karst
stM.
‘Hacke mit zwei Zinken, Karst’ (vgl. AWB 5,49 u.a. mit Glossenbelegen aus
Hss. des 12. und 13. Jhs.); mhd. sonst nur übertr. belegt.
1 Bez. für eine dem Karst ähnelnde Waffe, wohl der ‘Luzerner Hammer’ s.
SchweizId 3,485 (Z Ratsb.; a. 1314) 2 ein Flächenmaß bzw. der Ertrag hiervon; hier wohl der Ertrag einer Fläche, die ein Mann an einem Tag mit einem Karst umgraben kann (vgl. auch DRW 7,459)
1
Bez. für eine dem Karst ähnelnde Waffe, wohl der ‘Luzerner Hammer’ s.
SchweizId 3,485 (Z Ratsb.; a. 1314)
2
ein Flächenmaß bzw. der Ertrag hiervon; hier wohl der Ertrag einer Fläche, die ein
Mann an einem Tag mit einem Karst umgraben kann (vgl. auch DRW 7,459):
[die Vogteileute] dieneten mit segesen, mit sicheln, mit
rechen [...]; welcher das nit tuen wollt, gab einen halben
k[arst] haber dem ammann SchweizId
3,485
(Urk.; a. 1326)
MWB 3,1 161,24; Bearbeiter: Hansen
kartac
stM.
‘Tag der Trauer, Karfreitag’ (vgl.
kar
stF.):
waz diu sunde wære darumb er leit die quale? / des sult ir vragen mere
Trefizent, der seitiz Parcifale / an dem hern karfritag [La.
kartage
] bi dem fiure JTit
5263,3
MWB 3,1 161,36; Bearbeiter: Hansen
kartanîe
stF.
‘alle vier Tage auftretendes Leiden’ (vgl. Anm.z.St. und
quartâne
swMF.):
kartanye leite er [ein Teufel] an dich, davon dir
tichten leydhet. / doch ymmer an den vierden tagen / vuorirret her din hohez syngen
vnde sagen, / vnz daz in aber der engel von dir scheidet Wartb
Rs 51,7
MWB 3,1 161,41; Bearbeiter: Hansen
kartât
F.
→
karitât
MWB 3,1 161,47;
1karte
swF.
1 eine Pflanze, ‘Kardendistel, Weberkarde’ bzw. deren Fruchtstände (vgl. Marzell 2,141ff.) 2 Bez. für verschiedene, mit den Fruchtständen der Kardendistel oder mit Drähten
hergestellte, bürstenartige Werkzeuge zum Bearbeiten von Wolle bzw. Tuch, ‘Karde,
Kardätsche’ (vgl.
1karten
)
1
eine Pflanze, ‘Kardendistel, Weberkarde’ bzw. deren Fruchtstände (vgl.
Marzell 2,141ff.):
ein ræ̂f [d.i. rëf
‘Rückentrage’
] mit karten oder mit hophen [zahlt (als
Zollabgabe)] einen helblinch UrkCorp
548AB,7;
cardone: karta GlAnzfKdVz
4:96,39;
SummHeinr
1:195,306.
2:52,350
2
Bez. für verschiedene, mit den Fruchtständen der Kardendistel oder mit Drähten
hergestellte, bürstenartige Werkzeuge zum Bearbeiten von Wolle bzw. Tuch, ‘Karde,
Kardätsche’ (vgl.
1karten
):
mit einer webers karten / sluc er in, daz sin houbt im brach
/ und man daz hirn vallen sach / her uz, da von gelac er tot Pass I/II
(HSW)
30040.
– Lit.: Treue, W. et al., Hausbuch der Mendelschen Zwölfbruderstiftung, 2 Bde.,
München 1965, Bd. 1, S. 143 u. 149f., Bd. 2, Tafel 205 u. 251 (Abbildungen aus dem
16. Jh.)
MWB 3,1 161,48; Bearbeiter: Hansen
2karte
swF.
aus mlat. charta (vgl. MlatWB 2,522ff.).
1
‘Pergamentblatt’
2
‘Urkunde’ , hier spez. ‘Freiheitsbrief’ (vgl. DRW 7,462) 3
‘Buch, Schrift’
1
‘Pergamentblatt’
gnediger herre, wir [...] senden uch geschriben an
disen carten unser aͤntwurte zu den artikeln, die ir uns mit unserm procuratoren
gesant hant UrkSpeyer
359,24
(a. 1332)
2
‘Urkunde’, hier spez. ‘Freiheitsbrief’ (vgl. DRW 7,462):
dis ist die karte vnd die frieheit der bürger zu Sarbrucken vnd zu sant Johan,
die geschrieuen ist vs der versigelten karten WeistGr
2,1
(a. 1321)
3
‘Buch, Schrift’
dar zu im [dem, der etwas vom Text
wegnimmt] muze entwichen / vroide, wunne, di hi strichen [
‘umhergehen’ hier i.S.v. ‘die hier beschrieben werden’
] / mit schrifte in dirre carten [vgl. quae scripta
sunt in libro isto Apc 22,19 ]
HeslApk
23247
MWB 3,1 162,1; Bearbeiter: Hansen
1karten
swV.
‘(Tuch) mit der Karde aufrauen’ (vgl.
1karte
2):
sie [die Weber] spannens [die Wolle
bzw. das Tuch] an die ram, / sie smirn, karten, strichen, / davon
sie sich gelichen KgvOdenw
6,33.
– Part.-Adj.:
man sol elleu gekarteu tuch machen von flemischer wollen und sol die machen 32
elen lanch und niht lenger NüP
95
MWB 3,1 162,16; Bearbeiter: Hansen
2karten (?)
swV.
Bed. unklar, wohl ‘trauern, weinen’ (oder bildl. zu
1karten
i.S.v. ‘aufrauen’?):
ein svfzen [...] daz da die augen mit gewalt / dvt
weinen vnde karten PrHess
18,35
MWB 3,1 162,23; Bearbeiter: Hansen
kartenspil
stN.
Spiel mit Spielkarten:
es sol ouch nieman spilen uff der münssen [...]
kartenspil by zehen schillingen DRW
7,470
(StraßbMünzG.; a. 1320/30)
MWB 3,1 162,27; Bearbeiter: Hansen
karthiusære
stM.
auch kartusiêre, karthuser, karit(h)user.
Angehöriger des Kartäuserordens, ‘Kartäuser’
der kartusiêre / ordin vil gewêre / begriffin und gestiftit
wart / in unsirs hêrrin jâre vart / tûsint achzic, zwei dâmitte NvJer
1346;
item so wil ich, das das varend guot [...] valle
[...] den karitusern UrkFreiburg (Sch)
374
(a. 1347);
das wir [...] gegeben hant dem prior vnd den bruodern
der karthuser vnd [erg.: des
] karthuserordens ein hofstatt bi vns in dem Müßpach ebd.
364
(a. 1346 kopial);
karithuser ebd.
372
(a. 1347)
u.ö.
MWB 3,1 162,31; Bearbeiter: Hansen
kartur
swF.
PrLpz (L)
70,29
→
kamere
MWB 3,1 162,42;
karvan
stM.
beim Deutschen Orden Bez. für das dem Marschall unterstellte Kriegsinventar in den
Stallungen und Ausrüstungskammern, metonymisch auch für diese selbst (vgl. DRW 7,472
mit Lit.; vgl. auch Rosenqvist 2,294f.):
uber daz sal er [der marschalc
] den carvan von pferden unde mûlen unde harnasches [
caravanas equorum, mulorum et armorum
] ettelicheme der brûdere, die under ime sint, bevelhen zu behûtene
vlîzeclîche StatDtOrd
103,29;
der schiltknehte meister mac von deme carvane geben eime
brûdere einen satel oder ein panel oder einen zoum, dî alt sint unde verworfen
ebd.
109,37.
104,10.
105,7
MWB 3,1 162,43; Bearbeiter: Hansen
karvanshërre
swM.
Mitglied des Deutschen Ordens, das das Karwanamt verwaltet → DRW 7,473
MWB 3,1 162,56; Bearbeiter: Hansen
kar|verdruc
stM.
‘Befreiung von Leid, Trauer’ (vgl.
kar
stF.):
wan iz der unsêld abezuc / und ein benanter karverdruc / ist
der pîn zû mangeln JvFrst
2630
MWB 3,1 162,58; Bearbeiter: Hansen
karvrîtac
stM.
auch karen-.
1 der Tag der Kreuzigung Christi 2 im Kirchenjahr der Freitag vor Ostern, an dem des Kreuztodes Christi gedacht wird,
‘Karfreitag’
3 in EvAug zur Übers. von bibl. parasceue bzw. dies
parasceues
‘Vortag eines jüdischen Festes, Rüsttag’
1
der Tag der Kreuzigung Christi:
dis bant [
des ewigen todes
] brach unser lieber herre Jhesus Christus an dem heiligen karfreitag,
do er sich lies vahen und binden, und starb an dem krúze Tauler
304,20.
318,19;
der selbe got [...] gab sinen svͤzen lip vnd sine
werden menscheit angistliche ze martyrene vnd ze toͤten an den karenvritage
PrGeorg (Sch)
36,25.
37,55;
an dem carfrîtage du Christus tot was an dem cruce
Parad
135,30.
137,16;
MvHeilFr
24.
28
2
im Kirchenjahr der Freitag vor Ostern, an dem des Kreuztodes Christi gedacht wird,
‘Karfreitag’
an eime karvrîtage, / dô [...] man
begînc daz ammecht / nâch der cristenheite recht / von unsirs hêrrin
martirât [Passion]
NvJer
8877;
an dem karvrîtage, sô man die gecît anhebet, sô sal man
venien [kniefällig beten]
StatDtOrd
123,37.
124,18;
uf den karfridac, / der vor der osterzite lac Elis
6563;
vnd sehzich phenninge sol man geben den dvͤrftigen zeinem mal an dem
charfreitage UrkCorp (WMU)
378,20
u.ö.;
GvJudenb
3322;
Parz
448,7.
470,1.
– im Vergleich (bezogen auf seine Rolle als strenger Fastentag):
sô dû einen menschen von sînen êren seist, sô möhtest dû einen ohsen
gerner frezzen an dem karfrîtage PrBerth
1:84,11
3
in EvAug zur Übers. von bibl. parasceue bzw. dies
parasceues
‘Vortag eines jüdischen Festes, Rüsttag’
vnd was parasceues der charvrietach [
dies erat parasceves Lc 23,54]
EvAug
205,14;
ez was parasceve der charvritach vor ostern [
erat enim parasceve Paschae Io 19,14]
ebd.
268,13.
270,2
MWB 3,1 162,62; Bearbeiter: Hansen
karvunkel, karbunkel
stM.
auch klârivunkel (vgl. auch
beklârivunkeln
).
ein Edelstein, ‘Karfunkel’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 324ff; zu mlat.
carbunculus, die Form -vunkel wohl unter Anlehnung an
vunke
swM. bzw.
vunken
swV., vgl. Kluge, S. 471):
carbunculus ist der edlist under allen stainen
[...]. der stain [...] ist
dreierlai. der êrst ist der wirdigist, der haizt carbunkel. der ander haizt rubein,
[...]. der dritt [...] haizt
balastus BdN
437,25;
der karfunkel läuht in der naht ebd.
429,18;
uon des chuniges gestuͦle / schin di guten karfunchel
Rol
7177;
in der crönne vornan / lag ain karfunkell
GTroj
3631;
dar luchte ein carbunkil Roth
4599.
1853;
der andir stein git turen schin, / der heizet karbunkel und
robin Brun
1607.
122;
sin [des Edelsteins attraxate, d.i. →
antrax
] art, die clar, git luter lieht in tunkel, / darumbe man im gebnde
ist etwa den namen klarifunkel JTit
3014,4.
4471,2;
Parz
741,14.
791,1;
karfunkel ist ein stein genant, / von dem seit man wie liehte er schîne
KLD:OvB
2,1.
– häufig im Vergleich (vgl. ausführlich Friedrich, PhrasWB, S. 240):
daz zieret einen geistlichen menschen als ein liehter
karfunkel daz guldin gesmide Seuse
414,15;
sin schin schein also tunkel / als dem blinden der carbunkel
HeslApk
1754;
liecht als ein carvunkel ebd.
21616;
auch muͦz sin hertze brinnen / nach lobrichen sinnen, / als
der karfunkel brinnet WhvÖst
4085.
2644;
SHort
7992.
– bildl. auf eine (hochgestellte, begehrte o.ä.) Person bezogen:
ach, wie sich denne uf swinget / din herz gæn dem karfunkel!
WhvÖst
13425;
hierher wohl auch:
der zehenden schar mit girden / pflac
[...] / Jesebon von Brizia, / bi dem daz rich ze Frigia
/ was: mit manigem fuͤrsten hoch / zu dem der Karfunkel zoch / von Arabel dem riche
ebd.
16440
MWB 3,1 163,29; Bearbeiter: Hansen
karvunkelîn
Adj.
‘aus Karfunkel’, hier übertr. ‘rein, strahlend’
ach, herre, liebez herzen bluot, / wie gar dîn tugent ist gelegen! / von dir
ze sêre ist widerwegen / mîn triuwe lieht karfunkelîn / mit swacher stæte kupherîn
KvWPart
8291
MWB 3,1 164,1; Bearbeiter: Hansen
karvunkelklâr
Adj.
‘rein, strahlend wie ein Karfunkel’
sie schein als der sonnen schin: / karbunkel clar waz ir
gewant HvNstGZ
1063
MWB 3,1 164,6; Bearbeiter: Hansen
karvunkelstein, karbunkelstein
stM.
ein Edelstein, ‘Karfunkel’ (vgl.
karvunkel
mit Lit.):
der vierde heizt karfunkelstein, / daz nie sterne sô geschein /
als der stein des nahtes tuot, / und brinnet rehte als ein gluot
Volmar
121;
uon sinem helme da schain / der lichte karfunchil stain
Rol
4224;
von dem carbunkelstain
[Überschrift]
BdN
437,15;
Herb
613;
KvWTurn
577.
– im Vergleich (vgl. für weitere Belege Friedrich, PhrasWB, S. 240):
beidiu sîn [des Mannes] wât und sîn
lîp / diu wâren lieht sunnen var, / lûter und sô rehte klâr / daz ez im
[Wigalois] in diu ougen schein / als ein lieht
karfunkelstein Wig
4634;
HeslApk
3500;
Seuse
551,21
MWB 3,1 164,9; Bearbeiter: Hansen
karvunkelvar
Adj.
‘wie Karfunkel, karfunkelfarben’
dú ogen luter und clar / wand viol und karwunkel var / und
gabent minneclichen schin SHort
7082
MWB 3,1 164,23; Bearbeiter: Hansen
karwoche
swF.
im Kirchenjahr die Woche vor Ostern (von Palmsonntag bis Karsamstag),
‘Karwoche’ (vgl. LThK 5,1276ff.):
da ging er des donrstages in der karewochen zur finstern
metten Lanc
562,24;
die epistel [...], die man in der
karwuͦchen liset uss dem wissagen Isaias Seuse
36,10;
in der karwochen UrkCorp (WMU)
2726,16;
HvNördlBrf
33,89
MWB 3,1 164,27; Bearbeiter: Hansen
karz
stM.
‘Docht, Kerze aus Werg’ (vgl. AWB 5,50f.):
licinius quasi lucinius: charz SummHeinr
1:346,466;
licinius: carz ebd.
2:11,247
MWB 3,1 164,35; Bearbeiter: Hansen
kasagân, kasigân
M.
ein leichtes Panzerhemd (vgl. afrz. casingan M. ‘gepolstertes
Panzerhemd der Türken’ Tobler/ Lommatzsch 2,63; vgl. auch
Vorderstemann, Fremdw., S. 135f.; zur Sache s. Schultz, Höf. Leben 2,39):
an Heimrîch dem alten / was von samîte ein
kasagân [Laa. u.a. casygan, kassigan, casegan (vgl.
Wh (L) App.z.St.)] ; / ein pfellel drunder was
getân, / îser und palmât / dâ zwischen gesteppet und genât Wh
406,7.
407,6
MWB 3,1 164,38; Bearbeiter: Hansen
kæsære
stM.
Hersteller oder Verkäufer von Käse (nur als Bestandteil von Personennamen; vgl.
auch Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 171):
Cvͦnrat der kæser der smit UrkCorp
3027,15.
3514,1;
Hainreich Chæser UrkCorp (WMU)
1807,10
MWB 3,1 164,47; Bearbeiter: Hansen
kâse
stF.
‘einfaches Haus, Hütte’ (zu mlat. casa MlatWB 2,318):
indes wart ir [Elisabeth]
[...]ein hus gemaht / von holze unde ouch von erden: / hi
vone ir solde werden / eine otmudec [bescheidene] case
Elis
6667.
5205
MWB 3,1 164,52; Bearbeiter: Hansen |