1korn
stN.
Pl. korn, körner.
1
‘(Getreide)Korn; Samen’
1.1 eigentl. 1.2 übertr. 1.3 als Maßeinheit im Münzwesen (s. Schrötter, Münzk., S. 190f.) 2 Koll., überwiegend im Sg. 2.1
‘Getreide’
2.1.1 ohne Bezug auf eine bestimmte Sorte 2.1.2 bezogen auf eine bestimmte Sorte, meist Roggen, Hafer oder Weizen 2.2
‘Getreidefeld’
3 als Bestandteil von Personennamen oder als Bezeichnung des Kornhändlers? (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez. S. 125)
1
‘(Getreide)Korn; Samen’
1.1
eigentl.:
granum: chorn SummHeinr
2:320,149.11;
er ist daz korn, ir sît diu spriu Walth
18,8;
ez nam ein man ûf sînen nac / kornes einen vollen sac Bîspel
(Pf)
17,2;
weyze der wil stete haben / guten acker
[...] / so let er danne risen / sin korn, daz man
backe brot Daniel
2233;
nu muͦssent aim jeglichen korn sechs ding e geschehen e es
zuͦ brot werde PrGeorg
29,4;
wer der körner fünfzeheneu trink mit rôsenhonig, daz sei
guot für die gaist BdN
415,19;
nim wizer lylien dri korn SalArz
95,48.
95,44
u.ö.;
Barth
154,6.
– sprichw. ‘Spreu vom Korn trennen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB,
S. 249f.):
an dem iungesten dage scheident die engele die
guͦten von den úbelen alse daz corn von den helwen
Lucid
140,7;
da sceidet sich diu helewe von dem chorne
AvaJG
25,1;
WälGa
4981;
SuTheol
302;
1.2
übertr. :
wan sie [die Seele] der süeze niht ensebt, /
diu in dem wâren korne lît, / daz got mit sînem geiste gît
LvRegSyon
1750.
– bezogen auf Christus oder Maria:
dis korne ist úns gesant von hymelrich uff ertrich und wart
enphangen in der maͤgde libe und wart geborn und erstarb und wart
begraben PrGeorg
74,22;
alsus ensprozen was diz korn, / dô gotes sun hie wart geborn
Kröllwitz
2995;
bi dem irweltin korne uirnemen wir sine guͤti PrGeorg
(Sch)
16,74;
wa wechset ane spriu ein korn, / rose ane dorn? Frl
5:71,14
1.3
als Maßeinheit im Münzwesen (s. Schrötter, Münzk., S. 190f.):
wir [...] bekennen offenlich an disem brief, daz
wir [...] enpfolhen und gelazzen haben unser münzz der
haller [...] nach dem korn, daz wir unsern amptlüten,
schribern und den versuchern antwrten, darnach si slahen süllen UrkFrankf
(B)
560
(a. 1339);
UrkStVerf
310
(a. 1346)
2
Koll., überwiegend im Sg.
2.1
‘Getreide’
2.1.1
ohne Bezug auf eine bestimmte Sorte:
ceres: chorn SummHeinr
2:243,01.94;
die boten tâten in ouch daz chunt, / daz chorn wuohse
dâ in dem jâre drîe stunt Kchr
11225;
ichn müese koufen daz korn Iw
2829;
salz und koren muoz ich koufen durch daz jâr Neidh
WL 3:7,4;
sus stunt daz korn in bluͦte Kröllwitz
3001.
3007;
KvWTroj
1049;
MF:Sperv
1:18,2;
RvEWchr
29322.
– Pl.:
diu swîn begernt niht der korn
EnikWchr
5759.
–
~ bûwen, snîden, dreschen u.ä.:
die Kriechin buwen das korn
RvEWchr
8662;
diz was in des zites vrist, / so man snidin sol
das korn ebd.
20716.
18212;
ein frouwe nâch gewoneheit / ir korn vor einem walde sneit
WolfWiege
1634;
so daz gedinge ze svnegiht ist, so sol der meiger
[...] heisen sniden dez kornes
UrkCorp (WMU)
383,11;
Joseph hiez daz chorn dresken Gen
2121;
ein guͦt man
[...] trasch sin korn Tauler
179,16;
ob ich [...] korn ûf dem tenne / mit der
drischele ûz gebiez Helmbr
316
2.1.2
bezogen auf eine bestimmte Sorte, meist Roggen, Hafer oder Weizen:
weize, gerst, haber, korn Daniel
1684;
chein iude niht leihen sol umb korn, um weitzze, umb gersten, umb
habern, noch umb dheinerley getreide NüP
123;
swaz der man koͧffit kornis unde gerstin unde habern
UrkBerlin
41
(a. 1289);
für dis alles git im die gemeinde zehen viertel korns, halp roken und
halp gersten UrkEls
2,166
(a. 1339);
koren, beide weizze inde rocge UrkCorp (WMU)
N223,9;
kein korn, weiz oder habern WüP
74,3;
gersten, habern, weize, korn Helbl
1,619.
– Pl.:
also, daz sie mir allein ze mim libe sullen geben, die wil ich
lebe, achzehen malter der drier korne iegeliches gelich UrkCorp
(WMU)
1697,41
2.2
‘Getreidefeld’
er [...] huop sich von dan / bi dem wege in ein
korn HundesNot
93;
wir vertrüegen, daz sîn swert in einem korne læge Neidh
WL 31:5,14;
in korne wart ein kündec wahtel nie sô sanfte erbeinet, /
als ir herze ersteinet / in schanden ist naht unde tac KvWLd
32,238;
SM:Ta
4: 2,7;
was vihes in den citen gat ins korn UrkCorp (WMU)
N816,41.
1730,14.
– Pl.:
dû solt in diu korn gân SM:Ta
4: 3,3
3
als Bestandteil von Personennamen oder als Bezeichnung des Kornhändlers? (vgl.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez. S. 125):
brvder Hainr der chorn UrkCorp
1522,43.
3225,15
MWB 3,2 474,7; Bearbeiterin: Herbers
2korn
stN.
Ansatz und Bed. unklar; Neubildung zu lat. cornua ? (vgl.
Anm.z.St.).
–
wand ez [das Tier] hatte zen
horner. / wol prufte ich ir korner [
considerabam cornua Dn
7,8] / so lange biz daz entsproz / mitten uz der horner schoz /
behende ein cleines horn Daniel
5778
MWB 3,2 475,26; Bearbeiterin: Herbers
kornacker
stM.
‘Getreideacker’
her Friderich vn̄ vor Agnes [...] hant dîe vor
genanten korn acker vf gegeben UrkCorp (WMU)
N534,39.
910,7
MWB 3,2 475,32; Bearbeiterin: Herbers
kornapfel
stM.
hier kor-, s.a. AWB 5,315.
‘Granatapfel’
malum punicum vel malum granatum: rotephili, rodaphil, koraphel, kernapfel
SummHeinr
1:185,208
MWB 3,2 475,35; Bearbeiterin: Herbers
körnære
stM.
‘Getreidehändler’, als Bestandteil von Personennamen:
her Rîchwin Koͤrner UrkCorp (WMU)
N691,17.
N107,31.35;
dem Kornere von Strazburg UrkCorp
N705,31
MWB 3,2 475,39; Bearbeiterin: Herbers
kornban
stM.
‘Schutzbann für reifende Getreidefelder’
man sol och wissen, dz der meyer mit der gebursami willen setzet ein banwarten
allü iar über den kornban ze Efringen vnd setzet die gebursami über den selben kornban
och einen andern banwarten WeistGr
1,324
(undat.; zu Überl. s.a. Springwald, Dingrodel, S. 178)
MWB 3,2 475,43; Bearbeiterin: Herbers
kornbanwart
stM.
‘Hüter von Getreidefeldern’
als ob si zwein kornbanwart hettind WeistGr
1,325
(undat.; zu Überl. s.a. Springwald, Dingrodel, S. 178)
MWB 3,2 475,50; Bearbeiterin: Herbers
kornbete
stF.
‘Getreidebede, -abgabe’
vn̄ solin wir, Winant, van den selben luden hain, wir vnde vnse erben, vnse
kornbede vn̄ vnse pennincbede UrkCorp (WMU)
N282,2;
kornbete und hertzins UrkHohenl
2:246,7
(a. 1328)
MWB 3,2 475,54; Bearbeiterin: Herbers
kornbluome
swMF.
‘Kornblume, Kornrade’ (vgl. Marzell 1,156):
nim corn blumen. vnde henge si im vmme den hals. so wirt im baz
SalArz
35,4;
nigella haizt rôteu kornpluom BdN
411,10
MWB 3,2 475,59; Bearbeiterin: Herbers
kornechîn
stN.
Dimin. zu korn1
, s.a.
körnlîn
.
‘Körnchen’
von aloe cornichen gemacht Macer
88,12;
swer mit dissen cornichen under stunden gesubert wirt, dem
tuͦt daz houbt nimmer we ebd.
88,13
MWB 3,2 475,63; Bearbeiterin: Herbers
körneloht
Adj.
‘körnig’
der paum [...] haizt auch malogranata
dar umb, daz sein früht körnlot sint inwendig, und haizent die öpfel malogranata
BdN
329,13
MWB 3,2 476,4; Bearbeiterin: Herbers
körnen
swV.
auch -ü-, -u-.
1
‘mit Körnern locken oder füttern’
2 Part.-Adj. ‘körnig, Körnerform habend’
1
‘mit Körnern locken oder füttern’
eime lewen do gerufen wart, / der uf sie [die
Märtyrer] was erzurnet. / im wart mit in gekurnet Pass
III
304,48;
man körnet einen tummen hanen, / um daz er kündet, wanne ez taget
Frl
9:10,15
2
Part.-Adj. ‘körnig, Körnerform habend’
der wunderleich [Baum] hât praiteu
pleter [...] und tregt gekörnteu fruht an langen stengeln
sam die weintrauben BdN
313,17
MWB 3,2 476,8; Bearbeiterin: Herbers
korngarte
swM.
‘Getreidefeld’
einen garden, der da heisheit korngarte UrkCorp (WMU)
13,41
MWB 3,2 476,17; Bearbeiterin: Herbers
korngëlt
stN.
‘Abgabe oder Einkünfte in Getreide; Kornzins’ (überwieg. rechtsspr.):
ûf dem lande sîn korngelt / was vor zer koste ûz gezelt, / dar nâch was sîn keller
vol UvEtzWh
381;
ein velt, / dâ daz beste korngelt / lac ûfe, daz man ie gewan
KvWPart
2342;
EnikWchr
5538;
daz korngelt, daz wir da hatin in vnserme dorf zv Eichelbach, daz hant sie vns
vergoltin UrkCorp (WMU)
765,30;
zwelf scheffol korn geltes ebd.
769,40.
3360,39
u.ö.;
zinse phenniggelt oder korngelt, das ich da hatte von einre múli
un̄ anderme guͦte, das zuͦ der múli hoͤret
UrkFreiburg
2:142,20
(a. 1292);
zwei malter korngelts UrkWürzb
41,422
(a. 1350);
UrkHohenl
2:280,23
(a. 1329);
WeistErf
12
(a. 1289);
weitere Belege s. DRW 7,1314f., WMU 2,1028
MWB 3,2 476,19; Bearbeiterin: Herbers
korngruobe
F.
‘Getreidegrube’ (zur Aufbewahrung):
zehen korngruop [...] sint getreides vol
Helbl
15,114
MWB 3,2 476,34; Bearbeiterin: Herbers
korngült
stN.
‘Korngülte, Getreideabgabe’
da mit haben wir gekoͮfet iiij stoke korngv́ltes, die svn wir
swester Jtvn geben UrkCorp (WMU)
1416,19
MWB 3,2 476,37; Bearbeiterin: Herbers
korngülte
stF.
1
‘Abgabe oder Einkünfte in Getreide; Kornzins’ (rechtsspr.), wie
korngëlt
stN. 2
‘Getreidepreis’
1
‘Abgabe oder Einkünfte in Getreide; Kornzins’ (rechtsspr.), wie →
korngëlt
stN.:
ahtzehen malder korngvͤlte vz dem houe, der da heizzet Gernodes hofe
von Hornburc UrkCorp (WMU)
1509,31.
2869,24;
men pfendet oͧch wol umbe kuͥntliche kornguͥlte und
winguͥlte und zinse, und gât daz oͧch niht an den lantfriden
MGHConst
4:102,46
(a. 1301);
zcwenczwig malder korngeldis UrkOrlam
25
(a. 1344);
UrkFrankf (B)
253
(a. 1290);
UrkErf
2,221
(a. 1347)
2
‘Getreidepreis’
[...] und brahten ouh mit in al dar / zwivalt die korn
gúlte gar, / dasi nah dem erren sitte / korn wolten koufen mite
RvEWchr
7663
MWB 3,2 476,40; Bearbeiterin: Herbers
kornhûs
stN.
‘Getreidespeicher’
granarium: chornhus, spichare SummHeinr
2:320,150;
in disen ziden ane vieng / ein hungernot, die umme gienc /
[...] brot unde ouch zubrode / was uzer mazen dure. / di
selege unde di gehure / ir kornhus hiz ersuchen / unde daz ir becker buͦchen /
brot in godes ere Elis
3489;
dc dc kornhus in Niderndorf in vnser stat [...] iemer sol
vndenan offen vn̄ vnvúrbúwen sin UrkCorp (WMU)
968,37.
863,38;
vnd sullen den hof in gutem gewoͤnlichen bawͤ haben, vnd kelre
kaltuͤr [Kelter] vnd kornhaus noch dem als ez danne
not ist UrkWürzb
41,475
(a. 1350).
40,309
(a. 1340);
UrkFreiburg
2:265,16
(a. 1297)
MWB 3,2 476,53; Bearbeiterin: Herbers
cornîol, corneol
M.
zu lat. corneolus
‘hornartig’ (Suolahti 1,129).
‘Korneol’ (Edelstein):
von der edeln steine geslehte. / die hœrt hie nennen
rehte. / karfunkl unt silenîtes, / [...] cornîol unt jaspîs
Parz
791,13;
Krone
15709;
HvNstAp
18152;
corallus ist ain gar rôter stain, iedoch ist er niht sô gar
läuhtent sam der corneol BdN
439,11.
442,3;
der cornîol ist rôt gar / als ein ziegel nâch gevar
Volmar
355
MWB 3,2 477,1; Bearbeiterin: Herbers
cornît
Subst.
ein Kleiderstoff (Palander, S. 115):
cyclât und cornît, / [...] gestein unde gold fîn
[...]: / des trûgen wêrlîche / vil an in die hêren
Eilh (L)
2079
MWB 3,2 477,10; Bearbeiterin: Herbers
kornkaste
swM.
auch -koste (StRPrag ).
‘Getreidekasten, -behälter’
granarium: chornchaste Gl
3:629,48
(BStK926);
die silberkisten [...]und iuwer kornkasten
Helbl
6,139;
nu ist sîn sun ein œder gouch mit sîner rûhen hûben: / ich gelîche sîn
gephnæte ze einer saten tûben, / diu mit vollem krophe ûf einem korenkasten stât
Neidh
WL 13:5,9;
daz ist, das zu dem erb gehort, [...], alle kosten, di
slecht ledig sint, [...] hantfas, melkosten, kornkosten
[...]
StRPrag
147
MWB 3,2 477,14; Bearbeiterin: Herbers
kornkëver
M.
‘Kornkäfer’
ein gleizender chornchever / saz vf einem stæinschever. / ze dem sprach ein vahe
[= vohe
‘Fuchs’
]
FabelCorp
21,1
MWB 3,2 477,24; Bearbeiterin: Herbers
kornkouf
stM.
‘Geld für Getreidekauf’
unsern chornchouf habe wir brâht ouch [
et aliud
adtulimus argentum Gn 43,22]
Gen
2292
MWB 3,2 477,27; Bearbeiterin: Herbers
kornköufer
stM.
‘Getreidekäufer, -händler’
man schribet allen reten. wan sol reden umb die koren koͧffer in den
vorstetten StBZürich
32.
149
MWB 3,2 477,30; Bearbeiterin: Herbers
körnlîn, körnel
stN.
‘Körnchen’
1 bezogen auf Pflanzen 2
‘Hagelkorn’
3
‘Perle’
1
bezogen auf Pflanzen:
–
‘(Samen-)Korn’
daz kornlîn wirt geworfen in den acker Eckh (Pf)
581,28;
ez vall dann daz chörnel des
chorns [
granum frumenti
] in div
erden daz ez getötet werd. so blibet ez alein in im selber [Io
12,24]
EvAug
248,16;
PrSchw
1,22;
er gap im driu körnel sân; / die wâren von der vrucht
bekumen / und ûz dem apfel genumen, / dâ von sîn eltern den tôt / âzen
HvFreibKr
358.
369;
alsô der grânât aphelpoum uil chornelîne hât, diu sint
suͦzze TrudHL
129,13.
129,9;
BdN
332,5.
319,10
u.ö.;
BenRez
46.
–
‘Knospe’
speragus ist ain paum [...].
des früht sint sam diu körnl [...], die an der paum
reisern her für schiezent BdN
348,21.
–
‘Körner’
sô der mensch unmâzen bluotet, sô nim diu chleinen
chornelîn, diu an der wînrebe wahsent, ân diu ber, unde trucken diu an der sunne
Barth
144,7;
hinnan von wehsset ein edel rouchelin, ein zwigelin des
edeln wiroͮches koͤrnelin Tauler
20,1.
– medizin. ‘Kügelchen’
nym mirren ses quentyn, laudani, olybani vunf quentyn
[...], stot ez vnde mischet mit honeghe vnde mache
kornelyn darvz OvBaierl
93,27;
puluer allez mit ein ander. vnde tempirz mit wine. vnde
mache da uon kornel als groz sam ein bone SalArz
74,44;
di ercenie saltu geben ze triben. oder als kornel ebd.
100,11
u.ö.
2
‘Hagelkorn’
ez vallent auch oft körnlein [...],
diu sint sinbel sam die arwaiz und sint herter an dem griff wan der snê und waicher
wan der reif BdN
85,31;
diu körnlein haizent ze latein granula ebd.
86,1.
85,19
3
‘Perle’
uff ir [der
Säule] ziburyen [= zibôrjen,
Baldachin] tuͤrnel / lage manges steins kurnel, / der lucht
mit hellem glenster Minneb
160
MWB 3,2 477,33; Bearbeiterin: Herbers |