dienlich
Adj.
‘dienstbereit’
mit lib und oͮch mit guͦte, / mit dienlichem
muͦte RvEWh
9338
MWB 1 1287,43; Bearbeiter: Diehl
dienstac
stM.
‘Dienstag’
dienstdac: feria iii GlHvB
396,69;
an deme sunnetage unde an dem dînstage unde an deme
dunrestage, ist den brûderen disses ordenes vleisch irloubet zu ezzene
StatDtOrd
40,22;
WüP
84,8;
er saß off syn roß und reit hinweg; diß was eines dinstages
zwuschen none und vesperzitt Lanc
346,12;
StRRotenb
498.
– in Datierungen:
an deme dinstage nach sente Bartholomeus tage UrkCorp (WMU)
1616B,31;
des dinstages nach unser frawen tage lychtmesse UrkFrankf(B)
511
(a. 1332)
MWB 1 1287,45; Bearbeiter: Diehl
dienunge
stF.
‘Dienst(-leistung)’
sente Paulus hat geseit / [...] / daz ein iechelich
godes geist [Engel] / ein dinstliche dienunge si
PassI/II
338,65
MWB 1 1287,56; Bearbeiter: Diehl
1diep
stM.
auch diup.
1
‘Dieb’ (zur Definition vgl. RechtssA
D1f. ; sehr differenziert für einzelne Rechtszusammenhänge DRW 2,797-804) 2 in sonstigen Zusammenhängen 2.1 übertr. auf den Bereich der Minne (vgl. 2.3.1 und
minnediep ) 2.2 Schimpfwort, meist als Bezeichnung für den Teufel (vgl.
hellediep ) 2.3 häufig in Vergleichen (meist alse ein ~
) 2.3.1 bezogen auf Heimlichkeit 2.3.2 bezogen auf ehrloses Verfolgt- und Bestraftwerden (z.B. jmdn. hâhen
alse einen ~
) 2.4 häufig in Sprichw. (vgl. TPMA 2,202-221; bes. Freid
46,23ff. )
1
‘Dieb’ (zur Definition vgl. RechtssA
D1f.; sehr differenziert für einzelne Rechtszusammenhänge DRW
2,797-804):
scâchære unt diube [...] / unt allez
daz der ubel ist Kchr
2171;
so sal min dan ubir un richti, alsi ubir einin diep die mit
dir duibi virwundin is Mühlh
114,11;
undir des quâmin diebe unt stâlin alliz, daz in deme hûs was
PrMd(J)
349,15.
– genannt mit roubære, z.T. in rechtl. Abgrenzung:
swer rovb oder divf wizzenlichen chovffet, den sol man an des divbes stat vnd
an des rovbers stat haben UrkCorp (WMU)
475AB,27;
ein rouber oder ein diep [...], /
den sin armut bringet dar zu, / daz er stilt oder roubet StrKD
4,361;
der ist nu diemutic worden, der ê diep vnd rauber was vnd den
luͤten das ir nam Konr
21,62;
KvHeimUrst
2068;
Volmar
861;
Mügeln
313,4.
–
maniger trinkchet ane durst / ainem andern ze lieb. / we dem selben dieb
[Verschwender] , / das ez in nicht
besweͣret! / wie manigen koph er leͣret / im selben ze unnucze
HvBurg
150;
den vatter unde den sun, swer die prediget einen sünderlichen got, der ist
ein geistlicher diep [
sacrilegum est
]
ThvASu
314,18.
–
diebe guot
‘Diebesgut’ (vgl.
diupguot
):
swer wizzentlich rovb oder diebe guͦt kov́fet UrkCorp (WMU)
879H,6
2
in sonstigen Zusammenhängen
2.1
übertr. auf den Bereich der Minne (vgl. 2.3.1 und
minnediep):
solte ich mîne liebe / bergen unde heln, / sô müeste ich
ze diebe / werden unde steln MF:Reinm
60: 3,3;
ir wâret ritter unde diep, / ir kundet dienen unde heln: / wan kunde ouch
ich nu minne steln Parz
8,22;
er was der minne ein diep / gewesen in der jugent
Ottok
31997;
lâz dîner minnen dêbe [Hs. deben
] /
zû stêter vroide leben Wizlav
L 7,35
(vgl. Anm.z.St.)
2.2
Schimpfwort, meist als Bezeichnung für den Teufel (vgl.
hellediep):
ô diep, ô Cappadocier, / ô trügener, ô lügener, / wes triugestu die
kristenheit Renner
3885;
do geschuͦfe er alde dieb / Sathanas, daz Adam / in
gotes ungehorde kam Vät
46;
so tu wir gote liebe, / leit dem argen diebe
HeslApk
6132
2.3
häufig in Vergleichen (meist alse ein ~
)
2.3.1
bezogen auf Heimlichkeit:
leider jâ welt ir hinnen varen / verholenlîchen alse ein dieb
En
2027;
vil tougenlichen als ein diep KvWTroj
7853;
heimlich als ein diep Minneb
1138;
er schol auch siticleichen gên und sleichen sam ain
diep BdN
214,13;
der tac unsers herrin der kumit also der dîebe in der
naht [I Thess 5,2; II Petr 3,10]
Spec
42,33.
128,22 (
vgl.
PrOberalt
15,25);
–
als ein diep [völlig
unerwartet] begrîffet dih der jungiste tac
Erinn
789;
dô kom der tôt als ein diep / und stal dem reinen
wîbe / daz leben Wig
8033
2.3.2
bezogen auf ehrloses Verfolgt- und Bestraftwerden (z.B. jmdn. hâhen
alse einen ~
):
gevangen als ein diep Hawich
285;
ich lige hie verslozzen / in disem turne als ein diep
Eracl
2779;
du bist uff einem karren gesleifft als ein diep den
man zum galgen furen sol Lanc
612,30;
soldich dar umbe als ein diep / an einem galgen
hangen Eracl
3082;
MarlbRh
27,24
2.4
häufig in Sprichw. (vgl. TPMA 2,202-221; bes. Freid
46,23ff.):
wem stelen beginnet lieben, / der ist gerne bi den dieben SalMark
512;
die grôzen diebe henken / siht man die kleinen alle stunt Reinfr
27354;
state lêret diebe steln, / daz was ie und muoz immer sîn
Eracl
2590;
miuse sol man vâhen, / diebe sol man hâhen Freid
47,18;
der diep ist gar ân angest niht, / swâ er vil gerûnen siht ebd.
47,20
MWB 1 1287,59; Bearbeiter: Diehl
2diep
stM.
‘Diebsgut’ (vgl.
1diube
stF.
2
):
die, die den raub vnnd den dieb an der hant furen oder tragenn, vnnd bey in
begriffen wurdt StRBamb
31
MWB 1 1289,1; Bearbeiter: Diehl
diep-
s.a.
diub─
und diup-
MWB 1 1289,4;
diepboum
stM.
‘Baum, an den Diebe gehängt werden’
apud arborem dictam diepboum DRW
2,806
(Würdtwein,Schönau; a. 1293)
MWB 1 1289,5; Bearbeiter: Diehl
diepgehiuʒe
stN.
‘Lärm oder Frechheit von Dieben’
daz criuze ein rigel ist in dem hus, / daz die tür bevestet wol vor allem
diepgehiuze Frl
2:19,7
MWB 1 1289,8; Bearbeiter: Diehl
diepgeselle
swM.
‘jmd., der mit Dieben gemeinsame Sache macht’
zwelf diep gesellen, / die den mort da stiften Rennew
9746;
dine vursten sint ungetruwe dibgesellen [
socii
furum
] . alle haben si gobe lieb, sie volgen widirgelde
Cranc
Jes 1,23;
wiert auch der sun ein diep oder diepez gesel [...],
so hat er nimer tail an seines vaters guet StRBrünn
401
MWB 1 1289,11; Bearbeiter: Diehl
diephaftec
Adj.
‘aus einem Diebstahl stammend’
es geit ein diup sein diuphaftiges guot zu chalten
[Aufbewahren] einem manne RbRupr
100.
– rechtl. differenzierend in der Paarformel:
diuphaftiges oder raupiges guot RbRupr
128
u.ö.
MWB 1 1289,19; Bearbeiter: Diehl
diepheit
stF.
1
‘Diebstahl’
2
‘diebisches Verhalten’
3
‘Diebesgut’
1
‘Diebstahl’
offenlichiu diepheit ist daz: ob ein diep kumt nahtes oder tages in ein hus
[...] unde stilt da swaz da ist, unde wirt begriffen
mit dem gute e daz er ez verberge DRW
2,818
(Schwsp.[R.]);
StRAugsb
96,8;
HvNstGZ
5179;
vil kunstriche diebe waren si, die solcher diepheit pflagen JTit
2455,2;
dy da helent, wer diephait treibt, die sint mit in in einen schulden
Teichn
688,58.
– rechtl. differenzierend in der Paarformel:
man sol allen raup und diupheit zwîfalte gelten
SpdtL
118,18
u.ö.;
PrBerth
1:16,5
2
‘diebisches Verhalten’
swie vil Âgez der diepheit kan, / mînes lieben vriundes kan er mir niht stelen
hin dan RvZw
174,4;
si swuoren triu und eide, / daz si unschuldic wæren. / er sprach: ich wil
bewæren / iuwer reht diupheit EnikWchr
6001;
Teichn
670,69
3
‘Diebesgut’
wirt diepheit bi im begriffen, vnd wil man in lan genesen, er sol zwivalt
gelten SchwSp
94a;
hat er [der Dieb] aigen guet, mit dem schol man di
diephait czwivoltig gelten StRBrünn
399
MWB 1 1289,24; Bearbeiter: Diehl
diephûs
stN.
‘befestigtes Haus (Burg) von (adeligen) Räubern, Raubnest’
mîn herre grôzen schaden hât; / dem gunt, daz er sich reche, / diu diuphiuser
breche, / diu mit urliug er gewan / gar unrehten liuten an, / die ir bôsheit niht
helnt, / tages roubent, nahtes stelnt Helbl
15,820
MWB 1 1289,45; Bearbeiter: Diehl
diep|îsen
stN.
‘von Dieben benutztes Brecheisen’
Ellegast frogete den kōnig mere, / wo sin brech-yßen were. / der kōnig sprach:
‘mich jagete deß kōniges helden sin; / min dyeb-yßen viel my in den Rin’
KarlElegast
489
MWB 1 1289,51; Bearbeiter: Diehl
diepkamerære
stM.
hier -kamere (Haplologie).
‘Verwalter, Bewahrer von Diebesgut; Hehler’
sprichit dan die man: ich offini iu mine vier wende, dinni zu
suchini, suaz die diep heribracht heit· [...] unde wirt iz
bin des dinne vundin· daz uz di richteri dinne bisiet· so is he ein diepcamiri
Mühlh
159,16
MWB 1 1289,56; Bearbeiter: Diehl
diepkamere
stF.
→
diepkamerære
MWB 1 1289,63;
diepkutte
swF.
Kleidungsstück, das wegen seiner weiten Ärmel zum Verbergen von Diebesbeute
geeignet ist (zu Prunkärmeln vgl. Schultz, Höf. Leben 1,253ff.):
sumelîche pflegent / sô wunderlîcher spaldenier [Waffenrock unter
der Rüstung] : / an einem ermel hæten vier / ze rehtem wâpenroc
genuoc. / [...] / ez ensint niht spaldenier - / man sol daz
gelouben mier - / es ist anders genant: / der tiuvel hât sie her gesant / ûz sîner
helle sutten / und heizent diupkutten Helbl
1,206 (
vgl.
die kuttenwît ermel tragen ebd.
8,453 )
MWB 1 1290,1; Bearbeiter: Diehl
dieplêhen
stN.
Lehen, dessen dienest u.a. in der sicheren Verwahrung von Dieben
bestand:
ibidem [Hallstadt bei Bamberg] est unum feodum
dictum dieplehen [...] huius officium est captos et
maleficos sub firma custodia conservare RbHohenlohe
43
MWB 1 1290,12; Bearbeiter: Diehl
dieplich
Adj., Adv.
adv. auch -lichen.
1
‘diebisch, auf diebische Weise’
2
‘heimlich, verborgen’
1
‘diebisch, auf diebische Weise’
daz ez sin waere unz an die zit daz ez im diuplich verstoln
wurde StRAugsb
97,20;
swer mit sinne valsch kan üeben / als ein dieplich nâchgebûr
KvWLd
20,16.
– rechtl. differenzierend in der Paarformel:
wer dem ander sin tuͤr ufstoͤzzet
[...] oder ander sin guͦt nimt, raublich
oder dieplich, frevelich oder mit gewalt, bi naht oder bi tage,
[...] der sol die stat rumen WüP
40,3.
–
~ guot
‘gestohlenes Gut’
swer witzentlige roup coufet oder dublich guͦt UrkCorp (WMU)
494,14;
swâ der man sînem diuplîch oder raubigem guote zuokumet,
man sol ez im wider geben âne schaden SpdtL
125,8
2
‘heimlich, verborgen’
do strakt sich der wolf nider / unde sach do dieplich her
wider / recht als der pfaffe under der banc StrKD
58(H),280.
166,107;
nu seht, der bose dieb, / wie duplich er darumme sleich Pass III
388,31;
wan ich duplich von dannen streich Vät
15992;
der gotliche schin [...] sal durchflizin und
durchluchten der sele fornuftikeit und reinigen von allime dinstirnisse der
duplichin valscheit Parad
22,19
MWB 1 1290,18; Bearbeiter: Diehl
diepmeil
stN.
‘Brandmal wegen eines Diebstahls’
[es] stêt an dem richter und an den purgern, ob si im den
tôt tuon dar um oder ob si in ander diuf mail anlegen RbRupr
122.
126
MWB 1 1290,41; Bearbeiter: Diehl
dieprouben (?)
swV.
‘rauben’
swer tusent marke roubet [Hs. dieb
roubet
] , unde mordet, unde stilt Rumelant
3,64b
MWB 1 1290,45; Bearbeiter: Diehl
diepsac
stM.
‘Sack zum Transport von Diebesgut’
her eyn dyp waz unde by ym hatte vil dip secke
[
loculos
] dor ynne her truk waz man en
allen gab EvBerl
53,1
MWB 1 1290,48; Bearbeiter: Diehl
diepscherge
swM.
‘städt. Gerichtsbediensteter, Büttel’
chaufet ein man ein ros oder ein rind, daz geraubt ist, und er enwaiz nicht
darumb, und wirt darnach in seiner gewalt vervangen, so schol sich der deupscherig
desselben underwinden auf ir paider recht StRWien
75
MWB 1 1290,52; Bearbeiter: Diehl
diepseckelîn
stN.
Dimin. zu diepsac:
dû tuost eht als Jûdas. dô dem got aller meiste predigete und zeichen tete, dô
machte er sîniu diepseckelîn und truoc eht heime PrBerth
2:209,10
MWB 1 1290,58; Bearbeiter: Diehl
diepslüʒʒel
stM.
‘Nachschlüssel’
der ist der diepheit schuldig [...] ein smit
[der] mit wissende diep slvͥzzel machet oder
andrvͥ isen dvͥ zvͦ diepheit hœrent SchwSp
105b;
er [
der smit
] sol ouch niemanne machen
diebslüssel Ammenh
10997
MWB 1 1290,62; Bearbeiter: Diehl
diepstîc
stM.
‘heimlicher Weg, Diebespfad’
der reht diemüetic mensch [...] siht sich selben an
vlîzeclîchen und erluoget eineclîchen aller sîner untugende diepstîge DvASchr
331,25
MWB 1 1291,3; Bearbeiter: Diehl |