k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kistenphant
stN.
als Pfand gegebene Gegenstände (z.B. Schmuck, Kleidung u.ä.), die in einer →
kiste
verwahrt werden können (vgl. zur Sache 2HRG 2,1842f. sowie DRW
7,1023f. mit vorwiegend mnd. Belegen):
wirt einem manne gesatzit kistinpfant oder allirhande varnde habe, di man
getriben unde getragen mac StRFreiberg
36,25;
[bei unpünktlicher Zahlung] so mogent siͤ de zwo merc zuͦ
schaden nemin uffe kistenpant, den schaden sulle wir en ufrichten unde abeduͦn alse
wol alse den ziͤns UrkWetzl
1,407
(a. 1323)
MWB 3,1 286,32; Bearbeiter: Hansen
kistenstat
stF.
Ort, an dem Verkäufer Kisten aufstellen dürfen, um ihre Waren zu lagern (vgl.
Anm.z.St.):
ez sol auch kain rintschuhster ze strazze mit tischen stan
wan an dem fritage; in sinem huse unde uf sime laden unde ze gesatzten kistensteten
mag er alle tage stan StRAugsb
45,4
MWB 3,1 286,43; Bearbeiter: Hansen
kisterchen (?)
stN.
hier custercen, costercen.
in einer Ortsbezeichnung; Bed. unklar, Dimin. zu
kiste
? (vgl. Glr.z.St. 2,2:311 s.v. custercen):
super vetus forum et inter custercen [Überschrift]
UrkKölnSchr
2,1:276
(12. Jh.);
quod Berwaldus et uxor eius Heilewigis emerunt domum sitam inter costercen
ebd.
2,1:277
(13. Jh.)
u.ö.
MWB 3,1 286,49; Bearbeiter: Hansen
kitel
stM.
auch kidel, kittel.
ein langes Obergewand (mhd. sicher nur als Kleidungsstück für Frauen belegt, in
frnhd. Zeit auch für Männer, vgl. FWB 8,981):
doch was wunnenclich ir schin / ir cleit ein sidin kittel / ein gúrtel obe
der mittel / bevangen hatte das zarte wip / ich engesach nie schoenre lip
MinneR 333
41;
an irn fuezen cleine / truog sú zwei schuehelin reine / gebristen an ir
beinlin wol / die stundent ir uzer mazen wol / do der kittel hette den bast
[Saum]
ebd.
65;
blôzer nac und gelwer kitel / lockent manigen valschen bitel
[Freier, Bewerber]
Renner
12577;
gelwe kitel und muorsnitze [ein leichtes Kleid] /
lâzent manige meide niht sitze, / die mit flîze arbeiten sölten, / ob si ir zuht
behalten wölten ebd.
405
u.ö.;
teristrum: kitel, kittel [vgl. lat. (Hs. 15. Jh.): est
vestis muliebris linea subtilis, tenuis et attrita
]
VocOpt
17.101;
Elis
906.
– repräsentativ verziert:
ander edeln brút wart / weder klain noch gross gespart. / uf
rokel, kitil, sidin clait / och wurdent raineclich gesprait / wis, rot, blaw berlin
clain SHort
6977;
versniten gewant, an kiteln bilde / machent manic einveltic herze wilde
Renner
12735
MWB 3,1 286,56; Bearbeiter: Hansen
kitelîn
stN.
Dimin. zu
kitel
. ‘(kleines) Obergewand’
vil liebiu Katherin, / leg an din hübsches kittelin / und ganc mit mir an eine
stat / dar man mich hiut am morgen bat! ArmKonr
260
MWB 3,1 287,15; Bearbeiter: Hansen
kitteren
swV.
‘kichern, lachen’
ob sie vor freuden kittert, / wenn mir min hertze zittert, /
und ob sie dar umb snewet [schnaubt] , / ob ich mich durch
sie frewet? Minneb
2329
MWB 3,1 287,19; Bearbeiter: Hansen
kitzbûch (?)
stM.
Bed. unklar, wohl ‘Bauch-, Rumpfstück von der jungen Ziege’ (vgl. Beleg
StRAugsb unter
kitzîn
; Glr.z.St. erwägt dagegen ‘Keule einer jungen Ziege’, vgl. auch
Schmeller, BWB 1,196):
duͥ [
guͤter
] geltent mitenandren [...] 2 kitzbuͥch, der
jetweder(s) 4 Haller wert sin sol, 21 kese [...] und 11
huͤnr UrbHabsb
1:467,7
MWB 3,1 287,23; Bearbeiter: Hansen
kitze
stN.
auch kizze, chitzi, chuze, kitz; frmhd. auch kitzîn, kizzin
(vgl. AWB 5,210 s.v. kizzîn stN.); alem. auch gitzi, giczzi (
VocOpt , vgl. SchweizId 2,577f. s.v. Gitzi).
‘Kitz’
1 Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’
2 Jungtier des Rehs, ‘Rehkitz’
3 im bildl. Vergleich springen als(am) ein ~
‘(wie ein Tierjunges) umherspringen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 246)
1
Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’
si [Rebekka] hiez in
[Jakob] louffen zwei chitzi bestrouffen, / mit
michelem flîzze machen sînem vater einen imbîz [vgl. pergens ad
gregem, affer mihi duos haedos optimos Gn 27,9]
Gen
1126;
ein chitze si sluogen [...]. / den
Josebes roch dunkten si in daz bluot ebd.
1826.
1134;
iz [das Einhorn] ist lutzil tîer.
unte ist deme chitzîne gilich [
est hedo simile
]
JPhys
3,3;
daz der einhurne dem chizze gelich ist. daz bezeichinot
unseren haltare ebd.
3,30;
unte uuêidene dîne zíkkin [La. kitzin
] bî den héribergon déro hírto Will
14,3;
edus [d.i. haedus
] : gitzi, giczzi VocOpt
45.053;
hedi: kizzin SummHeinr
1:141,369.
2:57,8;
bi den chuzen SalArz
17,1;
EvAug
179,4;
VMos
23,4.
– als Abgabe:
der hof der giltet [...] ze osteren ein chize vnd
dreizech aier UrkCorp (WMU)
N772,15;
zwaintzich air und ein chitzz UrkBrixen (R)
259
(a. 1313)
2
Jungtier des Rehs, ‘Rehkitz’
nû sprichet unser gemahele: dîne bruste die sint same diu
zwinelîn chitzę der rechgaize [vgl. duo ubera tua sicut duo
hinnuli, capreae gemelli Ct 4,5]
TrudHL
112,14;
gelîch zuain chitzin der rêchgaize ebd.
50,25
3
im bildl. Vergleich springen als(am) ein ~
‘(wie ein Tierjunges) umherspringen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
246):
da det Flordelise war: / si sprang umb in als ain kitz
HvNstAp
20261;
ein altiu diu begunde springen / hôhe alsam ein kitze enbor
Neidh
SL 1:1,2
MWB 3,1 287,30; Bearbeiter: Hansen
kitzele
F.
Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’
capella: gitzella [alle späteren Hss. gayslin, gaißlin
u.ä.]
VocOpt
45.052
MWB 3,1 287,62; Bearbeiter: Hansen
kitzelen, kützelen
swV.
ahd. kizzilôn, kuzzilôn vgl. AWB 5,209f.
‘kitzeln, reizen’ (hier bildl.):
ich forcht mir sy vergiftet / min freudenricher wandel, /
[...]. / ir mynnenclicher sußer glast / mich in dem
hertzen kitzelt, / daz mir min freude verhutzelt / ist und auch gar verdorret
Minneb
2315;
daz kützelt den muot KLD:BvH
1: 3,4
MWB 3,1 288,1; Bearbeiter: Hansen
kitzelîn, kitzel
stN.
Dimin. zu
kitze
.
‘(Ziegen-)Kitz’
die gaiz [...] derwerfent auch ir
kitzlein von schädleicher kelten BdN
127,29;
bring von dem vihe ein kitzelin, / so kan ich dem vater din /
ein ezzen wol gemachin mite [vgl. Gn 27,9]
RvEWchr
5690;
hoedus: kiczel GlAnzfKdVz
8:104,478;
hedi: kizelin SummHeinr
1:141,369;
EnikWchr
4418.
– im Vergleich:
er scheidet si voneinander. als der hirte svndert di schaf
von den chitzlein [
sicut pastor segregat oves ab haedis Mt 25,32]
EvAug
64,13.
64,14
MWB 3,1 288,8; Bearbeiter: Hansen
kitzevël
stN.
‘Fell eines (Ziegen-)Kitzes’
Rebecca nam das kitzi vel: / swa Jacobe ir sune dú kel /
oder die hende waren bar [haarlos] , / die bloͤze dahte si
vil gar / und liez ez niender schinin bloz RvEWchr
5720
MWB 3,1 288,19; Bearbeiter: Hansen
kitzîn
Adj.
‘vom (Ziegen-)Kitz’
hedinum: chizzin Gl
3:626,50;
ez sol auch niemen cheinen chelberbuch noch cheinen
lemberbuch noch chein chitzin erschieben [(mit etw.) voll
stopfen] wande mit dem netze [Bauchfell,
Fettnetz] daz davon chomen ist StRAugsb
200,16
MWB 3,1 288,24; Bearbeiter: Hansen
kitzîn
stN.
→
kitze
MWB 3,1 288,30;
kiuchel, küchel
stN.
‘Vogeljunges, Küken’ (zu mnd. kü̂ken MNDWB 2,698; frnhd.
keuchel neben küchel, vgl. DWB 5,647 und FWB
8,1745):
wy dicke wolde ich samen dyne kindere czu glicher wiz alse dy
henne sament ere kuͤchele undir ere vlugele EvBerl
6,19;
glicherwis recht als der ar, / der di sinen kuchel tut / sen in der brenden
sunnen glut TvKulm
3567.
– astronom. vom Sternbild der Plejaden (vgl. die Bez. ‘Gluckhenne’ DWB
4,1,5,305; s.a. unter →
hüenelîn
):
sechs kuechel mit der hennen, / das ist das sibengestirne
Hiob
14350
MWB 3,1 288,31; Bearbeiter: Hansen
kiule
swF.
auch külle.
1 eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf.
Leben 2,213; s.a.
kolbe
) 2 Schlagkopf eines Streitkolbens
1
eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf.
Leben 2,213; s.a.
kolbe
):
mit sîner herten kiulen / mahte er starke biulen / den knehten, die dâ liefen
HBirne (W)
199;
mit swerten und mit kiulen / kam geriuschet manic helt, / der ûf den grâven ûz
erwelt / sluoc des mâles unde stach KvWPart
14318;
mitt küllen und bartten [Beilen] /
begunden sy den zartten / mürden allenthalben GTroj
8001;
mit swerten [...] unde mit kuͤlen [
cum gladiis et fustibus Lc 22,52]
EvBerl
62,12;
mit swerten unde mit kuͤlen [
cum gladiis et lignis Mc 14,43]
ebd.
56,24;
ein kiule wol beslagen Er
2350;
vor die sprengel starke kûlen / sie fûrten
Kreuzf
7233;
dî [Heiden] ouch in swindin
vreidin / wurfin kuilen unde sper / kegn den cristnen abe her NvJer
23692;
Macer
17,20;
Parz
75,7;
Brun
9872.
– als Ausrüstung des Hirten:
die heirti sal och [dem Hilfeschrei der
Vergewaltigten] volgi mit sinir cuilin undi mit siemi crummin
stabi· undi sal diz vie lazi ste Mühlh
109,16
2
Schlagkopf eines Streitkolbens:
einen kolbn er in der hende truoc, / des kiule grœzer denne
ein kruoc Parz
570,6.
– übertr. auf die Quaste (?) des Löwen:
der lewe bram unde grein / an grozer ungeberde. / er
sluc uf die erde / mit sines zagels kulen Vät
27415
MWB 3,1 288,42; Bearbeiter: Hansen
kiuleht (?)
Adj.
→
kugeleht
MWB 3,1 289,4;
kiulenslac
stM.
‘Schlag mit einer Keule’
der alde munich warf in neder / vnd gap ime einen kulenslak, / daz hee an der
erden gelak Zwickauer (DVN)
B,309;
du hast mich gejagt, gevangen, gebunden und so tief gewundet,
das ich niemer wirde gesunt. du hast mir manigen kúlenschlag geben
Mechth
1: 3,6.
1: 3,10
MWB 3,1 289,5; Bearbeiter: Hansen
kiuschære
stM.
jmd., der enthaltsam bzw. keusch lebt:
Noe bezeichent di lerere, / bi Daniel sint bezeichent di
kuschere Brun
5118
MWB 3,1 289,12; Bearbeiter: Hansen
kiusche, kiusch
Adj., Adv.
auch kuske, alem. auch künsche, künsch.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
1 allg. 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’
2.1 allg. 2.2
‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen) 2.3
‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern) 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’
1
allg.:
sîne meister lêrten in / zuht und hovelîchen sin, / wol
gebâren, kiusche wesen, / mit witzen an den buochen lesen / und reine küneges milte
hân RvEBarl
939.
5096;
sî ist schœne, sî ist guot, / kiusche, blîde, stæte, / zühte
rîch, wîplîch gemuot KLD:UvL
47: 5,6.
54: 7,6;
si [die zwölf Fürsten] waren kuske
unde reine. / den lip furten si ueile / durch willin der sele Rol
77;
kiuschiu wîpheit diu ist wert / des besten lobes, des man
gert RvEBarl
11821;
daz starke trinken überstreit / sîne kiusche zuht und lêret
in zorn Wh
276,13;
vnd was diu froͮwe chusche vnd reine vnd marhte vil
andæhticliche sant Johannes lere Konr
12,22;
der vil künsche tegen GTroj
1512;
diu guote, / diu kiusche gemuote ZwBüchl
778;
wis stete, milde, kusch, gezogen HeslApk
5909;
sagt mir mit kiuschen witzen [ruhig,
besonnen] , / wie der zorn sich an gevienc, / dâ von got iwern haz
enpfienc Parz
462,4;
der werde clâre Anfortas / manlîch bî kiuschem herzen was
ebd.
823,24.
26,15;
diz treip der kiusche [wohlerzogene, anständige]
jungelinc KvWSilv
514;
mit kiuschem munde rôsenrôt ebd.
354;
dô sprach aber sîn kiuscher wirt [der fromme,
asketische Trevrizent]
Parz
472,12.
452,15.
493,9;
Iw
6466
u.ö.;
StatDtOrd
29,16;
ironisch:
ein wolf mit alsô kiuschen siten / in die schâfes stîge siht
/ [...], / als dô der marcrâve sach Wh
129,14;
subst.:
der kúnsche und der
plide [Freundliche]
RvEWh
514
u.ö.;
des kiuschen got [Nom.] geruochet
Parz
466,28.
459,22;
Frl
1:5,12;
personif.:
HvNstGZ
249.
1343.
–
~ mit worten unde mit wërken (u.ä.) ‘in Wort und Tat besonnen,
tugendhaft, ohne Falsch’
bis diemüetic unde kiusch / mit werken und mit worten
Ottok
700;
wis worte und werke kiusche, / mit wârheit âne getiusche!
RvEBarl
14839;
diu schœne frowe mîn, / diu ist wandels erlân: / sî ist
kiusch mit worten und mit werken SM:Had
30: 3,6;
vgl. ähnl.:
sun, dû solt kiuscher worte sîn / und stætes muotes Winsb
39,1;
si sulen haben kiuschiu wort WälGa
389;
is enwert nommer ritter guͦt / der nit kuͤsch met werken
ist MinneR 481
615
2
spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’
2.1
allg.:
er [Moses] hiez si
[das Volk Israel] halten kúsche ir lip / und die
wile miden ir wip / biz darnach uf den dritten tag RvEWchr
11544;
Helyas der weisage, / [...] der
lebt cheusche hie nidene: / des wart er ze himele / von den englen gefueret, /
durch daz er vnberuͤret / was von allen weiben Wernh
A 1429;
sein genad und sein guͤt verwandelot also gaches an dem
suͤntær allez unrecht, [...] den hurær macht er chæusch
PrOberalt
113,25;
o quam pulchra est casta generatio cum claritate. ‘owî’,
sprach er, ‘wie scone ist div chûsce
[unbefleckte] geburt mit der berhtele!’
Spec
96,3;
MarlbRh
86,7;
UrkCorp (WMU)
2345,35;
BdN
491,20
u.ö.;
Konr
22,45.
– von Tieren:
der vogel ist von nâtûr gar rain, käusch und gar
mæzig, wan er unkäuscht neur ein stund und niht mêr in ainem ganzen jâr
BdN
189,22
u.ö.;
der elephant ist [...] kusch
und reine Brun
3797
2.2
‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen):
swenne mir der sêlden tac betaget, / daz mir getrûwet
würde ein maget, / die ich mînem lîbe / zu vrouwen und zu wîbe / in rechter ê
solde hân, / daz ich sie maget wolde lân / und kiusche ein umbe gêndez jâr
HvFreibTr
1079.
829;
sam ein lieht juncfrouwe in kiuschem magetuome
KvWLd
32,365.
– häufig von Maria (auch bildl. von auf Maria bezogenen Dingen und
Sachverhalten):
unser fraw, diu rain käusch magt voller gnâd
BdN
271,24.
246,3;
ich pünd mich in der maid grüzz, / der rainen chäuschen
himelporten KvMSph
4,14;
si [Maria] beleip kiusch âne
man KvWLd
1,225.
wie manigen zaher si gaben ze dem selben male / diniu
chiusken ougen, min vil liebiu frouwe AvaLJ
156,7;
KvWLd
1,36;
HvBurg
534.
552
(vgl.:
und hât im [sich] got
selber auz dem käuschen holz ain arch gemacht, dâ er sich inn beslôz
BdN
338,25)
2.3
‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern):
wer sein [Pfeffer] vil izt,
dem entsleuzt er den leip und verzert des menschen sâmen und macht in keusch
BdN
374,5;
wan etlich sint chüsch di von der mveterleib also geborn sint [
sunt enim eunuchi, qui de matris utero sic nati sunt Mt
19,12]
EvAug
45,4.
45,5.
45,6
3
spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’
an ezzen und an tranke / lâ kiusche dich beschouwen!
KvWTroj
15031;
bî fremder koste ist si [die personifizierte Gier]
gar frêzic, / ûz irem biutel kiusche und mêzic Renner
4586;
swie vil er az untz an die zît, / er wart so rehte keusche
sit, / daz er minner denne ein kint az StrKD
8,30;
RvEBarl
6767;
KvWAlex
411.
– subst. (phras.?) in der Wendung der kiusche unde der vrâʒ
‘der Genügsame wie der Verfressene, jeder’
in kleiniu goltvaz man nam, / als ieslîcher spîse zam, /
salssen, pfeffer, agraz. / dâ het der kiusche und der vrâz / alle gelîche genuoc
Parz
238,28;
an keinr stat man nie gaz / baz. der kuͤshe und der vraz
/ heten vil gnuͦg die beide Rennew
32454.
– Lit.: W. Haubrichs, Zur Ausstattung des inneren Menschen, in: Innenräume
in der Lit. des dt. Ma., Tübingen 2008
, S. 295-308
MWB 3,1 289,15; Bearbeiter: Hansen
kiusche
stF.
selten
sw.
(
Lucid
87,18
)
auch chiuske, chuske, alem. auch kiunsche,
künsche.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
1 allg. 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1 allg. 2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen) 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
1
allg.:
ia waren di herren edele / in cristenlichem lebene. /
[...] si heten zucht unt scam, / chuske unt gehorsam, /
gedult unt minne Rol
3422.
9061;
ir magetlîcher kiusche scham / grôz weinens klage in benam, / daz si hæten
getân / ob siez durh zuht niht hæten lân LvRegFr
4384;
[Parzival] riet sîn manlîchiu zuht / kiusch unt
erbarmunge Parz
451,5;
si kom dicke ûz frouwenlîchen siten: / sus flaht ir kiusche
sich in zorn ebd.
365,21.
472,16
u.ö.;
ei Heimrîch von Narbôn, / waz was erblüet ûz dîner vruht /
kiusche, milte, manheit, zuht! Wh
167,22.
190,11;
ir wîplîch kiusche und ir scham / machte si rôt und dar nâch
bleich Wig
8969;
scham treit ir den spiegel, dâ von kiusche sî mit ganzer /
tugende minnet KLD:BvH
5: 3,5;
wizz, daz reht käusch sich gar hôch swinget über leipleich
nâtûr BdN
363,4;
sprichtt sannd Augustin: ‘wo wol leben ist, da ist seltten
keusch’ SchlierbAT (LS)
1,197;
waz rehtev chevsch si, da sprechent die hiligen vil vrag dar
vber PrBerthKl
1,56;
Konr
23,71;
Erz III
36,370.
– bildl./ personif.:
der triuwen muome, der kiusche base /
[...], die blunde Isôt HvFreibTr
6452;
sô wol dir, hôchgeloptez adel [...],
/ mâz unde kiusche sint dîn ingesinde KLD:Kzl
16: 1,14;
si hæte kiusche an sich gedruht / mit herzeclichem flîze
KvWKlage
11,7;
Frl
5:102,3;
PrWack
31,59.
– im Vergleich:
an tat ein lewe, an kuͤsche ein meit
TürlArabel
*R 22,24;
hie wellnt ein ander vâren / die mit kiusche lember
wâren / und lewen an der vrecheit Parz
737,20
2
spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1
allg.:
div driv: kvsche, armvot, gehorsaim, die sint in allen
orden, vnd die foderet got an dem ivnxsten geriht vor allen dingen von
geislichen lvten SpitEich
2,10.
2,9;
si was schamender kiusche bar, / si nam sich solhes
lebenes an, / daz si lie deheinen man, / si gæb im ir minne solt, / was si sînem
lîbe holt RvEBarl
10332;
Spec
98,1;
PrBerthKl
4,19
2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen):
so zucket er Dinam unde fuͤret si sinen weck. unde besclâfet si und nimet
ier. ier kuͥschi uͥber ier willen PrSchw
2,61;
si behuotent ir chiuske unde ir magetuom, des habent si
ewichlichen ruom AvaA
5,4;
so vienc si dar zo, / daz si di kusche verkof / vnde kint ir magetvm
verlos / mit bosen knechten Glaub
2269;
Mai
236,26;
HvNstAp
243.
15805.
– von Maria:
frouw aller fröude, ich lobe an dir daz dû den got
gebære, / des tohter und des muoter dû bî ganzer kiusche wære
KvWLd
32,47.
1,182;
daz was die wandels vrie, / die iuncvrowe Marie, / die im zu mutere
wart erkorn, / von der kusche er wart geborn / uns zu grozer selikeit
Pass III
79,26;
der prunn bedäutt unser frawen, diu ain prunn ist
der käusch und aller rainikait BdN
484,5.
460,2;
SM:EvS
1: 13,8;
im Vergleich:
Maria ein elefant was / an irre kusche als ich las
Brun
4124
3
spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
er [Trevrizent] hete gar
versprochen / môraz, wîn, und ouch dez prôt. / sîn kiusche im dennoch mêr gebôt, /
der spîse het er keinen muot, / vische noch fleisch, swaz trüege bluot
Parz
452,20;
er az vnt tranc genote, / der gar verlorne tote: / wie moͤcht in gefristen
daz? / gefrumt het im chivsche baz Warnung
644
MWB 3,1 290,60; Bearbeiter: Hansen
kiuschede
stF.
‘Sittsamkeit, Tugend’ (vgl.
kiusche
stF.):
mit kiuschede gurten sie sich wol, / ir liehtvaz wâren oleis vol, / hei, wie
klâr sie brunnen! LBarl
5111
MWB 3,1 292,3; Bearbeiter: Hansen
kiuschegen
swV.
‘sexuell enthaltsam leben’
etlich sint chüsche di sich selber gechestigt habent oder
chüschigent dvrch daz riche der himel [übers. sunt eunuchi, qui se
ipsos castraverunt propter regnum caelorum Mt 19,12]
EvAug
45,7
MWB 3,1 292,7; Bearbeiter: Hansen
kiuscheheit, kiuscheit
stF.
auch kusheit, alem. kúnschait.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
modestia: kusheit GlAnzfKdVz
3:49,223;
kuisheit, daz ist inthaldunge fon den dingin di forbodin sint
oder frieheit fon bekorungen [Versuchungen]
Parad
71,33;
HartmKlage (G)
1315.
– häufig spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
von dez künigs keüschait [
de regis castitate (Überschrift)] o genädiger kaiser,
du sollt nit naigen zu dem gelust der weibe: unkeüsch ist ain semlich aigenschaft
der schwein HvHürnh
14(Überschr.);
der [Josef] sol dich
[Maria] ze ainer frowen han / mit dienste dinem libe,
/ nút unkúnschlich ze wibe. / [...] / er haͮt mit
kúnschait sin leben / als du mit trúwen got ergeben WernhMl
1965
u.ö.;
sô hât diu käuschait auch zwuo aigenchait, wan si ist
unfruhtpær und ist sauber oder rain BdN
61,13;
der rehten leben ist niht mê / wan driu: ich mein die rehten ê, / magetuom
unde kiuscheheit Freid
75,20;
dú angebornú kúscheit oder angenomen Mechth
5: 4,8
u.ö.;
StatDtOrd
52,17
u.ö.;
Eracl
2019;
~ des Körpers:
ich entheize unde gelobe kûscheit mînes lîbes
StatDtOrd
128,8;
ganzú kúschehait an libe und an herzin PrGeorg (Sch)
9,31;
die wege der tugende, als kúscheit des lichamen und armuͤt
und gehorsamkeit Tauler
242,19;
HvBurg
3076;
Daniel
1848.
– von Maria:
muͦter aller kúscheit, / ich klagen dir alles min herzeleit.
/ salve regina! Mechth
7: 26,17;
do du gebaͤrd aͮn allen smertz / in gantzer rainer kúschhait / gottes sun,
Jhesum gemait KvHelmsd
4447
u.ö.;
Daniel
1062;
bildl. vergleichend:
das helffen bain [bedeutet] ir kúschait, / mit der
sÿ schon was beklait KvHelmsd
583;
du der kuscheit ein einhorn, / du ein rose sundir dorn, / du
ein viol an der schouwe Brun
325;
ir kuscheit gelichet / der lylien an der wize Pilatus
1,96;
HeslApk
5456;
MarlbRh
38,4.
65,23;
HvBurg
536
MWB 3,1 292,12; Bearbeiter: Hansen
kiuscheloht
Adj.
‘sittsam, tugendhaft’ (hier subst.):
ach ymmer! was sol ich / tuͦn, du kuͤschelohter zart? /
[...] / schol ich lenger din enbern, / so muͦz sel,
lip, hertz swern / in wernder marter ymmer WhvÖst
6701
MWB 3,1 292,56; Bearbeiter: Hansen |