kifen
swV.
‘nagen, kauen’ (s.a.
ane kifeln
):
[der Wurm] baiz unde baiz und kifte unde genuͦch
[benagte] den bǒm hinz dc er erdorrot
PrSchw
2,103.
– bildl.:
gedankes notern und slangen / mir kifen zwar
[wahrlich] min hertz entzwey Minneb
1809
MWB 3,1 243,17; Bearbeiterin: Baumgarte
kîfen
swV.
→
kîben
MWB 3,1 243,22;
kifern
swV.
→
ane kifeln
MWB 3,1 243,23;
1kil
stM.
‘Federkiel’ (s.a.
vëderkil
):
ein fischer wils niht mangeln / er hat den kil zuͦn angeln, / daz er die snuͦr
trage empor KgvOdenw
3,66;
man hat in [den Federkiel] zuͦ dem blaterspiel
[Dudelsackspiel] , / da einer bleset durch den kil, /
so man zuͦ tantze pfifet ebd.
3,78;
die gans die hat nuͤtze vil: / die wiberin spuͦlt uͤber den kil, / damit sie
huͤllen wegen / und deste baz geleben ebd.
3,74
u.ö.;
UvLFrd
170,32.
485,22.
– phras. i.S.v. ‘ihr werdet den Nachteil haben’
welt ir suochen gouches spil, / in [ihnen] belîbt
diu veder und iu der kil Schlegel
1191
MWB 3,1 243,24; Bearbeiterin: Baumgarte
2kil
stM.
‘Zwiebel’, hier der untere, weiße, in der Erde liegende Teil von Lauchzwiebel
oder Porree (Herkunft und Verwandtschaft zu
1kil
und zu
kîl
unklar, vgl. DWB 5,676; s.a. 674-76, beides s.v. Kiel):
er [der Mantel] was noch grüener
denne ein louch, / dem ab geschrôten ist der kil KvWTroj
20207.
31599.
– in einer Beschreibung für Geringfügigkeit:
daz er nicht eines louches kil / noch eine bônen umb sîn
leben / des mâles dorfte dô gegeben KvWTroj
36414
MWB 3,1 243,36; Bearbeiterin: Baumgarte
kîl
stM.
auch kiel (
ReinFu
K,1551
).
‘Keil’
die snüere [des Zeltes] wârn
gestrecket / vaste mit starken kîlen Wig
3308;
wan der [...] pei der wurzeln den
stam durchport mit aim nägbær [
nabeger ‘Bohrer’] und sleht ainen keil dar ein ze
mittelst übertwerch [quer] , sô werdent si
[die Mandeln] auch süez BdN
315,28;
man sal [...] in di spaldin seczin
eynen kil vnd bedeckin dy wurcziln als vor mit der erdin Pelzb
123,25
u.ö.;
ReinFu
K,1551;
Fegfeuer
1:9,8.
– in Vergleichen und übertr. Bildern:
[weil Hector in Bedrängnis war] sô brach er
[Paris] unde spielt / die rotte in kurzer wîle, / sam
der mit eime kîle / zerklübe grôziu blöcher KvWTroj
32960;
nu hertz, la dich clieben / mit jamers herten chiln!
WhvÖst
9067;
Renner
5227;
LvRegSyon
3986.
3631
MWB 3,1 243,46; Bearbeiterin: Baumgarte
kilbe
Subst.
→ AWB 5,249 s.v. klîba
MWB 3,1 243,62;
kilbere, kilber
F.
zu ahd. kilbura stswF.
‘weibliches Lamm’
agna: chilbere Gl
3:444,5
(BStK926);
agna: kilbirra SummHeinr
2:57,5;
agna: kilbira ebd.
1:141,367;
weme schaf geraten wol, / dem wirt kiste und kaste vol, / er hat auch golt und
silber, / stiͤr und auch die kilber, / der maniges wol gedihet, / daz man ez zu
ostern wihet KgvOdenw
6,42
MWB 3,1 243,63; Bearbeiterin: Baumgarte
kilch-
→
kirch-, kirchen-
MWB 3,1 244,6;
kîlhouwe
swF.
‘Hacke zur Steinbearbeitung’, hier bei Belagerungen:
gâhes wurden dô bereit / trîbocken, [...] / ebenhœhe,
mangen, katzen [verschiedene Belagerungsmaschinen] / mit
kîlhouwen und mit kratzen UvEtzAlex
2516;
die Kriechen [...] mit kîlhouwen und mit slegeln /
vaste an dem stein flegeln [dreschen] / begunden unde
brechen, / [...] / den stein sie sêre brâchen ebd.
21787.
– im Vergleich:
ein stoltzer ivnger degen, / [...] / rechte als ein
kilhowe / waz sin antlvtze geschaffen Wachtelm
32
MWB 3,1 244,7; Bearbeiterin: Baumgarte
kilîn
Adj.
‘für Schreibfedern, für Kiele’ (hier mit vaʒ zusammengeschrieben
(vgl. Lexer, Nachtr. 271 s.v. kilvaʒ):
gehangin an sinem gurtil was / ein tofel und ein kelinvaz. / an sines rechtin
oren zcil / trug he einen schribekil PfzdHech
279,20
MWB 3,1 244,18; Bearbeiterin: Baumgarte
kill
swM.
ein Fabeltier, das im Meer lebt:
von dem killen [Überschrift] .
kilion, oder killon als ain ander puoch hât, daz mag ain kill haizen. daz ist ain
wunderleich merwunder BdN
238,7
u.ö.
MWB 3,1 244,23; Bearbeiterin: Baumgarte
kilvaʒ
stN.
→
kilîn
Adj.
MWB 3,1 244,27;
kîme
swM.
‘Keim’
germen: kime VocOpt
48.061;
SummHeinr
2:319,147.3;
PsM
H 17,2;
diu âmeize hât grôze arbeit, / swenne si den sumer korn în treit, / wenne si
ein ieglich korn speltet / daz si durch daz jâr beheltet, / ob ein regen ez begieze,
/ daz iht kîmen dâr ûz schieze Renner
20054
MWB 3,1 244,28; Bearbeiterin: Baumgarte
kîmelen, kîmeln
swV.
‘keimen, Keime austreiben’
si peizent daz korn enzwai daz si eintragent, daz ez icht
anderwaid keimel und grüen BdN
302,7
MWB 3,1 244,34; Bearbeiterin: Baumgarte
kîmen
stV.
→
kînen
MWB 3,1 244,37;
cimolea
Subst.
hier chimolea.
als Heilmittel verwendete kimolische Tonerde (vgl. MlatWB 2,567 s.v.
cimolia):
swenne di cit cumet daz si daz
[Kind] gebern sol, so sal si erste sitzen in bade.
[...] man sal ir ouch di bein netzen mit wazzer vnde
mit ezzige, da chimolea si inne getempirt SalArz
65,36;
[bei unkontrollierbarem Harndrang] schaffe, daz he sich
salbe vorne an der rore mit chimolea vnde mit ochsen galle ebd.
60,4
MWB 3,1 244,38; Bearbeiterin: Baumgarte
kin
stN.
→
kinne
MWB 3,1 244,47;
kindach
stN.
hier kindahe.
Kollektivbildung zu
kint
(vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S 52-55), ‘Gesamtheit der Kinder, Kinderschar;
Nachkommen’
saget im ouch daz er mir chome mit al sîner hebe, / heizze
sîniu hîen [wohl alle, die zum Haushalt dazu gehören (Familie,
Bedienstete)] sîn fihe mit trîben, / daz er unt sîniu
chindahe [entspr. Gen. 45,9
filii tui et filii filiorum tuorum
] deme hungere inphlihe / noch ime daz fihe florn werde
Gen
2448
MWB 3,1 244,48; Bearbeiterin: Baumgarte
kindebet
stN.
→
kintbette
MWB 3,1 244,57;
kindechîn
stN.
auch kindekîn (zur Mode, die flämische Sprache nachzuahmen, vgl. Anm.
zu
Helmbr
717
).
Dimin. zu
kint
‘kleines Kind, Kindchen’
iz was ein gut einfeldig man, [...], der hatte ein
kindichin, daz was gereite funf jar alt wordin Köditz
72,5.
92,6.
97,29.
98,5.
– als Anrede an Erwachsene (vgl.
kindelîn
3 und s.o. Anm.z.St.):
vil liebe soete kindekîn, / got lâte iuch immer sælec sîn!
Helmbr
717.
747
MWB 3,1 244,58; Bearbeiterin: Baumgarte
kindegelîch
Indef.-Pron.
‘alle, wie die Kinder; ein jeder, wie ein Kind’ (zu gelîch mit
vorangest. Gen. Pl. vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 127, Anm.):
sîner schame [wegen der
Mantelprobe] kindegelich vergaz / und wurden von dem mære vrô
UvZLanz
6176;
machet sie [die Lieder] kurze unde ringe unde daz
sie kindegelîch wol gelernen mügen PrBerth
1:406,3
MWB 3,1 245,3; Bearbeiterin: Baumgarte
kindekîn
stN.
→
kindechîn
MWB 3,1 245,11;
1kindel
stN.
→
kindelîn
MWB 3,1 245,12;
2kindel
stN.
Maßeinheit (aus mlat. quintale ? ‘Quintchen’, vgl. DWB 5,768
s.v. kindlein,4.):
item in receptione thelonei salis datur de cuppa ii den. item de xii chindel
ii den. et hoc in depositione, in eductione autem de cuppa datur i den. et de xii
chindel i den. UrbBayJ
366;
UrbBayS
3,594
MWB 3,1 245,13; Bearbeiterin: Baumgarte |