k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künigessilber stN. künigesvogel stM. künigesvorst stM. künigin stswF. kunkel stF. künne stFN. künne stN. künnegalle swF. künnehaft Adj. künnelinc stM. kunnen Prät.-Präs. (III) kunnen swV. künneschaft stF. künol stMN. kunreie stF. kunreit stM. kunreiʒ stM. kunriere stF. kunrieren swV. cuns M. kunst stF. kunstære stM. kunstehalbe Adv. kunstelære stM. künstelîn stN. künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
künigessilber
stN.
‘Münzsilber mit gewöhnlichem Feingehalt’ (DRW 7,1239):
1 marck cuͦnynx sylvers UrkKölnAmtl
209
(a. 1347)
MWB 3,2 712,16; Bearbeiter: Bohnert
künigesvogel
stM.
ein Vogel, viell. Reiher- oder Kranichart,
Näheres unklar
(Schulz, BdN. S. 153: wohl Silberreiher;
vgl. MlatWB 3,1364 s.v. erodius
1;
s.a. O. Keller, Antike Tierwelt, Leipzig 1913, 2,235 zu den
Diomediae aves [Plinius, naturalis historia 10,61]):
von dem künigsvogel [Überschr.] .
diomedica oder herodias mag ze däutsch haizen künigsvogel, dar umb, daz er den namen
hât von dem küng Diomedes BdN
185,2
MWB 3,2 712,19; Bearbeiter: Bohnert
künigesvorst
stM.
unter königlicher Hoheit stehender Wald
(DRW 7,1233; Syn.: →
künigesholz
2),
hier spez. der Königsforst, spätere Stadtwald, in Frankfurt a.M.
(s. Fr. Schunder, Das Reichsschultheißenamt in Frankfurt a.M., Frankfurt
a.M. 1954, S. 20):
Wigandum de Buches, scultetum Frankenfordensem, magistrum forestarium foreste
nostre ibidem, que vulgariter dicitur kunigesforst, duxerimus statuendum
UrkFrankf
1,494
(a. 1312)
MWB 3,2 712,28; Bearbeiter: Bohnert
künigin, küningin
stswF.
aus ahd. kuningin, neben dem in der 2. Hälfte des 11. Jh. (
Will
105,2,
Hs. C/ Eb) kunigin aufkommt
(s.a. AWB 5,498f.);
häufig künigîn, küniginne;
häufig -eg- statt -ig-.
–
küningîn
MarldA
292;
SAlex
5557;
Rol
8645;
Eilh
St,7514;
-inne
Litan
527.
1304;
Roth
1956;
Rol
8705;
Eilh
M,3568;
künengin UvTürhTr
522(App.);
kuͤnenginne Tr (M)
9901(La.);
PrWack
9,24.
–
künigĭn
NibB
603,1;
Iw
59.
77;
Parz
734,11.
806,5;
Pass I/II (HSW)
13482.
14682;
Kreuzf
6045;
WernhMl
14119.
– verkürzt küngĭn, -în in der Nib.-Hs. I (s. Batts, App.
zu
NibB
403,4.
764,1
u.ö.);
WhvÖst
1728.
8611;
Rennew
1556;
TürlArabel
*R 56,16;
Märt
18261;
-inne
Parz (B)
209,11.
797,15.
799,23;
NibA
973,2
(Hs., s. Batts); Nib.-Hs. I (s. Batts, App. zu
NibB
61,2.
468,2
u.ö.);
WhvÖst
1775;
Rennew
3534;
TürlArabel
*R 5,34.
– md. auch koningîn
Roth
3017.
3877;
konigin
Pass I/II (HSW)
37310;
koninginne
Brun
2013.
2026.
5628;
Vät
34761.
34874.
– sw. flekt.
VMos
32,21;
Wernh
A 339;
Herb
2577.
5257;
Wh
312,7;
EnikWchr
9765.
14377;
PrHvKonst
33;
Pass I/II
145,12.13;
UrkCorp (WMU)
3354,10;
Daniel
6916.
– auffallend kuniginnen (Nom. Dat. Sg.) im GrRud , s.
Anm. zu
#g+a#g- 22;
künenginnen (Nom. Dat. Akk. Sg.)
Tr (M)
10772(App.);
Laa. zu
UvTürhTr
1555.
2033.
3313.
3342.
1
‘Königin’
1.1
‘Herrscherin eines Landes, Ehefrau eines Königs’
1.1.1 allg. 1.1.2 mit Personennamen. 1.1.3 in hyperbolischen Ausdrücken 1.1.4 auf Maria bezogen 1.2 auch auf die Tochter, Schwester eines Königs bezogen 1.2.1 Königstochter, Prinzessin 1.2.2 Schwester 1.3 als Personenname 1.4
‘Dame’ im Schachspiel 2 übertr. 2.1 auf die Geliebte bezogen, bes. mînes herzen
~
2.2 auf die Minne/ Venus bezogen 2.3 von Nymphen 2.4 von Personif. 2.5
‘das Beste, Herrlichste’ , auf fem. Subst. bezogen
1
‘Königin’
1.1
‘Herrscherin eines Landes, Ehefrau eines Königs’
1.1.1
allg.:
ez was ein küneginne gesezzen über sê
NibB
326,1;
der künec Artûs [...] / und
ouch diu künegîn sîn wîp Parz
277,15;
der künec und diu künegin Iw
77;
Herb
694;
sin swester von iu hat den namen / daz sie heizt ein
kuͤngin Rennew
21099;
si ist ein küneginne [...].
/ bieten ir die êre: si ist ein edel wîp NibB
1780,2.
1746,3;
ich was ein küniginne, / swie arm ich urbor nû sî
Wh
215,26;
iu hât verdienet iuwer hant / eine künegîn unde ein
lant Iw
2880;
frowe küniginne Walth
56,12;
Roth
3017;
Tr
10501;
di was in unsem lande dâ / kuningîn und frowe
SAlex
6557;
dazs in sînem namen hiez / ein vrouwe unde ein
künigîn / dâ, dâ er künic solte sîn Tr
17733;
ir vinger lanc als einer küniginne
[Zeichen der Vornehmheit]
Tannh
11,52;
der künigin krôn EnikWchr
6785;
der kuniginne schatz PrMd (J)
354,4;
der küngîn palas Parz
16,22;
der küneginne marschalc ebd.
18,8;
der küneginne kappelân ebd.
196,16;
ein der küneginne soldier Wh
333,12;
der kuniginne ingesinde StrKD
41,63;
der künigin wesche EnikWchr
14614;
der kuniginne milte StrKD
41,112;
ir liezet küneginne namn / und heizt durch mich ein
herzogin Parz
134,2.
–
diu edele küneginne NibB
60,4;
diu glanze küniginne KvWTroj
16436;
hêriu künigîn UvZLanz
6463;
diu kuneginne mâre En
10507;
diu kuniginne rîche ebd.
4949;
NibB
7,1;
der hohen vnd der gewaltigen chvͤniginnen UrkCorp
(WMU)
3354,10;
hôchgeborn
Walth
19,12;
wolgeborn
Wig
10796;
milte
UvZLanz
5255;
schœne
Eilh
St,7117;
NibB
616,4;
süeze
Wh
51,20;
tugenthaft
Tr
14805;
wîse
En
10235;
Tr
7185;
Parz
44,9;
listic
Tr
9437;
karc
RvEWchr
34458;
Îsôt, / diu blunde küniginne Tr
19131;
HvFreibTr
2356.
3317;
div heilige chvniginne sant Helena
Konr
10,147.
10,168;
PrMd (J)
354,24;
gekrœnet
HvFreibTr
6795;
WhvÖst
12251.
13777;
Pass I/II (HSW)
12876;
(diu) rœmischiu ~
Wh
143,21
u.ö.;
Rennew
24752;
EnikWchr
547 Prosa 2,9;
UrkCorp (WMU)
3135(2),33,39;
diu alte ~
Parz
578,4.
579,11.
582,10
(König Artus’ Mutter Arnive);
En
13013
(Lavinias Mutter nach deren Verlobung mit Aeneas [
ebd.
12953
]);
oft im Ggs. zu diu junge ~
, s.u.
2.1.
–
der Franzoyser künegîn Parz
94,18;
div kuͤngin der Araboiz
TürlArabel
*R 4,16;
des landes kvneginne Herb
14376;
Parz
35,22.
186,25;
ein küniginne / des landes und des rîches
KvWTroj
19672;
der lande künigîn Tr
11412;
zwaiger lande kúnegin
RvEWh
12840.
–
von art ain kúnegin RvEWh
9461;
die kunegin uon Saba Lucid
35,12;
Îsôt, / diu künegîn von Îrlande Tr
6947;
von Pelrapeir diu künegîn Parz
619,8;
der küngîn sun von Zazamanc ebd.
317,10;
küngîn über driu lant ebd.
103,6;
di kuniginne ubers lant Pass I/II
(HSW)
25143;
diu künigin ûz Kriechenlant
EnikWchr
26983;
Erz III
143,Überschrift;
wir Beatrix von Savoy von gots gnaden
chuͤniginn ze Beheim unde ze Polan StRMünch
132,18;
UrkAgnes
83
(a. 1341 oder 1343).
–
dô krônde man Lavînen / zeiner kuneginne En
13129;
Tr
812;
waz tohtest dû dem rîche ze ainer chuniginne?
Kchr
15463;
ich mache dich ze chuͦninginne / uber al
Karlinge Rol
8705
1.1.2
mit Personennamen.
– vorangestellt:
di chuͦniginne Brechmunda
Rol
7380;
die kvneginne Ienovêre Lanc (WZ)
410
(=
Lanc
35,24
);
die kunegin sancta Helena PrMd (J)
345,27;
ohne Artikel:
ôwî küngîn Fôle, / durch dîne minne gap den lîp /
Gâlôes Parz
91,16;
daz vorst ampt, daz chuͦneginne Margret gehabt hat ze
Chrumnawe UrkCorp (WMU)
2715,30.
– nachgestellt:
Brechmunda di chuͦnigin Rol
8597;
vrou Uote diu küneginne NibB
318,3
1.1.3
in hyperbolischen Ausdrücken:
drî gürtele [...], / daz
keiserîn noch künigîn / nie keinen bezzeren gewan Tr
10820;
so wolt ich fröidenrîcher sîn / danne küng oder
künigîn SM:Wi
9: 2,2;
[der Liebende] sol auch nymmer ab
gelan [die Geliebte verlassen] , / ob halt ein
kunigin umb in wuͤrbe Minneb
1187;
sage ir die warheit, si halt si ein chvnegin oder ein
grævin, wær halt si eins engels swester, dv soltest ir di warheit sagen
PrBerthKl
6,35.
–
ere si [unverträgliche
Mitschwestern] , schone ir, si sint chuneginne
PrBerthKl
3,75
1.1.4
auf Maria bezogen:
des sî dir lop und êre geseit, Marîâ künigîn Walth
37,1
(ähnl.
Vät
34874
);
di kunigin Marie Pass I/II (HSW)
322;
Maria di kunigin ebd.
1439;
owe, kuniginne, / waz gnaden got an dir bigie!
MarseqM
48;
ob allen megden bist dû, maget, ein magt, ein küniginne
Walth
4,38;
von der kuniginne / hat ouch daz buch langen haft [das 1.
Passionalbuch handelt ausführlich von ihr]
Pass III
5,10;
o vrouwe kuniginne Pass I/II (HSW)
18276;
der kuniginne tac / [...], /
daz Maria [...] / ir kint in den tempel
truc [Mariä Lichtmess]
ebd.
12761.
–
Maria, edele kunigin Pass I/II
(HSW)
6901;
heriv kvniginne Konr
8,10;
Rennew
29203;
himelisch
Spec
94,12;
GrRud
#g+a#g- 22;
Tr
14875;
hôch
UrkCorp (WMU)
653,23;
hôchgelobet
ebd.
2430,40;
milte
MarldA
292;
der obersten chuneginne .s. Marien
Spec
99,6.
–
des himeles heriv chunegin VMos
71,23;
dú suͤz kuͤnigin dez
himelschen landes Seuse
243,1;
des himels und der erde / chuniginne
StrKD
15,141;
der engele
Litan
527;
Rol
8721;
Walth
36,30;
der marterer
WernhMl
14736;
allir geistlicher gabe
Litan
1304;
der gnade
MuriGeb
556;
der erbarmherzkeit
Seuse
265,1;
der ewigen iugent
StrKD
15,39;
der tugende
Pass I/II (HSW)
28398.
–
künigîn ob allen frowen, lâ werende helfe schowen
Walth
77,12;
vnserer vrowen, der rainen chuneginnen von himelreich sand Mareien
UrkCorp (WMU)
N749B,6;
SM:We
1a: 2,9;
EnikFb
2082;
Seuse
17,20;
ze himelrîche ein werdiu küniginne, /
[...] hilf mir der wâren minne! SM:
We
1:
3,10
1.2
auch auf die Tochter, Schwester eines Königs bezogen
(vgl. DWB 5,1695, ZfdPh 2 [1870], S. 468)
1.2.1
Königstochter, Prinzessin:
Helena die kvnegine Herb
5635;
künec [Gramoflanz] durch
küneginne [Itonjê, König Lôts Tochter] / sol
billîche enpfâhen nôt Parz
633,10;
sîn muoter diu hiez Uote und was ein küniginne [von
königlicher Abkunft, eine Prinzessin]
Kudr
1,3;
den edelen küniginnen was nâch Sigebanden wê [weil er
noch keine Ehe eingehen wollte]
ebd.
6,4;
Kudrun heißt küniginne
ebd.
1178,4
(dagegen im engeren Sinn von 1.1
sult ir werden küniginne [durch Vermählung mit
Hartmut]
ebd.
1253,4
), ebenso Hildeburg
ebd.
1639,3
(daneben i.e.S.
ebd.
1641,4
) und Ortrun
ebd.
1308,3
(vgl.
ebd.
1310,4
).
– verdeutlicht diu junge ~
:
in der ‘Kudrun’ für Hilde
Kudr
380,4.
385,2.
427,4
(daneben einfach diu ~
ebd.
376,1,
im Ggs. dazu ist Hildes Mutter diu alte
~
ebd.
373,3;
die alten küniginne schiet man von der meide
[Hilde]
ebd.
445,3,
daneben aber auch einfach diu ~
ebd.
442,4
);
im ‘Rother’ für König Konstantins Tochter
Roth
2177.
2185.
2247.
4018
(von der Verlobung mit Rother an [
ebd.
3877
] heißt sie diu ~
außer
ebd.
4018,
und ihre Mutter, zuvor nur diu ~
, ist danach auch
diu alte ~
ebd.
3910.
4654
);
weitere Belege:
âhî vrou junge künigîn Tr
9856;
diu liehte junge künigîn ebd.
11524
u.ö.;
Parz
686,12.
687,16;
Wh
192,15.
213,9;
RvEWchr
9009.
9139;
WhvÖst
2830.
5996.
6918.
6922.
9390
(für Aglye; deren Mutter ist diu alte ~
ebd.
1787.
1810.
6448.
6540
)
1.2.2
Schwester:
Antikonîe de künegin Parz
404,23;
Kriemhilt [...], diu
küneginne hêr NibB
133,3;
vil edeliu küneginne ebd.
227,2.
49,4.
237,4.
300,2
1.3
als Personenname:
div da heizet di Kvningein div git zehn metzn rocken vnde
zwene mvtte habern UrbBayÄ
334
1.4
‘Dame’ im Schachspiel:
ein meister glîchit dise werlt eine schâfzabele; dâ stân ûffe kunige unde
kuniginnen und rittere und knappen und venden; hie mite spilen si
HvFritzlHl
164,2;
diu künigîn daz linke velt / besezzen bî dem künige hât
HvBer
887;
dem markys wart gesprochen mat / vf der kvͥnegin
mit dem alten TürlArabel
F 898.
*A 113,28.
*A 202,27.
*A 235,9;
Renner
22543;
Ammenh
2615
2
übertr.
2.1
auf die Geliebte bezogen, bes. mînes herzen
~
(vgl. →
hërzeküneginne
):
durch Îsôte minne, / sînes herzen küniginne
Tr
19266;
die hêre, / mîn trût, mîns herzen künigîn
HvFreibTr
2345;
din liep, dins herzen kvͥnegin JvKonstanz
1029;
MF:Reinm
1: 3,9;
KLD:GvN
9: 5,5.
51: 0,5;
KvWTroj
737;
nu ist siz doch mîn küniginne, / swie si hât daz sende
herze mîn verwunt SM:WvK
3: 3,6;
KLD:GvN
14: 2,11.
15: 5,5;
sîst gewaltic küneginne immer über mich KLD:
UvL
44: 7,6.
– in der Anrede:
hæte ich tûsent stunt erliten / den tôt umb iuwer minne, / mînes
herzen küniginne, / daz diuhte mich wol an geleit Flore (P)
6004;
KLD:UvL
42: 2,6;
SM:HvT
2: 2,8;
SM:KvL
11: 5,2;
herzen trût, mîn künigin KLD: GvN
34: 4,1;
SM:St
11: 4,1;
wende disen pîn, / künigin mîn SM:AvR
2: 3,10;
des lât mich geniezzen, künigin SM:Tr
2: 5,7;
gnâde, ein küneginne! Walth
118,29;
MF:Mor
25: 2,7;
SM:KvL
14: 5,2;
genâde, vrouwe küniginne Flore (P)
777
2.2
auf die Minne/ Venus bezogen:
Minne, aller herzen künigîn, /
[...] diust umbe kouf gemeine Tr
12300;
Vênus, der minne künigin KvWTroj
1202.
3322.
– in der Anrede:
ach Venus kúngin MinneR 66
78;
nu helfent, küniginne, / von senelicher klage!
SM:Tr
5: 2,12;
edeliu künegîn Walth
41,1;
MinneR 66
216;
Minne, / starkiu kuneginne En
11160;
werdiu küniginne KLD: Kzl
7: 3,12;
KvWLd
2,99
2.3
von Nymphen:
der boume küniginne, / die Drŷades noch sint
genant KvWTroj
1030;
der bluomen küniginne / geheizen Amadrŷades ebd.
1064
2.4
von Personif.:
Concordia die kuͦniginne HvNstGZ
902;
die edle kuniginne / Vernumft Daniel
4995
2.5
‘das Beste, Herrlichste’, auf fem. Subst. bezogen:
du gotis minni ist ein kunigin / undir allin dugintin
SuTheol
185;
da von ist die minne / der tugende kuniginne
StrKD
3,I 1260;
aller sprâche künigîn / über alle die werlt ist latîn
Renner
22331
MWB 3,2 712,38; Bearbeiter: Bohnert
kunkel
stF.
ahd. kunkula aus mlat. conucula (vgl. EWA
5,887f.;
MlatWb 2,893 s.v. colucula). –
‘Spinnrocken, Kunkel’
colum: kunkula [Laa. kunchela, cunkil
] ,
rocko SummHeinr
1:327,173;
colus: ein kunkel GlAnzfKdVz
4:232,52;
ein kunkel [...], / ab der span er
dâ cleinez garn KvWTroj
15872;
ein kunkel diu wart [...] von dir
gespunnen ebd.
29096;
ein spinnel unde ein kunkel ebd.
27358;
dâ lac der haspel und daz garn, / diu kunkel und diu
schære ebd.
28287.
15879.
27608;
ain kunckel mit werck angeleit [gehört zum Pflichterbteil einer
Frau]
UrkHohenb
924
(14. Jh.);
Ammenh
4190.
–
mir zimpt ein swert in mîner hant / rîlicher, denne ein
kunkel KvWTroj
14347;
diu muoter diu krift eine kunkel swære. / [...]
über al / gap si ir [Tochter] vil starke slege schiere
Neidh
SL 23:9a,1
MWB 3,2 716,3; Bearbeiter: Bohnert
künne
stFN.
oder kunne?
– Herkunft unklar: aus lat. cunnus mit analogisch zu erklärendem
Genus (und Umlaut)?
dagegen nach DWB 5,2665 s.v. künne
2,g („‘geschlecht’ für das zeichen des
geschlechts”) dasselbe Wort wie →
künne stN., vgl. aber dort unter 7 zur Bed. und
8.1 zum stF.). –
‘weibl. Scham, Vulva’
swelch wip den sichtum hat, der sol man
[...] ol strichen in di kunne, daz gemachit si uon
lylien oder uon camomilla SalArz
65,12;
da inne sal man ein boumwolle netzen; di sal daz wip in di
kunne stozen ebd.
106,33.
105,10.
107,16;
Fridepreht der junge / greif ir an daz künne [Hss.
chinne, s. Wießner, Komm. z.St. (90,13) und
NeidhWB S. 160]
Neidh
WL 31:4,8
MWB 3,2 716,19; Bearbeiter: Bohnert
künne
stN.
stF.
Macc
258,
s.u. 9;
außerdem s.u. 8.1 zu maneger ~
u.ä.
1
‘Geschlecht, Familie, Verwandtschaft’
1.1 allg. 1.2 auf weibliche Nachkommenschaft eingeschränkt 1.3 redensartlich 2
‘Verwandter, Abkömmling, Kind’
2.1 allg. 2.2 umschreibend mit Gen. 3
‘Generation’
4 in Verbindung mit man, mensche, manlich, menschlich, irdisch ,
‘Menschengeschlecht, Menschheit’
5
‘Stamm, Volk’
6
‘Stand, Rang’ ? 7
‘(männliches/ weibliches) Geschlecht’
8
‘Art, Sorte’
8.1 im Gen. 8.2 mit attr. Gen. 9
‘Art und Weise’
1
‘Geschlecht, Familie, Verwandtschaft’
1.1
allg.:
in [Christus] bechennent elliu
chunne / hie in erde joch in himele VEzzo
297;
Jacob unte sîn chunne Gen
2638;
sam michel [wie die Sterne des Himmels (Gn
22,17)] werde dîn chunne daz von dir enrinne ebd.
945;
sin kúnne wahsen do began RvEWchr
485;
dem mêret sich daz kunne MF:Sperv
2:1,5;
al sîn künne sterben / muoste KvWTroj
2178;
sin kunne was von hoher art Elis
94;
(bildl.:)
der unstæte sippe ist breit, / wan der untugende schar / ist gar ir
künne WälGa
9878;
welihes chunnes si wâren Gen
2252;
dîns künnes vier frouwen Parz
695,22;
der sînem künne gerne tuot / daz aller beste
KvWTroj
10432;
dô wart geborn [...] Abram, / der
daz chunne uberguldete Gen
790;
lîp, guot unde künne / liez er allez varn durch got
RvEBarl
1408
(ähnl.
Litan
859;
Rol
3943.
5164;
LBarl
4841
);
beide ir friunt und ir chuͤnne StrKarl (S)
4772;
elliu diu kint, / diu in iuwerm künne sint
RvEBarl
8996;
gevæht er nâch dem künne, er wirt ein küene man
NibB
1915,1;
und trüege ein wolf von zobel ein hût, nâch künne er dannoch tæte
KLD: Namenlos
h 21,10
(ähnl.
Meissner
1:5,7
);
uzer sinim chunne bin ich geboren Rol
8824;
der [...] was ime uon chunne lieb
Exod
279;
er scolte alswâ bûwen, / von sîneme chunne
[vgl. de cognatione tua Gn 12,1] sô
verre in unchunde Gen
795;
von sînem künne ist einer edel RvZw
81,2;
mîn trût, ich schowe dich für elliu künne / lieber mînem
herzen SM:KvL
2: 4,3.
–
er ist von edelem künne, eines rîchen küneges sun
NibB
103,2;
Hochz
198.
797;
Er
9468;
ein edele kunne stîget of [...]. / sô sîget ein
hôez kunne nider MF:Sperv
2:7,1.3;
von dem besten künne Eracl
2224;
Kchr
2890;
hôchgeborn
KvWTroj
1593;
hêr
Spec
95,28;
wan ich doch lîhtes künnes bin [von einem geringen
Geschlecht]
AHeinr
1170;
Kudr
656,3;
nider
Spec
86,9;
keiserlich
Kchr
11811;
der hêrre wære / getriwe unt gewære, / aines
stætigen chunnes ebd.
15766.
–
wie Jâcobes chunne / ze lande heim sunne / ûzzer Egiptelande
Exod
37;
von Davides chuͤnn geborn PrOberalt
61,34;
du bist des Waten chunnes Rol
7801;
von küneges künne hôch erborn UvZLanz
4047;
Wig
2475;
die aller besten sîden die ie mêr gewan / deheines
küneges künne NibB
364,3
(oder zu 2.2?);
geborn ûz vürsten kunne HvFreibTr
3207;
nu quam uz himels kunne [...] / zu im ein harte
schoner bote Pass III
42,56
1.2
auf weibliche Nachkommenschaft eingeschränkt:
daz sol uon dir [Eva] rinnen /
ein wiplich chunne VMos
9,16;
unter iureme [Evas und der
Schlange] chunne niemer gefehede zerinne [vgl.
inimicitias ponam inter [...] semen tuum
et semen illius Gn 3,15]
Gen
410
1.3
redensartlich:
vnstæte schæidet chvnne Warnung
2251;
treͮwe vndir kvnne / daz ist michel wunne
ReinFu
K,113;
nâch dem künne dicke daz herze tuot Loheng
3814;
(wortspielend:)
ich vân billîcher nâch dem künne / dan ich nâch dem künege
[l. künge
] vê Sibote
158
2
‘Verwandter, Abkömmling, Kind’
2.1
allg.:
ein her grœzer [...], / dan witewe oder
künne durch lieber friunde willen ie gesande Kudr
1172,4;
Êrec was sîn künne Er
1796;
Kudr
205,3;
dîn kint und dîn künne / bin ich Wh
1,16;
si hete lützel künnes under Sîfrides man
NibB
1081,4;
(Pl.:)
nim under mînen kunnen [(weiblichen)
Verwandten] / swelich dir gevalle baz EnikWchr
4774
(s.a. Anm. z.St.).
–
ir aller naehstez künne KlageB
80;
Kudr
1541,4;
RvEWchr
1240;
du seligez kunne Pass III
338,62.
–
[Maria] was [...] chunne
dirre frowen [Elisabeth]
AvaJo
5,2;
diu von geslehte [...] / eins hôhen keisers
künne was AlexiusF
274;
(Pl.:)
daz si wæren küneges künne UvZLanz
5250;
[
du
] bist nitt hirtten künne
GTroj
1831;
dô sprach daz Hagenen künne [Enkelin]
Kudr
1270,1.
614,2.
1030,4;
und ist diu liebe muoter dîn / mînes herren künne
[Verwandte]
UvZLanz
5095.
–
du uipperen chunne [
progenies
viperarum Mt 12,34 (vgl.
23,33)]
JPhys
11,2;
hiute werden wir der engel kunne
[Verwandte]
Rol
5266
(vgl.
Pass III
372,2;
SHort
923
unter 2.2)
2.2
umschreibend mit Gen.:
sô schœnes ingesindes nû niht küniges
künne [ein König] hât NibB
577,4;
getriuwer wîbes künne [eine treuere
Frau] ein helt nie mêr gewan ebd.
1126,4;
daz dich getruoc ie wîbes kunne Walth
149,55;
geborn von wîbes künne LobGesMar
11,14;
MarldA
301;
KvWLd
10,18;
WolfdD (H)
1336,3;
die sele vur enpor [...] / zu der engele kunne
Pass III
372,2;
nie hertze sich enporte / so hoh noch engels kunne
SHort
923
(vgl.
Rol
5266
unter 2.1)
3
‘Generation’
in dem vierden chunne [
generatione Gn
15,16] sô lôse ich si danne Gen
843;
uone chunne ze chunne [
in generationem et generatione
Ex 3,15]
Exod
609;
VMos
9,11
4
in Verbindung mit man, mensche, manlich, menschlich, irdisch,
‘Menschengeschlecht, Menschheit’
allez daz manneschunne SüklV
60;
allez mannes chunne Wernh
D 1263;
aller manne chunne SüklV
73;
minnare alles mannechunnes LambGeb
A,67
(vgl. →
mankünne [z.B.
SüklV
22.
321;
LambGeb
B,68
], Leitzmann, Lexik. Probl. S. 39);
do geheilt er mennisken chunne JPhys
1,16.
2,15;
des menschen kunne Pass III
81,13.
–
daz mænlich chuͤnne PrOberalt
154,31;
allez menschlîchez kunne HvFreibKr
264;
Adam, den ersten man in menschlichem chuͤnne
PrOberalt
154,8.
54,1;
MillPhys
5,5;
Albert
791;
Lucid
25,2;
PrMd (J)
342,22;
PrWack
39,31;
UrkCorp (WMU)
1379,2;
Boner
57,106;
der daz lop hat gewunnen / uz allem irdiskem chunne
Rol
5654
5
‘Stamm, Volk’
diu zwelf chunne / der Jacobis chinde Hochz
954;
des kúnnis
[Dan] fúrste RvEWchr
13001;
des kúnnis lút von Effraim ebd.
18866;
der iudin chunne Spec
13,26;
das ïr des heiligen chvnnes [der
Juden] sit Konr
10,43;
[Jesus] den sîn selbes künne hienc Wh
219,7;
ein wip uon deme ebreisken chunne VMos
19,28;
hierher oder zu 1.1:
daz Jacob ûz deme chunne gehîte Gen
1230.
–
Amalechis kúnnis schar RvEWchr
15579;
[Saul] gebot / das kunne und das
geslehte [der Amalekiter] gar /
[...] verderbin ebd.
23601;
ein dûsunt blieb dâ tôt / von kriechischeme kunne
SAlex
1693;
(Pl.:)
manheit und sterke wielt vil der diutschen künne Loheng
4436
6
‘Stand, Rang’?
(vgl. AWB 5,514 s.v. kunni
6):
das alle, die in dem vorgenandem fridecraisse sessehaft sint, man und wib,
súne und tohteran, ze der ê komen múgen mit allen lúten, an
die sú geuallent in ander stete und von anderen steten, sweler kúnne
[Gen. Pl.] sú sint [vgl. lat.
disparitate conditionis [...] non
obstante
]
UrkCorp (WMU)
2597,37=2596,43
(oder zu 1.1, vgl. dort edelez, hôhez, lîhtez, niderez
~
)
7
‘(männliches/ weibliches) Geschlecht’
(vgl. frnhd. sexus: kun, geslechte Vocabularius Ex quo, Bd. 5,
Tübingen 1989, S. 2484 [S 594],
s.a. DWB 5,2665 s.v. künne
2,f;
vgl. →
künne
stFN.):
swaz mannes chunnes wrde undir siner geburde / daz die alle sich besniten
GenM
37,5
(oder liegt ein Fehler vor?, vgl.
swaz mannes geburte in sîneme chunne wurte Gen
867
)
8
‘Art, Sorte’
(Synon.: →
hant
13,
leie
,
slaht
)
8.1
im Gen.
– Sg.:
waz künnes diu
rinne [Wasserrinne] sî
[...], weder îsenîn oder hülzîn oder beinîn
oder rostic Eckh
5: 307,8;
und nemen alliu dinc in dem und nâch dem, swaz künnes
sie sint ebd.
5: 285,8.
– Pl.
(nach DWB 5,2664 s.v. künne
1,e sei in maneger/ welher/ aller
~
Gen. Sg. des stF. anzunehmen; aber eindeutige fem. Belege
fehlen mhd. [s.u. 9], und der Gen. Pl. kann, wo nicht durch
Pl. der Bezugswörter wurze, vische usw. gestützt, phras. erstarrt
sein):
wurze maniger kunne SAlex
5177;
nim vische, welher kuͤnne sie sin, vnd
suͤde sie BvgSp
17;
kultern maneger künne Parz
760,13;
der mantel was eyn sicklatin / van mancher kunne varwen claer
KarlGalie
10307;
maniger kunne spele MorantGalie
599;
mit freuden maneger künne UvZLanz
2359;
En
9878;
hêrschaft maneger kunne EbvErf
4351;
manigerleige [La. maniger
kúnne
]
Tauler
79,25;
(Bezugswort im Sg.:)
es si welicher kúnne liden daz si ebd.
17,21;
diͤ martilj is drier künne
MarlbRh
121,37;
von fúnf kunne gevengnisse
Tauler
76,4.
76,9;
pleonastisch:
van aller kunne sinnen, / van aller slachte sachen
MorantGalie
1022;
aller slachte kunne ebd.
1027;
zweier kunne wise [auf zweierlei
Weise]
Tauler
22,21
8.2
mit attr. Gen.:
krûder, blûmen unde gras / mangerleie kunne Erlös
129;
ein iclich uihes kunne SalArz
16,54;
aller leige kunne der vische EvBeh
Mt 13,47;
des schlangen kúnne [
serpentis
huius … genus
]
WernhMl
11444;
mit maniger kunne spisen MorantGalie
1093;
keiner krümbe kunne / hâten diu hâr WvRh
1336;
alles spiles chunne Gen
1048;
aller vrouden kunne [...] / was
da Vät
23504;
von welher kunst kuͤnne WhvÖst
3979
9
‘Art und Weise’
sumer unde sumerwunne / wunnent niht ze rehte sich, / noch die
vogel in ir kunne, / noch die liute, dunket mich SM:UvS
10: 1,3.
–
dem cranken tihtere / brengestu [durch dein
Fürbitten] die besten wunne / in vreudenberender kunne
Macc
258
(Genus und Bed. an →
künde
stF. angelehnt? vgl. ebd. 1.3, wo
umgekehrt die Bed. von künde sich mit künne
1 berührt)
MWB 3,2 716,33; Bearbeiter: Bohnert
künnegalle
swF.
jmd., der den gesellschaftlichen Rang, das Ansehen seiner Familie vergällt,
verdirbt
(vgl. →
hovegalle
):
daz si dir jehent alle / du sist ein künne galle Erz
III
178,672
(=
StrKD
4,672
)
MWB 3,2 719,25; Bearbeiter: Bohnert
künnehaft
Adj.
‘reich an Verwandtschaft, an Verwandten’
ez enwart nie man sô künnehaft Wh
141,28
MWB 3,2 719,30; Bearbeiter: Bohnert
künnelinc
stM.
auch kunlinc
Gl ;
Wernh
D 4468;
konlinc
Gl ;
Roth ;
kullinc
ReinFu .
– ahd. kunniling (AWB 5,516); noch frnhd. belegt, s. Dalby,
Mediaeval Hunt S. 127f.
1
‘(Bluts-)Verwandter’
2
‘ Angehöriger desselben Stammes, Stammesgenosse, Landsmann’
3 verallgemeinert, ‘Mitmensch’
1
‘(Bluts-)Verwandter’
consanguineus et cognatus: kvͦnlink Gl
3:354,29;
cognatus: kibornir ł chunnilinc ebd.
3:662,39;
neven oder chunlinge SeckauBrev
143;
[die hl. Drei Könige] waren kuͤnilinge / alle vnder
ainander [als Nachkommen Balaams, vgl. A. Masser, Bibel, Apokryphen
und Legenden, Berlin 1969, S.
215]
Wernh
A 3910;
[wer] ce gote sinnet / und lezit kint und wip / durh den
ewigen lip, / uater und muter, / swestir und brudir, / sine kunnelinge /
[...], / deme gibit er sine hulde Ägidius
h
27
(vgl. ähnl.
kunliche [l. kunlinge?]
Litan (M)
S,839
);
gere [= geêre
] dine
chunlinge! Rol
8764;
[der hl. Servatius ist des
] schephæres
[Christi] chünnelinc Serv
2217
(vgl. ZfdPh 98 [1979], S. 13);
der was sin trvt kvllinc ReinFu
K,2193;
Gen
3024;
Wernh
D 4468;
Roth
3414
2
‘ Angehöriger desselben Stammes, Stammesgenosse, Landsmann’
contribules: cunelinge SummHeinr
2:246,02.30;
durch waz tuͦst dû ungemach / dîneme chunnelinge? [vgl.
proximum tuum Ex 2,13]
Exod
301;
der bote [Moses] redete, / swaz er uernomen habete
/ ze sînen chunnelingen [vgl. filiis Israhel Ex
6,9]
ebd.
1159
3
verallgemeinert, ‘Mitmensch’
wir uirgezzen / daz trinken iovh daz ezzen / unserre
chunelinge / [...] durch daz himel riche
VMos
83,10
MWB 3,2 719,32; Bearbeiter: Bohnert
kunnen
Prät.-Präs. (III)
mit Stammvokal a im Sg. Indik. Präs., u in den übrigen
Formen (daneben vor allem Omd., Ofrk. und Alem. seit der 2. Hälfte des 13. Jh.s im Prät.
zunehmend gesenkt zu o); vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2,895-898 und 903 (§ V 187),
dort auch zu selteneren Formen, sprachlandschaftlichen Besonderheiten und Vorkommen von
Umlautmarkierungen. – Ind. und Konj. Prät. sind an der Form i.d.R. nicht zu
unterscheiden, vgl. 2
5Mhd. Gr. § M 97; Mhd. Gr. (KSW) 2 § V
187. – ein Part.Prät. fehlt im Mhd., in Mhd. Gr. (KSW) und dort ausgewerteter Lit.
ist es nur einmal und spät bezeugt (hette gekunt
HvFritzlHl
15,8 unten unter 1.1.7); die Konstruktion mit dem sog. Ersatzinf.
(vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 34,3) ist für ~ im Mhd. noch nicht
belegt. – die seit dem 12. Jh. auftretende Fügung Prät. + Inf. Perf. (kunde
gelobet hân, geschehen sîn), bezeichnet den Irrealis der Vergangenheit (nhd.
‘hätte zu preisen verstanden, hätte geschehen können’); gleichbedeutend
konnte zuvor (und weiterhin daneben) Prät. + Inf.Präs. (kunde loben,
geschehen) gebraucht werden, vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 11
mit Lit.; zur Variation der beiden Fügungen mit Modalverben in der Überlieferung des
Nib vgl. Braune, PBB 25 (1900), S. 33-38, mit ~ besonders S. 37f.
– als Beleg für (sonst nicht bezeugten) Imp. wird in der Lit. (Frnhd. Gr. § M 140
mit Weinhold, Mhd. Gr. § 413) irrtüml.
Rennew
765
angeführt (zu → kunnen swV.!).
– Gliederung: Unter 1. wird der Gebrauch als Vollverb beschrieben,
unter 2.-5. die Gebrauchsweisen mit Infinitivrektion; in 2. und
3. macht ~ wie in 1. eine Aussage über das Subj., während
es in 4. die Aussage des Infinitivverbs modalisiert; 2. hängt
semantisch enger mit 1. zusammen (‘können’ aufgrund von Wissen,
erlernter Fähigkeit); 3., ‘können’ aufgrund körperlicher oder
seelischer Kraft, zeigt überwiegend negierten Gebrauch, ist aber nicht immer deutlich
von 2. zu trennen; 4., der modalisierende Gebrauch i.S. objektiver
Möglichkeit, kommt vor allem mit unpers., einen Zustand bezeichnenden oder passivischen
Infinitivverben und mit nicht-agentiven Subjekten vor; 5. ist eine schwierig
zu deutende Restgruppe.
1
‘etw. kennen, wissen, verstehen, sich auf etw. verstehen, kundig sein in Bezug
auf etw.’ ; bezeichnet i.d.R. ein auf Tätigkeit und Handeln (z.B. auch
Lehre) bezogenes Wissen, eine erlernte Fähigkeit 1.1 mit Akk.d.S.; bei den Bezugsgrößen handelt es sich um 1.1.1 etw., was man aufzusagen weiß 1.1.2 den Verlauf von Straßen und Wegen, Reiseweg 1.1.3 die Heilkraft von Kräutern 1.1.4 eine Sprache 1.1.5 Bücher, Schriften (besonders die hl. Schrift) 1.1.6 das Recht 1.1.7 Liebe 1.1.8 verschiedene Handwerke, Fertigkeiten, Künste, Wissenschaften
( liste , wîsheit , künste ) 1.1.8.1 allgem. 1.1.8.2 besonders 1.1.9 höfisches Benehmen 1.1.10 (un)moralisches Handeln 1.2 in engerer Verbindung mit dem Akk. eines Indefinitums ( iht, niht, vil,
wunder
‘viel’ , mê usw.), das nicht weiter ergänzt ist 1.3 mit Präp.-Obj. 1.3.1 das Obj. ist ein Abstraktum (Handwerk, Fertigkeit, Kunst, Wissenschaft
usw.) 1.3.1.1
an etw. 1.3.1.2
in etw. 1.3.1.3
mit etw. 1.3.1.4
von etw. 1.3.1.5
ze etw. 1.3.2
mit einer Person (auch mit Gott, mit einem Tier) 1.4 mit Obj.-Satz (bei koordiniertem wizzen ) 1.5 phras., verneint mit verre, baz
‘nicht weiter wissen, es nicht besser verstehen’
2 mit Inf., ‘(aufgrund einer erlernten Fähigkeit, Einsicht oder Kenntnis) etw. zu
tun wissen, verstehen, sich darauf verstehen, etw. zu tun’ ; der Inf.
bezeichnet 2.1 Wissen, Verstehen, Erkennen, Erforschen, Ausdenken 2.2 Mitteilen, Darlegen, Lehren von Wissen, Erkenntnissen 2.3 die Ausübung verschiedener künste und liste (vgl. oben
1.1.8 ) 2.4 Geschicklichkeit allgemein 2.5 (un)moralisches Handeln 2.6 höfisches Benehmen 2.7 Fähigkeiten von Tieren 3 mit Inf., ‘(aufgrund seelischer oder körperlicher Kraft, gestattet durch äußere
Umstände) imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’ ; meist negiert 3.1 negiert, ‘nicht imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’ ; Hinderungsgründe sind 3.1.1 seelische Verfassung / Disposition 3.1.2 physische Schwäche 3.1.3 äußere Umstände 3.2 nicht negiert 4 mit Inf.; drückt Möglichkeit (negiert: Unmöglichkeit) dessen aus, was das
Hauptverb aussagt 4.1 Präs. 4.1.1 Ind. 4.1.2 Konj. 4.2 Prät. 4.2.1 faktisch 4.2.2 Potentialis (auf Gegenwart oder Zukunft bez.) 4.2.3 unerfüllter Wunsch 4.2.4 Irrealis (auf Vergangenheit bez.) 4.2.4.1 mit Inf. Präs. 4.2.4.2 mit Inf. Perf. 5 mit Inf., ‘pflegen, zu’ ? eine Reihe von Belegen wird traditionell teils als
rein umschreibend / pleonastisch (häufig vor allem bei Wolfram), teils als
Bezeichnung eines Habitus gedeutet (vgl. BMZ 1,806,45: ‘meine Natur, meine Sitte
bringt es mit sich’ , mit unklarer Belegzuordnung; DWB 5,1739-41
[Hildebrand]: können II,6; Kahl, können und mögen, S. 32f.; Fritz, Modalverben, S. 49); Beispiele, die am ehesten diese Lesart stützen könnten
1
‘etw. kennen, wissen, verstehen, sich auf etw. verstehen, kundig sein in Bezug
auf etw.’; ~ bezeichnet i.d.R. ein auf Tätigkeit und Handeln (z.B. auch
Lehre) bezogenes Wissen, eine erlernte Fähigkeit
1.1
mit Akk.d.S.; bei den Bezugsgrößen handelt es sich um
1.1.1
etw., was man aufzusagen weiß:
der dorfman ist niht wol beriht, / kan der pfaffe des glouben
[das Credo] niht Freid
70,21.
8,2;
chan er des heiligen gloͮben niht vnde wil in
[...] niht lernen Spec
1,22;
welich mensche vierzehen jâr alt wirt unde kan ez des pater nosters
niht, man sol ez an ein velt legen PrBerth
1:44,13;
künnent sie daz avê Marîâ dar zuo, daz ist vil wunderguot ebd.
1:44,10;
geschiht aber daz ez [das Neugeborene] ze
priesters handen niht komen mac, sô sol ez ein kneht oder ein dierne, frouwe
oder man [sc. taufen] , die diu wort kunnent als
sie in dem sermône stênt von den siben sacramenten ebd.
1:31,37;
ich wæne die phaffen unt die nunnen / ein gemäinez
bîwort [Sprichwort] chunnen, / daz si sprechent
‘post pirum vinum [...] ’
[Birnen verlangen nach Wein, TPMA
1,487]
Priesterl
66
1.1.2
den Verlauf von Straßen und Wegen, Reiseweg:
die wîsten sie dare / die den wech kunden, / aldâ si wilt funden
En
4559.
1803;
die die strâzen kunden, / die wîsten sâ ze stunden /
die ritterschaft ûf den wec / gegen der burc UvZLanz
7577;
die strâze er vil wol kunde / wider in sîns herren
lant Wig
1060;
die die waltstîge kunden, / die gevuoren alle baz dan
ich Tr
2702
1.1.3
die Heilkraft von Kräutern:
ich han hi gesaget von den wurzen, di uch bekant
[...] sin [...] so han
ich gesait ein teil ir craft, di ich weiz unde ouch nutze ist. nu wil ich
uch sagen von den wurzen, ane di nimant guͦte electuaria
[ eingedickter Saft, Latwerge] gemachen kan.
der craft sag ich io, so verre ich kan [sie
kenne]
[...] und ouch uch nutze
ist zu kunnene. Macer
Gewürzvorr. 2
1.1.4
eine Sprache:
[der Hl. Geist] lerte si allin wistuͦm unde
daz si alli sprache chundin Spec
79,18;
dô frâgte ich es an der stunde / der die sprâche
chunde, / waz si sungen KvHeimUrst
372;
dô er ir sprâche reden began, / die lützel ieman
kunde dâ Tr
2237.
2283.
8533;
wan ich die lantsprâche kan ebd.
8701;
die [...] niht wan einir
zvngin chundin Spec
76,13;
swer iht vremeder zungen / von den bîlanden kunde
Tr
3697;
swer hie wälhisch sprâche kan Parz
85,18.
–
undi sich swer dir ebreschin icht kan, / daz iri
nibilibi lebindic niman ÄJud
97;
diu frouwe in ir biutel vant / einen brief, den
schreib ir mannes hant. / en franzoys, daz si kunde Parz
55,19;
si kunde franzois und latîn Tr
7986;
die Kerndner auch diutsch kunnen. / der êrn muoz
man in gunnen EnikWchr
27523;
nîgen wart dô niht vermiten / gegen den
[...] die latîn noch tiutsche kunden
Ottok
43536;
want ich [...] lutzil
dûtschis kan, / ôt alse mich dî larte, / der spune mich ê narte
NvJer
304
1.1.5
Bücher, Schriften (besonders die hl. Schrift):
und erfuͤlt wart von dem hiligen geist der im
so getan genad und chunst gab, daz er die hiligen schrift vollichlich chunde
und si geistlich verstunde PrOberalt
19,33;
do hiez er [Herodes] im
gewinnen die diu buoch chunden AvaLJ
20,2;
wan ir [Laien] der
bvͦche niht kvnnet, an den vogelen svlt ir sehen, waz iv ze
tvͦnne si. mines trehtines geschephede sint iv niht geben aingenote
ze dem ezzenne svnder ze einem bilde Spec
35,22;
swelher so welle, / der widirrede daz; / der chan diu
buoch baz VRechte
368;
wan er diu e chunde, do vragt in unser herre von der
e, daz er in von sein selbs worten lert PrOberalt
153,28;
dar ume sprach Kristus vile wê den juden pristeren
[...] wan si di schrift kunden, und hilden sich
vur gerecht, und si doch ungerecht wâren HvFritzlHl
36,7;
man solte nieman ze priester wihen, er koͤnde
denne beide, die alten e und die núwen e Mechth
5: 24,34.
–
der aller wîseste man, / der diu buoch von
erzenîe kan Eracl
3240
1.1.6
das Recht:
[Kaiser Karl] was recht richtere. / er lerte uns
die phachte: / der engel si imo uore tichte. / er chonde ellu recht
Rol
705;
er kvnde sin recht vnde sine e / vil wol vnde nimman
baz Herb
3218;
swer lêhenreht kunnen welle, der volge dises buoches
lêre SpdtL
231,1
1.1.7
Liebe:
wer hât mich diz [Minne] gelêret al, / daz
ich ez nû sô wole kan / und ich es doch nie began? / ich kondes lutzel hûte
frû: / ich kan ez sô wol iezû, / des is mîn herze vile swâr
En
10229
1.1.8
verschiedene Handwerke, Fertigkeiten, Künste, Wissenschaften
(liste, wîsheit, künste):
1.1.8.1
allgem.:
die wîsen kunnen manegen list, / der fremede tumben liuten ist
Freid
79,11;
siê kunnen alle liste Himmel
30;
der kvnde vnd wiste / die selben liste, /
[...] der man do phlac vnde noch
phlit [die Sieben freien
Künste:]
[...] an einer leret
man buchstaben [...]
Herb
7661;
ein vierzehenjærec kint / kan al die liste, die
nu sint Tr
3720;
daz beste daz er kunde, / sô schuollist, sô
hantspil ebd.
7966.
–
die kvnden vnde westen / an buchen vn an
phafheit / list vnd wisheit Herb
10686;
want ich inhaldin nit vor einen wisen man, / di gude liste
aleine kan, / wan virborgine wishet / der selen nit vurrsteit. di
wisheit wil, dat man si teile, / want si geschaffen ist zu heile
WildM
4,152;
sô wil ich iuch lêren drîerleie wîsheit, die mag iu lieber sîn
danne alle die wîsheit die alle meister kunnent
PrBerth
1:5,25.
–
ez dunket manegen tumben man / diu kunst diu beste, die er kan
Freid
115,7.
78,20;
got noch künste kan genuoc
Parz
796,16;
alle die kunst die sie künnent, diu ist nihtes wert, sie
künnen danne die selben drîe künste PrBerth
1:5,32;
der êrste mensche, Adâm, der hate alle kunste vor dem valle
und hete alle hantwerg gekunt âne lernen HvFritzlHl
15,8
1.1.8.2
besonders:
– Lesen:
ine kan decheinen buochstap. /
[...] disiu âventiure / vert âne der
buoche stiure Parz
115,27.
– Schäferei:
sô sprechet [...], /
ir sît von chintheite gwon mit deme fihe gên; / swer wole chunne den
list daz der unter iu sî der tiurist Gen
2550.
– Heilkunde:
die êbrêisken froͮwen / die chunden selbe den list, /
der zuͦ chintpette guͦt ist Exod
181;
die erzenîe kunden, den bôt man rîchen solt
NibB
255,1;
wan sie vil kunde / und genuoc von erzenîen
Eracl
3510.
– Zauberei:
in weiz, ob er zouber kunne Walth
51,18;
si kunde eht zoubers die kraft Er
5189;
daz er von lêre kan / dekeiner slahte
zouberlist Tr
1002;
an im geschach ein wunder, / ein list den kunder: / ein salbe
er under ougen streich, / daz im sîn liehte varwe entweich; / er
wart vil ungeschaffen UvTürhTr
2234;
do sprach der keiser: ‘Vite, was du
czoͮberes chanst, das du den tieren vnd dem viure gebiutest
vnd dir div gehorsam seint?’ Konr
14,101;
so nennet man in Anticrist / und tut in
zouberliche list / unde goukelie leren. / da beginnet her keren /
sinen vliz so vaste an / daz der nie niekein man / wider im nicht
enkunde HeslApk
18553.
– Geometrie:
wander wole konde / die list von gêometrîen En
9408.
– Astronomie:
alle die wîsheit die alle sternenseher künnent
PrBerth
1:5,27.
– Ritterkunst:
der helit vil wale kunde / aller slagte frumicheit / ind was
ein rittêre gemeit ErnstA
341,9;
den besten meister mîn, / den wil ich dich lêren heizen
[...] daz du doch drî swanke künnest,
swâ man strîte / in herten veltstürmen Kudr
359,3;
da ich niht der wizze kan, / da vind ich
maͤngen wisen man / der mich kan geleren wol / wie ich ritter
wesen sol RvEWh
5411.
– Schiffbau:
da er sîne junger lêrte / zimbern groze chiele
[...] den list er wol kunde
Wernh
3138.
– Sticken:
genuoge worhten an der
rame [Stickrahmen] : / der werc was
aber âne schame. / und die des niene kunden
[...]
Iw
6201.
– Musizieren:
diu cleinen vogellîn wol singent / in ir besten wîse, die si
kunnen Walth
46,3;
ich hân gevlizzen / an iegelîchem seitspil /
und enkan doch keines alsô vil, / ine kundes gerne mêre
Tr
3668.
3684.
7966.
– Beredsamkeit:
einer rede sie begonde, / die si vil wole konde, / mit
michelme sinne En
9746;
seht (sô helfe iu got) / ze disem gebiurischen man, / wie wol
er sîne rede kan Greg
1126;
daz ich widir vweris herren man / negeine gote
rede ne kan Roth
1029;
konde wir unse rede baz, / gerne tete wir daz, /
[...] daz wir si uore brechten
Glaub
3743;
und vil swinder und behender wort sprach si deme bischove zu,
alsô daz den bischof wunderte daz si sô wîslîche rede kunde
HvFritzlHl
10,7.
– Schach:
kunnet ir / schâchzabelspil?
[...] ir ist / under uns genuoc, die
disen list / wol kunnen Tr
2231
1.1.9
höfisches Benehmen:
ir nîgens si begunden / mit zuht die si wol kunden
Parz
641,28;
in zôch nehein Curvenâl: / er kunde kurtôsîe niht, /
als ungevarnem man geschiht ebd.
144,21;
wan daz ich ein lützel fuoge kan, / sô ist mîn schœne ein wint
Walth
116,11;
ein guotes rîcher man / der deheiner slahte vuoge kan
Wig
5770;
si kunde ê schœne vuoge / und höfscheit
genuoge Tr
7981
1.1.10
(un)moralisches Handeln:
ez wænt ein ungetriuwer man, / ich künne untriuwe, als er kan
Freid
44,6;
diu wîb kunnen liste vil: / waz ob si mich betriegen wil
En
11241;
ich pin vor valsche vrî: / ich enkan decheinen
widersaz [verstehe mich nicht auf
Unredlichkeit]
Parz
439,21;
verrâtens ich doch wênic kan, / swie mich des zîhen
sîne man ebd.
27,1;
der reine valsches niht enchan
KvHeimUrst
1515;
wie sol ich dich trügenheit lêren? sô kanst dû ir selber ze vil der
trügenheit PrBerth
1:16,21;
unde dâ von kunnent sie vil liste unde schalkeit ebd.
1:34,9;
moralisches Urteil:
er enweiz noch enkan / noch daz vbel noch daz gut
Herb
12194
1.2
in engerer Verbindung mit dem Akk. eines Indefinitums (iht, niht, vil,
wunder
‘viel’, mê usw.), das nicht weiter ergänzt ist:
swer niht enweiz und niht enfrâget, / und niht kan und in lernens
betrâget, / [...] und hazzet den, der rehte tuot: /
disiu driu sint tôren muot Freid
78,19;
vil lieber man, / daz ich weiz und daz ich kan / daz kanst ouch dû unde
weist En
6568;
vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch
wænent kuͤnnen vil Rennew
31871;
ich waene, si ist ein Vênus hêre, die ich dâ minne, / wan
si kan sô vil [Zauberkünste]
MF:Mor
22: 3,2;
uil ist des wir kunnin, luzil des wir
tvͦgen [viel ist, was wir wissen, wenig, was wir
vollbringen (Ohly)]
TrudHL
5,8;
er fuort in în zem palas, / dâ diu werde massenîe was. /
sus vil kund er in schalle [trotz des Getümmels um ihn
(Bartsch/ Marti z.St.)] , / er sprach
[...]
Parz
147,29
(oder zu 1.3.1.2?);
kumt sanges tac, man gehœret singen unde sagen: / man kan noch
wunder Walth
58,26;
Reinhart, der wunder konde ReinFu
K,654;
chunde ich iht, des wære ich vrô
KvHeimHinv
36.
108;
swaz die alten [Frauen im
Tempeldienst] chunden, / daz enmahte ir [der
kleinen Maria] niht engân Wernh
1366;
der hiez mich lêren, daz ich kan Tr
3107;
und kan der mensche mê underwîlen, dan in ieman gelêren mac
Eckh
4:414,63;
ob er fraget des er niht enkan, / des bescheit in schier
ein wiser man BvgSp
Vorrede,19
1.3
mit Präp.-Obj.
1.3.1
das Obj. ist ein Abstraktum (Handwerk, Fertigkeit, Kunst, Wissenschaft
usw.)
1.3.1.1
an etw.:
dô reit der hêre Chôres, / der Troiâre prêster /
[...] und was doch ritter vile gût / und
hete manlîchen mût / und kunde wole an ritterschaft En
9069
1.3.1.2
in etw.:
dô sprach Dionysius: Timotheus ist ein gotlîdender man. der in dem
wol künde, der vürliefe [überträfe] alle
menschen Eckh
4:424,160;
Parz
147,29
(s.o. unter 1.2., wohl nicht hierher).
1.3.1.3
mit etw.:
ir offenlîchiu mære [ihr Umgang
miteinander in der Öffentlichkeit] , / mit den si
wunder kunden Tr
12991;
iwer vater [...] kunde
wol mit schallen [verstand sich darauf, Ruhm zu
erwerben]
Parz
317,25.
– Kriegskunst, Ritterwesen:
der wol mit rîterschefte kan
Parz
66,10;
Wh
225,5;
Wig
8456;
die wol mit strîte kunden Parz
210,22;
Wh
78,5;
mit der tjost si bêde kunden
Parz
704,6.
738,23;
Centaurî wâren si genant / und kunden mit
geschütze wol KvWTroj
6277.
– Heilkunde:
lât mîne wunden schouwen / etswen der dâ
künne mite Parz
577,9.
– Jagdwesen:
swer mit gejegede kunde Tr
14357;
der chan vil wol mit vederspil / und ist ein
wiser weide man StrKD
61,290;
ez was ein ritter hoch gemut, / der gewan vil
mangen habch gut. / er hete die gewonheit / daz er vil dicke beizzen
reit, / und konde doch mit hebchen [
zebeizen
StrKD
61,15, s.u.] niht Erz III
194,5;
nu nemet iuwer hût hin dan, / wan ine kan hie
mite [Zerwirken des Wildes] niht baz
Tr
3045.
– Liedkunst:
ich bin Wolfram von Eschenbach, / unt kan ein
teil mit sange Parz
114,13.
– höfisches Benehmen, Auftreten:
der niht mit ritters fuore kan
Parz
152,12.
– moralisches Handeln:
er ist verlorn, swer nû niht wan mit triuwen
kan MF:Mor
7: 5,4;
ein tugentrîcher wîgant, / der niht mit valschen listen kan
RvEGer
815;
du hast einen vil guten site / unde kans da vil wole mite, /
daz du der sundigen scones / unde mit deme guten des ubelen lones
Glaub
1947;
der vch disen rat git, / der kan harte wol da
mit [Herrscher sein]
Herb
10904
1.3.1.4
von etw.:
alle die von wurzen oder von sternen künnent
PrBerth
1:5,27
1.3.1.5
ze etw.:
der werltliche man, / der wol zefrivden [l. ze
vröuden
] chan Warnung
1568;
wâ von sprichet dan dehein man, / der iht ze guoten dingen kan, /
daz der bœs hab sælikeit? WälGa
4508;
alda reit ein criche vnde, / der zv rosse wol
kvnde Herb
11552;
sun, nû vürhte ich dîn dar an: / du enkanst ze ritterschefte niht
Greg
1537;
wir [Stadtbürger] kunnen niht ze turney
noch ze tjosten Loheng
1163;
ez was ein riter hoch gemut; / der gwan vil
manigen habch gut / und het die gwonheit, / daz er vil dicke beizen
reit, / und chunde doch zebeizen [
mit hebchen
Erz III
194,5, s.o.] niht StrKD
61,5;
ir schif giengen ebene, dô si ûz dem lande kêrten. / die ze
arbeite [des Seemanns] kunden, die tumben si
dô lêrten Kudr
285,4;
mich [Isôt] wundert sîn
[...] daz der gevüege Tristan / nicht zu
vrouwenliebe kan HvFreibTr
3720;
dô tet der kunic als ein man, / der wol zurliuge
kan Ottok
9539;
und daz er dâ und zaller zît / ze ritterschaft
wol kunde ebd.
16423;
ich [...] chan zü
ercznei wol, / dez wil ich helfen dïr Märt
2415.
–
nu rât waz ich tuo: / ich kan hie harte wênic
zuo Parz
156,16;
dâ kan ich wol zuo, / swaz ir mir gebietet, daz ich daz allez
tuo Kudr
997,1;
nâch rât der allerbesten, / die darzuo kunden
Ottok
13279
1.3.2
mit einer Person (auch mit Gott, mit
einem Tier):
er ist gar ein sælic man / der mit dien liuten kan KLD:
UvW
Leich 4,182;
ich wæne, mîn vriunt Tristan / niht mit juncvrouwen kan
UvTürhTr
280.
–
dem reht wære und mit gote wol
künde ["und sich auf Gott wohl verstünde"
(Quint)] , dem würde alliu solchiu lîdunge und învelle
ze grôzem vrumen Eckh
5: 231,7;
der mit gote wol künde ["recht zu
Gott stünde" (Quint)] , der sölte alwege anesehen, daz
der getriuwe minnende got den menschen hât brâht ûz einem sündigen
lebene in ein götlich leben ebd.
5: 232,6.
–
iz [den
Kriegselefanten] wîset mit grôzeme sinne / sîn
meister [Führer] , der dâ mite kan
SAlex
4376
1.4
mit Obj.-Satz (bei koordiniertem wizzen):
alle die ie smiden begunden, / di ne wessen noch ne
chunden / wi daz swert gehertet was Rol
3308
1.5
phras., verneint mit verre, baz
‘nicht weiter wissen, es nicht besser verstehen’
duo sprach Sŷmon: / ‘Pêter, war ist dîn
wîstuom komen? / nu enkanst dû niht mêre. / ih wil dih wol lêren
[...]
Kchr
2359;
wir wîp bedurfen alle tage / daz man uns tumbe rede
vertrage [...] wan wirne kunnen leider baz
Iw
7684
2
mit Inf., ‘(aufgrund einer erlernten Fähigkeit, Einsicht oder Kenntnis) etw. zu
tun wissen, verstehen, sich darauf verstehen, etw. zu tun’; der Inf.
bezeichnet
2.1
Wissen, Verstehen, Erkennen, Erforschen, Ausdenken:
ih hân vil manigen man, / die mir wol kunnen revaren, / wâ
si sint gelendet Kchr
1497;
wert ist mir der man, / der guot und übel betrahten kan, /
der mich und iegelîchen man / nâch sînem werde erkennen kan Tr
18;
’ine weiz’ sprach Tristan sâ zestunt /
’ine kan niht wizzen, waz ez ist, / wan mir enmac kein arzâtlist /
gehelfen noch gevrumen hie zuo ebd.
7775;
dise namen [
Tristan und
Tantris
] die beswærent mich. / ine kan niht
wizzen, wie in sî: / si lûtent nâhe ein ander bî ebd.
10105;
der gewaltige herre / der teilet sînen knehten / ir lôn
alsô rehte / nâch ieglîches werken: / daz kan er wol gemerken
Wernh
5688;
swer der wurze crapht wissen wil, der chan si irkennen
nicht, her inwisse, was der wurze nature si Macer
Prosavorr. 24;
an alle die arge liste, die ieman irdenkin kan UrkCorp
(WMU)
102,2
2.2
Mitteilen, Darlegen, Lehren von Wissen, Erkenntnissen:
wie er die troume chunde skeiden Gen
1968;
unt wie er lantreht bescheiden chunde / allen den ers
gunde VAlex
219;
der bedarf [...] guͦtir
lute ratis, / die in geistliche kvnnen leren / wie her gote sule dienen
Ägidius
944;
nû sprechent bôse lugenâre, / daz er
[Alexander] eines goukelâres sun wâre.
[...] nimer geloube ez nehein frum man. / sînen
vater ich wol genennen kan. / [...] Philippus hîz der
vater sîn, / al Macedonenlant was sîn VAlex
78;
den aller wîsten man [Josephus] ,
/ der dem chunige wol gesagen chan / von anegenge der werlte, / wi si aller êrst
got gescuofe, / dar nâh von allem mennisken kunne Kchr
1022;
chanst dû mir rehte gesagen, / war umbe der houscriche /
springe ûf unt nider diche / unt iewederhalp veteche hât, / unt iedoch an sehs
painen stât ebd.
1889;
dirre schvle ich hie pflegen sol, / ich kan die kint leren
wol ReinFu
K,894;
vil wol ich vch dar [zum gefangenen
Bären] gewisen kan ebd.
K,1581
2.3
die Ausübung verschiedener künste und liste (vgl. oben
1.1.8):
er frâgte waz si chunden wurchen oder wie si ime wolten
dienen Gen
2573.
2547.
– Sterndeutung:
si kan an den sternen sehen, / swaz iemanne sal geschehen
En
2279;
die [Heiligen drei
Könige] waren geleret daz si chunden an dem gestirn sehen
PrOberalt
30,18.
– Erd- und Himmelsvermessung:
di wisen begunden sih ouh uermezzen, / si chunden wol mezzen / in
lutzelir wile / di manic tusint mile / uon der erden zo dem himele
Glaub
392;
ja nekanstu der erde niht gemezzen
Kchr
2431.
– Lesen / Verstehen einer Fremdsprache:
ein maget, / diu vil wol, ist mir gesaget, / wälhisch
lesen kunde Iw
6457;
nû lebet der liute niht ze vil, / die kriechisch
kunnen verstân RvEBarl
16049.
– Baukunst:
dô sprâchen di knechte zu Thomas: kanst du soliche palaste machen?
HvFritzlHl
24,16.
– Seefahrt:
nu bin ich âne liute hie / und enkan ouch selbe niht
gevarn Tr
2363.
2357.
– Backen:
allere brôte [...], / dei
dehein phister chunde machen, dei man ûz melewe scolte bachen
Gen
1972.
– Bestellen des Feldes:
der junger brûder huote der lember, / er nechunde
nieht bûwen Gen
600.
595.
– Jagen:
er chund ouch fâhen rêher dei vêhen
Gen
1076.
– Weinbau:
von wynstockin czu legin, das doch alle wynczurlle
kvnnen Pelzb
130,15.
– Herstellen von Kleidung:
des menschen vel ist dünn und mag leicht versêrt
werden. daz ist dar umb, daz der mensch kan im selber ander decke machen, dâ
mit er sich bewart, des andreu tier niht künnen BdN
23,33.
– Färben von Tuchen:
der wollen varb kunt noch nie kain maister an ander
wollen pringen BdN
245,25.
– Zerlegen von Wild:
daz ist der rehte bastsite [Kunst des
Zerlegens] : / diu [drei
Rippen] lât er iemer dar an, / der die brust gelœsen kan
Tr
2896.
– Herstellen eines Kampfstoffs:
daz was Alexanders site: / daz er chriechisc fûr
chunde wurchen / unde liez iz niemen merchen, / von welher liste iz im chom
VAlex
975.
– Heilen:
want he nicheinen arzet vant, / di sich des underwnde, / dat he in
giheilin kunde WildM
2,20;
die wisen arzate / chunden im niht geraten / mit
wrzen noh mit salben Wernh
D 4984.
– ritterliches / kriegerisches Kämpfen:
sehzek (28#’r) wîgande der aller iegelich hât
sîn swert in handen, si chunnen alle mahtige uehtin TrudHL
41,3;
der site was unter guten knechten: / si cunden wol
uechten / mit spiezen unt mit geren Rol
4474;
sturm, slac, stich, stoz, / schal, geschreige, ruf,
doz [...] der harte kvne man, / der mit disen
dingen kan / wol bewaren sine diet Herb
10150;
wie wol sî strîten kunden / ze orse und ze vuoze
Iw
6992;
ir hêrre strîten kunde Parz
72,20;
beidiu fliehen unde jagen, / swenn ietweders ist
zît, / daz müezen si ân widerstrît / kunnen unde trîben Ottok
25192.
– rhetorisch gewandtes, angemessenes Reden / Verfassen:
got der guote geruochet senten ze muote / daz ich chunne
reden alsô ich diu buoch hôre zelen, / sô wurde diu zala minnechlîch
Gen
3;
sînen mannen die wol redinen chunden ebd.
1517;
daz ich dich bitten kunne, / daz gib du mir, heiliger
Crist! SüklV
6;
vnde war ih herir dan ein ein wissage / vnde sin geist
in minem munde, / dannoh nemohtih noh ne konde / dih gelobin, so ih solde
Litan
246;
ôwê daz sô fruo erstarp / von Veldeke der wîse man! /
der kunde se baz gelobet hân Parz
404,30
2.4
Geschicklichkeit allgemein:
[Adam und Eva] ilten zeinem fichpoͮme nach des
boͮmes loͮbe, / zesamene siz bedwngen [fügten es
zusammen] so si beste chunden, / die scham si ue[r]burgen mit
uil grozzen sorgen GenM
15,3;
Parzivâl der tumbe [...] kunde
im ab geziehen niht: [...] helmes snüer noch sîniu
schinnelier, / mit sînen blanken handen fier / kund ers niht ûf gestricken /
noch sus her ab gezwicken. / vil dickerz doch versuochte, / wîsheit der
umberuochte Parz
155,21
2.5
(un)moralisches Handeln:
daz si an ir erneste mâzze chunnen gehaben, daz si weder
ze scerfe noch ze senfte sîn den undertanen Spec
122,14;
also schiere do ich da chom, daz ich svnden
chunde [verstand, was Sünde ist] , do wârf ich got
minen sepphâre zervcge ebd.
3,10;
der sich lasters kunde schamen, / der hæte benamen /
die liute gevlohen iemer mê Iw
2631.
4965
2.6
höfisches Benehmen:
dâ kunde wale de kûne man / gesprechen bit sulichen zuhten / dat it bit
êren hôren mohte / de kuning ind allit dat rîche ErnstA
341,3;
swenne der junge man / mit zuhten wol gesprechen kan /
unde swîgen dâ er sol, / sô stât sîn dinc wol Kchr
1649;
wan dez ich leit mit zühten kan getragen MF:
Reinm
13: 5,4;
herre, ir habet missetân, / welt ir den rîter alsus lân.
/ wem habt ir ouch iht verseit? / lât ez an sîne hövescheit. / er gelîchet sich
wol einem man / der betelîchen biten kan Iw
4574;
êren unde triuten / kunden sin mit werdekeit
Parz
59,19
2.7
Fähigkeiten von Tieren:
so daz selbe tier [...] sich hat gesattet von den
tieren, / dei ez chan vahen wol, so leget ez sich in sin hol
MillPhys
11,2;
der herre san wole gesach / daz die hinde harte genotet
was. / ouch clagete sie iz an der stunde / mit den dinge alse si kvnde, / mit
lute ioch mit gebere, / daz sie in noten were Ägidius
394;
dô saz er [...] ûf ein ors, daz
beidiu kunde / hurtlîchen dringen / und snelleclîchen springen
Parz
36,12;
mit Hiudane ir hunde, / der dannoch niene kunde / unlûtes
loufen sus noch sô Tr
17252;
dest ein gebiurscher tuc, / swer hirzen unde geizen /
gelîcher werde gan. / der snegge slîchet trâge, / sô
[dagegen] kan diu spinne weben KLD:
Kzl
1: 6,10
3
mit Inf., ‘(aufgrund seelischer oder körperlicher Kraft, gestattet durch äußere
Umstände) imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’; meist negiert
3.1
negiert, ‘nicht imstande, in der Lage sein, etw. zu tun’;
Hinderungsgründe sind:
3.1.1
seelische Verfassung / Disposition:
dô [...] er ze sînem bette quam /
[...] neheines slâfes her ne phlach, / hern
mohte noch enkonde En
11023;
swie gerne sie abir wolde / zurnin, sie nekonde
Athis
A* 33;
des wart ernvwet sin leit. / er konde es vergezzen
niht Herb
1883;
ein rede der liute tuot mir wê, / da enkan ich niht
gedulteclîchen zuo gebâren MF:Reinm
15: 5,2;
ich solte iu klagen die meisten nôt, / niuwen daz ich
von wîben niht übel reden kan ebd.
20: 1,7.
25: 4,6;
sine konden von ir triuwen niht ein ander verlân
NibB
2110,4.
– (formelhaft umschreibend in Wendungen i.S.v. ‘nicht
unterlassen, vermeiden usw. können, etw. zu tun’
den troum newolte er verswîgen, wand er nechund
iz vermîden, / er muose zellen daz ime got ruohte offenen
Gen
1758;
ich enkan des niht gelan, / ich ensage dir eine
warheit Herb
11888;
sin mohten noch enkunden nie / durch keine ir
angest verlân, / sin bûweten den arcwân Tr
16484
3.1.2
physische Schwäche:
vnde stach im daz ros vnde, / daz ez niht enkvnde /
enthalden den, der druffe saz Herb
9088;
swes man dâ began, / des enkund’ im gevolgen
niemen, sô michel was sîn kraft, / sô si den stein wurfen oder schuzzen den
scaft NibB
130,3;
erblichen was sîn varwe: er’n kunde niht
gestên. / sînes lîbes sterke muose gar zergên ebd.
987,1;
dô truoc man si von dannen; sine kunde niht gegân
ebd.
1070,2;
dô er in brâhte zu der tür, / ine kunde der helt niht dervür / vor
unkreften bringen KlageB
2100;
er greif den hirz mit handen an / und wolte in ûf den
rucke legen. / dôn kunde er in nie dar gewegen, / wan er was ime ze swære
Tr
2866;
ir aller keiner kunde / noch enmohte keine stunde /
ûf sînen vüezen gestân [auf dem Schiff in schwerer
See]
ebd.
2433
3.1.3
äußere Umstände:
daz eim riche sundere / daz himelriche si also unkunde / alse si eime
olbendin / daz er sih konne gebovgen / durh der nalden ovgen
[Mc 10,25]
TundN
17;
alse di dir [Tiere] dan uz gen begunden /
vn̄ ire zegele bit in gezihen nit inkunden ebd.
464;
man konde eine nalden / niergen an im gestecket
han [hätte nirgendwo … können] , / so
sere was er [...] mit philen bestacht
Herb
6772;
do was ez abuntstunde. / daz folc daz enkvnde, / swie
gerne so ez tete, / gestriten also spete ebd.
6000;
sæligiu künigîn, / ez sol mit iuwern hulden sîn, /
daz ich wider ze lande var, / wan mîn dinc stât alsô dar, / daz ich langer
niht belîben kan Tr
8179;
frouwe wol getân, / der tac ist hôch ûf: ich kan niht
komen hinnen KLD: UvL
40: 2,5
3.2
nicht negiert:
la mich da liden daz ich kan TundN
393;
ich kan jagen unde vâhen, / mich enmüedet niht mîn gâhen
Weinschwelg
105;
ir aller vorchte was nicht klein, / ze vluchte wârn bereit ir bein, / si
konden al gevliehen wol Boner
32,7;
var ûz jagen, daz ich mich chunne gelaben
Gen
1120;
der kvnic ist so riche, / daz er mirz wol vergelten kan
ReinFu
K,1561;
swaz sin neve kvnde / ze tvn, daz im tete we, / daz tet er
vaste ebd.
K,294;
wolde si wizzen mære / war er gekêret wære, / daz
kund ir lîhte diu gesagen / durch die er sî het erslagen Iw
5881;
wie kunde ein werbender
man [Kaufmann] / sîn kint sô schône erzogen hân, /
ezn müeze ûz edelem herzen [des Sohnes] gân?
Tr
4092;
vnd swa sv̂ werdint berovbet [...], kunnen
sv́ den roͮber gezeigon, so sol der herre schaffon, daz es wider
werde gegebin UrkCorp (WMU)
248A,7;
kanst du sie [mit Teig bestrichene
Fischstücke] gestemphen in ein forme [wenn du eine
Form zur Verfügung hast] , daz tuͦ BvgSp
19
4
mit Inf.; ~ drückt Möglichkeit (negiert: Unmöglichkeit) dessen aus, was das
Hauptverb aussagt
4.1
Präs.
4.1.1
Ind.:
ez ist [...] vil dicke worden
scîn, / wie liebe mit leide ze jungest lônen kan. / ich sol si mîden beide,
sone kan mir nimmer missegân NibB
17,4;
lieber bruoder mîn, / swaz der mînen helfe dar an kan
gesîn, / des bring’ ich iuch wol innen ebd.
355,2;
ezn kan ouch âne in
[Gott] niht geschehen Iw
6345;
daz kan mich niht vervân / an einer stat, / dar ich noch ie genâden
bat MF:Hartm
2:1,6;
sît ez niht bezzer werden kan Tr
4982;
swaz mir leides kan
[mag] geschehen, / dar ûf ahte ich harte kleine
KLD: UvL
19: 4,5;
waz bedarf ich sælden mêre? / wie kan mir gelingen
baz? ebd.
24: 2,7;
waz kan wîbe und wîbes êren / und ir güete sîn gelîch?
SM:UvS
10: 3,1.
36: 2,7;
fvͤr allen kriech, der vmb das sælb gvͦt immer kan
werden UrkCorp (WMU)
2575,2;
wenn ain vergiftiger sündær
[...] volpringt die puoz, sô kan diu vergift
der sünden sô grôz nümmer werden, si verswind von der rew und von der puoz
BdN
241,29;
Tristan, ich bin in sorgen, / suln wir lange hinne ligen, / sô enkan
ez werden niht verswigen UvTürhTr
1134.
– vor allem im Bedingungsgefüge und verwandten Satzarten:
vnde swenne daz geschiet, / so kan vns geschaden
niet Herb
3616;
weizgot ich lâze mînen zorn, / ob ez sich
gevüegen kan Iw
2063;
swie sîn hâr ist getân, / ist et er ein getriuwer
man, / diu varwe im niht geschaden kan Wig
2855;
und wil got des rehten pflegen, / als er ie hât
getân, / sô wæn uns niht geschaden kan ebd.
9914;
mag iu diu ze wîbe / und uns ze vrouwen werden, /
sôn kan uns ûf der erden / an wîbe niemer baz geschehen
Tr
8476;
wan einem man kan niht geschaden, swer für guot
hât, swaz er tuot SM:UvS
30: 4,7;
swer nâch guotes wîbes hulden ringet, / dem kan
selten immer missegân KLD: UvL
22: 2,2;
ez kan uns dort niht gevromen, / wan daz wir dur
got geben SM:JvR
1: 9,4;
kein werk kan gewürket werden dan in sînem
eigenen bilde Eckh
5: 276,14
4.1.2
Konj.:
swaz uns geschehen
künne [mag] , daz lât kurzlîche ergân
NibB
2097,1;
heizet iuwer gesinde hie ûf nemen / al des si künne
gezemen [was ihnen gefallen mag] / von trinken
und von spîse Wh
277,16;
kunne uns niht vervâhen [zum Erfolg
führen] daz, / sô denken aber vürbaz, / ob uns danne iht
bezzers sî RvEBarl
8585
4.2
Prät.
4.2.1
faktisch:
wandez hete der schanden last / sînen rücke
überladen. / ez enkund im niht geschaden / an sînen vreuden alsô / daz er
iender unvrô / gegen einem hâre wurde dervon Iw
2638;
er wând’, er sold’ in
[den Hort] niezen: des enkunde niht gesîn
NibB
1137,4;
ez enkunde niht wern langer, si muosen dannen varn
ebd.
1692,1;
in selben und sîne gesellen / die sîne schilde
truogen, / diene kunde niht genuogen, / swaz si der heiden valten
Wh
406,4;
daz kunde niht in allen / gefrumen umbe ein halbez ei
KvWSchwanr
1552;
daz mir nie enkunde werden heil mîs herzen wunde, / dâ
von lîde ich sender sende nôt KLD: GvN
21: 3,4.
10: 1,9
4.2.2
Potentialis (auf Gegenwart oder Zukunft bez.):
ô wol mich danne langer naht! / wie kunde mich der
verdriezen? MF:Reinm
7: 18;
wie kunde daz gesîn [wie wäre das
möglich] ? / ob ander niemen lebte wan sîn unde
dîn [Siegfried und Kriemhild] , / sô möhten im
diu rîche wol wesen undertân. / die wîle lebt Gunther, sô kundez nimmer
ergân [wäre das ganz unmöglich]
NibB
816,4;
âne dîne helfe kund ez niht gesîn ebd.
354,2;
wie kunde daz ergân, / daz ich dich minnen solde?
ebd.
285,1;
mit wie getâner ahte / daz iemer kunde geschehen, /
daz si sich möhten gesehen Tr
14383.
6230;
Tristan [...] wiste wol:
solt er genesen, / dazn künde niemer gewesen / wan eine
[allein, nur] von ir liste ebd.
7296;
sî hât mir sô hôhen roup genomen, / der mir unsanfte
ganzer immer kunde wider komen KLD: UvL
20: 4,2;
sîst so sælic, daz mir niemer kund an ir ze sælden
misselingen SM:UvS
22: 5,6;
der in [den
Krötenstein] möht erwerben, / der enkünde niht verderben /
keine wîs an dem guote Volmar
470;
so verzihen wir vns alles rehtes vnd der liste vnd hilfe, von der
disiv gegenwrtige hantvesti ir craft verliesin konde UrkCorp
(WMU)
1802,19.
– zur Umschreibung des Superl. durch verneinten Komp.:
von herzeliebes schulden hât / mîn lîp vil
kumberlîche nôt, / daz si niemer kunde groezer sîn MF:
Reinm
38: 3,3;
wie könde lieber mir geschehen, / danne ob ich
wîlent möhte sehen / ein wîb schœne unde reine? SM:
KvT
3: 3,1;
obe ich daz dâ funde, / sône kunde mir ûf erde
niemer werden baz KLD: GvN
4: 4,6
4.2.3
unerfüllter Wunsch:
mir ist von den kinden dâ her mîne tage / entflogen mit den winden,
daz ich vón herzen klage. / kunde ez gehelfen! nu hilfet ez nieht; /
swaz ich dár umbe tæte, sô wær ez geschehen
Kolmas
120,3
4.2.4
Irrealis (auf Vergangenheit bez.)
4.2.4.1
mit Inf. Präs.:
bi vnsern iaren / en kvnde des geschehen
niet [hätte nicht geschehen können] , / daz
ein michel her entriet / also sere einen man Herb
10033;
der ist schœner danne ein feine; / von
vleische noch von beine / enkunde niht gewerden / sô schœnes ûf
der erden Tr
17479;
wie kunde in iemer grœzer heil / ze dirre werlt geschehen?
UvTürhTr
98;
dû bist genant der guote got, / ân des gewalt, ân des gebot /
[...] nie niht enkunde werden
LobGesMar
71,4;
wol mich sô minneclîcher arebeit! / mir enkunde
niemer baz geschehen. / dar nâch wart mir vil schiere leide MF:
Reinm
13: 3,4;
nune kundez sich gefüegen zwâre ninder baz
NibB
1883,4.
– zur Umschreibung des Superl. durch verneinten Komp.:
ir enkunde in dirre werlde leider nimmer
gescehen NibB
13,4;
des küneges ingesinde konde ez niht lieber
gesîn ebd.
1714,4;
der erste gegenblik dines heren
antlútes gegen mir, das konde mir in ertrich leider nach
miner gerunge nie geschehen Mechth
7: 45,11;
NibB
781,4;
daz was sô rehte wîz hermîn, / daz ez niht
wîzer kunde sîn Tr
2552;
sô vremediu notelîn, / diu niemer vremeder
kunden sîn ebd.
8060;
drî [Striche] wâren
[...] sô rehte lâsûrfîn / daz si niht
blâwer kunden sîn KvWTurn
688
4.2.4.2
mit Inf. Perf.:
hey waz man rîcher spîse den edeln jegeren dô
truoc! / [...] ez enkunde baz gedienet nimmer
helden sîn NibB
964,2;
von helden kunde nimmer wirs gejaget sîn ebd.
1002,2.
232,1;
wan dez ich leit mit zühten kan getragen, / ich
enkonde niemer sîn genesen MF:Reinm
13: 5,4;
wan daz im got half ûz der nôt, / sôn kunder
niemer sîn genesen Tr
1329;
nu sluzzet ir doch die porte zuo / hiute, dô ir ritent vruo: / wie
kundez danne sîn geschehen? UvTürhTr
3195
5
mit Inf., ‘pflegen, zu’? eine Reihe von Belegen wird traditionell teils als
rein umschreibend / pleonastisch (häufig vor allem bei Wolfram), teils als
Bezeichnung eines Habitus gedeutet (vgl. BMZ 1,806,45: ‘meine Natur, meine Sitte
bringt es mit sich’, mit unklarer Belegzuordnung; DWB 5,1739-41
[Hildebrand]: können II,6; Kahl, können und mögen, S. 32f.; Fritz,
Modalverben, S. 49); Beispiele, die am ehesten diese Lesart stützen könnten:
hôh alsam diu sunne stêt daz herze mîn. / daz kumt von einer
vrowen, diu kan staete sîn MF:Reinm
32: 1,2;
KLD:Kzl
4: 2,7;
frouwe, ich tuon iu ungemach. / ich kan ze lange sitzen: / daz
tuon ich niht mit witzen Parz
29,19;
du kanst ze lange sîn [ausbleiben]
KLD: OvB
9:4;
wan dô sîn komen zeigte sus / der sterne Sâturnus: / der kan
mit grôzem froste komn Parz
492,27;
diu frouwe dô begunde, / daz si dâ vor niht kunde, / beidiu
zabeln und wuofen, / in slâfe lûte ruofen ebd.
104,26;
von dem ertrîche / dem menschen ist geboren an / daz er dem tôde wahsen kan /
und er verliesen muoz sîn leben KvWSilv
3750.
– Literatur: Kahl, können und mögen, S. 12-33 (diese und weitere
materialhaltige ältere Arbeiten werden referiert bei Fritz, Modalverben, S.
117-128); Diewald, Modalverben, S. 344-350.
MWB 3,2 719,61; Bearbeiter: Plate
kunnen
swV.
Inf. kunnon
PrSchw .
– aus ahd. kunnên (AWB 5,508f.);
vgl. mhd. →
erkunnen
,
verkunnen
.
1
‘etw. (ein Getränk) kosten, probieren’
2
‘etw. in Augenschein nehmen, besichtigen’
3
‘etw. (betrachtend) in Erfahrung bringen, herausfinden’
4
‘etw. kennen lernen’
1
‘etw. (ein Getränk) kosten, probieren’
(vgl. ahd. (gi)kunnên für lat. gustare im Abrogans, s.
AWB 5,509f.,
und frnhd. kunner
‘amtlich bestellter Wein- und Bierkoster’, DWB 5,2665):
wir sulen trinken manegez kunnen Wh
326,15
2
‘etw. in Augenschein nehmen, besichtigen’
Moysez sante zwelf altherren, [...] dc si dc
[
lant Kanaan] kunneten
[vgl. qui considerent terram Chanaan Nm
13,1] , wie diu gelegenhait wêre baidiu an den luͥten und an
den steten PrSchw
2,58;
da soltu kunnon die schoͤni ebd.
2,58;
du solt [...] kunnon die ere und den lôn
[der Märtyrer]
ebd.
2,58
3
‘etw. (betrachtend) in Erfahrung bringen, herausfinden’
sint ez sarrazine? / ganc hin, kunne baz ir leben!
Rennew
765;
[Sitten ändern sich leicht:] die site nieman kunnen mac,
/ der man nû pfliget und ê pflac. / mich dûhte vert vil manegez guot, / daz hiure
beswæret mînen muot Freid
109,2
(vgl. cognoscere der lat. Übers., zit. TPMA 10,433);
da von sint sie wol affen / die dar in [in das
Geheimnis der Menschwerdung Gottes] vorbaz caffen / unde dar abe
mer wollen kunnen / dan in got hir wil gunnen HeslApk
9357.
– mit indir. Fragesatz:
siu wolte gerne kunnen, / waz sites die herren pflægen
UvZLanz
854;
er wolt nu aber kunnen, / ob er iht vriunde hæte ebd.
7760;
Joraffin / [...] lie
[...] Ryalen / vil wunderlicher dinge sehen: / er hiez
in kunnen und spehen, / waz im geviel da aller baz WhvÖst
3896
4
‘etw. kennen lernen’
ir die nicht enkunnet [vgl. qui non
cognoverunt Apc 2,24] / [...]
Sathanases hochvertikeit HeslApk
3974;
ob niht min hertze kuͤnnet / die vræude
WhvÖst
748;
sie tet als sie wolt kunnen / da von ein gahes sterben
Rennew
33276.
– mit indir. Fragesatz:
der lag gar unversunnen / und wolt vil nah kunnen /
welch ein sterben wære Rennew
27606.
– refl. mit Gen.d.S.:
so lit des jamers angel / verborgen in den
wunnen [Liebesfreuden] / der ich mich solt kunnen
/ mit im sunder sorgen WhvÖst
5454.
– subst. Inf.:
alrerst wart liebes kunnen / von in zwain do gespilt
WhvÖst
15910
MWB 3,2 731,28; Bearbeiter: Bohnert
künneschaft
stF.
1
‘Geschlecht, Familie, Verwandtschaft’
2
‘Generation’
3
aller menschen ~
, ‘Menschengeschlecht, Menschheit’
4
‘Stamm, Volk’
1
‘Geschlecht, Familie, Verwandtschaft’
[Joseph] hiez sîne bruodere varn, haln ir vater jouch ire
barn, / daz ouch im chôme swaz der chunniskefte wâre [vgl.
cognationem Gn 45,18]
Gen
2468;
wis aller dîner chunnescefte [
fratrum
Gn 27,29] hêrre ebd.
1167.
2742;
swâ er sich des nutzes nicht versicht, / dehäiner dem anderm
vergiht / dehäiner chunneschefte Erinn
285;
er was von Athenis / geborn an siner kunneschaft Pass III
453,5;
der was von Rome geborn / in erhafter kunneschaft ebd.
642,7;
ich wil in zeinir grozin diet / mit grozis geslehtis kraft /
machin insinir kúnneschaft RvEWchr
5091;
dô rechent der herre Îwein / ze künneschaft under in
zwein [er machte sich klar, dass sie verwandt waren]
Iw
804
(vgl. →
künde
stF. 1.3);
UvZLanz
37;
Pass I/II (HSW)
37797.
– Ahnenreihe:
dannen du geborn bist: / daz was diu din chunnescaft
MarldM
31.
– auf Gotteskindschaft bezogen:
also [durch die hl.
Kommunion] samnot er [Christus]
chunnescaft / zwiscen im und siner gescaft. / da von die rehten sint / sine
bruoder unde siniu chint BenGeb
33;
[im Himmelreich erfahren die Seligen] div wnne, div
schonheit [...], div geselleschat, div gienoschpat, div
chvnneschat, div trvtscaph, [...]
PrWack
2,34.
– bildl.:
ich hân [...] von den tugenden geseit. / ich hân
ouch ir künneschaft / gezalt und ir geselleschaft WälGa
9873;
der unmâze künneschaft ebd.
11999
2
‘Generation’
in omni generatione et generatione: in allere chunnescefte unde chunnescefte
PsWindb
44,18
3
aller menschen ~
, ‘Menschengeschlecht, Menschheit’
an dem [Seth] nam / urhap
[...] / allir menschen kúnneschaft
[Seth ist direkter Vorfahre Noahs (Gn 5,6-29)]
RvEWchr
578
4
‘Stamm, Volk’
Japhetis kinde kúnneschaft RvEWchr
1266;
von Canaan dú kúnneschaft / der vetter ich hie
han genant [vgl. populi Chananeorum Gn 10,18]
ebd.
1119;
[Paulus] was von der juden kunschaft [
ex
genere Israhel Phil 3,5]
Pass I/II (HSW)
21348
MWB 3,2 732,7; Bearbeiter: Bohnert
künol, künolt
stMN.
nach EWA 5,895f. aus afrz. con(n)il (Tobler/ Lommatzsch
2,693),
s. aber auch DWB 5,1706
und vgl. mlat. cuni(o)lus (MlatWB 2,2113);
die Form mit -t wohl durch analogische Einwirkung der Bildungen auf
-olt zu erklären (vgl. Hornbruch, Deonomastika S. 102);
vgl. →
2künigelîn
stN.
–
‘Kaninchen’
cuniculus: lepus subterraneus id est coͮnol [l.
cvnol? das ganze Wort auf Rasur]
SummHeinr
2:214,127.2
(=
Gl
3:313,4
);
cuniculus: chuͥnol GlAnzfKdVz
8:398,37;
cuniculus: cúnolt VocOpt
45.076
MWB 3,2 732,47; Bearbeiter: Bohnert
kunreie, konreide
stF.
aus afrz. conroi M. (Tobler/ Lommatzsch 2,716ff.), s. Suolahti
1,138,
-d- kann Ergebnis einer md.-rip. Epenthese sein, vgl. Weinhold, Mhd.
Gr. S. 184,
oder ältere frz. Lautung/ Schreibung bewahren, vgl. cunroit,
cunreid bei Godefroy 2,248b;
-e und das Genus F. sind unerklärt.
1
‘Schar’
2
‘Bewirtung, Erholung, Pflege’
1
‘Schar’
rû- unt wildegrêven viel / in der konreide hie sîn lôz Göllh
68
(s.a. Anm. z.St.);
ein grôz konreide, ein michel her ebd.
214
2
‘Bewirtung, Erholung, Pflege’
nach strite ein vride wart gebannen [...] durch
kunreie [: (drier) leie; Hss. konrei,
konreide
]
JTit
901,2;
geboten wart kunreie [: mangerleie; Hss. kvnrie,
kanraie
] unz an den fumften morgen ebd.
1868,1
MWB 3,2 732,58; Bearbeiter: Bohnert
kunreit
stM.
nach DWB 5,1742 aus mlat. corred(i)um, conr- (MlatWB 2,1920, s. dort
Bed. 1,a und 2,b);
wegen des Diphthongs ei aber eher aus afrz. conroi M.
(Tobler/ Lommatzsch 2,716ff., auch cunroit, cunreid, Godefroy
2,248b),
vgl. mnl. conreit, conroot (MNW 3,1803, mit anderer Bed.).
1
‘ Pflege’ eines Pferdes 2
‘(rechtlich geschuldete) Bewirtung’ der Amtleute
1
‘ Pflege’ eines Pferdes:
van deme kunreide Wh
59,18(La.)
(ausführlich zit. unter →
kunreiʒ
)
2
‘(rechtlich geschuldete) Bewirtung’ der Amtleute:
item als die voersteren van Monyauwen yeren conreit willen han, so hait myn
here der abt virtste [l. vriste
] dry marttage,
ind sy sullen den conreit gebeden mit zwene voersteren off mit zwen scheffenenn, ind
wanneir dann der abt den conreit doin will [...], ind darna
sall man die voerster ind scheffenen zosamen setzen an eyne taeffel
[...]
WeistGr
2,778
(14. Jh.);
den conreyd zedoyn UrkKölnAmtl
67
(a. 1342; voraus geht: ind soelen des daigs die selve [meyster] unse
heren ind yren schriver ind die boeden ze gast haven)
MWB 3,2 733,8; Bearbeiter: Bohnert
kunreiʒ
stM.
aus afrz. conroi M. (Tobler/ Lommatzsch 2,716ff., bes. Sp. 718
‘(leibliche) Versorgung, Lebensunterhalt; Bewirtung’)
mit der Endung -s/-z des Rectus Sg. (Vorderstemann, Fremdw. S.
166f.);
vgl. mlat. corred(i)um (MlatWB 2,1920, s. dort Bed.
1,a)
und bes. auch corredare
‘(ein Pferd) abreiben, striegeln’ (ebd.), das auf got. garedan
zurückgeführt wird (Wartburg, FEW 16,700).
‘Pflege’ eines Pferdes:
swaz er sweizes ûf dem orse vant, / den kund er drabe wol
strîchen. / do begunde im müede entwîchen. / ez dreste und grâzte, / von dem
kunreiz [La. Hs. Ka van deme kunreide, s.a. Vorderstemann
a.a.O.] ez sich mâzte / vil unkrefte die ez truoc
Wh
59,18
MWB 3,2 733,28; Bearbeiter: Bohnert
kunriere
stF.
zu →
kunrieren
(Suolahti 1,138); vgl. aber auch afrz.
conrëure F. (Tobler/ Lommatzsch 2,716, mit anderer
Bed.).
‘Bewirtung, Erholung, Pflege’
mit frid ein undervenge si liezen beidenthalp durch di kunriere
[: viere
]
JTit
888,2
MWB 3,2 733,42; Bearbeiter: Bohnert
kunrieren, korrieren
swV.
korr-
Krone
24564;
auch kondrieren
JTit
887,1(La.).
– aus afrz. conrëer (Tobler/ Lommatzsch
2,714ff.,
auch conreder, Godefroy 2,247b, vgl. mnl. conreiden, MNW
3,1802).
1 tr., ‘pflegen, sich kümmern um’
2 refl., ‘sich erholen, pflegen’
3 subst. Inf., ‘das Sich-Erholen, Pflegen’
1
tr., ‘pflegen, sich kümmern um’
– jmdn.:
si twuogn und strichen schiere / von im sîn amesiere /
mit blanken linden henden [...]. / juncfrouwen kiusche
unde balt / in alsus kunrierten Parz
167,13.
–
sîne lide, den lîp:
nâch grôzen arebeiten / kunrierten si ir müede lide
KvWTroj
43281;
sumer zieret heide und anger und den walt: / dâvon manig
herze balt den lîb kunrieret SM:Ta
2: 1,2
(=
KLD: UvW
32:1,2
).
– ein Pferd:
daz [
ors
] was die
naht sô wol bewart / daz ez nie [...] enwart /
gekunrieret alsô schône Iw
6659;
der frouwen runzît / [...] was
dürre als ein zunder [...] : / wandez reit ein frouwe
wert, / diu selten kunrierte pfert Parz
256,30;
wann sie so corrieret / vwer rosz mit solchen truwen Krone
24564
2
refl., ‘sich erholen, pflegen’
sie kunrierten sich dâ / mit gemachlîcher eise / nâch der
grôzen tagereise RvEAlex
5696;
dô sich die sînen êsierten, / mit ruowe sich kunrierten
KvWTroj
44888
3
subst. Inf., ‘das Sich-Erholen, Pflegen’
beidenthalp wart do ein vrid geworben. / ir striten wer ane ere, sint
luͤte und ors an kreften wer verdorben. // sich huͦp ein kunrieren
[La. kondrieren
] uber al da von den
vrechen, / von ezzen, von bullieren JTit
887,1
MWB 3,2 733,47; Bearbeiter: Bohnert
cuns, cons,
conte, kunt
M.
cons
Parz
121,27.
682,29;
conte
Rennew
12374;
kunt
Parz
46,17;
Rennew
16974;
RvEWh
1085.
– afrz. conte (Rectus Sg. cons, Tobler/ Lommatzsch
2,751), s. Vorderstemann, Fremdw. S. 168f.
‘Graf’
cuns Nârant Parz
210,13;
leh kuns de Muntâne ebd.
382,1;
kuns Gwillâms de Orangis Wh
3,11;
fil li cunt Schîolarz Parz
87,24;
fillehgunt Miliun RvEWh
526;
der minneclîche bêâ kunt [:
wunt
]
Parz
46,17;
du bist ein conte / vil gar von kuͤnges arte
Rennew
12374;
von hoher art ein kunt ebd.
16974;
Er
1669;
PleierTand
10180
MWB 3,2 734,11; Bearbeiter: Bohnert
kunst
stF.
Substantivbildung zu
kunnen
anV.; Gen. künste, kunste, Pl.
künste, auch sw. künsten
Loheng , DvASchr , RvEAlex ;
kunsten
HvFritzlHl
198,36;
zum Verhältnis zu
list
stM. s.
F. Scheidweiler, kunst und list, in: ZfdA 78
(1941), S. 62–87.
1
‘Wissen, Kenntnis’
1.1 allg. 1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes 2
‘Wissenschaft’
2.1 allg. 2.2 einzelne Wissenschaften 2.2.1 septem artes liberales 2.2.2 weitere Disziplinen 3
‘Fähigkeit, Können, Vermögen’
3.1 allg. 3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten 3.3 bezogen auf Dichtkunst 3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten 3.5 bezogen auf Handarbeit 3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau 3.7 bezogen auf Heilkunst 3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können 3.9 von religiöser Ekstase 3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung 3.10.1 Magie, Zauberei 3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit 3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684
s.v. Kunst
6.a ) 4
‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’
1
‘Wissen, Kenntnis’
1.1
allg.:
Jeronimus sprichet: nieman enmac von gote genemen kunst, wîsheit und
vröude, er ensî denne ein guot mensche Eckh
2:161,1;
hoch ob aller kunste muze wir die wisen / mit gotlicher vernunste uber die
liste und liste macher prisen JTit
2605,1;
diu kint diu vor drin jâren / zuo gesetzet wâren, / mit kunst ez diu sô
schiere ervuor / daz der meister selbe swuor, / er gesæhe von aller hande
tugent / nie sô sinnerîche jugent Greg
1175;
der eilfte der hiez Zêleon [der Priester mit hôher
wîsheit, V.
2746
] , / an dem man künste
was gewon KvWSilv
2768;
den beiden [Adam und Eva] gap
sîn witze sâ / rehte wîsheit unde sin. / vernunstic leben gap er
[Gott] in / und machte sie von künste wîs
RvEBarl
2027;
vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch
wænent kuͤnnen vil Rennew
31870;
di einen di gehôren zu der vornunft, daz ist wîsheit, kunst und klugheit;
und di in disen sint beslozzen diz heizen vornunftige tugende
HvFritzlHl
181,21;
kunst und rât gehôren zu der wârheit der werkunge: kunst zu urteilne und
rât zu vindene ebd.
181,33;
Reinfr
19800;
BdN
3,10.
– bezogen auf ein bestimmtes Wissen(sgebiet):
dar an [an der
Tafelrunde] ein kunst mich verbirt [fehlt
mir] , / ine weiz niht welher hinne ist wirt
Parz
148,7
1.2
bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht
Gottes:
in gote lît alle kunst Kröllwitz
3964;
got der hât geleit / sîne kunst und sîne kraft, / sînen
vlîz und sîne meisterschaft, / an disen lobelîchen lîp [der
Laudine] : / ez ist ein engel und niht ein wîp
Iw
1687;
daz an dir diu gotes kunst / hât volbrâht der sælden gunst. / der got
der an dich sîne kunst / leite und ouch der sælden gunst, / der behüete dir
dîn leben RvEGer
6339;
von den helden er
[Parzival] geschouwet wart: / dô lac diu gotes kunst
an im Parz
123,13.
130,22;
got in sînes geistes brünste / an dir zeigte sîne künste, /
dô er aller sünden tünste / gar von dir geveimet hât SM:EvS
1: 12,2;
ChristhChr
2024;
Pass I/II (HSW)
26610.
– personifiziert auch von den göttlichen Personen selbst:
der maide sün Jesus Christ, / der auch ist die ware
chünst Märt
24905;
[Jesus Christus] ist mein chünst und ist mein got
ebd.
24927
auf die Trinität bezogen:
si namten den vatter den ungeschaffen ewigen got, den
sun die unbegunnen wisheit, ir beider geist nanten si die rehte kunst der
warheit Mechth
4: 14,10
2
‘Wissenschaft’
2.1
allg.:
sciencia : kunst VocOpt
38.001;
doctrina : kunst ebd.
38.002;
disciplina: kunst ebd.
38.003;
so ist diu vunfte gebe sa / geheizen sciencia. / daz chut chunst ze diute
/ unte manet uns tumpen liute, / daz wir leren wistoum ArnoltSieb
11,3
2.2
einzelne Wissenschaften
2.2.1
septem artes liberales:
– allg.:
daz sint die sieben hohe kuͦnst
HvNstGZ
775;
der vliz darnah ze Attene was, / da man sit lerte
unde las / der sibin liste hohe kunst RvEWchr
15768;
wir haben künste vil geschriben, / der sint ûz erwelt siben
WälGa
8899;
Kostus [...] satzte si zu schule, alsô
daz si wol gelêret was der siben kunste HvFritzlHl
253,21;
die siben frîen künste Renner
16075.
1249;
wie die kvnste weren. / an einer leret man
buchstaben. / die ander ist erhaben, / [...] zv
den scharfen sinnen. / die dritte zv der werlde zirde, / zv dem sange
die vierde. / die funfte leret mezzen wol; / die seste, wie man zelen
sol. / die sibende leret die list, / waz wunders an dem gestirne ist
Herb
7666;
Minneb
448;
KLD:Kzl
16: 10,16.
– Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik):
die brief mit grammaticâ het meisters kunst geblüemet
Loheng
7577;
ganzir sprache wort vnd sin / mit kvnste habent vnder in
Martina
245,104;
[Platons] kvnst vnde sine list, /
[...] : / daz ist dialetica
Herb
10671;
Martina
245,106;
loyca ist ein tief kunst Vät
22623;
JTit
1870,4;
nû was ein meister under in / der truoc von kunst
vil hôhen sin, / Dêmostenes was er genant, / wîs an filosofîe erkant
RvEAlex
3654;
so vellet mir iez ein spruch in, den las ich in
der schule der natúrlichen kunst [hier: Metaphysik
von Aristoteles]
Seuse
388,2;
RvEAlex
1385.
– Quadrivium (Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Musik):
ouch kunde er wol von listen daz / wie man der
dinge lenge maz / von gêometrîe: / diu kunst was sîn âmîe
RvEAlex
140;
ez ist ain lere in der kunst, die man geometriam
oder erdenmezzerinne haizzet KvMSph
19,13;
von arismetica der kvnste Martina
245,79;
chunst der astronomei HvHürnh
26,16;
die [...] jehent das die
chunst der planetenn schwär sei ebd.
26,5;
der steren chunst ebd.
26,16.
26,1;
ain lerespruch in der sternseher kunst
KvMSph
43,15;
BdN
106,14;
Martina
14,98;
Tannh
5,60
2.2.2
weitere Disziplinen:
– Theologie:
wir sprechen vmbe die kunst. die man hinze got wendet
[...] div ist scientia scientiarum div ist
ein chunst aller kunste PrKlostern
33;
verworfen ist Divînitas / diu ie der künste vrouwe was
WälGa
9150.
9123.
9136;
dar nâch in den jâren drin / dô gebezzerte sich sîn sin / alsô daz
im dîvînitas / gar durchliuhtet was: / diu kunst ist von der goteheit
Greg
1189.
– Medizin:
al der arzte kunst Parz
643,21;
von arzenîe erwelte kunst / sîn herze vinden kunde
KvWPant
140;
ez wære von in dô / gedisputieret wol alsô /
ûz der kunste von Salerne Ottok
30018;
Crane
492;
dy konst van Ypocras OvBaierl
72,1.
– Recht:
der nâch las er von lêgibus / und daz kint wart alsus / in dem
selben liste / ein edel lêgiste: / diu kunst sprichet von der ê
Greg
1197;
der was einer ein juriste, / an der kunst und an
dem liste / het er meisterschaft genomen Ottok
21677
3
‘Fähigkeit, Können, Vermögen’
3.1
allg.:
so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si
nvtz vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer
vinden UrkCorp (WMU)
2345,19;
dâ [Burgtor] reit der wirt vor
im [Iwein] in. / der hete die kunst und den sin /
daz im dâ von niht arges enwar Iw
1096;
dar umbe hât uns unsir herre gesant alsô wît sô die werlt
ist, daz wir sie bikêrtin, unt gab uns die kunst, daz wir sprêchin zwô unt
sibinzic zungin PrMd (J)
350,31
3.2
bezogen auf höfische Fähigkeiten:
– allg.:
si kam zuo disem man gevarn, / der künde hovelîche
kunst, / dâ mite er hôher liute gunst / verdienet hete mangen tac
KvWTroj
5839;
nuͦ hat ez der Strickære / geniwet durch der werden gunst, /
di noch minnent hoͤfesliche chunst StrKarl (S)
118.
– ritterliche Fähigkeiten wie Reiten, Kämpfen o.ä., häufig kombiniert
mit kraft, manheit o.ä.:
[Gregorius besaß] ganze kunst ze ritterschaft
Greg
1994;
in strîte man ouch kunst bedarf Parz
756,6;
mit kunst si de arme erswungen: / fiurs blicke ûz
helmen sprungen ebd.
742,11;
ir kunst unde ir manheit / wart dâ erzeiget schiere
ebd.
739,14.
265,7;
dô was hie kunst unde kraft: / sî mohten von
rîterschaft / schuole gehabet hân Iw
7003;
[
Volkêr, der videlære,
] begonde im
sîner künste alsolhen teil dâ geben, / daz er von sînem swerte muose ligen
tôt NibB
2285,2;
er hêt mänlîche kraft / und ganze kunst ze strîte
Wig
7538;
Gâwein, / des kunst an rîterschefte schein ebd.
10428.
7652;
manic puneiz muotesrîch / wart dâ mit ritters kunst geriten
UvLFrd
456,7.
262,9;
das da ein ritter were mit vollen waffenen und von
edeler kunst unde mit warer mankraft Mechth
3: 18,5.
– Jagd:
phlac ich ie meisterschefte / an weidenlîcher kunste
Hadam
334,2;
dar gie diu cumpanîe / und nâmen sîner
[Tristans] künste [des
Wilderlegens] war Tr
2997;
die kunst von der curîe ebd.
3474;
nu kunde birsin, schiezin, jagen / Lamech durh chunst
und durh bejac: / dirre selbin chunst er pflac / gewerlich al ungelogen
RvEWchr
547.
21331.
– Musizieren, Instrumentenspiel:
[sie] kâmen des beid über ein, / daz er si lêrte
künste vil. / [...] / hie mite er si dô seiten spil
/ begunde lêren alzehant KvWTroj
15811;
RvEWchr
524;
si hete eine pfifen, / darin si blies mit ir kunst
Pass I/II (HSW)
28179;
so leert zy menige guͦnst / van alre melodyen
kuͦnst MinneR 496
110
3.3
bezogen auf Dichtkunst:
Frouwenlop meister Heinrich, / der ûf die kunst ist
kluoc Ottok
86557;
uz kezzels grunde gat min kunst, so gicht min munt Frl
5:115,7;
her Walther unde zwen Reimar, ein Wolferam, / der künste stam / mit sange
noch uz in loubet ebd.
5:117G,8;
gefiolierte blüte kunst ebd.
8:26,1;
hete ich ûf tihten kunst, / sô sold ich von dem zagen /
sîn missetât sagen / und von dem frumen frumikeit Ottok
57414;
swer siner kvnst meister ist, / der hat gewalt an siner list.
/ [...] / des ist der tichtere / wise vnd gewere
Herb
1;
Wig
124;
FvSonnenburg
19,9;
Loheng
7637;
StrAmis
13
3.4
bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten:
– Zimmererhandwerk:
dirre Joseph burger was / ze Bethleem, als ich ez las
[...] / der kunst was er ein zimberman
WvRh
2195;
ez warn zwene zimberman, / den an ir chunste niht
zeran, / si wærn harte meisterlich StrKD
63,2;
Parad
98,2.
– Schmiedehandwerk:
der smit was sîner künste kluoc, / er konde
smidewerkes gnuoc HvFreibTr
6005;
helm und schilt, die gâben glîz, / dar an was gelegt mit künsten manic
vlîz / von meisters handen gar mit kluogen witzen Loheng
3975;
[die Schmiede] Mime unde Hertrîch: / ir kunst was
vil ungelîch Bit
172;
EnikWchr
1552;
HvFritzlHl
198,36;
RvEWchr
538.
– Goldschmiedehandwerk:
wol dem edlen gold schmide! / der siner hochen künste
lide [Glieder] / also zartlich gerüren kan
GTroj
7618;
daz selbe harnasch wehe des goldes was mit kunste / geworht
JTit
1682,1;
Loheng
5340;
übertr.:
der helig geist hat si [die
Krone] geworcht und gesmidet [...]
mit der edelen kunst der heligen drivaltekeit Mechth
7: 1,47
3.5
bezogen auf Handarbeit:
kein snîder lebt sô rehte stolz, / der sîne kunst bewære,
/ gebristet im der schære, / dâ mite er schrôte ein edel tuoch
KvWTroj
111;
[von Figuren auf einem Wappenrock:] die wâren drîn
geweben wol, / als ez gebôt der künste vlîz ebd.
9561;
Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain
roͤklin, / [...] / wan dú froͮwe
mære / kunde alle froͮliche kunst WernhMl
5509;
[Aquila und Priscilla] waren der kunst, daz sy gezelt
kunden machen Apostelgesch
18,3.
– auch als wîpliche ~
bezeichnet:
[vom Spinnen:] wan in began wîplicher kunst /
zehant verdriezen und beviln KvWTroj
15880;
dú was von erst dú mit begunst /
irdahte wipliche kunst / mit nadiln und mit drihin: / nejen, brettin, rihin
RvEWchr
542
3.6
bezogen auf Obst-/ Weinbau:
wer ich ein peltzgebure [einer, der Bäume
pfropft] , so wer ich an der kunst hie niht geletzet, / wie
mangerley er edeles obzes baere JTit
4879,2;
kunde der wingarter nút die kunst, er snitte also
balde abe daz edel holtz daz die trúbel schiere bringen sol, also daz
boͤse und verderbete den wingarten Tauler
31,29
3.7
bezogen auf Heilkunst:
den [beiden
juncvrouwen
] bevalch er in dô, / daz sî im sîne
wunden / salbeten und bunden. / ouch wonte in ir gemüete / schœner kunst
diu güete / daz sî in schier ernerten Iw
5618;
die besten arzâte, / als die heidenschaft sie hâte, / der
natûrlîchen kunste / mit getrûwer gunste / er im gewinnen wolde
Kreuzf
7701
3.8
bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können:
– Baukunst:
Augustînus sprichet: ein meister, der ein hûs machet, der bewîset sîne
kunst dar an Eckh (Pf)
164,22;
den [
palas
] kund ein meister
bowen, der winkel mez und wage / lert nach der snuͤre howen. er kan
auch snelle wurken sunder vrage, / der himel und erde uf nichte hat
gesetzet. / des ist er siner kunste von allen meistern immer ungeletzet
JTit
6257,4;
dâ mit sant Babel zehant / dâ man mûrmeister vant. /
zwên und sibenzic was ir zal. / ir kunst si kunden über al
EnikWchr
3282.
– bildende Kunst:
der künic sprach: ‘nu sagt mir, / meister, waz künste kunnet
ir?’ ‘da kan ich malen alsô wol / daz ez alle diu werlt loben
sol. / [...].’ StrAmis
504;
als ein gemalet bilde, / daz nach eines meisters
list / mit richer kunst gemachet ist Vät
32806;
vil bild in richem werde ergozzen, ergraben, erhowen, /
[...], / von hoher kunst JTit
345,3;
ein mâler, der ein volkomen bilde hât gemachet, dâ prüevet man sîne
kunst ane Eckh
1:330,2;
BraunschwRchr
4535
3.9
von religiöser Ekstase:
der prister Eli sprach, / do er si [
frauwe
Anna
] in andaht peten sach: / ‘wie pist du von
weine so naß; / ge hin, piz du in verdeuest paß.’ / wan si der hailigen
kunst / waz worden so in brunst, / daz in dez muste dunken / sie wer von weine
drunken MvHeilGr
787;
diu sehste gâbe ist der kunst, von der die lêrer sprechent, dâ ein mensche
sîniu werc bringen kan zuo einer solhen sache, dâ mit er sich mit got vereinet
Eckh (Pf)
369,19;
swie tump ich doch anders sî, / mir ist iedoch diu wîsheit bî, / daz ich
wol weiz Jesum Christ / daz er diu obrist wîsheit ist, / diu daz herze
durhgrebet / und den inren sin erhebet / in die kunst, die nieman / mit rede
zende bringen kan LvRegSyon
2833.
2838
3.10
bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung
3.10.1
Magie, Zauberei:
swaz man von zouberlisten seit / dar an was sîn kunst
sô grôz RvEAlex
113.
424;
von starker zouberîe kunst / was diu geschrift
getihtet KvWTroj
9652;
ander kvnst ich wiste: / daz waren zouberliste. / die
kvnst ich also lange treip, / vnz mir der name bekleip, / ich were ein
zouberinne Herb
845;
so lernt er zauberie, / die kuͦnst nigromancie
HvNstGZ
5075;
BdN
451,25.
434,7;
WhvÖst
11384.
4908;
Pass I/II (HSW)
20139;
Ottok
32601;
Brun
10311.
–
swarze ~
:
dô saiten di knechte dem herren, daz si [hl.
Agnes] mit der swarzen kunst betrogen wêre
HvFritzlHl
68,2;
sundirlich was her wol erfarn in astronomien unde in der swarzin
kunst Köditz
10,16.
10,24.
– Wahrsagerei:
Joseph sprach ‘war daht ir daz ir iht uerstalet mir?
[...] an liezzen
[Wahrsagen] ist nieman mir gelich; die
chunst han gelernet ich.’ GenM
96,21;
den [Leuten] saget er
[Apollon] solhiu mære, / daz er ein
wîssage wære. / alsolher kunst nam er sich an: / swaz gerne hôrte der
man, / daz seit er im künftic gar RvEBarl
10167.
2495;
sin [Judas, ein weiser Mann] kunst
wiste also, / daz Antigonus solde do / sterben in Pirgostraton ie, /
doch in welcheme oder wie, / des hat sin kunst im niht geseit
Macc
11689. 11693
3.10.2
List, Hinterlist, Bosheit:
ich chlage der loesære
[Heuchler] chunst / und versage in dar zu
mine gunst StrKD
158,213;
nu vant ir arclistiger sin / die kunst, daz si wol quemen / von in und
sich entnemen [sich drückten] / von der kirchen
arbeit Pass III
150,43.
152,95;
[Irekel zu Meliur, nachdem sie Partonopier unter die zum
Ritterschlag bestimmten Knappen eingeschleust hat:] ich
schuof alhie mit mîner kunst, / daz er von iu ze ritter wart
KvWPart
14870.
– von den Fähigkeiten des Teufels:
sie wæren stæte an ir
begunst [Vorhaben] / und lerneten des
tiuvels kunst. / sie wâren gotes künste vrî RvEBarl
10584;
[Teufel:] dis kint wart ane súnde
gezilet und geborn, es were mir anders nie verholn. nu habe ich alle
mine kunst verlorn Mechth
5: 23,90;
WernhMl
4696;
Brun
6289;
personifiziert:
du arge kunst, du bose list, / genuget dir niht
daz du bist / mit dinen leiden huten / ein irrer der guten?
Vät
5113
3.11
bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684
s.v. Kunst
6.a):
[Lucia, die mit Feuer gemartert wird:] ich habe got,
den herren min, / gebeten umme dise vrist, / daz noch min leben an mir ist. /
sin vruntschaft und sin hohe gunst / bewart mich vor des vures kunst, / die mir
nicht kan gesigen an Pass III
30,28
4
‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’
si kêrte ir herze an guote kunst: / des bejagte si der werlde
gunst. / frou Herzeloyd diu künegin, / ir site an lobe vant gewin, / ir kiusche was
für prîs erkant Parz
103,1;
daz er muz beliben alda vor / mit den vumf juncvrouwen / die
niht vor beschouwen / wolden ires herzen kunst [
‘ihre Gesinnung prüfen’
]
Vät
19575;
Jesus crist, / der dirre kunst ein meister ist, / der
sprichet: ‘lernet von mir den sin, / wan ich demutiges herzen bin!’
ebd.
22670;
von kunst gewinnt man tugent WälGa
9263.
9271. 9273;
diu kunst, diu êwic ist [...] und dâ mite man daz
himelrîche erwirbet [...], daz ist tugentlîchez leben
DvASchr
309,7;
Boner
4,44.
– Lit.: J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes,
1931; Bruno Boesch, Die Kunstanschauung in der mittelhochdeutschen Dichtung,
1976.
MWB 3,2 734,23; Bearbeiterin: Herbers
kunstære
stM.
‘Könner; einer, der Fähigkeiten hat; Künstler’
ein kunster solte den anderen loben [...], / und solt
ouch bî sich geben den prîs, / so waer er wîs Boppe
1:22,15;
ein itzlich kunster rate in disem liede: / wie hiez der man?
Meissner
2:18,11;
kunstere, wis bi grozer kunst demuͦtich unde geduldich, / so wirt gotes
wille an dir mit kunsten vuͦllenbracht Rumelant (K)
6:6,5.
6:6,11;
zwei vorspan
[Gewandspange]
[...] / di
volbracht haben kunsters hant Brun
274;
ein schrîber schrîbet allewege nicht, noch ein kunster wirket sîne kunst
allewege nicht: noch danne sô hât her si hêlîchen
[verborgen] in ime HvFritzlHl
97,25
MWB 3,2 739,33; Bearbeiterin: Herbers
kunstehalbe
Adv.
‘das Können betreffend’
wan kvnstehalbe were ich tovbe [stumpfsinnig] / ich
sage als ich wol gelovbe / wie si [Martina] enpfangen
wurde Martina
232,39
MWB 3,2 739,46; Bearbeiterin: Herbers
kunstelære
stM.
‘Künstler’, hier: ‘Dichter’
[eine Dame zu dem Dichter:] la dir nit grusen / gen mir,
du kunstellere! / ich sage dir nuwe mere / von markgrofe Woldemaren
Hornb
3:9
MWB 3,2 739,50; Bearbeiterin: Herbers
künstelîn
stN.
Dimin. zu
kunst
stF.
‘geringes Können, geringe Fähigkeit’
es enist niergen enkein werklin so klein noch
kúnstelin noch so snoͤde, es kome al von gotte Tauler
177,33;
ob einer kan ein künstelîn, / der wil zehant ein hoveman sîn KLD:
Alex
2:15,4
MWB 3,2 739,54; Bearbeiterin: Herbers |