Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kunst - kuntlich    


kunst stF. Substantivbildung zu kunnen anV.; Gen. künste, kunste, Pl. künste, auch sw. künsten Loheng , DvASchr , RvEAlex ; kunsten HvFritzlHl 198,36; zum Verhältnis zu list stM. s. F. Scheidweiler, kunst und list, in: ZfdA 78 (1941), S. 62–87. 1 ‘Wissen, Kenntnis’
1.1 allg.
1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes
2 ‘Wissenschaft’
2.1 allg.
2.2 einzelne Wissenschaften
2.2.1 septem artes liberales
2.2.2 weitere Disziplinen
3 ‘Fähigkeit, Können, Vermögen’
3.1 allg.
3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten
3.3 bezogen auf Dichtkunst
3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten
3.5 bezogen auf Handarbeit
3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau
3.7 bezogen auf Heilkunst
3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können
3.9 von religiöser Ekstase
3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung
3.10.1 Magie, Zauberei
3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit
3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684 s.v. Kunst 6.a )
4 ‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’
   1 ‘Wissen, Kenntnis’    1.1 allg.: Jeronimus sprichet: nieman enmac von gote genemen kunst, wîsheit und vröude, er ensî denne ein guot mensche Eckh 2:161,1; hoch ob aller kunste muze wir die wisen / mit gotlicher vernunste uber die liste und liste macher prisen JTit 2605,1; diu kint diu vor drin jâren / zuo gesetzet wâren, / mit kunst ez diu sô schiere ervuor / daz der meister selbe swuor, / er gesæhe von aller hande tugent / nie sô sinnerîche jugent Greg 1175; der eilfte der hiez Zêleon [der Priester mit hôher wîsheit, V. 2746 ] , / an dem man künste was gewon KvWSilv 2768; den beiden [Adam und Eva] gap sîn witze sâ / rehte wîsheit unde sin. / vernunstic leben gap er [Gott] in / und machte sie von künste wîs RvEBarl 2027; vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch wænent kuͤnnen vil Rennew 31870; di einen di gehôren zu der vornunft, daz ist wîsheit, kunst und klugheit; und di in disen sint beslozzen diz heizen vornunftige tugende HvFritzlHl 181,21; kunst und rât gehôren zu der wârheit der werkunge: kunst zu urteilne und rât zu vindene ebd. 181,33; Reinfr 19800; BdN 3,10. – bezogen auf ein bestimmtes Wissen(sgebiet): dar an [an der Tafelrunde] ein kunst mich verbirt [fehlt mir] , / ine weiz niht welher hinne ist wirt Parz 148,7    1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes: in gote lît alle kunst Kröllwitz 3964; got der hât geleit / sîne kunst und sîne kraft, / sînen vlîz und sîne meisterschaft, / an disen lobelîchen lîp [der Laudine] : / ez ist ein engel und niht ein wîp Iw 1687; daz an dir diu gotes kunst / hât volbrâht der sælden gunst. / der got der an dich sîne kunst / leite und ouch der sælden gunst, / der behüete dir dîn leben RvEGer 6339; von den helden er [Parzival] geschouwet wart: / dô lac diu gotes kunst an im Parz 123,13. 130,22; got in sînes geistes brünste / an dir zeigte sîne künste, / dô er aller sünden tünste / gar von dir geveimet hât SM:EvS 1: 12,2; ChristhChr 2024; Pass I/II (HSW) 26610. – personifiziert auch von den göttlichen Personen selbst: der maide sün Jesus Christ, / der auch ist die ware chünst Märt 24905; [Jesus Christus] ist mein chünst und ist mein got ebd. 24927 auf die Trinität bezogen: si namten den vatter den ungeschaffen ewigen got, den sun die unbegunnen wisheit, ir beider geist nanten si die rehte kunst der warheit Mechth 4: 14,10    2 ‘Wissenschaft’    2.1 allg.: sciencia : kunst VocOpt 38.001; doctrina : kunst ebd. 38.002; disciplina: kunst ebd. 38.003; so ist diu vunfte gebe sa / geheizen sciencia. / daz chut chunst ze diute / unte manet uns tumpen liute, / daz wir leren wistoum ArnoltSieb 11,3    2.2 einzelne Wissenschaften    2.2.1 septem artes liberales: – allg.: daz sint die sieben hohe kuͦnst HvNstGZ 775; der vliz darnah ze Attene was, / da man sit lerte unde las / der sibin liste hohe kunst RvEWchr 15768; wir haben künste vil geschriben, / der sint ûz erwelt siben WälGa 8899; Kostus [...] satzte si zu schule, alsô daz si wol gelêret was der siben kunste HvFritzlHl 253,21; die siben frîen künste Renner 16075. 1249; wie die kvnste weren. / an einer leret man buchstaben. / die ander ist erhaben, / [...] zv den scharfen sinnen. / die dritte zv der werlde zirde, / zv dem sange die vierde. / die funfte leret mezzen wol; / die seste, wie man zelen sol. / die sibende leret die list, / waz wunders an dem gestirne ist Herb 7666; Minneb 448; KLD:Kzl 16: 10,16. – Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik): die brief mit grammaticâ het meisters kunst geblüemet Loheng 7577; ganzir sprache wort vnd sin / mit kvnste habent vnder in Martina 245,104; [Platons] kvnst vnde sine list, / [...] : / daz ist dialetica Herb 10671; Martina 245,106; loyca ist ein tief kunst Vät 22623; JTit 1870,4; nû was ein meister under in / der truoc von kunst vil hôhen sin, / Dêmostenes was er genant, / wîs an filosofîe erkant RvEAlex 3654; so vellet mir iez ein spruch in, den las ich in der schule der natúrlichen kunst [hier: Metaphysik von Aristoteles] Seuse 388,2; RvEAlex 1385. – Quadrivium (Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Musik): ouch kunde er wol von listen daz / wie man der dinge lenge maz / von gêometrîe: / diu kunst was sîn âmîe RvEAlex 140; ez ist ain lere in der kunst, die man geometriam oder erdenmezzerinne haizzet KvMSph 19,13; von arismetica der kvnste Martina 245,79; chunst der astronomei HvHürnh 26,16; die [...] jehent das die chunst der planetenn schwär sei ebd. 26,5; der steren chunst ebd. 26,16. 26,1; ain lerespruch in der sternseher kunst KvMSph 43,15; BdN 106,14; Martina 14,98; Tannh 5,60    2.2.2 weitere Disziplinen: – Theologie: wir sprechen vmbe die kunst. die man hinze got wendet [...] div ist scientia scientiarum div ist ein chunst aller kunste PrKlostern 33; verworfen ist Divînitas / diu ie der künste vrouwe was WälGa 9150. 9123. 9136; dar nâch in den jâren drin / dô gebezzerte sich sîn sin / alsô daz im dîvînitas / gar durchliuhtet was: / diu kunst ist von der goteheit Greg 1189. – Medizin: al der arzte kunst Parz 643,21; von arzenîe erwelte kunst / sîn herze vinden kunde KvWPant 140; ez wære von in dô / gedisputieret wol alsô / ûz der kunste von Salerne Ottok 30018; Crane 492; dy konst van Ypocras OvBaierl 72,1. – Recht: der nâch las er von lêgibus / und daz kint wart alsus / in dem selben liste / ein edel lêgiste: / diu kunst sprichet von der ê Greg 1197; der was einer ein juriste, / an der kunst und an dem liste / het er meisterschaft genomen Ottok 21677    3 ‘Fähigkeit, Können, Vermögen’    3.1 allg.: so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si nvtz vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer vinden UrkCorp (WMU) 2345,19; dâ [Burgtor] reit der wirt vor im [Iwein] in. / der hete die kunst und den sin / daz im dâ von niht arges enwar Iw 1096; dar umbe hât uns unsir herre gesant alsô wît sô die werlt ist, daz wir sie bikêrtin, unt gab uns die kunst, daz wir sprêchin zwô unt sibinzic zungin PrMd (J) 350,31    3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten: – allg.: si kam zuo disem man gevarn, / der künde hovelîche kunst, / dâ mite er hôher liute gunst / verdienet hete mangen tac KvWTroj 5839; nuͦ hat ez der Strickære / geniwet durch der werden gunst, / di noch minnent hoͤfesliche chunst StrKarl (S) 118. – ritterliche Fähigkeiten wie Reiten, Kämpfen o.ä., häufig kombiniert mit kraft, manheit o.ä.: [Gregorius besaß] ganze kunst ze ritterschaft Greg 1994; in strîte man ouch kunst bedarf Parz 756,6; mit kunst si de arme erswungen: / fiurs blicke ûz helmen sprungen ebd. 742,11; ir kunst unde ir manheit / wart dâ erzeiget schiere ebd. 739,14. 265,7; dô was hie kunst unde kraft: / sî mohten von rîterschaft / schuole gehabet hân Iw 7003; [ Volkêr, der videlære, ] begonde im sîner künste alsolhen teil dâ geben, / daz er von sînem swerte muose ligen tôt NibB 2285,2; er hêt mänlîche kraft / und ganze kunst ze strîte Wig 7538; Gâwein, / des kunst an rîterschefte schein ebd. 10428. 7652; manic puneiz muotesrîch / wart dâ mit ritters kunst geriten UvLFrd 456,7. 262,9; das da ein ritter were mit vollen waffenen und von edeler kunst unde mit warer mankraft Mechth 3: 18,5. – Jagd: phlac ich ie meisterschefte / an weidenlîcher kunste Hadam 334,2; dar gie diu cumpanîe / und nâmen sîner [Tristans] künste [des Wilderlegens] war Tr 2997; die kunst von der curîe ebd. 3474; nu kunde birsin, schiezin, jagen / Lamech durh chunst und durh bejac: / dirre selbin chunst er pflac / gewerlich al ungelogen RvEWchr 547. 21331. – Musizieren, Instrumentenspiel: [sie] kâmen des beid über ein, / daz er si lêrte künste vil. / [...] / hie mite er si dô seiten spil / begunde lêren alzehant KvWTroj 15811; RvEWchr 524; si hete eine pfifen, / darin si blies mit ir kunst Pass I/II (HSW) 28179; so leert zy menige guͦnst / van alre melodyen kuͦnst MinneR 496 110    3.3 bezogen auf Dichtkunst: Frouwenlop meister Heinrich, / der ûf die kunst ist kluoc Ottok 86557; uz kezzels grunde gat min kunst, so gicht min munt Frl 5:115,7; her Walther unde zwen Reimar, ein Wolferam, / der künste stam / mit sange noch uz in loubet ebd. 5:117G,8; gefiolierte blüte kunst ebd. 8:26,1; hete ich ûf tihten kunst, / sô sold ich von dem zagen / sîn missetât sagen / und von dem frumen frumikeit Ottok 57414; swer siner kvnst meister ist, / der hat gewalt an siner list. / [...] / des ist der tichtere / wise vnd gewere Herb 1; Wig 124; FvSonnenburg 19,9; Loheng 7637; StrAmis 13    3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten: – Zimmererhandwerk: dirre Joseph burger was / ze Bethleem, als ich ez las [...] / der kunst was er ein zimberman WvRh 2195; ez warn zwene zimberman, / den an ir chunste niht zeran, / si wærn harte meisterlich StrKD 63,2; Parad 98,2. – Schmiedehandwerk: der smit was sîner künste kluoc, / er konde smidewerkes gnuoc HvFreibTr 6005; helm und schilt, die gâben glîz, / dar an was gelegt mit künsten manic vlîz / von meisters handen gar mit kluogen witzen Loheng 3975; [die Schmiede] Mime unde Hertrîch: / ir kunst was vil ungelîch Bit 172; EnikWchr 1552; HvFritzlHl 198,36; RvEWchr 538. – Goldschmiedehandwerk: wol dem edlen gold schmide! / der siner hochen künste lide [Glieder] / also zartlich gerüren kan GTroj 7618; daz selbe harnasch wehe des goldes was mit kunste / geworht JTit 1682,1; Loheng 5340; übertr.: der helig geist hat si [die Krone] geworcht und gesmidet [...] mit der edelen kunst der heligen drivaltekeit Mechth 7: 1,47    3.5 bezogen auf Handarbeit: kein snîder lebt sô rehte stolz, / der sîne kunst bewære, / gebristet im der schære, / dâ mite er schrôte ein edel tuoch KvWTroj 111; [von Figuren auf einem Wappenrock:] die wâren drîn geweben wol, / als ez gebôt der künste vlîz ebd. 9561; Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain roͤklin, / [...] / wan dú froͮwe mære / kunde alle froͮliche kunst WernhMl 5509; [Aquila und Priscilla] waren der kunst, daz sy gezelt kunden machen Apostelgesch 18,3. – auch als wîpliche ~ bezeichnet: [vom Spinnen:] wan in began wîplicher kunst / zehant verdriezen und beviln KvWTroj 15880; dú was von erst dú mit begunst / irdahte wipliche kunst / mit nadiln und mit drihin: / nejen, brettin, rihin RvEWchr 542    3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau: wer ich ein peltzgebure [einer, der Bäume pfropft] , so wer ich an der kunst hie niht geletzet, / wie mangerley er edeles obzes baere JTit 4879,2; kunde der wingarter nút die kunst, er snitte also balde abe daz edel holtz daz die trúbel schiere bringen sol, also daz boͤse und verderbete den wingarten Tauler 31,29    3.7 bezogen auf Heilkunst: den [beiden juncvrouwen ] bevalch er in dô, / daz sî im sîne wunden / salbeten und bunden. / ouch wonte in ir gemüete / schœner kunst diu güete / daz sî in schier ernerten Iw 5618; die besten arzâte, / als die heidenschaft sie hâte, / der natûrlîchen kunste / mit getrûwer gunste / er im gewinnen wolde Kreuzf 7701    3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können: – Baukunst: Augustînus sprichet: ein meister, der ein hûs machet, der bewîset sîne kunst dar an Eckh (Pf) 164,22; den [ palas ] kund ein meister bowen, der winkel mez und wage / lert nach der snuͤre howen. er kan auch snelle wurken sunder vrage, / der himel und erde uf nichte hat gesetzet. / des ist er siner kunste von allen meistern immer ungeletzet JTit 6257,4; dâ mit sant Babel zehant / dâ man mûrmeister vant. / zwên und sibenzic was ir zal. / ir kunst si kunden über al EnikWchr 3282. – bildende Kunst: der künic sprach: ‘nu sagt mir, / meister, waz künste kunnet ir?’ ‘da kan ich malen alsô wol / daz ez alle diu werlt loben sol. / [...].’ StrAmis 504; als ein gemalet bilde, / daz nach eines meisters list / mit richer kunst gemachet ist Vät 32806; vil bild in richem werde ergozzen, ergraben, erhowen, / [...], / von hoher kunst JTit 345,3; ein mâler, der ein volkomen bilde hât gemachet, dâ prüevet man sîne kunst ane Eckh 1:330,2; BraunschwRchr 4535    3.9 von religiöser Ekstase: der prister Eli sprach, / do er si [ frauwe Anna ] in andaht peten sach: / ‘wie pist du von weine so naß; / ge hin, piz du in verdeuest paß.’ / wan si der hailigen kunst / waz worden so in brunst, / daz in dez muste dunken / sie wer von weine drunken MvHeilGr 787; diu sehste gâbe ist der kunst, von der die lêrer sprechent, dâ ein mensche sîniu werc bringen kan zuo einer solhen sache, dâ mit er sich mit got vereinet Eckh (Pf) 369,19; swie tump ich doch anders sî, / mir ist iedoch diu wîsheit bî, / daz ich wol weiz Jesum Christ / daz er diu obrist wîsheit ist, / diu daz herze durhgrebet / und den inren sin erhebet / in die kunst, die nieman / mit rede zende bringen kan LvRegSyon 2833. 2838    3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung    3.10.1 Magie, Zauberei: swaz man von zouberlisten seit / dar an was sîn kunst sô grôz RvEAlex 113. 424; von starker zouberîe kunst / was diu geschrift getihtet KvWTroj 9652; ander kvnst ich wiste: / daz waren zouberliste. / die kvnst ich also lange treip, / vnz mir der name bekleip, / ich were ein zouberinne Herb 845; so lernt er zauberie, / die kuͦnst nigromancie HvNstGZ 5075; BdN 451,25. 434,7; WhvÖst 11384. 4908; Pass I/II (HSW) 20139; Ottok 32601; Brun 10311. swarze ~ : dô saiten di knechte dem herren, daz si [hl. Agnes] mit der swarzen kunst betrogen wêre HvFritzlHl 68,2; sundirlich was her wol erfarn in astronomien unde in der swarzin kunst Köditz 10,16. 10,24. – Wahrsagerei: Joseph sprach ‘war daht ir daz ir iht uerstalet mir? [...] an liezzen [Wahrsagen] ist nieman mir gelich; die chunst han gelernet ich.’ GenM 96,21; den [Leuten] saget er [Apollon] solhiu mære, / daz er ein wîssage wære. / alsolher kunst nam er sich an: / swaz gerne hôrte der man, / daz seit er im künftic gar RvEBarl 10167. 2495; sin [Judas, ein weiser Mann] kunst wiste also, / daz Antigonus solde do / sterben in Pirgostraton ie, / doch in welcheme oder wie, / des hat sin kunst im niht geseit Macc 11689. 11693    3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit: ich chlage der loesære [Heuchler] chunst / und versage in dar zu mine gunst StrKD 158,213; nu vant ir arclistiger sin / die kunst, daz si wol quemen / von in und sich entnemen [sich drückten] / von der kirchen arbeit Pass III 150,43. 152,95; [Irekel zu Meliur, nachdem sie Partonopier unter die zum Ritterschlag bestimmten Knappen eingeschleust hat:] ich schuof alhie mit mîner kunst, / daz er von iu ze ritter wart KvWPart 14870. – von den Fähigkeiten des Teufels: sie wæren stæte an ir begunst [Vorhaben] / und lerneten des tiuvels kunst. / sie wâren gotes künste vrî RvEBarl 10584; [Teufel:] dis kint wart ane súnde gezilet und geborn, es were mir anders nie verholn. nu habe ich alle mine kunst verlorn Mechth 5: 23,90; WernhMl 4696; Brun 6289; personifiziert: du arge kunst, du bose list, / genuget dir niht daz du bist / mit dinen leiden huten / ein irrer der guten? Vät 5113    3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684 s.v. Kunst 6.a): [Lucia, die mit Feuer gemartert wird:] ich habe got, den herren min, / gebeten umme dise vrist, / daz noch min leben an mir ist. / sin vruntschaft und sin hohe gunst / bewart mich vor des vures kunst, / die mir nicht kan gesigen an Pass III 30,28    4 ‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’ si kêrte ir herze an guote kunst: / des bejagte si der werlde gunst. / frou Herzeloyd diu künegin, / ir site an lobe vant gewin, / ir kiusche was für prîs erkant Parz 103,1; daz er muz beliben alda vor / mit den vumf juncvrouwen / die niht vor beschouwen / wolden ires herzen kunst [ ‘ihre Gesinnung prüfen’ ] Vät 19575; Jesus crist, / der dirre kunst ein meister ist, / der sprichet: ‘lernet von mir den sin, / wan ich demutiges herzen bin!’ ebd. 22670; von kunst gewinnt man tugent WälGa 9263. 9271. 9273; diu kunst, diu êwic ist [...] und dâ mite man daz himelrîche erwirbet [...], daz ist tugentlîchez leben DvASchr 309,7; Boner 4,44. – Lit.: J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes, 1931; Bruno Boesch, Die Kunstanschauung in der mittelhochdeutschen Dichtung, 1976.

MWB 3,2 734,23; Bearbeiterin: Herbers

kunstære stM. ‘Könner; einer, der Fähigkeiten hat; Künstler’ ein kunster solte den anderen loben [...], / und solt ouch bî sich geben den prîs, / so waer er wîs Boppe 1:22,15; ein itzlich kunster rate in disem liede: / wie hiez der man? Meissner 2:18,11; kunstere, wis bi grozer kunst demuͦtich unde geduldich, / so wirt gotes wille an dir mit kunsten vuͦllenbracht Rumelant (K) 6:6,5. 6:6,11; zwei vorspan [Gewandspange] [...] / di volbracht haben kunsters hant Brun 274; ein schrîber schrîbet allewege nicht, noch ein kunster wirket sîne kunst allewege nicht: noch danne sô hât her si hêlîchen [verborgen] in ime HvFritzlHl 97,25

MWB 3,2 739,33; Bearbeiterin: Herbers

kunstehalbe Adv. ‘das Können betreffend’ wan kvnstehalbe were ich tovbe [stumpfsinnig] / ich sage als ich wol gelovbe / wie si [Martina] enpfangen wurde Martina 232,39

MWB 3,2 739,46; Bearbeiterin: Herbers

kunstelære stM. ‘Künstler’, hier: ‘Dichter’ [eine Dame zu dem Dichter:] la dir nit grusen / gen mir, du kunstellere! / ich sage dir nuwe mere / von markgrofe Woldemaren Hornb 3:9

MWB 3,2 739,50; Bearbeiterin: Herbers

künstelîn stN. Dimin. zu kunst stF. ‘geringes Können, geringe Fähigkeit’ es enist niergen enkein werklin so klein noch kúnstelin noch so snoͤde, es kome al von gotte Tauler 177,33; ob einer kan ein künstelîn, / der wil zehant ein hoveman sîn KLD: Alex 2:15,4

MWB 3,2 739,54; Bearbeiterin: Herbers

künstelôs Adj. kunsten- Minneb , Hornb . 1 ‘unwissend’
2 ‘unfähig, ohne Können’
   1 ‘unwissend’ ich tummer künstelôser man HvFreibTr 46; ich witzen kunstenloser man Minneb 1608; ich künstelôser von Vrîberc / und sündehafter Heinrich / spriche, als du, hêrre, lêrest mich HvFreibKr 92; SHort 4461; Kudr 364,1; swaz an den buochen stêt geschriben, / des bin ich künstelôs beliben Wh 2,20    2 ‘unfähig, ohne Können’ – häufig bezogen auf Dichtung: diust [ mîne vrouwe ] sô künstelôs / beide an worten unde an rîme, / daz mans ninder singen tar ze terze noch ze prîme Neidh WL 28:6,9; wer möhte volleschrîben / wîbes lop unz an daz zil? / mîner meister ist sô vil, / die an ir süezen werdekeit / hânt süezes lobes vil geleit, / daz mîn künstelôser sin / niht niuwes sprechen mac von in RvEBarl 11839; die künstelôsen edelen geben den künstelôsen liuten, / daz tuon sie allez umbe daz diu gâbe kleine sî. / wâ sol man in des wizzen danc, wer sol ir lop bediuten? Unverzagt 3:7,1. 3:7,8; wol ich mich hazzen mochte, / daz ich so kunstenlos ie was Hornb 2:37. 2:29; swer kunstelôsem schalke / der meisterschefte giht KLD: Kzl 1: 6,15; KvWTroj 149; WhvÖst 154; RvEAlex 8061; KvWLd 32,174; KvWKlage 26,2. – subst.: ich kvnsteloser Martina 1,14; KvWKlage 16,8. – bezogen auf Fähigkeiten eines Knappen: ich woͤlt daz herren noch ir gunst / den kuͤnstrichen gæben: / kunstloser buͦben [Knappe] leben / werde herren swachet WhvÖst 14168. 14170

MWB 3,2 739,60; Bearbeiterin: Herbers

künstendingel stN. ‘(kleine) künstlische Vorrichtung’, hier ein Docht aus Asbest (s.a. Heyne, Hausaltertümer 1,285, Anm. 228 und Deschler, Astron. Term. 51): auz dem stain [Asbest] macht man ain künstendingel zuo ainer latern oder zuo ainer lucern, daz allzeit print BdN 434,20

MWB 3,2 740,26; Bearbeiterin: Herbers

künstensin stM. ‘kunstfertiger Verstand’ zehant der edel bracke / kom zu im geloffen: / uz dem gebirge offen / riten si die rihte hin / do daz rad von kuͤnsten sin / triben umme diu bilde WhvÖst 4304

MWB 3,2 740,32; Bearbeiterin: Herbers

künste-, künstenrîch Adj. auch umlautlos. ‘reich an Kunst/ Künsten’ 1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2 ), häufig bezogen auf Personen
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3 )
   1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2), häufig bezogen auf Personen: nu seit und scribit úns alsus / der kúnsteriche Josephus RvEWchr 25728; der knabe denken dô began / ob er den künsterîchen man / mit deheinen dingen / ze lügen möhte bringen RvEAlex 2010; Salomon, / von dem man geschriben vint, / die wil er dennocht was ain kint, / das er kúnstrich was und wÿsshait vol KvHelmsd 565; Rennew 21711; Hiob 13649; die künsterîchen meister hant geprîset / diu reinen werc und kiuschen wort KLD: Kzl 16: 15,14; Eckh (Pf) 427,24; er ist der buͦch gar kuͤnst rich / und aller guͦten sinn vol Märt 13126; dô sprach in einer under in, / der hâte künsterîchen sin RvEBarl 830; nû vindet ir manige künstenrîche letze [Lehre] an der erden PrBerth 1:507,11; diu künsterîchiu minne / sî lêrte an den stunden, / sô sî schier befunden / ein einhelligez meinen Reinfr 1994    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3): er hât sîner tage stunde / mit künste erzeiget wol dar an: / er was ein künstrîcher man. / uns zeiget sîn getihte / vil künstliche geschihte UvTürhTr 8; man horte manchen kunstenrichen man, / spilman unde gyger, / harpher unde phifer LaurinA (L) 973; iz lebt so kunsteriche nieman, der ir [der minne ] wunder kunne vol prisen JTit 743,2; ich tun iu kunt / mit worten und mit dönen / ane sunderhönen: / noch solte man mins sanges schrin gar rilichen krönen. / sie han gevarn den smalen stig bi künstenrichen strazen Frl 5:115,12. – subst.: sinnelôse giegen / hânt in ir herzen die vernunst, / daz si den künsterîchen stelnt ir rede und ir gedœne KvWLd 32,185. – von handwerklichen Fähigkeiten: swaz meister in den landen ist / bî Rîne und bî der Elbe, / die kunden ein gewelbe / von künsterîchen sachen / sô starkez niht gemachen, / als einez an dem turne lac KvWTroj 17485. 17565; ich kan wol machen / mit künste rîchen sachen / den list, dâ mite du gesihst / die frouwen dîn, [...] / ûz horne ein guot lucerne / ist dir bereit von mîner hant KvWPart 7760. 7749

MWB 3,2 740,37; Bearbeiterin: Herbers

kunsterinne stF. ‘Künstlerin’, hier: ‘Dichterin’ eya, wie wol ich nutzte [es brauchte] , / daz hie ein teil kunst schuͦtzte [schleuderte] / fur mich, die kunsterinne, / biz ich vz grobem sinne / swunge den kunstelosen steup, / der mir den sin ie machte teup Hornb 2:29

MWB 3,2 741,17; Bearbeiterin: Herbers

künstewîs Adj. ‘gelehrt, klug’ ein prophête künste wîs KvWTroj 4537. – subst.: nu dar, ir kuͤnst wisen, / helfet mir ze ruͦm prisen / die getat da vor der stat WhvÖst 7259

MWB 3,2 741,23; Bearbeiterin: Herbers

künstic Adj. 1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2 )
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3 )
3 tac ‘Lichttag’ , im Gegensatz zur Nacht
   1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2): die meistere, di er dô gwan, / di wâren cunstige man. / si begunden in wîsheit lêren SAlex 192; ir namen ich iu nemmen sol: / Abîathar der eine hiez [...] der dritte Gôdolîas; / der vierte was ein künstic man / und was geheizen Annan KvWSilv 2753; er hât der zweier sprâche hort / gelernet als ein wîser man. / franzeis ich niht vernemen kan, / daz tiutschet mir sîn künstic munt KvWPart 213; Pass III 674,21; zwêne phaffen lîse, / die wârn kunstic und wîse Ottok 13054. 23113; [ Jason was ] manicfaltic an der lere, / kvnstic an dem sinne Herb 155; der fürste der schrift sô wîse was, / daz man vor noch sît / biz her unz an dise zît / nie sô künstic herze vant UvEtzAlex 8363; so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si nvtz vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer vinden [...], als si vmbe irre vrevnde chuͦnstig lernuͦnge got antwurten svͦln UrkCorp (WMU) 2345,20; RvEAlex 3739. 3817; PrHess 69,1; Tit 70,2. – subst.: die jungen machest du [die Welt] wilde / und gibest den bosen bilde / den kunstigen unde den wisen Erz III 41,229    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu kunst stF. 3): si truog ouch an ir lîbe / pfellel den ein künstec hant / worhte Parz 808,5; Garel der ellens rîche / het ouch rîchiu kleider an / von phelle, den ein künstic man / worht in der stat ze Tasmê PleierGar 17022; Bit 7466; nie mâler sô künstic wart Mai 84,36; Kâedîn sîn wachs truoc / zu einem smide künstic gnuoc HvFreibTr 5974; PleierGar 10293; mîn zunge ist niht sô künstic, / daz si betiuten künne / die manicvalten wünne, / die si dâ funden beide KvWTroj 22948; dise âventiure nem sich an / ein sô künstiger man / der wildiu wort künne zamen Wig 11654; vîrtûsint man er an sich nam, / dî er weste helde / an manheit ûzirwelde, / kunstig unde starc in strît NvJer 23506; wurtzpette [Kräuterbeete] die [...] gesetzet sint uone deme chunstigen pimentâre [Gewürzkrämer] TrudHL 80,27    3 ~ tac ‘Lichttag’, im Gegensatz zur Nacht: die kuͤnstigen tag beginnent sich an der sunnen aufgank [...] und enden sich an der sunnen underval KvMSph 41,4; so sint in ietleichem kuͤnstigen tag zwelf naturleich stund ebd. 43,23. 50,27 u.ö.

MWB 3,2 741,27; Bearbeiterin: Herbers

kunstic-, künsticlich Adj. , -lîche(n) Adv. 1 bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu kunst stF. 1 ), Adv.
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3 )
   1 bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu kunst stF. 1), Adv.: dise lêre sult ir nâhe tragn: / [...] / des nemet künsteclîche war Parz 173,6    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3): – Adj.: dô begunden si [die videlære ] ez rîben [geigen] / mit künsticlîchen griffen Wig 8480; daz was ein michel wunder und künsteclîch genuoc, / daz er [Siegfried] mit dem sprunge den künic Gunther doch truoc NibC 475,3; aloe daz ist ein boum [...]; / di salbe dar ûz getempert wart / von der wurzel und dem saffe, / der mit vlîzundem laffe [Saft] / ûz dem holze dringet, / sô man in des twinget / mit kunsticlicher meisterschaft JvFrst 11159; ich diene der künsteclîchen hant [Gott] / vür der heiden got Tervagant Wh 310,1. – Adv.: dâ wart von tûsent helden vil kunsteclîch geriten NibB 1891,3; Ywâneten niht bevilte, / ern lêrte in [Parzival] underm schilte / künsteclîch gebâren / und der vînde schaden vâren Parz 158,3; [von Gott:] die helfeclîche hant / diu bêde wazzer und lant / vil künsteclîch alrêst entwarf Wh 309,17; diu sælde künsteclîchen tuot ebd. 283,2

MWB 3,2 742,10; Bearbeiterin: Herbers

kunstigære stM. 1 ‘Kenner, Gelehrter’
2 ‘Künstler’
   1 ‘Kenner, Gelehrter’ meistir Jacobus / von Tessolis ein kunstiger, / [...] ein meistir in der heilgin schrift PfzdHech 161,11. 185,34. 289,16; von wanne kumt sy [Weisheit] her? / und wer ist ouch der kunstyger / der sy kan und mac verlyen? Hiob 10912. 10640    2 ‘Künstler’ wer hat geworcht di vorspan [Gewandspange] ? / daz hat des kunstigeres hant getan Brun 4487. 4374; das lant [...], das hot vil kunstiger uf sydin und mit golde MarcoPolo 28,17

MWB 3,2 742,34; Bearbeiterin: Herbers

künstlich Adj. , künstlîche Adv. kunsten- GTroj , Minneb , konste- MinneR 481 . 1 bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2 )
2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3 )
3 ‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’
   1 bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu kunst stF. 1 und 2): sô günnest mir daz ich gelige / volleclichen in dem lobe / und ich dir müeze sweben obe / an künstlicher meisterschaft KvWSilv 4793; mit kunstlîchem orden / hâte in [Alexander] Aristôtiles / liberâles septem artes / gelêret RvEAlex 2156; mit kúnstlichir liste kraft / wͦhs ouh ir liste meisterschaft / an manegir kunst mit wisheit RvEWchr 679; inder zyt das dat geschach, / mine schole sus voirsich brach, / met konstelicher lere / suchte man sy harde sere MinneR 481 63; nu enbyn ich leider so kuͦnstlich neit / dat ich dat boich moge volmaichen / van alle den dingen ind den saichen / die Coelne schade haint gedain HagenChr (G) 9; alle di schule [...] di suͦln dem selben maister vndertænich sein mit zinse vnd mit zvht chvͦnstlicher bewarunge [Sorgfalt] UrkCorp (WMU) 2345,27. an ~ em prîse ‘von gelehrtem Ruhm’ nû wâren von dem lande dar / vünf und vünfzic meister komen, / die alle wâren ûz genomen / an kunstlîchem prîse RvEBarl 809; an kunstlichem prise / was ein pfaffe unwise Pass I/II (HSW) 13669    2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt, kunstfertig, kunstvoll’ (zu kunst stF. 3): gein dem [Ernalt] tet er [Willehalm] widerkêr / mit kunstlîchem kalopeiz Wh 118,5; uns zeiget sîn getihte / vil künstliche geschihte. / ez ist eben unde ganz UvTürhTr 10; mitt vil kunstenlichen liden / ward daz werk gefügett GTroj 3832; funff schone fenster: / die gaben hellen glenster / gar uz der moßen riche / und auch gar kunstenliche Minneb 216; im quam ein tuvels bote, / den beswur er in der rote / mit kunstlichem gewalde Pass I/II (HSW) 38943; do wolde er [Simon] vor aller diet / mit kunstlichen sachen / der rede ein ende machen ebd. 20949. 24549; sus gienc got sime rechte / nach mit kunstlicher spe [Aufmerksamkeit] , / daz iz der tuvel nicht ense HeslApk 969; daz di dri [Vater, Sohn, Geist] genant sin ein / sam di sonne di hute schein, / daz brenge ich uf kunstliche sla [Weg, Fährte] , / seht wie ich di rede anva Brun 4425. – Adv.: wer kunstlich volget der sla Brun 1046; tumpheit strâfen und spot, / [...] / in dirre welte kurzen tagn / lêrte kunstlîche bejagn / der sinnerîche Vrîdanc RvEAlex 3234; von Zazichovn her Uolrich / [...], / der uns daz mære und die getât / künstlîche getihtet hât ebd. 3202; dô zôch er ûz dem buosem sîn / ein wol gemachet tevellîn / [...], / dar an er kunstlîche las ebd. 586    3 ‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’ gunderfai [...] ist zwairlai: nâtürleich und künstleich. daz künstleich wirt von golt und von silber, wenn man daz zesamen mischt, [...] daz nâtürleich geleicht im an der varb BdN 478,7

MWB 3,2 742,44; Bearbeiterin: Herbers

kunstmeister stM. ‘Meister einer Kunst, einer Fertigkeit, Künstler’ musicus: gesanges kunstmeister VocOpt 38.017; die gnade get vz gode recht alsz der schin von der sunnen vnd alz der zwig von der wortzelen [...] vnd alz daz bilde von dem kunstmeister Gnadenl 3:O1,182; wan daz worte des künstmeisters [ artificis ] , [...] daz ist ein biltlich glichnüsse der ding, dü da von dem künstmeister geschehent ThvASu 40,11; nu ist daz wissen oder die künste dez kunstmeisters ein sache der künstlichen dingen ebd. 248,21. 260,25 u.ö.

MWB 3,2 743,36; Bearbeiterin: Herbers

kunstvluʒ stM. ‘strömende Inspiration’, bezogen auf Dichtung: ahy, kunst fluͤz la mir ain don / fliezzen in die zirke [Umkreis] / der sinne WhvÖst 13216

MWB 3,2 743,47; Bearbeiterin: Herbers

kunt Adj. im Reim auch kuont [: (be-, ge-)stuont u.a.] Parz 218,18. 288,26. 446,1 u.ö. – ahd. kund, urspr. Verbaladj. zur idg. Wurzel *g̑neh- ‘erkennen’, woraus ahd. kunnan, mhd. kunnen (EWA 5,879); vgl. → künde Adj. 1 attr., ‘bekannt’
2 präd.
2.1 ~ sîn
2.1.1 ‘etw. ist bekannt’
2.1.2 ‘jmdm. ist etw./jmd./ein Tier bekannt, jmd. kennt, weiß etw.’
2.1.3 ‘jmdm. ist etw. zuteil geworden, jmd. hat etw.’
2.2 ~ werden
2.2.1 ‘bekannt, gesagt, erklärt werden’
2.2.2 ‘jmdn. (Gen.) kennen lernen’
2.2.3 ‘jmd. (Dat.) lernt etw. kennen, erfährt etw.’
2.2.4 ‘jmdm. wird etw. zuteil, widerfährt etw.’
2.3 ~ tuon
2.3.1 ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen; (jmdm.) jmdn. bekannt machen, verkünden’
2.3.2 ‘(jmdm.) etw. erweisen, zuteil werden lassen’
2.4 ~ machen , ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen’
3 subst., ‘jmd., der bekannt ist, den man kennt; der Einheimische’ ,
3.1 allg.
3.2 in formelhaften Verbindungen
3.2.1 die kunden unde die geste/  vremden u.ä., eine Gesamtheit bezeichnend
3.2.2 mit vriunde
   1 attr., ‘bekannt’ di sine chunden stimme / uernamen si Rol 6066; si sagt’ im kundiu mære NibB 898,4; durch diu kunden mære vrâgen er began, / wie sich Etzel gehabte ebd. 1437,1; von decheineme kvndin clostre [ de alio noto monasterio ] BrHoh 61; kundes weges frâgten sie LvRegSyon 540. ~ und/  oder vremde, eine Gesamtheit bezeichnend (vgl. 3.2.1): die vremden / namen und die chunden Aneg 349; daz schœniste wîp [...] / die mîn ouge ie gesach, / vremde oder kunde Er 4092 (oder zu 3.2.1, d.h. subst., in elliptischer Ausdrucksweise: die mîn ouge ie gesach, vremde oder kunde [ie gesâhen], d.h. ‘ich oder irgendwer’)    2 präd.    2.1 ~ sîn    2.1.1 ‘etw. ist bekannt’ diu dinch diu chunt sint und offen sint PrOberalt 127,35; diu ir unmâzen scœne was vil wîten kunt NibB 45,1; iz sei merkleich oder chunt, daz [...] StRBrünn 373; daz [ ist ] kunt und gewizzen NüAchtb 71 (a. 1349); Seuse 453,17    2.1.2 ‘jmdm. ist etw./jmd./ein Tier bekannt, jmd. kennt, weiß etw.’ dem sint kunt diu rîche und ouch diu vremden lant NibB 82,1; im wârn die wege wol kunt Iw 5145; jâ ist mir kunt / sîn name ebd. 2109; got, dir sint alliu herzen kunt Winsb 71,1; LobGesMar 56,9; daz vil manigen herzen wol ist kunt MF: Mor 12: 4,3; mir ist sîn manheit wol kunt Iw 3414; daz ir ietweders maht / wol dem andern was kunt ebd. 7351; des mêres grunt / dem möhte kunt / sîn mîn langez wüefen SM:St 9: 3,8; mir ist ein dinc wol kunt Iw 193; mit den gezivgen, den ez chvnt vnt gewizzen ist UrkCorp (WMU) 1136,37; daz ist uns von den buochen kunt Eracl 5260; daz ist mir von den goten kunt Wh 219,15; iu ist wole chunt daz mir mîn wîb gwan zwei chint Gen 2395; iu ist niht rehte kunt NibB 1031,2; baz / [...] danne ir wære kunt Iw 1545. – vereinzelt von Lebewesen: durch daz nenne ich iuch vriunt min, wande ich iu chunt sol sin AvaLJ 124,3; dem daz ros was chunt VAlex 268. – mit Gen.d.S.: ein kunst heizet ‘hab hindan’, / derselben tugent ist im [dem Maulhelden] kunt, / sie læt in selten werden wunt Helbl 1,858. – mit Präp. umbe, ûf, ze: sî dir nû [...] / kunt umb selhe wâge iht Iw 539; als ir wære [...] niht umb sîn geverte kunt ebd. 3613; ob in iht kunt wære / umb in ebd. 5938; so scholden sy [...] sagen, was in vm diselb sach kunt vnd gewissen wer SchöffIglau 64; mirst umbe daz bilde kunt: / ez ist mîn frowe SM:KvL 1: 3,11; als mir dar vmbe ist kvnt [ich mich darauf verstehe] ReinFu K,1624; dem was wol kvnt [der kannte sich aus] vf dem mer Herb 3631; ald im ûf minne ist kunt [er sich darauf versteht] SM:Had 12: 3,4; dem ze ritterschaft ist kunt [wer sich darauf versteht] Greg 1376    2.1.3 ‘jmdm. ist etw. zuteil geworden, jmd. hat etw.’ dô was den Nibelungen vil michel arbeite kunt NibB 1058,4 (vgl. ebd. 1393,4 unter 2.2.4). – hierher oder zu 2.1.2: [ den tôren ] ist niht mêre witze kunt Iw 3269; alrêst was im grôz angest kuont Parz 417,10    2.2 ~ werden (2.2.1-2 ohne, 2.2.3-4 mit Dat.d.P.)    2.2.1 ‘bekannt, gesagt, erklärt werden’ diu mære wurden wîten kunt Wig 8691; daz wirt her nâch [im folgenden Text] kunt BdN 190,16; als her nâch kunt wirt ebd. 194,15    2.2.2 ‘jmdn. (Gen.) kennen lernen’ (so EnikWchr , Glossar, mit ~ in der aktivischen Bed. ‘kennend, wissend’, vgl. DWB 5,2617 unter kund II,1,a): dû muost ir wærlîch werden kunt / und ir minne EnikWchr 14008    2.2.3 ‘jmd. (Dat.) lernt etw. kennen, erfährt etw.’ dâ von wart im kunt / der wille sînes kindes NibB 50,2; dô wart sîn jaget daz rîche wol den Burgonden kunt ebd. 939,4; mir is schiere worden kunt / der starken minne ungemach En 10160; daz mir dristunt / diz selbe dinc werde kunt Pass III 44,18; wier [...] wellen, daz offenbar und chunt werde allen [...], daz [...] StRBrünn 380; sô wart Dario chunt / von einem, der vone Tyren entran, / daz Alexander [...] / sîne liute habete gevangen VAlex 1020; uns ist wol von mæren worden kunt, / wie Alexander fuor [...] an des mêres grunt SM: UvS 28: 2,1; vereinzelt von einer Person: do wart er [Christus] chunt der menige PrOberalt 66,38    2.2.4 ‘jmdm. wird etw. zuteil, widerfährt etw.’ sît wart in arbeiten kunt NibB 1393,4; ez wirt grôz schade in beiden kuont Parz 242,18; ir wart ein sterben kunt Rennew 25392. 36234; fröide grôz / wirt dâ beidenthalben kunt [wo zwei sich lieben] KLD: UvL 29: 5,11; swie mir nie kein trôst wart von ir kunt SM: Had 12: 5,4; der muote [Kampfbegegnung] was erlâzen / der ritter Îdêrs unz an die stunt: / diu wart im sît garwe kunt Er 779; dô wurden mir dîn minne kunt, / do gewan ich dizze kindelîn SchneekindA 26; und wart ir kurzlichen kunt / ir vil sæliger vunt Iw 7947; ich wânde, iz wær iu anders chunt KvFuss 841; waz mir [...] / von minnen ist worden kvnt Herb 11187; baz danne im dâ vor ie wart kunt Wh 274,30; si begunde al rôt värwen sich: / als ê was gevar ir munt, / wart al dem antlütze kunt Parz 633,26. – mit Gen.d.S., ‘jmd. erlebt, erfährt etw.’ (vgl. DWB 5,2617 unter kund II,2,e): mirn wart nie svlcher not kvnt ReinFu K,447; e mir [...] / sulcher richeit me werde kunt Brun 161    2.3 ~ tuon    2.3.1 ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen; (jmdm.) jmdn. bekannt machen, verkünden’ (häufig in Publikationsformeln von Urkk.; vgl. gleichbed. ~ machen unter 2.4): ich [...] tvͦn chvnt mit disem brief vnder minem insigil, daz [...] UrkCorp (WMU) 39,2 mit kvrtzer rede tvn ich kvnt, / waz da gescriben stunt Herb 10819; si tet wîplîche fuore kunt Parz 110,28; ein stein, des namn tuon ich iu kuont ebd. 741,12; aldâ teter ime kunt / unde liez in gesehen / allez daz im solde geschehen En 3618; die [...] vrouwen tâten im kunt / ir gruoz Wig 8660; der wirt tete [ im ] kunt / alle sîne swære Iw 4454; dem du [...] / tæte [...] fîanze kunt [den du mit dem sicherheit geben bekannt machtest] Parz 86,2; wier [...] tuen kunt [ notum volumus esse 970A,31 ] allen den, die dizen brief lesint oder hoͮrent lesin, daz [...] UrkCorp (WMU) 970B,31; er seite in unde tet in kunt, / [...], / wie er si vunden hæte Tr 17663; dâ mite teterz im kunt Iw 3893; die jâmerlîchen blicke / tet er in mit den ougen kunt Parz 789,15; daz wart ime dâ gitân rihte chunt VAlex 536; daz tuon ich iu entiuschen kunt Wig 3756. – mit Sachsubj.: der munt / [...] tet rœte kunt Parz 758,20; ir rôsevarwer munt / gein mir tet sîn lachen kunt KLD: GvN 31: 2,5; der visch [auf dem Wappen] tet daz kvnt, / daz sin [des Thelogonus] lant in dem mere stunt Herb 18304; daz buch mir kvnt tut, / die kerzen [...] / waren von grozzer ziere ebd. 10680; dirre brief tuͦt kunt allen [...], daz [...] UrkCorp (WMU) 206,25; uns tuot diu âventiure kuont / waz diu [Säule] wunders mohte hân Parz 589,30. 565,6. 734,10; der vrouwen tet ir herze kunt / daz si niht ervuor wan lange sider Wh 291,2; En 9293; Herb 9698; SM:Te 7: 3,4. – auf Personen bezogen: do wart er [Christus] chunt getan von Moyse und von den wizzagen PrOberalt 13,22; [die Apostel] taten in chunt ebd. 62,27; tuon den herbst [personif.] mit vollen kunt SM:Had 18: 1,13; e denne unser herre der heydenscheft chunt getan wuͤrde PrOberalt 81,3; neve, tuo den gesellen dîn / mir kunt [mache mich mit ihm bekannt] Parz 758,8. – mit Präp. umbe: Nemrot det im kunt / umb das land HvNstAp 8834; Wh 464,1; ich hân in mînes willen / ein teil dar umbe kunt getân Iw 2367. sich ~ tuon: [senkrecht in einen Brunnenschacht einfallender Sonnenstrahl:] rihtecliche unz an den grunt / tuͦt sih der schin mit rehte kunt RvEWchr 3039; mit turnæien unde mit weiben / teter sich chunt dem lande Serv 3333    2.3.2 ‘(jmdm.) etw. erweisen, zuteil werden lassen’ vnde tet daz [seine Barmherzigkeit] an einem suntigim wibe kunt Spec 57,17; sô minneclîch enpfâhen gehôrte man noch nie, / sô die vrouwen beide der briute tâten kunt NibB 589,3; daz mir nicht tuot / genâde kunt mîn frowe guot SM:Had 36: 1,11; dîn kraft tet uns helfe kuont Parz 752,21; in wart strîten kunt getân NibB 1611,4; daz wart im anders kunt getân [davon widerfuhr ihm das Gegenteil] Iw 3868    2.4 ~ machen, ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen’ (vgl. gleichbed. ~ tuon unter 2.3.1): ich mache dîn afterchunft dâ vil wîtene chunt Gen 2522; hie sullen wir merken, wie ein lerer welle kunt machen hab der minne [vgl. magister [...] notificare nitatur habitum charitatis ] RvBib 96,18; habt ir des ê niht vernomn, / sô lât michz iu machen kunt Parz 682,7. 769,23; ein rîcher munt / solt iu diz mære machen kunt Wh 376,14; solt ich se iu alle machen kunt, / wer dâ tôt wart gevalt ebd. 410,6; [Publicatio:] wir [...] machent kunt vn̄ gewissen allen den, die dis briefe sehent, lesent ald horent lesen, daz [...] UrkCorp (WMU) 1624,4; mit brieven und mit sag / machten si dem kunic kunt, / wie er [...] Ottok 1909; Parz 43,20; SM:KvL 2: 5,6. – vereinzelt mit Dat.d.S.: ich sol [...] iwern ougen machen rœte kunt Parz 136,6    3 subst., ‘jmd., der bekannt ist, den man kennt; der Einheimische’, sw(st)M. (st. flekt. nur PsM 54,14; TürlArabel *A 212,18; Brun 5824; Pl. außer Exod 290; UvZLanz 2843 )    3.1 allg.: ouch die kunden / sach man ir zere giezen [vgl. Dn 13,33 flebant ... et omnes qui noverant eam ] Daniel 7614; daz [die zuvor Aufgezählten] warn allez kvnde TürlArabel *A 212,18; mit Poss.-Pron.: ir hêrren, dise hunde, / disen hirz und dise liute, / die verlôs ich hiute; / nu hân ichs aber vunden: / diz sint mîne kunden Tr 2780; (bildl.:) mínne ùnde ir kunden / die sint mir wol erkant KLD: GvN 20: 3,8; Diebalt für kêrte / zeime sînem kunden. / er gewan [...] / ein herberge inme palas UvZLanz 2843; wie ez dort was ergangen, / daz sagt er sînen kunden [Vertrauten] Ottok 7662; (viell. F.?) ir megde unde ir kunden [vertrauten Personen] Elis 6895; Exod 290    3.2 in formelhaften Verbindungen    3.2.1 die kunden unde die geste/  vremden u.ä., eine Gesamtheit bezeichnend: man enpfienc [...] / die kunden und die geste Tr 12537; kunden, gesten disiu mære diu sag ich KLD: Dürner 3,2; die besten / under kúnden und gesten RvEWchr 33530; die chunden zu den gesten StrKD 61,104; die geste zuo den kunden Kudr 709,1; Tr 6293; EnikWchr 22534; s.a. Friedrich, PhrasWB S. 156. 257f. den vremden und den kunden gab er ross und guot gewant NibB 27,4. 37,4. 1390,1; Parz 592,11; Helmbr 1202. 1543; vor den kunden hal erz sêre / und vor den fremden michels mêre LvRegFr 3460; daz wir des vorgenanten aîgens sein gewêr sullen sein [...] gegen vromden oder gegen chvnden UrkCorp (WMU) 1357AB,40,39; die vremden mit den kvnden Freudenl 86; JMeissn A1:9,18; s.a. Friedrich, PhrasWB S. 434. si hazten ir mage ir vrunde, / si hazten ir kunde und unkunde Brun 5824    3.2.2 mit vriunde: [Maria und Joseph] suchten in [Jesus] ze ir chunden und ze ir freunden [Lc 2,44 inter cognatos et notos ] PrOberalt 27,31; beide bî den friunden und bî den kunden Renner 18428; Tr 2599; WvRh 1703

MWB 3,2 743,51; Bearbeiter: Bohnert

künten swV. bair. (s. Spec , Einl. S. CXXf.). – vgl. → kuntesal , underkündel ; an. kynda, engl. kindle (s. DWB 5,555). 1 tr., ‘anzünden’
2 intr., ‘jmdm. einheizen’ , übertr.
   1 tr., ‘anzünden’ – ein Feuer: [Abraham] worhte [...] einen alter unde chonte dar ûf sin uiwer Spec 102,22; [der vivrær in der chvchen ] sol den wit haken vnd daz vivr chvͦntten UrkGeisf 436 (13. Jh.); si wolt mit dem holz fiwer chönden PrStPaul 84,21. – etw. Brennbares: ob in einem marchte oder in einem dorfe ein haus oder mer schedelich gechundet wird MGHConst 2:598,14 = UrkWittelsb 1,144 (a. 1256 kopial 13. Jh.)    2 intr., ‘jmdm. einheizen’, übertr.: die mynne hett ir gar gekundet HvNstAp 1869

MWB 3,2 747,18; Bearbeiter: Bohnert

1kunter stN. kunder

MWB 3,2 747,31;

2 kunter stN. wohl losgelöst von dem Kompos. → kunterfeit = afrz. contrefait oder von der halb verdeutschten Verbindung kunters machen Reinfr 12217 (Suolahti 1,138). ‘das Unreine, Falsche’ swaz ieman seit daz minne sî, / dâst underwîlen kunter [Hs. conterfeyt ] bî KLD: Namenlos n I 12,2; [Noah verflucht Sems Nachkommen:] din kunne kunter hat JMeissn B1:3,13; diu hertze mainden / ein ander ane chunder WhvÖst 1391; den jungen ane kunder ebd. 3587; da wirt ûz kunter [falsche, imitierte Würde] glentzet SM:Tu 1: 2,7; bezogen auf Mittel zur Schönheitspflege, die die natürliche Erscheinung von Haar oder Haut verfälschen: gel reit grôz und langez hâr / sunder kunters machen [subst. Inf.] schein Reinfr 12217; wie mac diu varwe frischen / die man mit kunter birget? ebd. 12237; ein Edelmetall verunreinigender, verfälschender Bestandteil: swâ golt geliutert wirt alsô daz es niht mêre gunters hât KLD: Kzl 16: 4,2

MWB 3,2 747,32; Bearbeiter: Bohnert

kunterfeit stNF. , -fei, -fê, -fîe stN. auch kunterpheit Hiob 3070; TvKulm 1481; conterfeit Parz 3,12; Tr 12305; MinneR 444 335; kont- MinneR 332 98; gunt- z.B. RvZw 83,11; Jüngl 184; Reinfr 6363. 6472; SM:KvL 18: 3,9; SM:WvK 1: 4,5; gunterpheit HistAE 5053; gunderphait WhvÖst 4092. – stF. Georg 3550; Frl 4:14,10; Ottok 215. 902. 5896; TvKulm 1481; Hiob 5818. – flekt. nur Dat. Sg. gunterfeite KvWLd 32,73 und, entstellt, kuntirfelle EvBeh Einl. 18 (Glossar S. 274: „Bildung wie goltvel, silbervel”). aus afrz. contrefait M. ‘Nachahmung, Abbild’ (Tobler/  Lommatzsch 2,795), dem subst. Part. Perf. (adj. ‘nachgemacht, gefälscht; missgestaltet’, ebd. 2,794, Godefroy 9,183a) zu contrefaire; die mhd. Formen kunterfei [: schrei ] Renner 16599. 3988; SummHeinr 1:245,194(App.); -fai BdN 474,5. 478,5 u.ö.; cunterfe [: we ] TvKulm 870 gehen auf eine afrz. Form mit verstummtem -t zurück; cunterfie [: (frou) Simonie ] Frl 9:14,2 ist im Anschluss an die Bildungen auf -îe des Reimes wegen umgemodelt (Suolahti 1,139). – bei artikellosem präd. Gebrauch liegt teilw. adj. Auffassung nahe. 1 ‘das Unechte, Falsche, Trügerische’
1.1 allg.
1.2 spez., ‘unreines, vermischtes, gefälschtes Gold, Metall’ , eigentl. und bildl.
2 ‘das Entgegengesetzte, der Gegensatz’
   1 ‘das Unechte, Falsche, Trügerische’    1.1 allg.: sô wirt ir silber zin / und wirt ir kunst ein kunterfei Renner 16599; di werlt ist nicht wen ein blende / und ein kunterfeit Brun 10233; dâ ist gelîhsenheite niht / noch gunterfeit RvZw 83,11; freut iuch, frou Simonie, / zu Rome ist cunterfie Frl 9:14,2; diu heilige ê ist der siben heilikeit einiu der hœhsten, die got ûf ertrîche hât. unde dâ von sol dekein kunterfeit dar bî sîn PrBerth 1:279,22; daz gelîchet einem bœsen man. swer nû des lachen / strîchet an der triuwen stein, der vindet kunterfeit Walth 29,8; daz wir ir [früherer Meister der Dichtkunst] steinen / den edeln und den reinen / gelîchen unser kunterfeit RvEAlex 3181; swer mischet und ze minne tuot / keiner slahte gunterfeit Reinfr 6363; der lüge gunterfeit ebd. 6472; aller gebresten gunterfeit / dunken dich volkumenheit [an dem Geliebten] Minneb 849; (konkret:) wir haben ein bœse conterfeit [einen wertlosen falschen (d.h. unedlen) Stein] / in daz vingerlîn geleit / und triegen uns dâ selbe mite Tr 12305 (oder zu 1.2?); daz ist wol halbez kunterfeit KvWTroj 2443; (persönl.:) din hertze daz ist unreine, / und bist ein shoͤne kunterfeit Rennew 25157; der ritterschaft ein swachez kunterfeit Frl 8:5,10; trügelichez gunterfeit KvWTroj 2489. – mit Präp.; mit âne: geringelt zwêne löcke reit, / die glizzen âne kunterfeit / reht alse goldes dræte KvWTroj 19914; mit triwen walten / der hantvest âne gunterfeit Ottok 44023; [Briefanrede:] geheret man ane kunterfait! WhvÖst 18693; ân kunterfei und âne var Renner 3988; vergich âne allez kunterfeit / mir der rechten wârheit HvFreibTr 2305; er wær ân alle gunterveit, / ân valsch, ân untriw und ân zadel Ottok 902; âne wandels gunterfeit KvWLd 18,19. 28,23; ân argen kunterfeit KLD: Kzl 16: 12,8; KvWPart 10392; FvSonnenburg 51,15; mit in: als dik [wie es oft vorkommt, dass] ain man ingunterfeit / unwissenklich die warhait seit, / der doch die warhait mainet nút / und trúget sich und ander lút WernhMl 7945; mit mit: iu, herren, sî gekleit / daz mit solcher kunterfeit / der markîs mit mir umbe gât, / und hie vor dem rîche stât / und giht er sî ein kristen Georg 3550; ja triuge ich nicht sam du mit diner gunterfeit Frl 4:14,10; mit listen und mit gunterveit Ottok 42540; der arzt [...] het mit grôzer gunterveit / ein glisteri bereit, / dâ was der tôt inne ebd. 215. 48695. 85446; KvWLd 32,73; mit sunder: daz er sunder gunterpheit / also groze erberkeit / irbot dem vremdem gote HistAE 5053; daz ist war / al sunder valschez kunterfeit Brun 12222; Hiob 3070; mit von: schœne varwe, niht von gunterfeit, / hât ir lieblich angesiht SM:KvL 18: 3,9. – Adj., ‘nachgemacht, unecht, falsch’? manec wîbes schœne an lobe ist breit: / ist dâ daz herze conterfeit, / die lob ich als ich solde / daz safer ime golde Parz 3,12 (allg. adj. aufgefasst; nach S. Singer, Zs. f. d. österr. Gymnasien 46 [1895], S. 528, bildl. zu 1.2, ‘ist das Herz von falschem Metall’); sie blickete [...] an / den künic Marken iren man / und was daz blicken kunterfeit HvFreibTr 2619; hât wol mîn herze wîsheit, / die dunket iuch doch kunterfeit ebd. 2862; daz dise rede icht kunterfeit / wêre ebd. 3530 (Bechstein, HvF. nimmt nur zu 2862 das Adj. an); al mîn fröide ist gunterfeit SM:WvK 1: 4,5    1.2 spez., ‘unreines, vermischtes, gefälschtes Gold, Metall’, eigentl. und bildl.: electrum haizt gunderfai BdN 478,6; daz [ gesmeid ] ist sibenlai: golt silber gunderfai kupfer zin plei und eisen ebd. 474,5; swes hertz ist vermachet / sam ein ertz vnd ein gunterfeit Krone 2255; ein kunderfeit wart mir durch schouwen vür getragen. / [...] mich trouc sin übergulde Frl 5:121G,1; dirr mægde rainikait / golt schinet und ist kunterfait SHort 806; (persönl.:) [die Schmeichler] werden erkant als gunterfeit: / da treuget man die kint mit. / so haben die wisen einen sit, / die kennen bi golde valsch wol Jüngl 184; di uz vremden sachen / daz kunterfeit kunnen machen Brun 979; für golt gibe ich im gunterfeit Frl 7:25,8; er kêrt [...] von der minne süezikeit; / er sluoc valsch und gunterfeit / ûf ir munz und ir gebræge Ottok 21477; überguldet kunterfeit LvRegFr 368; di daz fyne golt mit glysendem kuntirfelle ubirzciren wollen EvBeh Einl. 18; als daz golt vor dem gunterfeit / ist sînes glanzes stête Kreuzf 7568; [das natürlich vorkommende gunderfai ] erkennt man [...] gar kaum von dem gevelschten gunderfai BdN 478,12; ain geväz, daz gemacht ist auz rehtem nâtürleichem gunderfai ebd. 478,14. – Adj.? die florîn / wâren gunterfeit Ottok 34726 (vgl. die valschen florîn ebd. 34880 )    2 ‘das Entgegengesetzte, der Gegensatz’ (die Bed. scheint afrz. contrefait zu fehlen, auch mlat. contrafactus [vgl. MlatWB 2,1765f.] bietet dafür keinen Anhalt: „wohl ein von Gottfried eigens gebildeter Terminus”, H. Haferland, PBB 122 [2000], S. 237): sus wâren diu zwei conterfeit, / stætiu linge und wernde leit, / gesellet an dem einen man Tr 5081; die widerwarten conterfeit / zorn unde wîpheit ebd. 10259

MWB 3,2 747,51; Bearbeiter: Bohnert

kunterfeiter stM. jmd., der kunterfeit bearbeitet: kunterfeiter bringe din zimirde, / missinc unde kopfer dringe her mit valscher wirde, / daz din herze wolde [echten Goldschmuck] , dar hastu nicht an Rumelant (K) 1:8,11

MWB 3,2 749,46; Bearbeiter: Bohnert

kuntesal stN. vgl. → künten . ‘Feuer, Brand’ incendium: cuntesal SummHeinr 2:342,01.16

MWB 3,2 749,51; Bearbeiter: Bohnert

kuntlich Adj. , kuntlîche, -en Adv. auch künt- (Adj.: s. WMU 1,1059; UrkStraßb 2:189,22. 2:194,33; UrkIndersd 65; Adv.: NibB 1541,4 [Kompar.]; Reinfr 23814 ). zu kunt Adj. (nach Ganslmayer, Adjektivderivation S. 714 wäre das Adv. kuntlîche zu → künde stF. gebildet; fraglich, weil dieses meist Umlaut zeigt, jenes nur selten); vgl. ahd. kundlîhho Adv. (AWB 5,489). 1 ‘(aufgrund eigener Erfahrung, sicherer Nachricht, verlässlichen Zeugnisses oder allgemein) bekannt, offenkundig, notorisch’ , Adj.; auf die Weise eines, der sichere Kenntnis hat, gibt oder nimmt (aufgrund eigener Erfahrung usw.), ‘deutlich, genau, nachweislich’ , Adv.
1.1 attr. Adj.
1.2 präd. Adj.
1.2.1 ~ sîn
1.2.2 ~ werden
1.2.3 ~ belîben
1.2.4 ~ tuon , mit Dat.d.P.
1.2.5 ~ machen
1.3 Adv.
1.3.1 bei Verben des Sagens, Nennens
1.3.2 bei Verben der Wahrnehmung, des Erkennens
1.3.3 bei verschiedenen anderen Verben
1.3.4 bei nominalen Prädikatsausdrücken
2 ‘kenntlich, deutlich wahrnehmbar’ , Adj.
3 ‘einem Bekannten zukommend’ (vgl. kunt 3 ), Adj.
4 ‘klug, geschickt’
   1 ‘(aufgrund eigener Erfahrung, sicherer Nachricht, verlässlichen Zeugnisses oder allgemein) bekannt, offenkundig, notorisch’, Adj.; auf die Weise eines, der sichere Kenntnis hat, gibt oder nimmt (aufgrund eigener Erfahrung usw.), ‘deutlich, genau, nachweislich’, Adv.    1.1 attr. Adj.: brech er daz mit einer offenlichen oder kuntlicher getat UrkCorp (WMU) 931,10; mit chuntlichem gewalt UrkStraßb 5:93,32 (a. 1338); einen chüntlichen offen rawber UrkIndersd 65 (a. 1332); vnd sv́ln nach kuntlichen dingen vnd nach warheit ein reht dar v́ber sprechen UrkCorp (WMU) 3473,18; daz [...] ainer da bei niht moht gesein vor kuntlicher not [entspr. êhafter nôt ] UrkLudw 211 (a. 1344); und solnt leisten [Einlager halten] [...] als guͦde burgen in kuͦntlichen herbergen UrkWorms 2:82,8 (a. 1317); mit [...] kuͥntlichen ingesigeln UrkStraßb 2:194,33 (a. 1303); kuͥntliche kornguͥlte ebd. 2:189,22 (a. 1301); und [ man ] mahte ime einen kuntlichen dag an gerihte, daz er queme und daz verantworte UrkFrankf 2,112 (a. 1320). im seit der videlaere / diu kuntlîchen maere [die Geschichte, die ihm (als Augenzeugen) bekannt war] , / wie ez ergie und geschach, / wand erz hôrte und sach KlageB 4310; noch nenne ich gotes vînde mê / mit kuntlîchen worten hie RvEBarl 2385    1.2 präd. Adj.    1.2.1 ~ sîn: disú warheit ist als kuntlich in erlúhten vernúnften, daz si kein anders mugen gedenken Seuse 177,28. 179,18; swer vmb eine vngeclagete wunde, die kv́ntlich ist, ergriffen wirt UrkCorp (WMU) N238A,3; kvntlich oder verholn ebd. 207,23; kv́ntlich vnd offen ebd. N49,16; kv́ntlich vnd werlich ebd. 1953,10. 1174,4; mit Dat.d.P.: daz is genûgen kuntlîch En 13505; mir ist wol kvntlich: / zv Troyge was ein kvnic rich, / min alder fater Laomedon Herb 5941; dat uns dise vorgeschreven rede kuntlich is UrkSiegen 85 (a. 1314); UrkCorp (WMU) 1788AB,17,16. – auch mit dem Adv. (vgl. DWB 5,2632 unter kundlich 2,a,#G+g#G-): es wer dan, das es schynber und kuntlichen wer, das er vor vindschaft gegen im getragen het StRSchlettst 40; viell. auch jch [...] tuͦn kuͦnt offenlichen [...], daz mir kuͤntliche vnd wizzentliche ist, vnd ez auch gesehen vnd gehort han UrkWürzb 41,111 (a. 1345) (oder unflekt. Adj. mit epithetischem -e)    1.2.2 ~ werden: daz muͤst da allez werden offenbære, / kuntlich der werld ze sehene JTit Marlb. 11,4; das das kuntlich wurde vor dem obman vnd vor dien schitlúten UrkCorp (WMU) N243,6. 1780,19    1.2.3 ~ belîben: dur daz disú gifte vnd disú gedinge kúntlich vnde stæte beliben UrkCorp (WMU) 541AB,42; kuntlich vnde wissentlich ebd. 2032,32    1.2.4 ~ tuon, mit Dat.d.P.: ouch tut vns Seneca kuntlich, / wi der stete man si vnuerwuntlich Elmend A 813    1.2.5 ~ machen: daz einem chlager [...] daz reht in der selben stat [...] verzogen wurde und daz der chlager kuntlich macht StRMergenth 129; wo man das kuntlich mag gemachen mit erbarn luten UrkStraßb 4,2:20,9 (vor 1311); kuntlich vnd werlich UrkCorp (WMU) 1290,5; UrkSpeyer 329,4 (a. 1330)    1.3 Adv. (s.a. 1.2.1)    1.3.1 bei Verben des Sagens, Nennens: si begonden im diu mære sagen küntlîcher baz NibB 1541,4; von den verwern kan ich niht gesagen / kuntlich, wan ich hâns niht gesehen Ammenh 11553; RvEWchr 4206; RvEBarl 3327; Flore (P) 6920; Ottok 40131 u.ö.; ~ verjehen UrkCorp (WMU) 3212,41; KvWTroj 47695; wer dirre unt jener wære, / daz wurden wîtiu mære, / solt der kristen und der Sarrazîn / kuntlîche dâ genennet sîn Parz 699,30. 700,7; Flore (P) 3123; MinneR 481 462; ~ antwürten Ottok 32556    1.3.2 bei Verben der Wahrnehmung, des Erkennens: Anêpolis, ein vürste hêr, / begunde sûmen sich niht mêr / er sæhe ie kuntlîche dar. / Alexanders nam er war, / sîn antlütze im was erkant RvEAlex 6543. 6564; mit mînen beiden ougen ich kuntlîchen sach, / daz sie [die ihm erschienenen hll. Peter und Paul] ze mîner angesiht verswunden Loheng 6362. 6945; RvEBarl 7691; RvEGer 2624; WhvÖst 7165; MvHeilGr 132; ~ ersehen Parz 746,23; ~ hœren Loheng 4187; ~ entvinden KvHelmsd 4401; ~ ervarn Ottok 28597; ~ ervinden ebd. 57697; ~ vernemen ebd. 17081; ~ inne(n) werden ebd. 61106; Seuse 119,11. 142,29; ein ieglich kristenmensche solte sie [die Zehn Gebote] gar wol wizzen unde gar küntlîchen erkennen PrBerth 1:274,39; Flore (P) 3711    1.3.3 bei verschiedenen anderen Verben: man list dâ kuntlîche / ir namen und ir rîche Wh 464,27; JTit 448,4; Ottok 80330; daz mere, daz an dem seil geschriben stuͦnt kuntliche JTit 1474,4. 6068,1; Ottok 33973. swaz dâ was ergangen, / kuntlich er in daz wizzen liez Ottok 20646; etw. ~ wizzen Reinfr 19860. 23814. dô er von der reinen sprach / die er unwizzende vor im sach [...], / ir herze sich gein im entslôz, / darîn sie in kuntlich nam UvEtzWh 6991. kuntlich ersichert und erfunden BairFreibr 9; in yrre danne ehafte not, di her kuntlich muge bewisen UrkLandfr 24 (a. 1338); und habend uns des chuntleichen mit iren briefen und urchünden underweiset StRMünch 553,22; ~ vürbringen UrkCorp (WMU) N150,28; StRAugsb 263,18. vnd su̍llen dann ich oder min erben die vorgenanten haller alle kuntlich anlegen, wenden vnd keren an gewizze gu̍lt UrkWürzb 45,135 (a. 1338)    1.3.4 bei nominalen Prädikatsausdrücken: daz ist kuntlich war Seuse 158,10; do in wart kuntliche schin / sin muͦt RvEWh 5235; RvEGer 2338; ~ gewar werden: ebd. 3048; UvEtzWh 7410; Ammenh 19178; UrkFriedb 126 (a. 1334)    2 ‘kenntlich, deutlich wahrnehmbar’, Adj.: wâpenroc und kovertiure al ein, / beide genuoc kuntlîch Er 2340 (vgl. Bech, Er. z.St.); si truͦg dú kuntlichen wortzeichen [Striemen wie von Geißelschlägen] mit grossem smerzen vil zites Seuse 44,22; gib ein kuntlichs urlob aller der gespilschaft [die dich vom geistlichen Leben wegführt] ebd. 372,7. nû was der heidenschefte bane / von huofslegen sô wît erkant, / daz man si kuntlîche vant Wh 440,14; dc si den selben schait bestatent, wan siv die markstaine kuntliche vúndent UrkCorp (WMU) 1308,14    3 ‘einem Bekannten zukommend’ (vgl. → kunt 3), Adj.: Kingrûn sach dicke / an in kuntlîche blicke [Blicke wie die eines Bekannten] Parz 219,6; [weil er einen fremden Harnisch trug] bekant in niht sîn selbes wîp [...], / swie kuntlîche rede er ir bôt Wh 82,2    4 ‘klug, geschickt’ (vgl. → kündelich , kündic 3, kündiclich 2). – Adj.: als er sî [die trügerische êre ] danne ergriffen hât, / sô muoz er haben wîsen rât / mit kuntlîchem sinne / dazs im iht entrinne RvEAlex 14977; die tiefe der abgrúnde / hat [Gottes hêrschaft ] in kuntlichir kúnde / beslozin und gemezzen RvEWchr 38; di aber geúbet an dirr andaht sint und chundlich im gaist MvHeilFr 18. – Adv.: er kunde küntlîche / verdecken sînes herzen zorn / mit schœnen worten ûz erkorn MargAntioch IV 432; wie chuntlichen er daz verhelen chan mit listichlicher glichsenheit Baumgart 142,16

MWB 3,2 749,53; Bearbeiter: Bohnert