dürre
stF. (sw. BdN )
zur Form
dürrein BdN
243,30
vgl. 2DWB 6:1810,21f.
1
‘Trockenheit’
2
‘trockener, unbewachsener Boden’
3
‘Trocknung’
4
‘Magerkeit, Ausgezehrtheit’
1
‘Trockenheit’
ein ander zeichin heizit taurus [...]
unde als ein ohse sterker ist danne ein wider, als ist die zit danne sterker danne
die erste an durre unde an wermede MNat
14,13;
der munt ist nu gar verdorret, daz dú kúsch zung dem rachen
an haftet von dúrre Seuse
552,6;
wann sie [das Flüsschen] den anger wijten / al tage
úbervert. / da von sie der dúrre wert, / des ist der anger vnbehert Krone
21145.
–
‘Trockenperiode’
do was verdorben fúr war / von diurre alles vil nahe gar / das fruht uf
erden ie gebar RvEWchr
34423;
dürrein schat den vischen sêr, wan si werdent
gemaincleich vaizt wenn regenzeit ist BdN
243,30;
RvZw
181,2
2
‘trockener, unbewachsener Boden’
si zeuuͦrten si sam der wint / an der duͦrre
tuͦt den stuͦp Rol
2347;
ob si sprechent iht da widir, / so gúz vor in ein wazer nidir
/ uf eine dúrre: das wirt sa / virkert vor in ze bluͦte da, / das in min
warheit werde irkant RvEWchr
9572;
der leite in allez hinewart / über manic ungeverte, / über
velse und über herte, / über dürre und über gras Tr
17339
3
‘Trocknung’
di gedertin winber habin di selbe nature di si hetten uor der
dure SalArz
16,4
4
‘Magerkeit, Ausgezehrtheit’
dis ist türri der crefte. beidiu vszwendig vnd inwendig
[...] dis ist das er mager vnd arm wird. vnd sin ovgen
werdent ime tieff PrEngelb
591,307.
–
‘auszehrende Krankheit, Schwindsucht’ (vgl.
derre
und
dorren
):
van der derre. ptysys heyszet de derre eder de swinsucht
OvBaierl
109,1;
für die dürren der prust mache diapapaveron
BdN
414,14.
367,3
MWB 1 1459,20; Bearbeiterin: Baumgarte
dürrecheit
stF.
‘Trockenheit’
reht als ein rein erfûhtet / die durrecheit der erden EbvErf
721;
wann danne die lute versmahtent sint von hitzen unde von
durrekeit MNat
14,20
u.ö.;
Vät
34334;
interl. für lat. sterilitatem
PsM
34,12
MWB 1 1459,52; Bearbeiterin: Baumgarte
dürremûre (?)
F.
→
dürre
Adj. 1.4.2
MWB 1 1459,57;
dürren
swV.
intr. ‘(aus)trocknen’
daz houwe [...] e dann ez wrde gebruchen, durrete
PsTr
128,6
MWB 1 1459,58; Bearbeiterin: Baumgarte
durrene
stswF.
‘Brand’, Krankheit bes. des Getreides (vgl. AWB 2,758):
uredo: durrene SummHeinr
2:538,356
MWB 1 1459,60; Bearbeiterin: Baumgarte
dürresuht
stF.
‘Trockenheit’
ir arbeyt gebe keyne vrucht! / bremen, dysteln, di dirre
sucht / verterbe ire wingarten Hiob
9770
MWB 1 1459,63; Bearbeiterin: Baumgarte
dûrsal
stN.
‘unbefristetes, freies Eigen’ (vgl.
dûr
):
omnem suam hereditatem libere contulit et absolute et quod vulgo dicitur in
dursale in eigen DRW
2,1169
(Andernach/NrhAnn.; a. 1200)
MWB 1 1460,1; Bearbeiter: Diehl
durst
stM.
‘Durst’
1 eigentl. (oft in der Verbindung hunger und ~
) 2 übertr. ‘Verlangen, Streben (nach etw.)’
1
eigentl. (oft in der Verbindung hunger und ~
):
die genôzze die der sitzent in sîner
[Abrahams] scôzze, / die nemuot hunger noh durst
Gen
1046;
ein dúrrir durst der brennet mih! RvEWchr
20892;
von durste lident manege not, / die doch von durste sterbent
niht TannhHofz
196;
gesalcene vische sint heiz vnde trucken. vnde machint durst
SalArz
18,17;
lauter ezzeich mit wazzer gemischt sumerzeiten küelt und
lescht den durst BdN
353,7;
swenne mich dürstet, ob mîn muot / gedenkt an küelez wazzer guot, / so
enzündet mich der durst vil gar WälGa
9403.
– hierher als Beiname ‘der Säufer ?’ (vgl. →
vrâʒ
und Kunze, Namenkunde, S. 149):
Ch. der Durst UrkCorp (WMU)
2942,4.
–
‘Trockenheit, Dürre’
ich hân iu grôzen durst [
siccitates
validas
] gegeben, / ich gab iu regenes alsô vil
VrôneB
122.
– sprichw. (vgl. TPMA 11,375):
ez trinkent tûsent ê den tôt, / ê einer stürbe in durstes nôt Freid
95,1;
dem tôde maneger winket, der âne durst trinket ebd.
177,7
2
übertr. ‘Verlangen, Streben (nach etw.)’
darvon sie [die Apostel] gewunnen
[...] des himelriches durst HeslApk
13158;
ich han nach sinem sun einen turst, der benimet mir allen
irdenschen lust Mechth
3: 3,41;
herr, erloͤsche in mir allen turst liplicher dinge,
mache mich durstig nah geistlichen dingen Seuse
320,5;
Tauler
425,14
MWB 1 1460,5; Bearbeiter: Diehl
durstbrunne
swM.
‘Trinkwasserbrunnen’
jn deme dirtin velde andirsit des durst burn vbir ein setele liegint vir ackir
UrkCorp (WMU)
3307,5
MWB 1 1460,32; Bearbeiter: Diehl
durstebërnde
Part.-Adj.
‘durstbringend’
ach klingder bach / für durstebernden smerzen LobGesMar
88,7
MWB 1 1460,35; Bearbeiter: Diehl
durstec
Adj.
1
‘durstig, dürstend’
2 übertr. ‘begierig (nach etw)’
1
‘durstig, dürstend’
du wers durstich inde hüngerich MarlbRh
66,16;
durstic menschen blutes / als die blut sugende eglen
HeslApk
14542;
nu merke, kint: / wo du die wolfe durstig sist, da saltu
trinken miden Mügeln
66,17.
– subst.:
den hvngergen aczen, den dvrstëgen trenchen
Konr
1,13
2
übertr. ‘begierig (nach etw)’
uns durstich herz steit zuͦ dir offen
MarlbRh
12,11;
die sint oͮch sælic, der herze unde gedanc hungerick
unde durstic ist nach dem himelriche Spec
115,5;
mache mich durstig nah geistlichen dingen
Seuse
320,5
MWB 1 1460,38; Bearbeiter: Diehl
durstecheit
stF.
‘Durst’ hier übertr.:
die niht blîbende wesenheit alleine genüeget irre durstender durstekeit
Eckh (Pf)
661,25
MWB 1 1460,49; Bearbeiter: Diehl
dürsten
swV.
‘dürsten, Durst haben’
1 unpersönl. 1.1 mit Akk.d.P. 1.2 übertr. ‘Verlangen haben’ mit Akk.d.P. (mit präp. Erg.
nâch , ûf , ʒuo , oder Gen.d.S.) 2 mit persönl. Subj. 3 Part. Präs.
1
unpersönl.
1.1
mit Akk.d.P.:
daz ín húngerôta unte dúrsta Will
93,10;
mich durste, ir tranctent mich, mich hungerte, ir azetent
mich Lucid
141,4;
ist iz [das Geschwür] uon
heizir vuchte. so durstet den sichen sere SalArz
57,26
u.ö.;
Barth
148,3;
der des brunnin getrinchit, den gedurstet nimmir mêre
Spec
41,15;
Jhesus an dem cruͦce ho / sprach ein wort
‘sitio’. / (‘mich dorstet’ also betutet ez sich.)
HvNstGZ
2941.
– selten mit weiterer Erg.:
doch enturste in nach win noch nah wasser PrGeorg
35,21
1.2
übertr. ‘Verlangen haben’ mit Akk.d.P. (mit präp. Erg.
nâch, ûf, ʒuo, oder Gen.d.S.):
den durstet nicht noch tranke / des bires, wines oder
metes, / in durstet wachens und gebetes HeslApk
22104;
alsus durste in gotes gebote / sîne sêle gar nâch gote
RvEBarl
14999;
in dürstet sêre / nâch der lêre / als er von Rôme was gewon Walth
6,32;
wol dir, himelfürste, / daz nâch menschen heile / dîn
gemüete dürste! KvWLd
1,211;
dô durste sînen gedanc / ûf des lebenden brunnen tranc
RvEBarl
14987;
PassI/II
158,15;
ez dürstet mîne sêle gar / zuo dînem lebenden brunnen dar
RvEBarl
14995.
– in Verbindung mit lâʒen und refl. Akk.:
die sich des argen dursten / lazen und des unrechten
HeslApk
14078;
kuninge vnde vursten / die liezen sich ie tursten / nach dir in der
alten e PassI/II
148,49;
nach triuwe lat iuch dürsten Frl
7:26,15;
Loheng
6876
2
mit persönl. Subj.:
diu beschauung der hiligen drinuͤsse, diu ist der
sæligen wirtschaft, da hungert niemant, da enduͤrst nieman
PrOberalt
94,9;
das roß durst und lieff zu dem waßer und sprang darinn
Lanc
227,14;
wenne kumt der rehte von Prâbant, / nâch dem daz herz uns mit gesihte dürstet
Loheng
6120;
si túrstet oͮch vil sere an dem crúze der minne
Mechth
3: 10,30
3
Part. Präs.:
Damaskus der name ist nicht gut, / her spricht zu duze
[auf Deutsch] durstende blut / und bezeichent uns den
tubel, / [...] / der do menschenblut durstende is
Brun
2383;
wie enpfenglich und wie túrstende got ist und engegen
loͮffende in eime ieglichen oͮgenblicke Tauler
111,13.
– subst.:
ir scult den hungerigen moͮsen, den dvrstenten
trenchen Spec
141,3
MWB 1 1460,52; Bearbeiter: Diehl
durstendec
Adj.
‘durstig’
noch süzer dan dem durstendigen ackerman ein kalt ursprinc Frl
3:16,2
MWB 1 1461,33; Bearbeiter: Diehl
durstslange
swM.
eine Schlangenart:
situla haizt ain durstslang. [...]
diu ertœtt den menschen in hitz und in durst BdN
281,15
MWB 1 1461,36; Bearbeiter: Diehl
dursttôt
Adj.
‘tot durch Durst, verdurstet’
und do er in nu ier brunnen genam und dc si nach waren durst tôt PrSchw
2,88
MWB 1 1461,39; Bearbeiter: Diehl
durwechec
Adj.
→
durchwechec
MWB 1 1461,42;
dus
Adv.
‘so’ im Mfr. verbreitet, veraltend gegenüber →
sus
(vgl. AWB 2,797f.):
nah dus mislichen gaben / saltu herre nah dinen gnaden / unseme
durreme herzin gebin / dinen geistlichen regen Litan
163;
wiͤ siͤn ich dich sus [La.
dus
] hangen! MarlbRh
25,25.
25,30;
dem dinge is rechte nu alsus [Hs. aldus
]
Göllh
77;
nú hélfe uuír íro sús. sîn dechêine in déro vocatione gentium. dîe dér
[La. thus
] êdes uuâren clari ingenio
Will
141,9;
di giene di herin Henrichen [...] ane taisten, di
sulen aldus bezzeren UrkNiederrh
2,235
(a. 1257).
2,236.
2,625
(a. 1300)
MWB 1 1461,43; Bearbeiter: Diehl
dûs
stN.
auf dem Würfel zwei Augen:
numeri tesserorum: unio vel canis: essi. binio: dus
SummHeinr
1:356,135;
der tiuvel schuof daz würfelspil / [...] / daz esse
[die Eins] er hât gemachet dar ûf daz ein Got
gewaltec ist. / der himel in sînen handen stât / unt diu erde, dar ûf er daz tûs
gemachet hât RvZw
109,5;
von zinken, quater unde tûs / hât maniger ein unberâten hûs Renner
11451.
11457;
Eracl
2617;
Ottok
89525.
– übertr. für etw. Kleines/ Geringes:
[bei der Bewirtung] dane viel daz esse noch daz tus
[ ‘wurde nicht gespart’] / niht an der
handelunge StrAmis
2484
MWB 1 1461,55; Bearbeiter: Diehl
duster
Adj.
s.a.
dinster
.
‘düster, dunkel’ (aus dem Mnd.):
wan so rechte duster is nu de nacht KarlGalie
4637;
diͤ sunn’ begund duͦ düster sin, / si
deckde wunderlich irn schin MarlbRh
55,15;
wers du darinne [im Feuer] düster
ind kalt? ebd.
90,27
MWB 1 1462,11; Bearbeiter: Diehl
dusternisse
stFN.
s.a.
dinsternisse
.
‘Dunkelheit, Finsternis’
dat licht luchtet in de dosternysse, inde dat licht dat inbegryff der
dusternis neit [Io 1,5]
Eckh
1:240,10;
alsobalde viel in in [den Zauberer Elymas] eyne
blodikeit der ougen und eyn duisternisse Apostelgesch
13,11;
[der Mensch] liet in vinsternis / leider mit der
tusternis / bekummert TvKulm
404;
ir vorsten des dusternisses / tut uf uwer helletor HeslNic
3066.
– wohl ‘dunkler Schatten, schattenhafte Erscheinung’
daz er [der auferstandene Christus] wer kein
tusternis, / er bewiste daz er saz / und mit sinen jungern az /
[...] / nach sinem uf erstende TvKulm
4860
MWB 1 1462,16; Bearbeiter: Diehl
duwen
swV.
‘jmdn. mit du anreden’
wir sin von ainen liben / bechomen wærlich, /
[...] / ich duwe dich wol mit eren
WhvÖst
14117
MWB 1 1462,29; Bearbeiter: Diehl
duʒ
stM.
(vgl.
dôʒ
)
‘Klang, Geräusch’
ir wiclît si sungen, / ir herhorn chlungen: / uil michel wart
ir duz Rol
5857;
NibB
945,2;
SHort
6778;
mit krache gap der doner duz Parz
104,5.
–
‘Rauschen, Fließen’
dô kom er an ein wazzer snel: / daz was von sîme duzze hel
Parz
180,22;
in des rechten meres dus HvNstAp
6854
MWB 1 1462,32; Bearbeiter: Diehl
duzeln
swV.
Iterativbildung zu duzen:
daz ich fürbaz iemen duzel, / ein semel, einen struzel / næm ich dar umbe niht
ze miet Helbl
8,439
MWB 1 1462,39; Bearbeiter: Diehl
duzen
swV.
auch dutzen.
‘jmdn. mit du anreden’ (sowohl von Höherstehenden gegenüber
sozial niedriger Stehenden, als auch unter Gleichrangigen, familiär
Vertrauten):
mîn jugent unt mîn armuot / sol sölher lôsheit sîn behuot, /
daz ich iu duzen biete Parz
749,29;
ich mac nu wol duzen dich: / unser rîchtuom nâch gelîchet
sich ebd.
814,19;
wann er [der Bauer] gevert ein
hervart, / so tar nieman getutzzen mer. / sein vreunt dw wernt gepessert ser, /
sprechent si nicht ‘her’ sider Teichn
130,7.
130,75.
116,21;
daz ir an uns iht brechet mit irtzen nahe sippe, do von schulden / dutzen iwer
munt mir solde bieten JTit
1771,3;
Ottok
42062;
RvEGer
1480;
Helbl
8,446
MWB 1 1462,42; Bearbeiter: Diehl |