k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kochen
swV.
auch kuch-; Part.Prät. auch ohne ge- (
BdN
22,25
); häufig als Part.-Adj. und Subst.
‘(etw.) unter Zufuhr von Hitze zubereiten, verarbeiten, kochen’
1 von Speisen, Arzneien o.ä. 2 physiologisch 2.1 als Teil des Verdauungsvorgangs und von Stoffwechselprozessen ‘verdauen,
verarbeiten’
2.2 als Wirkung von Nahrungsmitteln und Arzneien ‘erhitzen’
3 Einzelnes 3.1
‘ins Schwitzen kommen, in Wallung geraten’
3.2
‘würzen’ (vgl. MlatWB 2,1256f. s.v. condio )
1
von Speisen, Arzneien o.ä.:
das [
krut
] koͮchete dú wise / Maria da ze spise WernhMl
4767;
des trachen zung und sein gall gekocht in wein sint ain
erznei BdN
269,33
u.ö.;
ouch werdin getrugit
[getrocknet] ane kochin in der svnnen quiddin, kirsin,
kleyne eppil odir birn Pelzb
134,9;
BvgSp
Vorrede,21.
– mit Ersparung d. Obj.:
si chochete unde buoch Kchr
10683.
3847.
– bildl.:
diu zwei holz des heiligen crûcis suln wir nimmer lâzen ûz unserm herzen;
dâ mit schol gemaht werden daz fiur geistlicher minne und darinne gechuchet diu
himelische spîse: unsers herren lîhnam PrStPaul
85,3;
PrBerth
1:220,16
2
physiologisch
2.1
als Teil des Verdauungsvorgangs und von Stoffwechselprozessen ‘verdauen,
verarbeiten’
der mag ist der êrst haven, dar inn daz ezzen gekocht wirt
BdN
32,3;
die kochenden kraft in dem magen und in den gelidern
ebd.
352,15.
28,18;
aber andreu [
tier
] sint, die kalt magen habent, die müezent
idrucken [wiederkäuen] und ir ezzen zwir maln, daz
ez ir mag gekochen müg ebd.
118,36
u.ö.
– in der Wendung ~
unde (ver)döuwen:
denne gat die spise in den magen, und der kochet und
vertoͤwet die spise Tauler
295,17
u.ö.;
BdN
209,31
2.2
als Wirkung von Nahrungsmitteln und Arzneien ‘erhitzen’
daz [Anis-] kraut zeitigt und
kocht die kalten fäuht in dem magen und in dem leib BdN
382,5.
366,7
3
Einzelnes
3.1
‘ins Schwitzen kommen, in Wallung geraten’
[der festgefrorene] Isengrin kochen geriet, / daz
iz [Eis] wolde smeltzen niht ReinFu
K,769
3.2
‘würzen’ (vgl. MlatWB 2,1256f. s.v. condio):
ob daz saltz vngesmache wirt. in welhem ezzen chochet
oder saltzet [
condietis Mc 9,49] ez dann EvAug
101,13.
176,11
MWB 3,1 413,47; Bearbeiterin: Wemhöner
kocher
M.
als Bestandteil von Personennamen, Bed. unklar, ‘Koch’ oder
‘Köchermacher’? (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 129):
Hanrich von Pisenberge · Dietrich von perge · Chocher · Chvͦnrat der
hohenprvggar UrkCorp
1945,2
MWB 3,1 414,21; Bearbeiterin: Wemhöner
kocherîe
stF.
auch kuch-.
1
‘Kochkunst’
2
‘Speise, Nahrung’
1
‘Kochkunst’
hie get vz die lere von der kocherie BvgSp
96
2
‘Speise, Nahrung’
der ein guͦte koͤcherye machen wil, der hacke petersylien vnd
salbey glich vil vnd brate sie in butern vnd tuͤftele eyer weich vnd menge daz zvͦ
sammene [...]
BvgSp
52;
vleisch, vische und brot / wurtze, pfeffer und saltz, / win,
korn, beir [l. bier
] und smaltz, / sulcher kucherie / der warn sie gar vrie
Vät
33901
MWB 3,1 414,26; Bearbeiterin: Wemhöner
köcherlîn
stN.
Dimin. zu
kochære
, hier wohl ‘fein gearbeiter, kostbarer Köcher’ (vgl. Mhd. Gr. Wortb. §
S 218):
dô wâren ouch dem fürsten komen / zwelf kocher, als ich hân
vernomen, / die wâren wol über al / gehertet von guotem stâl, / pfîl in ieslîchem
kocherlîn, / tûsent geschôz stælîn EnikFb
2965.
3321
MWB 3,1 414,35; Bearbeiterin: Wemhöner
kochespîse
stF.
‘gekochte Speise, Gericht’
ich wil vͤch vnderwisen / von den kochespisen: / der sin niht
versten kan, / der sol diz buͦch sehen an, / wie er groz gerihte kuͤnne machen
BvgSp
Vorrede,4
MWB 3,1 414,42; Bearbeiterin: Wemhöner
kochgëlt
stN.
Abgabe, wohl aus einem →
kochlêhen
(vgl. DRW 7,1163):
gab derselb Ruͤdger uff an unser hand [...] das
kochgelt ze Gachnang, das 1 mut kernen, 1 fierlings minder, 4 malter und 1 mutt
haber 5 ß den. gilt UrkThurgau
5,835
(a. 1345)
MWB 3,1 414,46; Bearbeiterin: Wemhöner
cochie
Subst.
nur Pl., wohl von mlat. coccius (vgl. MlatWB 2,761).
eine Art Pille oder Kügelchen zur Behandlung verschiedener (Kopf-)Leiden:
vor den selbin sichtum sal man nemen getranc di daz houbit
reinege uon der grozen vuchte. dazu ist gut ein ercenie di heizit theodoricon. vnde
di kornel di da heizen cochie SalArz
32,9.
38,55.
42,38
MWB 3,1 414,52; Bearbeiterin: Wemhöner
kochleffel
stM.
‘Kochlöffel’
coclea: ain kochloͤffel, kell vel wasser schaͤpfli GlAnzfKdVz
4:232,23
MWB 3,1 414,59; Bearbeiterin: Wemhöner
kochlêhen
stN.
mit dem Amt eines Kochs verliehenes Gut, ‘Kochlehen’ (vgl. DRW 7,1163 mit
weiteren Belegen):
L.W. habet unum feudum dictum cochlehen DRW
7,1163
(StArchBamberg; a. 1323)
MWB 3,1 414,61; Bearbeiterin: Wemhöner
kochman
stM.
wohl ‘Koch’, hier als Bestandteil eines Personennamens (vgl.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 129):
Bvrchart der kochman UrkCorp (WMU)
3372,23
MWB 3,2 415,1; Bearbeiterin: Wemhöner
kochsudel
stM.
‘Küchenjunge, junger Koch’ (vgl. SchweizId 7,325), hier in einer Wendung
unklarer Bedeutung (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 248):
so ge ich also sprach kocsudel Brun
2761
MWB 3,2 415,5; Bearbeiterin: Wemhöner
kochwaʒʒer
stN.
‘Kochwasser, Sud’
der swarzen kichern kochwazzer
[...] zepricht den stain in der plâtern
BdN
389,28
MWB 3,2 415,9; Bearbeiterin: Wemhöner
kocke
stM.
ein (nicht näher identifizierbares) Belagerungsgerät:
werc, die man dar hât, / [...] / wâ
man die stete sturmen sol / als kocke, katzen, mangen, / ribolde uf rat gehangen
Kreuzf
2827
MWB 3,2 415,12; Bearbeiterin: Wemhöner
kocke
swM.
auch kucke (
HvNstAp
3249
), kogge (
NvJer
368
vgl. Schiller/ Lübben 2,513f.).
großes, hochbordiges Segelschiff zum Transport von Gütern, Personen und
Kriegsgerät, ‘Kogge’
ich wæn, daz mer getruͦg nie me / so manic shif mit
ein ander: / kiele, sheitis, shalander, / kocken, buzzen, galide
Rennew
13165
u.ö.;
RvEWh
10764;
under einem segele eines schiffes, daz ein kocke geheizen ist
StatDtOrd
22,19;
NvJer
368;
Parz
58,6;
funf und funfzic kocken, rîch bereit /
[...], / dar uf vil werder ritterschaft
Kreuzf
3573;
ûf einem kocken über mer / quâmen bilgerîne UvEtzWh
4798;
dar zuo sol man würken guoter kocken drî, / die ros unde spîse uns nâhen
tragen bî Kudr
257,1;
diu werc [Belagerungsmaschinen] ,
diu dâ gerihtet sîn / ûf kocken oder ûf galîn, / diu werfent krefticlicher vil / ze
verrem unde wîtem zil, / denn diu ûf der erden stânt Ottok
34251.
– in der Wendung ~
unde kiel:
als uns diu âventiure seit, / kocken unde kiel, die waeren alle bereit
Loheng
5862;
man sach vil kocken unde kiel / gezieret ûf dem wazzer komen
UvEtzAlex
7260.
24034.
4417;
Kreuzf
3725.
– Lit.: P. Heinsius, Das Schiff der hansischen Frühzeit, 2Weimar
1986.
MWB 3,2 415,16; Bearbeiterin: Wemhöner
cocrota
Subst.
→
crocota
MWB 3,2 415,40;
koffe
Subst.
wohl zu afrz. cofe, cofre (DWB 5,1576).
‘Reliquienkasten’
er vuort ein schœne bâren, / dâ sîn
kefsen [La. choffe
] inne wâren / und sîn heilictuom des er phlac StrAmis
938
MWB 3,2 415,41; Bearbeiter: Tao
kogel
stM.
‘Bergkuppe’
daz aigen, daz wier heten pei Hergersteten in der grueb vnt an dem chogel
UrkCorp (WMU)
1877,5;
min gvt ze Gerevt, daz zwischen des santperges vnt des chogels leit ebd.
610,37.
3362,28,29.
– als Bestandteil eines Flurnamens:
ein holtz haizzet Radmarschogel UrkCorp (WMU)
1868,14,19.
– als Bestandteil eines Personennamens:
her Chvnrat der Eysenpevtel von dem chôgel UrkCorp (WMU)
N263,31
MWB 3,2 415,45; Bearbeiter: Tao
kogel
stswF.
→
gugele
MWB 3,2 415,54;
koie
swstF.
wie →
kouwe
aus lat. cavea (Kluge, 509).
‘(großer) Raum, in dem Tiere untergebracht werden’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt,
S. 122a):
Chaam [...] heldit [...]
ij#h:c#g: gervalkin und tusint valkin in eyner coye; unde wen her wil lust tribin do, so
vurt her si mit ym unde eynen lebart an eynis pferdis halfter, der veet dem herren Chaam
welch tier her wil, und do mitte ezt her di gervalkin unde ouch dy valkin in der coye
MarcoPolo
21,5.7;
du [...] dugentriche, / durch waz du flihes di palas /
unde dich in koien nider las? Elis
7458
(vgl. lat. Quelle: diligis tuguria
‘Hütten’)
MWB 3,2 415,55; Bearbeiter: Tao
koife, koiphe,
goufe, koufe
swF.
auch stF. (
Krone
22657;
MorantGalie
4246
);
vereinzelt stM. (Hirzelin
);
zu afrz. coife, coiffe, "die Form goufe, koufe ist nicht
sicher erklärbar" (Suolahti 1,124; Vorderstemann, Fremdw., S. 95-97);
s. a. →
kupfe
.
–
‘kapuzenartiger Kopfschutz unter dem Helm’ (unklar, ob das Wort die gleiche
Sache wie →
hersenier
bezeichnet; vgl. Schultz, Höf. Leben 2,50f.;
Doubek, Waffennamen, S. 343-345 und Siebel, Harnisch und Helm, S. 94-98):
der helm und diu goufe / wart ûf gestricket und ab gezogen
Wh
92,12;
das haubt er gantz endackte / von der goyfen vnd den staelhŭt
Krone
15814;
er [...] sluog, / [...] daz
im der helm enphiel. / durh di koifen ein starchen schiel / sluog er im ab dem houpt
ebd.
9750;
die coyphe, die was vngestrichet [=
ungestricket
]
ebd.
26127
u.ö.;
iser hosen vnd hersnier, / stivalikein vnd lendenier, /
hvͤrtenir, kofen vnd prassel TürlArabel
F 58;
Dvͥnalt trage die isenhosen, / Eigvnt kovffen vnd
hersenir ebd.
*A 132,17;
er [...] tet do mangen härten swanch, / daz
bluͦt und fiwer auz helmen dranch / und durch mangen cheuf erhal
Hirzelin
225;
dat Durendart dat swert guͦt / durch helm inde koffe wuͦt
MorantGalie
4246
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 3,2 416,3; Bearbeiter: Tao
koinlich
Adv.
→
küenlich
MWB 3,2 416,28;
kokânisch
Adj.
zu afrz. Cocaigne
‘Schlaraffenland’ (vgl. Suolahti 1,124).
‘fantastisch wie aus dem Schlaraffenland’
dem künic werden sol bekant, / umb daz kokânisch gewant, / des man in disem lande
pfligt Helbl
8,738
MWB 3,2 416,29; Bearbeiter: Tao
kokodrille
swM.
zu lat. crocodilus, corcodrilus (Pfeifer, EtymWB, S. 736).
– große Formenvarianz, u.a.
kolkodris HvNstAp
10145;
kutsch-, kütschdrill
BdN
233,2.
241,21.
248,21;
vereinzelt mit lat. Flexion.
–
‘Krokodil’
ídris [...] ist fîent demo
kórcodrîllo ÄPhys
4,2;
wíe der îdrus ertôte den kokodrillen Boppe
5:3,6;
wê daz ein îderslange mag dur herten [
→
durchherten
] cokodrillen, / und daz niht gebillen / mîn
zunge in arge sinne mac! KvWLd
32,231;
wan niht so zornic lebt sam kokodrille JTit
3886,3;
wie suͤze ist syrenen don und ark des cocatrillen zorn Marner
(W)
7:16,5;
und daz der esel hæte horn, / die liute er nider stieze; / möcht kokedrille
sînem [Hs. vermöchti kocheldrille
sinē
] zorn [‘vermöchte das
Krokodil seinen Zorn ausleben’?] , / nieman ez leben lieze
KLD: SvT
4:2,9;
die grimmen cocatrillen KvWTroj
6220;
eine blaten drobe [über dem
Ringpanzer] , / diu was gesniten wol ze lobe / ûz eines kocatrillen
hût ebd.
3713;
SAlex
4952;
Wartb (H)
570:16,11.
571:18,11;
VitasPatr
328,27.
– in Vergleichen:
von dem houbet hin ze tal / stuont ûf
im [Drachen] ein scharfer grât, / als der kokodrille
hât Wig
5039;
alsô der cocodrille / daz untier herten rücke truoc UvEtzAlex
21640.
22026;
BdN
277,9;
reht als ein cocatrille / ûz eime dicken rôre vert / ze
schâfen unde ir gnuoc verzert, / swâ man si weidet bî dem mer, / sus îlte er in der
kriechen her / ûz sîner dicken ritterschaft / und mahte ir gnuoge schadehaft / an
êren unde an guote KvWTroj
34150;
KvWTurn
1090.
– in einer Schelte:
dîn zunge manegen hât versniten / durch der miete willen. / du gift des
kokodrillen, / du spinne in einem buosen, / [...]
KvWPart
17580
MWB 3,2 416,34; Bearbeiter: Tao
kol
swMstN.
Nom. Sg. md. auch kole;
stN.Pl. auch köler:
PsM
139,11;
SalArz
103,36;
EnikWchr
6827;
PrSchw
2,119;
Ottok
32613;
StRMünch
237,26;
vereinzelt swF.:
Dalimil (B)
9,64.
1
‘Kohle’ (meist Holzkohle, vgl. LexMA 5,1248) 1.1 allg., v.a. als Brennmaterial; auch ‘(Kohlen-)Feuer’
1.2 in besonderen Anwendungen 1.3 in Vergleichen (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 248f. mit weiteren Belegen) 1.4 Wendungen und Sprichw. 2 kollektiver Sg. ‘Kohlehaufen’
3 für Verbrennungsrückstände, Asche, Verkohltes
1
‘Kohle’ (meist Holzkohle, vgl. LexMA 5,1248)
1.1
allg., v.a. als Brennmaterial; auch ‘(Kohlen-)Feuer’
carbones: div chol PsM
17,9;
glüendige koln Parz
459,7;
OvBaierl
108,4;
BvgSp
12;
EvAug
274,16;
dc rôchvaz [
‘Weihrauchkessel’
] voller koͤlr
PrSchw
2,119;
welt ir sie villen oder schern / oder brâten ûf den koln
Sibote
593;
in trouf vil wênic [vom Fett, das vom Braten
abtropft (Martin, Parz. z.St.)] in die kolen
[d.h. sie hatten nichts zu essen]
Parz
184,18;
den burgærn in die kolen trouf [ohne
Subj.]
ebd.
201,4;
in aim hülzin koln BdN
71,26;
lebentig koln [
prunas
ardentes
]
ebd.
451,34;
tôt koln [
mortuos
carbones
]
ebd.
436,17;
verbrunnen koln Frl
8:7,3;
ez ist dreierlai feur. daz êrst ist ain lieht, daz ander
ist ain flamme, daz dritt ist ain kol BdN
71,11;
das schef hat umb und umb chol / gewunnen [Feuer
gefangen] , so ist dy kyels want / an maniger stat
durchl [= dürkel
] prant
Hawich
1822;
der heizen helle kol TvKulm
1740.
– in rechtl. Kontext:
die coler sol man setzen von der stat uber anderthalb meile, unde
inwendic anderthalber meile sol man niht colen brennen [durch
Brennen Holzkohle herstellen] bei der stat umbe und umbe
NüP
174;
von dem fuͦder ruͤb einen
pfenninch [als Brückenzoll]
StRMünch
237,26;
daz nieman sol kauffen uber 50 koͤrbe koln und
sol auch ein lastschif mit koln 8 tage sten ane furkauf under der
buͦzze, als sie von alter her kumen ist WüP
72,9.
25,2.
103,3.
– bildl.:
vrauwen sal er sprechen wol / und salen losschen der
schanden kol / mit intreden, woe er hoirt / das man ir lobis tempel stoirt
MinneR 481
760;
wann miner freuden swartzer kol / glimmet sere in
leydes hitze! Minneb
1578;
[der junge Wilhelm zum
Vater] aller [erg.
bilde
] schoͤn ein kol / ist gein dem
bilde [Traumbild von Aglye]
WhvÖst
732;
der minne ~
(s.a. →
minnenkole
swM.):
sendet im der starken gluͦte / vͦwer
minne einen koln / so mac er sich des vrostes irholn Albert
1568;
entfeng in im der reiner minnen kolen
MarlbRh
1,19.
108,22;
WhvÖst
14764;
lasse mich dur die kolen der minne ziehen und mit den
brenden der smacheit sclahen Mechth
3: 3,26;
der simonien ~
:
ez glüen der simonien koln Frl
9:13,16;
vgl.
[die pfaffen
] lazen
Simonie [personfiz.] ir koln / erhitzen
manigvalt ebd.
9:19,11
1.2
in besonderen Anwendungen:
– zur Markierung einer Grenze:
wann man new ecker mist [...] mit rain vnd
mit gemerkhen, es sei stein oder kolen, die man in grossen höfen in die erde
grebt, vnd steinhauffen darauf legt, [...] mercket
man die mass der ecker, das die niemant prech StRBrünn
220.
– zum Zeichnen (‘Kohlestift’?):
do der maler hate entworfen mit koln in der capell
die alten veter Seuse
60,16.
– zur Verbesserung des Bodens für Pflanzen:
wisse, das di castanee wil habin wech ertriche vnde
vuchtis, sundir nicht sandich ertriche. [...] kolin
vnd wize, locherechte steyne, wol czu murfit vnd in di erde gewurfin, helfit
ouch Pelzb
128,18.
– als Bestandteil von Heilmitteln:
di kolen, da der smit sin isen inne hat gegluet in
der ese, di sint ouch dar zu [zur Heilung der
Brandwunden] gut SalArz
79,54;
vnde lege druf [auf das
Geschwür] scariolam, di gestozen si mit rosen ole oder
kol, di gestozen si mit rinderiner butter ebd.
76,30
1.3
in Vergleichen (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 248f. mit weiteren
Belegen):
– ohne das tertium comparationis:
mir ist das herze alsam ein kole. / der minne fuer ist
so starg, / daz mir svdet min marg / vnde brinnet min gebeine
Herb
762;
[der Segel] solte halber als ein kol / und halber
als ein krîde wesen KvWTroj
22442.
–
heiz:
ir wâret hiute als ein kol / heiz ûz der mâzen. / nû
hât iuch diu hitze lâzen Eracl
3688;
ir munt heiz als ein kol KvWTroj
15840.
–
swarz:
pfellel [...] swarz alsam
ein kol NibB
365,3;
der [Schild] was swarz
alsam ein kol Wig
1827;
der [Segel] ist swarz als ein kol
UvTürhTr
3387;
sin ors was swarz als ein kol / mit gerechtin march
mâlin Athis
E 100;
sin [Luzifers] antlitze ist
vil gar / wurden swartzer kolen var Daniel
4814.
–
vinster:
nicht me gab er [der gefallene Engel
Luzifer] liechten schin, / vinster wart sin varwe fin /
gemachet sam ein kole Daniel
4809.
–
rôt:
der stern [Planet Mars] ist
rôt reht als ain glüender kol BdN
57,29.
–
wîze koln unde swarzer snê als Bezeichnung für etwas
Unmögliches:
ich geloube an sîne wîsheit / hinnen fürder niht mê / dan an wîze koln
und an swarzen snê ZwBüchl
614.
–
snœde:
diu materie, dâ got alliu dinc ûz gemachet hât, daz ist snœder
dan ein kol wider dem golde Eckh
1:290,2.
–
vest:
daz bilde, daz in dem golde ist, das ist vester, dan daz in dem koln
ist Eckh
1:289,10.
–
brinnen, enbrennen:
dar durch sô bran der cyclât / reht alse ein
glüejender kol Tr
11119;
ir munt der viurete unde bran / reht alse ein
glüejender kol ebd.
17569;
ir augen bronnen als ein kol HvNstGZ
816;
daz si von sînen minnen / was enbrennet als ein kol
KvWTroj
22889;
HeslApk
13345;
Volmar
234;
Minneb
3651.
–
erlëschen:
sô moht man êrste kiesen / Lanzeletes pavilûn, / wîz,
grüene, rôt, brûn, / sô hêrlich über die ander, / als ein brinnder zander /
für ein erloschen kol UvZLanz
9084;
sîn barmunge alsam ein kol / was, daz gar erloschen
ist Wig
7632;
nu was sîn hôchvart als ein kol / mit dem lîbe
erloschen gar ebd.
8321;
ir vreude erlischet als ein kol Winsb
58,3
1.4
Wendungen und Sprichw.:
der niwan diu wort sprichet âne andâht des herzen, daz ist als der mit
einem blâsbalge blâset in erloscheniu kol DvASchr
389,1;
das ist rehte alse kalte kolen blasen
DvAStaff
105
(vgl. TPMA 7,116);
kleines fewer brennet ein michels hous, / so leschet ein
trouf einen kol, / da von ein hous verbrunne wol Erz III
87,47;
dy wisin sprachin [...]: / wer den schadin nicht
wil doln, / der laz dy funkin nicht eine koln / werdin in dem haus; / wan der
kol von einer graus [von der Größe eines Korns
(grûz)] / wirt oft czu einer flammen Dalimil
(B)
9,64.
23,47;
über naht liget ofte ein kol / in den aschen verborgen /
und glüet unz an den morgen. / sô man in danne rüeret / und den aschen
zerfüeret, / sô siht man wol daz drunder lît, / daz die hitze mit den liehte gît
Eracl
2120
(vgl. TPMA 1,261);
swaz man ot wischet den koln, / so wil er immer swartz
wesen! Pass I/II (HSW)
34968
(vgl. TPMA 7,116)
2
kollektiver Sg. ‘Kohlehaufen’
sich swer ain stucke der leber ûf ainen gluͤgenden kolen leget
PrSchw
2,18;
so vergelde wirz allez wol / beide bli und ouch kol
Erz III
56,200;
ez suln alle geladen wägen dem chole [für den
Bergbau] weichen, swo man ez füert [den mit Kohlen
beladenen Wagen ausweichen]
BWB (Sch)
1,1236
(a. 1332; bair. rechtsb.)
3
für Verbrennungsrückstände, Asche, Verkohltes:
unt diu schône Tyre lâgen cholen [läge in Schutt
und Asche]
VAlex
1025;
daz ime der schilt vor der hant / vil nâch ze koln was
verbrant Tr
9034;
si heten flîziclich / gelesen und erwaschen / diu koler ûz
dem aschen, / [...] und heten ninder funden / darinne dhein
gebeine / als ein bône kleine Ottok
32613.
29369
MWB 3,2 417,4; Bearbeiter: Tao
kôl, kœle,
kœl
stM. , kôle
swM.
sw. selten (
SalArz
47,57;
Parad
99,9
);
auch coile (
ebd.
29,30.
96,20
); bei
Ipocr
229
könnte stF. (falls nicht Gen.Pl. stM.) vorliegen;
vgl. ahd. kôl(i) stM., kôla F., kôlo swM. (AWB
5,302).
– aus mlat. caulis, caula (EWA 5,683).
–
‘Kohl’
caulis vel magudaris: kol [La. koͮle
]
SummHeinr
1:201,398.
2:55,419;
caulis: choli, colgras ebd.
2:223,230;
caules: koͤle Gl
3:51,68;
caulis: koͤl VocOpt
50.004;
ein cleine gertelin, / da hete ich gephlanzet in / ein teil koles
Vät
8829
u.ö.;
einen garten [...], / da man hete kol
stan Pass I/II (HSW)
22727;
wenn man köl und haselpaum pflanzet zuo der weinreben wurzel, sô
verderbent si die weinreben BdN
394,14.
408,27.
426,29;
wer die köl reht kochen well, der [...]
ebd.
394,9;
man sol oͮch nemen von ainen ganzen vuͦder koles ainen pfenning
UrkCorp (WMU)
2521,15.
548ABC,31,45;
ez was rehte umb die zît [...], / sô der wîn in blüete
stât, / dâ von man den herbest hât / volle kophe bî den koln UvEtzAlex
2407;
ouch hatte dirre Same wol / gesên dî brûdre ezzin kol, / des dî
Prûzin nicht inpflâgin / nutzin dennoch bî den tagin NvJer
9874;
ouch eyn ungesaltzen kol / nicht smecket in dem munde wol
Hiob
2125;
swer einen boc den salter lêrt / und im her nâch die köle wert, / mich dunket er
lâze den salter var / und neme der kappaz bleter war Renner
10524;
brassica: roͤmsche koͤle Gl
3:50,42.
– med.:
kole sint kalt vnde truc an dem andern gradu
SalArz
11,15;
contra pleurisim. nim den stein, den div sualwe treit vnde den
hanefsamin vnde der chole samen, vnde mische ez mit der saluiun vnde lege ez im
undir die zvngvn Ipocr
229;
swer ouch machit ein gargarismum von schafgalle vnde von
asche, di gebrant si uz retich vnde uz kole, vnde mit honige gemischit, der hilft
ouch SalArz
43,39;
mache im ein plaster uzen uf di lenden uon fenu greco vnde
uon kole ebd.
57,37;
romis col heilet vrische unde alde wunde Macer
50,1.
50,3.
50,11;
mit grunime koliz saffe ebd.
88,12;
nem holundern bledere vnde roden kol iclikes eyne hantvol
OvBaierl
105,6;
in disem monot [Dezember] sol men nüt baden. men sol
ouch kein koͤle essen MonatsrRh
366.
–
fetter ~
für gutes Essen:
di munche und di phaffen [...], / di sich durch den
fetten kol / ouch um di ampmet denen [danach streben]
TvKulm
5526;
von den schulden ist ouch wol / fet der simonien kol ebd.
4098.
– sprichw.:
Kohl gekocht haben, den andere essen müssen (Friedrich, PhrasWB, S.
248):
Eva, hastu gekochet guten kol, / daz wizzen dine kinder wol, /
di in mit jamere ezzen Brun
1353
MWB 3,2 419,20; Bearbeiter: Tao |