koch
stM.
auch kuch
[ruch:] (
Brun
6132
); weitere Formen vgl. WMU 2,1019.
‘Koch’
diz buͦch sagt / von guͦter spise, / daz machet / die
vnverrihtigen koͤche wise BvgSp
Vorrede,2;
wir suln den kochen râten, / [...] / daz sî der
vürsten brâten / snîden grœzer baz danne ê Walth
17,11;
meister Berhtolt, vnser koch UrkCorp (WMU)
383,32;
so het min herre der abbet [...]reht an sibenzehen
knehten, die denkein dienst suͤln duͦn deme gerihte, der sint drige vischere, drie
rebemanne, zwene koͤche ebd.
244AB,7,2;
der mage yst [...] alz eyn koch vnde
eyn knecht, wente he allen leden dy spyse vorbereydet OvBaierl
10,2;
Parz
18,23;
Mechth
6: 1,42;
BdN
257,5.
– als Bestandteil von Personennamen (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
128, mit weiteren Belegen):
Marquard der choch UrkCorp (WMU)
1436,23;
Arnold der koch ebd.
1707,9
u.ö.
– als Bestandteil eines Flurnamens:
vmb einen widerwehsel siben luzze [ursprünglich durch Losen
zugeteiltes Landstück] , der ainer haizzet des chohs lvz
UrkCorp (WMU)
1869,37.
– im Sprichwort (vgl. TPMA 6,299):
der hunger ist der beste koch, / der ie wart oder wirdet noch
Freid
124,17;
der hunger was ir beider koch, / wan sie vasteten beide noch Wigam
(B)
1070;
hierher? (vgl. dagegen Ausg. S. 386):
vür wâr, sô sult ir wizzen, daz ez sint verschamter koche kint / unde
schamelôser müeter barn, die an tugenden sô verweiset sint WernhSpr
(Z)
42,11
MWB 3,1 412,46; Bearbeiterin: Wemhöner
koch
stN.
‘gekochte Speise’
diu muoter vil tiur / macht daz koch bî dem fiur
EnikWchr
27438;
si ezzent daz koch sunder wân / für wurzen und für saffrân
ebd.
27455.
27431
u.ö.;
Helmbr
1241.
– übertr.:
got hât uns dâ gevüeget / spîse, der uns genüeget. / unser
koch ist gotes segen RvEBarl
6347
MWB 3,1 413,11; Bearbeiterin: Wemhöner
kochære, kocher
stM.
vgl. ahd. kohhâri, kohhar AWB 5,297f.; auch köcher
(
HvNstAp
5304
).
‘Köcher’
pharetra: kocher SummHeinr
2:94,192.
1:353,94;
kocher, bogen unde phîl / truoc er nâch der jeger site
RvEBarl
10156;
NibB
975,4
u.ö.;
dô greif der knappe mære / zuo sîme kochære: / vil scharphiu
gabylôt er vant Parz
139,10;
blaten, ysenhute, armbrust, cheten, wanbeis, spiezze unde
bogen, spanbenche unde chocher unde allez geschutzde StRAugsb
151,16;
StRMühlh
161.
– bildl.:
und liefe ez [das Minnewild] êt gên einem
bogstal [Bogenschussweite] indert, / gelüptiu strâl
mit willen / ist in mîns herzen kocher gên ir nindert Hadam
530,7;
der kochir uns bezeichint tût / mit glîchnisse daz armût; /
want als dî strâl behaldin / wirt in des kochirs valdin, / sust wirt dî kûscheit in
armût / vorborgin und behaldin gût NvJer
2804;
PsM
10,3.
– im Vergleich:
ein vaz, daz was gelîch / einem kocher zeinem bogen / mit
zager [Chagrinleder] überzogen Ottok
87050
MWB 3,1 413,18; Bearbeiterin: Wemhöner
kochede
stF.
‘gekochte Beilage, Speise’
daz din brvͦdirn bignvͦge zallen maln ez si ze sexta olde ze
nona altaglich zim imbis an zwein choͥchidin [
pulmentaria cocta
]
BrEng
39.
39
MWB 3,1 413,38; Bearbeiterin: Wemhöner
kochelîn
stN.
hier -lî.
Dimin. zu koch stM., ‘junger Koch’? (vgl. Nölle-Hornkamp,
Handwerkerbez., S. 128f.), hier Bestandteil eines Personennamens:
Ruͦdolf Cocheli, der ist des graven Ruͦdolfes [gehört
diesem]
UrkCorp (WMU)
6,8
MWB 3,1 413,42; Bearbeiterin: Wemhöner
kochen
swV.
auch kuch-; Part.Prät. auch ohne ge- (
BdN
22,25
); häufig als Part.-Adj. und Subst.
‘(etw.) unter Zufuhr von Hitze zubereiten, verarbeiten, kochen’
1 von Speisen, Arzneien o.ä. 2 physiologisch 2.1 als Teil des Verdauungsvorgangs und von Stoffwechselprozessen ‘verdauen,
verarbeiten’
2.2 als Wirkung von Nahrungsmitteln und Arzneien ‘erhitzen’
3 Einzelnes 3.1
‘ins Schwitzen kommen, in Wallung geraten’
3.2
‘würzen’ (vgl. MlatWB 2,1256f. s.v. condio )
1
von Speisen, Arzneien o.ä.:
das [
krut
] koͮchete dú wise / Maria da ze spise WernhMl
4767;
des trachen zung und sein gall gekocht in wein sint ain
erznei BdN
269,33
u.ö.;
ouch werdin getrugit
[getrocknet] ane kochin in der svnnen quiddin, kirsin,
kleyne eppil odir birn Pelzb
134,9;
BvgSp
Vorrede,21.
– mit Ersparung d. Obj.:
si chochete unde buoch Kchr
10683.
3847.
– bildl.:
diu zwei holz des heiligen crûcis suln wir nimmer lâzen ûz unserm herzen;
dâ mit schol gemaht werden daz fiur geistlicher minne und darinne gechuchet diu
himelische spîse: unsers herren lîhnam PrStPaul
85,3;
PrBerth
1:220,16
2
physiologisch
2.1
als Teil des Verdauungsvorgangs und von Stoffwechselprozessen ‘verdauen,
verarbeiten’
der mag ist der êrst haven, dar inn daz ezzen gekocht wirt
BdN
32,3;
die kochenden kraft in dem magen und in den gelidern
ebd.
352,15.
28,18;
aber andreu [
tier
] sint, die kalt magen habent, die müezent
idrucken [wiederkäuen] und ir ezzen zwir maln, daz
ez ir mag gekochen müg ebd.
118,36
u.ö.
– in der Wendung ~
unde (ver)döuwen:
denne gat die spise in den magen, und der kochet und
vertoͤwet die spise Tauler
295,17
u.ö.;
BdN
209,31
2.2
als Wirkung von Nahrungsmitteln und Arzneien ‘erhitzen’
daz [Anis-] kraut zeitigt und
kocht die kalten fäuht in dem magen und in dem leib BdN
382,5.
366,7
3
Einzelnes
3.1
‘ins Schwitzen kommen, in Wallung geraten’
[der festgefrorene] Isengrin kochen geriet, / daz
iz [Eis] wolde smeltzen niht ReinFu
K,769
3.2
‘würzen’ (vgl. MlatWB 2,1256f. s.v. condio):
ob daz saltz vngesmache wirt. in welhem ezzen chochet
oder saltzet [
condietis Mc 9,49] ez dann EvAug
101,13.
176,11
MWB 3,1 413,47; Bearbeiterin: Wemhöner
kocher
M.
als Bestandteil von Personennamen, Bed. unklar, ‘Koch’ oder
‘Köchermacher’? (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 129):
Hanrich von Pisenberge · Dietrich von perge · Chocher · Chvͦnrat der
hohenprvggar UrkCorp
1945,2
MWB 3,1 414,21; Bearbeiterin: Wemhöner
kocherîe
stF.
auch kuch-.
1
‘Kochkunst’
2
‘Speise, Nahrung’
1
‘Kochkunst’
hie get vz die lere von der kocherie BvgSp
96
2
‘Speise, Nahrung’
der ein guͦte koͤcherye machen wil, der hacke petersylien vnd
salbey glich vil vnd brate sie in butern vnd tuͤftele eyer weich vnd menge daz zvͦ
sammene [...]
BvgSp
52;
vleisch, vische und brot / wurtze, pfeffer und saltz, / win,
korn, beir [l. bier
] und smaltz, / sulcher kucherie / der warn sie gar vrie
Vät
33901
MWB 3,1 414,26; Bearbeiterin: Wemhöner
köcherlîn
stN.
Dimin. zu
kochære
, hier wohl ‘fein gearbeiter, kostbarer Köcher’ (vgl. Mhd. Gr. Wortb. §
S 218):
dô wâren ouch dem fürsten komen / zwelf kocher, als ich hân
vernomen, / die wâren wol über al / gehertet von guotem stâl, / pfîl in ieslîchem
kocherlîn, / tûsent geschôz stælîn EnikFb
2965.
3321
MWB 3,1 414,35; Bearbeiterin: Wemhöner
kochespîse
stF.
‘gekochte Speise, Gericht’
ich wil vͤch vnderwisen / von den kochespisen: / der sin niht
versten kan, / der sol diz buͦch sehen an, / wie er groz gerihte kuͤnne machen
BvgSp
Vorrede,4
MWB 3,1 414,42; Bearbeiterin: Wemhöner
kochgëlt
stN.
Abgabe, wohl aus einem →
kochlêhen
(vgl. DRW 7,1163):
gab derselb Ruͤdger uff an unser hand [...] das
kochgelt ze Gachnang, das 1 mut kernen, 1 fierlings minder, 4 malter und 1 mutt
haber 5 ß den. gilt UrkThurgau
5,835
(a. 1345)
MWB 3,1 414,46; Bearbeiterin: Wemhöner
cochie
Subst.
nur Pl., wohl von mlat. coccius (vgl. MlatWB 2,761).
eine Art Pille oder Kügelchen zur Behandlung verschiedener (Kopf-)Leiden:
vor den selbin sichtum sal man nemen getranc di daz houbit
reinege uon der grozen vuchte. dazu ist gut ein ercenie di heizit theodoricon. vnde
di kornel di da heizen cochie SalArz
32,9.
38,55.
42,38
MWB 3,1 414,52; Bearbeiterin: Wemhöner
kochleffel
stM.
‘Kochlöffel’
coclea: ain kochloͤffel, kell vel wasser schaͤpfli GlAnzfKdVz
4:232,23
MWB 3,1 414,59; Bearbeiterin: Wemhöner
kochlêhen
stN.
mit dem Amt eines Kochs verliehenes Gut, ‘Kochlehen’ (vgl. DRW 7,1163 mit
weiteren Belegen):
L.W. habet unum feudum dictum cochlehen DRW
7,1163
(StArchBamberg; a. 1323)
MWB 3,1 414,61; Bearbeiterin: Wemhöner
kochman
stM.
wohl ‘Koch’, hier als Bestandteil eines Personennamens (vgl.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 129):
Bvrchart der kochman UrkCorp (WMU)
3372,23
MWB 3,2 415,1; Bearbeiterin: Wemhöner
kochsudel
stM.
‘Küchenjunge, junger Koch’ (vgl. SchweizId 7,325), hier in einer Wendung
unklarer Bedeutung (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 248):
so ge ich also sprach kocsudel Brun
2761
MWB 3,2 415,5; Bearbeiterin: Wemhöner
kochwaʒʒer
stN.
‘Kochwasser, Sud’
der swarzen kichern kochwazzer
[...] zepricht den stain in der plâtern
BdN
389,28
MWB 3,2 415,9; Bearbeiterin: Wemhöner
kocke
stM.
ein (nicht näher identifizierbares) Belagerungsgerät:
werc, die man dar hât, / [...] / wâ
man die stete sturmen sol / als kocke, katzen, mangen, / ribolde uf rat gehangen
Kreuzf
2827
MWB 3,2 415,12; Bearbeiterin: Wemhöner
kocke
swM.
auch kucke (
HvNstAp
3249
), kogge (
NvJer
368
vgl. Schiller/ Lübben 2,513f.).
großes, hochbordiges Segelschiff zum Transport von Gütern, Personen und
Kriegsgerät, ‘Kogge’
ich wæn, daz mer getruͦg nie me / so manic shif mit
ein ander: / kiele, sheitis, shalander, / kocken, buzzen, galide
Rennew
13165
u.ö.;
RvEWh
10764;
under einem segele eines schiffes, daz ein kocke geheizen ist
StatDtOrd
22,19;
NvJer
368;
Parz
58,6;
funf und funfzic kocken, rîch bereit /
[...], / dar uf vil werder ritterschaft
Kreuzf
3573;
ûf einem kocken über mer / quâmen bilgerîne UvEtzWh
4798;
dar zuo sol man würken guoter kocken drî, / die ros unde spîse uns nâhen
tragen bî Kudr
257,1;
diu werc [Belagerungsmaschinen] ,
diu dâ gerihtet sîn / ûf kocken oder ûf galîn, / diu werfent krefticlicher vil / ze
verrem unde wîtem zil, / denn diu ûf der erden stânt Ottok
34251.
– in der Wendung ~
unde kiel:
als uns diu âventiure seit, / kocken unde kiel, die waeren alle bereit
Loheng
5862;
man sach vil kocken unde kiel / gezieret ûf dem wazzer komen
UvEtzAlex
7260.
24034.
4417;
Kreuzf
3725.
– Lit.: P. Heinsius, Das Schiff der hansischen Frühzeit, 2Weimar
1986.
MWB 3,2 415,16; Bearbeiterin: Wemhöner
cocrota
Subst.
→
crocota
MWB 3,2 415,40;
koffe
Subst.
wohl zu afrz. cofe, cofre (DWB 5,1576).
‘Reliquienkasten’
er vuort ein schœne bâren, / dâ sîn
kefsen [La. choffe
] inne wâren / und sîn heilictuom des er phlac StrAmis
938
MWB 3,2 415,41; Bearbeiter: Tao
kogel
stM.
‘Bergkuppe’
daz aigen, daz wier heten pei Hergersteten in der grueb vnt an dem chogel
UrkCorp (WMU)
1877,5;
min gvt ze Gerevt, daz zwischen des santperges vnt des chogels leit ebd.
610,37.
3362,28,29.
– als Bestandteil eines Flurnamens:
ein holtz haizzet Radmarschogel UrkCorp (WMU)
1868,14,19.
– als Bestandteil eines Personennamens:
her Chvnrat der Eysenpevtel von dem chôgel UrkCorp (WMU)
N263,31
MWB 3,2 415,45; Bearbeiter: Tao
kogel
stswF.
→
gugele
MWB 3,2 415,54;
koie
swstF.
wie →
kouwe
aus lat. cavea (Kluge, 509).
‘(großer) Raum, in dem Tiere untergebracht werden’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt,
S. 122a):
Chaam [...] heldit [...]
ij#h:c#g: gervalkin und tusint valkin in eyner coye; unde wen her wil lust tribin do, so
vurt her si mit ym unde eynen lebart an eynis pferdis halfter, der veet dem herren Chaam
welch tier her wil, und do mitte ezt her di gervalkin unde ouch dy valkin in der coye
MarcoPolo
21,5.7;
du [...] dugentriche, / durch waz du flihes di palas /
unde dich in koien nider las? Elis
7458
(vgl. lat. Quelle: diligis tuguria
‘Hütten’)
MWB 3,2 415,55; Bearbeiter: Tao
koife, koiphe,
goufe, koufe
swF.
auch stF. (
Krone
22657;
MorantGalie
4246
);
vereinzelt stM. (Hirzelin
);
zu afrz. coife, coiffe, "die Form goufe, koufe ist nicht
sicher erklärbar" (Suolahti 1,124; Vorderstemann, Fremdw., S. 95-97);
s. a. →
kupfe
.
–
‘kapuzenartiger Kopfschutz unter dem Helm’ (unklar, ob das Wort die gleiche
Sache wie →
hersenier
bezeichnet; vgl. Schultz, Höf. Leben 2,50f.;
Doubek, Waffennamen, S. 343-345 und Siebel, Harnisch und Helm, S. 94-98):
der helm und diu goufe / wart ûf gestricket und ab gezogen
Wh
92,12;
das haubt er gantz endackte / von der goyfen vnd den staelhŭt
Krone
15814;
er [...] sluog, / [...] daz
im der helm enphiel. / durh di koifen ein starchen schiel / sluog er im ab dem houpt
ebd.
9750;
die coyphe, die was vngestrichet [=
ungestricket
]
ebd.
26127
u.ö.;
iser hosen vnd hersnier, / stivalikein vnd lendenier, /
hvͤrtenir, kofen vnd prassel TürlArabel
F 58;
Dvͥnalt trage die isenhosen, / Eigvnt kovffen vnd
hersenir ebd.
*A 132,17;
er [...] tet do mangen härten swanch, / daz
bluͦt und fiwer auz helmen dranch / und durch mangen cheuf erhal
Hirzelin
225;
dat Durendart dat swert guͦt / durch helm inde koffe wuͦt
MorantGalie
4246
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 3,2 416,3; Bearbeiter: Tao |