Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kamer- - kamermeister    


kamer- s.a. kemer -

MWB 3,1 119,49;

kamerambet stN. 1 Tätigkeit des Kammerdieners (zum persönlichen Dienst)
2 (niedriges) Kämmereramt, betraut mit finanziellen Aufgaben bzw. der Verwaltung von kamerguot (zur Sache vgl. DRW 6,800ff.)
   1 Tätigkeit des Kammerdieners (zum persönlichen Dienst): ‘vrowe, waz sol ich sprechen mêr? / wan iwer hof stât ritterlîch: / man wirt dar inne wol êren rîch. / und wirt mir iwer kameramt, / ich hânz, ob got wil, ungeschamt / und wilz ouch von iu mit den spern / enpfâhen, swenne ir welt, vil gern.’ UvLFrd 235,29    2 (niedriges) Kämmereramt, betraut mit finanziellen Aufgaben bzw. der Verwaltung von → kamerguot (zur Sache vgl. DRW 6,800ff.): vonme kamær ampet git man zwai pfvnt UrbBayÄ 1556,g; das ich in vnd dem closter in das vor genanntchamer ambt dienen sol [...] ainen emer weins UrkEnns 6,138 (a. 1334 kopial); eyne halbe huwe, die wart gegeben zu selegerete in das kameramicht den vrowen zu der kappellen DRW 6,801 (Diefenb.-Wülcker 685; a. 1346); wohl hierher: die sine chamer ampt hant StrKD 107,197; der dô des kameramtes phlac Ottok 91044

MWB 3,1 119,50; Bearbeiter: Diehl

kamerære stM. auch kemerer. ‘Kämmerer’ (rechtl. stärker differenziert mit zahlr. weiteren Belegen DRW 6,843-850; zur Sache vgl. 2HRG 2,1548ff.): camerarius: kamrer VocOpt 41.071 1 in der Verantwortung für die kamere (ihre Ausstattung, herscherl. Kleidung, Schatz, Einkünfte) und die mit ihrer Verwaltung verbundenen Aufgaben wichtigstes Hofamt neben marschalc , schenke , truhtsæʒe in den meisten weltl. wie geistl. Herrschaften (vgl. hovemeister , kamermeister )
2 ‘Diener, untergeordneter Bediensteter’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden)
3 Verantwortliche oder Bedienstete im Bereich städt. oder dörfl. Verwaltung bzw. bei Gericht
4 übertr. ‘Verwalter, Hüter’
5 Einzelnes
5.1 als Bestandteil von Flurnamen
5.2 als Bestandteil von Personennamen
   1 in der Verantwortung für die → kamere (ihre Ausstattung, herscherl. Kleidung, Schatz, Einkünfte) und die mit ihrer Verwaltung verbundenen Aufgaben wichtigstes Hofamt neben → marschalc , schenke , truhtsæʒe in den meisten weltl. wie geistl. Herrschaften (vgl. hovemeister , kamermeister ): ich bevalh den kemerere min / beide ros vnde gewant / daz sie brachtin indiz lant Roth 2614. 1138; Marssilies gebot den kamereren / daz si gereite waren / der uil herlichen gebe Rol 2707; Eraclîus der gewære / hiez die kamerære / dem guoten man daz silber wegen Eracl 1042; Rennew 12273; RvEWchr 7129; do kom der burg kamerer Minneb 224; daz vns [dem Abt von Limburg] di [ vischerie zu Eychene ] dienen sal oder vnserme kemerere also lange, also wir zu Nuwenburch sin UrkCorp (WMU) 3067,25; jch Otto von Liehtenstain, chamerer in Steir ebd. 3413,9; Bruich, der vrauwen kemereir van Guilche StRechAachen 409,30. – in Verbindung mit den anderen drei zentralen Hofämtern marschalc ; schenke ; truhtsæʒe : div geistlichen fvrsten ampt vnd div weltlichen fvrsten ampt, div sin gestiftet von erste mit vier fvrsten ampten, mit einem trvhsæzen vnd mit einem marschalke vnd mit einem kamerær vnd mit einem schenchen SchwSp 33a; dô nam mîn hêr Gâwân / vier werde rîter sunder dan, / daz einer kamerære / und der ander schenke wære, / und der dritte truhsæze, / und daz der vierde niht vergæze, / ern wære marschalc Parz 666,25; Wh 261,22; Eracl 1609; die ambtliute us des bischoves costen suln ime rat tuon, der marschalch sinen rossen, der trussezze daz essen als dem bischove, der schenke den win also, der camerer daz gewant RbBasel 12,8; UrbBayJ 529. – bezogen auf die Erzämter der Kurfüsten: daz riche uz siben münden / maz ie sin kür mit kreften: / [...] / der marschalc ist von Sachsen; / sol sin ein kamerere / wol Brandenburc, der herre Frl 12:9,7; wir Ludowig von gots genaden marchgraf ze Brandenburch, des heyligen romischen reychs oberister chamerer StRMünch 142,33; RvZw 240,9. [Judas] was Christes kamerêre Renner 3220; des endekristes kamerer / sint ûf erden gar ahpêr, / die guot în sament âne selde, âne êre ebd. 8693; alle zungen suln ze gote schrîen wâfen / und rüefen im, wie lange er welle slâfen. / [...]. / sîn kamerære [der Papst] stilt im sînen himelhort Walth 33,28    2 ‘Diener, untergeordneter Bediensteter’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden): des wirtes kamerære in becken von golde rôt / daz wazzer für truogen NibB 606,1; UvLFrd 226,30; sich huop dâ harte grôz gedranc / dô si gekrœnet giengen vür. / die kamerære bî der tür / wielken ez mit starken slegen Wig 9490 (vgl. kamerstap ); WälGa 3243; juncfrouwen, kamerære, / swaz der dâ bî ir wære, / die lie si slâfen über al Parz 192,21; Mai 94,9; Ottok 46424    3 Verantwortliche oder Bedienstete im Bereich städt. oder dörfl. Verwaltung bzw. bei Gericht: swaz si da [während der Feuerlöscharbeiten] verliesent, daz suͤllen in der stat chamrer gelten StRMünch 419,29; ez muͤgen aber zwen arm pecken wol auf ainer panck sten, nach der chamrer rat und wizzen ebd. 433,9 u.ö.; vnnd sünndt dissz die amptleüth: ein marschalckh, ein schultheisz [...] ein cammerer WeistGr 4,190 (a. 1339 kopial); gebutet der richter dem kemmerer, das her in lade DRW 6,848 (ÄltpolnRdm.; vor 1320)    4 übertr. ‘Verwalter, Hüter’ di da hie beuore were / des heiligen geistis camerere Litan 695; VRechte 370; Mechth 1: 44,43; Jôsep den du mir ze huote / gaebe, daz er mîner kiusche ware / hüeter unde kameraere Philipp 7473; der züchte marschalc Kurvenal / und aller tugent ein kamerer HvFreibTr 1541; iuwers heiles kamerære Craun 582    5 Einzelnes    5.1 als Bestandteil von Flurnamen: vnser holz zvͦ Alungen, das da heizet der camerere holz UrkCorp (WMU) N709,41    5.2 als Bestandteil von Personennamen: Niclaus Kamerere vnd andere erber luͥte UrkCorp (WMU) 2300,2; her Albreht der alte Kamerer ebd. 790,46. – bereits als fester Familienname her Ulrich, der kamerer uon Wellenpurch UrkCorp (WMU) 3443,28 u.ö. – Lit.: W. Rösener, Hofämter an mittelalterlichen Fürstenhöfen, in: DAEM 45 (1989), S. 485-550.

MWB 3,1 120,5; Bearbeiter: Diehl

kamerærinne stF. auch kamerinne (Mai ). ‘Kämmerin’, von der Hofmeisterin bis zur Kammerdienerin, -frau (nicht immer klar zu differenzieren, vgl. kamerîe ): dar inne guͦt gesteine / smaragden, jachande, / robine unde diamande, / saphire unde ander steine gnuͦc / her fur di kemmereren druͦc Elis 520. 2711; [die Königin] und ir zway kindelein / und auch di kamererin HvNstAp 4734; diust [die Nachtigall] dâ ze hove kamerærîn: / diu sol ir leitærinne sîn [vgl. auch V. 4800 meisterinne ] Tr 4811. – übertr.: wîsheit pflac dîner [Beaflor] sinne. / triwe dîn kamerærinne [Hs. chamerinne ] was Mai 176,15; trvwe ist der tugenden ein gezelt / und wiget in allen hohis gelt / sist allir tugent ein kamererin / vnd schenkit in der minne win Martina 25,47; gîtikeit hât alterseine / mit aller missetât gemeine: / bôsheit ist ir kamererîn, / karkeit ist ir kelnerîn Renner 4567; sa sie [die Seele] vor ir da schauwit / die godelichen gnade, / die [...], / eyn kemmereren godis ist PrHess 11,416; Mechth 7: 36,37 u.ö. – Ehefrau des Kämmerers: jch Elsbet von Lengenbach, chamererinne in Oͤsterrich, vergich an disem brief [...], daz ich den cehent datz Gvntherstorf,, verchovfet [...] han [...], vnde ist daz geschechen mit meines wirtes Frideriches, des chamerers in Oͤsterrich, gvetem willen UrkCorp (WMU) 1732,30

MWB 3,1 121,30; Bearbeiter: Diehl

kamerærse swF. ‘Kammerdienerin, -frau’ (zur Bildung -se, -sen vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S 183ff.): der kunig hatte tusint jungelinge und also vil kemeryrschin, dy do dyntin in syme hove MarcoPolo 40,9; in rechten trouwen, her Godyn, / ir souldet eyne kamerersse syn, / want ir wyllet vmmer syn gereit / zo wyssen vrauwen heymlicheit KarlGalie 13667

MWB 3,1 121,57; Bearbeiter: Diehl

kamerbëlle swF. spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a. kamerbirse , kamerrûʒe ): dô sprach diu kamerbelle: / ‘nû vârent al getelle! / mîn rât der wirt iu nütze. / [...].’ HBirne 311

MWB 3,1 122,1; Bearbeiter: Diehl

kamerbirse swF. spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a. kamerbëlle , kamerrûʒe ): si wart noch grüener dan ein gras / und dar nâch als ein kirse. / dô sprach diu kamerbirse: / ‘ frouwe, ich hân ez wol vernomen, / wir sint ze laster beide komen. / [...].’ HBirne 455

MWB 3,1 122,6; Bearbeiter: Diehl

kamere stswF. ‘Kammer’ (v.a. zu den rechtl. Aspekten vgl. DRW 6,784-797; 2HRG 2,1544-48) 1 in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums)
1.1 allg.
1.2 mit Hinweis auf verschiedene Funktionen
1.3 häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von 3.1 , vgl. auch )
2 selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort)
3 in rechtl. Zusammenhängen
3.1 bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu trennen von 1.3 )
3.2 bezogen auf ein Gericht
4 bezogen auf den Himmel, das Paradies
5 bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.)
5.1 in seiner Gesamtheit
5.2 auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz
6 Einzelnes
6.1 übertr.
6.2 umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg
   1 in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums)    1.1 allg.: ir findent mich in der schönsten kamern die in dißem sal [Palasgebäude] ist Lanc 350,12; alse vil wonungen und kammeren sint in eime huse, also sint in dem menschen vil krefte und sinne unde wúrckunge Tauler 104,16; erlpleter habent die art, wâ man si sträut in ain kamern, dâ tœtent si die flœch BdN 315,8. – übertr. (von der Seele als Braut): so gat dú allerliebeste zuͦ dem allerschoͤnesten in die verholnen kammeren der unsúnlichen gotheit Mechth 1: 44,78    1.2 mit Hinweis auf verschiedene Funktionen: der künic ze der vürstîn urloup nam er volget dem Lutringaere, / der wîst in in ein kamer wît, / diu mit rîchen tepchen schône was beleit, / dar inne stuont ein bette kostebaere Loheng 858; die maget wolgêtan / mit dem künige ist gegân / ze kamern und ze reste ErnstD 2841; in der kamern lac Hector, / vnz er wol gesunt wart Herb 9375; do was bi Priamis trone / ein kamere vil schone: / [...] / Priamvs hiez in daz gaden / sine ratgeben laden ebd. 7216; vnde so si dv nvwin [Kleider] impfant so svns dv altin zehant widir gebin zir chamra [ in vestiario ] BrEng 55; darnach kamen sie in ein kamern, da stunden zwenczig habich und valcken off eim rick. darnach kamen sie in ein ander kamern, da stunden zwenczig der schonsten roß Lanc 428,13. – ‘Abtritt, Toilette’ wir sollen och iewederhalp des baches vber den selben bach machen zwo offene kameren mit vier sessen, zvͦ den maneglich moͤge gan von iewederre strasse, vmbe sin gemach da ze habende UrkCorp (WMU) N714,33,34; von deme swîgene zu haldene in den heimelichen cameren [ in locis nature necessariis ‘Toiletten’ ] . / in den stûlen unde in den cameren der privoisen [ ante sedes et in sedibus ‘Toiletten’ ] sulen die brûdere zu allen cîten ir swigen vesteclîche halden StatDtOrd 71,24; itwanne dunket enem, wo he gerne to stole ginge vnde et krimmet en sere in den lif; wan he vf dy kammeren kommet, so wyl nych von eme OvBaierl 25,2. – Lager und Verkaufsstätte eines Kaufmanns (vgl. koufkamer ): wer zu kamern stet, der sal zu cynse geben eyne halbe mark UrkBresl 103 (a. 1324); alle [...] sullen geben uz der kameren vumf virdunge alle iar StRFreiberg 251,29. – in der Wendung ~ unde këller: da sie in der burg da waren und die kelre und die kamern besuchten Lanc 478,33; jch sol auch dem capitel ze Salzburch mit cheller vnd mit chamer vnd mit allem gemach warten UrkCorp (WMU) 1436,31; daz si [...] antwürten [...] sullent [...] vnser heilgen sant Felix vnd sant Regeln fünff mütt kernen in die kamer vnd in den keler WeistGr 1,9 (a. 1338). – hierher oder Kompositum ‘Zimmer im Untergeschoß’ (vgl. Steinhoff, Lanc., S. 989): ein ander bot kam und sagte das ers durch got dete und durch synen willen und zu im keme, zu Bertelac in die nieder kamer, er were so siech das er yczu sterben wönde Lanc 539,27. – wohl Verschreibung: die wile daz got in ertriche was. do erquickete er dri totin. einen in der kartuͦrn PrLpz (L) 70,29 (vgl. der in der kamirn ligt bezlozzin ebd. 71,1 )    1.3 häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von 3.1, vgl. auch ): nu vore golt vnde schaz / des ein michil mancraft / indiner kameren / is gelegit zo samene Roth 598; Frúoté der küene der kamere er dô phlac, / dâ golt und gesteine und vil dínges inne lac Kudr 280,1; ist daz ein christe eim iuden ein wunden slecht, [...] der selbt geit dem chunich oder herczogee czwelf marck goldes in sein chamer StRBrünn 369; PKchr 209,42; Hawich 4518; lât mich pflegen der kamere. belîben ûf der fluot / wil ich bî den frouwen, behüeten ir gewant NibB 531,2; silber, gesteine, pfellor vnd golt / vnd al der kvͥneginne kamer, / ahzek soͮmer, die nam er, / die gar die kamer trvͦgen TürlArabel *A 255,3; chumt ein wcherære dar, / [...], / swaz si [Menschen, Einwohner] habent, daz wirt sin. / er ist ir chamer und ir schrin, / dar in ir gut allez muͦz StrKD 138,8. Engellant ze ainer kamere [ ‘Vorratskammer, Einnahmequelle’ oder ‘Gebiet eines Staatsgebildes’ (vgl. 6.2)] / eruacht ich dem chunc Karle / unt andriu uil manigiu riche Rol 6855    2 selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort): er schuof den rittern ir gemach, / und gienc da er sîne kamern sach, / ein kleine gezelt von samît Parz 93,8. 800,16; einen helfant zôch ein knappe kluoc / der des küniges kamer truoc Wig 10688; das werde helffant was perait, / der frauwen kamer dar auff gelait HvNstAp 17910    3 in rechtl. Zusammenhängen    3.1 bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu trennen von 1.3): alle di, di gehoren in ains bischof von Wirtzburg camer unn hof WüP 104,9; wan diu munzze in in sine [des Bischofs] kamer hoeret StRAugsb 18,8; die selben [Juden] gap der künic Tytus in des rômischen küniges kamer ze eigen SchwSp (W) 214,15; SchöffIglau 178; er sulle im senden hin / die juden in Francrîch / und die sullen eigenlich / in des rîches kamer gehôren Ottok 91327 (vgl. kamerknëht ); swer avch in vnser [des Hzgs. von Bayern] chamer ist oder chvmt, wír meinen in di mvͤnz vnd an den wehsel [ in camera nostra, hoc est in loco monete vel concambij (2273A,42)] , dem pannen vnd gebieten wir frid UrkCorp (WMU) 2237B,18; ist 1 lêhen, daz hoͤrt in der abtassinne chamer [ pertinet ad cameram abbatisse ] UrbSonnenb 80    3.2 bezogen auf ein Gericht: aber jst, daz vf der hofmarch vor dem rihter iht ze chrieg chumpt, daz an des voites reht gêt, daz sol er [der Richter] an den voit bringen, so der denne in sin hvͦs zv chamer chumt UrkCorp (WMU) 1100AB,21,20; er sal zu der schepphen cameren nicht gehen RbMagdeb 251,15. 252,54    4 bezogen auf den Himmel, das Paradies: daz wir gerne unsen scaz / beginnen hine samenen / in di himelischen cameren Glaub 2601; kuͤnginne, gammer [Maria, gehen wir] ! / wis mich zu der kammer / mit diner wishait sluͤzzel, / daz mir gnaden schuͤzzel / dar inne gefuͤllet werde WhvÖst 14410    5 bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.)    5.1 in seiner Gesamtheit: [die Heiligen, die] uz dem chamer disses broden libes in diu himelischen wunne zv der genozzeschefte der heiligen engel fuͤr das antluz des almehtigen gotes chomen sint Konr 19,5. 22,93    5.2 auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz: vzer dez wibes leberen gant zuo vil enge aderen in die kameren, da daz kint inne lit Lucid 62,16. 62,2 u.ö; min lieber sun spilt harte fruͦ / in des leibes kamere Wernh A 2409 u.ö.; daz hirne ist geteilt in drie cameren Lucid 63,7; kæme ich in ir herzen kamer, / ob si daz mit willen lieze, / dâ wont ich KLD:BvH 16: 4,7. – übertr.: niht an der an gebornen wât, / diu von des herzen kamere gât, / die si dâ heizent edelen muot Tr 4994; mins herzen grunt, mins sinnes kamer Frl 3:29,7    6 Einzelnes    6.1 übertr.: unschuldic ist der zungen hamer. / ez [ daz getiht ] muoz kumen von des herzen künste kamer Loheng 7645; wez sleht diner bosen zungen hamer / muntz falsch in truwen kamer? Minneb 4006; nv hvͦp sich manger hande spil, / der ich nv niht sagen wil. / floytirn tambvren vnd tschalmin, / in dem kle muos ir kamer [Aufenthalt] sin TürlArabel F 497    6.2 umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg: das [sie] [...] verkoufet han ir wingarten [...] eine halbe juchert rebon [...], siben kamer rebon UrkZürich 7,142 (a. 1300); 15 kamern reben und 1 steg SchweizId 3,250 (ZUrk; a. 1335)

MWB 3,1 122,12; Bearbeiter: Diehl

kamererstap stM. unklar, ob Syntagma oder Kompositum. Stab der Kammerdiener (v.a. um im Gedränge Raum zu schaffen): nû het ouch diu keiserîn der gaehe sich niht versûmet: / sie und diu rein Elîzabeth / sich ein teil vür die pfafheit gemachet het, / vil kameraer steb [ kamerstebe Konj., vgl. Rückert,Loheng. z.St.] in durch gedrenge rûmet Loheng 3020 (vgl. swie doch die kamerære stebe heten JTit 1842,2 und kamerære 2)

MWB 3,1 124,41; Bearbeiter: Diehl

kamergewant stN. bei besonderen Gelegenheiten getragenes Gewand (das auf Reisen mitgeführt wird): manec soumær muose tragn / kappeln unde kamergewant. / manec soum mit harnasche erkant / giengen ouch dar unden Parz 669,5. 353,8; ir kamergwant truoc man în / und entladete den helfant Wig 11460; Eilh (L) 6424. 6417

MWB 3,1 124,50; Bearbeiter: Diehl

kamergrâve swM. leitender Kämmereibediensteter der Finanzverwaltung in habsburgischen Ländern (vgl. DRW 6,895f.), ‘Kammergraf’ jch, Pittrolf von Tuln vnd purger ze Wienne vnd zden zeiten chamergraf, tun chunt UrkCorp (WMU) 3148,2. 1818,35

MWB 3,1 124,57; Bearbeiter: Diehl

kamerguot stN. von der → kamere verwaltetes bewegliches und unbewegliches Gut eines Landesherrn bzw. dessen Erträge (vgl. 2HRG 2,1560f.), ‘Kammergut’ wer hintz kamer gelten sol, und des laugent, wann man es an in vodert, das pringt ain ieder hausgenoss wol mit seinem schreiber. gicht aber der antwurter, er hab des kamerguet gewert, und das der hausgenoss des laugnet, das pringt der antwurter wol mit zwain ietzlichen pider erber mannen, als recht ist StRWien 36. 37

MWB 3,1 124,62; Bearbeiter: Diehl

kamerhof stM. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörender Hof: darnâch fuorten si in [den gewählten jungen König] / in den kamerhof hin. / in der selben klûse / wont der kunic mit hûse Ottok 80255

MWB 3,1 125,8; Bearbeiter: Diehl

kamerholz stN. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörender Wald (hier als Flurname, vgl. kamervorst ): aput silvam dictam kamerholz prope Bliswilr UrkSlgAlmende 416 (a. 1284); daz der stift von Selse suͦnderliche hat drie welde, ligende in demme vorgenanten eigen, daz ist daz Rôtris, der Mülnhart unt daz Kamerholz WeistGr 1,761 (a. 1310)

MWB 3,1 125,13; Bearbeiter: Diehl

kamerhort stM. ‘Schatz’, der in der → kamere aufbewahrt wird (hier übertr.): dîner werke pflac Stæte / und aller dîner ræte / gedanke unde worte / und dîner kamerhorte Mai 177,30; minne ist ein daz beste wort, / minne ist ein übergulde, ob allen tugenden kamerhort, / minne ist ein sloz der sinne, dâ mite man guotiu werc besliezen sol RvZw 32,2

MWB 3,1 125,21; Bearbeiter: Diehl

kamerhuobe stF. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörende Hufe: in Smidhaim chamerhvb et donacio eiusdem UrbNAlteich 18; curia in Dvrrenperge, que est una chamerhvb ebd. 397a u.ö.

MWB 3,1 125,28; Bearbeiter: Diehl

kamerîe stF. md. auch kemerîe. ‘Kammerdienerin, -frau’ (zur Bildung vgl. Suolahti 1,116; s.a. kamerærinne ): Kunegunt die frîe, / die ist ir kamerîe, / ir ingesinde tegelîs; / sie hat ouch sunderlîchen prîs EbvErf 3164. 1285; die edele furstinne bat iren hern zu einem male unde sprach ‘gnediger herre, ich bete uwer gnade daz ir mir und minen kemerien erloubit daz iz bestalt werde, waz geroubit adir armen luten wider got abe gebrochen si’ Köditz 28,28

MWB 3,1 125,33; Bearbeiter: Diehl

kamerinne stF. kamerærinne

MWB 3,1 125,43;

kamerknëht stM. 1 niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’
2 zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2 HRG 2,1562f.; weitere Belege DRW 6,923-25)
   1 niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’ dô si geriten hêten wol nâch ritters rehte, / dô wurden vil unmüezic ûf des küniges hóve vil manige kámerknehte Kudr 180,4    2 zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2HRG 2,1562f.; weitere Belege DRW 6,923-25): wir Ludweich von gots genaden roͤmischer chuͤnich [...] enbieten unsern lieben chamerchnechten den juden ze Regenspurch unser huld MGHConst 5:598,7 (a. 1323); sehzig marck silbers geltes, die er von uns und dem riche hat uf den juden ze Spyer, unsern lieben chamerknechten UrkSpeyer 340,26 (a. 1331); wanne die juden zuͦ Nuͤrenberg unser camerknecht itzunt sitzent in manigerley vehe des gemainen volkes und auch die burger in der stat irs leibs und guͦts, die weil die juden in der stat seint, nicht sicher seint MGHConst 9:463,4 (a. 1349); (vgl. daz er di juden (seiner chamer chnecht) vreien vnd beschirmen wil UrkWürzb 39,218 (a. 1323 kopial) und kamere 3.1)

MWB 3,1 125,44; Bearbeiter: Diehl

kamerlant stN. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörendes Landstück, Hofeinheit (weitere Belege DRW 6,930f.): ez svͤln ouch des gotshouz amptleute den selben wein vnd andern wein, den di maier von ir chamerlant dienent, alliv iar nemen nah zwaier frumer gemainer manne rat UrkCorp (WMU) 3479,19 u.ö.; [wir] vergehen [l. verjehen ] offenlichen unt tuon kunt [...], das wir [der Propst des Klosters Polling] [...] habent lassen [...] unser chamerlant ze T. unt unsern zehenden ze P. DRW 6,931 (SchlernSchr. 112; a. 1312)

MWB 3,1 126,1; Bearbeiter: Diehl

kamerlêhen stN. ‘Kammerlehen’, von einer → kamere ausgegebenes, zum → kamerguot gehörendes Lehen bzw. entspr. Geldsumme der Kammereinkünfte (vgl. differenzierter mit weiteren Belegen DRW 6,932f.): kamerlehen ist nit reht lehen. daz hat ende so der herre vnd der man wil. kamerlehen ist daz. so ein herre sprichet ze sinem man. ich lihe dir ûs minr kamer ein marke oder mer SchwSp 200a; swoz ich im [dem Bischof von Passau] mohtt vfgeben, daz han ich im geben vnd vfgeben [...] in sin hant [...], an div chamerlehen, div han ich mir selbe svnderlichen behalten mit sinem guten willen UrkCorp (WMU) 3418,1; Vͦlreich von Ahe hat 1 acher, der ist 1 chamerlehen [ agrum ad cameram pertinentem ] UrbSonnenb 113; UrbBayÄ 1926,a. – der dafür zu leistende Zins: das Peter von Ranbach [...] sin kamer leͥn in dem hove ze Obrendvnrten, ein malter habren gelz ierlichs, das von v̂ns, der herschaft von Rapreswile, sin rect kamer leͥn was, verkoͮfet hat [...] dem abte vnd dem gozhûs ze Rvͥti UrkCorp (WMU) 3050,14; so sol der hof gelten ze zinse 1200 kese [...] und daruber 5 ß ze kamerlene UrbHabsb 1:300,6

MWB 3,1 126,12; Bearbeiter: Diehl

kamerlouge swF. ‘Urin’ (zu kamere 1.1): mit den vrouwin si antrug / daz sie uf den meistir klug / guzzen kamirlouge / uf houpt und uf sin ouge PfzdHech 336,30; sie netzten ir [der personif. Seele in der Hölle] in die augen / mit fuͦrin kammer laugen. / sie warn an der martel snel HvNstVis 520

MWB 3,1 126,36; Bearbeiter: Diehl

kamerlöugelîn stN. Dimin. zu kamerlouge : Antipes sîn wîb ob im was / und schute im ûf das houbet sîn / ein unreines kamerlöugelîn, / das es im dur den buosen ran Ammenh 16782

MWB 3,1 126,43; Bearbeiter: Diehl

kamermeier stM. bäuerl. Inhaber einer → kamerhuobe : V. chamermayer in F. solvit de chamerhub DRW 6,940 (MittSalzbLk. 74; 13. Jh. (?))

MWB 3,1 126,47; Bearbeiter: Diehl

kamermeister stM. ‘Schatzmeister, Kammermeister’, Verwalter der Kämmereieinkünfte (vgl. kamerære 1, hovemeister ): do hisch he sinen kamermeistir unde hiz unde gebot im nemelich daz her gelde unde bezale solde waz da vorzert unde vortan were Köditz 51,11; den kamermeister er ez [Helm, Schild und Schwert] nemen hiez, / der moht ez kûm gedinsen vor der swaere Loheng 799; zv disem kaͦvfe wrden gebeten vnde zv gezivgen genvͦmen her Otte von Swarzburc, chorherre zv dem tvͦme, [...] her Albreht der schriber, [...], her Vlrich, kamermeister UrkCorp (WMU) 3130,12. 3131,39. – bezogen auf die Erzämter der Kurfürsten: wir Ludwig von gotis genadin margrafe zuͦ Brandenbuͦrg [...] des heyligen romischen riches oberster kamermeyster MGHConst 9:53,41 (a. 1349)

MWB 3,1 126,50; Bearbeiter: Diehl