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ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   ker|mël - kërsenmuos    


ker|mël stN. Mehl, das nach dem Getreidemahlen in der Mühle zusammengekehrt wird, ‘Kehrmehl’ (vgl. DRW 7,705 mit späteren Belegen): man ist auch seinem chnechte chains chêrmelbes schuldich ze geben RbRupr 154

MWB 3,1 216,9; Bearbeiter: Hansen

kern, keren swV. auch chergen, cherigen. ‘kehren, fegen, reinigen’ (häufig bildl.): mit allim vlizze wrde iwer hûs gechert unde gereinit Spec 73,24; von diu chêrge ein ieclichez die bosheit ubilir werche ûz sinime herzin ebd. 73,25; den mist si fur die ture cheret Hochz 34; uns ratet Ysaias, / daz wir cherigen daz hus ebd. 573. 53; kere ir phat mit süzer worte lobes besem Frl 3:4,6; Meissner 1:11,2; sprichw.: der niuwe beseme kert wol, / ê daz er stoubes werde vol Freid 50,12; KvWEngelh 4879(App.). – ‘säubern, ablecken’ dem helde muotes rîche / kerte ez [das Pferd] vriuntlîche / mit ligenden ôren sîne hant RvEAlex 2186

MWB 3,1 216,14; Bearbeiter: Hansen

kërnapfel stM. ‘Granatapfel’ (vgl. AWB 5,134): malum punicum vel malum granatum: rotephili, rodaphil, koraphel, kernapfel SummHeinr 1:185,208

MWB 3,1 216,27; Bearbeiter: Hansen

kërne, kërn swstM. ‘innerer Teil, Kern’ 1 allg. das Innere von etw., bes. Frucht im Ggs. zur Schale
2 ‘(ausgedroschenes, entspelztes) Getreidekorn’ (vgl. für weitere Belege WMU 2,995f.)
3 der essbare Kern einer Nussfrucht, ‘Nuss’
4 ‘Samenkern, Samen’
5 das Innere der Sprossachse von Pflanzen
5.1 ‘Mark’
5.2 ‘Kernholz’
6 das Innere von Knochen, ‘Mark’
7 übertr.
7.1 ‘das Innerste’
7.2 ‘zentraler, wichtigster bzw. bester Teil’
7.3 ‘innerer Gehalt, Sinn’
7.4 ‘Inbegriff, Verkörperung von etw.’
   1 allg. das Innere von etw., bes. Frucht im Ggs. zur Schale: swer die schalen vor hin dan schelt, / der siht alrêste den kernen Wh 322,15; als uz der schal der kern / wirt wiz gelost WhvÖst 10800; es klaget nieman als vil bitterkeit der húlschen, als der, dem unkunt ist dú inre suͤzikeit dez kernen Seuse 207,16. – bildl. (vgl. 7 ): der wilden rede nim ich den kern / her von der schaln und wil iuch wern / der wârheit unverhouwen KLD:Alex 2:19,1; minne ist ein suͤzer kerne Rennew 29470; als diu stimm in berges kor / den schal wider giltet, / sus er min rede schiltet / und maset [befleckt] mir den wizzen kern WhvÖst 10835; Renner 22305    2 ‘(ausgedroschenes, entspelztes) Getreidekorn’ (vgl. für weitere Belege WMU 2,995f.): ich hoer des den edeln vogeln jehen, / sie ezzen kerne vil gerne LvRegSyon 2462; die klainenn speis gebernt dünnes und klares pluet und guet pluet als kern und hüenr und kapaun unnd air HvHürnh 50,2; der mutte cherne chom umbe ainen pfenninch Kchr 16685; ador: kerno quod vulgo semen dicitur SummHeinr 2:56,451. 1:206,454; Bîspel (Pf) 11,38; Tr 10376; bildl.: nu hant vor mir die wisten / den kern geloͤset uz den vesen [Hülsen] des muͦz ich uz den hælmen lesen / min tihten als ein stupfelman [Ährenleser] WhvÖst 1495; ir sult den spriu / hie scheiden von dem kerne Frl 5:11,9. – in Abgrenzung zu anderem Getreide spez. zur Bezeichnung eines bestimmten Getreidekorns, hier wohl des (entspelzten) Dinkelkorns: was man aber hinusz fürt [davon gibt man als Abgabe:] von ainem schaff kern 2 dn. item von ainem schaff roggen 2 dn. item von ainem sack melbs 2 dn StRAugsb 264,9. – metonymisch eine bestimmte Menge bezeichnend (wohl ein Scheffel): do [im Jahr 1349] galt der kern ahzehenthalben schilling pfenning, [...]. des selben mals galt der rogg vierzehen schilling und vier pfenning StRAugsb 245,12 (vgl. 245,4)    3 der essbare Kern einer Nussfrucht, ‘Nuss’ êin nuz hat driv an iri: rînte, schale, chern Spec 13,29. 13,31; wilt du machen ein nuͤzzemuͦs, so nim nuͤzze kern vnd stoz die cleine BvgSp 80; nuze sint warm vnde vuchte [...]. jr kernis rinde twingit ein weninc SalArz 15,23    4 ‘Samenkern, Samen’ der pfersich kern ist ainem mandelkern geleich BdN 342,32 u.ö.; swer den pfedemin [Kürbis] schelt unde ane kern isset, vertribet dez magen unrechte hitze Macer 93,4; Ipocr 10; SalArz 14,43 u.ö.; sol der boͮm gewerden, der kerne muͦs verwerden Tauler 222,21; Parad 106,24; cittum: kerno dicitur granum mali punici SummHeinr 2:47,274. 1:185,209; bildl.: si [Mann und Frau] blüent ûz eime kerne gar Parz 173,5. 613,19. – ‘Kerngehäuse’ der apfel rot, sin mast [Frucht(fleisch)] wiz ob dem kerne Frl 2:6,2; vgl.: nim denne sur epfele, snit die kern her vz BvgSp 26    5 das Innere der Sprossachse von Pflanzen    5.1 ‘Mark’ daz kraut [Binse] hât gar ain grüen rinden und hât inwendig ain grôzen lôsen kern, den haizent die maister sein mark BdN 390,25. 391,1; spalde den wynstok vnd nym den kern odir das mark behendiclich vs dem stocke Pelzb 130,32. 120,19. zu des cederboumes kern / ist ein adeler bekumen / und hat den kern an sich genumen, / als uns saget Ezechiel [wörtl. Wiedergabe von Ez 17,3 aquila [...] tulit medullam cedri, gemeint eigentlich ‘den besten Zweig der Zeder’ ] Pass I/II (HSW) 9946. 9957; Eckh 5: 118,28    5.2 ‘Kernholz’ waz sî zu den stunden / grôzir boume vunden / [...], / dî durchsnitten sî gar / mit sâgen al durch den kern NvJer 27481; sin [des Ahorns] wurze vnt sin chern, / der dehein bovm mach enbern, / div warn ime fovl vnt naz Bîspel (G) 23,7; bildl.: sin chern ist weich vnt bose ebd. 23,47    6 das Innere von Knochen, ‘Mark’ nim danne den chern, der in dem horne [Hirschgeweih] sî Barth 138,16    7 übertr.    7.1 ‘das Innerste’ diu gift was im gedrungen / biz ûf den kern des marges KvWTroj 38491; ez gât mir dur ganzen kern [berührt mich im Innersten] , / daz mîn lôn ist gên der süezzen / hiure unnâher danne vern SM:St 4: 5,8; das derret miner freuden kern Krone 13918    7.2 ‘zentraler, wichtigster bzw. bester Teil’ ze Constantinopel ist mir wol erkant / der kern von kvnst vs meister pfaffen sinne Wartb Rs 86,3; di beistin meistere sprechin daz der kerne der selikeit lige an bekentnisse Parad 62,39. 91,2; wîser rede kluoc / geschach dô genuoc, / der ich iu niht sag wan den kern Ottok 22198 u.ö.; LvRegSyon 3411; Frl 13:44,7; Seuse 328,3. den himel unde die sunnen, / beide mande unde sterne / durchsprache wir unz uffen kerne [ganz und gar] Pass III 425,94    7.3 ‘innerer Gehalt, Sinn’ horchen sulle wir lise / waz uns die glose wise / uz disses textis kerne Daniel 1647; sente Paul [...] / sprichet uf geistlichen kern: / ‘ [...] ie hoher tugent, ie hoher lon’ Vät 5861    7.4 ‘Inbegriff, Verkörperung von etw.’ sîn ougen unt sîn nase / was reht der minne kerne: / al diu werlt sah in gerne Parz 429,25; der manheit gar ein kernen / sach man den jungen Dieterîch / ze sînen êrsten nœten Virg 77,6; si waren der wisheit ein kerne Brun 10302; Athis C 114; JunghHeinr 995; Pass III 579,3

MWB 3,1 216,31; Bearbeiter: Hansen

kërnechîn stN. Dimin. zu kërne. ‘kleiner Kern, Kernchen’ malagranata, das sint di eppil di do kernichin bynnen der schalin han Pelzb 123,30

MWB 3,1 218,7; Bearbeiter: Hansen

kërnelkrût stN. kërvelkrût

MWB 3,1 218,10;

kërnen, kirnen swV. ‘entsprießen, Früchte/  Samen tragen’ (vgl. kërne ): daz swert bedarf wol segens wort: / ich fürht diu habestu lâzen dort: / hâts aber dîn munt gelernet, / sô wehset unde kernet / immer sælden kraft bî dir Parz 254,18; und weren miner synnen geister / so wise als Alanus waz / und auch dar zu Ypocras, / dannoch kuͤnde ich volloben nitt / daz aller mynste und cleinste gelitt, / daz uz ir ist gekirnet Minneb 3363

MWB 3,1 218,11; Bearbeiterin: Baumgarte

kërnengëlt stN. Naturalabgabe in Form von Getreidekörnern oder Geldzahlung zur Abgeltung dieser Naturalabgabe, ‘Korngülte, Getreidezins’ (vgl. WMU 2,996 und DRW 7,772f. mit weiteren Belegen): zehen mút kernen geltes vf vnsern ackeren die bi der stat ze Arowe ligent UrkEidgen 184 (a. 1310); daz ich verkoͮffet habe [...] deme maister [...] dez armen spittals von Rotwil [...] vierdehalben scheffol kernen geltes UrkCorp (WMU) 3407,37 u.ö.

MWB 3,1 218,20; Bearbeiter: Hansen

kërnenvierteil stN. ein Hohlmaß für Getreidekörner (vgl. vierteil ): man sol oͮch nemen von ainem malter vesen ain imi [ein Getreidemaß] , von ainem malter habern ain imi, vnde swas bi dem kernen viertel gemessen wirt: von zwain maltern ain imi UrkCorp (WMU) 2521,23; DRW 7,774 (KonstanzBistUrb.; a. 1302/05)

MWB 3,1 218,30; Bearbeiter: Hansen

kërnenzins stM. Naturalabgabe in Form von Getreidekörnern, ‘Korngülte’ das ich dem abte vnd dem conuent von Wettingen han verkoͮfet [...] ein vogteiga ze Heredingen, die [...] dem conuent von Wettingen ierlich giltet sechs viertel kernen cins von rechter eigenschaft UrkCorp (WMU) 1219,41

MWB 3,1 218,37; Bearbeiter: Hansen

kërn|gerste swF. eine Getreideart, ‘Zweizeilige Gerste’ (vgl. AWB 5,134): hordeum distitum vel cantitum [d. i. cantherinum ] : kerngersta SummHeinr 2:56,455

MWB 3,1 218,43; Bearbeiter: Hansen

kërnîn Adj. ‘aus Korn, körnern’ (vgl. kërne ), hier in der Wendung ~ brôt: so man daz korn ab dem velde fueret, so sol der keller [s. këllære ] von ie der wagenleisen [Fuhre] ein garben nemen; och sol man dar vs zeren [verzehren] kernin brot vnd zigern [Quark] essen WeistGr 4,373 = WeistGr 1,167 (a. 1303?)

MWB 3,1 218,47; Bearbeiterin: Baumgarte

kërnobeʒ stN. ‘Kernobst’ daz dreilay chernobs sey marillen cherssen vnd weisel Barth (H) 556

MWB 3,1 218,54; Bearbeiter: Hansen

kërnvar Adj. im Farbton Getreide bzw. Weizen ähnlich, ‘getreidefarben, weizenfarben’ ir [Marias] vel was lûter unde clâr / und dâ bî schône kornvar [La. kernvar, übers. triticei coloris (vgl. App.z.St.)] / reht als milch unde bluot, / sô man diu ze sämen tuot WvRh 1304

MWB 3,1 218,56; Bearbeiter: Hansen

kërp stM. Stock, Span oder Stab aus Holz, in den (zur späteren Rechnungslegung) best. Zeichen eingekerbt werden, ‘Kerbholz’ (vgl. LexMa 5,1115, 2HRG 2,701ff.): – hier bildl.: jo der man uf sinen kerp [wohl ‘auf eigene Rechnung’ ] / vil baz berichtit sin gewerp / wen daz he dem vremdin / hulfe in sinen gremdin [in seiner Not] PfzdHech 213,21

MWB 3,1 218,62; Bearbeiter: Hansen

kerrât stF. (vierzigtägiges) Bußfasten (vgl. kerrîne ): vnd was ein solcher mensch damit abpüszt so er ein kerrat get als vil wirt im dort pen nachgelassen und so man gibt ain kerrat so wirt im als vil nachgelassen als so er ain kerrat gegangen hiet und als vil er damit hiet abpüsset als vil erlangt er ablas der pen durch den antlas BWB (Sch) 1,1280 (Ald. 111; a. 1250)

MWB 3,1 219,6; Bearbeiter: Hansen

kerren swV. auch querren; Prät. karte. ‘(jmdn. oder etw.) peinigen, quälen’ (faktitive Bildung zu kërren stV.): ein vogel den andern zerret, / ein tier daz ander querret Renner 7984; sit daz so swere kerret / der mynnen glut und auch ir hitze, / daz man synn und auch die witze / verluset alle da von gar Minneb 5420; tivel [...] / die di sel charten GvJudenb 3746

MWB 3,1 219,14; Bearbeiter: Hansen

kërren stV. (IIIb) auch gërren (3.Pl. Prät. gurren Erlös 144 ). ‘ein (grelles) Geräusch von sich geben’ 1 von Tieren
1.1 von Pferden
1.2 von Schweinen
1.3 von Mäusen
1.4 vom Gesang der Vögel
2 von sich bewegenden Gegenständen
3 von Naturereignissen (hier im Vergleich)
4 von Menschen, ‘schreien, brüllen, klagen’
   1 von Tieren    1.1 von Pferden: dô grâzten unde kurren / ir ros, wan si sich fröuten KvWEngelh 2706; di roß triben auf di melm [wirbelten Staub auf] : / dise waygeten [wieherten] , ene kurren, / di dort mit den fussen schurren, / dise roß hie sprungen HvNstAp 6265. 7437. – meist als Schmerzenslaut beschrieben: er slug di roß, das si churren HvNstAp 9433; diu ors von den stichen sere chuͤrren Rab 688,6. 741,4; daz [Pferd] beiz daz keisers pfert gar / durch die manen, daz ez kar EnikWchr 27815; Parz 69,12; EnikFb 3335; subst.: des wart da vil gewundert / von den, die sanfte lebten und dirre vreise waren uz gesundert, / niht wan von luͤte wuͦf [Klage] und orse kerren JTit 4107,3. 1714,4(La.)    1.2 von Schweinen: ein hane sol kren, [...] kerren ein swin Frl 5:34,1; do machete der tuͦuil in dem kirchoue maniger hande stimme. da huͦltin wolve. da brummen also bern. da ruͦhletin [brüllten] alse lewin. da kuͦrrin alse swein. und luͦttetin alse die esele PrLpz (L) 72,25; als in einem sake ein swîn, / daz vert unde kirret SM:Had 17: 3,3; subst.: daz ir ritet sam die frazze / in deheinen hof, da chue stant, / und diu swin ir cherren niht lant StrKD 146,270; Frl 8:25,15    1.3 von Mäusen: die mäus kerrent wenn der môn vol ist [ mures voces edunt luna plena ] BdN 153,8    1.4 vom Gesang der Vögel: embor die vogel swungen, / sie gurren unde sungen / ieglîcher sîne wîse Erlös 144    2 von sich bewegenden Gegenständen: des wazzers muͦchte lichte, daz ein rat wol brechte kerren Rumelant (K) 4:4,1; subst.: er [der Löwe] fürht auch der reder schoteln [Zittern, Rütteln] und ir kerren an dem wagen BdN 143,16; von sînem [des Rades] kerren daz ez tet / der rîter spranc ûf an der stet / von einem herten troume Wig 6891. – bildl. und im Vergleich: o we, dv cherrender wagen PrBerthKl 5,33; er klaffendez hufisen! / owe, er karrende tur! / er kirret wider unde fur / als in slaf ein blenkende lin [wie ein klapperndes Fenster (vgl. Anm.z.St.)] Jüngl 918; der berschrecken [Heuschrecken] fitche lut / die luten also grimme: / sam der wagene stimme, / so sie so lute kerren [vgl. vox alarum earum sicut vox curruum Apc 9,9] HeslApk 14169    3 von Naturereignissen (hier im Vergleich): dâ wart von starken slünden / ein sturm, daz von den ünden / diu drozze wart ze enge, / daz sich von dem wâcgedrenge / diu güsse begunde werren, / blôdern [rauschen] unde kerren / als ein windesprût [Wirbelsturm] ûf dem mere Weinschwelg 140    4 von Menschen, ‘schreien, brüllen, klagen’ do lag sy schrient vnd kar / her ich sagen für war Sibote l 843; sî lac under im und kar: / jâ, hêrre, daz ist daz mir war Sibote 710. – subst.: vil manic betler gein im krôch / mit kinden vil, und bâten gâp mit kerren Loheng 3066. – bildl.: in siner clvse der iamer kirt Martina 72,16; Renner 10268. – in der Wendung wider etw. ~ ‘gegen etw. anarbeiten, etw. bekämpfen’ swaz der kunic guotes tête, / des vergunde er [sein Bruder] ime stête. / er was der wider [d.i. drwider ] kerrende / und al sîn tuon bewerrende [behindernd] EbvErf 1637; bildl.: ez ist dehein arbeit, diu ez wirret, niwan daz herze, daz der wider kirret Trost 48. – im Vergleich oder im Zusammenhang mit Tierlauten (vgl. 1 ): ir ungenemen Saracein / kurren als die zucht schwein HvNstAp 3800; oͤrsh und man da kurren, / die der tot so grimt WhvÖst 17692; sy lifen mit gescreyge dar, / recht als dy hungerygen swin / kerren wen man sy trybet in / eycheln oder in dis ecker Hiob 11300

MWB 3,1 219,22; Bearbeiter: Hansen

kerrînære stM. jmd., der sich einem (vierzigtägigen) Bußfasten unterzieht (zu kerrîne stswF., vgl. mlat. carinarius MlatWB 2,285): vier bischolf zuo trâten, / die die kerrînære / und ander büezære / in die kirchen beleiten Ottok 28300

MWB 3,1 220,31; Bearbeiter: Hansen

kerrîne, karrîne stswF. ‘(vierzigtägiges) Bußfasten’ (aus mlat. carina, vgl. MlatWB 2,284f. s.v. 2. carina mit Lit.): hoͮbthafte sunde heizzint die, da charrîne unde iâruasten nach hôrent, also sint manslahte, uberhuor, sippehuͦr Spec 5,23; gnuoge enpfâhent kerrîn, / unt vastent vür die missetât TeufelsÄchtung 294; si legete irme libe ane gar herte und strenge karinen mit vastene, mit wachene und mit swere erbeite HlReg 29,15; gebet, messen, gottes wort, guͦter lúte leben, vasten unde carrinen loͤsen die selen von dem vegefúr Mechth 6: 10,1. 6: 10,4; Brun 8804; Kchr 12692. – Ablass von bestimmter Höhe (vgl. MlatWb 2,284): di enphahent ablaz irr sunde von den byssoffen, hundert kerrin vnd funf iar totlicher sunde, ob si ir sunde werlichen rewen vnd si gebihtet habent UrkCorp (WMU) 3581,35

MWB 3,1 220,36; Bearbeiter: Hansen

kerschlich Adj. ‘munter, aufgeweckt, verständig’ (hier ironisierend; wohl zu mnd. karsch ‘munter, frisch’ Schiller/  Lübben 2,431f., vgl. Glr.z.St.; oder l. kerclicher ? vgl. kerclich 1): [Elegast und Karl wollen Eckerich bestehlen:] Ellegast mit den czeyln [Schwänzen] sy [die Wachhunde] czuͦ houffe bant / vnd hinck sy hoch an dy steynen want. / der keyßer sprach vff ein nuwe: / ‘bint vff! [binde (sie) los!] sy sint oͤrem heren getruwe.’ / Ellegast sprach: ‘ist dy der hunde hanngen nicht lyep, / wz stylestu den, ein kerschlicher dyep!’ KarlElegast 485

MWB 3,1 220,53; Bearbeiter: Hansen

kërse F. auch kirse, kirs (vgl. aber auch 2krësse swMF.), alem. kriesi, kries (StBZürich , VocOpt ). Frucht des Kirschbaums, ‘Kirsche’ der kersen nam sie guoten war, / ob ir deheiniu sô töhte, / daz man sie gezzen möhte Eracl 3466 u.ö.; von den kirsen SalArz 8,23; der kersen saf ebd. 94,50. 14,24; cerusa: kries, kriesi VocOpt 48.099; alle die, so kriesuͥ und kêfen [Zuckerschoten] feil habent StBZürich 144; BdN 347,23; Pelzb 118,3 u.ö. – verschiedene Sorten unterscheidend: von den suren kirsen, daz sint wiseln [Weichselkirschen] BvgSp 83; so nim suwer kirsen saf SalArz 94,48; di kirsin heysin vngerisch Pelzb 122,26. – im Vergleich, bezogen auf rote Farbe: da hub Banin syn heubt off und schampt sich vil me dann er da vor gethan hett und wart röter under synen augen dann ein kirß Lanc 115,35; si wart noch grüener dan ein gras / und dar nâch als ein kirse HBirne 454; als etwas Geringes (hier zur Verstärkung einer Verneinung, vgl. ähnl. ei stN. 3.3 u.a.): niht gen einer kirse erkanten si noch er die penitente, / diu dran gen hohen selden was ein kerne / von grozer kraft der wurtze JTit 4942,2. – phras. ëʒ ist niht guot mit hërren ~ ëʒʒen i.S.v. ‘Höhergestellte begegnen Untertanen nicht auf Augenhöhe’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 246): ez ist nicht guot / mit hêrren kirsen ezzen. / si hânt sich des vermezzen, / wer mit in kirsen ezzen wil, / dem werfent sie der kirsen stil / in diu ougen Boner 8,33

MWB 3,1 221,1; Bearbeiter: Hansen

kërseboum stM. auch kirs(e)-, kerze-, kezere-, alem. kries- ( VocOpt ). ‘Kirschbaum’ sie hete kersboume ein teil / in ir garten gezogen Eracl 3460; wer ainen kerspaum ze mittelst durchport und stœzt ainen weidenast dar ein, alsô daz er daz loch füll über al, der paum pringt kersen ân kern BdN 347,21; der kirsboum wil habin kalde luft vnd vucht ertriche, sundir sumeliche kirsboume wollin syn in gebirge vnd in der hoe Pelzb 126,21 u.ö.; cerasus: kriesboͮn VocOpt 48.098; cerasus: kersboum Gl 3:352,71. 3:38,19. – bildl. (phras.?): dehein man suochen solde / ûf eim kerspoum birn WälGa 3800. – in Orts- und Hofbezeichnungen: et primo bi dem kezereboͮme bi den bluͥwelen an den nuͥflenzen vineta quedam [...] 5 1 / 2 hofstette UrbTennenb 170. 171; daz ich [...] leh Arnolde dem Muren von Múlnhvsen daz hvs vnd die hofstat, dem man sprichet zem kirseboͮme UrkCorp (WMU) 2796,11

MWB 3,1 221,31; Bearbeiter: Hansen

kërsegarte swM. hier kirse-. Nutzgarten mit Kirschbäumen, ‘Kirschgarten’ alles daz gvͦt, daz si dri hatten ze Binningen in dem dorfe [...], ane [...] den kirsegarten nebent dem wiger UrkCorp (WMU) 3349,19

MWB 3,1 221,50; Bearbeiter: Hansen

kërsenmuos stN. ‘Kirschenmus’ der denne woͤlle machen ein kirsen muͦs, der breche die stile abe vnd siede sie mit ein wenic wins vnd slahe sie denne durch ein tuͦch BvgSp 82. 9

MWB 3,1 221,55; Bearbeiterin: Baumgarte