Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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i – ie|besunder (?)
ieclich – iemerkæse
iemerkuo – iersch
iertes – iewëdersît
iewelich – ihten (?)
ihtesiht – îlunge
im – in
in – în bezûnen
în biegen – în brëhen
în brîden – inder(t)
in dës – inelende
în enthalten (?) – ingebër
în gebërn – ingesigelde
ingesinde – in guot
în gürten – în houwen
inhûs – în lâʒen
înlâʒunge – în lûchen
în luogen – inne halten
în neigen (?) – innergewant
innerhalbe – inniclich
innigen – în rüefen
în rüeren – inschrift
în sëgenen – în slahen
însleich – în springen
în spruʒʒen (?) – interpretieren
intestîn – în twingen
în ünden – în vleischen
învleischunge – înwander
inwaner – în wischen
în wîsen – ipocrisis
ipocrite – irhalp
irhære – irregunge
irrehaft – Ir|rîche
irricheit – îsenbû
îsendach – îsenkaste
îsenkëc – îsensacroc (?)
îsenschûfel – îserîn
îserkleit – isôpe
isôpensaf – îtelhant
îtelinc – itwinde
iu – îwînboum

   irmensûl - irresal    


irmensûl, irmensiule stF. auch irmesuwel. ‘große, hohe Säule, Stele, Gedenkstein’ (auch als Kultobjekt): ûf ainer irmensiule / stuont ain abgot ungehiure Kchr 129; Rômâre in [Julius Caesar] ungetrûwelîche sluogen, / sîn gebaine si ûf ain irmensûl begruoben ebd. 602. 4213; colossus altissima columna id est irminsul SummHeinr 2:231,334; JTit 6271,1. – übertr.: si [die Apostel] sint fvrsten vnd irmesuwel der cristenheit PrGriesh 451a,31; die heiligen gotes poten vnd die heiligen martyrere vnd die heiligen pihtigere [...] von rehte heizent die poͮme [La. vnde die irmensvͤle ] der heiligen christenheit, wande si die mit irer guͦtete vͦf habent Konr 17,36

MWB 2 1975,59; Bearbeiter: Richter

irpois Subst. mit Metathese des r zu afrz. repos. ‘Ruhe, Zeit der Erholung’ (s.a. pûse ): hey [Karl] hadde sich [...] / mode gevochten ind gestreden. / groesse pyne hadde geleden. / des reit hey eyne poys [La. duͦ reit he uz uͦp ein jrpoys ] / so de ritter doent alsus / de sich erreisten [erholen] wellent / ind ouch eren rossen stellent [ihren Pferden Zeit im Stall geben] KarlGalie 5363

MWB 2 1976,9; Bearbeiter: Richter

irra stF. irre

MWB 2 1976,17;

1irrære stM. auch irrer, errer. 1 jmd., der jmdn. in die Irre führt, ‘Verbreiter von Irrlehren, Irrlehrer’ , meist spez. i.S.v. ‘Ketzer, Häretiker’ (vgl. 1irren 3 )
2 jmd., der stört oder behindert, ‘Störer’ (vgl. 1irren 2 ) in vröudeirrære
   1 jmd., der jmdn. in die Irre führt, ‘Verbreiter von Irrlehren, Irrlehrer’, meist spez. i.S.v. ‘Ketzer, Häretiker’ (vgl. 1irren 3): ab ez ein irrêre lêret, / ubel dâr von gemêret / unde grôze sünde SSp (W) Reimvorr.105; dar kômen irrære, / si sprâchen, daz unser urstende niene wære, / noh der lîchnâme unde diu sêle / gesamenten sich niemer mêre Kchr 6433; von den irreren, die den heiligen gelauben an vahten, liten si vil manich not Konr 21,73; boͤse christen die vercheret sint, die luͤgenær sint und irrære sint PrOberalt 139,11 u.ö.; si sint irrære unde / valscære Konr (Sch) 137,19. 171,7; Serv 613. – ‘Frevler, Sünder’ irrære [interl. zu praevaricantes ] PsM 118,119. 118,158    2 jmd., der stört oder behindert, ‘Störer’ (vgl. 1irren 2) in → vröudeirrære

MWB 2 1976,18; Bearbeiter: Hansen

2irrære stM. jmd., der irrt, ‘Irrender, Narr’ (vgl. 2irren 1): etceliche lude minnent den schaz, inde die ere, / etceliche des vleisches gelust: it sint allet irrere; / want ire minne cuͦmet van grozer dumbenheide, / die schone minne cuͦmet van der wissheide Lilie 47,33

MWB 2 1976,34; Bearbeiter: Hansen

irrât, irrôt stMF. auch ierr-; vgl. zur Bildung Mhd. Gr. (KSW) 3 § S 57. 1 ‘Beeinträchtigung, Störung’
2 ‘Irrtum, Zweifel; Verirrung, Ketzerei’
   1 ‘Beeinträchtigung, Störung’ ob su inan vmbe den selben fluz dehainen iͤrrat woltin tuͦn UrkCorp (WMU) 2440,9. – ‘Unstimmigkeit, Streit’ der îerrode vnd der stôs [Streit] , der enswischan dem gozhuse von Pfæværs aîn halp vnd dem hern Hainrich von Wildenberc [...] ander halp was UrkCorp (WMU) 3493,21. – von Münzen: beschicht oͮch dc, daz dv́ mv́nze dekein irrot older stoz im lande gewinnet, da von die mv́nzmeͥster schaden mvn gewinnen UrkCorp (WMU) 188,44. – in der rechtssprachl. Wendung âne allen ~ ‘ohne Einschränkung, Beeinträchtigung’ daz diz allez stæte vnd ganz ane allen irrot belibe UrkCorp (WMU) N341A,28    2 ‘Irrtum, Zweifel; Verirrung, Ketzerei’ ‘ey, sage mir, ob dise kint / und ire vrunt geloubec sint / an unsern lieben herren got’. / ‘nein’, sprach er, ‘des tuvels spot / mit ungelouben sie hat / gezogen in die irrat, / die si mit abgoten haben’ Pass III 194,72; sie [die Heiden] taten in [Milidon und seinen Jüngern] vil we mit slegen, / daz sie ir dannoch niht erwegen / mohten zu irrate Vät 17789. 16541; e wir úns geschaiden von der vinstri des ierrodis PrGeorg (Sch) 18,55 u.ö.; Martina 194,61; SHort 9584. – bezogen auf Personen, ‘jmd., der den Irrtum verkörpert, Irrlehrer’ sagan, warum / bistu dem volke ein irrat, / [...] ? / waz sal ich tun, daz du mir / miner lere bi gestast / und dinen cric bliben last / gein der reinen cristenheit? Pass I/II (HSW) 27483

MWB 2 1976,40; Bearbeiter: Hansen

irre Adj. auch erre. 1 ‘vom rechten Weg abgekommen, verirrt, orientierungslos’
1.1 eigentl.
1.2 übertr. ‘irrgläubig, ketzerisch’ ,
2 ‘in die Irre führend, vom rechten Weg wegführend’
3 ‘von etw. oder jmdm. abgekommen, ohne etw. oder jmdn.’ (mit Gen. oder präp. Erg.)
4 ‘zornig, aufbrausend, wild’ (vgl. gleichbedeutend mnd. êr, eir, ere, erre Schiller/  Lübben 1,712; s.a. irrebære 2 und irreheit )
5 ‘untreu, liederlich’ (von Frauen)
   1 ‘vom rechten Weg abgekommen, verirrt, orientierungslos’    1.1 eigentl.: swer die verbenam bî im hât, der enwirt des weges nimmer müede unde enwirt nimmer irre Barth 151,4; es ist anders nit dann irrethum [Täuschung] , das die fremden ritter irre machet [in die Irre führt] Lanc 551,29; diu ros liufen an den wegen / irre und herren lære UvZLanz 3363    1.2 übertr. ‘irrgläubig, ketzerisch’, subst.: si habeten gotes uirgezzen / ein kalb habeten si gegozzen / di irren unde di tumben VMos 54,1. 52,21    2 ‘in die Irre führend, vom rechten Weg wegführend’ her fur vil manige krumbe [Umwege] / unde manigen irren ganc, / daz machte im di wile lanc WOsw 1226; irre wege WvRh 4480. – bildl. vom Abweichen vom rechten Glauben (vgl. 1.2): ô êwiger tac! wie lange sol ich in diser irren vinster wîslôs gên? DvASchr 370,1; den irren wec Job brechen / wil Hiob 1219    3 ‘von etw. oder jmdm. abgekommen, ohne etw. oder jmdn.’ (mit Gen. oder präp. Erg.): si warten irme herren / mit michelen eren. / si ne worden sin njwit irre / si newolden sih von ime njwit verren Glaub 3046; sus was er beider irre: / er wolde unde enwolde / Îsolde unde Îsolde Tr 19388. 28; si wâren dannoch irre / tiefer wunden gar beliben KvWEngelh 4900. [der Reiher flog so hoch,] daz er wart sehens irre [dass man ihn nicht mehr sehen konnte] Loheng 3393. – einer Sache/ an etw. ~ wërden auch ‘in Bezug auf etw. unsicher werden’ da muͦz die sele zwivelon. unde muͦz och irre werden an dem hailigen geloͮben PrSchw 2,36; swes [bei welcher Regelung] man irre wirt daz man daz an disem buche [d.i. das Stadtrecht] vinden sol, daz daz danne reht ist unde niemen widerreden sol StRAugsb 1,33    4 ‘zornig, aufbrausend, wild’ (vgl. gleichbedeutend mnd. êr, eir, ere, erre Schiller/  Lübben 1,712; s.a. irrebære 2 und irreheit ): Diomedes was wol gestalt; / an den worten was er balt, / [...] / harte gerne lugenlich, / an den gelubeden mislich, / irre vnde wilde, / kvne vnd milde Herb 3047; daz ros daz was wunderlîch, / irre und vil strîtich, / snel und starc von gescafnisse SAlex 273; [das Pferd Buzival] was irre unt strîtich VAlex 240 (vgl. auch 414 ); uns seit die glosa daz vuͦr war: / got was vil erres muͦtes wol vünf tusent jar / und dannoch me, des wart vil manich tote / behalten in der helle habe Rumelant (K) 5:3,2. – bildl. vom Tod, wohl i.S.v. ‘grausam, schmerzerfüllt’ (vgl. ähnlich grim Adj.): vvaz ich ye ghesanc. / nie mir ghelanc. / an diner hohen minne. / des lide ich not. / eyn irren tot / den ich davon ghewinne Wizlav L 6,25 (Hs.)    5 ‘untreu, liederlich’ (von Frauen): man sol die huote kêren / an irriu wîp Iw 2895; irriu wîp, zern unde spil / diu machent tumber liute vil. / durch wîp unde spiles liebe / wirt manic man ze diebe Freid 48,9; Priesterl 650

MWB 2 1977,6; Bearbeiter: Hansen

irre stF. auch irra ( Vät , Pass III ). 1 Ort, an den man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’
1.1 eigentl.
1.2 übertr. ‘Verirrung, Irrglaube’
2 ‘Irrfahrt’
3 ‘Störung, Beeinträchtigung’
   1 Ort, an den man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’    1.1 eigentl.: do er ein lange virre / gewanderte in der irre / und er niht weste wa er gie, / got in niht under wegen lie, / durch den er die sunde vloch Vät 2534; in der wuͦsten irra ebd. 5292 u.ö.    1.2 übertr. ‘Verirrung, Irrglaube’ du bist noch in der irra, / stete weder hie noch da. / ein munch mahtu niht gesin, / daz ist an dime gute schin Vät 17541; Ephese, wen du die wort / der irre hazzes als ich, / an der rede lobe ich dich HeslApk 2417    2 ‘Irrfahrt’ ‘zu Constantinopolim / ist unser wec nu gedacht’. / ‘i’, sprach er, ‘so sit ir bracht / zu verre in diser irra.’ Pass III 469,89. – astronom. von kosmischen Bewegungen vor dem Fixsternhimmel (vgl. irrestërne ): sunne, mân, zodiacus, / planêten, stern, ir ummeschuz / nâch ires kreizes irre / gezirkelt in di virre, / meisterlich gevirmet, / geordent und getirmet JvFrst 33; die siben irresternen [Planeten] [...], / loufent an ir gezelte / dem umbekreiz der welte, / und gehillet [entspricht] dorch ir irre / dem himelschen geschirre [Ordnung] WvRh 513. – metonymisch für das System der Planetenbewegung (vgl. auch FrlWB, S. 174): wie gestecket in die firme / sint die sterne [...], / die sich werren mit der irre Frl 1:17,24    3 ‘Störung, Beeinträchtigung’ dî vinstre was ein irre / den brûdrin grôz NvJer 13536; [die Staubwolke] schûf ouch sulche irre, / ob jenre odir dirre / dâ vîent wêre odir vrûnt, / daz was manchim gar unkunt ebd. 15519

MWB 2 1977,63; Bearbeiter: Hansen

irrebære Adj. 1 ‘verwirrend, schwer zu verstehen’
2 ‘zornig, wild’ (vgl. irre Adj. 4 )
   1 ‘verwirrend, schwer zu verstehen’ si [die Farbe] was sô maneger hande / und sô gar irrebære, / als dâ kein varwe wære Tr 15843    2 ‘zornig, wild’ (vgl. irre Adj. 4): er ist irrebære / und alsô rehte wilde, / daz sich vor sîme bilde / nieman lebender mac bewaren KvWTroj 24676

MWB 2 1978,29; Bearbeiter: Hansen

irre gân V. 1 ‘vom rechten Weg abkommen, orientierungslos oder ziellos umherirren’
2 ‘von etw. abkommen, etw. verfehlen’ (mit Gen. oder präp. Erg.)
   1 ‘vom rechten Weg abkommen, orientierungslos oder ziellos umherirren’ dô sach in dâ ein man hinnen und ennen irre gân Gen 1786; so muß ich in dißem wald irre gan als ein unselige creatur Lanc 16,4; WernhMl 5641. – bildl. ‘in Verirrung geraten, irrgläubig sein’ dis ist der rechte wore weg. wele disen weg nút engont, die gont irre Tauler 164,22; HeslApk 13868. – astronom. von kosmischen Bewegungen vor dem Fixsternhimmel (vgl. irrestërne und Deschler, Astron. Term., S. 237 mit Fn. 709): und ist ain planêt als vil gesprochen in kriechischer sprâch als ain irrgênder stern oder als ain selbwalzender stern dar umb, daz die siben stern von in selber walzend sint in irn aigen himeln und niht gesetzt sint an den gestirnten himel BdN 68,15; bildl.: o sydera errancia, o ir irregenden sternen, ich meine úch, unsteten gedenke Seuse 551,1. – med. irregêndeʒ fieber ‘Viertagewechselfieber, Quartana’ der selbe harn bezeichen in dem herbeste. vnde in dem wintere ein irregendez fiuer oder eine quartane SalArz 113,12. 113,2. 113,35    2 ‘von etw. abkommen, etw. verfehlen’ (mit Gen. oder präp. Erg.): des spots irbarmete got / [...] und liez sin liecht den sinen / uz von verren schinen, / des al die werlt gienc irre HeslApk 1723; checzer haissent laut, die an dem glauben irr gend mit willen RechtssB K18,4; do gieng sin gemeine volk also sere irre an dem rehten geloͮben und an der lutern bihte Mechth 5: 24,27

MWB 2 1978,35; Bearbeiter: Hansen

irreganc stM. auch ier(e)-. 1 ‘Irrfahrt, Umherirren’
2 ‘in die Irre führender Gang, Irrgang’
3 ‘Störung, Beeinträchtigung’
4 (rechtssprachl.) ‘umherirrendes, herrenloses Vieh’ (vgl. noch DRW 6,322 mit späteren Bel.)
   1 ‘Irrfahrt, Umherirren’ – als Selbstbezeichnung eines fahrenden Dichters: Irregank heiz’ ich, / manig lant weiz ich. / mîn vater Irgank was genant, / er gab mir daz erb’ in mîn hant Irregang 129; alsô sprach meister Irregank ebd. 144. – bildl. i.S.v. ‘(geistige) Verwirrung, Verirrung’ di trægen [...] mich zihent [beschuldigen mich] , ich hab verterket ein pfat [ich hätte einen Weg (hier bildl. für Textverständnis) vor ihnen verborgen] , [...] da zuͦ hab ich in [...] straz unde pfat verirret [...]. / hie wil ich nicht me sumen der selben sache kunde, / gar all ir straze rumen. ir irreganc der wer mir lichte sunde JTit 20,2; dez darfst du dich aber nit vil froͤwen, wan du maht dur mit in einen schedlichen iergang komen [in einen schädlichen Irrtum verfallen] Seuse 98,5    2 ‘in die Irre führender Gang, Irrgang’ der selbe laborintus [das Labyrinth] / ist ain sölich ieregang / baide witt unde lang: / wer dar inn wenett gon, / der selbe müss da vor beston GTroj 21963. 21917    3 ‘Störung, Beeinträchtigung’ sint der menschliche grat / sich selbir allir libiste hat, / [...] / darumme der libe getwanc [die Herrschaft der Liebe (über den Menschen)] / enphet geringir irreganc PfzdHech 213,12. – ‘Verwirrung, Chaos’ wir solden girregarren / und machen sulhen irregank, / daz der wirt ân sînen dank / des nimmer gedenken möhte RvMunre 1345. – als Selbstbezeichnung eines für einen Kobold gehaltenen Studenten: ich heize Irregank, / mîn bruoder heizet Girregar RvMunre 1334    4 (rechtssprachl.) ‘umherirrendes, herrenloses Vieh’ (vgl. noch DRW 6,322 mit späteren Bel.): wir [...] veriehen vnd tuon kunt [...], daz der erber ritter Johans von Mandach von vns ze lehen hat in Zürichgowe daz mulunue [d.i. mulvane ‘herrenloses Gut’ ] vnd den irregang UrkEidgenG 4,2:465 (a. 1316)

MWB 2 1979,1; Bearbeiter: Hansen

irregenge Adj. ‘in die Irre gehend, orientierungslos umherirrend’, hier übertr.: di werden lant [d.i. lâʒent ] daz reht niht irregenge, / die triwe und ere minnent, die valschen wisent iz wol an die lenge JTit 4484,3

MWB 2 1979,38; Bearbeiter: Hansen

irregengel stM. jmd., der sich von etw. fernhält (mit Präp. vor): und daz ein irregengel vor allem falsche wære / diu magt JTit 605,1

MWB 2 1979,43; Bearbeiter: Hansen

irregularitêt F. Ausschluss von der Ausübung der empfangenen Weihe, ‘Irregularität’ wurd auch ein prister oder ein clerice allev ampt der ordnung vnd der weih verpoten, so moͤcht er der chainez gehalten [abhalten, feiern] an die irregulariteten RechtssA P7,240; RechtssB P7,240

MWB 2 1979,46; Bearbeiter: Hansen

irregunge stF. ‘Störung, Beeinträchtigung’ (in der rechtssprachl. Wendung âne ~ ): daz diseu rede vnde ditze gelube stet beleibe an chriech vnde an irregunge UrkCorp (WMU) N487,35

MWB 2 1979,52; Bearbeiter: Hansen

irrehaft Adj. ‘verwirrend, schwer zu verstehen’ der iuch dâ wil, desn welt ir niht / und welt den, der iuch niene wil. / ir sît daz irresameste [La. irrehaftiste ] spil, / daz ieman ûf dem brete kan Tr 9888

MWB 2 1979,56; Bearbeiter: Hansen

irreheit stF. ‘Zorn, Aufmüpfigkeit’ (vgl. irre Adj. 4): daz er [Alexander] [...] lieze sîn irreheit stân / unt wâre sîneme hêren [Dareios] undertân, / alsô ander sîne forderen teten, / die sich nie wider ime gesazten VAlex 1053

MWB 2 1979,60; Bearbeiter: Hansen

irrelich Adj. , -lîchen Adv. 1 ‘in die Irre führend, verwirrend’
1.1 eigentl.
1.2 übertr. ‘irreführend, falsch’
2 ‘vom rechten Weg abgekommen’ , hier übertr.
   1 ‘in die Irre führend, verwirrend’    1.1 eigentl.: diß gewiltniß ist sere groß und sere irrelich, und eyner mag wol zwo tagweyde faren das er númmer fint húß noch herberg Lanc III 197,17; und ging er in das gewiltniß, so were es irrelich und unkuntlich, das er villicht verirren möcht und da verliben must als lang biß das im nÿmands húlff ebd. 199,17    1.2 übertr. ‘irreführend, falsch’ so si [die Richterin Debora] die rede vernam, / so mahte si siu sleht / ane irreliches unreht, / als rehte rihtere tuͦnt RvEWchr 17911    2 ‘vom rechten Weg abgekommen’, hier übertr.: sus komet uns daz alder / ie von jaren zu jaren, / daz uns die lide swaren, / der mut zur erden siget / der junc zun sunden stiget / und leider irrelichen stet HeslApk 15261

MWB 2 1980,1; Bearbeiter: Hansen

irrelôs (?) Adj. ‘frei von Beeinträchtigung’ (vom Sinn her hier nicht passend, vgl. Laa. z.St.): ist ein man des libes stark und gesund vnd der sinne irreloz [l. irre, lôs ? vgl. Laa. der sinne loos, der sinne beraubt u.a.] . waz er dan tut, daz en hat kein macht; ist er des libes krank [...] und ist der sin gesund, so hat ez macht waz er getut KlKsr 2,36

MWB 2 1980,17; Bearbeiter: Hansen

irre loufen stV. ‘vom rechten Weg abkommen, orientierungslos oder ziellos umherirren’ des wart der arme man unvro. / an unser vrowen rief er do, / daz si durch ire gute / des bischoves gemute / gegen im wolde neigen, / oder er muste veigen [verderben] / und irre loufen harte wit Pass III 57,87

MWB 2 1980,25; Bearbeiter: Hansen

1irren swV. auch ieren, ierren, erren. 1 ‘ etw. stören, in Verwirrung bringen, hemmen’
1.1 allg.
1.2 mit Inf. mit ze, zuo ‘etw. hintertreiben; verhindern, dass etw. getan wird’
2 ‘jmdn. stören, behindern, aufhalten’
2.1 allg.
2.2 mit Gen., Obj.-Satz, präp. Erg. oder Inf. mit ze, zuo ‘jmdn. bei etw. bzw. im Hinblick auf etw. stören, von etw. oder jmdm. fern- bzw. abhalten, an etw. hindern’
3 ‘jmdn. in die Irre führen’
3.1 eigentl.
3.2 übertr. ‘jmdn. täuschen, verwirren’
4 ‘jmdn. verfehlen’
5 ‘jmdn. reizen, erzürnen’ (übers. lat. irritare , vgl. aber Anm.z.St.)
   1 ‘ etw. stören, in Verwirrung bringen, hemmen’    1.1 allg.: liefen sie [Sonne und Sterne am Firmament] eine straze, so irreten sie einander, daz sie aller zerbrechent Lucid 46,9. 55,3; sie wolden in vermelden, / sie wolden irren sîne fluht LBarl 15006; irrit iz nicht di vmmacht so vurbe den sichen mit oxifenitia. vnde mit wermute SalArz 49,18 u.ö.; âvoy sô sol man schouwen wie / sîn lîp den poinder irret [wie er die Formation sprengt] . / wie erz mit hurte wirret! Parz 65,3; [die mishellvng,] div zwischen vns vnd dem bischolf von Salzburch ist gewesen, da wir Mvldorfær mit gesezze haben geirret [bedrängt, belagert haben] UrkWittelsb 1,390 (a. 1285); PrMd (J) 342,32. – mit zusätzlichem Dat.d.P.: wer irret [versperrt] uns den wec? Parz 121,28; dem wart sein eribtail geirret [verwehrt] ze Oͤsterreich EnikWchr 548 Prosa 9,3; das im niht anders girrit hat / wand viende munt und valschir rat RvEWchr 21609. – unter Ersparung des Akk.d.S.: du zefures vnde stelles, / du fromis [nutzt, bist förderlich] vnde irres Litan 61    1.2 mit Inf. mit ze, zuo ‘etw. hintertreiben; verhindern, dass etw. getan wird’ nü hort auch von den, die durch geittikait gots wort jrren fuͤrczebringen, das sew dester mer geniesses von den leẅten emphahen SchlierbAT (LS) 1,106. 1,162. 1,55    2 ‘jmdn. stören, behindern, aufhalten’    2.1 allg.: wellestv den wagenwech gen, so irre di niht, die den steich gent PrBerthKl 7,21. 2,51; swa si wazzir irte niht / noh mos, do kerten si sa / in groͤze lant in Asia RvEWchr 20337; da hing er den schilt uff den rucken, das er yn nit irret Lanc 629,9; ehafftig not [...], dy sy geiret habe WeistGr 1,31 (a. 1347); WernhMl 11802; unrechte minner irrent recht minnære: / einer machet, daz vieren missetrûwet wirt SM: Had 27: 2,1. 27: 3,1; swer lop und êre wil bejagen, / der sol dar umbe niht verzagen, / irret in etswâ daz guot StrDan 25; drie chunege si irten / di uart si in werten VMos 62,18; WüP 106c,3; Eckh 1:248,1; mit Refl.-Pron. ‘zögern, sich säumen’ ir sult iuch niht irren. ir sult iuch niht sumen [ nolite negligere, nolite tardare ] WhvStTh 15,1. – unter Ersparung des Akk.d.P.: dane irte unstate noch der muot Iw 2655; Parz 309,14. – subst.: dien [denen] ouch dan ir frowen sint ze hêre, / die mugen ouch daz vür ein irren jehen: / dist allez wider der minner heile ein strît SM: Had 27: 3,5    2.2 mit Gen., Obj.-Satz, präp. Erg. oder Inf. mit ze, zuo ‘jmdn. bei etw. bzw. im Hinblick auf etw. stören, von etw. oder jmdm. fern- bzw. abhalten, an etw. hindern’ daz sîe sîne vuínion íro slâffes nîe ne írten. mit dehêinemo úngestûom Will 38,9; unserm veint der uns unsers heiles irret, dem schuͤln wir mit worten und mit werchen widersagen PrOberalt 12,20. 52,16; und enmac dir daz nieman benemen noch dich des geirren einen ougenblik Eckh 5: 218,1; so irreten sie, daz ir zal iht erfúllet wurde Lucid 160,14; wie sú in ierren in dem guͦten fúrsazz Seuse 370,18; wer aber, daz in [den Bäcker] ieman daran [am Backen] irrete oder hinderte mit woͤrten oder mit werken WüP 89,23; er ging alleyn in ein fenster siczen da yn nymant irret an synen gedencken Lanc 54,2; HvNstGZ 3854; Walth 52,7; AHeinr 772(La.); fröiden unmuozze, / die ich von liebe gewinne, / irret mich ze sange niht SM: UvB 6: 1,13; die maget ouch nieman irte / ze tuonne swaz si wolde UvZLanz 2124; mit Refl.-Pron.: ir sit blinde lute / [...] / und irret [entfernt, entfremdet] leider uch von gote Pass III 646,94; sus müse sin [des Falken] ger weide irren sich [so müsste seine Begierde die Speise verfehlen] , daz er ir nicht bequeme Frl 5:114,19. – ‘jmdm. etw. vorenthalten’ si [Brunhild] truoc in [Gunther] z^$’einem nagele unt hienc in an die want, / do er si slâfes irte NibB 637,3; nu danct es dem wirte: / ir freude er si niht irte Parz 639,14. 596,2; swer uns nu irre eines kuninges, diu werlt gemeine uber den schrie Meissner 14:1,7; Wh 258,27    3 ‘jmdn. in die Irre führen’    3.1 eigentl.: er bließ alles ein andern weg dann sie den konig hien hetten, und irret sie also allen den tag biß in die schwarczen nacht Lanc 518,7    3.2 übertr. ‘jmdn. täuschen, verwirren’ vlihent die boͤsen geist die uns irren wolten PrOberalt 54,27; so choment uns die boͤsen gedænch und irrent uns, daz unser gebet von dem almæchtigen got iht [nicht] erhoͤret werde ebd. 54,22. 74,23; do nam der tuvel war, / wi er des abtes brudere / an velschlicheme ludere / irrete hi unde dort / durch crenken der vrouwen wort Pass I/II (HSW) 2059; AvaLJ 27,6; Frl 1:3,11. 12:5,8. – mit Präp. zuo (hier Pron.-Adv.) ‘jmdn. zu etw. verleiten, verführen’ daz welle wir widersagen, / daz er des niht entuo, / in irr ouch nieman darzuo, / der in mit triwen meint Ottok 73546. – im charakterisierenden Personennamen Irresichselben M. ‘Selbsttäuschung, Selbstbetrug’ (vgl. Glr. z.St.): der heizet bruͦder irresichselben · der wil wenen daz er vil gvͦt si · vnd also wise · swaz er gedenket daz sol allest daz beste sin SelbhReg 437,37    4 ‘jmdn. verfehlen’ mîn helfe iuch, frowe, niht irret. / swaz iu war od wirret, / swâ daz wenden sol mîn hant, / diu sî ze dienste dar benant Parz 24,21    5 ‘jmdn. reizen, erzürnen’ (übers. lat. irritare, vgl. aber Anm.z.St.): si mich reizten in den der niht was got und irreten mit uppekeite ir [interl. zu ipsi me provocaverunt in eo qui non erat deus: et irritaverunt (vom Übersetzer verlesen zu erraverunt?) in vanitatibus suis ] PsM C 6,21

MWB 2 1980,31; Bearbeiter: Hansen

2irren swV. 1 ‘irren, sich täuschen’
1.1 allg.
1.2 mit präp. Erg. ‘sich in etw. bzw. in Bezug auf etw. irren’
2 ‘vom rechten Weg abkommen, orientierungslos oder ziellos umherirren’
3 ‘von etw. abkommen, etw. verfehlen’ (mit Gen.)
   1 ‘irren, sich täuschen’    1.1 allg.: ir irret, ir sit vnwizzent der schrift EvAug 54,19; nv sehet noch, ïr vil armen liute, wie vaste iͤr irret, das ïr den gotes svn, der nie svnde getet, an das crûcze erhienget Konr 10,71. 13,62; swer an dem milcen sich ist der irrit gerne SalArz 56,18; HvHürnh 26,8; KvMSph 4,3    1.2 mit präp. Erg. ‘sich in etw. bzw. in Bezug auf etw. irren’ wissen und unwissen, in den beiden mocht er irren Tauler 212,29. 15,15; diu nâtûr hât an dem tier geirret, als man wænt, oder diu nâtûr hât ir ordenung verkêrt an dem tier BdN 238,9; Bihteb 29    2 ‘vom rechten Weg abkommen, orientierungslos oder ziellos umherirren’ er kert [...] / wit sweife und irrende von dan RvEWchr 477; diu fulica [das Blässhuhn] [...] neflîugit noch inirret niuweht. siist ineiner stete. unt traget sich da. mit diu si mach JPhys 22,3; ich irrete als daz schaf daz ueruert [interl. zu erravi sicut ovis quae periit ] PsM 118,176; Lanc 619,19. – ‘sich verirren’ sie gânt als einer, der eines weges vermisset: ie verrer er gât, ie mêr er irret Eckh 5: 194,3; ob etwer ist des hvndert schaf wern. vnd irret ainez vz in [ et si perdiderit unam ex illis Lc 15,4] . enlaet er niht di naünvndnivnzik in der wüste vnd get ez ze svchen daz verirret ist EvAug 42,14. – von der Bewegung der Planeten vor dem Fixsternhimmel (vgl. irrestërne ): die [Planeten] gant anders danne ander sternen, daz man sprichit, si sin die ierrenden sternen MNat 2,13    3 ‘von etw. abkommen, etw. verfehlen’ (mit Gen.): fremdiu chint lugen mir. unt siu irroten [Hs. irrototen ] uil harte rehtes wegis [ filii alieni mentiti sunt mihi et claudicaverunt a semitis suis Ps 17,46] JPhys 21,14

MWB 2 1982,13; Bearbeiter: Hansen

irre rîten stV. ‘vom rechten Weg abkommen, orientierungslos umherirren’ doch reit er wênec irre, / wan die slihte an der virre / kom er des tages von Grâharz / in daz künecrîch ze Brôbarz / durch wilde gebirge hôch Parz 180,15. 507,27. – bildl. im Sprichwort (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 362 s.v. slegel): genuoge hânt des einen site / und sprechent sus, swer irre rite / daz der den slegel fünde Parz 180,10.

MWB 2 1982,47; Bearbeiter: Hansen

irres Adv. auch iertes. ‘umherirrend’ seint dû dich tœtleichen erkennest, war umb tuost dû dann sô vil übels und verst irres in der werlt? BdN 491,28. – wohl hierher: ich mich wil zemaͮl dem geben, der mich haͮt behalten und als mengen und solich, die als loͤse waren, hat iertes lan gegangen und in den bluͦmen der jugent lan erstorben Seuse 549,27

MWB 2 1982,55; Bearbeiter: Hansen

irresal stM. 1 ‘Störung, Beeinträchtigung’
2 Ort, an dem man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’
2.1 eigentl. (hier von der Fremde)
2.2 übertr. ‘Verirrung, Irrglaube’
   1 ‘Störung, Beeinträchtigung’ nieman sol trenken sîn pfert, dâ man uber ein wazzer rîtet, ez ensî danne, [...] daz wazzer sô breit sî, daz man ûzewendec der rotte âne der anderen irresal muge getrenken StatDtOrd 112,18; diu sunne ist ir schînes milte, swâ si niht irresals hât von andern dingen unde dâ man ir den wec niht versetzet DvASchr 323,28; die aber des ertriches nihtesniht minnent, di varent vber sich ze himelrich an alle irresal als si von hinnan schæident PrBerthKl 4,101; StRAugsb 223,22; StRRegensb 104; KvMSph 56,25. – ‘Hinderungsgrund’ ist, daz er [der Bewerber] sprichet, daz der irresal [wie Heirat, Leibeigenschaft, Krankheit u.ä.] kain an im sie, so sol [erg.: man ] in vragen, ob er sich mit leib vnd mit willen welle geben dem spital SpitEich 5,19. – ‘Verwirrung, Chaos’ swaz rehts in andern steten was, / daz wart etswâ verkêret, / und irresal gemêret / dem rîch in sînen steten Ottok 426; sô wirt der irresal sô grôz, / daz diu stat wirt blôz / êren unde guotes ebd. 45937. 38868. – rechtssprachl. in der Wendung âne allen ~ ‘ohne Einschränkung, Beeinträchtigung’ (vgl. irresalunge ): die selben wisen haben wir verchavft vnd geben mit allem dem nvtz vnd recht [...] [den Eheleuten] vnd allen irn erben ledichlichen vnd vreilichen ze haben vnd allen irn frvmen da mit ze schaffen, verchavffen, versetzzen vnd geben, swem si wellen an allen irresal UrkEnns 5,298 (a. 1321); vgl. aber allgemeiner: fürbaz man in sach / varen her zetal / ân allen irresal, / wand man was sîner kunfte frô Ottok 13918. 72972    2 Ort, an dem man sich verirrt hat bzw. an dem man umherirrt, ‘Irre’    2.1 eigentl. (hier von der Fremde): den worten daz [unter der Bedingung, dass] ich ymmer pflegen / mit jamers suften welle din / in irresal, liebiu vrawe min, / gewer mich des ich dich bit WhvÖst 2900    2.2 übertr. ‘Verirrung, Irrglaube’ nû sagt mir, / ob ez umb in alsô stê, / daz er kristenlicher ê / sî geloubic unde ganz, / daz dehein irsales schranz [Fehler, Mangel] / sînem herzen wone bî? Ottok 20081; das er [Gott] mit seiner gothait macht / allen ïrschal zestort Märt 5177; zum ersten so erschinent [am Jüngsten Tag] diu zaichen der ierreseli alder dez ierretuͦmez. daz die luͥte da mit werden betrogen PrSchw (St) 4,61. SchlierbAT (LS) 1,184; Dalimil 90,4. – aus heidnischer Perspektive vom Christentum: der [Paulus] hât ouch Kriechenlant / brâht in grôzen irresal Ottok 47829

MWB 2 1982,63; Bearbeiter: Hansen