l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lâgære
stM.
‘Nachsteller, Verfolger’
daz pemurmelote Judas, der sin lagære was
AvaLJ
106,1;
der fünfte heizet Sidonîî: daz ist als vil gesprochen als ein lâger, wan sie
vâhent dem tiuvele manic sêle, der niemer mêr rât wirt PrBerth
2:110,6;
do behielten si in vnd santen ir lager
[
miserunt insidiatores Lc 20,20]
EvAug
192,17;
insidiator: lâgere EvAlem
50 (Lc 20,20)
MWB 3,2 826,9; Bearbeiter: Tao
lâgærîn
stF.
‘Nachstellerin’
Minne, aller herzen lâgærîn Tr
11711
(nach Scholz, Tr. z.St. liegt hier die Bedeutung ‘Belagerin’
vor)
MWB 3,2 826,17; Bearbeiter: Tao
lâge
stF.
selten swF. (
Daniel
5557.
7654
).
1
‘Auflauern, Nachstellung; Hinterhalt, Falle’
1.1 allg. 1.2 im Zusammenhang mit der Jagd 1.3 rechtsspr.: ‘Wegelagerei, Überfall aus dem Hinterhalt’
1.4 Ort des Auflauerns 2
‘Ort, wo etwas liegt, aufbewahrt wird, Lager’
3
‘räumliche Lage’
4
‘Aufenthaltsort, Station einer Reise’
5
‘Lebensverhältnis, Zustand’
6
‘Art und Weise, wie etw. liegt, gelegt wird’
7 als Übers. von lat. seditio
‘Aufruhr’
1
‘Auflauern, Nachstellung; Hinterhalt, Falle’
1.1
allg.:
da was [...] Theseus / vnde sin
svn Archilogus, / [...] an warte vnde an lage /
beidesamt vil wis Herb
4066;
den [Isenhart] râchen sîne mâge
/ offenlîche [in offener Feldschlacht (Bartsch/ Marti
z.St.)] und an der lâge Parz
16,12;
diu [Minne (als Diebin)] der
strâze entwîchet / dur lâge in gar ein engez hol KvWLd
32,113;
dôn vant der künec noch daz getwerc / dekeine stat noch
kein geberc, / daz in reht unde gebære / zuo zir lâge [‘für
ihr Belauern’ oder ‘als Ort ihres Belauerns’ (dann zu
1.4)] wære Tr
14606;
ist daz si dise lâge niht / bî disem schate inzît ersiht
ebd.
14639;
der ~ entseben:
Pass I/II (HSW)
21596;
mit vrechir mannis manheit / brah
er [Samson] die lage RvEWchr
20940
(vgl Idc 16,2f.);
gotes antlutze, / daz gît die sælde
[...] / unt fride âne lâge Erinn
995;
daz sint die tievellîchen schar, / mit lâge si uns
bistellent Priesterl
45;
sô daz er viel und snabte / in sîner [des
Teufels] lâge stric Ottok
24644;
zvfure, kuningin, die lage, / der uns der tuvil nit ne wil
uirlazin Litan
340.
1402;
ich fürhte dîne [der Frau Welt] lâge
Walth
101,20.
– in Verbindung mit synon. huote, vâre:
dô brach er in [Jesus den Juden] wol ir
huote und al ir lâge Walth
11,23;
zü lage vnd zü huͦte / gelich ir aller mŭt stunt, / als
ninder ire vijnde tu̇nt Krone (Sch)
28034;
Ottok
85993;
wan er erkande sich iesâ / der vâre unde der lâge dâ
Tr
14636.
14697.
– mit Adj.-Attr.:
heimlich:
Pass I/II (HSW)
38424;
kündic:
die mit kündiger loge [durch hinterhältiges
Handeln] / durch iuch hat betrogen / ir man den koning und
den hertzogen TristMönch
242;
starc:
RvEWchr
14391;
stæte:
LvRegSyon
165;
strenge:
der grâve von Wie / [...] lac
dâ ouch werlîche, / den heiden ein strenge lâge [für die Heiden
eine große Gefahr]
Kreuzf
1003;
tiuvellich:
Litan
657;
veige:
Tr
15171;
vîentlich:
Wernh
D 5017;
Seuse
554,27;
vreislich:
Warnung
3105;
wunderlich:
Parad
40,1.
– mit Genitivus subjectivus:
die lâge der ahtare Spec
125,11;
offenbâr [...] und niht in diebes lâge
UvEtzAlex
12452;
sît daz ich mich hüeten sol / vor ir muoter lâge
SM:St
7: 4,2;
der boͤsen læut lage
PrOberalt
151,31;
wenn er [Adler] der
schützen lâg fürht BdN
167,23;
die lage des tivfels Konr
1,20;
Brun
12504;
Eckh (J)
65,24;
VitasPatr
289,23;
TvKulm
6206;
die welt [...] ist uol stricke unde lage der
súnde PrGeorg (Sch)
26,131;
des viantes lage Himmelr
12,15;
Flore (P)
2904;
PrGeorg
59,1;
GvJudenb
834;
daz er [...] uns erhail von
allen den lagen des unreinen geistes der uns ze den suͤnten vil
dikche gelaitet hat PrOberalt
64,1;
der minne(n) ~
:
Rennew
3185;
MinneR 480
224;
MinneR 27
88;
objectivus:
durch vische lâge / od durch ander kurzewîle
Parz
491,22.
– verbale Wendungen: (jmdm. an einem Ort) (eine) ~
legen/ setzen/ stellen u.ä., ‘(jmdm.) auflauern,
nachstellen, eine Falle stellen’
–
legen:
si heten im zuo der stunt / lâge al umbe den wec geleit / und viengen
in dâ er zuo reit Er
5660;
er leite ir aber mit vrâge / sîne stricke und sîne
lâge Tr
14030;
nu hân ich maneger hande / lâge unde list ûf iuch
geleit ebd.
16547;
sie [die Juden] leiten
im [Jesus ] lâge vil RvEBarl
2763;
er leite mit allir sinir maht / vil lage umbe die
stat die naht RvEWchr
19171.
14391;
drîe lâge, die uns die tiuvel hânt geleget PrBerth
1:30,2.
1:36,33.
1:37,13.
PrGeorg
45,22;
HvBurg
668;
swa leit diu minne ir lage, / niht ir da entrinnen
kan Rennew
24552;
JvKonstanz
51;
EvBeh
Lc 11,53;
Dalimil (B)
13,19.
–
setzen:
die hêrren begunden sîn dô vâren. / dike sazten si ir
lâge, / daz man in solte reslahen Kchr
16563;
er sazt in beiden lâge EnikWchr
20905;
si sazte im manige lâge: / ir liste kêrte si dar zuo / beidiu spâte
unde vruo / wie si daz vernæme / von wanne daz golt kæme
Greg
1220;
(im Kampf:)
vîntlîch was ir beider angesiht, / dô sie einander sazten tôdes lâge
Loheng
5776;
jn endarff nyeman lage / an vnstete setzen Krone
24192;
HvNstAp
866;
lâge unde huote / sazte im der fruote / grâf Ruodolf
von Sargans Ottok
85993.
–
stellen:
er hette vber al sin lant / den crichen lage gestalt
Herb
17150.
17225.
17545;
lâge unde reite / kund er wol gestellen GFrau
764;
daz si mîn vâren welle / und mir die lâge stelle /
mit ir lobe süeze KvWTroj
21890;
jmdm. ze ~ stân
‘auflauern, nachstellen’
ir stêt den von Irlande hie ze lâge Kudr
496,4;
allein dien, die als gar abgescheiden sint und
miner [der ewigen Weisheit] weg war nement,
die ze allen ziten uf der lage stant, daz sú miner gnade
gnuͦg sien Seuse
232,27.
– adv. Wendung: jmdm. (selten: etw.) ze (einer) / ûf die
lâge, ‘um jmdm. aufzulauern, nachzustellen’
Ysengrim begonde draben / ze lage Reinharte
ReinFu
K,1063;
der wol ervarn getorste, / ob ieman in dem vorste /
mir ze lâge sî geriten UvZLanz
3721;
die riten mir sô ze lâge / daz ich mit nôt vor in genas
Bit
4534;
(bildl.:)
in zwein reit diu minn ûf die lâge Tit
75,4;
ûf dem mer tief unde wît, / dâ wildez wunder inne lît
/ den kielen z’einer lâge KvWTroj
8763
1.2
im Zusammenhang mit der Jagd:
ez wirt vil tiere in drûhen und in stricken oft ersnellet. / daz kumt, daz
sî niht wizzen, wâ man in die lâge tuot Hardegger
2:1,2;
(bildl.:)
der minnen wildenære / leiten ein ander dicke / ir
netze unde ir stricke, / ir warte unde ir lâge / mit antwürte und mit vrâge
Tr
11933
(vgl.
13702.
14262.
14368
).
– von Tieren:
wenne der wolf [...] den
schâfen haimleich lâg setzt BdN
148,10;
[der Storch] ist den slangen gar gehaz und setzet
in vil lâg ebd.
175,24.
136,24.
180,17;
von ainr slangen, die in [den
Vögeln] lâg setzet ebd.
210,16;
daz tuont si durch der habich willen, die in lâg
setzent ebd.
225,2;
sô lauzt er [der
Ameisenlöwe] in den haimleichen steten pei der âmaizen
strâzen und setzet in lâg, reht als ain rauber ebd.
302,23
1.3
rechtsspr.: ‘Wegelagerei, Überfall aus dem Hinterhalt’
insidia, quod lage dicitur, quas burkgravius judicat
UrkSchlesSt
296
(a. 1235);
lage vnde daz man vrôuwen notet vnde heimsvͦche richtet die
bvͦrchgraue vnde anderes nieman, der schvlthêize nicht UrkCorp
(WMU)
606,23 = 51,3;
von clage der lage DRW
8,281
(Gaupp, SchlesLR.; um 1300);
not vnd lage an eines mannes leip vmb [l.
und?] heimsuͤche die schol der man in einer
hanthaften tat clagen mit geruͤfte, vnd selbe sybende geczeugen
SchwSp (R)
75,81
1.4
Ort des Auflauerns:
dô lach der hêre Ênêas / vil stille an sîner lâge En
8875.
9155;
JSigen
58,10;
die engestliche stolzheit liget imer in den lagen Lilie
46,15;
man sach si beide rîten / verwâpent zuo der lâge. /
[...] in tougenlîcher wîse / lâgen si verborgen
KvWTroj
11869;
sedet in insidiis: er sitzet ze lage PsM
9,29;
unsers gesichtes wandir [
‘Gang, Lauf’ (Glossar z.St.), hier umschreibend] /
mercte vil wol die bosheit / uz der lagen en [ihnen]
geleit / dort in des garten winkel Daniel
7654;
(vgl. Dn 13,38);
so muͤzen vliehen / die wolve hin uz der lage
Rennew
30715;
hierher?:
ein tougenlîchiu harmschar / was im ze lâge dâ geleit, /
dar în er ungewarnet reit KvWHvK
559
2
‘Ort, wo etwas liegt, aufbewahrt wird, Lager’
nâch spîse lâgen hiez er balde senden. / zwei parel schiere wurden brâht mit
kypperischem wîne Loheng
636
3
‘räumliche Lage’
diz ist dye lage des gutis der sechs ackere [...] in
den velden czu Gebese UrkFrauensee
121
(a. 1350)
4
‘Aufenthaltsort, Station einer Reise’
an deme beginstnisse der xxij tage reyse do ist eyn wonunge der lute, di
pflegin czu vuren di do wollin obir das gebirge odir nidir, dy haldin an eczlichir
loge gar groze hunde sam di esil; der hunde sint in eyner iclichin loge bi xl, di do
gewonit sin czu czien, [...]; in der wys so sint si
[Kaufleute] sicher von eyner loge czu der andirn alle
den wek MarcoPolo
75,3. 4. 7
5
‘Lebensverhältnis, Zustand’
got fuͣeget in die lage, / daz sy mit gemache /
[...] fuͦren Dietr
1094;
nu was Peter vor der zit / durch sinen richtum vil wit / benant in hoher lage
Pass III
143,5
6
‘Art und Weise, wie etw. liegt, gelegt wird’
dar uf [auf dem Altar] mit schoner
lage / ein rot tuch was geleit Pass I/II (HSW)
36770;
mit wol gehufter lage / wart di sunde alzumale / geworfen in
di schale [der Waage] / und gehufet als ein berc ebd.
15146.
– allgemeiner ‘Beschaffenheit, Art und Weise’, in reimbedingten
Umschreibungen:
ob [wenn] diner worte lage [:
vrâge
] / ist ganz sunder allen spot, / daz
Crist ist mensche und got Pass III
81,78;
mir geseit / wart wol nach miner vrage / disser
geschichte lage Daniel
5858
(vgl. Dn 7,16).
mit Präp.:
sie sprachen [...] : /
‘quis est iste, qui venit de Edom, / [...]
?’ [Is 63,1] /
[...] nu wolde ouch sie bescheiden / Cristus dirre
vrage / mit der worte lage [Wortlaut (Glr. z.St.)] , /
die disen worten volgen na Pass I/II (HSW)
9738;
sie taten eine vrage / mit der schrifte lage
[Stelle aus der Schrift (Glr. z.St.)]
ebd.
12016;
sin antwurte er in widerwarf / in tugentlicher lage Pass
III
456,55;
sus sorcveldec er des was, / rechte als ein mensche sin lampenglas / in
der zit muz bewarn, / als hundert steine um in varn / nach hohes sturmes
lage [: vlâge
]
ebd.
396,57
7
als Übers. von lat. seditio
‘Aufruhr’
und hetten si do einen gevangen, der hies Barrabas und was ein schacher, der
wart gekerkeret da von, das er manschlacht getan hete und das er in einer stat lage
getan hete EvPass
237,20
(Lc 23,19)
MWB 3,2 826,20; Bearbeiter: Tao
læge
Adj.
eigentl. ‘niedrig, flach’ (vgl. DWB 6,58 mit späteren Belegen), mhd. nur
übertr.
1
‘niederen Standes’
2
‘von niederer Gesinnung’ ?
1
‘niederen Standes’
jch bin auch nit so laͤge, / jch zymme ùch zu gesellen wol
Krone
17595
2
‘von niederer Gesinnung’?
der wartman in erkande / der uz der lage wart gesant; / mit
ainem zaichen wart ermant / der lage mordær WhvÖst
19009
(oder Gen. zu lâge
‘Nachstellung, Auflauern’?)
MWB 3,2 829,14; Bearbeiter: Tao
læge
stNF.
1
‘Lage’
2
‘Hinterhalt’
1
‘Lage’
in eyner kleynen stat, di gar veste ist von dem lege MarcoPolo
63,28
2
‘Hinterhalt’
si [die Edelsteine] sind auch gar
nütz da mit ze übenn läge [
ad insidias
exercendas
] und zu den werchenn des heres
HvHürnh
59,32
MWB 3,2 829,22; Bearbeiter: Tao
lâgele, lægele
swF. , lâgel,
lægel
stFN.
aus mlat. lagella (EWA 5,968ff.).
–
‘kleines Gefäß’
lagena: lagilla, kruͦg SummHeinr
1:342,418.
2:92,133.
2:350,102;
VocOpt
10.131;
du lagil undi du hantvaz, / di viole undi du lichtvaz, /
[...] daz roti golt was iz al LobSal
127;
daz holz, da vone man machit legiln, kvphin vnd bodiche vnd allirleige holwerc
UrkCorp (WMU)
1161AB,31,27;
dar umb macht man lägel auz derlai
holz [Myrtenholz] , dâ setzt man wein ein über nacht,
den trinkt dann der siech pei dem tag BdN
332,31;
mit wîn ein lægel wol beslagen / het ich mit mir dar getragen
Helbl
7,491;
dem kayser zehant / ward ain lagel gesant / des pesten weines
der do was HvNstAp
3682;
grosz legil vol met Dalimil (B)
14,13;
ein lægel, da was twalm [betäubendes
Getränk] innen EnikWchr
12738;
wen das her czuhit eyn langen wek kegin den vyndin, so vuren sy nichtisnicht
mit yn wen eyn hutte vor den reyn und czwey legil mit mylche
MarcoPolo
18,4;
ein menschen, der dreit lageln eine / mit
waszer [
laguenam aquae baiulans Mc
14,13]
EvStPaul
4878;
EvBerl
55,11;
EvAug
114,7;
lagena: legelle EvAlem
51 (Mc 14,13);
mit waszer eine lageln [
amphoram Lc
22,10] hat / zu dragene er EvStPaul
10047;
dit ist von der vure des kornis vnd der legiln: vurit ein man ein vaz vffe
sime waine [Wagen] , daz he vulle wolle mit biere, mit
sime korne, vnd koufit he daz bier mit deme selbin korne, da vone en sal he nicht
slegescatzin. jst abir me kornis dar vber, da vone sal he gebin slegeschatz
UrkCorp (WMU)
1161AB,12,9;
sîn legelne wol berâden / wârn mit spîse ind der genôch, / die men vur den
koninc drôch Crane
792.
– als Maßeinheit:
vnd sol man den von hern C. Fledelin ain lægel winez gen an sant Iohannez
babestisten tag UrkCorp (WMU)
214,26,27,28;
her Rvͦdolf [...]
[
git
] ein legellvn roͤtes wines,
Lvͤpolt [...] ein legellvn rotes wines,
Cvͦnrat Rotermelli [...] ein legellvn wisses wines,
[...] Rvͦdolf Bellehein v vierteil wines,
Nicolaus [...] ein legellvn wisses wines ebd.
607,19,20,21;
UrbBayÄ
1066.
1126.
1129
u.ö.;
Perhah vnde Pohperc geltint [...] aine lageln oles
ebd.
1039;
bringet ein gast oel her, daz sol er samptkaufes verkaufen
unde niht minner danne bi der laegelun StRAugsb
40,2.
201,19;
der schol sein guet verchawffen in seiner herberge, mit dem viertail balge
oder vel, oder bey der lagel öles, oder pey dem viertail alles chawfschaczes
UrkSteiermSt
1,175
(a. 1307);
Wilhartingen git man aine lageln nvsse UrbBayÄ
987
MWB 3,2 829,27; Bearbeiter: Tao
lægeler
stM.
‘Bötticher’ (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 526.), nur als
Bestandteil von Personenbezeichnungen:
Libman der legler, Chunrat Raûzman, Jacob der Spiegel, burgerê ze Frisach
UrkCorp (WMU)
N658,35;
jch Chvͤntzel der lêglêr ebd.
933,40;
Johannes der legeller ebd.
1371,36
MWB 3,2 830,13; Bearbeiter: Tao
lægellêhen
st.N.
Lehen, für das urspr. in → lâgele bemessene Abgaben zu erbringen waren (DRW
8, 284):
ein lægellehen daz ængerle [...],
[...] tria savmlehen in Jgels UrkCorp
(WMU)
193,3
MWB 3,2 830,19; Bearbeiter: Tao
lâgellîn
stN.
Pl. auch lægelliu.
‘kleines Gefäß’
toͮ ez [das Pulver] in ein
lagilli Ipocr
201;
ein lægelîn, / dar inn was edel, guot wîn
EnikWchr
4243.
4272;
er nam ob im ein lægelîn [Wasserkrug, vgl.
scyphum aquae I Sm 26,12] , /
[...] sîn swert und sîn sper ebd.
10787.
10803;
do hiez er sin hêr dc si ieriu laͤgelliu [vgl.
hydrias Idc 7,20] zerscluͤgen
PrSchw
2,94;
Helfferich ime den stegereiff hielt. / spise reine, guͦten win, / ein
flesche und ein logellin / wart húnder in gebunden VirgH
252,2;
ich send dir auch ein legelein mit pulver HvNördlBrf
44,47
MWB 3,2 830,23; Bearbeiter: Tao
lâgen
swV.
lôg-
NvJer
7756.
22821.
1
‘(auf)lauern, nachstellen’ , mit Gen., Dat. oder abhänigem Nebensatz
(selten) 1.1 in engerem Sinne 1.1.1 allg. 1.1.2 von jagenden Tieren 1.1.3 spez. ‘einem Tier/ jmdm. eine Falle stellen’
1.2 in weiterem Sinne 1.2.1 allg. 1.2.2 jmds. houbtes ~
‘jmdm. nach dem Leben trachten’
1.2.3
‘mit etw. (nomen actionis) zusetzen, bedrängen’ , mit Tendenz zur Umschreibung 1.2.4
‘jmdn. beobachten, ihm auf die Finger sehen’
2
‘nach etw. trachten, streben, sein Augenmerk auf etw. (vereinzelt: jmdn.)
richten’
2.1 mit Gen. oder Dat. 2.2 mit Gen. (als Korrelat) und indirektem Fragesatz 2.3 mit Nebensatz 2.4 mit Gen. d. P. und Inf. mit ze
1
‘(auf)lauern, nachstellen’, mit Gen., Dat. oder abhänigem Nebensatz
(selten)
1.1
in engerem Sinne
1.1.1
allg.:
– mit Gen.:
er hiez des kuniges vâren, / ze allen zîten
lâgen, / wâ si in begriffen, / haimlîchen erslichen Kchr
6124;
das sîn die Britûne / lâgeten aller tegelîch GFrau
809;
in rechtl. Kontext:
swer des andern lagot und in an der lage uͥbel handelot mit
dhainerhande sache, der muͦz gen ze besserung an die stat zehen
schilling StRRavensb
104,24.
– mit Dat.:
wî er sînen vîanden lâgen solde, / di er danne
untwirken wolde SAlex
241;
swie si zeimal an siner vart / im lageten uf sinen tot Pass
III
435,79;
dî brûdere dannen zogeten / und den Littouwen
lôgeten, / dî sich nâch in dâ wûgen, / und ir wol zwênzic slûgen
NvJer
22821;
do lageden eme de Romere / ind veyngen den grossen heren / umb er
groesser boeszheit Karlmeinet
323,2;
auff mer und auff lande / lagte man dem weygand
HvNstAp
888.
– nicht eindeutig, ob Dat. oder Gen.:
dû lâgest [vgl.
insidiaberis Gn 3,15] ire versene daz
tû sie megest gehecchen Gen
412
– ohne Obj.:
sîn volc und sîn gesinde / daz lâget unde lûzet,
/ ez loschet unde tûzet, / ez forschet unde frâget vil
KvWTroj
24701
1.1.2
von jagenden Tieren:
sô sitzt der trach verr her dan und lâgt, ob kain
taub auz dem paum vlieg, daz er si vâh BdN
180,21;
daz seineu [des
Falken] augen zwainhundert augen gleich kreftig sint mit
erkennen. er lâgt dem raub vleizicleichen, der nâch im ist gegen seinem ruck
ebd.
188,7.
163,27.
182,2
u.ö.
– in Vergleichen:
alse dise vogele den vischin lâgint, daz sie sie
virslinden, alsô lâgint die tûvele den sêlen PrMd (J)
340,29;
bi dem wien [Weih] sint bezeichent die
valschin und die ungetruͦwen, die ir ebinchristen vorratint, also
der wie den kuͦchin tuͦt, den er lagit, biz er sie
begrifit und vorsluͦchit PrLpz
136,23
1.1.3
spez. ‘einem Tier/ jmdm. eine Falle stellen’
Reinharte do gelaget was, / sin neve do mit not genas
ReinFu
K,1697;
[Marke hat Tristan eine Wolfsfalle gestellt]
Tristrant enwuste nicht der mêre, / daz im alsus gelâgit wêre Eilh
(L)
5316.
–
‘ein Tier umstellen’ (?):
wen der man vint den lewin in dem walde,
[...] so louft der eyne
[Jagdhund] den lewin an bi den
hessin [
hehsen
] und bisit
yn, der andir bisit den lewin an vorne, so ist der man do und schuzit yn
czu der sitin. [...] wen das der lewe siet das
ym so gelogit [
leo &pp; se videns &pp;
circumseptum
] ist, so
[...]
MarcoPolo
38,21.
–
‘anlocken’, in einem Vergleich:
nû sich daz er [Gott dem
Teufel] dir iht tuo / als der den angel wâget, / dem
grôzen vische lâget KvHeimUrst
1790
(zum Bild des geköderten Leviathan vgl. Anm.z.St.)
1.2
in weiterem Sinne
1.2.1
allg.:
da huten si sein, da lacten si im und namen vil
vlizzichlichen war, ob er dehein zaichen tæte an dem samtztage
PrOberalt
164,19.
164,32;
EvAug
165,9
(Lc 11,54);
(subst. Part.Präs.:)
vorborgenlîchen santen si lâgende
[
insidiatores
] , di sich
gerecht glîseten, ûf daz si en gevîngen in der rede EvBeh
Lc 20,20;
wes Vnglúck lagt, / dem músz vngeholffen sin
Krone
26604
(vgl. TPMA 11,88f.);
ein wunder wont dem hove bi mit wunderlichen sitten: / mit pfauen
schritten / und mit menschen tritten / kan es lagen, losen, bitten
Marner (W)
7:16,18;
ich mûz mich vor den hûten baz, / die mîn mit worten lâgen / und mîner
lêre sint gehaz SSp (W)
Reimvorr. 30;
(Part.Präs.:)
dem [
zwîvel
] gât
si [
liebe
] lâgende nâch
Tr
13838.
– oft vom Teufel:
nidich was der ualant dem mennischen do er uant / ze got uolle
genade, er [der Teufel] begunde im uaste
lagen GenM
12,22;
unser veint des wir niht muͤgen gesehen,
der laget uns ze allen ziten, wa er uns verlaiten und gevellen
muͤge PrOberalt
66,14.
94,11;
Eckh
5: 110,3;
PrLpz
17,28;
LambGeb
A,36;
BdN
182,4
1.2.2
jmds. houbtes ~
‘jmdm. nach dem Leben trachten’
alle, die Davites houbtes lâgeten
StatDtOrd
25,1;
do stuent wol der trache, / Cristes widersache, /
[...] lagende sime libe / Cristes
HeslApk
17100
1.2.3
‘mit etw. (nomen actionis) zusetzen, bedrängen’, mit
Tendenz zur Umschreibung:
nû trat ouch zû der brûdre her /
[...] unde begondin swinde lôgin / der burc mit
sturme harte NvJer
7756;
furbas gedorsten sie mit fragen / an keinen dingen
sin gelagen [
amplius non audebant eum quicquam
interrogare Lc 20,40]
EvStPaul
9825;
hast du dan frage, / wer dir mit griffe hie gelage?
[vgl. quis me tetigit Mc 5,31]
ebd.
3129;
ich wil met lere eme lagen / und also strengeclichen
settzen zuͦ / das er sal haben selden ruͦ MinneR
481
400
1.2.4
‘jmdn. beobachten, ihm auf die Finger sehen’
zem ersten begonde er vragen / den pristern sêre lagen
/ ob sie mit rehter lere / stuͦnden ze des livͦtes kere
Albert
741
2
‘nach etw. trachten, streben, sein Augenmerk auf etw. (vereinzelt: jmdn.)
richten’
2.1
mit Gen. oder Dat.:
wie man dem schatze muge gelâgen Erinn
402;
ich wil guote lâgen StrAmis
1575;
wie sú
der [weltlichen] minne gelagetin
Seuse
375,27;
recht wurde lîchte bescheiden, ne wêre der sô vele nicht, die unrechtes
lâget [3. Pl.] , unde unrechte dût
durch iren vromen, unde daz se danne zu rechte secget [für Recht
ausgeben]
SSp
243,19.
–
des hiesz sie mynne [Subj.] lagen
Krone
26397;
ern wolde niht ir hulde lâgen LvRegFr
1564;
daz [...] er daz allez
wâgete, / durch daz er dâ gelâgete / des heiles und der stunde, / daz Helenâ
diu blunde / mit im von dannen kæme KvWTroj
20678;
swie vil ich ir hilfe lage WhvÖst
19486.
–
Gawein der lùte wartet, / ob ieman darjnne were, / den hett er dar
nare / vil gern gefraget. / da er also des laget / vnd nyeman vf der
straszen was, / [...]
Krone
12992;
dô kam ein bote (dem was gâch), / der âventiure lâgende, / vorschende
unde frâgende / der endelichen mære, / ob dâ ze hove wære / ein knabe
Dieterich genant KvWEngelh
1273;
wir suln der mære vrâgen / und der wârheit lâgen
Schlegel
729;
gang in dynen grunt und prufe, was das sy, das dich
aller meiste hyndert, [...] dem lage und den steyn
wirff in des Rynes grunt Seuse
517,7.
–
do begonde in der werlte betragen / deme himelriche
sere lagen Albert
1208;
wan er [Christus] hât mêr
gelâget unserre minne dan unsern werken Eckh
5: 253,11.
5: 296,7;
‘waz sol ich gudes dun, daz ich / daz ewige
leben ziehe an mich?’ / er [Jesus] sprach:
‘wes mahte du mich gefragen / von gude? wilt du dem gelagen
[...]’ EvStPaul
356.
– mit Gen.d.P. (?):
ein trûtgeselle ist bezzer danne vil unholder mâge; /
dâvon du flîzeclichen des mit dînem dienste lâge, / der sich bî dir wâge, /
sô dich die sorge al umbegraben KvWLd
32,141
(vgl. TPMA 4,60);
– von Tieren:
der wise slange [...], / so er von altir
traget, / daz er danne laget [sucht] / einis
lochis enge, / da er siv [l. sich
] dur
pfrenge / vnd lat abe den sinen slvh Martina
45,110;
der per lâget der peinväzzer
[Bienenkörbe] durch des honigs willen
BdN
163,8
2.2
mit Gen. (als Korrelat) und indirektem Fragesatz:
des lagete er vurbaz mere, / wi er mit hoen sachen /
mochte gar geswachen / Petrum Pass I/II (HSW)
20368;
als ob er [Gott]
[...] des aleine warte [La.
lage
] , in welhem wege er eine ieglîche sêle
aller beste ze sich geziehen müge Eckh
4:85,12;
sie [...] namen
siner [Jesu] lere war / durch argen willen
[...], / wand ir hezlicher geist / lagete siner
warheit [oder Dat.?] , / ob si dran eine valscheit
/ indert liechte vunden Pass I/II (HSW)
5199
2.3
mit Nebensatz:
der tiuvel laget / wie er den menshen gewinne
Rennew
4298.
–
so mag nieman
gelagen [erreichen] / daz er diu
wunder [die Zauber] breche
WhvÖst
11462
2.4
mit Gen. d. P. und Inf. mit ze:
swes herze mîn ze schaden doch wil lâgen, / dâ enkan mîn
guoter wille volleklîchen niemer werden bî SM:WvT
5: 1,5
MWB 3,2 830,35; Bearbeiter: Tao
lâgestein
stM.
Ansatz unsicher, vgl. →
laststein
und lazstein (EnWB, S. 261); wohl
Entlehnung aus dem Rom. (ital. laccio, afrz. laz < lat.
laqueus
‘Schlinge’) und lage- eine Fehldeutung (vgl. Frings/ Schieb in
der Anm. z. En (F/ S)
6938).
–
‘großer, schwerer Stein’
ob dem tôr sach man nu lân / grôze steine hin ze tal. / der swære
krefteclîche val / mangem dô sîn sterben bôt. / [...] dô
der grôzen risen în / aber vil bekâmen, / die ûf dem turne nâmen / lâgestein und
valletor Reinfr
25703
(vgl. Anm.z.St.: „oder vielmehr lâzstein”)
MWB 3,2 832,61; Bearbeiter: Tao
lâgstæte
Adj.
‘beständig auf der Lauer liegend’
in der erestvn stillin erkandon die mennesgen nieht nieweder die svnde, die sie
getan haton, noch den lâgstaten tot, der uf in lag PrWack
11,81
MWB 3,2 833,8; Bearbeiter: Tao
lâgunge
stF.
‘Nachstellung’
der übeln geiste lâgunge / sâ die frouwen schunde, / daz sie die trügenetze /
für in wolde setzen, / daz er mit sünden liefe / in die gruobe tiefe
LBarl
12634;
tuͦnt an die woffene gotz, daz ir múgent
widerston wider die logunge des túfels [
ut possitis stare
adversus insidias diaboli Eph 6,11]
Tauler
403,17
MWB 3,2 833,12; Bearbeiter: Tao
lâhe
stF.
→
lâche
MWB 3,2 833,19;
Lahrein
stM.
Pl. Lahreine [: sarcsteine].
‘Lothringer’ (s.a.
Lutringære
):
vaste ûf der slâ Nanzei / schrîten Lahreine
["Nancy" brüllten die Lothringer]
Wh
437,19;
als Ländername:
der herzoge von Lahrein ebd.
126,15;
ze Flandern vnd ze Lohrein Krone
2959
MWB 3,2 833,20; Bearbeiter: Richter
lahs
stswM.
‘Lachs’
esox: lahs [La. lahse
]
SummHeinr
1:156,592.
2:63,175.
2:282,202;
weitere Glossenbelege des 12. bis 14. Jh.s s. AWB 5,596;
der see trug güt vische: / [...]
salmen und lamperden, / hechten und pabeden, / [...]
vorhen, goras und äschen, / roten visch und lachsen, / sturen
[...]
HvNstAp
18048;
diz ist ein guͦt spise von eime lahs
BvgSp
19;
also mahtu auch machen morchen von hecheden vnd von lehsen
ebd.
23
MWB 3,2 833,26; Bearbeiter: Tao
lahsvörhen
stF.
‘Lachsforelle’
guter visch sint da vil, / hechten, salmen ane zil, / lax
vörchen, sturen, rut visch HvNstAp
8888
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 3,2 833,35; Bearbeiter: Tao
lahter
stN.
‘Lachen, Gelächter’
1 in gutem Sinne 2 in schlechtem Sinne 3 in christl. Wertung 4 als Wirkung einer Giftpflanze
1
in gutem Sinne:
der trôst mich ie ze lahter twanc HartmKlage (G)
1719;
hie wart ein michel lahter van Tr
3371;
und begunden hier under / vil schimpfen unde lachen / und
michel lahter machen / von sîner verte in Îrlant ebd.
8240
2
in schlechtem Sinne:
der ne wolde niht spoten, / ime was daz lahter niht lib
VMos
14,10
(vgl. Gn 9,20ff.);
worden bir wir [...] ze lahter unde ze spote
[interl. zu: facti sumus [...]
subsannatio et illusio
]
PsM
78,4;
niht in goukel noch in schimpfe sol man toufen, alsô wenne ein kint ze
priesters handen niht komen mac und ez junge liute touften in gespötte und in
lachter PrBerth
1:298,11;
da [in der Hölle] der wirt lachit, /
da [l. daz?] alle frovde swachit / vnd da
enbleckit sine zene. / nach dem lahter ich niht sene Martina
71,106
3
in christl. Wertung:
alle bvͤbenie vnd ietel wort vnd darvon man ze lather
braht wirt, daz weren wir SpitEich
25,6;
vppigu wort dv lahtre sich gevuͦgen vnde
glîchen [
verba vana aut risui apta
] dv
solt nvt redon. noh insolt nvt minnon vil lachen. vnde lv̂tpers lahtir solt
mîdin [
risum multum aut excussum non
amare
]
BrEng
4.
6
u.ö.;
BrZw
7;
schimpf und lachter si [Maria]
vermaid / gar erlich und alle uppekait WernhMl
1105;
nv hoͤret, wie ez ein ende nimt, / daz iv nu zelahter wol gezimt
Warnung
1912;
dv zwelfte [Sünde] ist vnmezig lachter
Bihteb
34
4
als Wirkung einer Giftpflanze:
ein krût ouh in dem lande wirt / das sin vruht also gebirt: /
swer sin selbis so virgizzit / das ers dekeinest [jemals]
izzit, / der wirt zehant so gemmelich / das er ze tode lachet sih / und in dem
lachter stirbit sa RvEWchr
2990
MWB 3,2 833,38; Bearbeiter: Tao
lahterbære
Adj.
‘zum Lachen reizend’
v̈ppigew wort vnd lächterberiv [
verba vana
aut risui apta
] nicht reden, vil lachters oder auzgeschüttes
lachter niht minnen BrAlt
4
MWB 3,2 834,7; Bearbeiter: Tao
lahterlîch
Adv.
s.a.
lehterlich
.
‘mit Lachen’
guldin ring und fingerlin / sach ich an handen schowen / baydi man und frowen /
und dar zu reden lachterlich MinneR 439
521
MWB 3,2 834,11; Bearbeiter: Tao
lakeritze, lekritze
swstF.
auch lackericie, lacaricie, laqricia, laquiricia, laquariz,
lekwaritze;
aus mlat. liquiricia, liquiritia, laquiricia (Pfeifer, EtymWB, S.
761).
–
‘Süßholz’ (Glycyrrhiza glabra L., vgl. Marzell 2,724ff.; s.a. →
süeʒholz
stN.):
dar nach mache ein pulver von lackeritze
SalArz
43,46;
vnde gip im zu trinkene wazzer, da gerste vnde lackeritze
inne gesotin si ebd.
44,5;
liquiritia heizet laqricia unde ist heizer nature unde
vuchter Macer
89,1;
laquiricia ebd.
17,23;
die lekwaritze [Akk.]
Barth (H)
479;
lacaricien twe lot OvBaierl
124,7.
91,22;
daz himelprôt [...], daz wirt oft
gevelscht mit honig, oft mit lekritzen, diu gepulvert ist BdN
91,1;
das [damit] der wyn, der do suwir
ist odir bittir, smecke suze, so gebin si [Betrüger] yn
lackericie odir nusse odir aldin kese wol gesalczen czu essin Pelzb
137,25;
brenget auch ein gast unbeslagin gwt in seckin alse seife unde alune unde
komil unde lakericze UrkBresl
114
(a. 1327);
laquariz StRPrag
62
MWB 3,2 834,15; Bearbeiter: Tao
lakritzenpulver
stN.
‘zu Pulver zermahlenes Süßholz’
wer den pulver nimt und venichlrinden und zukker und weizen
mâgen und arabischen zaher und lekritzenpulver und zestœzt die wol mit
enander BdN
376,8
MWB 3,2 834,35; Bearbeiter: Tao
lakritzenzahersaf
stN.
‘Süßholzsaft’
für die dürren der prust mache diapapaveron, daz ist ain
electuari gemacht auz mâgensâmen und auz lakritzenzahersaf, daz man süezholz haizt,
und von arabischem zaher [...] und von tragant
BdN
414,16
MWB 3,2 834,40; Bearbeiter: Tao
lallen, lellen
swV.
‘undeutlich sprechen, lallen’
wenne daz houbet von dem buche schit. / an der scheidunge /
lellete die zvnge Herb
7552;
sô manige gezzent und getrinkent, / daz si mit den vingern winkent / und mit
der zungen lallent / und einhalp hin vallent Renner
9669;
nu tuot daz trinken im sô wol, / von dem diu zunge lît gequollen / in dem
munde und ist geswollen, / daz si sich niht geregen mac: / sus lellet er biz an den
tac ebd.
10560;
slotern, smetern, snarren, kallen, / snappen, klaffen, lellen, snallen /
heizet man hofelichez tihten, / der ez gerne wil vernihten ebd.
16232.
–
sô gêt er [
der nîder
] snarren durch den
tac / von jenem hin ze disem her / und lallet [La.
chlaffet
] wie diser lebe und der / und wie ungetriuwe
jener sî, / und er ist niht selber wandels frî Renner
14394
MWB 3,2 834,45; Bearbeiter: Tao
lam
Adj.
alem. lan (
SM:Ga
1: 1,4;
Cäc
498
).
‘lahm, gelähmt, verkrüppelt; schwach’
1 eigentl. 1.1 ohne weitere Bestimmung 1.1.1 bezogen auf Personen; attr. 1.1.2 bezogen auf Tiere 1.1.3 bezogen auf Körperglieder, -teile 1.2 mit Präp. oder Gen. 2 übertr. 2.1 ohne weitere Bestimmung 2.2 mit Präp. ( an , vereinzelt ze ) 2.3 mit Gen.
1
eigentl.
1.1
ohne weitere Bestimmung
1.1.1
bezogen auf Personen; attr.:
da uant her einen lamen man, / ce samene gewahsan: /
deme waren die bein crump / vn̄ sine arme ungesunt
Ägidius
1472;
Titurel [der an Fußgicht leidet, vgl.
501,26f.]
[...], / der alte betterise lam Parz
813,16;
[der Gott Vulkan] was lam RvEBarl
10063
(vgl.
ebd.
10060
s.u. 1.2);
lame lûte suln ouch antwerten und clagen âne vormunden, ez sî, daz die
clage zu kamphe gê SSp (W)
1:48,2;
SpdtL
139,4;
lamen man und miselsîchen man [...] den en
mûz man nicht zu künge kiesen SSp (W)
3:54,3;
SchwSp (W)
102,14;
von einer lamen juncfrouwen. / [...] di was
vorkrummet an den bein Köditz
70,25.
– (halb-)präd.:
manigen er des gewerte, / swelcher im zv quam, /
daz er bleip tot oder lam Herb
5037;
er sluc [...] dem pherde
an den schenkel, / dem ritter durch daz bein. / er gemachte in zwein, /
daz sie bi der erden / lam mvsten werden ebd.
9066;
swaer den andern wundet unde wirt er lam von der
wunden StRAugsb
115,11.
115,26;
swelhen er ane quam, / den machte er tot oder lam
Herb
8864;
maniger, der gesunder glider / hin zuo geriten
kam, / der wart dâ gemacht lam / von manigem hertem stôz, / sô gar wart
der gedranc grôz Ottok
73328;
daz swert [...], / dâ mit er gevellet het
tôt unde lam Loheng
5642;
ez ist dir gvet zv dem leben inzegan hinkend oder
lamer [
bonum tibi est ad vitam ingredi debilem vel
clodum Mt 18,8] , dann zwen hende oder zwen
füzz habenten gesant in daz hellisch fivr EvAug
42,6;
crank odir lam EvBeh
Mt 18,8.
– subst.:
du [Gott] fromes gerecht
vnde krumb, / vnde witzic vnde tumb, / vnde gesunt vnde lam
Litan
73;
[scherzhaft, iron.] du springst sô daz dir die
lamen / möhten niht gevolgen Wh
148,24;
er [Jesus] hât den lamen schône ir lider
/ gesunt gemachet unde sleht KvWSilv
4888;
di blinden sehin, di lamen wanderen EvBeh
Mt 11,5;
EvBerl
2,10;
EvAug
22,20.
36,19
(Mt 15,30);
do gyngen czu ym dy blynden unde lamen, dy machte
her gesunt EvBerl
22,9
(Mt 21,14);
Eckh
1:339,1.
1:352,4;
Tauler
353,24;
WernhMl
7282
1.1.2
bezogen auf Tiere:
ez [Pferd] was niht lam, /
ergurret mager noch ze cranc UvZLanz
1454;
den lewen macht er dô lam, / daz er des slages
verzagete ebd.
1974;
blîbet aber ein vihe tôt oder lam von eines mannes schulden SSp
(W)
3:48,3
1.1.3
bezogen auf Körperglieder, -teile:
sol got haben ein lamez bein
[...] ? RvEBarl
10067;
alse etlich mensche, der hat ein lame hant oder ein
dürrü hant ThvASu
222,8;
strak und dúrre wart ir arn / und och ir hant
vil balde lam WernhMl
2679;
din zunge diu wirt lam FvSonnenburg
37,10
1.2
mit Präp. oder Gen.:
– bezogen auf Körperglieder:
er was an einem beine lam RvEBarl
10060;
an ieglîchem beine / wünsch ich in lam, die man dâ nennet spotten
Hadam
306,4;
er muͤste iemer mere wesin / ze gende an
beidin fuͤzen lam: / den schaden er andem valle nam
RvEWchr
27581;
Köditz
79,21;
an handen, an füezen werd er lam, / an armen, an beinen
alsam EnikWchr
115.
– bezogen auf andere Körperteile bzw. den ganzen Körper:
her [Apoplektiker] wert
tohant an eyner syden tot vnde lam OvBaierl
88,7;
in den lendin lam SalArz
24,50;
[
Cundrîe
] in dem munde niht diu lame
Parz
312,28;
ze redenne hilfet kunst noch list, / swer lam an der zungen ist
Freid
126,18;
unz her an dise zit / bin an dem lip sit /
lam [wie gelähmt, schwach] und ungesunt
gewesen RvEWh
13535.
– vereinzelt bezogen auf das Augenlicht, mit Gen.:
seines gesichtz ward er lam [schwach] , /
unnd kund nichtz mer gesechen FrSchw
250
2
übertr.
2.1
ohne weitere Bestimmung:
mîn tôtiu vreude, niht diu lame, / ime herzen ist
verswunden Wh
455,18;
o ich unselig lammer hunt, ich
húlze [hinke] oͮch mit dir
Mechth
4: 1,7;
diu selbe hôchzît was lam / bî [im Vergleich
mit] der Lemberslindes Helmbr
1480;
so daz der eit ist worden lam MarLegPass
22,309;
da von ir viende lob vil lamer [Komp.] / wart
Martina
50,14;
swes werc sin lam Meissner
4:5,13;
sin leben, daz nu ist vil lame [vernichtet]
Pass III
87,84;
bewart ouch uch [...] / vor der
girekeite stam, / di manige tugent machet lam Pass I/II (HSW)
28956;
ir vröude diu was worden lam RuprvWü
651;
ir hôchgemüete daz wart lam: / si zurnt und wart vil gar unfrô
UvLFrd
418,18;
nu bist du in den schanden lam [gemeint: die Schande lähmt
dich (FrlWB, S.203)]
Frl
11:9,14;
ewer triwe was ie gegen im lam GvJudenb
1677
2.2
mit Präp. (an, vereinzelt ze):
an êren lam / ist gar ir nam SM:Gl
1: 5,8;
sîn vreude was an kreften lam Wh
112,20;
mîner vrouwen êre / diust an allen liden lam / unde strûchet sêre
Neidh
WL 28:5,2;
dem kargen ist manic mensche gram, / üm daz sîn hant an milte ist lam
Renner
8220;
an hôhem muote lam Parz
237,8;
wan du [Maria] were ein
volgemachet mensche von gotte in aller vroͤwelicher nature und an aller
megtlicher schoͤpffenisse, und du were nit lam [behindert
(Vollmann-Profe, Mechth., S. 167)] an diner nature, das machet
din alte lange kúscheit vor gotte edel und túre
Mechth
3: 4,8;
ach sunder, an der selen lam! HvNstGZ
6658;
hin, übermut, an selden lam Frl
5:41,17;
daz machet dich an selden lam Wartb (H)
407:2,8;
an tugenden was er lam Renner
1365;
Vät
4074;
an den zühten niender lam KLD: VdK
2:3,7;
ouch was der herre Bertram / zaller bosheit lam / und zaller vrumekeite
snel RuprvWü
61.
– oft an vröuden ~
:
diu [
vrouwe
] was
dâ vor an freuden lam Parz
125,14.
505,10;
von sime tode wurden lam / an vræuden hoch
gemuͦtiu wip Rennew
30534.
13334;
Minneb
1863;
RvEWh
10430;
LivlChr
1208;
wol dir, wîp [...]; / wan dîn güete
[wenn deine Güte nicht wäre] ,
[...] minne diust an fröiden schiere lam
KLD: KvK
4:3,4;
des ist min pris an vræuden lam
Rennew
30690;
des ist min muͦt an vræuden lam ebd.
35260
2.3
mit Gen.:
der bâbst was worden gewaltes lam [verlustig,
beraubt]
Loheng
7482;
ein herze frumes muotes lam Helbl
2,432;
der wonne / wer reynem wijbe verbonne, / [...]
den tüt got salden lam Krone
26411;
daz dî cristinheit / wêre wurdin sigis lam / und ir sêlin
allintsam, / der lîchame lêgin tôt NvJer
11239;
mich irbarmet, / daz ir lib ist uzwendich riche / unde inerthalb arm unde
lam / der tugent Rumelant (K)
7:4,7
MWB 3,2 834,62; Bearbeiter: Tao |