diep-
s.a.
diub─
und diup-
MWB 1 1289,4;
diepboum
stM.
‘Baum, an den Diebe gehängt werden’
apud arborem dictam diepboum DRW
2,806
(Würdtwein,Schönau; a. 1293)
MWB 1 1289,5; Bearbeiter: Diehl
diepgehiuʒe
stN.
‘Lärm oder Frechheit von Dieben’
daz criuze ein rigel ist in dem hus, / daz die tür bevestet wol vor allem
diepgehiuze Frl
2:19,7
MWB 1 1289,8; Bearbeiter: Diehl
diepgeselle
swM.
‘jmd., der mit Dieben gemeinsame Sache macht’
zwelf diep gesellen, / die den mort da stiften Rennew
9746;
dine vursten sint ungetruwe dibgesellen [
socii
furum
] . alle haben si gobe lieb, sie volgen widirgelde
Cranc
Jes 1,23;
wiert auch der sun ein diep oder diepez gesel [...],
so hat er nimer tail an seines vaters guet StRBrünn
401
MWB 1 1289,11; Bearbeiter: Diehl
diephaftec
Adj.
‘aus einem Diebstahl stammend’
es geit ein diup sein diuphaftiges guot zu chalten
[Aufbewahren] einem manne RbRupr
100.
– rechtl. differenzierend in der Paarformel:
diuphaftiges oder raupiges guot RbRupr
128
u.ö.
MWB 1 1289,19; Bearbeiter: Diehl
diepheit
stF.
1
‘Diebstahl’
2
‘diebisches Verhalten’
3
‘Diebesgut’
1
‘Diebstahl’
offenlichiu diepheit ist daz: ob ein diep kumt nahtes oder tages in ein hus
[...] unde stilt da swaz da ist, unde wirt begriffen
mit dem gute e daz er ez verberge DRW
2,818
(Schwsp.[R.]);
StRAugsb
96,8;
HvNstGZ
5179;
vil kunstriche diebe waren si, die solcher diepheit pflagen JTit
2455,2;
dy da helent, wer diephait treibt, die sint mit in in einen schulden
Teichn
688,58.
– rechtl. differenzierend in der Paarformel:
man sol allen raup und diupheit zwîfalte gelten
SpdtL
118,18
u.ö.;
PrBerth
1:16,5
2
‘diebisches Verhalten’
swie vil Âgez der diepheit kan, / mînes lieben vriundes kan er mir niht stelen
hin dan RvZw
174,4;
si swuoren triu und eide, / daz si unschuldic wæren. / er sprach: ich wil
bewæren / iuwer reht diupheit EnikWchr
6001;
Teichn
670,69
3
‘Diebesgut’
wirt diepheit bi im begriffen, vnd wil man in lan genesen, er sol zwivalt
gelten SchwSp
94a;
hat er [der Dieb] aigen guet, mit dem schol man di
diephait czwivoltig gelten StRBrünn
399
MWB 1 1289,24; Bearbeiter: Diehl
diephûs
stN.
‘befestigtes Haus (Burg) von (adeligen) Räubern, Raubnest’
mîn herre grôzen schaden hât; / dem gunt, daz er sich reche, / diu diuphiuser
breche, / diu mit urliug er gewan / gar unrehten liuten an, / die ir bôsheit niht
helnt, / tages roubent, nahtes stelnt Helbl
15,820
MWB 1 1289,45; Bearbeiter: Diehl
diep|îsen
stN.
‘von Dieben benutztes Brecheisen’
Ellegast frogete den kōnig mere, / wo sin brech-yßen were. / der kōnig sprach:
‘mich jagete deß kōniges helden sin; / min dyeb-yßen viel my in den Rin’
KarlElegast
489
MWB 1 1289,51; Bearbeiter: Diehl
diepkamerære
stM.
hier -kamere (Haplologie).
‘Verwalter, Bewahrer von Diebesgut; Hehler’
sprichit dan die man: ich offini iu mine vier wende, dinni zu
suchini, suaz die diep heribracht heit· [...] unde wirt iz
bin des dinne vundin· daz uz di richteri dinne bisiet· so is he ein diepcamiri
Mühlh
159,16
MWB 1 1289,56; Bearbeiter: Diehl
diepkamere
stF.
→
diepkamerære
MWB 1 1289,63;
diepkutte
swF.
Kleidungsstück, das wegen seiner weiten Ärmel zum Verbergen von Diebesbeute
geeignet ist (zu Prunkärmeln vgl. Schultz, Höf. Leben 1,253ff.):
sumelîche pflegent / sô wunderlîcher spaldenier [Waffenrock unter
der Rüstung] : / an einem ermel hæten vier / ze rehtem wâpenroc
genuoc. / [...] / ez ensint niht spaldenier - / man sol daz
gelouben mier - / es ist anders genant: / der tiuvel hât sie her gesant / ûz sîner
helle sutten / und heizent diupkutten Helbl
1,206 (
vgl.
die kuttenwît ermel tragen ebd.
8,453 )
MWB 1 1290,1; Bearbeiter: Diehl
dieplêhen
stN.
Lehen, dessen dienest u.a. in der sicheren Verwahrung von Dieben
bestand:
ibidem [Hallstadt bei Bamberg] est unum feodum
dictum dieplehen [...] huius officium est captos et
maleficos sub firma custodia conservare RbHohenlohe
43
MWB 1 1290,12; Bearbeiter: Diehl
dieplich
Adj., Adv.
adv. auch -lichen.
1
‘diebisch, auf diebische Weise’
2
‘heimlich, verborgen’
1
‘diebisch, auf diebische Weise’
daz ez sin waere unz an die zit daz ez im diuplich verstoln
wurde StRAugsb
97,20;
swer mit sinne valsch kan üeben / als ein dieplich nâchgebûr
KvWLd
20,16.
– rechtl. differenzierend in der Paarformel:
wer dem ander sin tuͤr ufstoͤzzet
[...] oder ander sin guͦt nimt, raublich
oder dieplich, frevelich oder mit gewalt, bi naht oder bi tage,
[...] der sol die stat rumen WüP
40,3.
–
~ guot
‘gestohlenes Gut’
swer witzentlige roup coufet oder dublich guͦt UrkCorp (WMU)
494,14;
swâ der man sînem diuplîch oder raubigem guote zuokumet,
man sol ez im wider geben âne schaden SpdtL
125,8
2
‘heimlich, verborgen’
do strakt sich der wolf nider / unde sach do dieplich her
wider / recht als der pfaffe under der banc StrKD
58(H),280.
166,107;
nu seht, der bose dieb, / wie duplich er darumme sleich Pass III
388,31;
wan ich duplich von dannen streich Vät
15992;
der gotliche schin [...] sal durchflizin und
durchluchten der sele fornuftikeit und reinigen von allime dinstirnisse der
duplichin valscheit Parad
22,19
MWB 1 1290,18; Bearbeiter: Diehl
diepmeil
stN.
‘Brandmal wegen eines Diebstahls’
[es] stêt an dem richter und an den purgern, ob si im den
tôt tuon dar um oder ob si in ander diuf mail anlegen RbRupr
122.
126
MWB 1 1290,41; Bearbeiter: Diehl
dieprouben (?)
swV.
‘rauben’
swer tusent marke roubet [Hs. dieb
roubet
] , unde mordet, unde stilt Rumelant
3,64b
MWB 1 1290,45; Bearbeiter: Diehl
diepsac
stM.
‘Sack zum Transport von Diebesgut’
her eyn dyp waz unde by ym hatte vil dip secke
[
loculos
] dor ynne her truk waz man en
allen gab EvBerl
53,1
MWB 1 1290,48; Bearbeiter: Diehl
diepscherge
swM.
‘städt. Gerichtsbediensteter, Büttel’
chaufet ein man ein ros oder ein rind, daz geraubt ist, und er enwaiz nicht
darumb, und wirt darnach in seiner gewalt vervangen, so schol sich der deupscherig
desselben underwinden auf ir paider recht StRWien
75
MWB 1 1290,52; Bearbeiter: Diehl
diepseckelîn
stN.
Dimin. zu diepsac:
dû tuost eht als Jûdas. dô dem got aller meiste predigete und zeichen tete, dô
machte er sîniu diepseckelîn und truoc eht heime PrBerth
2:209,10
MWB 1 1290,58; Bearbeiter: Diehl
diepslüʒʒel
stM.
‘Nachschlüssel’
der ist der diepheit schuldig [...] ein smit
[der] mit wissende diep slvͥzzel machet oder
andrvͥ isen dvͥ zvͦ diepheit hœrent SchwSp
105b;
er [
der smit
] sol ouch niemanne machen
diebslüssel Ammenh
10997
MWB 1 1290,62; Bearbeiter: Diehl
diepstîc
stM.
‘heimlicher Weg, Diebespfad’
der reht diemüetic mensch [...] siht sich selben an
vlîzeclîchen und erluoget eineclîchen aller sîner untugende diepstîge DvASchr
331,25
MWB 1 1291,3; Bearbeiter: Diehl
diepstoc
stM.
‘Strafblock, Pranger’
cippus: diepstok VocOpt
30.016;
cippus: diepstog VocClos
Ci99
MWB 1 1291,7; Bearbeiter: Diehl
dierne
stswF.
1
‘(unfreie) Dienerin, Magd’
2
‘junge Frau’
3
‘Dirne, Prostituierte’
1
‘(unfreie) Dienerin, Magd’
ancilla: dirna GlHvB
396,59;
ein dirne heizet, di umme sust dinet oder ûffe gnâde; aber ein maget heizet,
di umme lôn dinet und umme kost HvFritzlHl
112,8;
alse sich der hohe fúrste und die kleine dirne alsust
behalsent und vereinet sint Mechth
1: 4,7.
– häufig in der Verbindung knëht und ~
:
er het vm sich / gesament die guͦten / die sines
gebotes hvͦten, / sin diern vnd sin knehte / die im dienten rehte
Wernh
A 4157;
sî mugen ouch lûte, wîp unde man, knehte unde dirnen, zu
êwelicheme rehte besizzen StatDtOrd
30,16;
swer einen kneht oder ein dirne in sinem brot hat UrkCorp (WMU)
3452,9.
– Dienerin Gottes, der Kirche (oft zur Bezeichnung Mariens, v.a. nach Lc
1,38 ancilla dei):
do sprach vnser froͮwe: ‘herre, ich pin din
diern, nach dime wort muͤs ez miͤr ergen.’
Konr
8,30;
duͦ du würds godes muͦder genant, / du
nandes dich gods diͤrn alzehant MarlbRh
61,7;
ein diern gots Suchenw
41,151;
UrkCorp (WMU)
951,6
2
‘junge Frau’
minne, trœsterinne, / sinne, wie ich sender brinne / von der
dirne dîn, / sunder schulde mîn SM:Ro
4: 1,14;
nû was dy muͦme ein wîse wîf. / sy sach der junger dyrnen lîf / noch
kranc noch zart noch linde Yolande
3138;
UrkCorp (WMU)
3183,37.
–
‘(armes) Bauernmädchen’ (offen zu 1):
eine süezze
selderîn [Häuslerin] , / mînes herzen frowen. / eine
dirne, diu nah krûte / gât, die hân ich zeinem trûte / mir erkorn
SM:St
7: 1,5
3
‘Dirne, Prostituierte’
der sines ebenmenschen guͦt / empfacht und unrecht vertuͦt /
mitt dirnen; [...] / die oͮgen sin oͮch im
verblendet KvHelmsd
2145
MWB 1 1291,10; Bearbeiter: Diehl
diernelîn
stN.
Dimin. zu dierne
‘kleines Mädchen’
daz sich daz knäblein wegt in der muoter leib nâch dreien
mônâden und daz dirnlein nâch viern BdN
40,29
u.ö.;
man seit mir ein ungelouplîchez mære, daz ein diernelîn mit einem sî hin wec
geloufen, daz ist niuwer aht jâr alt PrBerth
1:470,3;
herre, was wiltu rechen / an mir armen dirnelein?
HvNstAp
15680.
–
‘junge Dienerin, Magd’ (?):
ein diernelîn, / duͤ ir diende Ammenh
19062
MWB 1 1291,43; Bearbeiter: Diehl
diernkindelîn
stN.
Dimin. zu diernkint, z.T. abschätzig:
diu diernkindel behaltent si pei in BdN
493,6;
in der selben zeit werdent die frawen swanger des kränkern
geslähtes, daz sint dirnkindel ebd.
183,10.
487,36
MWB 1 1291,52; Bearbeiter: Diehl
diernkint
stN.
‘Mädchen’
on der underschait, diu ist in der muoter leib zwischen dem
degenkind und dem diernkind BdN
38,17;
ain fräwlein oder ain dirnkint ebd.
40,6;
disiu nôt ist umbe ein wolgetânez dierenkint; / derne gan ich in niht: dâ
nîdent sî mich umbe Neidh
WL 12:4,8;
daz ich Wolchvnn vnd seiner haussvrowen [...] vnd
seinen chinden, ob si chnechte oder diernchint sint, han verlichen ein gut
UrkCorp (WMU)
3196,17
MWB 1 1291,57; Bearbeiter: Diehl |