k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
constofel, constafel
swF.
‘in einem Stadtbezirk (von Straßburg) vereinigte Genossenschaft der nicht zünftigen
Gewerbetreibenden (der → constofeler)’ (Rosenqvist 1,134 und 2,134f.), im
Unterschied zum zünftigen → antwerc (s. dort unter 2.2):
die constofeler, wenne ein geschelle wurt, so sullent sü in ire constofel bliben
UrkStraßb
4,2:36,9
(vor 1311);
man sol hinanfürder nyeman schöffel machen, ez si danne daz viere oder drie erbere
manne von sinem antwerke oder von der constofeln, damit er danne dienet, mit ime vür
unsern rat koment ebd.
4,2:64,21
(a. 1322);
es sol ouch mengelich, wer in unser stat Strasburg sitzet,
[...] sie hoͤrent zu constofeln oder antwercken,
dienen yeglicher noch siner gebure [...] constafeler mit
constafelern, die zu der antwercken gehoͤren mit antwercken ebd.
4,2:61,22
(a. 1322);
des hant scheffel und amman gesworn und constaveln meistere und constaveler ebd.
4,2:166,21
(a. 1322)
MWB 3,2 463,5; Bearbeiter: Plate
constofeler, constafeler
stM.
‘Angehöriger einer → constofel’
man sol ouch alle jor sweren die vorgeschriben gebot stete zu hante
[...] den constofelern meistern sullent die constofeler
sweren; und andere, die nit constofeler sint, die in den constoveln gesessen sint
[...] ouch UrkStraßb
4,2:36,6
(vor 1311);
constaveln meistere und constaveler ebd.
4,2:166,21
(a. 1322);
er sy constofeler oder antwerckeman ebd.
4,2:66,3
(a. 1322)
MWB 3,2 463,24; Bearbeiter: Plate
constofelermeister
stM.
‘Meister der → constofeler’
dise vorgeschribene gebot hant meister und rot und kunstofelermeister und die
kunstofeler selber gesworen UrkStraßb
4,2:35,31
(vor 1311)
MWB 3,2 463,33; Bearbeiter: Plate
consul
stM.
‘(römischer) Konsul’
ein ieclich consul der beuienc / einin stuͦl
Athis
A 166.
B 168;
daz uolc [...] vn̄ die consule
ebd.
A 152
MWB 3,2 463,37; Bearbeiter: Plate
contemplâcie
swF.
oft lat. Formen, auch flekt.: contemplatio, -ione, -iune.
‘geistliche Betrachtung, Versunkenheit in Wort und Werke Gottes’
swie man doch dicke nenne contemplatio ein iegelich geistlich
gesiht von geistlicher dinge trahtvnge mit des hercen ŏgen
DvAStaff
404.
401;
DvAPatern
29;
unde dô er in der contemplatiône ûf erhaben wart, dô erkante er deste lûterlîcher
den schaden des menschen val, daz er sich ânen muoste der angesihte gotes
DvASchr
396,17.
396,10;
ob ich were in der hohesten contemplacie, da ein mensche in komen
mag Mechth
1: 27,9;
alle [...] hoch contemplacie
Tauler
197,8;
contemplacio enist nút anders denne ein anhangen in got
mit eime vergessende aller zitlicher dinge ebd.
426,12;
ich bitte dich daz ich werde begriffen zuͦ der
contemplacien und zuͦ dime crútze und in die allerheiligeste
suͤssikeit dinre menscheit ebd.
426,16;
nach dirre speculacien, / der langen contemplacien / di selege unde die clare /
sprach [...]
Elis
5254;
MvHeilFr
45;
da horit zvͦ, si vch geseit, / des gebedis reinekeit / vnde gar ein
svͦzis weinen, / gein gode sich vereinen / mit der meditacien / vnde mit der
contemplacien PrHess
60,188;
diͤ düget [...] heizt
contemplatio in latin, / dat mach enduͥschen wal starung sin: / dat is,
[...] dat man got ane stare MarlbRh
114,33
MWB 3,2 463,40; Bearbeiter: Plate
contemplierære
stM.
‘contemplator, jmd., der geistliche Betrachtung anstellt’
daz si ouch innere contemplierêre wâren HvFritzlHl
51,18;
der hoch contemplierer s. Dionysius EngelbTr
69
MWB 3,2 464,3; Bearbeiter: Plate
contemplieren
swV.
aus lat. contemplari (MlatWB 2,1690ff.).
‘etw. geistlich schauen, betrachten, über etw. andächtig nachsinnen’
ob allen crêatûren sweben, / sîn selbez allez wesenz frei, / got sehens on
mittelei: / daz haizet contempliren Syon
53;
also contempliret man in der geschepfde gotez di heiligen drîvaltichait
MvHeilFr
46;
sus wil ich mich hernidder / geben in die menscheit, / daz der mensch die gotheit
/ dâ wider contempliere / und ummer visitiere / daz godelîche antlitze
Erlös
975;
daz ist also daz der mentsche sol nach gotte kriegend gedenken, daz ist reht
contemplieren PrGeorg
33,6;
lesen beten jubilieren, / venjen weinen contemplieren, / daz was dô ir kurzewîle,
/ swenn sî hete muoze und wîle Philipp
759.
4952;
woͤlter alle zît iubilierin un̄ contemplierin PrSchw
2,15;
sam etleich, die wellent ê contemplieren und jubilieren oder
frôlocken in der götleichen güeten, ê si wainen umb ir sünd BdN
122,23;
di here ligende also bleib, / [...] suze speculernde, /
gar hohe contemplernde, / biz man conplete lute Elis
5248;
suze contemplerende, / geistliche speculerende ebd.
8641;
er furt dich in di trinitât, / er czaiget dir di majestât, /
[...] und let dich speculiren, / sich selben contempliren
Syon
358;
messe lesen, hœren, beten, contemplieren
Eckh
5: 186,2.
– subst.:
aines contemplierens si von dan / suͤsseklichen och began
/ von hymelscher toͮgenheit WernhMl
12779;
gaistlich lebin ist rehte ain lebin dez contemplierins PrGeorg
(Sch)
19,32;
auf dise vier wort schepfent gaistleiche leut vierlei contempliren, in den si sich
ubent mit got MvHeilFr
45
MWB 3,2 464,7; Bearbeiter: Plate
contenanze
stF.
aus frz. contenance (Suolahti 1,127).
‘Haltung’
er bôt ouch ime dâ widere / des kampfes bewærde / mit herter
gebærde, / mit fierer contenanze [: schanze
]
Tr
6489
MWB 3,2 464,39; Bearbeiter: Plate
contrârie
stN.
aus mlat. contrarium (MlatWB 2, 1778f. unter II.C).
‘Gegensatz, Gegenteil’
dise [weltlich Gesonnenen] sint
zuͦmole in dem dunsternisse unde hant contrarie in disem
liehte [sind das Gegenteil davon]
Tauler
47,35.
–
‘Widerwillen’
wenne sú gottes frúnt sehent in guͦter
wisen und in guͦten werken, so hant sú rehte also ein contrarie wider
sú und bitterent rehte ir hertze wider sú Tauler
62,39.
– vgl.
es si denn, daz der mensch zwei contraria, daz ist zwei
widerwertigú ding verstande in eime mit einander,
[...] so ist nút guͦt lihte mit ime ze
redenne von soͤlichen dingen [...] weles sint
dú contraria? [...] ein ewiges niht und sin
zitlichú gewordenheit Seuse
341,2.
MWB 3,2 464,43; Bearbeiter: Plate
contrârien
swV.
‘sich in sein Gegenteil (contrârie) verwandeln’
begip din lieht, daz in der warheit ein dunsternisse ist gegen
mime liehte, und contrarie umbe mich [um meinetwillen] , wanne
ich daz gewore lieht bin Tauler
47,16
MWB 3,2 464,57; Bearbeiter: Plate
contrâte
stF.
aus ital. contrata (Suolahti 1,127).
‘Gegend’
du gist aller contrate mit tschoie ein hochgemüete
Tannh
3,61
MWB 3,2 464,62; Bearbeiter: Plate
convënt
stM.
aus mlat. conventus
‘Versammlung’, hier ‘Kloster, Stift’ (MlatWB 2,1823 unter
I.B.3.b.#g+b#g-).
‘Konvent, Kloster, Stift (als Gemeinschaft, Körperschaft oder Gebäude)’
1 die Gemeinschaft (synonym gemeine, samenunge ) 2 als Körperschaft 3 das Gebäude
1
die Gemeinschaft (synonym gemeine, samenunge):
wir, der conuent des gotteshûs von Beinwil UrkCorp (WMU)
876,40;
jch Wernher, apt ze Reichenpach, vnd alle die samnvͤnge vnd die gemein
des conventes ze Reichenpach ebd.
1755,3;
tvͦt ain swestir ain dinc, [...] dauon diu
samenunge betruͤbit mac werdin, [...] daz sie sich
daran bezzir und der conuent mit uride belibe PrGeorg (Sch)
17,323;
daz er kom in den kor gende an sant Agnesen tag, do der
convent hat enbissen ze mitem tag Seuse
10,12.
– im Deutschen Orden die Kommende:
in allen hûseren, dâ convent von brûderen ist, daz sint
zwelf brûdere unde ein commendûr zu der gezal der iungeren unseres hêrren jhêsu
christi StatDtOrd
41,18,
im Unterschied zu kleineren Gemeinschaften:
in den hûseren, dâ niht conventes ist ebd.
37,9
(=
in den cleinen hûseren ebd.
41,30).
– bezogen auf die Gemeinschaft der Jünger mit Jesus:
drizehen [Brüder] nach dem
heligen convent únsers herren Mechth
4: 27,71,
vgl. oben
StatDtOrd
41,18
2
als Körperschaft:
unde dâ von hât man des site, ez sîn frouwenklôster oder mannesklôster swâ
convente sint PrBerth
1:43,4;
item daz nieman in vnser statt sin hus noch hofstat ze deheinem convent noch
samnung geben noch ordnen sol StRBern
1/2:113,22
3
das Gebäude:
swanne die brûdere niht sament ezzen in deme convente,
swelich brûder dâ zu bûze sitzen sal, der ezze in deme gecelde des meisteres
[...] unde halde dâ die gewonliche bûze, alse ob er
seze in dem convente StatDtOrd
118,8;
sie aß im convent und schlieff mit der samenung
Lanc
112,20;
do er in einem froͤmden convent vil ellendeklich ze
bet gelag Seuse
69,4.
87,18
MWB 3,2 465,1; Bearbeiter: Plate
convëntbruoder
stM.
‘Klosterbruder, Konventuale’
meinem svn hern Albern dem Svnnberger [...], der doselb
[in der Benediktinerabtei St. Lambert in Altenburg]
conuentpruder ist, vnd auch do got dienen schol vnz an sein end mit rechter gestleicher
gehorsam UrkAltenb
114
(a. 1306);
nvͦ sage ich dir von den conuente bruͤdern. daz hobeth von dem
conuent daz ist bruͦder Herstvͦl SelbhReg
436,24
MWB 3,2 465,39; Bearbeiter: Plate
convënthërre
swM.
‘Konventsherr, Konventuale’
an die hant hern Chuͤnr. Doͤrflingers, der conventherre ist des
vorgenanden gotshuses ze Schafhusen UrkZürich
11,245
(a. 1330)
MWB 3,2 465,48; Bearbeiter: Plate
convëntkopf
stM.
‘Becher, wie er im Kloster üblich ist’
daz kruͤgli waz [...] enklein
groͤsser den en conventkopf Seuse
49,7
MWB 3,2 465,52; Bearbeiter: Plate
convëntswester
stF.
‘Klosterschwester, Konventualin’
die wile Jvte, vnser convent swester, lebet UrkCorp (WMU)
1773,44;
swester Mijen Gnuͥrserren, siner swester, duͥ convente swester ist
an Oͤtenbach UrkZürich
11,41
(a. 1326)
MWB 3,2 465,55; Bearbeiter: Plate
convëntvrouwe
swF.
‘Konventsdame, Konventualin’
jr tohter Jvten, div vnser conventvrowe ist UrkCorp (WMU)
1773,36
MWB 3,2 465,60; Bearbeiter: Plate
converse
swM.
‘Laienbruder, Konverse’
brvͦder Johans, des gotzhvs convers vn̄ schaffener von Klingendal
UrkCorp (WMU)
2026,3.
590,29;
UrkZürich
11,99
(a. 1328);
die munche sich versunnen des, / daz dem edeln herren gut / nicht
vugete ein sulche demut, / daz er [nur] ein convers were
Pass I/II (HSW)
14609;
einew kom her zu uns, die hiezze Reichilt von Gemmershaim, mit irm elichen wirt,
der wart ein convers EbnerChrist
10,10;
do hate ein leybruͦder, der waz ein suter, vil
úbermuͤtklich mit im geredet [...] do ze abent
wart und der selb bruͦder in dem siechhus ass, do gie der diener fúr daz
siechhus stan warten, wenn der convers her us giengi Seuse
86,12;
[...] der muniche und der converse und ouch der novicien sele
[...]
HlReg
90,9.
27,29;
BuchdRügen
557;
Dalimil
97,29.
97,34.
MWB 3,2 465,63; Bearbeiter: Plate
konvrouwe
swF.
‘Ehefrau’ (vgl. →
kone
swF.):
jch Popp von Liebenberch vnd min chon frowe Offmey UrkCorp (WMU)
2329,2;
ich mit sambt meiner chonnfrowen Mechthilden UrkKlostern
1,87
(a. 1303);
UrkEnns
5,606
(a. 1306);
seyt ich hab verloren / mein schone frauwen [l.
chonfrauwen Hs. A] wol geporen /
[...] leichte wurd ich da erslagen, / so kumpt mein sele
doch zu ir: / wie mocht paß geschehen mir HvNstAp
3075
MWB 3,2 466,16; Bearbeiter: Plate
konwîp
stN.
→
konewîp
MWB 3,2 466,25;
kopf, koph
stM.
ahd. und bis in die 2. H. des 12. Jh.s nur in der Bedeutung ‘Trinkgefäß’;
der einzige Beleg des AWB in der Bedeutung ‘Kopf’ stammt aus einer
Glossarüberlieferung des 13. Jh.s (BStK 287 = Innsbruck 711, Bl. 25a) und ist dort
nachträglich übergeschrieben. – Zur Wortgeschichte vgl. Augst, Haupt und Kopf, auf
umfassender Beleggrundlage.
1
‘Becher, Kelch, Pokal’ , meist ein halbkugelförmiges Trinkgefäß, das im
Unterschied zu
napf
und
schal
( 2
‘Hirnschale (vgl. → hirnkopf), Schädel, Kopf’ von Menschen und
Tieren, als expressiv-affektives Kraftwort seit Anf. 13. Jh. vereinzelt statt
houbet
(Erstbeleg Roth Hs. H, nicht bei den
Autoren der mhd. Klassik), häufiger seit 2. H. 13. Jh. (aber noch nicht im
UrkCorp ), wobei jedoch houbet das Normalwort für
‘Kopf’ bleibt. dürfte bereits vor Beginn der Überlieferung als
Gefäßmetapher aus 1 entstanden sein, sichere Belege für Lebendigkeit des
metaphor. Bezugs fehlen (Augst, Haupt und Kopf, S. 172-177). wird vor allem in
drastischer Schilderung von Gewalt gegen den Kopf gebraucht, außerdem in
Beschreibungen von negativ (als hässlich, greulich, gefährlich oder auch niedrig,
verwerflich usw.) gesehenen Personen, noch selten als Normalwort ohne erkennbaren
Nebensinn 2.1 als Gegenstand von Gewalteinwirkung, besonders im Kampf 2.2 in Personenbeschreibungen 2.3 für den Tierkopf, als Normalwort 2.4 Wendungen
1
‘Becher, Kelch, Pokal’, meist ein halbkugelförmiges Trinkgefäß, das im
Unterschied zu →
napf
und →
schal
(
ich hiez in schenken über al, / in kopfe, in napfe, in silberschal
UvLFrd
188,22 )
Deckel und Fuß hat (Augst, Haupt und Kopf, S. 186f.; Schultz, Höf. Leben 1,
376f.; Weinhold, Dt. Frauen 1, 104f.); literar. meist als höfischer
Luxusgegenstand:
–
[allegorisch:] noh ne wizze wir des wir hernah werden fro
/ der choph ist nu bedecchet / daz trinken wole smekket VMos
83,15;
silberîne napphe, guldîne chopphe, / vile guot gewâte
Gen
1004;
GenM
43,14;
welt ir nu wizzen waz erbegut ist:
[...] daz sint kophe, naephe unde schuzzel
[...]
StRAugsb
151,4;
scuzzelen unt näpfe, / die wol gestainten kopfe
Kchr
13012.
14235;
Rol
2494;
LobSal
168;
als er ûz dem kophe getranc, / daz ouge im ûz dem houbete
spranc Kchr
7516;
ouch hiez er einen kopf dar tragen / von rôtem golde geslagen
Tr
8757;
Gâwâns schenke niht vergaz, / dar entrüegen junchêrrelîn /
mangen tiwern kopf guldîn / mit edelem gesteine Parz
702,6;
guldîne köpfe reine / und manec schüzzel silberîn / wart von
der milten hende sîn / geworfen ûf die ritterschaft, / diu nœtic unde
kumberhaft / sîner helfe gerte KvWTurn
56;
den dûhten becher gar enwiht, / er wolde näpfe noch kopfe niht, / er tranc ûz
grôzen kannen Weinschwelg
6;
und die klâen [des Greifen] sint sô
grôz, daz in die läut köpf dar auz machent und trinkväzzer BdN
190,8;
auz des holzes maser macht man guot köpf ebd.
338,17.
– mediz. als Schröpfkopf:
vnde setcze eyn horne eder eynen koph dar ouer, daz daz
bose blud her vz komme OvBaierl
140,4.
– als Maß:
unt desselben tages, swer das hus het ze sinen handen, der sol im geben
ein halben kopf des besten wins [...]
UrkZürich
8,41
(a. 1305);
so sol Heinrich Brúchi von sime guͦte
[...] ierlich gen ze sante Martins dult sehs
phennninge vn̄ ein koph habern UrkCorp (WMU)
1120,30.
– sprichwörtl.:
ich hain ducke horen sagen: / vollen kopp sal men even dragen
HagenChr (G)
3743
2
‘Hirnschale (vgl. → hirnkopf), Schädel, Kopf’ von Menschen und
Tieren, als expressiv-affektives Kraftwort seit Anf. 13. Jh. vereinzelt statt →
houbet
(Erstbeleg Roth Hs. H, nicht bei den
Autoren der mhd. Klassik), häufiger seit 2. H. 13. Jh. (aber noch nicht im
UrkCorp), wobei jedoch houbet das Normalwort für
‘Kopf’ bleibt. ~ dürfte bereits vor Beginn der Überlieferung als
Gefäßmetapher aus 1 entstanden sein, sichere Belege für Lebendigkeit des
metaphor. Bezugs fehlen (Augst, Haupt und Kopf, S. 172-177). ~ wird vor allem in
drastischer Schilderung von Gewalt gegen den Kopf gebraucht, außerdem in
Beschreibungen von negativ (als hässlich, greulich, gefährlich oder auch niedrig,
verwerflich usw.) gesehenen Personen, noch selten als Normalwort ohne erkennbaren
Nebensinn
2.1
als Gegenstand von Gewalteinwirkung, besonders im Kampf:
vnde scloc ime einin orsclac / daz eme der kopf alzo brach
Roth
1649;
sie wecketen manchen der dâ slief, daz im der kop zubrochen wart
LivlChr
675;
er spielt im den ganzen helm / und sluoc die zwei
[
den backen und daʒ
ôre
] besunder / im abe dem kopfe drunder
KvWTroj
33710;
durch des helmes venster er im stach /
[...] beidiu ougen ûz dem kophe
Ottok
16428;
daz hirn ouzen chophen spranch Dietr
9343;
sie begunden in bluwen all umbe sinen kopf /
[...] daz er gieng umb als ein topf
[Kreisel]
WolfdD (H)
860,3;
sie enmachten vollenclîchen dâ / den heiden ire kopfe blâ
LivlChr
4270.
–
dô er der scham wart gewar, / dô brach er ûz dem kopf
daz hâr EnikWchr
904.
5112.
– behelmter Kopf:
daz hundert swert ûf sînem kophe lûte erklingen Neidh
WL 13:4,8;
daz hirne wart im und der kopf / erschellet harte
KvWHvK
152;
die erdünten im den gebel, / daz im vür diu ougen viel ein vinster
nebel, / mit sulcher kraft wart im sîn kopf erschellet Loheng
2166;
SM:Go
1: 3,10.
– Kopf von Tieren:
Jâson sluoc im
[Drachen] daz houbet abe / mit sîner clingen
lûtervar, / dar nâch sô gienc er schiere dar / und sluoc im ûz dem kopfe /
die zene mit dem knopfe KvWTroj
9959;
der schedel [einer
Krähe] und des kopfes bein / wart zerklecket als ein ei ebd.
10672;
do viel er nider als ein rint, / daz vur den kopf wirt geslagen
Pass III
35,9;
so sleiffet er den hunt nach ime bitz an einen
boͤm und sleht in denne wol herte umb einen boͮm und brichet
ime den kopf Tauler
51,32.
51,36
2.2
in Personenbeschreibungen:
reht enmitten ûf dem kopfe, / der lîm [Borte, Streifen der
prächtig bestickten Haube] mit vogelen was bezogen
[...]. / ûf gebûren swarte / kom nie bezzer
houbetdach Helmbr
34;
er hete lange brâwen, / dâ stuonden ougen under, / diu
vaster denne ein zunder / ûz sîme kopfe brunnen KvWTroj
5931;
ez [missgebildetes Kind] gewinnet einen kopf als
ein slegel PrBerth
1:323,28;
grôz ein ouge vorne / daz stunt in [Riesen]
tief in dem koph: / als in ein zerbrochen toph / sach man hin în in das hol
UvEtzAlex
23171;
dicke er in der kuchen lac, / da wusch er schuzzelen und topf. / des hette
im schwartz har und copf / gemachet rouch und ruz Vät
21724
2.3
für den Tierkopf, als Normalwort:
dô lief der vol. er in gevie / bî sînem kopf und bî der
man, / wan im des voln got wol gan EnikWchr
25927;
welch ros hat daz ouginstal, dem laz ander odir an den
ougen unde bind ym den cophf nedir: zo blutit is yn us Albrant
3,49.
– Wappentiere:
ein adelar [...] von sîme
kophe ein krône / erlûhte niht ze michel KvWTroj
33826;
in dem guldînen velde lac / ein blâwer löuwe schône,
/ der einer glanzen krône / von gimmen ûf dem kopfe wielt ebd.
36125
2.4
Wendungen:
daz wirt in vil kurzen tagen / ûf ir bêder kopf geslagen
[wird ihnen vergolten, heimgezahlt]
Helbl
7,164;
dis liesse ich minen kopf [mein
Leben] kosten Tauler
184,13;
awf seynem kopf vnd awf seynem schopf SchöffIglau
62;
nút mit eime gestúrme, also man die
köppfe zerbrechen wellen [nicht mit Gewalt]
Tauler
433,24;
alse sú mit den koͤppfen durch die muren
varen wellent ebd.
405,32.
409,5;
do ist als unmúgelich ze komende als mit dem
kophe an den himel ze reichende ebd.
298,25
MWB 3,2 466,26; Bearbeiter: Plate
köpfelîn, köpfel
stN.
‘kleiner Becher’
dô nam der eine daz barel / und ein köphel daz er truoc / von
maser schœne und guot genuoc, / daz vüllet er und bôt ez im
RvEAlex
21381;
ein koͤpfli Seuse
46,15;
ain wähsein köpfel BdN
300,5.
– als Maßangabe:
ein kophol wines UrkCorp (WMU)
166,31;
zwai cophelin winis Ipocr
330;
da uon [Medizin] mache wenige copfel.
der gip zu dem male einez zu trinkene SalArz
58,40
MWB 3,2 468,29; Bearbeiter: Plate
kopfer
stM.
‘Aderlasser’
Gogel der auftrager [Kellner] , ein chopper
UrkRegensb
741
(ca. 1325–1350);
vgl. Matzel, Wortschatz, S. 171 s.v. chopper 1.
MWB 3,2 468,38; Bearbeiter: Plate
kopfer-
→
kupfer-
MWB 3,2 468,41;
1koppe
swM.
zu →
kappe
‘Kapaun’? (oder zu →
2koppe
‘Rabe’?):
nun schawet an den wunderlichen koppen, / wie er sich will
erwüeten / als sam ein frecher fül [Füllen] an einem zawme!
SM:Go
4: 4,1
=
Neidh (HW)
unechte Lieder:23,21
(vgl. die Anm. dort).
MWB 3,2 468,42; Bearbeiter: Plate |