klengen, klenken
swV.
auch klinken, klingen
(z.B.
MarcoPolo
36,25;
Dalimil
13,42
),
vgl. auch
klingen
stV.;
Prät. klankte neben klenkte
(
EnikWchr
26425.
26414;
WhvÖst
17581
).
1
‘etw. (Glocken, Saiten, auch Schwerter u.ä.) zum Klingen bringen, erklingen
lassen, läuten’
2
‘etw. (Töne, Musik u.ä.) hervorbringen, erschallen lassen’
3
‘erklingen, läuten’ (von Glocken)
1
‘etw. (Glocken, Saiten, auch Schwerter u.ä.) zum Klingen bringen, erklingen
lassen, läuten’
si muosten umb schouwen, / ob ez wærn man oder frouwen, /
wer die glocken klanct EnikWchr
26425.
26444
u.ö.;
glocken, / die man ze gotes dienste klenget Renner
6569.
5844;
swer mit kunst uf herpfen wan eine seiten klenget JTit
3565,1;
sich saczt Cirad czu der iuncfrowen / [...] vnd
begunde met mit ir czu trink[en] / vnd dy pusawn czu clinken Dalimil
13,42.
–
ir zweier freunt [...] / die helme kunden
klengen, alsam si wern in einer kezzel smitten JTit
5893,4;
ritterliche da ir swert / der arme kraft da clancte /
durch wapen, daz ez lancte / die sel von dem libe WhvÖst
17581.
– subst.:
daz klenken [der Glocke] wart
im aber kunt EnikWchr
26440.
– mit Refl.-Pron. ‘erklingen, läuten’
diu glock klenkt sich ander stunt
EnikWchr
26414
2
‘etw. (Töne, Musik u.ä.) hervorbringen, erschallen lassen’
ûz der blüete clenket / vil süezen dôn / manec wildiu nahtegal
KvWLd
4,20;
die snuere moissen brechin wol, / so wa der esil clinkit gigen tone
Stolle (Z)
121:n.3,4;
dô sunget irz [das Kyrie eleison] niht glîch unde
kundet ez niht wol klenken mit dem dône PrBerth
1:496,11;
Martina
70,74;
NibB
1964,4.
– bildl.:
also horte man sin lop ie clengen / in allen richen, swa man in bekande
JTit
3582,2.
– subst.:
rotten, hærpfen, zimbeln und ziterje, / vil suͤzer doͤne klenge
[La. klengen
] fuͤrt man vor im JTit
6194,4.
– mit erspartem Obj. (vgl.
klingen
stV.):
sô [...] diu lerche clenket / in
daz ôre sîn KvWLd
7,49
3
‘erklingen, läuten’ (von Glocken):
diu glock aber offenbar / hêt geklenket umb daz reht
EnikWchr
26411;
vil glockilin beyde von silbir und von golde, di do klingetin
MarcoPolo
36,25
MWB 3,1 349,30; Bearbeiter: Hansen
klenke (?)
stF.
‘Klang, Gesang’ (oder Pl. von
2klanc
stM.?):
sît si lônet kleine / mîner niuwen klenke [
gedenke:
] , / wan mag ich dienen anderswâ? Neidh
WL 27:2,6;
und [er] gieng hin fúr den alter
[...] und tonde verborgenlich daz gedoͤne: ‘benedictus
qui venit’, als die geischlichen klenke dennoh in siner sel waren
Seuse
386,30;
ob allen schoͤnen klenken ebd.
306,19
MWB 3,1 350,5; Bearbeiter: Hansen
klënster
stM.
‘klebrige Streichmasse, Teer, Pech’ (vgl.
klîster
):
er [Noah] schuof, daz er gevuoge / sie
[die Arche] bestriche mit chlenster
Aneg
1833
MWB 3,1 350,13; Bearbeiter: Hansen
klënwant
stF.
‘Lehmwand’
recht als die pfæl in ainer klänten want [La.
chlenwent
] den laim aufhaltent [
sicut pali in pariete luteo parietem tenent
]
BdN
22,9
MWB 3,1 350,16; Bearbeiter: Hansen
klenze (?)
swF.
auch clens-; Etymologie unklar, vgl. EWA 5,593f.
‘Spange (als Beinschmuck)’ (vgl. AWB 5,247):
periscelides sunt ornamenta crurium vel caligę episcoporum: klenzun
SummHeinr
1:319,29;
periscelides: klenzun [La. clensen
]
ebd.
2:12,261
MWB 3,1 350,20; Bearbeiter: Hansen
klëp
stM.
‘klebrige Streichmasse, Teer, Pech’ (s.a.
kleip
):
mit zehim letten unde klebe / hiez si [die Mutter
von Moses] vil wol bestrichen das [das
Körbchen] fúr wazzer RvEWchr
8935
(vgl. Ex 2,3 et linivit eam bitumine ac pice);
mit klebe er sie [die
Kästen] bestrîchen hiez, / man lie sie gar unwæhe swarz, / er hiez dran
legen niht wan harz RvEBarl
1840;
litura: cleb SummHeinr
2:356,200.3.
– bildl.:
lim vnd cleb ist ir minne Ratte
55
MWB 3,1 350,26; Bearbeiter: Hansen
klepfel, kleffel
stM.
‘Glockenschwengel, Klöppel’ (vgl.
klüpfel
):
diu glocke muoz den klüpfel [La. kleffel
] hân, / sol si grôzen dôn begân Freid (G)
126,15.
– als Gl. zu mlat. batillus (vgl. MlatWB 1,1393):
batillum: clephel GlAnzfWK
41,25
(BStK 154a)
MWB 3,1 350,35; Bearbeiter: Hansen
klepfelîn
stN.
auch klaͤmp-, s. DWB 5,943 u. 5,954.
‘Klapper’ als Signal sozialer Ausgrenzung bes. bei Aussätzigkeit (vgl.
klaffe
swF. und BMZ 1,847b klopfelîn mit Beleg des 15. Jh.s), hier übertr.
zur Verleumdung:
eine vrouwen die man hât erkant / an ir êren stæte, /
[...] / sô sint die valschen sô gemuot / daz si sô
stæte niht mac gesîn / sine slahen ir doch ein kläpfelîn [La.
klaͤmplin
] / mit worten und mit vâre Wig
2376
MWB 3,1 350,41; Bearbeiter: Richter
klepfen
swV.
‘etw. (eine Glocke) erschallen lassen, läuten’
ze aneganden ernen [Erntezeit] sol der kelner
[...] eine glocke klephen UrkCorp (WMU)
N816,37
MWB 3,1 350,50; Bearbeiter: Hansen
klepfze
F.
→
kafse
MWB 3,1 350,54;
kleppisch
Adj.
‘geschwätzig’ (s.a.
kleffic
u.
kleffisch
):
welhes augen her für pauzent auz dem haupt, der ist
unschämich und kleppisch und ain tôr BdN
43,22.
47,26
MWB 3,1 350,55; Bearbeiter: Hansen
cleric, clerck(e)
M.
‘Geistlicher, Kleriker’
dar vmb hadde hey eynen sede, / dat hey zo allen zyden / de mysse ind de
gezyden / halp syngen mit den clercken Karlmeinet
321,51;
der glich sayte mir eyn cleric Pelzb
130,7;
ez ist cleric, leie, noch begine [Laienschwester]
JvBrabant
7:3,5
MWB 3,1 350,59; Bearbeiter: Hansen
klette
swMF.
eine Pflanze, ‘Klette’ (gemeint wohl v.a. die ‘Große Klette’ Arctium
Lappa L., vgl. Marzell 1,374 ff.) bzw. deren markante, mit Widerhaken versehene
Fruchtstände:
nezzeln, cletten, dorne / was hinden unde vorne / uf dem
acker vil genuc Vät
19011;
lapatium, daz ist chlette Barth
144,14;
lappa vel lappatum: bleticha vel cletto SummHeinr
2:353,143;
lappa vel philantropos: kletta ebd.
1:189,252
u.ö.;
lappa, clithae: klette GlAnzfKdVz
7:144,470
u.ö.
– häufig bildl. und im Vergleich:
die hurteclichen stoͤzze / sich in ain ander mangten / daz an
ain ander hangten / die vinde als die cletten WhvÖst
8133;
an im si klept alsam ain klet SHort
2657;
unser herre Jesus Christus kuam in dise werlt und vant in dem akkere der
werlde dorn kletten nezzeln und ander uncruͦt PrLpz
28,29;
swer sich ze kletten mischet, / unsanfte er s’ abe wischet: / nieman frumer
mische sich / ze bœsen liuten, daz rât ich Freid
118,7.
118,13;
Dalimil
46,14;
Tauler
225,28.
225,29;
Martina
47,31.
–
bezzert her mir nicht, ich werfe im einen stein in sinen garten / unde eine
kletten in den bart Meissner
16:6,8
MWB 3,1 351,1; Bearbeiter: Hansen
Klevener
stM.
‘Wein aus Chiavenna (Kleven)’ (vgl. Alanne, Weinbau, S. 195):
alle di wein, di man hie kauft, ez sei Rainual, Kleuener, Welhisch wein,
Elsazzer oder Osterwein NüP
117
MWB 3,1 351,24; Bearbeiter: Hansen
klëwen (?)
swV.
‘klagen’ (vgl. auch
klöuwen
und
klû
):
wan hort si klewen und klagen SHort
3075.
– hierher (so Glr.z.St.) oder zu →
klëben
swV.:
du must unser gnaden leben, / in fuͤre, in bech, in swebel
kleben. / also werdent sie getrost / die suͦnder in der helle rost
HvNstVis
560;
vgl.:
Appolonius also klebete [Hs. klebere
] . / auff dem wag er schwebete [an einer
Schiffsplanke] / in so jamerliche klage HvNstAp
1366
MWB 3,1 351,28; Bearbeiter: Hansen
1klîbe
swF.
‘Empfängnis’ (in der Bez. des Hochfestes ‘Verkündigung des Herrn’ (25.
März; vgl.
klîbeltac
mit Lit.):
unser vrowen tac clîben. [Überschrift] man begêt
hûte den tac unser liben vrowen alse di menslîche natûre becliben ist und geeiniget
an di gotlîchen natûre HvFritzlHl
109,10;
an dem vierdin tage nach unsir frouwen tage kliben Köditz
31,22
MWB 3,1 351,37; Bearbeiter: Hansen
2klîbe
swF.
→
klîe
MWB 3,1 351,45;
klîbelmësse
stF.
‘Mariä Verkündigung’ (25. März; vgl.
klîbeltac
):
an dem nehesten tage vnser frouwen tage klibelmesse UrkWürzb
38,186
(a. 1298)
MWB 3,1 351,46; Bearbeiter: Hansen
klîbeltac
stM.
‘Tag der Empfängnis’, in der Bez. des Hochfestes ‘Verkündigung des
Herrn’ (25. März), mlat. auch als conceptio Christi bezeichnet,
vgl. Hwb. dt. Abergl. 5,1687 mit Lit.; vgl. auch Grotefend, Zeitrechnung
1,65:
an dem nehsten fritag vor vnser frawen clibeltag in der vasten den man nennet
annunciacionem UrkWürzb
40,46
(a. 1336);
an dem dinstag vor vnserr frawen klibel tak in der vasten ebd.
41,443
(a. 1350).
39,315
(a. 1327)
u.ö.;
an vnser frauwen klibel tage UrkHohenz
2,247
(a. 1297);
UrkCorp (WMU)
2664,2.
1393,42
MWB 3,1 351,49; Bearbeiter: Hansen
klîben
stV. (Ia)
von Pfeiffer, NvJer., S. 182 als swV. aufgefasst; vgl. tr.
kleiben
swV.
‘etw. (an etw.) heften, festmachen’
zu herzin ich daz clîbe [
lîbe:
] , / daz in in des jâmirs rôst / dî hoffenunge was ein trôst, / daz
got dî sînen nicht vorlât NvJer
15292
MWB 3,1 351,61; Bearbeiter: Richter
clîe, glîe (?)
F.
ein Musikinstrument (genauere Bed. unklar; vgl. Eitschberger, Musikinstr., S.
38f.; s.a.
glidemen
swV. und
glîen
stV.):
die fleute vnd die clye [
symphonîe:
] , / die lu̍re vnd die pūsin, / die enwolten da nit sin / vnder den
andern verholn; / man moht sie vil gern doln, / wann sie frölichen hullen
Krone
22095
MWB 3,1 352,3; Bearbeiter: Hansen
klîe
swF.
vereinzelt M.
(
HeslApk
3253 (Hs.)
)
auch klîwe, klîbe (vgl. ahd. klîuua stswF. AWB 5,257f.),
kleie, klîge.
beim Mahlen von Getreide nach dem Absieben bzw. →
biuteln
anfallende Reste, ‘Kleie’
cantabrum furfur: cliwa SummHeinr
2:238,439;
furfures a farre dicta, cuius purgamenta sunt cliga vel cliwa, cliuun vel
gruzzi ebd.
1:336,314;
do ward er hungers wol gewert, / das er der klÿen do begert / die man ze
spÿse den schwinen gab KvHelmsd
878;
man mestet swîn mit klîen und eicheln Renner
5829;
swaz ein armez mensche treit vf sim rugge, ez si korn, mæ̂l oder klibe, daz
git niht da von UrkCorp (WMU)
548A,7;
wer klien [...] under ander gerehtez
mel becket, der sol geben 60 #(pfennig) WüP
89,41.
89,7.
92,2;
ist daz harn getân sam die chlîwe drinne varen oder als die
scuopen [Schuppen] , sô ist diu lungel sêr
Barth
130,22.
130,30;
nym papiln vnde [...] kleyn
OvBaierl
83,8.
43,26;
weizine clien SalArz
9,18;
weizine cligen ebd.
9,19;
girstine clien ebd.
43,26;
kleie ebd.
115,21
u.ö.;
ruͤckyͤne clyͤen Albrant
2,16.
3,20.
3,62;
SHort
4177;
StRAugsb
171,33.
– im bildhaften Vergleich:
sam ob got ein mel butilte / von irlesenen kernen / gerifet
wol in der ernen, / also schiet got uz die [Hs. den
] clien / des vleisches an Marien HeslApk
3253
MWB 3,1 352,10; Bearbeiter: Hansen
klieben
stV. (IIa)
1 tr. 1.1 allg. ‘etw. spalten, teilen, zerschlagen’
1.2 mit Refl.-Pron. 1.2.1
‘sich spalten, auseinanderbrechen, bersten’
1.2.2
‘sich entfalten’
1.2.3
‘sich (auf)teilen’
2 intr. ‘sich spalten, auseinanderbrechen, bersten’
1
tr.
1.1
allg. ‘etw. spalten, teilen, zerschlagen’
sîn hant vil vester schilde kloup Parz
384,21;
der gebûre kloup dâ wite [Brennholz] / nâch der
gebûren site Helmbr
1827.
1849;
er kloup im brünje und îsengwant; / durch die brust er im
zehant / sluoc eine starke wunden Wig
7658;
die zeni chliubint daz man in den munt sciubit
Gen
2813;
Brun
3525.
3528;
PrSchw
1,22;
bildl.:
nu hertz, la dich clieben / mit jamers herten
chiln [Keilen]
WhvÖst
9066.
–
eine Formation trennen, zerschlagen:
in der selben schar si niht vermisten /
[...] / verdacter ros niunthalp hundert
[...]. / der halden [Standhalten,
Kampfeskraft] was sô veste, / daz si niht lîhte wârn ze
klieben Ottok
16179.
– etw. von etw. ~
‘etw. von etw. losschlagen, (gewaltsam) trennen’
er warff in auff di schilde, / das der wurff wilde /
den schilt von der hand claub, / das er ze fur als ain laub
HvNstAp
5445;
bildl.:
mit swerten wart von mir gekloben / vreude und
hôchgemüete Wh
174,24
1.2
mit Refl.-Pron.
1.2.1
‘sich spalten, auseinanderbrechen, bersten’
daz herte bret erweichte / daz ez sich wol endrîzic kloup / unde hôhe
ûf stoup / swaz dar gehaft wære Er
5538;
an dem niunten tage [...] /
brestent die steine [...]. / si chlibent sich
envieren AvaJG
11,3;
dô muose erbiben durch nôt / diu erde, daz sich mûre
chluben KvHeimUrst
769;
die erzenîe sol der sieche vast ezen
[...], sô beginnet sich des êrsten tages der
harnstein chlieben Barth
149,9;
Rol
5095;
HvNstAp
18949;
bildl.:
so wil min hertze clieben / sich von ain ander
WhvÖst
7560.
–
er [...] schrei sô lûte
daz erschal / beidiu berge unde tal / und daz der luft sich gegen im
kloup Wig
6718
1.2.2
‘sich entfalten’
manige bluͤme sich klaup / schone uz irm deschelin
HvNstGZ
154
1.2.3
‘sich (auf)teilen’
dâ aver irwintet der ruke dâ stânt zwô huffe. / von
den chliubet sich der lîp in zwei bein gelîch Gen
172
2
intr. ‘sich spalten, auseinanderbrechen, bersten’
man twinget einen harten vlins, / daz er clîben mûz durch nôt
LivlChr
2441;
die schilte vor ir armen cluben RvEWh
6460;
bildl.:
ir hertze mohten clieben / von des grozen laides kraft
WhvÖst
2196.
8616
MWB 3,1 352,36; Bearbeiter: Hansen
klîenöl (?)
stN.
Bed. unklar, wohl Verschreibung für →
liljenöl
(vgl. La.z.St.):
swer sweiz an im erwecken wille. der sal sinen lip salben mit
ole uon camomilla. da langes pfeffers puluer in si geset. daz selbe mac er tun mit
lor ole. vnde mit klien ole [La. lylien ole (Hs. C, fol.
83r)]
SalArz
73,10
MWB 3,1 353,16; Bearbeiter: Hansen
klimmære
stM.
‘Kletterer’
der beste clemmer kompt meiste zo valle HagenChr (G)
3758
MWB 3,1 353,23; Bearbeiter: Richter |