kürlich
Adj. , kürlîche(n)
Adv.
auch kor-
MarcoPolo .
1
‘ausgewählt, ausgezeichnet, erlesen’
1.1 Adj. (häufig bei Konrad von Würzburg) 1.2 Adv. 2
‘sichtbar, deutlich’ , Adj. (s.a.
kurc
) 3 (durch Schiedsrichter) ‘entschieden’ , Adv.
1
‘ausgewählt, ausgezeichnet, erlesen’
1.1
Adj. (häufig bei Konrad von Würzburg):
ein wîp / diu alsô kürlîchen lîp / hete Wh
257,24.
11,28;
GTroj
2456;
PleierMel
7499;
ez wart in Engellanden / sô kürlich ritter nie geborn
KvWTurn
89;
der künic [...] fuorte den
kürlichen helt / mit im von dannen KvWSchwanr
372;
KvWTroj
10170;
vil manec kürlich degen KvWTurn
266;
sô lûter nie kein feine [Fee] / noch kürlicher
wart gesehen KvWPart
12507;
KvWTroj
2143.
–
ouch was ez [Pferd]
kürlîcher kust [Beschaffenheit]
Tr
6673;
sin [des kastilischen
Pferdes] gebaine wandels bar, / kurlich, hoche und frech, /
an der farwe als ain bech GTroj
3985.
9231;
ouch vuort’ er an sîner hant / geslozzen in zwei wint bant /
zwêne winde kürlîch DietrGlesse
145.
–
der kunig hot do eyn pallas wol groz, das ist bedact mir korlichim
golde allinthalbin MarcoPolo
50,12;
ein swert kurlîch DietrGlesse
655;
KvWPart
5802;
si zogten ûf den sâmen / in zwein kürlichen parten
KvWTurn
717;
sô kürlich werc enwürde nie / geworht ûf al der erden
hie KvWTroj
17623.
–
din kurlich riten JTit
5390,2
1.2
Adv.:
vil minneclîche scheiden sach man an der stunt / die
snellen Burgonden von Rüedegêres man [La. die sah man
chvrlichen stan
]
NibB
1293,3;
des helmes tach kurlich gemaitt / was ain tier
[= tiure
] gefintt [=
gefînet
] rubin GTroj
1022.
–
‘wohlüberlegt’
inde cureliche sprehe ich, dat si [die
Tugend] is ein meister aller guder ge denke inde worde,
inde werke Lilie
2,17;
doch wil ich [...] / kurzliche
[La. kurliche
] ruren
[erwähnen] ir [der
Wunderzeichen] ein deil Elis
10476
2
‘sichtbar, deutlich’, Adj. (s.a. →
kurc
):
ist, das mir der Nêkir kurlichen schâden tuͦt an den wisun, so sol man
mir an dem zînse liben [nachlassen]
UrkBebenh
17,220
(a. 1312)
3
(durch Schiedsrichter) ‘entschieden’, Adv.:
die bruodere süllen enheinen kriec han; werdent sy aber kriegende von dem rate
des tüfels, so soll der krieg kurlich enden SchweizId
2,448
(GFD 4; a. 1314-1321)
MWB 3,2 770,7; Bearbeiterin: Herbers
kürlop
stN.
‘hohes, vorzügliches Lob’
für daz er swert begunde tragen, / daz nie kein kindischer man /
kürlobes mê gewan UvZLanz
6904
MWB 3,2 770,48; Bearbeiterin: Herbers
kurmiete
stF.
rhein.-westfäl. Rechtsausdruck (s. DWB 11,2813); zur Sache s. LexMA 1,2071f. und
2HRG 1,554 s.v. Besthaupt; s.a. MlatWb 2,2138 s.v.
curmeda.
Abgabe an die Herrschaft, in der Regel das beste Stück Vieh:
corimedem id est vorehure [Vormiete]
UrkKölnSchr
2,1:27
(12. Jh.);
si qua in taxatis bonis nomine corimedis UrkNiederrh
1,328
(a. 1178).
1,118
(a. 1051).
2,475
(a. 1285);
UrbPrüm
34,3;
weitere Belege s. DRW 8,170ff. s.v. Kurmede
MWB 3,2 770,51; Bearbeiterin: Herbers
kurnagel
stM.
als Bestandteil eines Personennamens, evtl. für einen Nagelschmied? (s.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez. S. 300):
her Gotzo kurnagel UrkCorp
N451,27.
N444,37
MWB 3,2 770,61; Bearbeiterin: Herbers
kürne
stF.
auch qui-.
‘Mühle, Mühlstein’
mola: chvrni Gl
3:629,33;
mola a rotunditate, ut mala kurn / kuerna SummHeinr
1:368,373;
scussorium: quirn ebd.
2:480,365.
–
‘Handmühle, Ziehmühle’
dâ laid er arbait genuoc: / den wit
[Brennholz] er dâ vaile truoc, /
[...] die kurne zôh er tägelîche Kchr
1759.
3849;
in der selbin tage zil / fuͦrten si
in [Sampson] gein Gaza / und twungin in das er alda /
muͤste [...] eine kúrne tribin / und in maln
gar ir chorn RvEWchr
21097;
Vät
20843.
– sprichw.:
dennoch [La. dar nâch sô
] melt [
→
maln stV.] mîn kürne [darauf habe ich es
abgesehen]
Neidh (HW)
18,9
MWB 3,2 771,1; Bearbeiterin: Herbers
kürne
stN.
Koll. zu korn stN.
‘Getreide’
swer daz bricht, der gibet ie von dem suͤmer [Getreidemaß,
Scheffel] sehtzic haller, ez sei haber oder corn oder swelherhande
kuͤrn dez ist NüP
119.
120
MWB 3,2 771,14; Bearbeiterin: Herbers
kürnen
swV.
zu →
kürne stF.
‘mahlen, zermalmen’
da vint der han den edeln stein, den er vil cleine kürnet Frl
5:87,6
(s. Anm.z.St. Ettmüller, Frl. S. 306)
MWB 3,2 771,18; Bearbeiterin: Herbers
kurnestein
stM.
auch qui-.
‘Mühlstein’
molaris: churnistain Gl
3:667,14;
ein gebot sprach er [...] / von den zwein quirnsteinen
Pass III
440,56
MWB 3,2 771,22; Bearbeiterin: Herbers
kurnewalisch
Adj.
‘von Cornwall’
von curnewalscher diete Tr
7217.
– mit frz. Suffix:
edeler künic curnewalois Tr
3356
MWB 3,2 771,25; Bearbeiterin: Herbers
kurpen
swV.
Etymol. und Bedeutung unklar.
‘einverleiben’? (kurpeln?) oder ‘einkerkern’?
(kerchen?) (zu den verschiedenen Ansätzen s. F. Bech in: Alemannia 18
(1890), S. 58):
wie dv die tievillichen schar / het gewalteclicher gar / gekvrpit in der helle
sloz Martina
158,23
MWB 3,2 771,28; Bearbeiterin: Herbers
kürre
Adj.
‘zahm, sanft, nicht wild’
die viende wurden kürre. alle ir hohmut gelac Pass III
97,67.
257,50.
475,42;
zuhant wart ouch der selbe man / wol an den gelouben bracht /
und doch alrest mit not bedacht, / di in machte kurre Pass I/II (HSW)
39455.
39634;
jungiu magt sol kürre und wilde sîn, / so belîbt ir lîp und ir lop vîn: / gein
friunden kürre, gein fremden wilde Renner
12097.
5630;
sin [des Königs] wildekeit wart kurre
Hester
1198;
sie waren also kurre / daz sie hielten sin gebot
Vät
7734;
HeslApk
20486
MWB 3,2 771,34; Bearbeiterin: Herbers
kurren
swV.
‘knurren, grummeln’, subst. für Blähungen:
di ruͦte gesoten in wasser unde das mit starkem wine
gemenget, vertribet das curren in dem buche Macer
8,6.
18,5
u.ö.
MWB 3,2 771,45; Bearbeiterin: Herbers
kurrent
stswM.
‘junges Schwein, Läuferschwein’
2 lehen ze Praitenperch gebent ze cinse [...] 2 current
und 2 lember UrbSonnenb
4;
Agareit geit ze cinse [...] 1 schoͤtlamp, 1
currenten ebd.
6
u.ö.
MWB 3,2 771,49; Bearbeiterin: Herbers
kurrier, kurier
stM.
aus afrz. courrier (Rosenqvist 1,144).
‘Läufer, eilender Bote’
hin giengen die kuriere. / si wâren harte schiere / ze Tintaiôle komen în
UvTürhTr
2327.
2433.
– Figur in einem Brettspiel:
wurfzabel und kurrier [
fier
:] / geworht von helfenbeine Wig
10582;
im Schachspiel:
die kurrier sider sint erdâht / und in daz spil durch zierde brâht
HvBer
9702;
sô mügent ir si [die großen Spielsteine] erkennen: /
es ist ein trülle und zwên currier / und ein râtgeb, das werdent vier
Ammenh
2629
MWB 3,2 771,53; Bearbeiterin: Herbers
currît
stN.
aus afrz. cuiret (Suolahti 1,140); stM.
KarlGalie .
‘Lederharnisch’
Irenwart und Uoge, / [...] die sach man ze Wienne koufen
currît unde platen [Brustpanzer]
Neidh
WL 28:9,4;
mich hiez ein frowe ein currît tragen / an blôzzer hût SM:
Ta
3: 1,5;
halsperge unde hosen, schinier, banzier, gurrit, blaten,
ysenhute, armbrust StRAugsb
151,15;
den wapenrock guet ind riche / zoch hey ouch stilliche / op dat kuret enboven
KarlGalie
3860;
synen schilt, ind synen kuret / verhawen hatte der schencke mere ebd.
5637
u.ö.;
MorantGalie
3786.
– als Teil eines Personennamens:
ich Hainreich der alt richter von Egenburch genant der Currit
StiftZwettl
640.
641.
642
MWB 3,2 772,1; Bearbeiterin: Herbers
1curs
stM.
aus mlat. cursus.
‘Stundengebet’ (s.a. →
kursære
stM.):
sô gie si aver schône / t;hint;fur den altâre, / daz si ir churs lâre
[betete] : / dâ stuont si unz an die vesper
Wernh
1384
MWB 3,2 772,15; Bearbeiterin: Herbers
2curs
stM.
aus afrz. cors (Suolahti 1,140).
‘Körper’, nur in Parz , immer in Verbindung mit
bêâ:
diu truoc den rehten bêâ curs. / der name ist tiuschen
schœner lîp Parz
187,22.
283,8.
327,19.
333,24
MWB 3,2 772,19; Bearbeiterin: Herbers
kursære
stM.
aus mlat. cursarius (MlatWB 2,2149; AWB 5,543).
‘Stundengebetsbuch, Brevier’
zarianz: cursere GlHvB (GE)
313
MWB 3,2 772,23; Bearbeiterin: Herbers
kursat
stNM.
→
kursît
MWB 3,2 772,26;
kürsen, kursen
stF.
stM. kürse
UrkRegensb ;
Entlehnung aus dem Slaw. (vgl. EWA 5,923f. s.v. kursin(na)); vereinzelt
mit n-Abfall kürse
Herb ; Nom. Pl. -ne
Himmelr .
‘Kleidungsstück aus Pelz’ (s.a. Brüggen, Kleidung, S. 230):
pelles: chursene Gl
3:626,25;
manstruga: kursen VocOpt
17.098;
SummHeinr
1:322,94.
2:33,71;
si nelegent ze næhiste dere liche hemide noch bruoche, / umbe
chursenne unde bellize habent si neheine ruoche Himmelr
9,6;
röckel, pheit dem wîbe / zôch er ab dem lîbe, / ir kürsen und ir mandel
Helmbr
679.
1285;
ir mandel grüene als ein gras: / ein vêhiu kürsen drunder was
UvLFrd
348,6;
die kvrse vnder der wat, / die was von grozzer ziere
Herb
8476.
8479;
der hêt vernomen alsô mær, / daz der belz, diu kursen wær /
elliu beidiu ohsîn EnikFb
992;
ein kürsen wîze TeufelsÄchtung
212;
ein kürsen schæfîn Helbl
15,67.
3,234;
miner tohter Elspeten schaff ich [...] den guͦten
chuͦrse und min gutiu gærnætsch UrkRegensb
123
(a. 1308);
Martina
231,34;
StRAugsb
151,9;
StRMeran
425;
Holzschuher
173
MWB 3,2 772,27; Bearbeiterin: Herbers
kürsenære
stM.
auch kürsner, kursner; latinisiert kursator
Holzschuher
2166.
‘Kürschner’
swer den vinger uf daz mezzer leget, / so er snidet, als ein
kürsner phliget TannhHofz
102;
ir [der Venetianer] herzog ist ein mehtic kürsenære,
/ unt wart kürsenære crônebære / mit sînem igelvarwen glatze, / sô mac ouch er wol
crône tragen RvZw
145,7f.;
alsô sprach ein kursenær. / ‘lât mich gewinnen ein
kalpfel’ EnikFb
1006.
1002;
die meister von den hiuten, / die schuoster und die lederær, / kürsnær und die
metzigær. / diu hantwerc sullen sich nit schamen HvBer
4701;
ein iglich hvter. ein weizgerwer. ein kursner. sie machent alt werch oder newe
werch RbHohenlohe
31;
Ottok
65673;
UrkCorp (WMU)
244AB,8,3;
UrbBayÄ
282;
WeistErf
111
(a. 1332);
UrkSchles
3,98
(a. 1340).
– als Bestandteil von Personennamen:
Heinrich der chvrsenær UrbBayÄ
547;
brvder Cvnrat der kvrsenær UrkCorp (WMU)
2062,24.
1436,22
u.ö.
MWB 3,2 772,49; Bearbeiterin: Herbers
kürsenbelz
stM.
‘Pelzüberrock’
ir nemet der kursenbelze [aus Schaffell] war: / die
sint swarz unde wiz KgvOdenw
6,54
MWB 3,2 773,4; Bearbeiterin: Herbers
kürsenerknëht
stM.
‘Kürschnergeselle’
Jekel dem kuͤrsnerkneht und dem Mertel von Pazzawe ist die stat auch in
demselbn rehten zwai jar verboten NüAchtb
58;
Ainrinch der chursner und Andre und Ekel und Ottel die vier chursnær chnecht
UrkRegensb
746
(ca. 1325–1350);
Uͤlin der Stötzlin [...] ain kürsnerknecht
DRW
8,192
(ZSchwabNeuburg; a. 1344)
MWB 3,2 773,7; Bearbeiterin: Herbers
kürsenerlêhen
stN.
‘Verpflichtung zur Abgabe von (verarbeitetem) Pelzwerk’
Vlreich und Tacian habent 1 hof ze chuͤrsnerlehen UrbSonnenb
112
MWB 3,2 773,15; Bearbeiterin: Herbers
kürsenhûs
stN.
‘Verkaufsstätte der Kürschnerzunft’ (s. DRW 8,187f.):
dass enkein n[âter], der mit nüwem werke umbe gat, niendert anderst ze markte
stan sol damite, wan in dem kürsenhuse SchweizId
4,849
(Lauff.,Beitr.; a. 1335);
DRW
8,188
(ZürichZftG; a. 1336)
MWB 3,2 773,18; Bearbeiterin: Herbers |