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ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   klaffe - klagehaft    


klaffe stF. auch kleffe ( KvWPant 1834, Pl.?). 1 ‘(verleumderisches, falsches) Geschwätz’
2 ‘(höfische) Konversation, Plauderei’ (vgl. klaffen 2.3 )
   1 ‘(verleumderisches, falsches) Geschwätz’ von swem du mugest hœren / hinderrede mit klaffe, / ûz dînem hove schaffe / in flühteclîchen strîchen Reinfr 14347; ir wænet lîhte tœren mich, / ir sint ein lügenære. / [...] / mirst iuwer klaffe unmære KLD:UvW 11:2,6; alle, die ir [der schlechten Frau] sunderlich in der sach mit boͤser klaf hein gehulfen Seuse 128,19; sine claffe vnd sine trüge Martina 53,105. 176,67; geswîc der kleffe dîn, / [...], / dû redest uppeclîchiu dinc KvWPant 1834; HeslNic 3039    2 ‘(höfische) Konversation, Plauderei’ (vgl. klaffen 2.3): ez ist niht lanc daz ich mit einer minneclîchen frouwen / begunde hübscher klaffe vil, / die ich von herzen minne KLD:UvW 11:1,2

MWB 3,1 298,12; Bearbeiter: Hansen

klaffe swF. ‘Klapper’ (hier als Signal der Aussätzigen, sozial Ausgegrenzten): Tristan [...] slouf in bœse huderwât [Lumpen] , / [...] er wart vil ungeschaffen. / er nam eins siechen klaffen, / gein Tintajoêle er gie UvTürhTr 2238

MWB 3,1 298,28; Bearbeiter: Hansen

klaffëht Adj. ‘geschwätzig’ der man clafohte [ vir linguosus ] nit wir geriht ufh der erde BrZw 7

MWB 3,1 298,33; Bearbeiter: Hansen

klaffen swV. vereinzelt kleffen ( Erz III 145,138 ). 1 ein (klapperndes, klatschendes, klingendes u.ä.) Geräusch von sich geben
2 ‘sich (laut) äußern’
2.1 meist abwertend, ‘schwatzen, unbedacht daherreden, sich auslassen’
2.1.1 allg.
2.1.2 mit Akk. ‘etw. daherreden’
2.1.3 mit präp. Erg. ‘sich (unbedacht/ unqualifiziert) über etw./jmdn. äußern, (schlecht) von etw./jmdm. reden’
2.1.4 subst. ‘Gerede, (verleumderisches, falsches) Geschwätz’ (vgl. klaffe 1 )
2.2 neutral ‘(laut) reden, sprechen’ (offen zu 2.1 )
2.2.1 allg.
2.2.2 mit Akk. oder Obj.-Satz, ‘etw. sagen’
2.2.3 subst.
2.3 ‘(höfische) Konversation betreiben, parlieren, plaudern’ (offen zu 2.2 )
2.4 ‘jammern, wehklagen’
2.5 von (sprechenden) Vögeln, ‘krächzen’ (vgl. 1 )
   1 ein (klapperndes, klatschendes, klingendes u.ä.) Geräusch von sich geben: dar ane horte man chlaffen / guldeine schellen Serv 506; von hymel kam der groͤste schal / (vil lute klaft er úber al) WernhMl 13768; si hôrten hüeve [Hufe] klaffen NibB 1601,2; dâ von ist daz niht ungefüege, ob die böume vil geklaffent [rascheln] die vil löuber hânt PrBerth 1:159,32. 1:158,38; SM:Go 2: 6,3. 2a: 5,3; von Zähneklappern: da von die zene claffent Martina 275,107; biben, zane claffen Herb 13210; LBarl 3610. 10460; PrBerthKl 3,93. ane/ ûf etw. ~ ‘klatschend gegen/ auf etw. schlagen’ daz hundel quam geloufen sâ / [...], / sîn houbt ez schutte weckerlich, / sîn ôren claften im dar an HvFreibTr 4571; sô daz sie gênt krüeglînes ganc / gein der twerh und manic swank / in klaffent ûf die necche [vgl. Anm.z.St. in: ZfdA 72 (1935), S. 274f.] Helbl 2,1367. – bildl. und im Vergleich (vgl. 2): ich wil in harte selten prisen. / er klaffendez hufisen! / owe, er karrende tur! Jüngl 916; [ maniger ] claffet als ein hamerslag Frl 13:26,4    2 ‘sich (laut) äußern’    2.1 meist abwertend, ‘schwatzen, unbedacht daherreden, sich auslassen’    2.1.1 allg.: der chlaffende man, / der sprechens die mazze nicht erchan Warnung 2832; der wein [...] macht das ainer chlaffet HvBurg 254; der chlaffond man [ vir linguosus ] ist vnwert vffin dim ertiche BrEng 7; Tauler 234,8. 370,31; PrGeorg 8,12    2.1.2 mit Akk. ‘etw. daherreden’ ich enruche, waz du gechlaffest OrtnA (K) 157,4; swaz menschin sin geklaffet / das ist gar ein trovn Martina 120,78; Himmelr 3,22    2.1.3 mit präp. Erg. ‘sich (unbedacht/ unqualifiziert) über etw./jmdn. äußern, (schlecht) von etw./jmdm. reden’ die [...] / die boses von frawen claffen Minneb 1291; uf die sol niemand nicht unnützes claffen Frl 9:19,4; do von swig vnd klafe nit von gotte; wande mit dem, so dv̍ von im claffest, so lv̍gest dv̍ Eckh 3:442,4. 3:442,5; HlReg 15,6    2.1.4 subst. ‘Gerede, (verleumderisches, falsches) Geschwätz’ (vgl. klaffe 1): lât selchen spot, dêswâr ich ahte ûf iuwer claffen harte cleine! SM:UvS 5: 1,6; la sin din liegen, claffen! SHort 219; lugelichez klaffen Frl 5:8,11; du [...] solt, swaz ich gesprochen han, / nicht haben vur ein klaffen [leeres Gerede, Unsinn] StrKD 4,467; dîn süezez klaffen [Schmeichelei] ist ein truglîch mære Hadam (Sch) 451; BdN 199,24; Lanc 568,23; personif.: weder Brufen falsch noch Claffen, / die groben ungeschaffen, / mugen gewonen nymmer / gentzlich in dem gezymmer Minneb 3739; Hadam (Sch) 288. 389    2.2 neutral ‘(laut) reden, sprechen’ (offen zu 2.1)    2.2.1 allg.: got der hat noch zunge und munt noch nihtes niht, do er mit mug chlaffen Eckh (J) 42,25    2.2.2 mit Akk. oder Obj.-Satz, ‘etw. sagen’ David gote zu eren / wolde gotes dinest meren / und sazte, daz mus ich claffen, / virundzwenzig phaffen HistAE 2199; in sîner geschriben botschaft, / di sulche meinung dûtlich klaft JvFrst 9838; ouch si claften al da bie / daz di selen liden nicht / durch di keinerhande schicht TvKulm 5810; Tauler 370,21    2.2.3 subst.: sein [Gottes] chlaffen mit den engeln ist, daz er sich ein iglichen engel offenbart, alzo daz er dar zu geordnent ist Eckh (J) 42,26; MvHeilGr 1520; Tauler 121,36    2.3 ‘(höfische) Konversation betreiben, parlieren, plaudern’ (offen zu 2.2): so ist si wolgeschaffen; / da bi so kan si gemelliche klaffen Tannh 11,54. – subst. (vgl. klaffe 2): ir vil minneclicher lîp / huop gen mir sîn klaffen. / hœret wie diu tugende rîche sprach KLD:UvW 36:2,5; mit guͦtlich, guͦnstlich, lieplich claffen / leert sy [die minne ] truͦerens vyl versenken MinneR 496 116; SHort 4059    2.4 ‘jammern, wehklagen’ bitterlich si danne weinet / michil not si bescheinet / si murmilt vnde claffet Martina 131,87    2.5 von (sprechenden) Vögeln, ‘krächzen’ (vgl. 1): ein vogel si gelert hette sprechen, der begunde claffen mit minslicher stimen HlReg 43,24; garrulus haizt ain heher, und ist ze latein als vil gesprochen als ain klaffer [...]. er fleugt von ainem vogel hinz dem andern und klafft ümmer mêr und mag selten ain ander vogel für in gevliegen [...], den er niht anschrei BdN 199,11; wenne man den vogel alsô jungen væht und in zeuht in ainem vogelhaus, sô lernt er reden und klaffet durch den tag ebd. 199,16. 199,17; ReinFu K,238

MWB 3,1 298,35; Bearbeiter: Hansen

klaffestat stF. ‘Ort, an dem geschwätzt, gelästert wird’ der tuvel sprach ‘die stat ist min. / min ist dise klaffestat, / wand ich hie dicke werde sat, / swes ich an den brudern ger. / [...]’ Pass III 369,59

MWB 3,1 299,58; Bearbeiter: Hansen

klaffic Adj. kleffic

MWB 3,1 299,62;

klaffunge stF. ‘Klappern’ (von Zähnen): uueinleîches ahchizót alles unlustes zálsam gesturme. fórhtone bîba. zano kláffunga Himmel 58

MWB 3,1 299,63; Bearbeiter: Hansen

klaff|unnütze M. ‘Schlechtschwätzer’ (vgl. Glr.z.St.): daz ist bruͦder itelspot · vnd bruͦder clafunnuͤzze SelbhReg 438,58

MWB 3,1 300,1; Bearbeiter: Hansen

klâfter stswFMN. ‘Klafter’ 1 als Längenmaß allgemein die Spanne zwischen den ausgestreckten Armen eines Erwachsenen; im rechtl. Kontext meist als genormtes Maß von regional unterschiedlicher Länge (vgl. DRW 7,1026)
2 als Raummaß für Holz (oder zu 1 ? vgl. DRW 7,1027f. mit weiteren Belegen ab dem 15. Jh.)
   1 als Längenmaß allgemein die Spanne zwischen den ausgestreckten Armen eines Erwachsenen; im rechtl. Kontext meist als genormtes Maß von regional unterschiedlicher Länge (vgl. DRW 7,1026): eine siul [...], diu was sehzic klâfter hôch unde was sehs klâfter wît BuchdKg 66,13; drier claftern dicke / waz die mure HvNstGZ 1692; den [ turn ] sulnt ir mit klâftern mezzen, / wie hôch er sî und wie breit Flore (P) 4620; zwei horn. der iegelich ist einer clafteren lanc Lucid 26,10. 143,11; der weg [...] ging zwuschen zweyn leyen [Felsen] hien, [...] wol einer claffter breit die ein von der andern Lanc 620,30; ander halbe eins klâfters lanc Wig 1998 u.ö.; si autem consenserint ad mensuram unius clafter transsibit StRIglau 323; StRZürich (B) 199,29; UrkCorp (WMU) 1591,41. 728,6; Renner 18739; En 1155. 1161    2 als Raummaß für Holz (oder zu 1? vgl. DRW 7,1027f. mit weiteren Belegen ab dem 15. Jh.): von iedem chlafter holtzes, daz man heruber treit [...], da sol man von geben i zehener DRW 7,1027f. (Koller, Kanzleiregister; a. 1328)

MWB 3,1 300,4; Bearbeiter: Hansen

klâfterlanc Adj. auch clofter-. ‘(ungefähr oder mehr als) einen Klafter lang, sehr lang’ etelichen weis ich under in, / die tragent clofter langen bart VirgH 621,13; die kômen her [...] / mit irn klâfterlangen swerten Ottok 77493

MWB 3,1 300,26; Bearbeiter: Hansen

klâftermâʒe stF. ‘Klaftermaß’ so wirt ouch etslichs pris alda gerucket / di hoͤhe [La. hohste ] clafter maze JTit 1442,4

MWB 3,1 300,31; Bearbeiter: Hansen

klâftersnuor stF. md. ‘Schnur in der Länge eines Klafters’ (vgl. DRW 12,1010 s.v. 1Schnur II. ‘ein Längenmaß bzw. das entspr. Messinstrument’; vgl. auch ebd. 3,348 s.v. 2Faden II. ‘Längenmaß, insbes. Klafter’): dem [ visch ] was der unreine giel [Schlund] / wit, lanc maniger claftersnur Brandan 1425

MWB 3,1 300,34; Bearbeiter: Hansen

klagant M. ein Fabelwesen: von dem klagant [Überschrift] . nereides mügent klagant haizen. daz sint merwunder [...] und ist ir weis reht als ob si klagen und wainen, wenn ir aineu sterben muoz BdN 239,25

MWB 3,1 300,41; Bearbeiter: Hansen

klagære, klegære stM. 1 jmd., der wehklagt, ‘Klagender’
2 rechtssprachl. ‘Kläger, Ankläger’ (vor Gericht bzw. einer Rechtsinstanz; vgl. DRW 7,1051ff. mit differenzierter Gliederung und weiteren Belegen)
   1 jmd., der wehklagt, ‘Klagender’ clagere in der pine enberent sehs dingen; wie man súche und smacheit tragen sol [Überschrift] Mechth 6: 14,1; querulus: klagari SummHeinr 1:301,463; querulus: klegere ebd. 2:25,497. – spez. jmd., der einen Toten beklagt: schwartz was alles sein gewant; / zeflochten und zestreuwet gar / was sein gel, raides har, / recht in der gepäre / als er ain klager wäre HvNstAp 19258; den doten hieß er pegraben / und di klager wol gehaben ebd. 6388    2 rechtssprachl. ‘Kläger, Ankläger’ (vor Gericht bzw. einer Rechtsinstanz; vgl. DRW 7,1051ff. mit differenzierter Gliederung und weiteren Belegen): ez sol ein iegleicher chlager, swenn er fuͤr gericht chumpt und einen ansprechen wil, von erst einen vorsprechen nemen StRMünch 307,23 u.ö.; unser wort spricht kainer pas / den du, wir wellen das / das du unser klager sullest sein HvBurg 5825; so mac er [der reuige Sünder] wol erwerben daz, / daz got der chlagære haz / mit sinen gnaden understet [abwehrt] , / daz ir chlage ninder uf in get StrKD 103,188; bringt der clager daz fuͤr in gerihte NüP 140; SpdtL 119,18; Mühlh 135,8 u.ö.; UrkCorp (WMU) 847,4 u.ö.; StRAugsb 81,14. – von Gott beim Jüngsten Gericht: dú vierde zuͦkunft da ist únser herre gelich aim starken rihter, daz ist an dem jungsten tag. [...] er wil da gewaltklichen reden und ôch selb klager und rihter sin PrGeorg 72,11

MWB 3,1 300,46; Bearbeiter: Hansen

klagærinne stF. ‘Anklägerin’ dú jungfroͮwe [Maria] ist ein beschirmerin aller kúscheit und ein klagerin der bekorten [Verleiteten] , die sich mit rúwen voͤrhtent hie vor der heligen drivaltekeit; das gerihte noch an iren henden stat Mechth 6: 16,60

MWB 3,1 301,11; Bearbeiter: Hansen

klage stF. rip. auch sw. ( MarlbRh 66,33 u.ö. ); auch klauge ( Herb 5836 u.ö. ). ‘Klage’ 1 Äußerung eines (seelischen) Schmerzes, ‘Wehklage’ (in Worten oder ritualisierten Gesten wie Schreien, Weinen, Händeringen, selbstverletzendem Verhalten wie Haareraufen u.ä.)
2 ‘Leid, Elend, Unglück, Schmerz’ (offen zu 1 )
3 rechtl. ‘Klage, Klageerhebung, Beschwerde (vor einer Gerichtsinstanz)’ (vgl. DRW 7,1034ff. mit Lit. und weiteren Belegen)
   1 Äußerung eines (seelischen) Schmerzes, ‘Wehklage’ (in Worten oder ritualisierten Gesten wie Schreien, Weinen, Händeringen, selbstverletzendem Verhalten wie Haareraufen u.ä.): weder sit noch éé / endorfte nie grozzer chlage werden: / si uielen zu der erden, / daz har brachen si uon der swarte, / si wuͦften alle harte Rol 1732; da wart geschreige / vnd klauge maniger leige Herb 15791. 10838 u.ö.; die clage, die Jeremias hete, do Ierusalem wart zerfuͤret Lucid 109,8; vone tage ze tage mêrôt sich des hungeres chlage Gen 2591; maneger zunge sprâche klage Wh 450,12; Wig 11622; RvEBarl 4392. – Krankenklage: doch hât er [der wohlhabende Kranke] daz hûs und sîn nôtdurft an spîse und an tranke, an râte der arzete [...], an klage und an bîwesenne sîner vriunde Eckh 5: 17,3; nû hiez er im künden dô, / [...] daz er an dem andern tage / durch rât, durch vriuntlîche klage / zuozim wolde komen dar / und nemen sîner siecheit war RvEBarl 7500. – Totenklage: die lantliute hêten [...] / Jacobes michile chlage folle sibenzig tage Gen 3000 u.ö.; ê daz zem grabe kœme daz Sîfrides wîp, / dô ranc mit solhem jâmer ir getriuwer lîp, / [...]. / mit klage ir helfende manic vrouwe was NibB 1067,2; die amerliche chlage unde div amerlichen dinc, div man beget, da man die tôten handelet Spec 154,12; BuchdKg 28,12; Tr 1689. senende/ senelîche ~ ‘Klage über schmerzliches Verlangen (in der Minne), Sehnsucht’ (vgl. auch 2): clage ich mîne seneden clage, / [...] / mit der clage ich niht bejage / noch bejagete nie wan wîlent smæhen danc SM:UvS 19: 6,1; liep vertrîbet riuwe, / liep wendet sende klage KLD:Kzl 15: 3,8; KLD:UvL 21: 1,5 u.ö.; dô hâte ich von sender klage / einen brief, daran ein angil was, / den hieng ich an sî SM:Had 1: 1,9; si mich hât verhouwen / unz ûf den tôt mit sender clage KvWHerzm 293; nu helfent, küniginne, / von senelicher klage! SM:Tr 5: 2,13; vgl.: dar umbe muoz ersterben / mîn armer lîp den ich hie trage / nâch im mit herzenlîcher klage Parz 698,14. – Äußerung von Unzufriedenheit, Unmut (vgl. 3): wen des verdriez, der sei ân clag und vlieh mein wunderleicheu werch BdN Reimvorr. 4,5    2 ‘Leid, Elend, Unglück, Schmerz’ (offen zu 1): hilf uns herre hivte / uon susgetaner not daz wir niht ligen tot, / noch wir werden ze bane, / unsiren urivnden ze chlage GenM 161,14; daz ist vor aller nôt mîn clage, / die ich unsanfte dulde SM:KvT 6: 1,5; er hatte eine groze klage, / er mvste hvͤten alle tage / siner hvner vor Reinharte ReinFu K,21 u.ö.; dâ wirt der slîchære klage [Verhängnis] / daz dürre holz ime hage: / daz pristet [knistert] unde krachet Parz 172,17; Gâwân truoc minne und ander klage ebd. 588,7 u.ö.; SalArz 63,57; RvEBarl 605. nû wirt aber kalt, / nû der winter lanc. / dast der vogel nôt unde ir meistiu klage KLD:GvN 25: 1,8    3 rechtl. ‘Klage, Klageerhebung, Beschwerde (vor einer Gerichtsinstanz)’ (vgl. DRW 7,1034ff. mit Lit. und weiteren Belegen): is och daz ein man din andirin wundit· undi cumin sie beidi mit clagi vur dien richteri Mühlh 103,13 u.ö.; mägede unde wîp muozen mit rehte vor ieglîchem gerihte und in ieglîcher klage ir vormunt bî in hân SpdtL 137,13 u.ö.; wir fechten doch nit umb dhein gut oder umb dheynerhand clage Lanc 153,16; ob [...] ein geschihte da geschehe und daz ze klage keme fuͤr den raͤt WüP 48,4. 92,8; StRAugsb 36,11; die clage erhebn SSp (W) 3:17,1; Greg 1795; Parz 95,29; Iw 5736; KvWSchwanr 187; Roth 1737; Walth 16,16

MWB 3,1 301,17; Bearbeiter: Hansen

klagebære Adj., selten Adv. (vgl. 3.2) auch clabære, clæbære ( RvEWh 1024. 1102 ). 1 ‘zu beklagen’
1.1 von Dingen und Sachverhalten, ‘beklagenswert, schmerzlich, traurig’
1.2 von Personen, ‘beklagenswert, bedauernswert’
2 ‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1 )
3 rechtl. (vgl. DRW 7,1032f. mit weiteren Belegen)
3.1 ‘klagbar, (gerichtlich) verhandelbar’
3.2 ‘(an)klagend’
   1 ‘zu beklagen’    1.1 von Dingen und Sachverhalten, ‘beklagenswert, schmerzlich, traurig’ ich chlage, daz ein biderbe man / siner tugende niht genizen chan, / als er wol wert wære; / daz ist vil chlagebære StrKD 158,274; ich klage zwei dinc, diu klagebêr sint Renner 17493; die klagebære flust, / diu der kristenheit geschach, / dô Akers zebrach / der soldan von Baldac Ottok 44604; diu clagebæren mære Tr 1715; sin tot ist klagebaere Tannh 14,45; WvRh 9873. 14494; KvWPart 6238    1.2 von Personen, ‘beklagenswert, bedauernswert’ so ist es ein klagberi natur diu gat umentum und klaget sich gar hertzlich und schriget gar kleglich won si sichet wol das si gentzlich under getruket ist worden PrWack 68,151. 68,171; deke, ors unde gevilde / begunden sere roten; / clæbæren toten, / die menic herze sit unvro / machten, die vielen do RvEWh 1102; subst.: an dirre veigen lantwer / wart der vil clagebære erslagen, / den al diu werlt wol solte clagen Tr 1677. – spez. ‘der Totenklage würdig’ allez rômisch rîche, / daz beweinte in glîche: / er was ouch klagebêre EbvErf 2313; ez ist manic man erslagen, / dem ich ungelîche wære / hie ze lande klagebære Flore (P) 4578; er viel tot uf den sant. / der ellenthafter wigant / wart wibes herzen swaͤre, / in witen landen clagebare RvEWh 1126    2 ‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1): diu bitterlîche siure / [...] / macht in sô klagebære, / daz er die naht biz an den tac / niht anders in dem herzen phlac / wan trûrens unde sorgens KvWPart 9608. 9668; dô daz volc daz vernam, / dô huop ez clagebæren schal / und ouch die fürsten überal, / von den wart jâmer niht verborn UvEtzAlex 20739. 21950; der klagbære schal / [...] / umb grâf Albrehtes tôt Ottok 71200; WhvÖst 11884. – subst.: durch aventiure mære er vragen do begunde / die suͤzen clagebære, [...] wen si da clagte JTit 5486,2. 4494,1; UvZLanz 3664    3 rechtl. (vgl. DRW 7,1032f. mit weiteren Belegen)    3.1 ‘klagbar, (gerichtlich) verhandelbar’ sit der koneg rihten sal fon rehte ubir hals unde ubir haubit, unde ubir alliz daz, waz clagebere ist in deme lande UrkFrankf 1,422 (a. 1303); dise schultheizen suln allez, daz clageber ist, rihten nach rehte vnd als ez der stete erber si UrkCorp (WMU) 29,6. 2958,6    3.2 ‘(an)klagend’ ûf den sagt klagebære / einer, der vor gerihte was HvBer 1885

MWB 3,1 302,25; Bearbeiter: Hansen

klagebërnde Part.-Adj. auch clagbarende. 1 ‘zu beklagen, beklagenswert’
2 ‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1 )
   1 ‘zu beklagen, beklagenswert’ sich sol mîn clagebernder lîp / von der werlde ziehen / und alle wunne fliehen UvEtzAlex 8832; Wildhelm tet auch ir schaiden / vil wirs denne sin kuͤnftig tot: / er het auch clagebernde not / mit marter an dem wan WhvÖst 10582    2 ‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1): der [ jüngeling ] [...] hortte den clagbarenden man / in jomer serre sich quellen GTroj 6230; dirre klagebernde man KvWPart 17537

MWB 3,1 303,10; Bearbeiter: Hansen

klagebote swM. ‘rechtl. Bevollmächtigter (des Klägers) bei Gericht’ (vgl. bote 1.1.3): woldestu haben gesprochen / din gebet hin zu gote, / da als manic klagebote / uber dich sin schrien tut, / deme du unschuldigez blut / aldort hast vergozzen? Pass III 247,46

MWB 3,1 303,20; Bearbeiter: Hansen

klageboum stM. 1 Baum, an dem geklagt wird
2 im Namen des Wiener Siechenhauses zum Klagbaum, das sich der Pflege der Aussätzigen widmete
   1 Baum, an dem geklagt wird: quercus haizt ain aich und ist als vil gesprochen als quernus, daz spricht ain klagpaum, wan als Isidorus spricht, die alten haiden heten ir abgötter in den aichen, und wenn si in iren kumer klagten, sô antwurtten in diu abgötter auz den paumen [vgl. Isidor, Etym. 17,7,38] BdN 343,4    2 im Namen des Wiener Siechenhauses zum Klagbaum, das sich der Pflege der Aussätzigen widmete: Sw̌ikers hofstat, der zv den zîten der siechen samner was ze dem chlagboͮm UrkCorp (WMU) N470,24; StiftZwettl 324. – wohl übertr. als Sammelplatz für Ausgestoßene (vgl. Anm.z.St.): daz urvar [Landeplatz] bî Ûzensê / ist ir rehter klagboum, / ich hân des genomen goum Helbl 1,798

MWB 3,1 303,26; Bearbeiter: Hansen

klagebrief stM. ‘Klageschrift’ (vgl. DRW 7,1040): vnd swaz auch klage vnd klagebrieue darvͦber weren, die sollen kein kraft oder maht haben UrkHohenz 3,199 (a. 1349)

MWB 3,1 303,41; Bearbeiter: Hansen

klagegalm stM. ‘Klagegeschrei, Wehklage’ da er was entnuͤcket, / der geist wart im verzuͦcket, / daz er quam in einen twalm [Traum] . / do hort er einen clage galm HvNstVis 10

MWB 3,1 303,45; Bearbeiter: Hansen

klagegëlt stN. bei Erhebung der Klage durch den Kläger zu entrichtender Anteil an den Gerichtskosten → DRW 7,1041 mit Belegen ab a. 1348

MWB 3,1 303,49; Bearbeiter: Hansen

klagegewant stN. ‘Trauerbekleidung’ er warff von im das clag gewant / und legt an seinen leib zehant / reiche kunigliche klaid HvNstAp 16817

MWB 3,1 303,52; Bearbeiter: Hansen

klagehaft Adj. 1 ‘klagend, schmerzerfüllt’
2 ‘beklagenswert, schmerzlich’ (offen zu 1 )
3 rechtl. ‘(an)klagend’ (vgl. DRW 7,1062)
   1 ‘klagend, schmerzerfüllt’ wê dir, armchlîchiu gotes gischaft, / uber die dîn schephære wirt chlaghaft / allem himelischem gedigene! Priesterl 348; swaz man der [ geste ] klagehaften siht, / waz wirret, machet si die frô? Bit 1852    2 ‘beklagenswert, schmerzlich’ (offen zu 1): diu süeze von sînem blicke / noch manegem wîbe dicke / sol vüegen klaghafte nôt Wh 167,29    3 rechtl. ‘(an)klagend’ (vgl. DRW 7,1062): für gienc daz klagehafte wîp, / [...]. / si bat mit klagenden worten / den künec durch alle wîpheit, / daz er im lieze ir laster leit, / [...]; / wær er ze rihtære erkant, / daz er denne riht ir swære Parz 526,24. 527,28

MWB 3,1 303,55; Bearbeiter: Hansen