krumpheit
stF.
‘Verkrümmung’
ein man [...] / het ein krumbez winster bein. / der
selben krumpheit quam er abe / ze sant Francisken grabe LvRegFr
4433
MWB 3,2 651,11; Bearbeiter: Tao
krumplîche
Adv.
‘schief, scheel’
in ungebærden harte groben / crumplîch er daz bilde an sach / sant Niclauses
StNik
463
MWB 3,2 651,15; Bearbeiter: Tao
krumpmûl
stN.
‘krummer, schiefer Mund’, nur als Bestandteil von Personennamen:
ain phvnt geltes, daz [...] ist hern Witegen des
Chrvmpmavles UrkCorp (WMU)
N589,6
(=
N590,37
)
MWB 3,2 651,18; Bearbeiter: Tao
krumpnase
Adj.
‘krumme Nase, flach gedrückte Nase habend’ (vgl. AWB 5,439):
simius: crumpnase, mit geflecter nasen SummHeinr
2:473,270;
simius: crumbnaser ebd.
1:309,577f.
(vgl. Anm.z.St.).
2:7,139
MWB 3,2 651,22; Bearbeiter: Tao
krumpstap
stM.
‘Krummstab’
ein kâsûl was im erkant. / ein krumpstap in sîner hant / hêt
er [der hl. Petrus]
[...]; / [...] ein infel er ob dem
houbt truoc EnikWchr
25378
MWB 3,2 651,27; Bearbeiter: Tao
kruoc
stM.
1
‘Krug’
2 Sternbild, Tierkreiszeichen des Wassermanns (für lat. amphora , vgl. Deschler, Astron. Term., S. 129f.)
1
‘Krug’
ydrie: chvͦge PsM
H 43,4;
anfora: cruͦg VocOpt
10.137;
sehs chruge stainin [
lapideae hydriae
sex Io 2,6]
AvaLJ
59,2;
PrOberalt
34,6;
EvBeh
Io 2,6;
EvBerl
10,27;
einen guldîn kruoc EnikWchr
A II,1492;
ganz der [zerbrochene] kruoc dô wart
Philipp
4448.
4444;
(erotisch:)
sî gap mir ze koufen in dem kruoge, / dâ mit wir der minne schaden büezen
Neidh
WL 5:3,5;
sî schankt mir mit dem kruoge, / daz mir diu kel / wider würde heiter unde hel
Neidh (HW)
49,30.
50,1;
Helbl
1,682.
– als Akk.-Obj. bestimmter Verben:
–
brechen, zerbrechen:
ich brach ir den kruoc, dô sie gienc von dem brunnen
KLD: GvN
30: 2,1;
HlReg
37,4;
er zebrach mir mînen kruoc Neidh
WL 35:6f,7;
KvFuss
2613;
Philipp
4428. 4432.
–
slahen, zerslahen:
di drey gross kruge / slugen si zu stucken gar
HvNstAp
10885;
wer di kruge / alle gar zesluge ebd.
10876.
–
tragen:
daz ich genge / ûf den anger und ich trage krüege
SM:Go
2: 1,6;
Philipp
4424;
EvBerl
60,16
(Lc 22,10);
–
ûz giezen:
den ainen krug er auß goß HvNstAp
9136;
an welhem stain man vint zwai zwinlein oder ain
wazzermensch, daz ainen kruog mit wazzer auzgeuzt BdN
466,34.
–
vüllen, ervüllen:
do hiezze er sechs chruͤg mit wazzer
fuͤllen und wandelot die ze wein [vgl. Io
2,6.9]
PrOberalt
31,8.
34,7.
36,29.
36,34;
fullent die crvge bit wazer doch PassSpM
32;
do die chruͤg erfuͤllet wurden
PrOberalt
36,39.
– in Vergleichen:
bî ime stunden drinne / zwei vaz vil gefûge / als zwêne wênege krûge
En
8308;
einen kolbn er in der hende truoc, / des kiule
grœzer denne ein kruoc Parz
570,6;
daz er ez [das schwere
harnasch
] also ringe truͦg, / als ein wip
treit einen kruͦg / der gar ist wazzers lære Rennew
32060;
der karkær übel ist genuoc, / ûz gemûret als ein kruoc
/ niden und oben enge Ottok
20617;
ez sint in etleichen landen
[...] etleich frawen, die sô grôz kröpf habent, daz
si sich streckent unz auf den nabeln, und der kropf ist sam ain kruog oder sam
ain kürbiz BdN
494,2;
KvMSph
24,6.
– jmdm. bristet/ brichet der ~
, ‘jmd. hat keinen
Erfolg’
wîser liute lêre der bedorfte ich nie sô wol; / swelhen ende ich kêre, /
immer bristet mir der kruoc Neidh
WL 22:3,6;
sweles ende er kerte, / als in der tievil lerte, / so brach im ie der
kruoc Martina
186,87.
– als Bestandteil von Personennamen:
Engelpercht von Chrug UrkCorp (WMU)
2835,17;
Dietrich der Kruͦch ebd.
2738,16;
weitere Belege Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 655.
2
Sternbild, Tierkreiszeichen des Wassermanns (für lat. amphora, vgl.
Deschler, Astron. Term., S. 129f.):
daz ainleft zaichen haizzet der kruk, wanne deu zeit geuzet
denne regenwazzer, reht als ain kruk KvMSph
24,5;
die namen und die ordnung und die zal der himelzaichen die
sint also: wider, ohs, [...] schuͤtzlein, stainpok,
krug [La. wasserman
] , vischlein ebd.
23,4.
der wazzerer [...] maint daz
himelzaichen, daz der kruk haizzet ebd.
35,25.
37,26
MWB 3,2 651,31; Bearbeiter: Tao
kruoge
swM.
auch F.; aus mlat. crocus, crogus EWA 5,830.
‘Safran’ (vgl. Marzell 1,1248ff.):
crocus: cruͦgo, crugo, sitvarwe SummHeinr
2:223,232.
1:187,232.
2:49,294;
dâ wahset inne chruͦge unde fistula unde cynamomum
TrudHL
60,4
(vgl. Ct 4,14);
chruͦge diu hât wîzin sâmen ebd.
60,6;
nardus insolte nieht sîn âne den chruͦgen ebd.
60,22
MWB 3,2 652,25; Bearbeiter: Tao
kruon
M.
ablautend zu →
krane
(vgl. EWA 5,754, Z. 20.27f.).
‘Kranich’
daz ûz eim eie wirt ein hûn, / ein valke, ein lerche, ein vasethûn, / ein
swane, ein pâhe und ein krûn Erlös
60
MWB 3,2 652,32; Bearbeiter: Bohnert
krüpel, krüppel
stM.
auch kro-, kri-.
‘körperlich Behinderter, Krüppel’
wer mir den krippel brenget SalMor
675,5;
ein kruppel ebd.
678,5;
von eime kropele Köditz
95,14;
[...] quam ein arm kropil off zwen krucken zu dem grabe
unde wart gelost von allen sinen gebrechin ebd.
95,24.
94,26;
ein kruppel [...], der hate weder hende noch fuze
HvFritzlHl
62,15.
62,17.
62,18.
62,22
u.ö.;
ain ivncfraw kluͤg vnd schoͤn / was ainem krvͤppel holt
LügenrM
7;
Glossenbelege des 12.–13. Jh.s s. AWB
5,442
MWB 3,2 652,36; Bearbeiter: Tao
krupfei
stM.
‘Masthahn’ (vgl. Pfannmüller, Heidin, S. 146 Anm.):
der sun ahte sîn [seines Vaters] niht umbe ein ei, / wan
als ein voller krupfei / der gât ûf einem tenne, / und ein volkrüpfiu henne / diu niht
mêre geklucken mac, / alsô giengens al den tac, / diu hûsvrouwe unde er, / hôchbrogende
in dem hûse entwer Schlegel
254
MWB 3,2 652,47; Bearbeiter: Tao
krüpfen
swV.
‘den Kropf füllen’, nur als adj. Part.Prät. belegt:
ein volkrüpfiu [La. vol gekrvftiv, vol
gekrupfet
] henne / diu niht mêre geklucken mac Schlegel
(P)
256
MWB 3,2 652,54; Bearbeiter: Tao
krûs
Adj.
‘kraus, gekäuselt, gelockt’
1 von Haaren 2 von Pflanzenblättern, Wolken, Tüchern
1
von Haaren:
brun, krus, lanc was im
[Hector] daz har Herb
3170;
ir har gelich dem golde, / [...] krus
alsam die siden Tannh
4,71;
waz tuoc sîn mänlîcher schîn, / und reide [La.
krusz
] goltvar sîn hâr, / und sîn antlütze klâr?
Georg
3051;
sin hare das was kruß und da bi fal SalMor
318,1.
261,4.
129,4;
Ottok
75487;
ûf sînem gelen krûsen hâr / sîn krône stûnt Crane
2236;
Renner
17388;
so krûsen lok gesach ich vert noch hiure! SM:
Go
4: 2,4.
4: 3,1;
ein stolzer jungelinc, / der an dem hâre mangen rinc / von
krûsen löcken hæte KvWTroj
18879;
Aristotiles spricht, daz die läut und diu tier in den kalten
landen habent gestracktez hâr und langez und oft weizez und hertez, aber in haizen
landen als in môrnlant habent si kraus hâr und swarz BdN
8,3.
– mit Synon. (krisp, krispel, reit):
ir hâr was crispel unde krûs KvWTroj
19908;
si treit krûs hâr, krisp unde gel KLD: WvM
1:1,1;
reide valwes har [...], dabi
kruse TürlArabel
*A 70,13;
goltfar, / raid und krauß HvNstAp
592;
Jüngl
71.
– als Zeichen für bestimmte Charaktereigenschaften:
krus har der hochvart ist gemeit, / auch gesipp ist im die
girickeit Physiogn
125;
sein [des Weisheit Liebenden]
hâr hât ain mittel zwischen vil und wênig, zwischen sleht und kraus, zwischen
weiz und swarz und ist lind BdN
51,6;
aber kraus hâr bedäut kuonhait ebd.
42,32.
– wohl metonym. für die Person:
div kuͤngin von Kandulag, / ich mein die krusen
suͤzen, / sich mit kusses gruͤzen / schiet von der
kuͤnginne TürlArabel
*R 92,3
2
von Pflanzenblättern, Wolken, Tüchern:
des paums pleter sint als ains ölpaums pleter, ân daz si
kräuser sint und spitzelig und ain wênig sinweller wan ains ölpaums pleter
BdN
370,9;
lieht prehend stern auz weizen krausen wolken ebd.
198,18;
vil sydiner tuche [La. tuche die waren
crvz
]
Pass I/II (HSW)
13432
MWB 3,2 652,58; Bearbeiter: Tao
krûse
stF.
‘Lockigkeit (des Haares)’
sîns [Jesu] wolgestalten houbtes hâr / linde was und
brûngevar / und ze guoter mâze lanc, / und was krisp der widerswanc. / von der lenge daz
geschach. / selten manz gestraelet sach, / daz im ze der krûse nit enwar
WvRh
6210
MWB 3,2 653,31; Bearbeiter: Tao
krûse
swstF.
vgl. →
kriuselîn
.
‘Krug, Trinkgefäß’
der ein klein krusen stiesse in das grundelose mer
Tauler
153,1;
toufe der kelche vnd der kruse [
baptismata calicum et
urceorum Mc 7,4] vnd der erenen vaz vnd der betten
BiblMK
292.
293
(Mc 7,8);
swer auch die trinkvaz bricht in den winhoͤfen, ez sin
glas, becher oder krusen, clein oder groͤz, der sol fur ieglichez geben 4
#(pfennig) WüP
55,3
MWB 3,2 653,37; Bearbeiter: Tao
krüseln
swV.
vgl. →
kriuselen
.
‘kitzeln, jucken’
nach ir ez [
daz hertze
]
girlich zabelt; / ez wimelt und kruselt Minneb
2369
MWB 3,2 653,45; Bearbeiter: Tao
krûsp
Adj.
Ableitung zu krûs mit verstärkendem -p (DWB 5,2103) oder
Kontamination von →
krûs
und →
krisp
(Paul, Prinzipien, S. 161).
‘kraus, gekräuselt, gelockt, nicht glatt’
– vom Kopfhaar:
wol gewunden was sin loc, / gele vare crusp har
Herb
18294;
swartz und crusp [Laa. cruse,
crisp
] ist sin har, / mit grawen locken underschart
Pass I/II (HSW)
31776;
einer der da cruspis har / treit uf sime houbte clar
Daniel
4851;
her hât swarz hâr und kruisp HvFritzlHl
184,31;
ir houbet val [La. ir cruspē
locke
] wîz ir kel Heidin I
921;
der schach der trug offinbar / lanc krusp gewundin har PfzdHech
338,28;
MarcoPolo
70,3.
– vom Pferdeschweif:
der zcagel [des Pferdes] was eyner var, /
crusp [La. crisp
] und swartz als eyn pech
En (FSch)
5265.
– von Gerstenblatt:
gerste lusteclich uf gat, / grune, crusp, breit ist ir blat
Daniel
2308.
– von gefältelter Kopfbinde der Frauen:
ouch ensullin nicht tragin keyne brute odir keine andire frauwen cruspe
gebende guldin [
vittas crispas aureas
] ,
silbern, bla, grune odir rot, sundern eynveldig gel vnd cruspwiz
[
glaucas simplices et albas crispas
]
mogin sie wole trage StRMühlh
45.
– von einer Speise in Morchelform:
walkez [die gebratene Mischung (aus Hackfleisch,
Mehl, Gewürzen usw.)] sinewel in der hant vnd fuͤge ez
vͤmme den spiz [Spieß] als ein
marach [Morchel] vnd zwengez vzzene, daz ez krusp si
[kraus (wie die Form einer Morchel), vgl. M. Lemmer / E.-L.
Schulz, Die lêre von der kocherie, Leipzig 1980, S.
49]
BvgSp
23
MWB 3,2 653,48; Bearbeiter: Tao
kruspel
swF.
‘Knorpel’
der negel nâtûr ist ein mitel zwischen dem pain und der
kruspeln, wan der nagel ist waicher dan ain pain und ist herter dan ain kruspel
BdN
21,16;
epiglotis [ist] gesament
[...] auz drein kruspeln ebd.
17,24.
18,25.
137,4.
252,22
MWB 3,2 654,15; Bearbeiter: Tao
krûspelëht
Adj.
‘kraus, lockig’, vom Kopfhaar:
mîn schopfil wêre grôz / mit cruspelechtin endin
NvJer
18930(S. 521)
MWB 3,2 654,21; Bearbeiter: Tao
kruspelisch
Adj.
‘knorpelig’
der hals ist auz kruspelischem flaisch gemacht aller maist
inwendich BdN
18,33
MWB 3,2 654,24; Bearbeiter: Tao
kruspellich
Adj.
‘knorpelig’
under allen tiern habent pfärt und rinder und hirz kruspelleicheu
pain in irn herzen, daz ist umb ir grœzen, daz sich ir herz dester paz enthalten
müg, reht als die kruspeln in andern glidern ain gruntvest sint BdN
137,2
MWB 3,2 654,27; Bearbeiter: Tao
kruspelot
Adj.
‘knorpelig’
des [Löwen] halses flaisch ist
kruspelot, reht als ob er sei von ainer âdern BdN
144,26
MWB 3,2 654,32; Bearbeiter: Tao
krûspen
swV.
‘kräuseln’
brûnreideloht was ime daz hâr, / gecrûspet bî dem ende
Tr
3337
MWB 3,2 654,35; Bearbeiter: Tao
krustel, krostel
swF.
ahd. krustala, -illa, -ula, krostala, -ila (AWB 5,443; EWA
5,838).
‘Knorpel’
cartilago: crustila, crostilla SummHeinr
2:217,158;
cartilagines: crustulun Gl
3:435,2
(BStK 849);
cartilago: kruͦstel, kroͤstel VocOpt
1.211;
sîn hûb was nicht sô enge, / sie daht im sîner ôren tür, / dâ gie ninder krustel
für Helbl
1,506;
GlZfdW
5,5
MWB 3,2 654,37; Bearbeiter: Tao
1krustelîn
stN.
Dimin. zu →
krustel
F.
‘Knorpel’, Glossenbelege des 12. bis 14. Jh.s s. AWB 5,444f.
MWB 3,2 654,44; Bearbeiter: Tao
2krustelîn
stN.
Dimin. zu mhd. nicht belegtem kruste
‘Kruste, Rinde’ (ahd. krusta swF. aus lat. crusta s. AWB
5,443, EWA 5,837; frnhd. kruste s. FWB 8,1732). – frnhd. Belege bei Lexer
1,1758.
–
‘kleiner Brotfladen’ (?), Glossenbeleg des 11./12. Jh.s s. AWB 5, 444.
MWB 3,2 654,46; Bearbeiter: Tao |