2küssen, küsse,
küssîn, küssî
stN.
‘Kissen, Polster’, ahd. kussîn, aus afrz. coussin, mlat.
cussinus, -um (vgl. EWA 5,935f.); zur Sache Heyne, Hausaltertümer 1,111f.
und 262ff.
1 als Kopfkissen, oft als Teil des Bettzeugs ( → bettegeræte,
-gewant, -kleider, -wât ) 2 als Sitzkissen 3 in mediz. Gebrauch
1
als Kopfkissen, oft als Teil des Bettzeugs ( → bettegeræte,
-gewant, -kleider, -wât):
man legete ir under ir houbet / ein phlûmvederîn kussîn En
9307;
si ruowent da ane vederbete, bolstære unde chusse
Himmelr
9,23;
ir bette kaine kosten hat / mit gezierde an richer wat
[...] ain klaines kússin och da lag, / dar uf
dú maget ruͦwen pflag WernhMl
12929;
diu bettewât vil linde was, / der pfülwe und ouch daz küssîn
UvZLanz
4157;
er was in dem hindristen des schiffes. slaffend vf einem
chüsse [
cervical Mc 4,37]
EvAug
86,3;
Gêrlint diu vil übele liez si ligen âne küsse ûf herten benken
Kudr
1194,4;
dâ daz küsse / scheidet mich und die bank Helbl
3,46;
si soͤllent ligen uf dem stroͮwe
zwúschen zwein wissen wollen tuͦchen und ein kússin ist in
under das hoͮbt gegeben, das sol under dem undern tuͦche uf dem
stroͮwe ligen Mechth
4: 27,81.
6: 2,24;
under sin hobt fúr ein kússi leit er ein
seckli gefúllet mit erwisstro Seuse
45,1.
– Bettzeug der Mönche:
abir zim bette gerethe ist ez gnvͦch an einr
mattvn. vnde an eim vilze. vnde an eim bettvͦche vnde an eim chvssin
[
stramenta autem lectorum sufficiant matta, sagum et
lena et capitale
]
BrEng
55;
betgewant der bette [...] ein
küsse BrAlt
55;
BrZw
55;
zu den bettecleideren an eime sacke, einem carpitele, eime
lîlachen, einer kolten [...] unde ab eime kussene lâze
im igelich brûder genûgen StatDtOrd
39,15.
108,26.
– in rechtl. Bestimmungen:
dar nâch sol si [die
Witwe] geben den erben einen bolster, ein bette, ein küsse unde
zwei lîlachen und [...]
SpdtL
100,15.
102,5;
sô nimt sie allez, daz zu gerâde hôret [...] alle
garn, bette, phule, kussene, lînlachen [...]
SSp (W)
1:24,3;
treit aber ein armez mensche vf sime rugge einen bolster oder chvssin, daz
git niht da von UrkCorp (WMU)
548ABC,8,34.
– bildl. für die Lippen der Geliebten, wortspielend mit
küssen1
:
si hât ein küssen, daz ist rôt, / gewünne ich daz für mînen munt, / sô
stüent ich ûf ûz dirre nôt / und wære och iemer mê gesunt Walth
54,7
2
als Sitzkissen:
von palmât ein matraz, / küss und pfülwen vil von pfelle dar ûf man saz
Loheng
6335;
div kvͥneginne nv neig dem degen. / ein rich
kvͥssin hiez si legen / dem markis TürlArabel
*A 58,20
3
in mediz. Gebrauch:
dar uber sal he ein kussen uon boumwollen binden
SalArz
63,30;
daz ûz im sîn geweide hienc, / daz er kûme iz gevienc / mit eime küsse wider
in LvRegFr
4706;
ist daz asselbeyn vorrucket eder de arme, so saltu nemen eyn
kuszen vnde salt ez veste tosamene tun vnde salt ez vnder de asseln legen vnde salt
eme den arm vaste to deme lyue drucken OvBaierl
160,2
MWB 3,2 795,58; Bearbeiter: Plate
küssengruoʒ
stM.
‘Abschiedsküssen’ (vgl.
gruoʒ
stM. unter 6.3):
ich mein die [...] süezen, / diu sich mit küssengrüezen /
hier schiet von der küniginne TürlArabel (S)
93,4
(=
TürlArabel
*A 93,4,
mit kusses gruͤzen ebd.
*R 92,4)
MWB 3,2 796,50; Bearbeiter: Plate
küssenlich
Adj.
‘zum Küssen gemacht’ (o.ä.):
frouwe, iwer muont / ist sô küssenlîch getân, / ich sol iweren
kus mit gruoze hân Parz
405,17;
‘von Küssen begleitet’
ir kiuschlîcher [
kussenlicher La.
] umbevanc ebd.
732,21
MWB 3,2 796,55; Bearbeiter: Plate
küssentuoch
stN.
‘Kissentuch, -stoff’
so het Jacob von Tockewile behebt [erworben] sibenzig
eîchorne belge vn̄ ein kv̂ssin tvͦch UrkCorp (WMU)
1655,26
MWB 3,2 796,60; Bearbeiter: Plate
küsser
stM.
‘Küsser’
der kuscher [Geliebter im Hohenlied
1,2] got vater meist, / der kusch ist der heilge
geist, / gotes truͤt sun ist der munt, / aller suze uberwunt
TvKulm
1269
MWB 3,2 796,63; Bearbeiter: Plate
küssîn, küssî
stN.
→
2küssen
MWB 3,2 797,3;
küssunge
stF.
‘das Küssen’
dat ich [...] diner suͦzer cussingen gesadet
[gesättigt] werden Lilie
44,37;
von dreier lai chvzzvng der sel MinnebaumG
462
MWB 3,2 797,4; Bearbeiter: Plate
kust
stF.
Gen. küste, kust.
1
‘Prüfung, Abschätzung’
2
‘Beschaffenheit, Verfassung’ , selten als bloßer Kasus, meist in präp.
Wendungen mit kust, küste als Reimwort 2.1 Kasus 2.2 in präp. Wendungen mit in, nâch, von, ze
1
‘Prüfung, Abschätzung’
sîn sældehafter lîp / ist blôz vor âküste. / er ist nâch
mîner küste / ein der vorderste man, / des ich ie künde gewan UvZLanz
1336.
– in dieser Bedeutung in →
kustbrôt
stM.
2
‘Beschaffenheit, Verfassung’, selten als bloßer Kasus, meist in präp.
Wendungen mit kust, küste als Reimwort
2.1
Kasus:
ouch was ez
kürlîcher [ausgezeichneter] kust
[...] als ein ros iemer beste sol Tr
6673;
wan er [Gott] hât sîn kust an si
[Edelsteine] geleit / daz vil manegem künne / si
geben grôze wünne Volmar
1006;
ist dâ icht valscher kuste bî HvFreibTr
3820
(kuste ist Konjektur, s. Anm. z. St. und unten unter →
kût
);
er hêt bôse kust EnikWchr
8010.
– nur umschreibend:
wan virlures dv dan dines libes kvst / an den die dine hantgedat / zv
kinde dir gescheppet hat MarHimmelf
172
2.2
in präp. Wendungen mit in, nâch, von, ze:
–
Gotelint verlôs ir briutegewant; / bî einem zûne man sie vant / in vil
swacher küste Helmbr
1633;
den helflôsen degen, / der nu lange ist gelegen / in
verdrozzenlîcher küste UvZLanz
1805;
ein leben hân ich mir erkorn, daz lît in guoter küste KLD:
HvdM
1:8.
–
min schepfer und min vriedel der vil alte, / der sich zu mir nach
siner kust in drin personen valte Frl
1:13,39;
ich sach so rehte minnenclich / ir kele wis gewollen / der minnen
rosen bollen / warent geformet nach der kust / alsus was ir libes lust
MinneR 210
153.
–
do hieng ain fuͥrspang vor ir brust, / dar an stvͦnt von
richer kust, / wie Flor vnd Plantziflur, die frie, / Willehem vnd sin amye /
mit zuht ain ander hetten liep JvKonstanz
698.
–
[
‘die bruste’
] vant si ze rîcher chuste / mit milche
berâten harte wol, / als von rehte chindes muoter sol KvFuss
858;
der inder werlde vrivde leit / vnt ir verdienet sein ceit, / der ist
zeboͤser chuste / inder ewigen verluste Warnung
3337;
von Mastriehte wart in gesæit, / ez wære ze grozer chüste / von
schatze unt von chirchgerüste Serv
2299
MWB 3,2 797,7; Bearbeiter: Plate
kustbrôt
stN.
‘Probebrot’ (das aus Getreide der neuen Ernte für die Brotschauer zu backen
ist):
swenne Sant Jacobs tak chumt unde man niwez chorn gehaben mak,
kaern unde roggen, daz man mit in kusprot bachen sol StRAugsb
195,15;
unde ze swelher zit si mit der stat chusprot bachent, swelhe
becken man darzu nimt, die suln swern daz si der stat bachen in aller der wise als in
selben uf den markt ebd.
197,4.
195,20.
245,3.
245,12.
MWB 3,2 797,46; Bearbeiter: Plate
kuster
stM.
auch guster
Serv
1872;
Ottok
8574;
FabelCorp
37,211,
kustor
(: prior)
MinneR 439
600.
1174;
zu den Schreibformen im UrkCorp vgl. WMU
2,1065b.
1
‘Kustos, Küster’ , Betreuer der kirchlichen Gerätschaften und des
Kirchenraums, vorwiegend als Kanoniker an einem Kapitel; ausführl.
Belegdokumentation aus Urk. und anderen Rechtstexten s. WMU (wie oben) und DRW s.v.
Küster .
2 Offizial einer Minoritenprovinz (mit der Sorge für die Erfüllung des Armutsgelübdes betraut)
1
‘Kustos, Küster’, Betreuer der kirchlichen Gerätschaften und des
Kirchenraums, vorwiegend als Kanoniker an einem Kapitel; ausführl.
Belegdokumentation aus Urk. und anderen Rechtstexten s. WMU (wie oben) und DRW s.v.
Küster. –
mit vnsers herren hern Joħes insigel von Mvchel, des cvsters zv
dē tvͦme ze Baƀeberc UrkCorp (WMU)
2293,38;
heren Filipse, den kuster van me duͦme ebd.
43AB,17,16;
Gewolf, chorherre vnd guster von Salzburch ebd.
854AB,10,11;
[in der Anrede:] mîn her kuster Neidh
WL 28:6a,1;
sîn [Manesses] sun, der kuster
SM:Had
8: 2,1;
manic münich vil ofte gerne wêr / abt, kelner, küster und bursenêr
Renner
2662;
der prior / und sin gesell, der kustor MinneR 439
1174;
ebd.
600;
BuchdRügen
402;
FabelCorp
37,211;
si brâchen ûf den
sagerære [Sakristei] , / swaz halt der guster darzuo
sprach, / diu slôz man ab den kisten brach, / dâ daz guot inne lac
Ottok
8574;
dô bat der selbe sêlege man / den kuster balde komen dar; / mit vlîze hiez er
in bewar / den kelch in reiner huote EbvErf
2455;
do si der guster ein gelie Serv
1872
2
Offizial einer Minoritenprovinz (mit der Sorge für die Erfüllung des
Armutsgelübdes betraut):
her Cvnrat, der dechant von Zenne, der cvster der minnern brvder von Baieren
UrkCorp (WMU)
3368,7
u.ö.
MWB 3,2 797,55; Bearbeiter: Plate
kusterîe
stF.
dem Küster / der Küsterin zugeordnetes Amt, ‘Küsterei’,
Vermögensverwaltung eines Klosters; ausführliche Belegdokumentation aus Urk. und
Rechtstexten s. WMU 2,1065 und DRW 8,225f.
–
die múli [...], von der der custerie ellú
iar ze sant Martins dult drú malter kernen vn̄ drú roggen Stainer
messes ze zinse gant UrkCorp (WMU)
2440,11=2441,15;
vn̄ denne nach ir ljbe sol der vor genant hof der chvstræi sin ebd.
N501,2
u.ö.
MWB 3,2 798,21; Bearbeiter: Plate
kusterinne
stF.
‘Küsterin’ (eines Nonnenklosters):
swester Alheit des selben gotshovs gvstrein UrkCorp (WMU)
3208,24.
638,30;
wie daz unser frouwe küsterîn wart in eime clôster SprMyst (Pf)
236a,18;
ain kuster und ain kusterin, / waz ampt dü clöster süllent han, / der sigent wir
ain kaines [= enkeines
] an [von denen
wollen wir keines entbehren]
MinneR 439
884.
– übertr.:
wenne aller tugende küsterîn / ist dêmuot und sol immer sîn
Renner
11991
MWB 3,2 798,30; Bearbeiter: Plate
kût
stM.
‘Kauf’
wir [...] han gedan eynen wesel unde eynen kuͦt
mit den ersamen vroen des clostirs zu Keppil in unseme lande UrkSiegen
91
(a. 1319);
unde das dirre vorscribene weßil unde kuͦt veste si, des gebin wir dysin
brif besigelit mit ingesigele der stat zu Marpurch UrkDOHess
2:422,1
(a. 1333);
ist dâ icht valscher kuste [Konj., Hss.
kutte F, ducke O, l. kiute?] bî, /
ez gildet mir Tristandes leben HvFreibTr
3820
(vgl. Bechstein, Tr z.St.)
MWB 3,2 798,40; Bearbeiter: Plate
kute
swM.
‘Täuberich’
columbus: tub kuto VocOpt
44.075;
columbus: ain duber, ain kutt GlAnzfKdVz
4:232,49;
vgl. SchweizId 3,570 s.v. Chūt
MWB 3,2 798,50; Bearbeiter: Plate
küte
stM.
‘Leim’
gluten: lim vel kuti SummHeinr
1:186,222;
vgl. AWB 7,621 s.v. quiti, kuti (nur im
SummHeinr ).
MWB 3,2 798,53; Bearbeiter: Plate
kutel
sw. Pl.
‘Kutteln’
waz buze man vorwerkit an dem vleische, di [dieselbe
Buße] vorwerken di an den kotelen, di kotelen sellen
[auch die Verkäufer von Kutteln]
StRNordh
2,13
MWB 3,2 798,56; Bearbeiter: Plate
kuteler
stM.
‘Handwerker, der Eingeweide verarbeitet (und verkauft), Schlachter’
[Inhaltsverzeichnis:] von den kotelern daz
selbe [wie in den vorangehenden Bestimmungen für Fleischhauer und
Bräter, die finniges oder ungäbes Fleisch verkaufen]
StRNordh
3,48
MWB 3,2 798,60; Bearbeiter: Plate
kutelgëlt
stN.
‘Abgabe vom Kuttelhof’
super etiam censu annuo octo marcarum kottelgeldt dicto UrkSchles
2,4
(a. 1258 [kopial])
MWB 3,2 799,1; Bearbeiter: Plate
kutelhof
stM.
‘Schlachthof’
item unam domum pro pecoribus carnificum mactandis, que vulgariter kutelhouf
dicitur UrkPreuss
2,171
(a. 1336);
UrkLiegnitz
83
(a. 1339);
vgl. DWB 11,2898 und DRW 8,231 mit jüngeren
Belegen.
MWB 3,2 799,4; Bearbeiter: Plate
kûten
swV.
‘tauschen, eintauschen’ (vgl. mnd. kûten MNDWB II/ I,715;
s.a. DWB 5,365 s.v. kauten):
wir [...] doen kunt, dat wir hain gewesselt, gekut
ind gegefen unse burch [...]
UrkNiederrh
3,239
(a. 1335)
MWB 3,2 799,9; Bearbeiter: Plate
kuter
Subst.
→
kulter
MWB 3,2 799,14;
kuterolf
stN.
zu erschlossenem mlat. *guttureolum? (Vorderstemann, Fremdw.
99).
‘Trinkgefäß mit engem Hals’,
ich trunk sin uz ein kutdrolf vol Minneb
5474;
als La. zu →
gutrël
Wh
326,17
MWB 3,2 799,15; Bearbeiter: Plate
kütlî
stN.
Dimin. zu kutte
‘kleine Kutte’
der ist zuo uns komen in diz ellende in eime frömden kleide und het sich vor uns
verborgen und het noch ein kütlî an, daz wir sîn nit gesehen mügen als er ist, die wîle
wir hie sîn in der zît PrNvStr
296,27
MWB 3,2 799,19; Bearbeiter: Plate
kutschdrill, kütschdrill
swM.
→
kokodrille
MWB 3,2 799,24;
kutte
swf
‘Mönchskutte’, als Kleidungsstück und als Zeichen geistlichen Lebens:
dû bist wol geschaffen / ze einem gottes kinde / und ze kôrgesinde: / diu kutte
gestuont nie manne baz Greg
1557.
1562;
sin cleit was ein kutte gra / und lag sin closter nahen da
Rennew
8887;
von leide ich, herre, bin gedigen / zu der kutten und zu der
blatten [Tonsur]
ebd.
11161;
ich wil [...] durch got hie singen und
lesen [...] ich wil die kutten legen an [Mönch
werden]
ebd.
35712;
der orden grâ kutten truoc EnikWchr
A II,1028;
dem guete der munich laget / und gedenchet nicht an dy chutte
HvBurg
69
MWB 3,2 799,25; Bearbeiter: Plate |