gie ich GvJudenb
3698;
kûme und jæmerlîche / lebte [der
sterbende Darius]
RvEAlex
14889;
diu kam durch daz gevilde
[...] / kûm unde gar lancseime
KvWTroj
5917
1.2
in weiterem Sinne
1.2.1
allg.:
die
[
maistere
] gewinnent etewenne den
wîstuͦm alsô chûme sam man daz wazzer shephet ûz deme brunnen
TrudHL
61,30;
(Kompar.:)
allez daz edel ist daz gewinnet man kûmer unde bekumt sîn müelîcher
denne des unedelen DvASchr
346,11;
swie kûme wirz gewinnen [so sauer es uns
auch wird, es anzuschaffen]
Tr
7130;
ja erwarp ich daz vil kûme, daz si mir wart sô holt
NibB
1129,3;
sî brâhten vil chûme [
vix Idt
15,13] zesamene / den roub inner drîzich tagen
JJud
1753;
vil kûme wart der herre wider ze sinnen brâht NibC
1083,1;
[
er
] behielt in kume mit aller
not [hielt ihn ... ab (von seinem Vorhaben)]
Vät
7658;
sô gibest dû [Bauer] dînen dienst sô kûme
[mit innerer Überwindung, widerwilliger
Anstrengung] und sô trâge PrBerth
1:151,27;
er lœset mangen hie diu pfant sô kûme [er ist
nichts weniger als milde
]
KLD: Schulm
2:3,14;
KvWTroj
26728;
AlbvHaig
2,7;
Reinfr
27181
1.2.2
jmd. tut etw. kûme, ‘es fällt jmdm. schwer, etw. zu
tun’
– oft
~ erbîten/ erbeiten:
helt, niht ne sûme, / wandih erbeite dîn kûme
SAlex
3655;
vil chûme erbait der kunic hêre, / daz im der
tagesterne / fruo kunte den tach Kchr
7864;
owî wie kûme ih des erbîte! ebd.
5722;
des erbeitete daz kint / harte kûme und über maht Flore
(P)
3225;
Iw
7449;
Parz
621,5.
647,8;
NibB
301,1.
660,1.
– mit Verben des Unterlassens, Meidens, Scheidens,
Ertragens:
ouwî wie kûme er daz verlie
[...], / daz er niht wider sî ensprach! /
dô muoserz doch durch vorhte lân Iw
1700;
Neidh
WL 13:6,7;
ir nâhen umbevange, / die wellent sî so kûme lân
SM:Had
14: 1,10;
swie kûme ich dîn doch müge enbern
Tr
5127;
SM:KvL
8: 4,2;
KLD: RvR
2,91;
KvWLd
31,118;
wie kûm ich verbir / daz ich die vil guoten niht ennenne
KLD: SvL
4:1,8;
KLD:GvN
27: 3,5;
[
er
] schiet von den gesten kûme, /
wan er mit langer sûme / unsanfte sich von in gebrach
KvWTroj
28149.
9453;
si lât in kûme varn SM:Had
14: 2,3;
swie kûme ich verdulde / solhen kumber SM:
JvW
5: 2,2;
wie kom er daz vertruog, / so muost ers doch vertragen
Ratte
26
1.2.3
‘mit Mühe und Not, mit knapper Not’
–
~ enbresten/ entrinnen:
daz sim [die Gans dem
Falken] harte kûme enbrast Parz
282,17;
Kudr
865,1;
Helmbr
1868;
daz er von dan / mit grôzer nôt vil kûme entran
KvWTroj
45532;
wie kûme er dannen entran! Kchr
4362.
2590;
NibB
2311,4;
Tr
8983.
9036;
neben Sachsubj.:
daz gut [...], daz dem rauplichen wazzer
chovme entrinnet UrkCorp (WMU)
2345,12.
–
~ genesen:
wer an den
tagen [Unglückstagen] siech wart, der
starb oder genas kume MNat
17,31;
daz er vil kûme mohte genesen Wig
911;
harte kvme er genas Herb
10986;
sô daz er kûme iedoch genas Parz
16,21;
En
10889;
Iw
6210.
–
~ leben u.ä.:
nv sihestu wol, daz ich kvme leben, / wen mir so
leide nie enwart Herb
8646;
wi chûme ez Iacob gelebete / daz dev wihe wart
getan VMos
23,17
(vgl.
er uorhte ime in den tôt ebd.
23,11
);
vil kûme hêten si ir leben Wig
5048;
den lieb sie kume behielt Athis
A* 42;
AvaLJ
167,5;
Wig
2161;
Rennew
3999
2
‘fast nicht, nur wenig, so gerade eben’
swie kumberlîche ez aber nu stê, / swie kûme sô mîn schîbe
gê [obgleich das Glücksrad mir beinahe still steht; zum Bild vgl. de
Boor, Fortuna S. 318, Wackernagel, Kl. Schr. S. 254f. (mit falscher La.
krumbe)]
Tr
14470;
daz si [die
gugel
] niden sî sô enge, / daz daz houbt kûm hin durch kumt
Ottok
77626;
ein velt [...] sô breit daz ein
gezelt / vil kûme drûffe stüende Parz
398,21;
ez ist kûm mitter tac Ottok
61337;
in wart kûm diu wîle, / daz si mit balder île / entwichen
ebd.
29238;
[
sî was
] von vorhten alsô gar verzaget / daz sî
vil kûme ûf gesach Iw
5231;
dú mugge ist also klein irchant / das si vil kume
oder niht / ieman von ir kleine siht RvEWchr
10076;
dô er begunde wahsen, daz er chûme mahte sprechen
Gen
897;
wærn min eines drie, / die sagten kume die ærbeit / die
ich [...] leit Rennew
12309;
vil chume si iz geloupten AvaLJ
172,4;
das glöbe ich harte kume VirgH
141,10.
– zeitl.:
der wirt sprach: ‘[...].’ / kûme
volante er disiu wort, / den got ze dienste het erkorn [d.i.
Wilhelm] / vazte daz ros mit den sporn, / daz sich erhuop mit
sprungen UvEtzWh
3450.
– neben Sachsubj.:
diz weter dri tage stunt. / an dem fierden vmbe mitten
tac / harte kvme ez gelac Herb
17133;
siben ohsen, di wârn veist genuoc, / daz si ir bein kûm
getruoc EnikWchr
5664
(oder übertr. zu 1.1)
3
‘eher/ wahrscheinlich nicht, schwerlich’
3.1
allg.:
ein ture rittere inlezit sich nicht vahin und wirdit cume
gevangin, he in gebe sich dan selbe gevangin Parad
88,36;
ich bin in dem wane, / daz kvme gelich ir si geborn
TürlArabel
*A 201,5;
mit dienst man iezuo harte kûme guot erwirbet KLD: Schulm
4,1;
wan och die burger alle kûme vnd vnsanfte moͤchtin vber ein komen
[bei Wahl eines Pfarrers]
UrkCorp (WMU)
838,36
(ähnl.
StrKD
141,153
);
kûme unde kûmeclîche Tr
6577;
kûme oder niemer ebd.
4925.
8155;
kûm oder lîhte niemer KvWTroj
2299;
kume oder niht RvEWh
7611.
– Kompar.:
daz ding, dc geschehen ist, mag mĕr gesterchet werden, minre
angesprenget, chumer zirstoͤrt, dc mit dem urchu̓nde der
schrift bestetet wirt UrkCorp
2789,24;
dû wirdest als kûme rîch mit der unê als mit der ê, oder kûmer
PrBerth
1:279,2;
vil kumer danne kume [es hielt schwerer
als schwer, dass] / dekein sun alda genas
RvEWchr
8579;
so man [...] ie verrer [von
Gott] gat, so man ie kivmer wider komet
Bihteb
9;
dester kumer WolfdD (H)
1131,4;
PrEngelb
185,139;
PrNvStr
293,2.
– Superl.:
[
der vriunt
] wirt unsanfte funden und
behalten aller kûmest KvWLd
32,148
3.2
litotetisch i.S.v. ‘gar nicht, gewiss nicht’ (vgl. Hübner, Ironie S.
95f.):
ein wunder daz niht mac geschehn: / daz der ôster ôriens
/ werde wester okzidens [...]. / alsô kûme mac ergân /
daz dû mir mügest widerstân RvEAlex
6049;
fröide ist also tiure / und als edel und so hêre, / daz si
kûm ieman vergelten kan [d.h. niemand]
SM:KvL
17: 4,3;
des dû vil kûme hie gewert / von mînem lîbe werden solt
RvEBarl
12170;
unreht ich kûme dulde / und mac sîn niht gelîden
KvWSchwanr
642;
wie kûme ich bræche mîne triuwe und mînen eit! [wie
unmöglich ist es mir]
MF:Hartm
17:1,8;
kûme ich slüege ir wengel unde ir munt sô rôt [es würde mir
nicht möglich sein]
KLD: HvW
1:5,6;
ân hinderrede und âne nît / vil liuten zunge kûm gelît
Boner
3,4;
Vät
8982.
27511.
28391;
Boner
3,12.
6,41.
22,23.
42,58
4
‘nicht völlig, nicht einmal; höchstens, bestenfalls, gerade einmal, knapp’
4.1
allg.:
daz fúr der helle ist so starc, daz unser
fúr vil kume sin schate were Lucid
8,16
(ähnl.
Parad
120,33
);
sus wirt der michele Rîn / vil kûme ein cleinez rinnelîn
Tr
19442
(ähnl.
StrKD
6,122
);
der [
stein
] ist vil
wunderkleine: / kûme als ein bône Volmar
411;
sîn leben clebete / kûme alse an einem hâre
Tr
9407;
unser ist kume ein hantvol Rennew
31477
4.2
bei Zahlangaben:
swer kûm driu ros geleisten kan EnikWchr
27648;
si wârn alle tôt / unz kûm an driu hundert man
Ottok
51645;
kûm mit zehen knehten / reit er ebd.
7199.
79373.
–
[
er fuor
] unz daz er kûm ein mîle / hêt
ze Rôm in die stat EnikWchr
21380;
kûm aht schuzze lanc Ottok
16069;
ir hûs was dâ bî / vil kûme in einer mîle
Iw
3435;
Rennew
31164;
er reit, unz er kûme an den tan / drî rosloufe mochte
hân HvFreibTr
1689;
Rennew
16396.
PrBerth
1:147,28;
Pass I/II (HSW)
32808.
–
chume dri tage SalArz
39,55;
kûme siben jâr / oder lützel mêre Tr
3673;
wand ich dannoch kaum bi drin iaren waz UrkCorp (WMU)
3301,6;
sehzic jâr, / diu er hie [auf Erden] kûme
leben mac LvRegSyon
1807;
Vät
11396;
Ottok
47973.
91096
MWB 3,2 681,42; Bearbeiter: Bohnert
kûmeclîche, -lîchen
Adv.
vgl. ahd. kûmîg Adj. ‘schwach, kraftlos’ u.ä. (AWB
5,467).
1
‘ mit Mühe, unter Anstrengungen, Schwierigkeiten’
1.1 auf körperliche Handlungen bezogen 1.2 in weiterem Sinne 2
‘eher/ wahrscheinlich nicht, schwerlich’
1
‘ mit Mühe, unter Anstrengungen, Schwierigkeiten’
1.1
auf körperliche Handlungen bezogen:
mit nœten kûmeclichen gar / brâht ich in [einen im
Wasser liegenden toten Bären] ûf des landes griez
KvWPart
18372;
der gut ritter [...] zittert so
sere das er die konigin kam [= kûme
] mocht
gegrußen [...]. der gut ritter und der truchses knyten
nyder fur die konigin und grußten sie, der gut ritter doch kumeclich
Lanc
290,22.
–
[
er
] sprach / kûme unde kûmeclîchen
Tr
9462
1.2
in weiterem Sinne:
ich hân [...] / vil
kumberlîche [La. kumecliche
] her
gebiten [vor der Tür der Geliebten]
MF:Reinm
11: 5,14;
daz si vil kûmeclîche erbeit, / daz ir diu naht hin zuo
geschreit KvWTroj
10125;
David [...] lebete kûmiclîche [Hs.
kōmeclich; lat. Vorlage: plurimis distraheretur
solicitudinibus
]
LBarl
7832.
–
des [verlorenen Garnknäuels] mocht
sÿ kumerlich enbern KvHelmsd
3151
(l. kumeclich? vgl. kûme en-, verbern s.v. →
kûme
1.2.2)
2
‘eher/ wahrscheinlich nicht, schwerlich’
swie guot, swie lobebære / der wâfenroc doch wære, / er
was doch sîner werdekeit, / der in dô hæt an geleit, / kûme unde kûmeclîche wert
Tr
6577
MWB 3,2 684,46; Bearbeiter: Bohnert
kumel, kümel
stM.
→
kumin
MWB 3,2 685,7;
kumel
stMN.
Ansatz unsicher, viell. kumbel, wenn zu as. kumb(a)l stN.
‘schimmerndes Zeichen’ (SehrtWB S. 314f.),
ahd. kumbalboro
‘Heerzeichenträger’ (AWB 5,458, s.a. EWA 5,861f., DWB 5,2589);
vgl. mögliches ahd. kembil für lat. crista (AWB
5,88).
–
‘Helmschmuck’
dar ob ain kumel lise / guldin sich wegte, / uf dem helm sich
regte / mit sprungen ain lebart WhvÖst
15554
MWB 3,2 685,8; Bearbeiter: Bohnert
kûmelîche, -lîchen
Adv.
kiumelîche KvWTroj
20454.
1
‘mit Mühe, unter Anstrengungen, Schwierigkeiten’
2
‘fast nicht, so eben gerade’
3
‘eher/ wahrscheinlich nicht, schwerlich’
1
‘mit Mühe, unter Anstrengungen, Schwierigkeiten’
die vrowe kumelichen sprach: / ‘herre min, do ich dich sach, / do wart
min herze in mir swach [...].’ / hie mite sie der
rede sweic. / daz houbet ir aber nider seic / von ummacht Hester
1224.
– in weiterem Sinne:
daz golt daz was dar în [in ein
Seidengewand] geweben / niht in der hovemâze: / die sîdenen
strâze / die kôs man kûmelîche dâ: / si wâren [...] in
daz golt versenket, / daz man daz werc dâ kûme sach Tr
11109;
si twanc diu minne und ir gewalt, / daz
[...] si des kûmelîche erbeit, / daz der tac ein
ende enpfienc KvWTroj
8536.
20454
2
‘fast nicht, so eben gerade’
dî [...] vant iren
[unter Gefallenen liegenden] man / vil kûmelich daz
lebin hân [
maritum suum semivivum
]
NvJer
7230
3
‘eher/ wahrscheinlich nicht, schwerlich’
swie guot, swie lobebære / der wâfenroc doch wære, / er was doch sîner
werdekeit, / der in dô hete ane geleit, / kûme unde kûmeclîche [La.
kumeliche
] wert Tr (M)
6581
MWB 3,2 685,16; Bearbeiter: Bohnert
kumelinc
stM.
→
komelinc
MWB 3,2 685,38;
kumelle
Subst.
nach Rosenqvist 2,142 zu mfrz. gommene, gumène, mlat.
gumena
(vgl. afrz. goume, s. K. Baldinger, Etymologien, Bd. 2, Tübingen 1998,
S. 468-470);
vgl. aber auch mlat. camillum (MlatWb 2,118).
‘Ankertau’, auf einem Wappen:
der [
vane
] was
[...] / hymel bla nach phyn lasur, / rubin rot was ain
figur, / von chumelle sechs zincken entwer [sechs
Querstreifen]
WhvÖst
14469
MWB 3,2 685,39; Bearbeiter: Bohnert
kümelpulver
stN.
‘Kümmelpulver’
wem diu augen rôt sein und krank, der nem kümelpulver
[
pulvis cymini
] und twer daz mit
rautensaf BdN
418,2
MWB 3,2 685,48; Bearbeiter: Bohnert
kûmen
swV.
vgl. ahd. kûmen, kûmôn (AWB 5,459).
1
‘trauern, wehklagen’
2
‘sich ängstlich um etw. bemühen’ (so Anm. z.St.; s.a. Lexer 1,1769 und BMZ 1,909a mit einem ähnl., wohl frnhd. Beleg) 3 Bed. unklar
1
‘trauern, wehklagen’
(s.a. →
kûmern
):
ir sanges phleget si [die
Taube] niwan kvmende vnde wuͦffende Spec
35,30;
kvmende vnde klagende ebd.
35,19;
hi von ich kumen ane ende muz Pass I/II (HSW)
38984
2
‘sich ängstlich um etw. bemühen’ (so Anm. z.St.; s.a. Lexer 1,1769 und BMZ
1,909a mit einem ähnl., wohl frnhd. Beleg):
ir súllent uwer hertze zuͦ
ime [Gott] keren in daz himelsche vatterlant
[...], beitende dez willen gottes, kummende nach sinre
eren Seuse
487,28
(oder l. kummernde und Bed. ‘sich um etw. bemühen’? vgl. →
kumbern
2)
3
Bed. unklar:
alle tage / von disen [göttlichen] sachen dû mir
sage! / wir ensulen uns niht sûmen, / dâvon sul wir nu kûmen LBarl
6366
MWB 3,2 685,51; Bearbeiter: Bohnert |