kroten
swV.
md. kroden, kruden.
1
‘jmdn. / sich plagen’
2 rechtsspr. ‘jmdn. (durch Erhebung rechtlicher Einwände) beeinträchtigen,
hindern, behelligen’ (meist als negierter Inf. abh. von suln ;
ausführlich belegt aus jüngerer Zeit DRW s.v. kroten ) 3
‘sich um etw. kümmern, mit etw. befassen’
1
‘jmdn. / sich plagen’
des krute [ärgerte] sich Lancelot
LancKarr
778;
ich bitten dich, du mir nit crodes / noch lege an mich
diekeine quale [
ne me torqueas Lc 8,28]
EvStPaul
7261
2
rechtsspr. ‘jmdn. (durch Erhebung rechtlicher Einwände) beeinträchtigen,
hindern, behelligen’ (meist als negierter Inf. abh. von suln;
ausführlich belegt aus jüngerer Zeit DRW s.v. kroten):
und dat man sy darumbe nyt kruden insal UrkNiederrh
3,179
(a. 1326);
UrkGerKöln
364
(a. 1336).
3
‘sich um etw. kümmern, mit etw. befassen’
ich mein di hoen Juden, / mit unvlot di sich cruden
[
abgeben Glossar z.St.]
TvKulm
1888.
– hierher? dann formelhaft ‘ohne Bedenken, ohne Umstände’
Alexander sunder cruden / irslug wol bi tusend juden HistAE
5433;
vgl. sonst → krude stF.
MWB 3,2 639,7; Bearbeiter: Plate
krotenbalc
stM.
‘Krötenbalg’, als Schimpfwort:
wez blestu dich, krotenbalg? / dir ist berait der hellgalg, /
wiltu dich nit hofart massen SHort
435
MWB 3,2 639,24; Bearbeiter: Plate
krotenbluome
MF.
‘Krötenblume’, ein Name vieler Pflanzen (vgl. Marzell V, 308), hier genannt unter
den Unkräutern, die von Reue und Beichte aus dem Garten des Gewissens ausgerissen
werden:
[...] disteln [...], krotenplumen und
neßelkraut MvHeilGr
393
MWB 3,2 639,27; Bearbeiter: Plate
krotensâme
swM.
‘Krötenlaich’
ir reinen kristenliute, dâ von hüetet iuch vor disen ketzern, die alsô zuo iu
sliefent sam die katzen und iuch ertœten wellent mit ir krotensâmen, der unreinen
ketzerlîchen lêre, die er in sich gelecket hât sam diu katze daz eiter von der kroten
PrBerth
1:405,17
MWB 3,2 639,33; Bearbeiter: Plate
krotenstein
stM.
‘Krötenstein’ (vgl. Hwb. dt. Abergl. 5,631ff.):
borax ist ain krotenstain. den tregt ainrlai krot in dem haupt
BdN
436,32;
wer ainen krotenstain auz irm haupt nimt und in pei im trait, dem
vertreibt er der vergift pôshait [Schädlichkeit]
ebd.
296,3.
437,11
MWB 3,2 639,40; Bearbeiter: Plate
krotenstutz
M.
Schimpfwort, Bedeutung des Grundworts unklar:
krotenstuz und slangenzagel Renner
1689
MWB 3,2 639,46; Bearbeiter: Plate
krotenvuoʒ
stM.
‘Krötenfuß’, als Schimpfwort:
du schirlinc und du bilsenkrût, / dâ von daz hirne wüeten muoz, / du tracken sweiz
und kroten fuoz, / [...] / ich meine dich, gebûren fruht
KvWPart
17586
MWB 3,2 639,49; Bearbeiter: Plate
krotenwîse
stF.
‘Art und Weise der Kröten’
in krotenwîse under einem zûne büezen PrBerth
1:422,19
MWB 3,2 639,54; Bearbeiter: Plate
krotzeln
swV.
‘krächzen’
nu merke, tunkel biderman, / wiltuz verstan: / din erenhenne kret, so krotzelt din
han Frl
8:25,3
MWB 3,2 639,57; Bearbeiter: Plate
kröuchen
swV.
‘kriechen’
wan piz er [Gott] kumet fur die tur, / so kreuchet di
poshait her wider fur, / pekorung und blodikait MvHeilGr
1048
MWB 3,2 639,60; Bearbeiter: Plate
kroum
st. Subst.
sunder croum formelhaft im Reim, Bedeutung?:
er hib vaste sunder croum / bi dem Jordan einen boum HistAE
3289;
daz er sich sach sunder croum / ho ufgewachsen sam ein boum ebd.
4321
MWB 3,2 639,63; Bearbeiter: Plate
kröuwel
stM.
1
‘Kralle’ von Tieren 2
‘Gabel mit hakenförmigen Spitzen’
2.1 Küche 2.2 als Marterinstrument 2.3 als Kriegswaffe 2.4 als Symbol
1
‘Kralle’ von Tieren:
got hâth uns geschafen anderen tieren ungelîch. wir heten an
deme lîbe zuêne uuͦze, zwô hende rehte âne clâ âne crvͦwel slete unde
schône TrudHL
2,29;
des gîres chreulen Barth
156,6;
[des Salamanders] kräwel an den klâwen sint hakot und gar
behend BdN
277,7;
drei zêhen mit drein kræweln ebd.
233,26;
dem habich gleich an den kræuln ebd.
204,15
u.ö.
2
‘Gabel mit hakenförmigen Spitzen’
2.1
Küche:
die knaben / die man zer küchen ouch bedarf / die truogen
kröul die wâren scharf Wig
8864
2.2
als Marterinstrument:
siniu wizze
[Folterpraktiken] werden manichvalt. / er heizet si
stechen, mit chrouwelen zebrechen AvaA
1,4;
sumelich wurden [...] mit
ysninen crulin gecracet, das man in si sach Konr
20,39.
19,57;
mit crowelen vil wassen / hût und flaisc abe crazzen
Kchr
10926;
und so man si sere martret und ir daz flaisch ab zoh mit kroͤlen,
des froͤwet si sich PrGeorg
50,23;
Vät
26026;
Märt
1185
u.ö.;
krumme isen man hervur truc / und darzu scharfe krowele Pass
III
164,88
u.ö.;
Vät
26038;
MargAntioch II
358;
PrStPaul
52,29
2.3
als Kriegswaffe:
in sinen handen hater ainen crauwel mit keten beslagen
Alischanz
569 u..ö;
2.4
als Symbol:
der welt figur ain kroͤwel trait, / das betút die
gÿtikait, / da mit sÿ an sich ziechen kan / in diser zÿt
wÿb und man KvHelmsd
4617
MWB 3,2 640,4; Bearbeiter: Plate
krouwen
swV.
nhd. krauen.
1
‘kratzen’
2 der Harfe (die Saiten) ‘zupfen’
3 mediz. ‘(die Haut) abreiben (mit etw.)’
1
‘kratzen’
so hevet sich daz gevugele [...] si
bizzent unde chrouwent, ein ander si houwent AvaJG
7,5;
si [...] sprach ze dem habech
hinwidere:[...] ich chratze vnt chrowe / also vaste
alsam ir FabelCorp
22,64;
von bœsem gewurme [Insekten] / uil vnsenfte
sturme / die in [den Menschen] dicke crawent / sinen lip
vnrawent Martina
123,17;
daz ich wolle crowen / min houbet von disen drowen / oder von
leiden Herb
3793;
der kratzet, der krouwet, der schabt, der schindet Renner
3736;
vndi sal den dorn ave howin, / dat he niman inmuge crowin WildM
3,214.
– bei Juckreiz:
daz ez der tâhen [Dohle] ir
haupt kräuselnt macht, und dâ von glust si, daz man si kräw auf dem haupt
BdN
207,1;
refl.:
sô krouwet er sich als ein hunt den flœhe bîzent sêre Kolm
(B)
18,50
(¹Frau/2/517a).
– als Marter (vgl. →
kröuwel
stM.
):
sô möhte in kein marter niht geschaden, allez daz krouwen und brennen,
sieden, brâten, daz die tiufel immer mêre getuon künnen PrBerth
2:9,26
2
der Harfe (die Saiten) ‘zupfen’
die harfe hat vil süzen sanc, swer kreuwet ir nach prise Wartb
(H)
397:16,7
3
mediz. ‘(die Haut) abreiben (mit etw.)’
senftiz crowen in dem bade tut di sveizloch uf. vnde machit
di hut weich SalArz
26,18;
scharfiz crowen ane maze. machit herte hut ebd.
26,21;
setze im di vuze in warm wazzer. vnde crowe si im mit salce
ebd.
33,45;
refl.:
swer sich crowet mit uiol ole. ader mit rosen ole. deme
[...] wirt der lip weich ebd.
26,23
MWB 3,2 640,32; Bearbeiter: Plate
krûchære
stM.
→
krüegære
MWB 3,2 640,62;
krûche
swF.
‘Kanne, Krug’
eine grôze kruchen, dâ fünf mâze în giengen PrNvStr
305,3
MWB 3,2 640,63; Bearbeiter: Plate
kruchel
stM.
‘Krüppel’
dû frides und triwen bruchel, / dû manheit lôser kruchel
Ottok
63506
MWB 3,2 641,1; Bearbeiter: Plate
krûchen
swV.
‘krauchen, kriechen’
dez paradises adem / mit suße sie [die
Gepriesene] hat behucht, / die erst uz irem balg krucht
Minneb
1974
MWB 3,2 641,3; Bearbeiter: Plate
cruchinus
M.
ein safranfarbiger Edelstein, lat. (lapis) crocinus (Suolahti 1, 267
s.v. truchmus mit Besserungsvorschlag):
perlin fîn und agathes, / truchmus unde adamas Erlös
403
MWB 3,2 641,6; Bearbeiter: Plate
krücke
stswF.
1
‘Gehstock, Krücke’ (mit oder ohne Stütze für Unterarm oder Achsel) 2
‘Pilgerstab’
3
‘Krummstab des Bischofs oder Abts’ (nicht immer deutlich, vgl. Richter, Rol. zu v. 1252) 4
‘Ofenkrücke’
5 das Kreuz Christi
1
‘Gehstock, Krücke’ (mit oder ohne Stütze für Unterarm oder Achsel):
ein krücke was sîn stiure, / der dâ saz in dem gemiure Er
290;
sante Seruacius im solche chraft gab, / daz er danne gie ane chruchen unt ane
stab Serv
3224;
eine iserine krucke [Gehstock mit eiserner Spitze,
233,35
gabele genannt] / hete er, als ein alder man / er
leinte sich bewilen dran, / als noch sumelicher muz Pass III
233,4;
die alten sie [sieh] mit krucken gan
Guter
1:3,5;
vbber ses wochen [nach einem
Beinbruch] , is, daz her daz beyn to eme vnde van eme czehe, so
mach her vf crucken wol gen OvBaierl
164,9.
–
(sich) an / über / ûf eine / sîne ~ lenen / leinen / bücken
‘sich auf eine / seine Krücke stützen’
an Pass III
233,4
(vgl. oben);
[der greise Joseph] leint sih uber sin chruken
Wernh
D 1903;
mit einem barte breite, / wol geflohten unde grâ, /
stuont derbî ein rîter dâ / über eine krücken gleinet Parz
513,27;
vil sanfte gie der grîse. / über sîne krucken lîse /
leint er sich bî der stunde KvWTroj
4552
(vgl. unten unter 3.);
dô lenete der meister hêre / vor ime ûf sîner krucken Tund
117;
do er sich solde bucken / uf die krucke, als er pflac Pass
III
233,11.
– als Waffe gebraucht:
‘meister, da han ich sie erslagen.’ /
‘tatet ir daz mit der krucken?’ Rennew
36085.
36001;
neina, ritter lobesam, / und gibest du mir einen slag, / ich vergilte es
dir mit dirre krucken SalMor
194,4;
di auff den steltzen huncken, / di slugen grosse lucken /
mit schemeln und mit krucken HvNstAp
18410.
– in Vergleichen; vom Kreuz Christi / vom Kreuzesholz (vgl. unten unter
5.):
und machtont [die Juden] ain
crúcz der selben frist, / als sam ain kruke geschaffen ist
WernhMl
9608;
in die erden stieze du [Adam] daz ris, / da
wuss ez uf in crucke wis / der menscheit zu glucke HeslNic
2996.
1771;
vom Buchstaben Tau:
ein zeichen tav ist genant / gestalt obe als ein krucke Pass
III
537,71.
– bildl., eine Stellung im Schwertkampf, bei der die Arme mit
beieinanderliegenden Händen nach vorne gestreckt sind und die Schwertspitze
senkrecht nach unten gerichtet ist:
nuncupatur illa obsessio krucke Fechtb
7
2
‘Pilgerstab’
ich hæte gerne daz vernomen, / von wanne ir wallet in daz lant. / ir traget
krücken an der hant / und palme über herte [Schulter]
Bit
224
3
‘Krummstab des Bischofs oder Abts’ (nicht immer deutlich, vgl. Richter,
Rol. zu v. 1252):
die fuͦrsten baten alle / den biscoph sante Iohannen /
daz er ze houe were / ir uor redenaere. / [...] er linte
uͦber sine kruchen / mit sinen grawen locken, / er sprach:
[...]
Rol
1252;
ûf stuont der vürsten einer dô,
[...] des lîbes edelîch und alt, / beidiu grîse unde
wîse; / der bischof von Thamîse / über sîne crucken leinder sich: / ’künec
hêrre’ sprach er [...]
Tr
15349;
Ottok
36039.
41915
4
‘Ofenkrücke’
ich begunde zucken / den schürstap, sî die krucken BFrau
358.
370.
403
5
das Kreuz Christi:
daz ist die selbe crucke, / da got die marter ane leit / durch alle die
menscheit HeslNic
2998.
– oberer Teil eines Pilgerstabs in Kreuzesform:
der stab hat ein kruken, die ist einer spangen lang und
ist von helfenbeine Mechth
4: 27,22
MWB 3,2 641,10; Bearbeiter: Plate
krücken
swv
MWB 3,2 642,9; Bearbeiter: Plate
kruckestap
stM.
‘Krückstock’
ze Narne in der stat was ein / kint, het ein krumbez bein, / daz ez sich niht moht
enthaben / wan ûf zwein krückestaben LvRegFr
4428
MWB 3,2 642,10; Bearbeiter: Plate
krude
stF.
‘Gewalttat, Grausamkeit’
dô dî dît [...] den
[Bruder Gerhart Rudde] mit vreisir crudde / machtin sus
des lebbins wan NvJer
25147.
–
‘rechtliche Beeinträchtigung’ (vgl. →
krot
MN.):
daz vnser vorgenante capelle vnd auch der kappellan zu Reygerberg aller
kruͤde vnd bekummernisse gefryet vnd entladen sient UrkWürzb
40,193
(a. 1338)
MWB 3,2 642,14; Bearbeiter: Plate
krûde
stN.
gekürztes gekrûde, md. für →
gekriute
, Koll. zu →
krût
‘Kraut’.
‘Kräuter’
als daz edele crude gut, / daz sich uz suzer erden tut / und
brenget blumen mit der vrucht Hiob
1985;
waz menschen wolde nu enbern, / des herze sulde nit begern / deme corper wonen bi,
/ des geruch als edel si, / alse alles krude ruche da, / balsamen unde aromata
Elis
9427
MWB 3,2 642,21; Bearbeiter: Plate
kruden
swV.
→ kroten
MWB 3,2 642,29;
krûdener
stM.
→
kriutener
MWB 3,2 642,30; |