Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kindenmuoter - kinnezan    


kindenmuoter stF. eine Frau, die Kinder hat: wa kinden muoter mit nammen geschriben stat an der burger tafellen und ouch burgerin ist StRFreiburg (F) 245

MWB 3,1 247,27; Bearbeiterin: Baumgarte

kinderen, kindern swV. ‘ein Kind gebären’ du pist unfruchtpar geworden, du nicht kinderst [ fuerat sterilis - letare sterilis Ps 112,9] PsMb 32(Glossar)

MWB 3,1 247,31; Bearbeiterin: Baumgarte

kindertragen stN. ‘Schwangerschaft’ fruchtpar ist sy worden mit kyndertragen [ facta est fertilis et letabunda Ps 112,9] PsMb 32(Glossar)

MWB 3,1 247,35; Bearbeiterin: Baumgarte

kindes(-) s.a. kindisch (-)

MWB 3,1 247,38;

kindesjugent stF. kint stN.

MWB 3,1 247,39;

kindeskint stN. unklar, ob Syntagma. ‘Kindeskind, Nachkomme’ [durch den Sündenfall] wurden wir alle zuͦ nyede und verwurden bis an den lesten menschen, kinder und kindskinder Seuse 533,24; dú von Noe geborn sint, / an disin selbin stundin / ze kindenne begunden / und gewunnen in der jare zil / kint und kindis kinde vil RvEWchr 1014; Macc 14052

MWB 3,1 247,40; Bearbeiterin: Baumgarte

kindespil stN. kintspil (kindes spil kint 1)

MWB 3,1 247,48;

kindesspuric Adj. ‘für ein Kind verständlich’ (Glr.z.St.): Johannes tichte durch daz swar / apocalipsim willekuric / daz sie nicht were kindesspuric / und daz sie were den vremde / die zu gote tragen gremde HeslApk 17842

MWB 3,1 247,49; Bearbeiterin: Baumgarte

kindessun stM. ‘Enkel’ nepos: kindessun VocOpt 3.016

MWB 3,1 247,54; Bearbeiterin: Baumgarte

kindestac stM. kinttac

MWB 3,1 247,56;

kindestohter F. ‘Enkelin’ neptis: kindstochter, kindestochter VocOpt 3.017

MWB 3,1 247,57; Bearbeiterin: Baumgarte

kindesvart stF. unklar, ob Syntagma. ‘kindisches Benehmen’ ganc hin in din cellen wider, / la von dirre kindes vart / unde merke hinnen vurwart / an dir din selbes crancheit [Schwäche] / und daz dir si untz her verseit / des tuvels bekumernis Vät 15805

MWB 3,1 247,59; Bearbeiterin: Baumgarte

kindisch Adj. vereinzelt adv. ( Bit 2128 ); auch kintsch ( Seuse 30,12 ), kinnesch ( Lanc 137,18 ), kindes ( Elis 1543; Frl 7:42G,3, vgl. FrlWB S. 183); s.a. kint Adj. 1 ‘jung, im Kindesalter’ (Altersspanne vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen, vgl. kint )
1.1 bezogen auf Säuglinge (hier von Herodes’ Kindermord zu Bethlehem)
1.2 bezogen auf Jugendliche, junge Erwachsene
1.2.1 meist bezogen auf junge Männer
1.2.2 selten bezogen auf junge Frauen
1.2.3 übergehend zu ‘unerfahren, unwissend’
1.2.4 übergehend zu ‘unvernünftig, verantwortunglos’
1.2.5 in Wendungen, die auf die Jugend oder Kindheit einer Person anspielen
2 ‘kindlich, als Kind, wie ein Kind’
3 ‘Kindern angemessen’
   1 ‘jung, im Kindesalter’ (Altersspanne vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen, vgl. kint )    1.1 bezogen auf Säuglinge (hier von Herodes’ Kindermord zu Bethlehem): er sazte in sein æhte / die kindischen barn, / die vnschuldik waren Wernh A 4215; do fvͦren des kvniges vndertane vnde slvͦgen die kindischen marterære Spec 31,4    1.2 bezogen auf Jugendliche, junge Erwachsene: wahsen begunde do der chint [Ismahel] / [...] / do begunde er vaste proͮten nach chindischen loͮten [sehnte er sich nach jungen Leuten] GenM 39,20; do riten mit der broute / chindische loute, / riter gemeite, / herlich gereite Hochz 302    1.2.1 meist bezogen auf junge Männer: man sprichet dich also kindes, / daz in der niuwe si din bart Frl 7:42G,3; ich müeste mich sîn iemer schamen, / ob ich ze man kür einen kneht, / wan ez ist hie ze lande reht, / daz frouwen niht getürren haben / zer ê sô kindische knaben, / sam du, vil trût geselle, bist KvWPart 1906; nu Môrolt der hôrt allez an / und verdûhte in sêre, daz Tristan / sô vaste nâch dem kampfe sprach, / dô ern sô kindeschen sach, / und truog im in dem herzen haz Tr 6224. – i.d.R. attr. zu man, seltener degen, recke, vereinzelt helt, ritter), oft zur Hervorhebung der Unwissenheit und Unerfahrenheit oder des Kontrastes von Jugend und Können, Wissen o.ä.: do sante Servacius erloste die seine, / der phalenzgrave von Reine / bevalh si einem chindischen man [ iuvenem ] Serv 2945; si enkunnen niewan triegen vil menegen kindeschen man MF:Namenl 11,5; mir erwelten mîniu ougen einen kindeschen man. / daz nîdent ander vrowen MF:Meinl 1:8,1; eya, kindischer man, / ich behilde iv gerne daz leben Herb 924 u.ö.; Bit 2288. 3649. 4019 u.ö.; UvZLanz 6903; Flore (S) 5017; Flore (P) 2553; Wernh 1547 u.ö.; Tr 6623; da begonde lude ruffen der kyndesche degen: / ‘noch bestet mych besonder! myn junger dot sy uch vergeben. / begent an myr rytters ere und gerucht mych besonder bestan’ Alph 1188; UvZLanz 565. 844; Bit 2109. 2827. 4699; GTroj 6367; kindischer recke, dîn swert muoz ich hân. / nu gip dich gevangen, ez mac anders niht ergân WolfdD (J) 4:17,3; ‘diu rede ist unendehaft’ / sprach der kindische helt UvZLanz 2705; ein kindisch ritter Herb 5420    1.2.2 selten bezogen auf junge Frauen: der kunec was von gefuoger jugent, / schône gnuoc von reiner tugent, / die kunegîn was ouch kindesch gnuoc, / unt daz sichz doch darzuo getruoc, / daz sie entsamen lâgen / und ie doch kuscheit phlâgen / und bliben alsô reine EbvErf 1235; von Maria: an dem kindischen weibe / heten si ze neide / daz si was so veste, / die schoniste vnde div beste Wernh A 1447; Konr 8,19    1.2.3 übergehend zu ‘unerfahren, unwissend’ ir sint noch so juͦng und so kinnesch das ir nit enwißsent was zu starcker ritterschafft höret Lanc 137,18. – adv.: dô greif ab er sô kindisch zuo / daz von sîner tumben hant / vil der schefte wart verswant Bit 2128    1.2.4 übergehend zu ‘unvernünftig, verantwortunglos’ der kûne Alexander / der tût als ein tumber / unde alse ein kindischer man, / der sih versinnen nit ne kan SAlex 1442; in Persia da was ein site, / da versuchte man die boten mite. / [...] was er den [d.i. denne ] dem wine holt / [...] / davon prufte man zu hant / daz jener der in hat gesant / were ein kindischer man Secret 2603; o daz du so kindesch bist / und mich mit herter arbeit / hast bracht in so manic leit Pass III 262,36; Tr 12428    1.2.5 in Wendungen, die auf die Jugend oder Kindheit einer Person anspielen: er schueff pey kindischen tagen / das man in nicht hieß ainen zagen HvNstAp 407; in dinen ersten kindschen jaren MarlbRh 94,30; des liz er sie irn willen han, / wen daz die frauwe wol getan / zu kindes was der jare: / des hatte er weizgot vare / daz sie arbeit swechte, / ob sie zu lange wechte Elis 1543; ich ermstü der götlichen genaden [an göttlichen Gnaden Ärmste] , / kinndisch an tugend und an jaren, / ain minnste dienerinn unnsers herrenn HvHürnh Vorr. 8    2 ‘kindlich, als Kind, wie ein Kind’ Tantrîsel ûz kindischem site / sprach: hêrre, er zôch den tôren / gar vaste bî den ôren, / dô gap der tôre im einen slac / und vlôch dâ her in disen hac HvFreibTr 5634; swaz er begât und swaz er trîbet, / daz ist allez kintlich spil; / durch daz man in sô kintlich schrîbet: / er hât kindscher tücke vil KLD:Alex 7:11b,94; daz der himeltrager [Jesus] so gross und so klein ist, so schoͤn in dem himelrich und so kintsch in ertrich Seuse 30,12; kindesch, arm, nakent, blos Mechth 5: 25,26. 1: 22,59    3 ‘Kindern angemessen’ diu guote maget in liez / belîben selten eine, / [...]. / swie starke ir daz geriete / diu kindische miete [hier: Geschenke] , / iedoch geliebete irz aller meist / von gotes gebe ein süezer geist AHeinr 346. – vom Verhalten: er [Jason] was zv gote reine, / [...] / kindisch den kinden Herb 141

MWB 3,1 248,1; Bearbeiterin: Baumgarte

kindische stF. ‘Kindheit’ (vgl. AWB 5,174f. mit weiteren Belegen): adolescentia ist ein alter des mennisken. inzuisken dere chindiske. unde dere stercheren iungede. daz ist so dem chnappen der bart aller erist beginnit springen. unde dere magede die bruste wohsen beginnent PsWindb 118,9(Randgl.)

MWB 3,1 249,38; Bearbeiterin: Baumgarte

kindischheit stF. ‘Kindheit’ allerseligst aller wive, / van diner selger muͦder live / is bit dir geborn diͤ barmherzicheit / ind gewassen bit diner kindischeit MarlbRh 89,12

MWB 3,1 249,45; Bearbeiterin: Baumgarte

kindischlich Adj. in der Wendung von kindeslîchen jâren ‘von klein auf, von jungen Jahren an’ si hatte ir [ihre Magd] sunder ouch begert, / wande si bi der claren / von kindeslichen jaren / in ensteclicher [liebevoller] gnade / gewonet alles hade Elis 6910

MWB 3,1 249,49; Bearbeiterin: Baumgarte

kînen, kîmen stV. (Ia) ‘keimen, aufbrechen, wachsen’, übers. lat. germinare ( PsM Per 23,11 ): swanne daz korn nit ne kinet / in der fuchten erden, / so nist nehein trost, daz iz werde / jemer wole berhaft Litan 1117; also treit si [die Ameise] ieriu korn in ier hol. unde chliubet iegeliches entzwain darumbe dc ez iht chine PrSchw 1,22; GenM 146,25; PsWindb 64,11. – übertr.: also tuͦt der geistliche mensche, der gottes geist enpfangen hat; das ist ein so edel sat, si kinet und wahset untz an des seligen menschen ende Mechth 4: 18,18; Will 42,4(La.); duͤ nacht von dem tac wart kiment RitteruT 231. – verengt auf ‘wachsen’ ie mid demo steini / gab er [Gott] uns gimeini di herti der beini, / mid der poumi grunin / der negili chimin SuTheol 90. – verengt auf ‘aufbrechen’ da wolde got sine truten / Jherusalem die nuwen / mit allem vlize uf buwen / und legete dar den edelen stein, / ober den die mure nicht enkein / noch vor der last nicht enweich HeslApk 21602

MWB 3,1 249,55; Bearbeiterin: Baumgarte

kinne stN. (stF. EnikWchr 14172 vgl. 1.4; stM. WvRh 6342 vgl. 1.5); bei Komposita in Gl. vereinzelt kind-. ‘Kinn’, auch von Tieren ( Walth XVII,40 s.u. 1.1 und BdN 160,13 ) mit fließendem Übergang zu ‘Kinnlade, Unterkiefer’; übers. lat. mentum ( VocOpt 1.050; SummHeinr 2:365,125. 1:128,173 ) und molae ( PsM 57,7 ). 1 ‘Kinn’
1.1 als Ort des Bartes in Wendungen zu Alter, Reife und Mannheit
1.2 Tränen, die über das Kinn laufen, als Merkmal großer Trauer
1.3 das Kinn in die Hand legen, als Teil einer betrübten und nachdenklichen Haltung
1.4 die Hand am Kinn eines anderen als Geste der Vertrautheit
1.5 oft im Rahmen idealtypischer (höfischer) Schönheitsbeschr. (von Männern und Frauen)
2 ‘Kinnlade, Unterkiefer’ , hier vom Esel (vgl. kinnebacke , kinnebein , kinnebracke )
   1 ‘Kinn’ dâ das gollier [der Kragen] unz an daz kin / gereichte, unz an die rinken [Gürtelschnalle] hin / diu knöpfel wâren silberwîz Helmbr 185; eyn blattere an deme kynne OvBaierl 72,7; dem vih sol ein knecht nachgan, der sol tragen ein partholz [langstielige Barte] vnd soll das isen zu berge keren an syn kinne, ob er schlieffe das er [l. es] in steche, das das vih nit gestigen in keines mannes matte WeistGr 4,164 (a. 1343); UrkCorp (WMU) N815,7; er stach mir mit der tyoste sîn / den helm dâ an daz kinne mîn, / daz mir daz kinne wart bluotes naz UvLFrd 226,10 (vgl. kinnebein ); Herb 4407    1.1 als Ort des Bartes in Wendungen zu Alter, Reife und Mannheit: sô junc ein man, / daz sîn kin noch nî granen gewan Crane 3591; ich gewinne [...] ein grawez kinne als ein bok Walth XVII,40; bartlôser muot, nu birc daz kinne! KLD:LvS 8:2,7    1.2 Tränen, die über das Kinn laufen, als Merkmal großer Trauer: ir wâren wengelîn ind kin / begozzen gar mit trênen naz Crane 3421; NibB 2257,4    1.3 das Kinn in die Hand legen, als Teil einer betrübten und nachdenklichen Haltung: wie wart hie undersetzet ir kinne mit den handen? / an vreuden unergetzet begunde siz den ougen lieht enblanden [schwer zu machen] JTit 4518,1; Herb 10594; ich saz ûf eime steine / und dahte [bedeckte] bein mit beine. / dar ûf sazte ich den ellenbogen, / ich hete in mîne hant gesmogen / mîn kinne und ein mîn wange. / dô dâht ich mir vil ange [bedrückt] , / wes man zer welte solte leben Walth 8,8    1.4 die Hand am Kinn eines anderen als Geste der Vertrautheit: in triutelîcher wîse dô was der megede hant / an ir vater kinne Kudr 386,3; dô er in gruozte und an sîn kinne / im greif in valscher [geheuchelter] friundes minne Renner 6249. 6256; er nam si bî ir kinne / unt kuste si an iren munt DietrGlesse 100; sie ging zu Lancelot und nam yn by dem kinne; des schampt sich Lancelot ußermaßen sere Lanc 462,29; Neidh (S) 2,131 c48:6,4; Loheng 7226; UvLFrd 365,8; den künic si bî der [La. dem ] kinn gevie EnikWchr 14172    1.5 oft im Rahmen idealtypischer (höfischer) Schönheitsbeschr. (von Männern und Frauen): din [Christus] wolstendes kinne Seuse 552,6; ir [der toten Maria] enwas ouch niht entwichen / ir varwe noch erblichen / ir nase, ir munt, ir chinne KvHeimHinv 577; er hett eynen großen munt und einen großen langen hals, die zene wiß und ein hohes kinne Lanc 26,22; Herb 3197; ir kinne, ir kel, ir goltvar hâr, / [...] / sol ich daz lange mîden, / so muoz ich kumber lîden SM:WvH 4: 1,9; MF:Mor 25: 2,1; KLD:GvN 48: 3,2; SM:KvA 2: 4,1; Herb 2927; MinneR 3 44; wichtig auch das Grübchen: die kunst wil, daz man prise / ein kinne von guter wise. / daz mezseclichen sie getan / und sol ein grubelin mitten han Physiogn 266; sunder an dem kinne was her ein wenic gezweigespeldit EvBeh Einl. 15; KvWTroj 19985; HvNstAp 13213. 15059; Lanc 35,5; sinwel was der kinne sîn, / und ein kleinez gräbelîn, / als ez wol dem kinne zan, / was enmitten dar an WvRh 6342    2 ‘Kinnlade, Unterkiefer’, hier vom Esel (vgl. kinnebacke , kinnebein , kinnebracke ): uf einim velde das geschah / da Sampsonis manheit / ê mit des esils kinne streit / den sig RvEWchr 30942. 30945. – ‘Kiefer, Rachen’ (vgl. kinnebacke 2): dem [Fisch] brich ûf sînes mundes kinne [ aperto ore eius Mt. 17, 26(27)] , / dâ vindest du zwên phenninge inne Philipp 5960

MWB 3,1 250,11; Bearbeiterin: Baumgarte

kinnebacke swM. (st. GenM 36,22 ) ‘Kinnlade, Kiefer’, sowie angrenzende Gesichts- oder Kopfpartien; übers. lat. maxilla, mandibula, mentum, mala ( VocOpt 1.051; SummHeinr 2:365,125. 2:365,124. 1:126,151. 2:5,65 ) 1 ‘Kinnlade, (Unter- und Ober-)Kiefer’ von Mensch und Tier (vgl. backe )
2 ‘Rachen’ (vgl. kinne 2 )
3 (untere Partie der) ‘Wange’
4 bei Fischen wohl auch der Kiefer einschließlich des Kiemenbereichs (vgl. DWB 5,682 und 778 mit weiteren Belegen; MlatWB 1,1562f. weist branchia wegen des mhd. Interpretaments in diesem Beleg (und einem weiteren [ ckivvi piscis ]) die Bed. ‘Kiefer’ zu, ebd. 1,1563)
   1 ‘Kinnlade, (Unter- und Ober-)Kiefer’ von Mensch und Tier (vgl. backe ): in deme munde liez er [Gott] hangen eine zungen lange. / fure die îlte er machen einen chinnebachen, / zane zwei geverte, beinîn vile herte, / daz si daz ezzen brechen unt daz diu zunge spreche Gen 125 (= GenM 5,18 ); er sluc einez dagez mit einez esilez kinnebaken dusent starke risen da nider HlReg 43,10; Lucid 146,15; er stach im ain scharten / uz dem kinbacken WhvÖst 12043; do gewan iz [das Buch] alda zu stunt / des suzen honiges smacken / zwischen minen kenebacken / und bittert in minem buche [Bauch] HeslApk 15320; alsus betriegent si daz livt, [...], we gescheh ir chinnebach GenM 36,22. alliu tier, die hörner auf dem haupt habent, mangeln der zend an dem obern kinpacken BdN 13,27. 115,5; ain iegleich tier mag seinen undern kinpacken gewegen ebd. 115,3. 233,12    2 ‘Rachen’ (vgl. kinne 2): es legent wol hundert ritter dot, / e denn verderbet wùrd der track, / wann sin wijter kynnback / verslùnd wol zwölff man, / keme er sie miteinander an Krone 26649. 12789. 13646    3 (untere Partie der) ‘Wange’ dirre selben vælinne / hiengen nider auf daz chinne / zwen gerüntzelt kinnebachen Krone 9377; vermocht ich id, ich soult zo deser zyt / uch sere slaen up uren nacken / ind ouch an ure kynbacken KarlGalie 4266; [ ] spîten im [Jesus] under sîn ougen, / in sluogen an sînn kinnebacken, / an sîn hals und an sînn nacken Philipp 6654    4 bei Fischen wohl auch der Kiefer einschließlich des Kiemenbereichs (vgl. DWB 5,682 und 778 mit weiteren Belegen; MlatWB 1,1562f. weist branchia wegen des mhd. Interpretaments in diesem Beleg (und einem weiteren [ckivvi piscis]) die Bed. ‘Kiefer’ zu, ebd. 1,1563): brantia: kinnebacho SummHeinr 2:201,03.3 (vgl. kinne 2)

MWB 3,1 251,22; Bearbeiterin: Baumgarte

kinnebackenslac stM. Schlag auf Wange und Kiefer, ‘Backenstreich, Ohrfeige’ do quamen andere und gabin ime kinnebakinslege in sin antlitze und spotten mit ime und sprachin: prophecie uns, Christe, wer ist, der dich sluc? PassHarm (R) 105,14 (Mt 26,67b+c)

MWB 3,1 251,63; Bearbeiterin: Baumgarte

kinnebein stN. auch kind- ( SummHeinr 1:128,173 ). ‘(Unter-)Kieferknochen, Kinnlade’ von Mensch und Tier (vgl. underkinne ); übers. lat. mandibula und mentum ( VocOpt 1.051; SummHeinr 2:365,125. 1:128,173 ) und vgl. submentum ( v̈nder kinpain ebd. 1:128,177 ): sîn [Jesus] bart was swarz und lanc genuoc / [...] / er tahte [bedeckte] des kinnebeines zil WvRh 6331; WernhMl 5935; dc er [Samson] mit aines esels kinbain tusent haiden zu tôde scluͦch PrSchw 1,125; KvHelmsd 1190; RvEWchr 20864; schrephe danne under dem chinnebein oder dû setze die egelen an den chinnebachen Barth 147,21; mit ir liehten hende blanc / graif si im an das kinnebain, / [...] / si sprach: geselle, [...] / maht du genesen? RvEWh 4849 (vgl. kinne 1.4); Iw 461; Seuse 61,19; SHort 5794; Ottok 7993. – als Zielpunkt im Turnier: diu ors nâmens mit den sporn; / ir ietweder hêt erkorn / den andern underz kinnebein Wig 545; Iw 5334; (s.a. ähnl. Beschr.: UvLFrd 226,10. 452,28; Herb 4407. 8894 )

MWB 3,1 252,5; Bearbeiterin: Baumgarte

kinnebracke swF. ‘Unterkieferknochen, Kinnlade’ (vgl. 2bracke ): wie vertruoc / Sampsôn daz man im hete getân, / der mit ein ander tûsent man / sluoc mit eines esels kinbracken [ (inventamque) maxillam id est mandibulam asini Idc 15,15] Renner 6867; van der kennebracke. deme kenebracke vz der stat gestot wert [ausgerenkt] , daz saltu alzo erkennen: eme stet de munt vffin vnde kan en nicht czugetunn OvBaierl 158,1; des hæcchedis [Hechtes] chinnebrachin Ipocr 166 (vgl. kinnebacke 4)

MWB 3,1 252,25; Bearbeiterin: Baumgarte

kinnelîn, kinnel stN. Dimin. zu kinne , ‘zierliches Kinn’ ein kinnelîn wol gestellit MinneR 27 235; der touwigen rôsen glîche / wâren ir wengel und ir munt, / ir kinnel minniclîchen stunt ErnstD 2660

MWB 3,1 252,36; Bearbeiterin: Baumgarte

kinnereif stM. ‘Kinnkette am Pferdegeschirr’ (vgl. Pfeiffer, ross, 18,15): submentile: chinneraif Gl 3:641,18; das gebisse das was stehelin, / das val das was silberin, / von golde der kinnereyff TristMönch 421

MWB 3,1 252,40; Bearbeiterin: Baumgarte

kinnezan stM. auch kind-. ‘Backenzahn’ molaris (lapis): muͤlstein; [ molaris ] (dens): kinnezan GlAnzfKdVz 8:397,246; genuinus dens maior: kinnizan SummHeinr 2:316,98; dens molaris: kinzan, kindzan VocOpt 1.067

MWB 3,1 252,45; Bearbeiterin: Baumgarte