dorfwîp
stN.
‘Bäuerin’
rustica: dorfwip VocBV926
3:428,37.
– hier abwertend:
los ûz! ich hœr in der stuben tanzen. / junge man, / tuot iuch dan! / da ist
der dorefwîbe ein michel trünne [Schwarm]
Neidh
WL 4:2,4
MWB 1 1349,27; Bearbeiter: Schnell
dorilote
Interj.
Refrain (aus afrz. dorelot, Refrain in der Chanson):
da ienre stet vnde singet / der is beworren in einer note [mit
einem Lied beschäftigt] / der quit alliz dorilote / ey wes
willekome lieber Frgm1
29
MWB 1 1349,32; Bearbeiter: Schnell
dormentære
stM.
‘Aufseher über die Schlafsäle’
wer do hait das ampt des dormerters
[
dormitarii
] der mach das selbe ampt geben
sime knechte DRW
2,1073
(TrierArch.; 13. Jh.)
MWB 1 1349,37; Bearbeiter: Schnell
dormenter, dormiter
stMN.
auch dormpter, tormitar.
‘Dormitorium, Schlafsaal in einem Kloster’
do ging er mit ir durch den dormter zu allen zellen AdelhLangm
50,27;
daz dritte daz an dem closter ist, daz ist ain dormiter PrGeorg
20,21;
und so man complet gesang, so gieng sy nider und stund denn uff
[...] und bettet denn in dem tormitar Stagel
26,25;
daz sie [
die vroͮwen von
Klingental
] den graben vor irme dormenter wider den Rin
besliezen mit einre mure UrkCorp (WMU)
347,19;
JTit
387,1.
– übertr.:
der dormiter ist ain Götlich hertze PrWack
43,74;
die engel sont die pfleger sin, bihte das waͤschhus,
[...] kúnschi der dormenter, ain rúwigez hertze daz
bette PrGeorg
339,21
MWB 1 1349,41; Bearbeiter: Schnell
dormieren
swV.
‘schlafen’ (aus afrz. dormir):
müeste ich bî der wolgetânen liebiu kint prônieren [aus lat.
progignere oder punieren?] / und eine
ganze naht bî ir dormieren KLD:HvA
2:2,6
MWB 1 1349,56; Bearbeiter: Schnell
dorn
stM.
1
‘Dorn, Pflanzenstachel’
2
‘stachlige Pflanze, Dornbusch, Dorngestrüpp’
3
‘etw. einem Dorn Ähnliches, Stachel, Spitze’
3.1 konkret 3.2 übertr. 4 phras. 4.1 in Paarformeln 4.2 in Wendungen 4.3 im Sprichw. (vgl. TPMA 2, 273-283) 4.3.1 der Dorn sticht (sehr schlimm und schmerzhaft) 4.3.2 man hat doppelten Schaden, wenn man sich am Dorn festhält 4.3.3 Dornbüsche tragen keine Weinbeeren oder Feigen (vgl. Mt 7,16; überw. in Predigten) 4.3.4 man werfe den Samen nicht unter Dornen (Mt 13,7) 4.3.5 man pfropfe nicht Linden auf Dornsträucher 4.3.6 der Dorn gehört zur Rose 4.3.7 Schlehe vom Dorn essen 5 als Bestandteil von Personennamen
1
‘Dorn, Pflanzenstachel’
der paum hât seinen stam vol kurzer weizer dorn oder rœtloter
BdN
316,4;
vil manic dorn / hat mich in den fvz gestochen
ReinFu
K,1892;
ob du wellest, daz ein phil oder ein dorn, der in den menschen
si, uz ge BenRez
9;
Parz
257,8
2
‘stachlige Pflanze, Dornbusch, Dorngestrüpp’
der paum geleicht dem weizen dorn, aber er ist gar vil
grœzer BdN
347,1.
349,6;
dem diu lunge we tu oder diu leber, der nem dornes pletter und
berthram BenRez
2;
do gesach der herre Abraham einen wider chleben under den
dornen bî sinen hornen Spec
102,28;
KvWLd
7,27.
–
‘Zweig eines Dornbuschs’
er hiez die hailigen man / mit hagenen und mit tornen an
slahen Kchr
10925;
der ame kriuze het den dorn / ûf dem houpte zeiner krône
Wh
166,2;
sin [Christi] hobet mit spizzen dornen
gecroͤnet UrkCorp (WMU)
93,1;
Mügeln
165,10
3
‘etw. einem Dorn Ähnliches, Stachel, Spitze’
3.1
konkret:
wizz, daz der igel ain tier ist, daz vil nâtürleicher
dorn auf seinr haut tregt BdN
138,6.
249,2;
JPhys
18,1;
in demo mere ist einez hêizzet serra [ein
Fabeltier] daz hebet vile lange dorne in imo
ÄPhys
10,2;
sî [die Brücke] was beslagen vaste /
[...] / mit îsnînen dornen Tund
752;
diu vrouwe truoc ein vürspan / dâne was niht mê gesmîdes
an / niwan ein dorn guldîn; / dâ mit hafte si ir buosem în Wig
10565.
–
‘Rückgrat’
der dorn, der den rucken zesamen helt, ist auz vil
painen BdN
24,9
3.2
übertr.:
niͤ’n gedruͤgs du
[Maria] der sünden dorn MarlbRh
4,8;
in des fluches dorn / uns warf der grimme raches zorn
Mügeln
115,5;
des engels zorn / das erst geborn / erslug in grimmer
rache dorn ebd.
346,15;
BdN
183,31
4
phras.
4.1
in Paarformeln:
manige hôhe steinwant / steic ich ûf und ze tal; / dorne
und hagen âne zal, / dâ muose ich durchsliefen KvHeimUrst
1910;
Tr
17861;
Rol
9012;
Kchr
6356.
–
durch dorne und durch gedrenge / sô vuor ich allen den
tac Iw
268;
Wig
2062;
Krone
2105.
–
dorn unde distel unde hagen Tr
18078.
17931.
18105
4.2
in Wendungen:
– Rose ohne Dorn (als Mariensigle, vgl. Salzer, Sinnbilder, S.
183ff.):
rôse âne dorn, ein tûbe sunder gallen Walth
19,13;
senfte ros al ane dorn MarlbRh
19,6.
58,24.
128,18;
o frouwe, / aller tugent ein blüende ouwe, / rôsegarte
dornes ân SM:EvS
1: 7,8.
– jmdn. stëchen als ein dorn
‘jmdm. einen Stich ins Herz geben’
ein mære in stichet als ein dorn Parz
66,1;
daz der Markis wer verlorn. / daz stach die edelen als ein dorn
TürlArabel
*A 57,14.
– jmdm. ein dorn in den ougen sîn:
er ist ein helt zen handen / und ist sînen vîanden / in den ougen ein
dorn StrKarl
3467;
er was ir in den ougen / und in dem herzen niht ein dorn
KLD:Wissenlo
4,7;
KLD:OvB
12:2,5;
KvWTroj
23008.
–
ez was ir bêder ougen dorn, / swâ si den werden man
gesach Parz
365,22
4.3
im Sprichw. (vgl. TPMA 2, 273-283)
4.3.1
der Dorn sticht (sehr schlimm und schmerzhaft):
von cleinem dorn wirt dicke zwâr / ein starker lîp versêret
Kolm(B)
121,39
(¹KonrW/8/1)
4.3.2
man hat doppelten Schaden, wenn man sich am Dorn festhält:
swer sich habet an den dorn, / sor vellet, der hât zwirnt verlorn
Freid
96,27
4.3.3
Dornbüsche tragen keine Weinbeeren oder Feigen (vgl. Mt 7,16; überw. in
Predigten):
jo neliesit nieman die winbere von den dornen noch die vigen von den
hagedornen PrLpz
115,18.
369,27;
PrOberalt
140,1;
PrSchw
1,80;
wer gesach ie dorne vîgen tragen Renner
15536;
gelich als der dorne nit mag / figen gedragen keinen dag
Pilgerf
5919;
Reinfr
8
4.3.4
man werfe den Samen nicht unter Dornen (Mt 13,7):
etlich sam [der vom Teufel ausgeworfen
wird] der vellet under die dorn; so die dorn auf gent, die
machent dann den samen boͤz und ertrenchent in
PrOberalt
51,7;
dô er den sâmen sâte, / sîn viel ein teil ûf herten
stein. / [...] / der ander sâme in dorne kam
RvEBarl
1597
4.3.5
man pfropfe nicht Linden auf Dornsträucher:
swer linden belzet ûf den dorn, / der hât ir beider reht verlôrn
Freid
118,11
4.3.6
der Dorn gehört zur Rose:
swâ sich der rôse erzeiget, / dâ reiget der dorn an daz zwî
Marner
5,9;
rôsen muoter ist der dorn Renner
20303;
wer die rosen greiffet an, / der sol sich umb den dorn
huͤten Teichn
2,53;
Tr
18071;
Krone
20415;
Georg
4060.
– die Rose/ Lilie steht unter Dornen:
álso díu lilia ist únter den dórnon. sámo bist du
frîuntin mîn unter ánderen tóhteron Will
27,1;
Er
338;
o du schoͤne rose in dem dorne
Mechth
1: 18,2;
HvNstAp
16433;
Spec
96,25;
RvEBarl
2520
4.3.7
Schlehe vom Dorn essen:
sam der die slêhe von dem dorne izzet, wan umbe ein kleinez gelustelîn
stechent in vier müedorne DvASchr
314,11
5
als Bestandteil von Personennamen:
Leutold der Dorn UrkCorp (WMU)
2973,36
MWB 1 1349,60; Bearbeiter: Schnell
dornach
stN.
spätmhd. auch dornecht (vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S 55).
‘dorniges Gebüsch’
man möht in wol geworfen hân / zem fasân inz dornach Parz
287,1;
ouf dem hof, der da leit bei Heimvelden in dem doͤrnæch
UrkCorp (WMU)
2403,14;
van des dornechtes stamme scharf / Jonathan sin bispel warf HistAE
1611;
ein dornecht und ein hayndorn Cranc
Jes 27,4.
Jes 10,17.
So 2,9
MWB 1 1351,27; Bearbeiter: Schnell
dornboum
stM.
‘Dornenstrauch’
dumus: dornboum SummHeinr
1:182,159
MWB 1 1351,35; Bearbeiter: Schnell
dornbürde
stF.
‘Dornenbündel, zusammengebundene Dornenzweige’
und sprechent die laien, ez sitz ain man mit ainer dornpürd
in dem mônen. daz ist aber niht wâr BdN
65,22
MWB 1 1351,37; Bearbeiter: Schnell
dornbusch
stM.
‘Dornbusch’
an der stat bi deme wege stat / ein dornbusch
GrRud
Gb 51;
ich wil in der wiltnisse geben den cedir und den dornpuz Cranc
Jes 41,19;
Plinius spricht, daz der vogel in dem augst tobend werd, alsô
daz er sich selber erhenke ze stunden in den dornpüschen BdN
219,25
MWB 1 1351,41; Bearbeiter: Schnell
dorndragil
Subst.
‘Dorndreher’ (Würger, vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 146f.) nur
Glossenbelege:
furfario: dorndregil SummHeinr
2:66,263;
furfario [...]: dorndragil ebd.
1:165,743;
furfarius: dorendral ebd.
2:309,03.7;
furfurio: dorndregel, avis VocClos
Fu46
MWB 1 1351,48; Bearbeiter: Schnell
dorndræwe
Subst.
‘Dorndreher’ (Würger, vgl. Suolahti, Vogelnamen, S.
147):
dorndrewe GlHvB
404,17
MWB 1 1351,54; Bearbeiter: Schnell
dorndroschel
stF.
‘Dorndrossel’ (Würger, vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 146f.) nur
Glossenbelege:
furfarius: dorndrosle Volucr(L)
58
MWB 1 1351,57; Bearbeiter: Schnell
dornec
Adj.
‘dornig; voller Dornen bzw. Dornensträucher’
sô gêt ouch ein wec eht ûf die selben bürge, der ist sô rûch unde sô dornic
niht PrBerth
1:171,8;
so der hîrz chvmit ze sogetânin stêtin, die dornich sint
Spec
9,10;
ein gebirge [...], / dar ûz ein walt gewachsen vollen
dornic Boppe
1:16,3;
úber den dornigen hag Seuse
432,1.
– übertr.:
der dornige tîufal JPhys
18,9;
ist dîn herze steinîn gar / und dornic RvEBarl
1632;
zum ander male kumt gevarn / der geist mit grozer gift / als er den dornigen
stift / den sundenclichen smerzen / subert von dem herzen PassI/II
117,68
MWB 1 1351,60; Bearbeiter: Schnell
dorneht
Adj.
‘dornig’
der hecke die du hast vor gesehen; / das wil ich dir wol jehen / das du sij me
dorneter findest / und auch me krudelicher befindest, / unglich als du zum ersten
hast getan Pilgerf
11557.
–
‘dornartig’
die fursten, ir geverten / dûnt strîchen in [Jesus]
mit gerten / mit geiseln und mit riemen / mit dornehten priemen
[Stacheln] / sie verdilgent ime sîn leben
Erlös
4568
MWB 1 1352,8; Bearbeiter: Schnell
dorneht
stN.
→
dornach
MWB 1 1352,16;
dornen
swV.
→
dürnen
MWB 1 1352,17;
dornenkrône
swF.
auch durnekrône.
‘Dornenkrone’
man kleit in [Jesus] bit dem pellem
gewande, / man kleit in erlich durch sin schande, / diͤ dornenkron bewint sin
houvet MarlbRh
22,27;
nu ging vz Ihesus vnd drug / die dornencronen vnd gnug / gesmehet mit dem
purpercleide EvStPaul
14265;
sich sinen roden roc, inde sine durne crone, / inde denke wat du ime muges
geven ze lone Lilie
35,31
MWB 1 1352,18; Bearbeiter: Schnell
dorn|ëʒʒen
stN.
‘das Dornenschlucken’ (zum sprichwörtlichen Hintergrund vgl.
TPMA 6,181f.):
ach got, dû waist wol, wâ dein stiglitz singent, dû waist
auch ir haimleich dornezzen wol: dû hâst selber gesungen auf erden unz in den
pittern tôt BdN
183,33
MWB 1 1352,27; Bearbeiter: Schnell
dorngewahs
stN.
‘Dorngestrüpp’
spinetum: dorngewechst VocOpt
48.220
MWB 1 1352,33; Bearbeiter: Schnell
dornhac
stMN.
‘Dornenhecke’
spinetum: dorn hag oder stude VocClos
Sp62
MWB 1 1352,35; Bearbeiter: Schnell
dornhecke
stswF.
‘Dornenhecke’
als das fewr in der dornhecken [
sicut ignis in spinis
Ps 117,12]
PsMb
28(Glossar);
der weg [...] / ist nit ferre von dem andern da; / es
ist als eins nit dan daz die hecke / da tuschen ist ein dorenhecke Pilgerf
6687;
war umb hait ye myn unmuͦße / so großen widerstant getaen / durch die
dorn hecke zu gaen? ebd.
10871
MWB 1 1352,37; Bearbeiter: Schnell
dornheit
stF.
‘Dorngestrüpp’
vröu dich, rose sundern dorn / in dörnheit uf gedrungen, / clar lilge schön
ensprungen, / von dem himeltowe naz, / suzer wen ein honec vaz! TvKulm
1415
MWB 1 1352,45; Bearbeiter: Schnell
dornhurst
stF.
‘Dorngesträuch’ (hier zur Ortsbezeichnung):
ein zweiteil bi der dornhurst UrkCorp (WMU)
N101,20;
item unus ager vf die dornhust an Criegesheimer weg UrkLicht
7,374
(a. 1320)
MWB 1 1352,49; Bearbeiter: Schnell
dornîn
Adj.
→
dürnîn
MWB 1 1352,53; |