k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kiuschicheit, kiuschekeit
stF.
alem. auch kúnsch-.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
van genaden has du die duͦgede der selen, alse verduldicheit, otmuͦdicheit,
cuschicheit, wischeit, inde der geliche Lilie
2,2;
so schein des herren [Landgraf Ludwigs] kuschekeit.
/ [...] / menlich, stede was sin muͦt Elis
3191;
daz sich die volhertung halte zuo den betrüebden, alse sich
die chuschkeit heltet zuo der begerung der böser lüste ThvASu
208,12;
kewschkait HvBurg
4357;
RvEWchr
14816.
27981;
PsM
H 5,3.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
do wurden si der vergift so vol gemessen, das si verluren der
engele reinekeit und vergassen ir megtliche kúschekeit Mechth
3: 9,61.
1: 44,49;
daz bezaichet die kúnschikait die únser herre an sinem leben und an siner
lieben muͦter hatte PrGeorg
9,1
u.ö.;
Seuse
105,2;
Elis
5431.
5544;
~ des Körpers:
sinnes und herzen reinecheit / und des lîbes kiuschecheit / wonten ir ze
staete mite / mit scham und êrebaerem site WvRh
1540;
zu rechter notdurft dez libez mit reiner kushekeite HlReg
20,23;
bildl./ personif.:
eya liebú vrowe Kúschekeit, ich bevilh úch min magetlich
kleit Mechth
7: 48,60;
ein wisses kleit der luteren kúschekeit ebd.
1: 44,20.
1: 46,9.
– von Maria:
also sprichit ain hailich man von vnsirre liebun vroͮwn: ‘ir kivschichait
ubirtriffet allir menschen kivschichait’ PrGeorg (Sch)
29,14;
Tauler
7,19;
SM:EvS
1: 4,1;
Philipp
1276.
1436.
– im Vergleich:
auch muͦz er ane schant / gelich dem dyamant / sin an rehter
kuͤschekait WhvÖst
4091
MWB 3,1 292,61; Bearbeiter: Hansen
kiuschiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
der grâl ist mit hôher kür. / sô suln sîn rîter hüeten / mit
kiuscheclîchen güeten Parz
493,24;
si erwirbt im kiuscheclîche / einen sun vil ellens rîche
ebd.
367,27;
niht zückent mir von mîner schame / dekeinen lasterbæren
roup, / durch daz mîn lop niht werde toup / an kiuscheclicher stætekeit
KvWTroj
21831;
Konr
6,54.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
mvget ir gar sein ane wip / vnt wol betwingen ivren lip / ze chivschechlicher
ræinichæit Warnung
1418;
der sich kunschklich haltet, der wird hie geeret und von got
gekroͤnet Seuse
106,11;
DvAOff
34;
Parz
526,5;
von Maria:
die hete diu reine muoter, mîn frouwe sant Marîâ, gar volleclîchen unde
kiuscheclîchen unde reineclîchen PrBerth
1:256,4.
–
~ lëben
‘geistliches Leben’
der mantel wart [...] einer megede nu gegeben, / di
sich in kuschecliches leben / in godelicher gnade / iezu bestricket hade
Elis
8362
MWB 3,1 293,33; Bearbeiter: Hansen
kiuschlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kúnsche-,
chiunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
er hât ouch kiuschlîche zuht. / man mac in ziehen als ein
maget: / er leistet gerne swaz man im saget Wh
272,18.
157,7;
von geburte ein frouwe / ist si, und von tugenden wîp. /
kiuschlîch smielen lachen / kan ir kleinvelrôter munt KLD:UvL
47: 7,1;
sît muoz sîn [des Grales] pflegn
getouftiu fruht / mit alsô kiuschlîcher zuht Parz
454,28;
alle die. die reht vnd chiunschlich lebent. vnd den hailigen geloben behaltent
wider ir eben christen PrWack
30,46;
Elis
832.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
âne wîp er wolde sîn / und leben kûschlîche
Kreuzf
355;
die gode iren magethum gevent, / inde imer kuͦsliche hie levent
Lilie
64,11;
kúschlich lebin in deme libe, daz enist niht menschlich lebin, ez ist himils
lebin PrGeorg (Sch)
4,56;
PrGeorg
32,15;
in eim rôtguldîn vingerlîn / sol man in [den
Saphir] kiuschlichen tragen Volmar
139;
swelich vrowe ane man kuselike leuet na ires mannes dothe UrkCorp
(WMU)
2,31;
Spec
97,36
u.ö.;
PrOberalt
15,39;
SpitEich
5,32;
Dietr
178.
– bildl.:
dine kuschlichen cleit / soldestu mit werdekeit / behalden
gar in aller macht Pass I/II (HSW)
13639
MWB 3,1 293,58; Bearbeiter: Hansen
kiuschmæʒicheit
stF.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung (in sexueller Hinsicht)’
mit sulchir kuschmezikeit / der meide vridil was beweit [d.i.
beweget; dadurch, dass der Feldherr Scipio Africanus ihm seine
Verlobte unberührt zurückgegeben hat] / daz he di herrin der
heidinschaft / sinis gezcungis und ire kraft / vugete zcu den Romern
PfzdHech
189,31
MWB 3,1 294,24; Bearbeiter: Hansen
kiuschrîche
Adj.
‘keusch, sittsam, rein’
[Maria,] frewe dich der reinen tât, / daz dir, der
geschaffen hât / al die welt, ist worden holt / dur dînen kiuscherîchen solt [
per castitatem tuam V. 1452
]
WvRh
2676
MWB 3,1 294,32; Bearbeiter: Hansen
kiuschvarwe
stF.
ein Gras oder Kraut (genauere Bed. unklar; vgl.
buschvarwe
, Verschreibung aus diesem?):
ascania: kúschvarwe, buschvarwe [im Kapitel de graminibus
et herbis
]
VocOpt
50.041
MWB 3,1 294,37; Bearbeiter: Hansen
kiutel
stN.
wohl ‘Tausch, Kauf’ (vgl.
kûten
swV.):
man vindet in den kremen [Krämerbuden] / hantschu,
rymen, buͤtel / daruz so werden kuͤtel KgvOdenw
6,100
MWB 3,1 294,41; Bearbeiter: Hansen
1kiuten
swV.
‘sprechen, plaudern’ (hier subst.; vgl.
quëden
stV.):
si lânt gedœnes wunder / dâ schellen unde erliuten. / ir
kôsen unde ir kiuten / wirt mit ir vil manicvalt KvWTroj
15360
MWB 3,1 294,45; Bearbeiter: Hansen
2kiuten
swV.
‘tauschen’
→
kûten
MWB 3,1 294,49;
kiuwe
swstMF.
auch kew(e)
(:lëwe
PleierMel (St)
10062,
Krone (Sch)
12760
u.ö.;
:êwe
Marner (W)
1:4,11;
:sêwe
WhvÖst
1198
),
koͤwe, koͮwe.
1
‘Kiefer’
2
‘Schlund’ (meist von Tieren)
1
‘Kiefer’
in schedel unde in kiuwen / enpfiengens tiefe scharten Neidh
WL 14:6h,13;
des berges was dennoch me / oberhalb dem sewe; / eines visches
chewe / was des sewes bruggen tor WhvÖst
1198;
an der stunde do gesigt er an dem helle hunde. / sine chiwen
er im brach AvaLJ
161,2;
mandibula: baccho, ein kew SummHeinr
1:126,152.
– im Pl. auch i.S.v. ‘Rachen, Schlund’ (vgl.
2):
den grôzen leun / mit sînen wîten keun Iw
6688
2
‘Schlund’ (meist von Tieren):
in dem wysen stugk ain zöbelin lew, / der gint wyt mit siner chew
PleierMel (St)
10062;
wilde esel und löuwen / mit ir wîten köuwen [Hs. C loͤwen:
koͤwen
]
WvRh
72,50;
und vuor ime diu zunge / enwâge in der chewen Krone (Sch)
10557.
12760;
faux: choͮwe chiwe Gl
4:213,17;
UvZLanz
1954.
–
do nam sant Johannes das wisse lamp mit sinen roten
wunden und leit es in den koͮwen irs mundes [in den Mund des
Marienbildes]
Mechth
2: 4,100.
–
des tiuvels
~ bildl. für die Hölle:
die muͦssen in des tievels kewen, / da sint si lebent in jamer tot von
ewen und ze ewen Marner (W)
1:4,11;
den hat des tivels chiwe / verslunden vntz andie fvzze
Warnung
540;
o wi sin gite gecuwe [l. gitege
cuwe
] , / wi manigen si uerslunde / vnde wi manigen si uerwunde
Litan
418.
1285
MWB 3,1 294,50; Bearbeiter: Hansen
kiuwen
stV. (IIa)
md. auch kiugen, kûgen
(
NvJer
11342;
PrLeys
3,21
).
‘(etw.) kauen’
sô nam er brôt an sîne hant / und smucte sich zuo einer want.
/ dâ saz er unde kou genuoc UvZLanz
3691;
als wir lipliche spise essent, so kúwen wir zem ersten, und
denne sinket si nider in den lichamen senfteklich Tauler
294,22.
294,4;
nim venkel [Fenchel] und kiwe den
BenRez
15;
ain iegleich tier, daz sein ezzen slindet und niht kewt, daz
ist mager, sam der wolf BdN
118,12;
sô nement si [die Wiederkäuer] ez
[das Essen] dann her wider und kewent ez dann
anderwaid ebd.
13,30;
wenn man ez keut ebd.
355,33
u.ö.;
toste [Oregano] gekuͦwen unde in
dem munde lange gehalden, vertribet den zanswer Macer
48,14;
der col vrischz gechiwen [...],
hilfet der heisen stimme ebd.
50,14.
97,2
u.ö.;
Neidh
WL 5:5,8;
MorantGalie
5184.
–
vinger ~
(nâch etw.) ‘ungeduldig (auf etw.) warten’
wir suln ein niuwez briuwen, / dar nâch sî die vinger kiuwen Neidh
(HW)
13,36.
– bildl.:
hie zwischent sol si dv́ gottis wort kv́wen vnde in trvken mit
deme gebette DvAStaff
135;
sam daz hâr diu milwe / kan tougenlichen wol zerkiun, / sus
kiuwet er sîn selbes nest, der üppeclîche trûret KvWLd
32,80;
Mechth
4: 3,41;
Tauler
294,31
u.ö.;
Seuse
302,14;
subst.:
Tauler
294,23
u.ö.;
Martina
60,71;
MvHeilFr
42
MWB 3,1 295,15; Bearbeiter: Hansen
kiv-, kîv-
→
kib–
MWB 3,1 295,42;
kivelen
swV.
→
kibelen
MWB 3,1 295,43;
kivelwort
stN.
→
kibelwort
MWB 3,1 295,44;
kiver
stM.
wohl ‘gebisstragender Kopfknochen, Kiefer’ (nur als Bestandteil von
Personennamen; vgl. WMU 3,2584):
Cvͦnrat der Kiver UrkCorp (WMU)
1964,28;
Hainrich der Kiver ebd.
3534,29
MWB 3,1 295,45; Bearbeiter: Hansen
kiverære
stM.
→
kiberære
MWB 3,1 295,49;
kiveren
swV.
→
kibelen
MWB 3,1 295,50;
kizze
stN.
→
kitze
MWB 3,1 295,51;
klâ, klâwe
stswF.
auch klô
(ahd. klâuua, klôa stswF. vgl. AWB 5,225f.).
‘Klaue, Kralle’
ungula, daz spricht clâ BdN
372,17.
157,9;
ungula: cla Gl
3:354,4.
3:439,12
1 (Vorder-)Tatze, Pfote, Pranke bzw. Krallen der (Raub-)Tiere 1.1 allg. 1.2 von Fabelwesen (vgl. auch 2 und 4 ) 1.3 bildl. und im Vergleich 2 Krallen(-Fuß) der (Raub-)Vögel und vogelartiger Fabelwesen 2.1 allg. 2.2 bildl. und im Vergleich 3 verhornte Zehe, Huf der Paarhufer 4 Pranke, Krallen des Teufels und seiner Schergen 5 übertr. 5.1 vom Tag 5.2 vom Verstand
1
(Vorder-)Tatze, Pfote, Pranke bzw. Krallen der (Raub-)Tiere
1.1
allg.:
der leu in mit der klô gevie, / und zart im allez sîn
gewant EnikWchr
12404;
Iw
6690;
nim einen hasen alsô ganzen, daz dar abe niht verschertet
sî, weder hâr noch chlô Barth
149,2;
jn ist daz houbet gescaffen nach den hunden, den die
clawen sint groz vnde crunb Lucid
23,5;
lupus haizt ain wolf [...]. wenn
er auf laub gêt, sô macht er sein klâen naz mit der zungen, daz er iht rausch
BdN
147,13;
cocodrillus haizt ain kutschdrill.
[...] ez hât auch gar scharpf klâen ebd.
233,13;
[die ungeborenen Panther] zerrent die muoter inwendig
mit iren scharpfen klâen ebd.
157,7;
diu salamander ist vierfüezig
[...]. ir
kräwel [Krallen] an den klâwen sint hakot und gar
behend ebd.
277,8;
sô diu fruht [das Bärenjunge]
geporn ist, sô scheint niendert ain glid dar an ân die klâen ebd.
162,25;
Anno
13,5
1.2
von Fabelwesen (vgl. auch 2 und 4):
der wurm sich san vf hup, / durch den schilt er in sluc /
mit siner starken clan Herb
1113;
der dracke zoch den werden / mit den cloen zu der erden
HvNstAp
8426;
BdN
237,28;
GTroj
11752;
Lanc
572,1
u.ö.;
vgl. menschenähnlich gedacht:
scharf alse dorne / wâren sîn [des Fährmanns
Charon] oucbrâwen / unde scharf sîn clâwen / an fûzen unde an
handen En
3064
1.3
bildl. und im Vergleich:
die nagele [der Gralsbotin
Cundrîe]
[...] stüenden als eins lewen klân Parz
314,9;
er [Alexander] hete grimmigen
mût, / alse der zornige bere tût, / sô in di hunde bestân: / swâz er ir mit den
clâwen mach gevân, / dar ane richet er sînen zorn SAlex
2797;
SM:Go
1a: 4,3;
Seuse
40,23
2
Krallen(-Fuß) der (Raub-)Vögel und vogelartiger Fabelwesen
2.1
allg.:
vier adelar [...], / der
ieglicher was des geil, / daz er des lîchnams einen teil / in sîn klô vazte
Ottok
21500;
grifis haizt ain greife. [...]
er hât grôz scharpf klâen oder kræuel BdN
190,6;
arpia ist ain vogel [...]. er
hât gar scharpf klâen ebd.
167,33;
strucio haizt ain strauz [...].
si habent auch gezwiselt klâen an irn füezen ebd.
223,17
u.ö.;
der habch nam in in die claw GTroj
2801.
– als etw. Kleines, Geringes (vgl. auch 3):
der ar der ob dem helm swebt, / der da was geworht
als ob er lebt, / der was zerslagen zehant, / daz man nindert dhein klô vant
EnikWchr
16390.
– unklar (bezogen auf den Hornstachel, Sporn am Lauf bestimmter
Vögel?):
ain iegleich vogel, der an dem pain ain klâen hât [
omne uolatile habens in crure ungulam
] , sam der hân, der ist pœses fluges und krankes
BdN
164,22
2.2
bildl. und im Vergleich:
mich hat in starkem grymme / in sinen clowen ein mechtig
ar Minneb
5073
u.ö.;
wir sîn daz blœde rephuon, / daz ein sperwer mit sîner
craft / in sîne clâwen hât behaft KvWTroj
22760;
LvRegFr
2404;
KvWLd
32,328;
sie het ein nase vil lange. /
[...]; / ir nagel als grifen clan
Rennew
30863;
Daniel
3760;
Wig
6317
3
verhornte Zehe, Huf der Paarhufer:
swas [...] it
truckit [wiederkäut] mit
geklobenir [gespaltener] kla, / das wart in
[zur Nahrung] irloubit da RvEWchr
12866;
nim geizine clan. ich meine daz hurnine daz an geiz vuzen ist
SalArz
28,15;
swinin clawen BvgSp
89.
8;
Solînus spricht, daz die hinden
[Hirschkühe] gepern kälbel, der hüetent si gar
vleizicleichen und verpergent si in die stauden und maisternt si mit den klâen
BdN
130,2;
deu [...] clo des gekruͤmten ohsen
KvMSph
47,14.
– von Christus als Lamm Gottes:
den man noch mâlet für daz lamp, / und ouchz kriuze in
sîne klân, / den erbarme daz tâ wart getân Parz
105,23;
daz agnus dei, / ein kriuz in sîner zeswen klâ Helbl
7,399;
Kröllwitz
1709;
JTit
420,3.
– als etw. Kleines, Geringes (vgl. auch 2.1):
dô sach ich, daz di siben [mageren
Ochsen] zwâr / die veisten [fetten
Ochsen] vrâzen alsô gar, / daz dâ niht beleip ein klô
EnikWchr
5675;
behaldinde ir vie vil gar, / daz nî abquam ein clawe
NvJer
13589;
Exod
2334;
RvEWchr
10397
4
Pranke, Krallen des Teufels und seiner Schergen:
ach herr, wie oft er [der Teufel]
mich gevangen hât, daz mich diu aller
tugentleichst [Maria]
[...] all zeit hât erlœst auz seinen scharpfen klâen
BdN
182,8;
si vischeten mit iren fúrigen klawen, wan si oͮch geiste und
túfel waren Mechth
5: 14,8.
7: 39,23;
Erinn
948
5
übertr.
5.1
vom Tag:
da in die wahter taten kunt /
[...] daz der tag sine cla / hete geslagen durch
die naht Rennew
25280;
sîne klâwen / durch die wolken sint geslagen, / er stîget
ûf mit grôzer kraft; / ich sich in grâwen / tegelîch, als er wil tagen: / den
tac MF:Wolfr
2: 1,1
5.2
vom Verstand:
waz zwei herze wisheit / begrifen mügen mit sinnes klan Frl
7:41G,10
MWB 3,1 295,52; Bearbeiter: Hansen
klâbirboum
stM.
‘Birnbaum’ (hier als Ortsname):
aber II ager zuͦ deme clobirboͮme UrkCorp (WMU)
N150,35
MWB 3,1 297,19; Bearbeiter: Hansen
klac
stM.
‘Bruch’ (vgl.
krac
)
1
‘Knall, Krach, krachendes Geräusch’
2
‘Riss, Sprung’ , nur übertr. i.S.v. ‘Makel, Unvollkommenheit’
1
‘Knall, Krach, krachendes Geräusch’
pusûner gâben dôzes klac, / alsô der doner der ie pflac / vil
angestlîcher vorhte Parz
379,11;
wan si diu sper zerstâchen / sô vaste daz des bruches klac / lûte
[tönte] alsam ein donnerslac / der spaltet daz
geböume KvWEngelh
4815;
dô wart ein brasten und ein clac, / als ob der wilde
donreslac / dâ klübe tûsent boume enzwei KvWTroj
12241.
14704
2
‘Riss, Sprung’, nur übertr. i.S.v. ‘Makel, Unvollkommenheit’
do enhat dú minne niender clak Neidh (HW)
71,21 (La.);
dv himilschlicher lylien smak / der nie maze [d.i.
mâse
‘Fleck, Makel’
] noch clac / an megde muote verstuont Martina
79,44.
–
sunder ~
‘makellos, vollkommen’
ez sî dir offenlîch geseit, / daz niemen êre haben mac / noch herzen liebe
sunder klac / gar âne kumber und âne nôt Winsb
43,5
MWB 3,1 297,22; Bearbeiter: Hansen
kladertuoch
stN.
→
kleidertuoch
MWB 3,1 297,39;
klaf
stM.
1
‘Knall, Krach’ (vgl.
klapf
) 2
‘Geschwätz, Gerede’
1
‘Knall, Krach’ (vgl.
klapf
):
man hôrt ein halbe mîl den klaf JSigen
73,2
2
‘Geschwätz, Gerede’
swem niht behagt der paragraf / und von dem Rine dirre klaf,
/ der sol das ze lone han: / er sol ez ungelesin lan RvEWchr
2391;
ir snappes gelupter winkels claff [
‘verleumderisches Winkelgeschwätz’ (vgl. Glr.z.St.)] / derr
an eren irs hertzen saff! Minneb
1279;
wibclaffen affit mannis lib, / die man sa wieder ie die wib / mit claffe in
gewinnent PrHess
37,221
MWB 3,1 297,40; Bearbeiter: Hansen
klaffære, kleffære
stM.
md. auch clepp(h)ere (vgl. mnd. klapper, klepper
Schiller/ Lübben 2,472).
jmd. der viel (bes. Dummes, Falsches) daherredet, ‘Schwätzer’
er waz gar ein cleffere und brach den orden und sine swien [sein
Schweigen (Pl.), Schweigegelübde] zu allen ziten
HlReg
49,11;
claffer, die uz irem muͤnde / manig rede lippen
lappen [plappern] / und boses fur daz gut ye snappen
Minneb
558
u.ö.;
garrulus [...] ist ze latein als vil
gesprochen als ain klaffer BdN
199,8.
44,20;
ein claffer, dem ich es nit engund / das er nem ein urkünd /
unnd yement da vonn seyt / unnd brecht lieb zu leyt MinneR 36
49;
der cleffere [
vir linguosus
]
BrHoh
7;
MinneR 239
90;
clepphere Elmend
A 1053;
Hiob
5858;
MF:Reinm
66: 2,5.
– jmd. der Geheimes ausplaudert:
dehein man sol dem klaffære / sagen tougenlîchiu mære WälGa
559;
swar du einen cleppere weist, / vor deme hel dine geswasheit
allir meist Elmend
A 875
MWB 3,1 297,50; Bearbeiter: Hansen
klaffærinne, kleffærinne
stF.
‘Schwätzerin’
zu Engelanden waz ein riche wip gar bosez lebenez. si waz ein clefferin, ein
vrez in, hoffertic und unkuschez libez HlReg
43,19;
sweigt si, si ist ain stümminn, rett si, si ist ain
klafferinn BdN
286,20;
ein lacherin [Spötterin] vnd ein
chlaferin PrBerthKl
5,19;
Minneb
1238;
HvBurg
5876
MWB 3,1 298,5; Bearbeiter: Hansen |