kergen
swV.
→
kern
MWB 3,1 215,24;
kerkære, kerker,
kerkel
stM.
→
karkære
MWB 3,1 215,25;
kerkeltor
stN.
‘Kerkertür’ (hier als Ortsname in Colmar):
von eime hofe, der was Cvͦnradeͥs des weibels seligen vnd liget bi kerkel toͮr
UrkCorp (WMU)
713,21
MWB 3,1 215,26; Bearbeiter: Hansen
kerkeren
swV.
Part. auch gekerket.
‘jmdn. einsperren, einkerkern’
der [Barrabas] wart gekerkeret da von, das er
manschlacht getan hete EvPass
237,18;
alle die gene [jene] / di mit
sorclicher sene / stark und veste gekerkert lagen / und mit totlichen pflagen /
waren gevangen um ir missetete Brun
413;
ich waz siech und kleider bar / und gekerchert Erz
III
6,338.
6,511.
6,522;
LvRegFr
4856.
–
mîn bilde, obe ich gekerket bin / in dir, sô lâ mich ûz alsô, / daz wir ein
ander vinden frô, / wan ich muoz aber wider in Walth
68,4
MWB 3,1 215,30; Bearbeiter: Hansen
kerkerhaft
Adj.
‘in Kerkerhaft, gefangen’
muotwille und bœsiu geselleschaft / machent manige liute kerkerhaft
Renner
13830.
– bildl.:
[Christus,] vüer uns hin von sünden wegen, / dar in wir
sîn sô kerkerhaft RvZw
Leich 195
MWB 3,1 215,41; Bearbeiter: Hansen
kerl
stM.
→
karl
MWB 3,1 215,46;
Kerlinc, Karlinc
stM.
‘Franzose’
die grôzen clagelîche nôt / die clagete manec Kerlinc StrKarl
6373;
kleine als ein bône / was der selbe stein. /
[...] / dâ hafte si ir buosem mit / nâch der Kärlinge
sit Wig
847;
under al Karlingen / was ne hein ros so gezale, / uber berch
unde uͦber tale Rol
1629
u.ö.;
Serv
2003
MWB 3,1 215,47; Bearbeiter: Hansen
Kerlingære
stM.
‘Franzose’
darnâch mit rotten wünniclîch / ûf disen turnei quam gezoget /
der werden Kerlingære voget / reht als ein rîcher künec tuot KvWTurn
528.
268;
dar kam ein künic Amantrîs, / der werden Kerlingære voget
KvWTroj
23949
MWB 3,1 215,54; Bearbeiter: Hansen
Kerlingen, Karlingen
stN.
‘Frankreich’
daz ander teil [der Welt] heizet
Europa. [...] da inne lit Swaben, Beiern, Sazhen,
Dúringen, Denemarc, Friesen lant, Kerlingen vnde Frankin Lucid
32,12;
von Karlingen Pippînus, / ain chunich rîche
Kchr
14309;
swelich burgaer silber kaufen wil, des er bedarf hinze
Kaerlingen, ze Franken, ze Bozen oder ze Venedic StRAugsb
16,21;
Parz
87,21;
Wh
334,10
MWB 3,1 215,60; Bearbeiter: Hansen
kerlingisch
Adj.
‘französisch’
daz hemde si bedahte, / daz manz loben mahte, / mit einem rocke wol gesniten /
nâch kerlingischen siten, / weder zenge noch ze wît Er
1547
MWB 3,1 216,5; Bearbeiter: Hansen
ker|mël
stN.
Mehl, das nach dem Getreidemahlen in der Mühle zusammengekehrt wird,
‘Kehrmehl’ (vgl. DRW 7,705 mit späteren Belegen):
man ist auch seinem chnechte chains chêrmelbes schuldich ze geben
RbRupr
154
MWB 3,1 216,9; Bearbeiter: Hansen
kern, keren
swV.
auch chergen, cherigen.
‘kehren, fegen, reinigen’ (häufig bildl.):
mit allim vlizze wrde iwer hûs gechert unde gereinit
Spec
73,24;
von diu chêrge ein ieclichez die bosheit ubilir werche ûz
sinime herzin ebd.
73,25;
den mist si fur die ture cheret Hochz
34;
uns ratet Ysaias, / daz wir cherigen daz hus ebd.
573.
53;
kere ir phat mit süzer worte lobes besem Frl
3:4,6;
Meissner
1:11,2;
sprichw.:
der niuwe beseme kert wol, / ê daz er stoubes werde vol Freid
50,12;
KvWEngelh
4879(App.).
–
‘säubern, ablecken’
dem helde muotes rîche / kerte ez [das
Pferd] vriuntlîche / mit ligenden ôren sîne hant
RvEAlex
2186
MWB 3,1 216,14; Bearbeiter: Hansen
kërnapfel
stM.
‘Granatapfel’ (vgl. AWB 5,134):
malum punicum vel malum granatum: rotephili, rodaphil, koraphel, kernapfel
SummHeinr
1:185,208
MWB 3,1 216,27; Bearbeiter: Hansen
kërne, kërn
swstM.
‘innerer Teil, Kern’
1 allg. das Innere von etw., bes. Frucht im Ggs. zur Schale 2
‘(ausgedroschenes, entspelztes) Getreidekorn’ (vgl. für weitere Belege WMU 2,995f.) 3 der essbare Kern einer Nussfrucht, ‘Nuss’
4
‘Samenkern, Samen’
5 das Innere der Sprossachse von Pflanzen 5.1
‘Mark’
5.2
‘Kernholz’
6 das Innere von Knochen, ‘Mark’
7 übertr. 7.1
‘das Innerste’
7.2
‘zentraler, wichtigster bzw. bester Teil’
7.3
‘innerer Gehalt, Sinn’
7.4
‘Inbegriff, Verkörperung von etw.’
1
allg. das Innere von etw., bes. Frucht im Ggs. zur Schale:
swer die schalen vor hin dan schelt, / der siht alrêste den
kernen Wh
322,15;
als uz der schal der kern / wirt wiz gelost
WhvÖst
10800;
es klaget nieman als vil bitterkeit der húlschen, als der,
dem unkunt ist dú inre suͤzikeit dez kernen Seuse
207,16.
– bildl. (vgl.
7
):
der wilden rede nim ich den kern / her von der schaln und wil iuch wern /
der wârheit unverhouwen KLD:Alex
2:19,1;
minne ist ein suͤzer kerne Rennew
29470;
als diu stimm in berges kor / den schal wider giltet, /
sus er min rede schiltet / und maset [befleckt] mir
den wizzen kern WhvÖst
10835;
Renner
22305
2
‘(ausgedroschenes, entspelztes) Getreidekorn’ (vgl. für weitere Belege WMU
2,995f.):
ich hoer des den edeln vogeln jehen, / sie ezzen kerne vil gerne
LvRegSyon
2462;
die klainenn speis gebernt dünnes und klares pluet und guet
pluet als kern und hüenr und kapaun unnd air HvHürnh
50,2;
der mutte cherne chom umbe ainen pfenninch
Kchr
16685;
ador: kerno quod vulgo semen dicitur SummHeinr
2:56,451.
1:206,454;
Bîspel (Pf)
11,38;
Tr
10376;
bildl.:
nu hant vor mir die wisten / den kern geloͤset uz den
vesen [Hülsen] des muͦz ich uz den hælmen lesen / min
tihten als ein stupfelman [Ährenleser]
WhvÖst
1495;
ir sult den spriu / hie scheiden von dem kerne Frl
5:11,9.
– in Abgrenzung zu anderem Getreide spez. zur Bezeichnung eines bestimmten
Getreidekorns, hier wohl des (entspelzten) Dinkelkorns:
was man aber hinusz fürt [davon gibt man als
Abgabe:] von ainem schaff kern 2 dn. item von ainem schaff
roggen 2 dn. item von ainem sack melbs 2 dn StRAugsb
264,9.
– metonymisch eine bestimmte Menge bezeichnend (wohl ein Scheffel):
do [im Jahr 1349] galt der kern
ahzehenthalben schilling pfenning, [...]. des selben
mals galt der rogg vierzehen schilling und vier pfenning StRAugsb
245,12
(vgl.
245,4)
3
der essbare Kern einer Nussfrucht, ‘Nuss’
êin nuz hat driv an iri: rînte, schale, chern
Spec
13,29.
13,31;
wilt du machen ein nuͤzzemuͦs, so nim nuͤzze kern vnd stoz die
cleine BvgSp
80;
nuze sint warm vnde vuchte [...]. jr
kernis rinde twingit ein weninc SalArz
15,23
4
‘Samenkern, Samen’
der pfersich kern ist ainem mandelkern geleich
BdN
342,32
u.ö.;
swer den pfedemin [Kürbis] schelt
unde ane kern isset, vertribet dez magen unrechte hitze Macer
93,4;
Ipocr
10;
SalArz
14,43
u.ö.;
sol der boͮm gewerden, der kerne muͦs verwerden
Tauler
222,21;
Parad
106,24;
cittum: kerno dicitur granum mali punici SummHeinr
2:47,274.
1:185,209;
bildl.:
si [Mann und Frau] blüent ûz eime
kerne gar Parz
173,5.
613,19.
–
‘Kerngehäuse’
der apfel rot, sin mast [Frucht(fleisch)] wiz ob
dem kerne Frl
2:6,2;
vgl.:
nim denne sur epfele, snit die kern her vz
BvgSp
26
5
das Innere der Sprossachse von Pflanzen
5.1
‘Mark’
daz kraut [Binse] hât gar ain
grüen rinden und hât inwendig ain grôzen lôsen kern, den haizent die maister
sein mark BdN
390,25.
391,1;
spalde den wynstok vnd nym den kern odir das mark
behendiclich vs dem stocke Pelzb
130,32.
120,19.
–
zu des cederboumes kern / ist ein adeler bekumen /
und hat den kern an sich genumen, / als uns saget
Ezechiel [wörtl. Wiedergabe von Ez 17,3 aquila
[...] tulit medullam cedri,
gemeint eigentlich ‘den besten Zweig der Zeder’
]
Pass I/II (HSW)
9946.
9957;
Eckh
5: 118,28
5.2
‘Kernholz’
waz sî zu den stunden / grôzir boume vunden /
[...], / dî durchsnitten sî gar / mit sâgen al
durch den kern NvJer
27481;
sin [des Ahorns] wurze vnt sin chern, / der
dehein bovm mach enbern, / div warn ime fovl vnt naz Bîspel (G)
23,7;
bildl.:
sin chern ist weich vnt bose ebd.
23,47
6
das Innere von Knochen, ‘Mark’
nim danne den chern, der in dem horne
[Hirschgeweih] sî Barth
138,16
7
übertr.
7.1
‘das Innerste’
diu gift was im gedrungen / biz ûf den kern des marges
KvWTroj
38491;
ez gât mir dur ganzen kern [berührt mich im
Innersten] , / daz mîn lôn ist gên der süezzen / hiure unnâher
danne vern SM:St
4: 5,8;
das derret miner freuden kern Krone
13918
7.2
‘zentraler, wichtigster bzw. bester Teil’
ze Constantinopel ist mir wol erkant / der kern von kvnst vs meister
pfaffen sinne Wartb
Rs 86,3;
di beistin meistere sprechin daz der kerne der selikeit
lige an bekentnisse Parad
62,39.
91,2;
wîser rede kluoc / geschach dô genuoc, / der ich iu niht
sag wan den kern Ottok
22198
u.ö.;
LvRegSyon
3411;
Frl
13:44,7;
Seuse
328,3.
–
den himel unde die sunnen, / beide mande unde sterne / durchsprache
wir unz uffen kerne [ganz und gar]
Pass III
425,94
7.3
‘innerer Gehalt, Sinn’
horchen sulle wir lise / waz uns die glose wise / uz
disses textis kerne Daniel
1647;
sente Paul [...] / sprichet uf
geistlichen kern: / ‘ [...] ie hoher tugent, ie hoher
lon’ Vät
5861
7.4
‘Inbegriff, Verkörperung von etw.’
sîn ougen unt sîn nase / was reht der minne kerne: / al
diu werlt sah in gerne Parz
429,25;
der manheit gar ein kernen / sach man den jungen Dieterîch / ze sînen
êrsten nœten Virg
77,6;
si waren der wisheit ein kerne Brun
10302;
Athis
C 114;
JunghHeinr
995;
Pass III
579,3
MWB 3,1 216,31; Bearbeiter: Hansen
kërnechîn
stN.
Dimin. zu kërne.
‘kleiner Kern, Kernchen’
malagranata, das sint di eppil di do kernichin bynnen der
schalin han Pelzb
123,30
MWB 3,1 218,7; Bearbeiter: Hansen
kërnelkrût
stN.
→
kërvelkrût
MWB 3,1 218,10;
kërnen, kirnen
swV.
‘entsprießen, Früchte/ Samen tragen’ (vgl.
kërne
):
daz swert bedarf wol segens wort: / ich fürht diu habestu
lâzen dort: / hâts aber dîn munt gelernet, / sô wehset unde kernet / immer sælden
kraft bî dir Parz
254,18;
und weren miner synnen geister / so wise als Alanus waz / und
auch dar zu Ypocras, / dannoch kuͤnde ich volloben nitt / daz aller mynste und
cleinste gelitt, / daz uz ir ist gekirnet Minneb
3363
MWB 3,1 218,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kërnengëlt
stN.
Naturalabgabe in Form von Getreidekörnern oder Geldzahlung zur Abgeltung dieser
Naturalabgabe, ‘Korngülte, Getreidezins’ (vgl. WMU 2,996 und DRW 7,772f. mit
weiteren Belegen):
zehen mút kernen geltes vf vnsern ackeren die bi der stat ze Arowe ligent
UrkEidgen
184
(a. 1310);
daz ich verkoͮffet habe [...] deme maister
[...] dez armen spittals von Rotwil
[...] vierdehalben scheffol kernen geltes
UrkCorp (WMU)
3407,37
u.ö.
MWB 3,1 218,20; Bearbeiter: Hansen
kërnenvierteil
stN.
ein Hohlmaß für Getreidekörner (vgl.
vierteil
):
man sol oͮch nemen von ainem malter vesen ain imi [ein
Getreidemaß] , von ainem malter habern ain imi, vnde swas bi dem
kernen viertel gemessen wirt: von zwain maltern ain imi UrkCorp (WMU)
2521,23;
DRW
7,774
(KonstanzBistUrb.; a. 1302/05)
MWB 3,1 218,30; Bearbeiter: Hansen
kërnenzins
stM.
Naturalabgabe in Form von Getreidekörnern, ‘Korngülte’
das ich dem abte vnd dem conuent von Wettingen han verkoͮfet
[...] ein vogteiga ze Heredingen, die
[...] dem conuent von Wettingen ierlich giltet sechs
viertel kernen cins von rechter eigenschaft UrkCorp (WMU)
1219,41
MWB 3,1 218,37; Bearbeiter: Hansen
kërn|gerste
swF.
eine Getreideart, ‘Zweizeilige Gerste’ (vgl. AWB 5,134):
hordeum distitum vel cantitum [d. i. cantherinum
] : kerngersta SummHeinr
2:56,455
MWB 3,1 218,43; Bearbeiter: Hansen
kërnîn
Adj.
‘aus Korn, körnern’ (vgl.
kërne
), hier in der Wendung
~ brôt:
so man daz korn ab dem velde fueret, so sol der keller [s.
këllære
] von ie der wagenleisen [Fuhre] ein garben
nemen; och sol man dar vs zeren [verzehren] kernin brot
vnd zigern [Quark] essen WeistGr
4,373
=
WeistGr
1,167
(a. 1303?)
MWB 3,1 218,47; Bearbeiterin: Baumgarte
kërnobeʒ
stN.
‘Kernobst’
daz dreilay chernobs sey marillen cherssen vnd weisel Barth (H)
556
MWB 3,1 218,54; Bearbeiter: Hansen
kërnvar
Adj.
im Farbton Getreide bzw. Weizen ähnlich, ‘getreidefarben, weizenfarben’
ir [Marias] vel was lûter unde clâr / und dâ bî
schône kornvar [La. kernvar, übers. triticei
coloris (vgl. App.z.St.)] / reht als milch unde bluot, /
sô man diu ze sämen tuot WvRh
1304
MWB 3,1 218,56; Bearbeiter: Hansen
kërp
stM.
Stock, Span oder Stab aus Holz, in den (zur späteren Rechnungslegung) best.
Zeichen eingekerbt werden, ‘Kerbholz’ (vgl. LexMa 5,1115, 2HRG
2,701ff.): – hier bildl.:
jo der man uf sinen kerp [wohl ‘auf eigene Rechnung’
] / vil baz berichtit sin gewerp / wen daz he dem vremdin / hulfe in
sinen gremdin [in seiner Not]
PfzdHech
213,21
MWB 3,1 218,62; Bearbeiter: Hansen |