k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kruckestap
stM.
‘Krückstock’
ze Narne in der stat was ein / kint, het ein krumbez bein, / daz ez sich niht moht
enthaben / wan ûf zwein krückestaben LvRegFr
4428
MWB 3,2 642,10; Bearbeiter: Plate
krude
stF.
‘Gewalttat, Grausamkeit’
dô dî dît [...] den
[Bruder Gerhart Rudde] mit vreisir crudde / machtin sus
des lebbins wan NvJer
25147.
–
‘rechtliche Beeinträchtigung’ (vgl. →
krot
MN.):
daz vnser vorgenante capelle vnd auch der kappellan zu Reygerberg aller
kruͤde vnd bekummernisse gefryet vnd entladen sient UrkWürzb
40,193
(a. 1338)
MWB 3,2 642,14; Bearbeiter: Plate
krûde
stN.
gekürztes gekrûde, md. für →
gekriute
, Koll. zu →
krût
‘Kraut’.
‘Kräuter’
als daz edele crude gut, / daz sich uz suzer erden tut / und
brenget blumen mit der vrucht Hiob
1985;
waz menschen wolde nu enbern, / des herze sulde nit begern / deme corper wonen bi,
/ des geruch als edel si, / alse alles krude ruche da, / balsamen unde aromata
Elis
9427
MWB 3,2 642,21; Bearbeiter: Plate
kruden
swV.
→ kroten
MWB 3,2 642,29;
krûdener
stM.
→
kriutener
MWB 3,2 642,30;
krüegære
stM.
rip. krûchære, wohl Abl. von rip. krûch (zu diesem vgl.
RheinWb 4,1586 s.v. krug).
‘Kannenhändler’ (?), als Ortsangabe:
inter cruheren UrkKölnSchr
1,303
(a. 1175-1205).
inter cruchren ebd.
1,301
(a. 1185-1215);
vgl. Glossar 2,2:311
MWB 3,2 642,31; Bearbeiter: Plate
krüegelîn
stN.
Dimin. zu →
kruoc
,
auch krüeglî, krüchelîn.
‘kleiner Krug’
ein crugelin er [das Jesuskind] mit im
nam Pass I/II (HSW)
4500;
lâ dîn weinen sîn / umbe daz boese krüegelîn Philipp
4439.
4456;
und braͮchent [zerbrachen]
allú [Kinder] ir kruͤgli gar
WernhMl
4818;
[das Jesuskind] brahte in der hand ein kruͤgli mit
frischem wasser Seuse
49,6;
PassSpM
582
MWB 3,2 642,37; Bearbeiter: Plate
krûfen
stV.
→
kriechen
MWB 3,2 642,45;
kruft
stF.
→
gruft
MWB 3,2 642,46;
krülle
swF.
‘Locke’
ires hores krullen Minneb
3444;
umb münches blate [Tonsur] ein krülle,
ein krône umb nunnen houbet KLD: Kzl
3: 1,6;
die [...] zvͦ crvllen machent slechtiz har
PrHess
4,210
MWB 3,2 642,47; Bearbeiter: Plate
krüllel
stN.
‘Löckchen’
ich wold mîn crullil streichin NvJer
18920(S. 521)
MWB 3,2 642,51; Bearbeiter: Plate
krüllen
swV.
1
‘an den Haaren ziehen’
2
gekrüllet Part.-Adj. ‘gekräuselt’
1
‘an den Haaren ziehen’
siu sprach: [...]der ungeslahte bœsewiht / der
hat sich wins ervüllet. / darumb er mich hie krüllet Kerbelkraut
78
2
gekrüllet Part.-Adj. ‘gekräuselt’
gekrullit reidiz har Baldem
110;
gekruͤllet manig tolde / uff disem schilde fledert
Minneb
2452
MWB 3,2 642,53; Bearbeiter: Plate
krüllîsen
stN.
‘Brenneisen’ zum Kräuseln der Haare:
calamistrum: chrullisen VocOpt
18.011
MWB 3,2 642,59; Bearbeiter: Plate
krumbe
Adv.
‘schlecht’
der hohen kuͤnge vier entwert / wurden do des lebens, /
krumme und niht ebens / was ez den ergangen WhvÖst
15004
(vgl. → ëben, ëbene Adj. Adv. unter
3)
MWB 3,2 642,61; Bearbeiter: Plate
krümbe
stF.
‘Krümmung, Krummheit, Kurve, Kreis’,
Ggs. rihte, slihte (vgl. →
krump
Adj., Ggs. reht, sleht)
1 vom Weg, Bahn, Lauf, Bewegung allg. 1.1 frei 1.2
eine ~ nemen 1.3
die ~
adv. ‘im Kreis herum’
1.4
sunder, âne ~
‘geradeaus, ganz gerade’
2 in verschiedener Weise übertr. zu 1 , ‘Ausweichen, Um-, Abweg,
Verirrung’
3
‘Krümmung’ von Gegenständlichem 4
‘Verkrüppelung’
5
‘Kreis um etw. herum, Umkreis, Umgebung, Bezirk’
6
‘Unrecht, Unordnung’
7 ästhetisch ‘nicht wohlgeformt’
1
vom Weg, Bahn, Lauf, Bewegung allg.:
1.1
frei:
guoter wec enmacht niht krümbe Philipp
3140;
an [auf] guoten wegen ümbe
[herum] / enschadet kein krümbe
Freid
131,10;
die wazzer indem lande, / ir richte, ir krumme
Herb
14197;
er jagete Tristanden / under den boumen umbe / maneg
angestlîche crumbe Tr
16062;
die kamphgesellen beide / einander ûf der heide / sich
triben ümbe und ümbe. / si suochten wilde crümbe / und wunderlîche creize
KvWSchwanr
1154;
daz ors daz warf er umbe, / er machte ûz einer
crumbe [Drehung] / eine rihtige slihte. / er lie
her gân enrihte / [...] mit gesenketem sper
Tr
6834.
17431;
er fur zu den clostern umme. / er schuhete keine krumme [kein
Weg war ihm zuviel]
Elis
4216.
– Kreisbewegung, Kreislauf:
die cellen alum und umbe / mahte er in einer crumbe /
mit sinem vinger einen creiz [Kreislinie]
Vät
9308;
wie die [Gestirne] ir loufen
kunnen / in ir cirkels crumme Pass I/II (HSW)
51;
ein cirkel, der wite umme / gienc der sunnen crumme
ebd.
1942;
enmitten gienc darümbe / ein schîbe diu mit
crümbe [wendelförmig] / die liehten stangen dâ
beslôz KvWTurn
460
1.2
eine ~ nemen:
des engels gebot sie taten / vnt namen in eine
chrumbe [Ausweichroute anstelle des direkten Wegs]
/ ioh ein ander uart umbe Wernh
D 4683;
der [Zobelpelzbesatz des
Mantels] nam ouch sîne crumbe / reht an der
wîze [des Hermelinfutters] al umbe, / dâ der zobel
die vuoge [Naht] nimet Tr
10931
1.3
die ~
adv. ‘im Kreis herum’
der sunne loufet den pogen, / diu maninne die senewen. /
[...] der sunne gat die chrumbe, / diu maninne
chumet umbe / in einleven tagen e, / e der terminus geste / ze dere selben jares
vriste ArnoltSieb
27,5;
do loufet di sunne die crumbe vnde der mane die rehte
Lucid
52,13;
sî hîbin ouch dî crumme / dî burc allum und umme /
[...] und vormachtin iz sô gar, / daz nicht inbleib
den ôt ein pfat, / daran man zu der burc getrat NvJer
3713.
–
die rihte/ rehte/ slihte und die ~
‘in alle(n) Richtungen, überall (hin)’
do sluc er alvmbe / die rechte vnde die crunbe
Herb
12732
(vgl.
durch richte vnde durch krumbe / reit er vnde rante
ebd.
1560);
daz wazzer ûz den butechen fiel / in rinnen guot von silber grôz, /
daz ez in der burc alumbe flôz / die rihte und ouch die krumbe
ErnstD
2463;
uf sten ich und loufe al umme / di stat di richte die krumme
Brun
718.
143;
daz triben sie in dem lande / mit roube und mit brande / nûn tage :
alumme / die richte und die krumme / wart dâ vil wol gehert / wênic wart ez
in gewert LivlChr
4281;
wan úser wider sach / gat suͦchent um
und umb, / die slihti und die krumb, / [...] wen er
hie verslinde SHort
5032;
de rechte ind de krumme / vluen sy do de Affrigere
KarlGalie
5436
1.4
sunder, âne ~
‘geradeaus, ganz gerade’
get vur uch sunder crumme, / mit nichte set uch umme HistAE
527;
daz er [der gute Weg] eben si ane
krúmbi PrGeorg
187,8;
implôst vûrte er sîn swert / swenkende alumme. / er jaite
sundir krumme / mit geschrei [...], / dâ Swantopolk sîn
herre was NvJer
7902
2
in verschiedener Weise übertr. zu 1, ‘Ausweichen, Um-, Abweg,
Verirrung’
diu frouwe suochte manige krümme, / wie si die missetât ümbzüge / daz si den
priester doch niht trüge Renner
4628;
du wilt in einer crumme, / des ich dich gevraget han, / mich
wisen an den valschen man Pass I/II (HSW)
19478;
von der slihte in die krumbe / mac sich wol unser sin gerihten
[gerät auf Abwege] , / welle wir nâch wâne tihten
[Vermutungen anstellen] , / wârumbe er
[Gott] daz tuo und daz lâze LvRegSyon
3031;
den [Märtyrern] gab er trost und rat, / daz si
bestunden an gote / und nicht zu des tuvels spote / in einer valschen krumme / sich
kerten wider umme, / des man sie twingen wolde Pass III
101,13;
manige swere krumme / wirt zu der ere getreten ebd.
243,40;
alse manige sunde, alse manige crumbe [Verirrung] .
so wanne du willen haves zuͦ einicher sundin si ze dune, so is din wille
crumb Lilie
3,12;
sîn muot ân alle krümbe gein im was sleht Loheng
6465
3
‘Krümmung’ von Gegenständlichem:
ez [Gewand] hete velte gnuoge, /
die bî den füezen ümbe / dâ suochten wilde krümbe / und mangen wunderlichen schranc
KvWTroj
20262;
ouch was mit hovelîchen siten / sîn hâr geslihtet und gesniten, / daz hâte
schône sich geleit / wîz, val, mit krumbe reit [wellig
gelockt] / wider ûf daz houbet sîn RvEGer
4486;
ûz sînes zagels krümbe / maht er [ein
Drache] schier eine slihte / und sluoc in dar enrihte
KvWTroj
9906;
bi im die erde al umme / viel [bei einem
Grubensturz] in eine krumme [einen Hohlraum um ihn
bildete] / Pass III
588,38;
swenn alle krümbe werdent sleht [Adynaton] , / sô
vindet man ze Rôme reht Freid
152,2.
– die Krümmung des Bogenstabs, metaphorisch von einer
Erzähltechnik:
diu senewe gelîchet mæren sleht: / diu dunkent ouch die
liute reht. / swer iu saget von der krümbe, / der wil iuch leiten ümbe
Parz
241,15
(vgl. Nellmann z.St. und
ArnoltSieb
27,5
oben unter 1.3)
4
‘Verkrüppelung’
sus wart im der krümbe buoz, / diu in sehs jâr ê betwanc / mit grôzes jâmers
sêre LvRegFr
4534
5
‘Kreis um etw. herum, Umkreis, Umgebung, Bezirk’
da was in einer crumme / den garten um und umme / edeler
boume vil gesat Pass I/II (HSW)
3221;
dâ stuonden die brüeder umbe [um das Grab des
Franziskus] / in einer ordenlîcher krumbe / und lobten got mit ir
gebet LvRegFr
4996;
barhoubit und barvûze / er des kirchhovis crumme / gînc vor
den crûzin umme NvJer
9321;
der keiser alzuhant do bat, / daz man alum und umme / in maniger witen krumme
/ suchte den, der was genant Pass III
303,56;
er solde [...] an des gemerkes
krumbe / alles varen umbe Ottok
84417;
daz lant in der crumme [um
Jerusalem] , / swaz Judea was benant, / daz gehorchte siner hant
Pass I/II (HSW)
7806.
2496
6
‘Unrecht, Unordnung’
ze Baldac nement se ir bâbestreht / (daz dunket se âne krümbe
sleht) Parz
13,30;
dâ wirt diu krümbe selten sleht. / man sprach dâ wênic rîters
reht: / swer iht gewan, der habt im daz ebd.
78,9;
ez teilet allez dâ daz reht, / dâ wirt reht ân krümbe sleht
RvEBarl
3714.
10642;
RvEWchr
30528;
ich wirbe daz dinc untz an daz zil / an allen valsh nach
triwen reht. / ich mache dise kruͤmme sleht Rennew
3246;
er macht all krümbe sleht. / des stuonden alliu rîche / mit
frid bî im gelîche EnikWchr
25126.
24934;
der Düringe herre den stuol zuo Kölne brach / unde mahte krumbe sleht
Wartb
Fl 13,8;
geyn unrecht noch krümbe KarlGalie
1195
7
ästhetisch ‘nicht wohlgeformt’
wie kunde er [Gottfried von
Straßburg] sô wol tihten, / getihte krümbe slihten
RvEAlex
3164;
indisen selben ziten sa / irdahte Jubal
[...] musẏcam [...], /
mit der kunst man alle vrist / die chrumbe an sange slihtet RvEWchr
525
MWB 3,2 643,1; Bearbeiter: Plate
krumbein
stN.
‘Keule, Schenkelstück’ (vom Schwein):
der hof der giltet [...] ze weinahten zwai flaisch, ein
schulter und ein chrumpain UrkCorp (WMU)
N772,16;
UrbSonnenb
3
MWB 3,2 645,11; Bearbeiter: Plate
krumbelinc
stM.
‘Krummholz’, in Flurbeschreibungen:
jtem ein zweiteil, lit an den krúmbelingen nebent hern Peter Napen
UrkCorp (WMU)
3037,6.
N107,31.
N627,39
MWB 3,2 645,15; Bearbeiter: Plate
krumben
swV.
‘sich krümmen’
merkent wol: es krumbet vruͦ, swaz z’einem haggen werden wil
Marner (W)
7:13,10;
swie vil in hende grifen an, / die krummeten uf der selben stat / und bliben in zu
tode mat Pass III
97,64;
Frl
11:6,5
MWB 3,2 645,19; Bearbeiter: Plate
krümben
swV.
‘krump machen, (sich) krümmen, (ver)biegen, (ver)beugen’, trans.,
refl. und als Part.-Adj.
1 Gegenständliches 2
‘(sich) neigen, niederbeugen’
3 vom Weg 4
‘(Recht) beugen’
1
Gegenständliches:
nû krümbe dîn bein Walth
82,23;
der scorp heckt mit gepogem zagel, alsô daz er in krümt wenn
er dâ mit hekt BdN
282,13;
sît man schuolbuoch in die hant / krumpte und durch die gürtel want, / sît
wart unmêre schuolmeister lêre Renner
16478.
– refl.:
swaz z’eime haggen werden sol, / daz krümbet sich
vil vrüeje KvWTroj
6401;
zwô brâwen heten sich dar obe / gewelbet und gekrümbet
wol ebd.
19925;
[ein Betrunkener] krümmet sich und swanzet
Renner
10297;
ez wirt auch oft gesehen ain langer rauch in den lüften
[...] und krümt sich ze mitelst
[...] dâ peugt er sich sam ain slang
BdN
77,24;
im Vergleich:
wer sîner sêle vîent ist /, des wort sint mit sîden bedræt /
[...] diu krümben sich nâch angels siten
KgTirol
39,5.
– Part.-Adj.:
daz ôr an dem menschen ist [...]
hin und her gekrümpt inwendig BdN
10,34;
wem daz hâr der überprâw her nider gekrümt ist ebd.
45,5;
die läut habent zend gekrümpt auf sich selber ebd.
121,18;
die [...] habent iriu hörner in
sich gekrümt ebd.
124,4;
in ainander gekrümt ebd.
123,29
2
‘(sich) neigen, niederbeugen’
der mensche ist einvaltig vnd recht, [...] der
zvͦ zitlichen dingen nv̍t geneiget old gekrv̍mt wirt, der ze
obren sachen sich vf richtet RvBib
24,11;
als der scuzzelinc [Schößling] uur
sich sciuzzet vnde sich niht chrumbet, als woͮhs .s. Maria uûr sich
mit goͮten werchen Spec
97,4;
do krúmbete sich der reine / uf das kint, als ichz
las RvEWchr
36258;
und sont úns nit her wider krúmben uff daz ertrich
PrGeorg
32,32;
ir sune suln sich crummen / und suln
[...] dine vuzstappen ane beten HeslApk
5696.
– übertr.:
wie der degen wol geborn / sin lút solte
berihten, / nah gotis willin slihten / das im vor gechrúmbet was
RvEWchr
23833
3
vom Weg:
dv́ andir súnde, dú den wec krúmbit vnd den
mentschin ierrit uf dem wege, daz ist, der an sich selbun sundet PrGeorg
(Sch)
17,217
4
‘(Recht) beugen’
miet machet krumbes sleht / und krunbet slehtes reht
RvEWh
3614;
verfluochet sî der daz geriht krumbet PrBerth
2:217,25
MWB 3,2 645,24; Bearbeiter: Plate
krumbes
Adv.
‘krumm, schief’, eigentl. und übertr. (vgl. → krump Adj.):
der pard siht krums und gar scharpf BdN
156,20;
der don von rotubumbes, tambur und von busine, / di giengen alle krumbes
JTit
4104,2;
dem gêt wol sîn schîbe enzelt / slehtes unde krumbes [auf geradem
oder krummem Wege, unter allen Umständen]
Neidh
WL 31:6,7
MWB 3,2 646,4; Bearbeiter: Plate
krumbrôt
stN.
‘Krummbrot’, eine gewundene Brotform, als Abgabe (s. Heyne, Hausaltertümer 2,276
Anm. 66b):
liverworste gherostet [...] oblatas et crumbrod
[La. crumbrot
]
UrkMerseb
1068
(a. 1332, kopial)
MWB 3,2 646,11; Bearbeiter: Gärtner
krümbunge
stF.
‘Verkrümmung’
so geschehent da von starrung der hent unnd fueß, krummunge der
gelider, zitterunge des leibes, auftueunge des mundes HvHürnh
28,17
MWB 3,2 646,16; Bearbeiter: Plate
krûme
stF.
‘Brotkrume, Krümel’
von den krumen di vallent von dem tysche irer herren BiblMK
275.
293;
er gerte [...] sat werden von den
crumen, / [...] die dem tische vilen ab / des richen.
Daniel
4943
MWB 3,2 646,20; Bearbeiter: Plate
krump
Adj.
auch krum, vereinzelt krumph (
TvKulm ).
1
‘ krumm, nicht gerade, uneben, gebogen; verkrüppelt, lahm’
1.1 von Sachen 1.1.1 allg. 1.1.2 von Wegen: ‘gewunden’
1.1.3
krumber stap , ‘Hirtenstab’
1.1.4
der krumbe reie , eine bestimmte Art von Reigentanz, vgl. dazu Schultz, Höf. Leben 1,545f. und Harding, Dancing Terms, S. 131–133 1.1.5
krumbez horn , ein Blasinstrument, ‘Krummhorn’ ? (vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 182f.) 1.1.6
der krumbe stuol , Gericht des Trierer Domkapitels (DRW 8,14) 1.2 von Menschen 1.3 von menschl. und tierischen Körperteilen, Gliedmaßen 2 übertr. 2.1
‘verkehrt, nicht richtig, unrecht, ungerecht’ u.ä. 2.1.1 allg. 2.1.2 Ggs. sleht (s.a. 3.1–3.4 ) 2.1.3
~ tuon (
~
ist wohl subst., stN.
‘Unrecht’ ) 2.2
‘ schlimm, verderblich, schädlich’
2.3
‘dunkel, unverständlich, gekünstelt’
2.4
‘verwickelt, schwierig’
2.5
krumbiu mittewoche
‘Mittwoch vor Ostern’ (vgl. Grotefend, Zeitrechnung 1,110 mit einem
weiteren Urkundenbeleg a. 1261; zu unterschiedlichen Erklärungsversuchen s. DWB
5,2451 und G. Bilfinger, in: Zs. f. dt. Wortforschung 4 [1903], S.
253–256 ) 3 Phras. (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 255f.) 3.1
~ und sleht : zur Bezeichnung einer Gesamtheit ‘alles;
alle’
3.2
ez sî/ wære ~ oder sleht (reht) u.ä., ‘was auch
immer es sei/ war, unter allen Umständen; alles; alle’
3.3
sprechen, daz krumbe sî sleht
‘lügen, die Wahrheit verdrehen’
3.4 Sprichw.? (vgl. TPMA 7,214f.)
1
‘ krumm, nicht gerade, uneben, gebogen; verkrüppelt, lahm’
1.1
von Sachen:
1.1.1
allg.:
enmitten stuont ein krumbiu sûl, / diu was des
swachen hûses kraft Eracl
2202;
ich ne wil die
uurech [Furchen] nicht chrump
machen [vgl. Lc 9,62, zum Verständnis Kartschoke, Rol.
Anm.z.St.]
Rol
1075;
eyn crvmb aych [Eiche]
UrkCorp (WMU)
462,5;
ein krumb holtz slichten Tauler
343,19;
tûsent rotumbes / sleht, ir neheiniu krumbes
[alle straff bespannt]
Wh
400,18;
sint si beide wurden crumph, / di swert, und ouch also stumph
TvKulm
4085;
ain krump wunden [...], daz
ist ain dreiekot wunden BdN
283,2;
[die Geometrie] sleht rûch krump und eben / kurz
lanc breit smal hôch tief mit mâze wisset KLD: Kzl
16: 10,11;
der einen stapschaft sihet gestôzenen in ein wazzer,
den dunket der stap krump [abgeknickt] sîn, aleine
er gar reht sî Eckh
5: 60,15.
– in Vergleichen:
mit scharpfen clâwen michel, / die stuonden sam
ein sichel / krump unde wâren spitzic KvWTroj
9809;
gewalt ist ûf der strâze michel, / gerihtes hât
man sich verschamt, / daz reht stât crumber danne ein sichel, / frid und
genâde sint erlamt KvWLd
2,49;
ez ist niht krump alsô der boge, / diz mære
ist wâr unde sleht Parz
805,14
1.1.2
von Wegen: ‘gewunden’
reflexos [...] calles: chrumpe
[...] stîge PsM
H 74,11;
krumbe wege die gênt bî [verlaufen neben]
allen strâzen Walth
113,25;
und fuͦrt in [...]
hin einen krumben weg in ein loch under der erde Seuse
112,13;
der fuhs selten rehte weg lauf, er lauf beseits und
krumme weg BdN
164,4;
krumb widerlöufe Hadam
406,3.
– übertr.:
pei dem weien [der Weihe
(Vogel)] verstên ich den sünder, der ist küen zuo
allen kranken werken [...].
[...] der sündær hât krum flügel ze
fliegen all krum weg BdN
204,32;
ir hant hie dise unterscheide wol gehoͤrt,
ob ir es bruͤfen wellent oder [l. ob, vgl.
Tauler (C)
1: 78,8
] ir den rechten [Weg
der Tugend] oder den krumben weg gont
Tauler
168,7
1.1.3
krumber stap, ‘Hirtenstab’
die heirti sal och volgi [dem
Hilferuf] mit sinir
cuilin [Keule] undi mit siemi crummin stabi
undi sal diz vie lazi ste Mühlh
109,16.
– spez. ‘Krummstab, Bischofsstab’ (vgl. →
krumpstap
):
manigen bischof man da sach / under den infelen mit chrumben
staben Serv
465;
prîmâten mit ir crumben steben RvZw
170,10.
224,10;
bischof, [...] úwer krumber stab,
der ist gewahsen z’einem langen sper Marner (W)
4:2,13;
die pfaffenfürsten sint ir wirde ein teil
beroubet. vür infel helm, vür krumbe stebe slehte spieze und sper, / vür
stôlen swert, vür albe ein plat sint in erloubet KLD: Kzl
3: 1,2;
Helbl
8,1100.
– metonym. für einen Bischof (oder hohen Geistlichen):
dar chômen zewâre / patriarche und kardenâle, /
dar chômen ainlef hundert crumber stabe Kchr
8494;
geistlich gebærde unt vleischlich leben, / swâ diu zwei lûzent
under infeln unt bî crumben steben, / dâ suoche ein wol versunnen keiser
einen glîhsenære bî RvZw
141,5;
dâ was manic krumber stap, / dô diu hîrât geschach
Mai
87,4
1.1.4
der krumbe reie, eine bestimmte Art von Reigentanz, vgl. dazu
Schultz, Höf. Leben 1,545f. und Harding, Dancing Terms, S.
131–133:
hiuwer, dô diu kint ir vröuden phlâgen, / dô spranc er den krumben
reien an ir wîzen hant Neidh
WL 26:6,2.
WL 34:6,6;
dô sî den krumben reien ûf dem anger trat ebd.
WL 18:4,2;
bî dem krumben reien ebd.
WL 31:4,14
1.1.5
krumbez horn, ein Blasinstrument, ‘Krummhorn’? (vgl.
Eitschberger, Musikinstr., S. 182f.):
di pusawn vor im hal, / mit seinem krumpen
horen [La. sumber pfeiffen krumpe
horn
] / furt der herre wol geporen
HvNstAp
18807
1.1.6
der krumbe stuol, Gericht des Trierer Domkapitels (DRW
8,14):
wan die scheffen zu Witlich auch nit wyss weren, sullen sie fort faren
zu Trier ain den krumen stuel, vnd was in da wirt vor ortel, sullen sie her
heim brengen vnd nit vber nacht bei in zubehalten, alles vff der partheien
kosten WeistGr
2,327
(a. 1315)
1.2
von Menschen:
einin crumbin man Roth
3156;
EnikWchr
25203;
ein wib, di achzen iar / crump [vgl. incurvata PL
198, 1586A] was gewest HistAE
6069;
Tauler
360,4;
ich was chrump als ein sichel, / mir was ein hover michel
/ dâ ze den schultern ûz gebogen, / hals und ahsel nider gezogen
KvHeimUrst
585;
kranch des libes vnd
krump [
clauda
] sie lac
Albert
1188;
nu muoz ich chrump unde lam / mîn leben alsô trîben hin
KvFuss
934;
ein kint [...], / daz der
nâtûren ungevûc / crum ê geschûf an der geburt NvJer
22092;
niemam inis halz noch crump / he ne wrde sciere gesunt /
gerorde in die koningin / mit deme goden steine min Roth
3150;
die da warin lideschart, / hovirot, blint oder crump /
oder in toubin sinnin tump RvEWchr
12720.
– im Bild eines ohne Stütze wachsenden Baumes:
selbwahsen kint, dû bist ze krump, / sît nieman dich gerihten mac
Walth
101,23
(vgl. Schweikle, Walth. ²1,461);
im Sinne einer unangemesssenen Haltung des Körpers:
manick edel kneht ist so tump, / daz er stet vor sinem herren krump, /
uf einem beine und mit dem rucke Jüngl
56.
–
~ an einem Körperteil:
ein juncfröuwelîn / [...], / diu was krump an
den henden / und in den liden allen enden LvRegFr
4441.
4448.
4500;
der was an beiden füezen krump
EnikWchr
25179;
an henden und an füezen / ist er krump unde lam
Ottok
46871.
– subst.:
er half der wazersuhte, die chrumben er rihte
AvaLJ
86,3;
er hiez [...] die armen
krumben rehte gân RvEBarl
2740;
Roth
3231;
WernhMl
7556.
7842;
die sîchin unti die crumbe Anno
45,15;
Erz III
36,77;
di chrumben unt di halzen VEzzo
213;
so rüeff di armen, di lamen, di
chrvmben [
claudos Lc 14,13] , di
blinden EvAug
174,10.
175,8
1.3
von menschl. und tierischen Körperteilen, Gliedmaßen:
sô krump wâren sîniu lider, / des muost er ligen darnider
LvRegFr
4495;
(Beteuerung:)
so mussen meyne gelider / werden krump und ungesunt, / ob
ich nicht kam sotzestund / wan [sobald] ich ledig
werden mag HvNstAp
13563;
vellet eyn mensche, alzo dat eme dy halz krum wertt vnde
nicht mach spreken OvBaierl
154,1;
ouch wart er [...] / in eine hant sô sêre wunt /
daz er einen krumben vinger gwan GFrau
1193;
Aristotiles spricht, ez sint vil
vogel [Greifvögel] krummer vinger, die wênig
airent [Eier legen]
BdN
195,1;
wem aber die arm krump sint, daz bedäut ainen vorchtigen
und ainen pœsen menschen ebd.
48,18;
einen lamen man [...] : / deme
waren die bein crump / vn̄ sine arme ungesunt Ägidius
1474;
wolgetan bein und da bie sleht, / der sin zu tugende ist
gereht. / ie schelher und ie kruͤmmer / die sint der tugent ie
tuͤmmer Physiogn
355.
– in der Beschreibung der weiblichen Schönheit:
diu Sælde hêt si besezzen. / ir ôren wârn ze rehte
gar, / als si wæren erwünschet dar, / von liehtvarwer wîze, / nâch dem
gotes vlîze / beidiu krump unde hol Wig
889;
ir [der Augen Marias] brawen
brun und wol gelich, / krumb ain wenig úbersich [ein
wenig nach oben gewölbt]
WernhMl
966;
niht hoverehte noch ze krump / geschepfet was
ir [der Nase von Helena] forme glast
KvWTroj
19938.
– vom schiefen, missgünstigen Blick der Augen:
nît und zorn machent dicke / vil trüeben muot und krumbe blicke
WälGa
684;
minne, got müeze mich an dir rechen! / [...]
und möhte ich dir dîn krumbez ouge ûz gestechen, / des het ich reht, wan du
vil lützel endest MF:Hausen
15:4,3
2
übertr.
2.1
‘verkehrt, nicht richtig, unrecht, ungerecht’ u.ä.
2.1.1
allg.:
du valscher man, [...] / wie uns din gekose /
[...] krumme lere schowen lie Pass
III
658,59;
der hêrren lêre ist leider krump, / dâ von ist witze worden tump
Freid
72,23;
in duchte sin [Silversters] antwurte krum
Pass III
77,36;
krump ere [nimmt vorangehendes gelogen unde
unvurdienetiz lob auf]
Stolle (Z)
96:J.27,5;
sint guot ir [der Geistlichen] wort, ir
werc ze krump, / sô volge dû ir worten nâch Winsb
6,8;
die gescheffede also krum / Benedictus wol weste Pass
III
227,2;
dú werlt hat krumbes krieges teil [gemeint wohl
ein Kampf unter ungleichen Bedingungen (Anm.Z.St.)]
Marner (W)
7:2,1;
swaz nach disem
willen [Gottes] gerihtet ist, daz ist gereht;
swaz aber da von gechert ist, daz ist chrvmp vnd schedelich vnd vngordent
DvAPatern
120;
da von sint dú reht in allen landen krumb Marner
(W)
7:13,12;
sît daz mich got ûf erden / zeime rihter hât gezelt /
[...] daz ich [...]
sol / die crumben sache slihten KvWSchwanr
657.
411;
KvWKlage
15,4;
eyngheyne krumme vorderinge doyn UrkNiederrh
3,147
(a. 1320);
von Personen:
rîcher got, wie wir nâch êren dô rungen! /
[...] nû krump [...]
die rihter sint! Walth
85,31;
daz fiwer, daz also rihte / und die chrumben voite
slihte StrKD
36,52.
– subst.:
nû teilet an, / daz uns beide wol an stê / und niht krumbes dâ mit
gê Heidin IV
1356
2.1.2
Ggs. sleht (s.a. 3.1–3.4):
[Gawan zu Parzival: ] sô was ez reht: / hiest
krumbiu tumpheit worden sleht Parz
689,26;
dâ von ist daz reht wordn unreht / und daz krumbe ist worden sleht
WälGa
12744;
sin [des Betrügers] wort sint krumb, sin
werk nicht slecht Boner
50,60.
– etw. sî/ wære ~ oder sleht:
der ban sî krump oder sleht, / man sol in fürhten; daz ist reht
Freid
158,2;
waz sî krump ode sleht / und was sî valsch ode wâr / daz solt man
siu [Kinder] lêren gar
WälGa
9248;
hierher oder zu 3.2:
ez wære krump oder sleht, / er gerte sînre
genôze reht Parz
347,23;
nu get dan mit mir [dem
Abt] , / welt ir leben als wir / und halten gar der
regeln reht: / ez si krum oder sleht, / daz sol iuch alles dunken
guͦt Rennew
10964.
– subst.:
er muz wol berichtet / sin [...], des
munt rechte slichtet / döne unde wort, die krummes bar die werden
meister lasen Frl
5:118G,6.
–
krump / krumbez (daz krumbe) sleht machen u.ä., auch
umgekehrt:
daz swert nim du [edler Ritter] vomme
reht, / daz du daz krumbe machest sleht WälGa
7474;
du [Gott] chanst wol chrump sleht machen
Dietr
5655;
liegen triegen hânt daz reht [es ist ihre
Natur] , / si machent krump mit worten sleht
Freid
167,17;
swie vil ir kunt des krumben / mit iwer kunst
machen sleht Ottok
13120;
die valschen zungen hânt daz recht, / si machent krump, daz ê was
slecht Boner
7,48;
wie si verkerend umb das recht / und machent krum das e was
schlecht KvHelmsd
1250;
Ottok
422;
ir sît verkêret alle wîs: /
[...] ir machet ûz dem slehten crump / und
ûz dem crumben wider sleht Tr
9876;
si [Minne] machet sleht
gerihte crump / und die krumben sache sleht KvWTroj
2124;
miet machet krumbes sleht / und krunbet slehtes
reht RvEWh
3613;
ouch wizzet, daz der selbe [ein und
derselbe] man / daz slehte krump machen kan / unde
machet daz krumbe sleht WälGa (W)
13428f.
2.1.3
~ tuon (
~
ist wohl subst., stN.
‘Unrecht’):
hee was so junck ind so domp, / dede hei recht offte krump, / off dede
hei eynichen boesen bale, / he waende dat hei dede waele
KarlGalie
1069;
ich seyn wael, dat man mir krump / ind harde groisse gewalt deit
ebd.
1267
2.2
‘ schlimm, verderblich, schädlich’
schiere müeze ein ende hân mîn kumber, / wand er ist krumb
und ie krumber! SM:UvB
2: 1,10;
ez stêt wol dir, sælig wîp, / sît krumb und krumber /
belang [Sehnsucht] ich nâh dir hân, / daz dîn
zarter lîp / zerfliezze [sich erweichen lasse] ,
sælde mîn SM:Ro
1: 3,10;
ie krumer und ie tumber / wurde lichtt min arbaitt
GTroj
22248;
durch sî [die Geliebte] wil ich
mich ânen / vil missetât, diu mir doch wurde krumber / nach tôde SM:
Tu
2: 8,4;
durch minen willen hat ir / versmeht die boͤse
werlt, / ir vreude und ir vil krummes gelt Erz III
6,604
2.3
‘dunkel, unverständlich, gekünstelt’
mîn tiutsche ist etswâ doch sô krump, / er mac mir lîhte
sîn ze tump, / den ichs niht gâhes bescheide Wh
237,11;
‘tempus atque tempora / et temporis dimidium.’ [Dn
12,7] / diz mohte ûch alle dunken krum, / waz iz gesprochen
wêre / in dûdelîcher mêre? Erlös
6410;
die brief [des Papstes an Kaiser Heinrich] mit
grammaticâ het meisters kunst geblüemet, / daz etlîch pfaffe was sô tump, / dô
diu botschaft quam, daz sie in dûhte krump, / dâ bî manic hôchgelêrter sie hôch
tüemet [rühmt]
Loheng
7579;
slechtiu wort und slecht geticht / diu lobt man in der welt nu nicht. /
wels [wessen] wort krump sint gevlochten, / der
hât nu vast gevochten. / wem slechtiu wort niut nütze sint, / kein nutz er von
den krumben nint Boner
Schlussrede 21. 24
2.4
‘verwickelt, schwierig’
vrouwe Lârîe [...] gebar
[...] einen sun, des âventiure / mir ze wilde
wære, / ze krump und ze swære, / von sô wunderlîcher geschiht / daz ichz mit
mînem getiht / nimmer triuwe errecken Wig
11630
2.5
krumbiu mittewoche
‘Mittwoch vor Ostern’ (vgl. Grotefend, Zeitrechnung 1,110 mit einem
weiteren Urkundenbeleg a. 1261; zu unterschiedlichen Erklärungsversuchen s. DWB
5,2451 und G. Bilfinger, in: Zs. f. dt. Wortforschung 4 [1903], S.
253–256):
an der krunben mittewuchen UrkCorp (WMU)
1109,10.
52,44;
an der crummen mittewochen schribit sente Lucas von der
martyr unsis herren EvBerl
60,6;
daz enhein jude noch jüdin von der krumben mittewuchen nach imbiz unz an
den hohen samstag, daz man die gloggen lütet, sich öugen sol
SchweizId
3,822
(Z. Ratserk.; a. 1319).
– dazu vgl.:
daz aller heriste urscim [=
urschîm
] , / so gemarteret wart min trehtin, /
daz heizet er [der Teufel] ane scrigen / die vil
tumpen leigen, / jouch die mittachen / in der osteren wochen. / si sprechent
daz si crump si ArnoltSieb
59a,7
3
Phras. (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 255f.)
3.1
~ und sleht: zur Bezeichnung einer Gesamtheit ‘alles;
alle’
[Umschreibung für Gott:] der beidiu krump unde sleht /
geschuof Parz
264,26;
daz man dâ bî der erde / mache ein bilde, daz ist reht, /
wan si krump und dar zuo sleht / ûf ir lât werden unde gebirt
RvEBarl
9300;
wær mîn lop gemeine, / [...]
dem wîsen unt dem tumben, / dem slehten und dem krumben Parz
509,20;
er [
der unreine
man
] minnet chrump und sleht StrKD
33,22
3.2
ez sî/ wære ~ oder sleht (reht) u.ä., ‘was auch
immer es sei/ war, unter allen Umständen; alles; alle’
ez were krump oder recht, / er enwolde ritter noch
knech [l. knecht
] . / er hup sich eine
an die vart Herb
18312;
ez sie krum oder slecht [wie immer der Kampf auch
verlaufe] , / sô sult ir blîben bie dem vanen
LivlChr
2530;
ez wære rûch, ez wære blôz, / ez wære krump, ez wære sleht, / daz
nam allez Helmbreht Helmbr
667;
wo ich [der Wolf] by dy gense quam, / waz ich
der mochte erbizze, / daz tet ich wol mit flizze, / si weren krump oder slecht
KgvOdenw
10,25;
waz die vüez möchtin erloufen, / und die hende gekoufen / (ez wære denn
krumb oder slecht), / daz kæm im [dem Bauch] allez
sament recht Boner
60,13
3.3
sprechen, daz krumbe sî sleht
‘lügen, die Wahrheit verdrehen’
er tuot gewalt und unreht / und spricht daz krumbe sî sleht
WälGa
11926
3.4
Sprichw.? (vgl. TPMA 7,214f.):
alsô uil sô dû in
[Gott] minnest, alse reht pistû. wande ein chrumbiz
unde ein rehtiz nefuͦgent sich niemmir TrudHL
19,8
(vgl. TrudHL (O) , Anm.z.St.);
waz krumb ist, daz wirt kûme slecht Boner
71,58
MWB 3,2 646,24; Bearbeiter: Tao
krümpeleht
Adj.
‘krumm, gebogen’, hier übertr., ‘unrechtmäßig’
judisten brechent triuwe und eide / und sint nâchgriffic als ein ar, / wâ in iht
sache wider var / der si geniezen, si sî reht / oder ein wênic krumpeleht
Renner
8558
MWB 3,2 651,6; Bearbeiter: Tao |