k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kunst
stF.
Substantivbildung zu
kunnen
anV.; Gen. künste, kunste, Pl.
künste, auch sw. künsten
Loheng , DvASchr , RvEAlex ;
kunsten
HvFritzlHl
198,36;
zum Verhältnis zu
list
stM. s.
F. Scheidweiler, kunst und list, in: ZfdA 78
(1941), S. 62–87.
1
‘Wissen, Kenntnis’
1.1 allg. 1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes 2
‘Wissenschaft’
2.1 allg. 2.2 einzelne Wissenschaften 2.2.1 septem artes liberales 2.2.2 weitere Disziplinen 3
‘Fähigkeit, Können, Vermögen’
3.1 allg. 3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten 3.3 bezogen auf Dichtkunst 3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten 3.5 bezogen auf Handarbeit 3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau 3.7 bezogen auf Heilkunst 3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können 3.9 von religiöser Ekstase 3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung 3.10.1 Magie, Zauberei 3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit 3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684
s.v. Kunst
6.a ) 4
‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’
1
‘Wissen, Kenntnis’
1.1
allg.:
Jeronimus sprichet: nieman enmac von gote genemen kunst, wîsheit und
vröude, er ensî denne ein guot mensche Eckh
2:161,1;
hoch ob aller kunste muze wir die wisen / mit gotlicher vernunste uber die
liste und liste macher prisen JTit
2605,1;
diu kint diu vor drin jâren / zuo gesetzet wâren, / mit kunst ez diu sô
schiere ervuor / daz der meister selbe swuor, / er gesæhe von aller hande
tugent / nie sô sinnerîche jugent Greg
1175;
der eilfte der hiez Zêleon [der Priester mit hôher
wîsheit, V.
2746
] , / an dem man künste
was gewon KvWSilv
2768;
den beiden [Adam und Eva] gap
sîn witze sâ / rehte wîsheit unde sin. / vernunstic leben gap er
[Gott] in / und machte sie von künste wîs
RvEBarl
2027;
vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch
wænent kuͤnnen vil Rennew
31870;
di einen di gehôren zu der vornunft, daz ist wîsheit, kunst und klugheit;
und di in disen sint beslozzen diz heizen vornunftige tugende
HvFritzlHl
181,21;
kunst und rât gehôren zu der wârheit der werkunge: kunst zu urteilne und
rât zu vindene ebd.
181,33;
Reinfr
19800;
BdN
3,10.
– bezogen auf ein bestimmtes Wissen(sgebiet):
dar an [an der
Tafelrunde] ein kunst mich verbirt [fehlt
mir] , / ine weiz niht welher hinne ist wirt
Parz
148,7
1.2
bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht
Gottes:
in gote lît alle kunst Kröllwitz
3964;
got der hât geleit / sîne kunst und sîne kraft, / sînen
vlîz und sîne meisterschaft, / an disen lobelîchen lîp [der
Laudine] : / ez ist ein engel und niht ein wîp
Iw
1687;
daz an dir diu gotes kunst / hât volbrâht der sælden gunst. / der got
der an dich sîne kunst / leite und ouch der sælden gunst, / der behüete dir
dîn leben RvEGer
6339;
von den helden er
[Parzival] geschouwet wart: / dô lac diu gotes kunst
an im Parz
123,13.
130,22;
got in sînes geistes brünste / an dir zeigte sîne künste, /
dô er aller sünden tünste / gar von dir geveimet hât SM:EvS
1: 12,2;
ChristhChr
2024;
Pass I/II (HSW)
26610.
– personifiziert auch von den göttlichen Personen selbst:
der maide sün Jesus Christ, / der auch ist die ware
chünst Märt
24905;
[Jesus Christus] ist mein chünst und ist mein got
ebd.
24927
auf die Trinität bezogen:
si namten den vatter den ungeschaffen ewigen got, den
sun die unbegunnen wisheit, ir beider geist nanten si die rehte kunst der
warheit Mechth
4: 14,10
2
‘Wissenschaft’
2.1
allg.:
sciencia : kunst VocOpt
38.001;
doctrina : kunst ebd.
38.002;
disciplina: kunst ebd.
38.003;
so ist diu vunfte gebe sa / geheizen sciencia. / daz chut chunst ze diute
/ unte manet uns tumpen liute, / daz wir leren wistoum ArnoltSieb
11,3
2.2
einzelne Wissenschaften
2.2.1
septem artes liberales:
– allg.:
daz sint die sieben hohe kuͦnst
HvNstGZ
775;
der vliz darnah ze Attene was, / da man sit lerte
unde las / der sibin liste hohe kunst RvEWchr
15768;
wir haben künste vil geschriben, / der sint ûz erwelt siben
WälGa
8899;
Kostus [...] satzte si zu schule, alsô
daz si wol gelêret was der siben kunste HvFritzlHl
253,21;
die siben frîen künste Renner
16075.
1249;
wie die kvnste weren. / an einer leret man
buchstaben. / die ander ist erhaben, / [...] zv
den scharfen sinnen. / die dritte zv der werlde zirde, / zv dem sange
die vierde. / die funfte leret mezzen wol; / die seste, wie man zelen
sol. / die sibende leret die list, / waz wunders an dem gestirne ist
Herb
7666;
Minneb
448;
KLD:Kzl
16: 10,16.
– Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik):
die brief mit grammaticâ het meisters kunst geblüemet
Loheng
7577;
ganzir sprache wort vnd sin / mit kvnste habent vnder in
Martina
245,104;
[Platons] kvnst vnde sine list, /
[...] : / daz ist dialetica
Herb
10671;
Martina
245,106;
loyca ist ein tief kunst Vät
22623;
JTit
1870,4;
nû was ein meister under in / der truoc von kunst
vil hôhen sin, / Dêmostenes was er genant, / wîs an filosofîe erkant
RvEAlex
3654;
so vellet mir iez ein spruch in, den las ich in
der schule der natúrlichen kunst [hier: Metaphysik
von Aristoteles]
Seuse
388,2;
RvEAlex
1385.
– Quadrivium (Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Musik):
ouch kunde er wol von listen daz / wie man der
dinge lenge maz / von gêometrîe: / diu kunst was sîn âmîe
RvEAlex
140;
ez ist ain lere in der kunst, die man geometriam
oder erdenmezzerinne haizzet KvMSph
19,13;
von arismetica der kvnste Martina
245,79;
chunst der astronomei HvHürnh
26,16;
die [...] jehent das die
chunst der planetenn schwär sei ebd.
26,5;
der steren chunst ebd.
26,16.
26,1;
ain lerespruch in der sternseher kunst
KvMSph
43,15;
BdN
106,14;
Martina
14,98;
Tannh
5,60
2.2.2
weitere Disziplinen:
– Theologie:
wir sprechen vmbe die kunst. die man hinze got wendet
[...] div ist scientia scientiarum div ist
ein chunst aller kunste PrKlostern
33;
verworfen ist Divînitas / diu ie der künste vrouwe was
WälGa
9150.
9123.
9136;
dar nâch in den jâren drin / dô gebezzerte sich sîn sin / alsô daz
im dîvînitas / gar durchliuhtet was: / diu kunst ist von der goteheit
Greg
1189.
– Medizin:
al der arzte kunst Parz
643,21;
von arzenîe erwelte kunst / sîn herze vinden kunde
KvWPant
140;
ez wære von in dô / gedisputieret wol alsô /
ûz der kunste von Salerne Ottok
30018;
Crane
492;
dy konst van Ypocras OvBaierl
72,1.
– Recht:
der nâch las er von lêgibus / und daz kint wart alsus / in dem
selben liste / ein edel lêgiste: / diu kunst sprichet von der ê
Greg
1197;
der was einer ein juriste, / an der kunst und an
dem liste / het er meisterschaft genomen Ottok
21677
3
‘Fähigkeit, Können, Vermögen’
3.1
allg.:
so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si
nvtz vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer
vinden UrkCorp (WMU)
2345,19;
dâ [Burgtor] reit der wirt vor
im [Iwein] in. / der hete die kunst und den sin /
daz im dâ von niht arges enwar Iw
1096;
dar umbe hât uns unsir herre gesant alsô wît sô die werlt
ist, daz wir sie bikêrtin, unt gab uns die kunst, daz wir sprêchin zwô unt
sibinzic zungin PrMd (J)
350,31
3.2
bezogen auf höfische Fähigkeiten:
– allg.:
si kam zuo disem man gevarn, / der künde hovelîche
kunst, / dâ mite er hôher liute gunst / verdienet hete mangen tac
KvWTroj
5839;
nuͦ hat ez der Strickære / geniwet durch der werden gunst, /
di noch minnent hoͤfesliche chunst StrKarl (S)
118.
– ritterliche Fähigkeiten wie Reiten, Kämpfen o.ä., häufig kombiniert
mit kraft, manheit o.ä.:
[Gregorius besaß] ganze kunst ze ritterschaft
Greg
1994;
in strîte man ouch kunst bedarf Parz
756,6;
mit kunst si de arme erswungen: / fiurs blicke ûz
helmen sprungen ebd.
742,11;
ir kunst unde ir manheit / wart dâ erzeiget schiere
ebd.
739,14.
265,7;
dô was hie kunst unde kraft: / sî mohten von
rîterschaft / schuole gehabet hân Iw
7003;
[
Volkêr, der videlære,
] begonde im
sîner künste alsolhen teil dâ geben, / daz er von sînem swerte muose ligen
tôt NibB
2285,2;
er hêt mänlîche kraft / und ganze kunst ze strîte
Wig
7538;
Gâwein, / des kunst an rîterschefte schein ebd.
10428.
7652;
manic puneiz muotesrîch / wart dâ mit ritters kunst geriten
UvLFrd
456,7.
262,9;
das da ein ritter were mit vollen waffenen und von
edeler kunst unde mit warer mankraft Mechth
3: 18,5.
– Jagd:
phlac ich ie meisterschefte / an weidenlîcher kunste
Hadam
334,2;
dar gie diu cumpanîe / und nâmen sîner
[Tristans] künste [des
Wilderlegens] war Tr
2997;
die kunst von der curîe ebd.
3474;
nu kunde birsin, schiezin, jagen / Lamech durh chunst
und durh bejac: / dirre selbin chunst er pflac / gewerlich al ungelogen
RvEWchr
547.
21331.
– Musizieren, Instrumentenspiel:
[sie] kâmen des beid über ein, / daz er si lêrte
künste vil. / [...] / hie mite er si dô seiten spil
/ begunde lêren alzehant KvWTroj
15811;
RvEWchr
524;
si hete eine pfifen, / darin si blies mit ir kunst
Pass I/II (HSW)
28179;
so leert zy menige guͦnst / van alre melodyen
kuͦnst MinneR 496
110
3.3
bezogen auf Dichtkunst:
Frouwenlop meister Heinrich, / der ûf die kunst ist
kluoc Ottok
86557;
uz kezzels grunde gat min kunst, so gicht min munt Frl
5:115,7;
her Walther unde zwen Reimar, ein Wolferam, / der künste stam / mit sange
noch uz in loubet ebd.
5:117G,8;
gefiolierte blüte kunst ebd.
8:26,1;
hete ich ûf tihten kunst, / sô sold ich von dem zagen /
sîn missetât sagen / und von dem frumen frumikeit Ottok
57414;
swer siner kvnst meister ist, / der hat gewalt an siner list.
/ [...] / des ist der tichtere / wise vnd gewere
Herb
1;
Wig
124;
FvSonnenburg
19,9;
Loheng
7637;
StrAmis
13
3.4
bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten:
– Zimmererhandwerk:
dirre Joseph burger was / ze Bethleem, als ich ez las
[...] / der kunst was er ein zimberman
WvRh
2195;
ez warn zwene zimberman, / den an ir chunste niht
zeran, / si wærn harte meisterlich StrKD
63,2;
Parad
98,2.
– Schmiedehandwerk:
der smit was sîner künste kluoc, / er konde
smidewerkes gnuoc HvFreibTr
6005;
helm und schilt, die gâben glîz, / dar an was gelegt mit künsten manic
vlîz / von meisters handen gar mit kluogen witzen Loheng
3975;
[die Schmiede] Mime unde Hertrîch: / ir kunst was
vil ungelîch Bit
172;
EnikWchr
1552;
HvFritzlHl
198,36;
RvEWchr
538.
– Goldschmiedehandwerk:
wol dem edlen gold schmide! / der siner hochen künste
lide [Glieder] / also zartlich gerüren kan
GTroj
7618;
daz selbe harnasch wehe des goldes was mit kunste / geworht
JTit
1682,1;
Loheng
5340;
übertr.:
der helig geist hat si [die
Krone] geworcht und gesmidet [...]
mit der edelen kunst der heligen drivaltekeit Mechth
7: 1,47
3.5
bezogen auf Handarbeit:
kein snîder lebt sô rehte stolz, / der sîne kunst bewære,
/ gebristet im der schære, / dâ mite er schrôte ein edel tuoch
KvWTroj
111;
[von Figuren auf einem Wappenrock:] die wâren drîn
geweben wol, / als ez gebôt der künste vlîz ebd.
9561;
Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain
roͤklin, / [...] / wan dú froͮwe
mære / kunde alle froͮliche kunst WernhMl
5509;
[Aquila und Priscilla] waren der kunst, daz sy gezelt
kunden machen Apostelgesch
18,3.
– auch als wîpliche ~
bezeichnet:
[vom Spinnen:] wan in began wîplicher kunst /
zehant verdriezen und beviln KvWTroj
15880;
dú was von erst dú mit begunst /
irdahte wipliche kunst / mit nadiln und mit drihin: / nejen, brettin, rihin
RvEWchr
542
3.6
bezogen auf Obst-/ Weinbau:
wer ich ein peltzgebure [einer, der Bäume
pfropft] , so wer ich an der kunst hie niht geletzet, / wie
mangerley er edeles obzes baere JTit
4879,2;
kunde der wingarter nút die kunst, er snitte also
balde abe daz edel holtz daz die trúbel schiere bringen sol, also daz
boͤse und verderbete den wingarten Tauler
31,29
3.7
bezogen auf Heilkunst:
den [beiden
juncvrouwen
] bevalch er in dô, / daz sî im sîne
wunden / salbeten und bunden. / ouch wonte in ir gemüete / schœner kunst
diu güete / daz sî in schier ernerten Iw
5618;
die besten arzâte, / als die heidenschaft sie hâte, / der
natûrlîchen kunste / mit getrûwer gunste / er im gewinnen wolde
Kreuzf
7701
3.8
bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können:
– Baukunst:
Augustînus sprichet: ein meister, der ein hûs machet, der bewîset sîne
kunst dar an Eckh (Pf)
164,22;
den [
palas
] kund ein meister
bowen, der winkel mez und wage / lert nach der snuͤre howen. er kan
auch snelle wurken sunder vrage, / der himel und erde uf nichte hat
gesetzet. / des ist er siner kunste von allen meistern immer ungeletzet
JTit
6257,4;
dâ mit sant Babel zehant / dâ man mûrmeister vant. /
zwên und sibenzic was ir zal. / ir kunst si kunden über al
EnikWchr
3282.
– bildende Kunst:
der künic sprach: ‘nu sagt mir, / meister, waz künste kunnet
ir?’ ‘da kan ich malen alsô wol / daz ez alle diu werlt loben
sol. / [...].’ StrAmis
504;
als ein gemalet bilde, / daz nach eines meisters
list / mit richer kunst gemachet ist Vät
32806;
vil bild in richem werde ergozzen, ergraben, erhowen, /
[...], / von hoher kunst JTit
345,3;
ein mâler, der ein volkomen bilde hât gemachet, dâ prüevet man sîne
kunst ane Eckh
1:330,2;
BraunschwRchr
4535
3.9
von religiöser Ekstase:
der prister Eli sprach, / do er si [
frauwe
Anna
] in andaht peten sach: / ‘wie pist du von
weine so naß; / ge hin, piz du in verdeuest paß.’ / wan si der hailigen
kunst / waz worden so in brunst, / daz in dez muste dunken / sie wer von weine
drunken MvHeilGr
787;
diu sehste gâbe ist der kunst, von der die lêrer sprechent, dâ ein mensche
sîniu werc bringen kan zuo einer solhen sache, dâ mit er sich mit got vereinet
Eckh (Pf)
369,19;
swie tump ich doch anders sî, / mir ist iedoch diu wîsheit bî, / daz ich
wol weiz Jesum Christ / daz er diu obrist wîsheit ist, / diu daz herze
durhgrebet / und den inren sin erhebet / in die kunst, die nieman / mit rede
zende bringen kan LvRegSyon
2833.
2838
3.10
bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung
3.10.1
Magie, Zauberei:
swaz man von zouberlisten seit / dar an was sîn kunst
sô grôz RvEAlex
113.
424;
von starker zouberîe kunst / was diu geschrift
getihtet KvWTroj
9652;
ander kvnst ich wiste: / daz waren zouberliste. / die
kvnst ich also lange treip, / vnz mir der name bekleip, / ich were ein
zouberinne Herb
845;
so lernt er zauberie, / die kuͦnst nigromancie
HvNstGZ
5075;
BdN
451,25.
434,7;
WhvÖst
11384.
4908;
Pass I/II (HSW)
20139;
Ottok
32601;
Brun
10311.
–
swarze ~
:
dô saiten di knechte dem herren, daz si [hl.
Agnes] mit der swarzen kunst betrogen wêre
HvFritzlHl
68,2;
sundirlich was her wol erfarn in astronomien unde in der swarzin
kunst Köditz
10,16.
10,24.
– Wahrsagerei:
Joseph sprach ‘war daht ir daz ir iht uerstalet mir?
[...] an liezzen
[Wahrsagen] ist nieman mir gelich; die
chunst han gelernet ich.’ GenM
96,21;
den [Leuten] saget er
[Apollon] solhiu mære, / daz er ein
wîssage wære. / alsolher kunst nam er sich an: / swaz gerne hôrte der
man, / daz seit er im künftic gar RvEBarl
10167.
2495;
sin [Judas, ein weiser Mann] kunst
wiste also, / daz Antigonus solde do / sterben in Pirgostraton ie, /
doch in welcheme oder wie, / des hat sin kunst im niht geseit
Macc
11689. 11693
3.10.2
List, Hinterlist, Bosheit:
ich chlage der loesære
[Heuchler] chunst / und versage in dar zu
mine gunst StrKD
158,213;
nu vant ir arclistiger sin / die kunst, daz si wol quemen / von in und
sich entnemen [sich drückten] / von der kirchen
arbeit Pass III
150,43.
152,95;
[Irekel zu Meliur, nachdem sie Partonopier unter die zum
Ritterschlag bestimmten Knappen eingeschleust hat:] ich
schuof alhie mit mîner kunst, / daz er von iu ze ritter wart
KvWPart
14870.
– von den Fähigkeiten des Teufels:
sie wæren stæte an ir
begunst [Vorhaben] / und lerneten des
tiuvels kunst. / sie wâren gotes künste vrî RvEBarl
10584;
[Teufel:] dis kint wart ane súnde
gezilet und geborn, es were mir anders nie verholn. nu habe ich alle
mine kunst verlorn Mechth
5: 23,90;
WernhMl
4696;
Brun
6289;
personifiziert:
du arge kunst, du bose list, / genuget dir niht
daz du bist / mit dinen leiden huten / ein irrer der guten?
Vät
5113
3.11
bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684
s.v. Kunst
6.a):
[Lucia, die mit Feuer gemartert wird:] ich habe got,
den herren min, / gebeten umme dise vrist, / daz noch min leben an mir ist. /
sin vruntschaft und sin hohe gunst / bewart mich vor des vures kunst, / die mir
nicht kan gesigen an Pass III
30,28
4
‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’
si kêrte ir herze an guote kunst: / des bejagte si der werlde
gunst. / frou Herzeloyd diu künegin, / ir site an lobe vant gewin, / ir kiusche was
für prîs erkant Parz
103,1;
daz er muz beliben alda vor / mit den vumf juncvrouwen / die
niht vor beschouwen / wolden ires herzen kunst [
‘ihre Gesinnung prüfen’
]
Vät
19575;
Jesus crist, / der dirre kunst ein meister ist, / der
sprichet: ‘lernet von mir den sin, / wan ich demutiges herzen bin!’
ebd.
22670;
von kunst gewinnt man tugent WälGa
9263.
9271. 9273;
diu kunst, diu êwic ist [...] und dâ mite man daz
himelrîche erwirbet [...], daz ist tugentlîchez leben
DvASchr
309,7;
Boner
4,44.
– Lit.: J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes,
1931; Bruno Boesch, Die Kunstanschauung in der mittelhochdeutschen Dichtung,
1976.
MWB 3,2 734,23; Bearbeiterin: Herbers
kunstære
stM.
‘Könner; einer, der Fähigkeiten hat; Künstler’
ein kunster solte den anderen loben [...], / und solt
ouch bî sich geben den prîs, / so waer er wîs Boppe
1:22,15;
ein itzlich kunster rate in disem liede: / wie hiez der man?
Meissner
2:18,11;
kunstere, wis bi grozer kunst demuͦtich unde geduldich, / so wirt gotes
wille an dir mit kunsten vuͦllenbracht Rumelant (K)
6:6,5.
6:6,11;
zwei vorspan
[Gewandspange]
[...] / di
volbracht haben kunsters hant Brun
274;
ein schrîber schrîbet allewege nicht, noch ein kunster wirket sîne kunst
allewege nicht: noch danne sô hât her si hêlîchen
[verborgen] in ime HvFritzlHl
97,25
MWB 3,2 739,33; Bearbeiterin: Herbers
kunstehalbe
Adv.
‘das Können betreffend’
wan kvnstehalbe were ich tovbe [stumpfsinnig] / ich
sage als ich wol gelovbe / wie si [Martina] enpfangen
wurde Martina
232,39
MWB 3,2 739,46; Bearbeiterin: Herbers
kunstelære
stM.
‘Künstler’, hier: ‘Dichter’
[eine Dame zu dem Dichter:] la dir nit grusen / gen mir,
du kunstellere! / ich sage dir nuwe mere / von markgrofe Woldemaren
Hornb
3:9
MWB 3,2 739,50; Bearbeiterin: Herbers
künstelîn
stN.
Dimin. zu
kunst
stF.
‘geringes Können, geringe Fähigkeit’
es enist niergen enkein werklin so klein noch
kúnstelin noch so snoͤde, es kome al von gotte Tauler
177,33;
ob einer kan ein künstelîn, / der wil zehant ein hoveman sîn KLD:
Alex
2:15,4
MWB 3,2 739,54; Bearbeiterin: Herbers
künstelôs
Adj.
kunsten-
Minneb , Hornb .
1
‘unwissend’
2
‘unfähig, ohne Können’
1
‘unwissend’
ich tummer künstelôser man HvFreibTr
46;
ich witzen kunstenloser man Minneb
1608;
ich künstelôser von Vrîberc / und sündehafter Heinrich /
spriche, als du, hêrre, lêrest mich HvFreibKr
92;
SHort
4461;
Kudr
364,1;
swaz an den buochen stêt geschriben, / des bin ich künstelôs
beliben Wh
2,20
2
‘unfähig, ohne Können’
– häufig bezogen auf Dichtung:
diust [
mîne vrouwe
] sô künstelôs /
beide an worten unde an rîme, / daz mans ninder singen tar ze terze noch ze
prîme Neidh
WL 28:6,9;
wer möhte volleschrîben / wîbes lop unz an daz zil? /
mîner meister ist sô vil, / die an ir süezen werdekeit / hânt süezes lobes vil
geleit, / daz mîn künstelôser sin / niht niuwes sprechen mac von in
RvEBarl
11839;
die künstelôsen edelen geben den künstelôsen liuten, / daz tuon sie allez
umbe daz diu gâbe kleine sî. / wâ sol man in des wizzen danc, wer sol ir lop
bediuten? Unverzagt
3:7,1.
3:7,8;
wol ich mich hazzen mochte, / daz ich so kunstenlos ie was
Hornb
2:37.
2:29;
swer kunstelôsem schalke / der meisterschefte giht
KLD: Kzl
1: 6,15;
KvWTroj
149;
WhvÖst
154;
RvEAlex
8061;
KvWLd
32,174;
KvWKlage
26,2.
– subst.:
ich kvnsteloser Martina
1,14;
KvWKlage
16,8.
– bezogen auf Fähigkeiten eines Knappen:
ich woͤlt daz herren noch ir gunst / den
kuͤnstrichen gæben: / kunstloser buͦben
[Knappe] leben / werde herren swachet
WhvÖst
14168.
14170
MWB 3,2 739,60; Bearbeiterin: Herbers
künstendingel
stN.
‘(kleine) künstlische Vorrichtung’, hier ein Docht aus Asbest (s.a. Heyne,
Hausaltertümer 1,285, Anm. 228 und Deschler, Astron. Term. 51):
auz dem stain [Asbest] macht man
ain künstendingel zuo ainer latern oder zuo ainer lucern, daz allzeit print
BdN
434,20
MWB 3,2 740,26; Bearbeiterin: Herbers
künstensin
stM.
‘kunstfertiger Verstand’
zehant der edel bracke / kom zu im geloffen: / uz dem gebirge
offen / riten si die rihte hin / do daz rad von kuͤnsten sin / triben umme
diu bilde WhvÖst
4304
MWB 3,2 740,32; Bearbeiterin: Herbers
künste-, künstenrîch
Adj.
auch umlautlos.
‘reich an Kunst/ Künsten’
1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2 ), häufig bezogen auf Personen 2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt,
kunstfertig’ (zu
kunst
stF. 3 )
1
bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2), häufig
bezogen auf Personen:
nu seit und scribit úns alsus / der
kúnsteriche Josephus RvEWchr
25728;
der knabe denken dô began / ob er den künsterîchen man / mit
deheinen dingen / ze lügen möhte bringen RvEAlex
2010;
Salomon, / von dem man geschriben vint, / die wil er dennocht was ain kint, /
das er kúnstrich was und wÿsshait vol KvHelmsd
565;
Rennew
21711;
Hiob
13649;
die künsterîchen meister hant geprîset / diu reinen werc und
kiuschen wort KLD: Kzl
16: 15,14;
Eckh (Pf)
427,24;
er ist der buͦch gar kuͤnst rich / und aller
guͦten sinn vol Märt
13126;
dô sprach in einer under in, / der hâte künsterîchen sin
RvEBarl
830;
nû vindet ir manige künstenrîche letze [Lehre] an
der erden PrBerth
1:507,11;
diu künsterîchiu minne / sî lêrte an den stunden, / sô sî schier befunden /
ein einhelligez meinen Reinfr
1994
2
bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt,
kunstfertig’ (zu
kunst
stF. 3):
–
er hât sîner tage stunde / mit künste erzeiget wol dar an: / er was ein
künstrîcher man. / uns zeiget sîn getihte / vil künstliche geschihte
UvTürhTr
8;
man horte manchen kunstenrichen man, / spilman unde gyger, / harpher unde
phifer LaurinA (L)
973;
iz lebt so kunsteriche nieman, der ir [der
minne
] wunder kunne vol prisen JTit
743,2;
ich tun iu kunt / mit worten und mit dönen / ane sunderhönen: / noch solte
man mins sanges schrin gar rilichen krönen. / sie han gevarn den smalen stig bi
künstenrichen strazen Frl
5:115,12.
– subst.:
sinnelôse giegen / hânt in ir herzen die vernunst, / daz
si den künsterîchen stelnt ir rede und ir gedœne KvWLd
32,185.
– von handwerklichen Fähigkeiten:
swaz meister in den landen ist / bî Rîne und bî der Elbe,
/ die kunden ein gewelbe / von künsterîchen sachen / sô starkez niht gemachen, /
als einez an dem turne lac KvWTroj
17485.
17565;
ich kan wol machen / mit künste rîchen sachen / den list, dâ mite du
gesihst / die frouwen dîn, [...] / ûz horne ein guot
lucerne / ist dir bereit von mîner hant KvWPart
7760.
7749
MWB 3,2 740,37; Bearbeiterin: Herbers
kunsterinne
stF.
‘Künstlerin’, hier: ‘Dichterin’
eya, wie wol ich nutzte [es brauchte] , / daz hie
ein teil kunst schuͦtzte [schleuderte] / fur mich,
die kunsterinne, / biz ich vz grobem sinne / swunge den kunstelosen steup, / der mir
den sin ie machte teup Hornb
2:29
MWB 3,2 741,17; Bearbeiterin: Herbers
künstewîs
Adj.
‘gelehrt, klug’
ein prophête künste wîs KvWTroj
4537.
– subst.:
nu dar, ir kuͤnst wisen, / helfet mir ze ruͦm
prisen / die getat da vor der stat WhvÖst
7259
MWB 3,2 741,23; Bearbeiterin: Herbers
künstic
Adj.
1 bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2 ) 2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu
kunst
stF. 3 ) 3
tac
‘Lichttag’ , im Gegensatz zur Nacht
1
bezogen auf Wissen ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2):
die meistere, di er dô gwan, / di wâren cunstige man. / si
begunden in wîsheit lêren SAlex
192;
ir namen ich iu nemmen sol: / Abîathar der eine hiez
[...] der dritte Gôdolîas; / der vierte was ein künstic
man / und was geheizen Annan KvWSilv
2753;
er hât der zweier sprâche hort / gelernet als ein wîser man. / franzeis ich
niht vernemen kan, / daz tiutschet mir sîn künstic munt KvWPart
213;
Pass III
674,21;
zwêne phaffen lîse, / die wârn kunstic und wîse
Ottok
13054.
23113;
[
Jason was
] manicfaltic an der lere, / kvnstic
an dem sinne Herb
155;
der fürste der schrift sô wîse was, / daz man vor noch sît / biz her unz an
dise zît / nie sô künstic herze vant UvEtzAlex
8363;
so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si nvtz
vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer vinden
[...], als si vmbe irre vrevnde chuͦnstig
lernuͦnge got antwurten svͦln UrkCorp (WMU)
2345,20;
RvEAlex
3739.
3817;
PrHess
69,1;
Tit
70,2.
– subst.:
die jungen machest du [die
Welt] wilde / und gibest den bosen bilde / den kunstigen unde
den wisen Erz III
41,229
2
bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘geschickt, gekonnt, kunstfertig’ (zu
kunst
stF. 3):
si truog ouch an ir lîbe / pfellel den ein künstec hant /
worhte Parz
808,5;
Garel der ellens rîche / het ouch rîchiu kleider an / von phelle, den ein
künstic man / worht in der stat ze Tasmê PleierGar
17022;
Bit
7466;
nie mâler sô künstic wart Mai
84,36;
Kâedîn sîn wachs truoc / zu einem smide künstic gnuoc
HvFreibTr
5974;
PleierGar
10293;
mîn zunge ist niht sô künstic, / daz si betiuten künne / die
manicvalten wünne, / die si dâ funden beide KvWTroj
22948;
dise âventiure nem sich an / ein sô künstiger man / der
wildiu wort künne zamen Wig
11654;
vîrtûsint man er an sich nam, / dî er weste helde / an
manheit ûzirwelde, / kunstig unde starc in strît NvJer
23506;
wurtzpette [Kräuterbeete] die
[...] gesetzet sint uone deme chunstigen
pimentâre [Gewürzkrämer]
TrudHL
80,27
3
~
tac
‘Lichttag’, im Gegensatz zur Nacht:
die kuͤnstigen tag beginnent sich an der sunnen
aufgank [...] und enden sich an der sunnen underval
KvMSph
41,4;
so sint in ietleichem kuͤnstigen tag zwelf naturleich
stund ebd.
43,23.
50,27
u.ö.
MWB 3,2 741,27; Bearbeiterin: Herbers
kunstic-, künsticlich
Adj. , -lîche(n)
Adv.
1 bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu
kunst
stF. 1 ), Adv. 2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig,
kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3 )
1
bezogen auf Wissen ‘klug, verständig’ (zu
kunst
stF. 1), Adv.:
dise lêre sult ir nâhe tragn: /
[...] / des nemet künsteclîche war Parz
173,6
2
bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, kunstfertig,
kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3):
– Adj.:
dô begunden si [die
videlære
] ez rîben
[geigen] / mit künsticlîchen griffen
Wig
8480;
daz was ein michel wunder und künsteclîch genuoc, / daz er
[Siegfried] mit dem sprunge den künic Gunther
doch truoc NibC
475,3;
aloe daz ist ein boum [...]; /
di salbe dar ûz getempert wart / von der wurzel und dem saffe, / der mit
vlîzundem laffe [Saft] / ûz dem holze dringet, / sô
man in des twinget / mit kunsticlicher meisterschaft JvFrst
11159;
ich diene der künsteclîchen
hant [Gott] / vür der heiden got Tervagant
Wh
310,1.
– Adv.:
dâ wart von tûsent helden vil kunsteclîch geriten
NibB
1891,3;
Ywâneten niht bevilte, / ern lêrte in
[Parzival] underm schilte / künsteclîch gebâren /
und der vînde schaden vâren Parz
158,3;
[von Gott:] die helfeclîche hant / diu bêde wazzer und
lant / vil künsteclîch alrêst entwarf Wh
309,17;
diu sælde künsteclîchen tuot ebd.
283,2
MWB 3,2 742,10; Bearbeiterin: Herbers
kunstigære
stM.
1
‘Kenner, Gelehrter’
2
‘Künstler’
1
‘Kenner, Gelehrter’
meistir Jacobus / von Tessolis ein kunstiger, / [...]
ein meistir in der heilgin schrift PfzdHech
161,11.
185,34.
289,16;
von wanne kumt sy [Weisheit] her? /
und wer ist ouch der kunstyger / der sy kan und mac verlyen? Hiob
10912.
10640
2
‘Künstler’
wer hat geworcht di
vorspan [Gewandspange] ? / daz hat des kunstigeres hant
getan Brun
4487.
4374;
das lant [...], das hot vil kunstiger uf sydin und
mit golde MarcoPolo
28,17
MWB 3,2 742,34; Bearbeiterin: Herbers
künstlich
Adj. , künstlîche
Adv.
kunsten-
GTroj , Minneb , konste-
MinneR 481 .
1 bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2 ) 2 bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt,
kunstfertig, kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3 ) 3
‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’
1
bezogen auf Wissen oder Wissenschaft ‘gelehrt, klug’ (zu
kunst
stF. 1 und 2):
sô günnest mir daz ich gelige / volleclichen in dem lobe / und ich dir müeze
sweben obe / an künstlicher meisterschaft KvWSilv
4793;
mit kunstlîchem orden / hâte in
[Alexander] Aristôtiles / liberâles septem artes /
gelêret RvEAlex
2156;
mit kúnstlichir liste kraft / wͦhs ouh ir liste
meisterschaft / an manegir kunst mit wisheit RvEWchr
679;
inder zyt das dat geschach, / mine schole sus voirsich brach, /
met konstelicher lere / suchte man sy harde sere MinneR 481
63;
nu enbyn ich leider so kuͦnstlich neit / dat ich dat boich moge
volmaichen / van alle den dingen ind den saichen / die Coelne schade haint gedain
HagenChr (G)
9;
alle di schule [...] di suͦln dem selben
maister vndertænich sein mit zinse vnd mit zvht chvͦnstlicher bewarunge
[Sorgfalt]
UrkCorp (WMU)
2345,27.
–
an ~ em prîse
‘von gelehrtem Ruhm’
nû wâren von dem lande dar / vünf und vünfzic meister
komen, / die alle wâren ûz genomen / an kunstlîchem prîse RvEBarl
809;
an kunstlichem prise / was ein pfaffe unwise Pass
I/II (HSW)
13669
2
bezogen auf verschiedene Fähigkeiten ‘gekonnt, geschickt,
kunstfertig, kunstvoll’ (zu
kunst
stF. 3):
gein dem [Ernalt] tet er
[Willehalm] widerkêr / mit kunstlîchem kalopeiz
Wh
118,5;
uns zeiget sîn getihte / vil künstliche geschihte. / ez ist eben unde ganz
UvTürhTr
10;
mitt vil kunstenlichen liden / ward daz werk gefügett
GTroj
3832;
funff schone fenster: / die gaben hellen glenster / gar uz der
moßen riche / und auch gar kunstenliche Minneb
216;
im quam ein tuvels bote, / den beswur er in der rote / mit
kunstlichem gewalde Pass I/II (HSW)
38943;
do wolde er [Simon] vor aller diet
/ mit kunstlichen sachen / der rede ein ende machen ebd.
20949.
24549;
sus gienc got sime rechte / nach mit kunstlicher
spe [Aufmerksamkeit] , / daz iz der tuvel nicht ense
HeslApk
969;
daz di dri [Vater, Sohn,
Geist] genant sin ein / sam di sonne di hute schein, / daz brenge ich
uf kunstliche sla [Weg, Fährte] , / seht wie ich di rede
anva Brun
4425.
– Adv.:
wer kunstlich volget der sla Brun
1046;
tumpheit strâfen und spot, /
[...] / in dirre welte kurzen tagn / lêrte
kunstlîche bejagn / der sinnerîche Vrîdanc RvEAlex
3234;
von Zazichovn her Uolrich /
[...], / der uns daz mære und die getât /
künstlîche getihtet hât ebd.
3202;
dô zôch er ûz dem buosem sîn / ein wol gemachet tevellîn /
[...], / dar an er kunstlîche las ebd.
586
3
‘künstlich’ im Gegensatz zu ‘natürlich’
gunderfai [...] ist zwairlai:
nâtürleich und künstleich. daz künstleich wirt von golt und von silber, wenn man daz
zesamen mischt, [...] daz nâtürleich geleicht im an der
varb BdN
478,7
MWB 3,2 742,44; Bearbeiterin: Herbers
kunstmeister
stM.
‘Meister einer Kunst, einer Fertigkeit, Künstler’
musicus: gesanges kunstmeister VocOpt
38.017;
die gnade get vz gode recht alsz der schin von der sunnen vnd alz der zwig von
der wortzelen [...] vnd alz daz bilde von dem kunstmeister
Gnadenl
3:O1,182;
wan daz worte des
künstmeisters [
artificis
] ,
[...] daz ist ein biltlich glichnüsse der ding, dü da
von dem künstmeister geschehent ThvASu
40,11;
nu ist daz wissen oder die künste dez kunstmeisters ein sache
der künstlichen dingen ebd.
248,21.
260,25
u.ö.
MWB 3,2 743,36; Bearbeiterin: Herbers
kunstvluʒ
stM.
‘strömende Inspiration’, bezogen auf Dichtung:
ahy, kunst fluͤz la mir ain don / fliezzen in die
zirke [Umkreis] / der sinne WhvÖst
13216
MWB 3,2 743,47; Bearbeiterin: Herbers
kunt
Adj.
im Reim auch kuont [: (be-, ge-)stuont
u.a.]
Parz
218,18.
288,26.
446,1
u.ö.
– ahd. kund, urspr. Verbaladj. zur idg. Wurzel
*g̑neh-
‘erkennen’, woraus ahd. kunnan, mhd. kunnen (EWA 5,879);
vgl. →
künde
Adj.
1 attr., ‘bekannt’
2 präd. 2.1
~ sîn
2.1.1
‘etw. ist bekannt’
2.1.2
‘jmdm. ist etw./jmd./ein Tier bekannt, jmd. kennt, weiß etw.’
2.1.3
‘jmdm. ist etw. zuteil geworden, jmd. hat etw.’
2.2
~ werden
2.2.1
‘bekannt, gesagt, erklärt werden’
2.2.2
‘jmdn. (Gen.) kennen lernen’
2.2.3
‘jmd. (Dat.) lernt etw. kennen, erfährt etw.’
2.2.4
‘jmdm. wird etw. zuteil, widerfährt etw.’
2.3
~ tuon
2.3.1
‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen; (jmdm.) jmdn. bekannt
machen, verkünden’
2.3.2
‘(jmdm.) etw. erweisen, zuteil werden lassen’
2.4
~ machen , ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen,
zeigen’
3 subst., ‘jmd., der bekannt ist, den man kennt; der Einheimische’ , 3.1 allg. 3.2 in formelhaften Verbindungen 3.2.1
die kunden unde die geste/ vremden u.ä., eine Gesamtheit bezeichnend 3.2.2 mit vriunde
1
attr., ‘bekannt’
di sine chunden stimme / uernamen si Rol
6066;
si sagt’ im kundiu mære NibB
898,4;
durch diu kunden mære vrâgen er began, / wie sich Etzel
gehabte ebd.
1437,1;
von decheineme kvndin clostre [
de alio noto
monasterio
]
BrHoh
61;
kundes weges frâgten sie LvRegSyon
540.
–
~ und/ oder vremde, eine Gesamtheit bezeichnend (vgl.
3.2.1):
die vremden / namen und die chunden Aneg
349;
daz schœniste wîp [...] / die mîn ouge ie
gesach, / vremde oder kunde Er
4092
(oder zu 3.2.1, d.h. subst., in elliptischer
Ausdrucksweise: die mîn ouge ie gesach, vremde oder kunde [ie
gesâhen], d.h. ‘ich oder irgendwer’)
2
präd.
2.1
~ sîn
2.1.1
‘etw. ist bekannt’
diu dinch diu chunt sint und offen sint
PrOberalt
127,35;
diu ir unmâzen scœne was vil wîten kunt
NibB
45,1;
iz sei merkleich oder chunt, daz [...]
StRBrünn
373;
daz [
ist
] kunt und gewizzen
NüAchtb
71
(a. 1349);
Seuse
453,17
2.1.2
‘jmdm. ist etw./jmd./ein Tier bekannt, jmd. kennt, weiß etw.’
dem sint kunt diu rîche und ouch diu vremden lant
NibB
82,1;
im wârn die wege wol kunt Iw
5145;
jâ ist mir kunt / sîn name ebd.
2109;
got, dir sint alliu herzen kunt Winsb
71,1;
LobGesMar
56,9;
daz vil manigen herzen wol ist kunt MF:
Mor
12: 4,3;
mir ist sîn manheit wol kunt Iw
3414;
daz ir ietweders maht / wol dem andern was kunt
ebd.
7351;
des mêres grunt / dem möhte kunt / sîn mîn langez
wüefen SM:St
9: 3,8;
mir ist ein dinc wol kunt Iw
193;
mit den gezivgen, den ez chvnt vnt gewizzen ist UrkCorp
(WMU)
1136,37;
daz ist uns von den buochen kunt Eracl
5260;
daz ist mir von den goten kunt Wh
219,15;
iu ist wole chunt daz mir mîn wîb gwan zwei chint
Gen
2395;
iu ist niht rehte kunt NibB
1031,2;
baz / [...] danne ir wære
kunt Iw
1545.
– vereinzelt von Lebewesen:
durch daz nenne ich iuch vriunt min, wande ich iu
chunt sol sin AvaLJ
124,3;
dem daz ros was chunt VAlex
268.
– mit Gen.d.S.:
ein kunst heizet ‘hab hindan’, / derselben tugent ist
im [dem Maulhelden] kunt, / sie læt in
selten werden wunt Helbl
1,858.
– mit Präp. umbe, ûf, ze:
sî dir nû [...] / kunt
umb selhe wâge iht Iw
539;
als ir wære [...] niht
umb sîn geverte kunt ebd.
3613;
ob in iht kunt wære / umb in ebd.
5938;
so scholden sy [...] sagen, was in vm
diselb sach kunt vnd gewissen wer SchöffIglau
64;
mirst umbe daz bilde kunt: / ez ist mîn frowe
SM:KvL
1: 3,11;
als mir dar vmbe ist kvnt [ich mich
darauf verstehe]
ReinFu
K,1624;
dem was wol kvnt [der kannte sich
aus] vf dem mer Herb
3631;
ald im ûf minne ist kunt [er sich
darauf versteht]
SM:Had
12: 3,4;
dem ze ritterschaft ist kunt [wer sich darauf
versteht]
Greg
1376
2.1.3
‘jmdm. ist etw. zuteil geworden, jmd. hat etw.’
dô was den Nibelungen vil michel arbeite kunt
NibB
1058,4
(vgl.
ebd.
1393,4
unter 2.2.4).
– hierher oder zu 2.1.2:
[
den tôren
] ist niht mêre witze
kunt Iw
3269;
alrêst was im grôz angest kuont
Parz
417,10
2.2
~ werden
(2.2.1-2 ohne, 2.2.3-4 mit
Dat.d.P.)
2.2.1
‘bekannt, gesagt, erklärt werden’
diu mære wurden wîten kunt Wig
8691;
daz wirt her nâch [im folgenden
Text] kunt BdN
190,16;
als her nâch kunt wirt ebd.
194,15
2.2.2
‘jmdn. (Gen.) kennen lernen’
(so EnikWchr , Glossar, mit
~
in der
aktivischen Bed. ‘kennend, wissend’, vgl. DWB 5,2617 unter
kund
II,1,a):
dû muost ir wærlîch werden kunt / und ir minne
EnikWchr
14008
2.2.3
‘jmd. (Dat.) lernt etw. kennen, erfährt etw.’
dâ von wart im kunt / der wille sînes kindes
NibB
50,2;
dô wart sîn jaget daz rîche wol den Burgonden kunt
ebd.
939,4;
mir is schiere worden kunt / der starken minne ungemach
En
10160;
daz mir dristunt / diz selbe dinc werde kunt Pass III
44,18;
wier [...] wellen, daz offenbar und chunt
werde allen [...], daz
[...]
StRBrünn
380;
sô wart Dario chunt / von einem, der vone Tyren
entran, / daz Alexander [...] / sîne liute habete
gevangen VAlex
1020;
uns ist wol von mæren worden kunt, / wie Alexander
fuor [...] an des mêres grunt SM:
UvS
28: 2,1;
vereinzelt von einer Person:
do wart er [Christus] chunt
der menige PrOberalt
66,38
2.2.4
‘jmdm. wird etw. zuteil, widerfährt etw.’
sît wart in arbeiten kunt NibB
1393,4;
ez wirt grôz schade in beiden kuont
Parz
242,18;
ir wart ein sterben kunt Rennew
25392.
36234;
fröide grôz / wirt dâ beidenthalben kunt
[wo zwei sich lieben]
KLD: UvL
29: 5,11;
swie mir nie kein trôst wart von ir kunt SM:
Had
12: 5,4;
der muote [Kampfbegegnung] was erlâzen /
der ritter Îdêrs unz an die stunt: / diu wart im sît garwe kunt
Er
779;
dô wurden mir dîn minne kunt, / do gewan ich dizze kindelîn
SchneekindA
26;
und wart ir kurzlichen kunt / ir vil sæliger vunt
Iw
7947;
ich wânde, iz wær iu anders chunt KvFuss
841;
waz mir [...] / von minnen
ist worden kvnt Herb
11187;
baz danne im dâ vor ie wart kunt Wh
274,30;
si begunde al rôt värwen sich: / als ê was gevar ir
munt, / wart al dem antlütze kunt Parz
633,26.
– mit Gen.d.S., ‘jmd. erlebt, erfährt etw.’ (vgl. DWB
5,2617 unter kund
II,2,e):
mirn wart nie svlcher not kvnt
ReinFu
K,447;
e mir [...] / sulcher
richeit me werde kunt Brun
161
2.3
~ tuon
2.3.1
‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen, zeigen; (jmdm.) jmdn. bekannt
machen, verkünden’
(häufig in Publikationsformeln von Urkk.;
vgl. gleichbed.
~ machen unter
2.4):
ich [...] tvͦn chvnt mit disem brief
vnder minem insigil, daz [...]
UrkCorp (WMU)
39,2
mit kvrtzer rede tvn ich kvnt, / waz da gescriben
stunt Herb
10819;
si tet wîplîche fuore kunt Parz
110,28;
ein stein, des namn tuon ich iu kuont ebd.
741,12;
aldâ teter ime kunt / unde liez in gesehen / allez daz im solde
geschehen En
3618;
die [...] vrouwen tâten im
kunt / ir gruoz Wig
8660;
der wirt
tete [
im
] kunt / alle sîne swære
Iw
4454;
dem du [...] / tæte
[...] fîanze kunt [den du mit dem
sicherheit geben bekannt machtest]
Parz
86,2;
wier [...] tuen kunt [
notum
volumus esse
970A,31
] allen den,
die dizen brief lesint oder hoͮrent lesin, daz
[...]
UrkCorp (WMU)
970B,31;
er seite in unde tet in kunt, /
[...], / wie er si vunden hæte
Tr
17663;
dâ mite teterz im kunt Iw
3893;
die jâmerlîchen blicke / tet er in mit den ougen
kunt Parz
789,15;
daz wart ime dâ gitân rihte chunt VAlex
536;
daz tuon ich iu entiuschen kunt Wig
3756.
– mit Sachsubj.:
der munt / [...] tet
rœte kunt Parz
758,20;
ir rôsevarwer munt / gein mir tet sîn lachen kunt
KLD: GvN
31: 2,5;
der visch [auf dem
Wappen] tet daz kvnt, / daz sin [des
Thelogonus] lant in dem mere stunt Herb
18304;
daz buch mir kvnt tut, / die kerzen
[...] / waren von grozzer ziere ebd.
10680;
dirre brief tuͦt kunt allen [...],
daz [...]
UrkCorp (WMU)
206,25;
uns tuot diu âventiure kuont / waz
diu [Säule] wunders mohte hân
Parz
589,30.
565,6.
734,10;
der vrouwen tet ir herze kunt / daz si niht
ervuor wan lange sider Wh
291,2;
En
9293;
Herb
9698;
SM:Te
7: 3,4.
– auf Personen bezogen:
do wart er [Christus]
chunt getan von Moyse und von den wizzagen PrOberalt
13,22;
[die Apostel] taten in chunt ebd.
62,27;
tuon den
herbst [personif.] mit vollen kunt
SM:Had
18: 1,13;
e denne unser herre der heydenscheft chunt getan
wuͤrde PrOberalt
81,3;
neve, tuo den gesellen dîn / mir kunt
[mache mich mit ihm bekannt]
Parz
758,8.
– mit Präp. umbe:
Nemrot det im kunt / umb das land
HvNstAp
8834;
Wh
464,1;
ich hân in mînes willen / ein teil dar umbe kunt
getân Iw
2367.
–
sich ~ tuon:
[senkrecht in einen Brunnenschacht einfallender
Sonnenstrahl:] rihtecliche unz an den grunt /
tuͦt sih der schin mit rehte kunt RvEWchr
3039;
mit turnæien unde mit weiben / teter sich chunt dem lande
Serv
3333
2.3.2
‘(jmdm.) etw. erweisen, zuteil werden lassen’
vnde tet daz [seine
Barmherzigkeit] an einem suntigim wibe kunt
Spec
57,17;
sô minneclîch enpfâhen gehôrte man noch nie, / sô die
vrouwen beide der briute tâten kunt NibB
589,3;
daz mir nicht tuot / genâde kunt mîn frowe guot
SM:Had
36: 1,11;
dîn kraft tet uns helfe kuont Parz
752,21;
in wart strîten kunt getân NibB
1611,4;
daz wart im anders kunt getân [davon
widerfuhr ihm das Gegenteil]
Iw
3868
2.4
~ machen, ‘(jmdm.) etw. bekannt machen, sagen,
zeigen’
(vgl. gleichbed.
~ tuon unter
2.3.1):
ich mache dîn afterchunft dâ vil wîtene chunt
Gen
2522;
hie sullen wir merken, wie ein lerer welle kunt machen hab der minne
[vgl. magister [...] notificare
nitatur habitum charitatis
]
RvBib
96,18;
habt ir des ê niht vernomn, / sô lât michz iu machen
kunt Parz
682,7.
769,23;
ein rîcher munt / solt iu diz mære machen kunt
Wh
376,14;
solt ich se iu alle machen kunt, / wer dâ tôt wart gevalt
ebd.
410,6;
[Publicatio:] wir [...]
machent kunt vn̄ gewissen allen den, die dis briefe sehent, lesent ald
horent lesen, daz [...]
UrkCorp (WMU)
1624,4;
mit brieven und mit sag / machten si dem kunic kunt, / wie
er [...]
Ottok
1909;
Parz
43,20;
SM:KvL
2: 5,6.
– vereinzelt mit Dat.d.S.:
ich sol [...] iwern ougen
machen rœte kunt Parz
136,6
3
subst., ‘jmd., der bekannt ist, den man kennt; der Einheimische’,
sw(st)M.
(st. flekt. nur
PsM
54,14;
TürlArabel
*A 212,18;
Brun
5824;
Pl. außer
Exod
290;
UvZLanz
2843
)
3.1
allg.:
ouch die kunden / sach man ir zere
giezen [vgl. Dn 13,33 flebant ... et omnes qui noverant
eam
]
Daniel
7614;
daz [die zuvor Aufgezählten]
warn allez kvnde TürlArabel
*A 212,18;
mit Poss.-Pron.:
ir hêrren, dise hunde, / disen hirz und dise liute, / die
verlôs ich hiute; / nu hân ichs aber vunden: / diz sint mîne kunden
Tr
2780;
(bildl.:)
mínne ùnde ir kunden / die sint mir wol erkant
KLD: GvN
20: 3,8;
Diebalt für kêrte / zeime sînem kunden. / er gewan
[...] / ein herberge inme palas
UvZLanz
2843;
wie ez dort was ergangen, / daz sagt er sînen kunden
[Vertrauten]
Ottok
7662;
(viell. F.?)
ir megde unde ir kunden [vertrauten Personen]
Elis
6895;
Exod
290
3.2
in formelhaften Verbindungen
3.2.1
die kunden unde die geste/ vremden u.ä., eine Gesamtheit
bezeichnend:
man enpfienc [...] / die
kunden und die geste Tr
12537;
kunden, gesten disiu mære diu sag ich KLD: Dürner
3,2;
die besten / under kúnden und gesten
RvEWchr
33530;
die chunden zu den gesten StrKD
61,104;
die geste zuo den kunden Kudr
709,1;
Tr
6293;
EnikWchr
22534;
s.a. Friedrich, PhrasWB S. 156. 257f.
–
den vremden und den kunden gab er ross und guot
gewant NibB
27,4.
37,4.
1390,1;
Parz
592,11;
Helmbr
1202.
1543;
vor den kunden hal erz sêre / und vor den fremden michels mêre
LvRegFr
3460;
daz wir des vorgenanten aîgens sein gewêr sullen sein
[...] gegen vromden oder gegen chvnden
UrkCorp (WMU)
1357AB,40,39;
die vremden mit den kvnden Freudenl
86;
JMeissn
A1:9,18;
s.a. Friedrich, PhrasWB S. 434.
–
si hazten ir mage ir vrunde, / si hazten ir kunde
und unkunde Brun
5824
3.2.2
mit vriunde:
[Maria und Joseph] suchten in
[Jesus] ze ir chunden und ze ir
freunden [Lc 2,44 inter cognatos et
notos
]
PrOberalt
27,31;
beide bî den friunden und bî den kunden Renner
18428;
Tr
2599;
WvRh
1703
MWB 3,2 743,51; Bearbeiter: Bohnert
künten
swV.
bair. (s. Spec , Einl. S. CXXf.). – vgl. →
kuntesal
,
underkündel
; an. kynda, engl. kindle (s.
DWB 5,555).
1 tr., ‘anzünden’
2 intr., ‘jmdm. einheizen’ , übertr.
1
tr., ‘anzünden’
– ein Feuer:
[Abraham] worhte [...] einen
alter unde chonte dar ûf sin uiwer Spec
102,22;
[der vivrær in der chvchen
] sol den wit
haken vnd daz vivr chvͦntten UrkGeisf
436
(13. Jh.);
si wolt mit dem holz fiwer chönden PrStPaul
84,21.
– etw. Brennbares:
ob in einem marchte oder in einem dorfe ein haus oder mer schedelich
gechundet wird MGHConst
2:598,14
=
UrkWittelsb
1,144
(a. 1256 kopial 13. Jh.)
2
intr., ‘jmdm. einheizen’, übertr.:
die mynne hett ir gar gekundet HvNstAp
1869
MWB 3,2 747,18; Bearbeiter: Bohnert
1kunter
stN.
→
kunder
MWB 3,2 747,31;
2 kunter
stN.
wohl losgelöst von dem Kompos. →
kunterfeit
= afrz. contrefait oder von der halb
verdeutschten Verbindung kunters machen
Reinfr
12217
(Suolahti 1,138).
‘das Unreine, Falsche’
swaz ieman seit daz minne sî, / dâst underwîlen kunter [Hs.
conterfeyt
] bî KLD: Namenlos
n I 12,2;
[Noah verflucht Sems Nachkommen:] din kunne kunter hat
JMeissn
B1:3,13;
diu hertze mainden / ein ander ane chunder
WhvÖst
1391;
den jungen ane kunder ebd.
3587;
da wirt ûz kunter [falsche, imitierte
Würde] glentzet SM:Tu
1: 2,7;
bezogen auf Mittel zur Schönheitspflege, die die natürliche Erscheinung von
Haar oder Haut verfälschen:
gel reit grôz und langez hâr / sunder kunters machen [subst.
Inf.] schein Reinfr
12217;
wie mac diu varwe frischen / die man mit kunter birget? ebd.
12237;
ein Edelmetall verunreinigender, verfälschender Bestandteil:
swâ golt geliutert wirt alsô daz es niht mêre gunters hât
KLD: Kzl
16: 4,2
MWB 3,2 747,32; Bearbeiter: Bohnert
kunterfeit
stNF. , -fei,
-fê, -fîe
stN.
auch kunterpheit
Hiob
3070;
TvKulm
1481;
conterfeit
Parz
3,12;
Tr
12305;
MinneR 444
335;
kont-
MinneR 332
98;
gunt- z.B.
RvZw
83,11;
Jüngl
184;
Reinfr
6363.
6472;
SM:KvL
18: 3,9;
SM:WvK
1: 4,5;
gunterpheit HistAE
5053;
gunderphait WhvÖst
4092.
– stF.
Georg
3550;
Frl
4:14,10;
Ottok
215.
902.
5896;
TvKulm
1481;
Hiob
5818.
– flekt. nur Dat. Sg.
gunterfeite KvWLd
32,73
und, entstellt,
kuntirfelle EvBeh
Einl. 18
(Glossar S. 274: „Bildung wie goltvel,
silbervel”).
–
aus afrz. contrefait M. ‘Nachahmung, Abbild’ (Tobler/
Lommatzsch 2,795),
dem subst. Part. Perf.
(adj. ‘nachgemacht, gefälscht; missgestaltet’,
ebd. 2,794, Godefroy 9,183a)
zu contrefaire;
die mhd. Formen
kunterfei [: schrei
]
Renner
16599.
3988;
SummHeinr
1:245,194(App.);
-fai
BdN
474,5.
478,5
u.ö.;
cunterfe [: we
]
TvKulm
870
gehen auf eine afrz. Form mit verstummtem -t zurück;
cunterfie [: (frou) Simonie
]
Frl
9:14,2
ist im Anschluss an die Bildungen auf -îe des Reimes wegen umgemodelt
(Suolahti 1,139).
– bei artikellosem präd. Gebrauch liegt teilw. adj. Auffassung
nahe.
1
‘das Unechte, Falsche, Trügerische’
1.1 allg. 1.2 spez., ‘unreines, vermischtes, gefälschtes Gold, Metall’ , eigentl. und bildl. 2
‘das Entgegengesetzte, der Gegensatz’
1
‘das Unechte, Falsche, Trügerische’
1.1
allg.:
sô wirt ir silber zin / und wirt ir kunst ein kunterfei
Renner
16599;
di werlt ist nicht wen ein blende / und ein kunterfeit
Brun
10233;
dâ ist gelîhsenheite niht / noch gunterfeit RvZw
83,11;
freut iuch, frou Simonie, / zu Rome ist cunterfie Frl
9:14,2;
diu heilige ê ist der siben heilikeit einiu der hœhsten, die got ûf
ertrîche hât. unde dâ von sol dekein kunterfeit dar bî sîn
PrBerth
1:279,22;
daz gelîchet einem bœsen man. swer nû des lachen / strîchet an der
triuwen stein, der vindet kunterfeit Walth
29,8;
daz wir ir [früherer Meister der
Dichtkunst] steinen / den edeln und den reinen / gelîchen unser
kunterfeit RvEAlex
3181;
swer mischet und ze minne tuot / keiner slahte gunterfeit
Reinfr
6363;
der lüge gunterfeit ebd.
6472;
aller gebresten gunterfeit / dunken dich
volkumenheit [an dem Geliebten]
Minneb
849;
(konkret:)
wir haben ein bœse conterfeit [einen
wertlosen falschen (d.h. unedlen) Stein] / in daz vingerlîn
geleit / und triegen uns dâ selbe mite Tr
12305
(oder zu 1.2?);
daz ist wol halbez kunterfeit KvWTroj
2443;
(persönl.:)
din hertze daz ist unreine, / und bist ein shoͤne
kunterfeit Rennew
25157;
der ritterschaft ein swachez kunterfeit Frl
8:5,10;
trügelichez gunterfeit KvWTroj
2489.
– mit Präp.;
mit âne:
geringelt zwêne löcke reit, / die glizzen âne
kunterfeit / reht alse goldes dræte KvWTroj
19914;
mit triwen walten / der hantvest âne gunterfeit
Ottok
44023;
[Briefanrede:] geheret man ane kunterfait!
WhvÖst
18693;
ân kunterfei und âne var Renner
3988;
vergich âne allez kunterfeit / mir der rechten
wârheit HvFreibTr
2305;
er wær ân alle gunterveit, / ân valsch, ân untriw
und ân zadel Ottok
902;
âne wandels gunterfeit KvWLd
18,19.
28,23;
ân argen kunterfeit KLD: Kzl
16: 12,8;
KvWPart
10392;
FvSonnenburg
51,15;
mit in:
als dik [wie es oft vorkommt,
dass] ain man ingunterfeit / unwissenklich die warhait
seit, / der doch die warhait mainet nút / und trúget sich
und ander lút WernhMl
7945;
mit mit:
iu, herren, sî gekleit / daz mit solcher kunterfeit / der markîs mit
mir umbe gât, / und hie vor dem rîche stât / und giht er sî ein kristen
Georg
3550;
ja triuge ich nicht sam du mit diner gunterfeit Frl
4:14,10;
mit listen und mit gunterveit Ottok
42540;
der arzt [...] het mit grôzer
gunterveit / ein glisteri bereit, / dâ was der tôt inne ebd.
215.
48695.
85446;
KvWLd
32,73;
mit sunder:
daz er sunder gunterpheit / also groze erberkeit / irbot dem vremdem
gote HistAE
5053;
daz ist war / al sunder valschez kunterfeit
Brun
12222;
Hiob
3070;
mit von:
schœne varwe, niht von gunterfeit, / hât ir
lieblich angesiht SM:KvL
18: 3,9.
– Adj., ‘nachgemacht, unecht, falsch’?
manec wîbes schœne an lobe ist breit: / ist dâ
daz herze conterfeit, / die lob ich als ich solde / daz safer ime golde
Parz
3,12
(allg. adj. aufgefasst; nach S. Singer, Zs. f. d. österr.
Gymnasien 46 [1895], S. 528, bildl. zu 1.2,
‘ist das Herz von falschem Metall’);
sie blickete [...] an / den
künic Marken iren man / und was daz blicken kunterfeit
HvFreibTr
2619;
hât wol mîn herze wîsheit, / die dunket iuch doch
kunterfeit ebd.
2862;
daz dise rede icht kunterfeit / wêre ebd.
3530
(Bechstein, HvF. nimmt nur zu
2862
das Adj. an);
al mîn fröide ist gunterfeit SM:WvK
1: 4,5
1.2
spez., ‘unreines, vermischtes, gefälschtes Gold, Metall’,
eigentl. und bildl.:
electrum haizt gunderfai BdN
478,6;
daz [
gesmeid
] ist
sibenlai: golt silber gunderfai kupfer zin plei und eisen ebd.
474,5;
swes hertz ist vermachet / sam ein ertz vnd ein gunterfeit
Krone
2255;
ein kunderfeit wart mir durch schouwen vür getragen. /
[...] mich trouc sin übergulde Frl
5:121G,1;
dirr mægde rainikait / golt schinet und ist kunterfait
SHort
806;
(persönl.:)
[die Schmeichler] werden erkant als gunterfeit: / da
treuget man die kint mit. / so haben die wisen einen sit, / die kennen bi golde
valsch wol Jüngl
184;
di uz vremden sachen / daz kunterfeit kunnen machen
Brun
979;
für golt gibe ich im gunterfeit Frl
7:25,8;
er kêrt [...] von der minne
süezikeit; / er sluoc valsch und gunterfeit / ûf ir munz und ir gebræge
Ottok
21477;
überguldet kunterfeit LvRegFr
368;
di daz fyne golt mit glysendem kuntirfelle ubirzciren wollen
EvBeh
Einl. 18;
als daz golt vor dem gunterfeit / ist sînes glanzes stête
Kreuzf
7568;
[das natürlich vorkommende
gunderfai
] erkennt man [...]
gar kaum von dem gevelschten gunderfai BdN
478,12;
ain geväz, daz gemacht ist auz rehtem nâtürleichem
gunderfai ebd.
478,14.
– Adj.?
die florîn / wâren gunterfeit Ottok
34726
(vgl.
die valschen florîn ebd.
34880
)
2
‘das Entgegengesetzte, der Gegensatz’
(die Bed. scheint afrz. contrefait zu fehlen, auch mlat.
contrafactus [vgl. MlatWB 2,1765f.] bietet dafür keinen Anhalt:
„wohl ein von Gottfried eigens gebildeter Terminus”, H. Haferland,
PBB 122 [2000], S. 237):
sus wâren diu zwei conterfeit, / stætiu linge und wernde
leit, / gesellet an dem einen man Tr
5081;
die widerwarten conterfeit / zorn unde wîpheit ebd.
10259
MWB 3,2 747,51; Bearbeiter: Bohnert
kunterfeiter
stM.
jmd., der
kunterfeit
bearbeitet:
kunterfeiter bringe din zimirde, / missinc unde kopfer dringe her mit valscher
wirde, / daz din herze wolde [echten Goldschmuck] , dar
hastu nicht an Rumelant (K)
1:8,11
MWB 3,2 749,46; Bearbeiter: Bohnert
kuntesal
stN.
vgl. →
künten
.
‘Feuer, Brand’
incendium: cuntesal SummHeinr
2:342,01.16
MWB 3,2 749,51; Bearbeiter: Bohnert
kuntlich
Adj. , kuntlîche,
-en
Adv.
auch künt- (Adj.: s. WMU 1,1059;
UrkStraßb
2:189,22.
2:194,33;
UrkIndersd
65;
Adv.:
NibB
1541,4
[Kompar.];
Reinfr
23814
).
–
zu kunt Adj. (nach Ganslmayer, Adjektivderivation S. 714 wäre das Adv.
kuntlîche zu →
künde
stF. gebildet; fraglich, weil dieses meist Umlaut zeigt,
jenes nur selten);
vgl. ahd. kundlîhho Adv. (AWB 5,489).
1
‘(aufgrund eigener Erfahrung, sicherer Nachricht, verlässlichen
Zeugnisses oder allgemein) bekannt, offenkundig, notorisch’ , Adj.; auf die
Weise eines, der sichere Kenntnis hat, gibt oder nimmt (aufgrund eigener Erfahrung
usw.), ‘deutlich, genau, nachweislich’ , Adv. 1.1 attr. Adj. 1.2 präd. Adj. 1.2.1
~ sîn 1.2.2
~ werden 1.2.3
~ belîben 1.2.4
~ tuon , mit Dat.d.P. 1.2.5
~ machen 1.3 Adv. 1.3.1 bei Verben des Sagens, Nennens 1.3.2 bei Verben der Wahrnehmung, des Erkennens 1.3.3 bei verschiedenen anderen Verben 1.3.4 bei nominalen Prädikatsausdrücken 2
‘kenntlich, deutlich wahrnehmbar’ , Adj. 3
‘einem Bekannten zukommend’ (vgl.
kunt
3 ), Adj. 4
‘klug, geschickt’
1
‘(aufgrund eigener Erfahrung, sicherer Nachricht, verlässlichen
Zeugnisses oder allgemein) bekannt, offenkundig, notorisch’, Adj.; auf die
Weise eines, der sichere Kenntnis hat, gibt oder nimmt (aufgrund eigener Erfahrung
usw.), ‘deutlich, genau, nachweislich’, Adv.
1.1
attr. Adj.:
brech er daz mit einer offenlichen oder kuntlicher getat UrkCorp
(WMU)
931,10;
mit chuntlichem gewalt UrkStraßb
5:93,32
(a. 1338);
einen chüntlichen offen rawber UrkIndersd
65
(a. 1332);
vnd sv́ln nach kuntlichen dingen vnd nach warheit ein reht dar
v́ber sprechen UrkCorp (WMU)
3473,18;
daz [...] ainer da bei niht moht gesein vor
kuntlicher not [entspr. êhafter nôt
]
UrkLudw
211
(a. 1344);
und solnt leisten [Einlager halten]
[...] als guͦde burgen in kuͦntlichen
herbergen UrkWorms
2:82,8
(a. 1317);
mit [...] kuͥntlichen ingesigeln
UrkStraßb
2:194,33
(a. 1303);
kuͥntliche kornguͥlte ebd.
2:189,22
(a. 1301);
und [
man
] mahte ime einen kuntlichen
dag an gerihte, daz er queme und daz verantworte UrkFrankf
2,112
(a. 1320).
–
im seit der videlaere / diu kuntlîchen maere [die
Geschichte, die ihm (als Augenzeugen) bekannt war] , / wie
ez ergie und geschach, / wand erz hôrte und sach KlageB
4310;
noch nenne ich gotes vînde mê / mit kuntlîchen worten
hie RvEBarl
2385
1.2
präd. Adj.
1.2.1
~ sîn:
disú warheit ist als kuntlich in
erlúhten vernúnften, daz si kein anders mugen gedenken
Seuse
177,28.
179,18;
swer vmb eine vngeclagete wunde, die kv́ntlich ist, ergriffen
wirt UrkCorp (WMU)
N238A,3;
kvntlich oder verholn ebd.
207,23;
kv́ntlich vnd offen ebd.
N49,16;
kv́ntlich vnd werlich ebd.
1953,10.
1174,4;
mit Dat.d.P.:
daz is genûgen kuntlîch En
13505;
mir ist wol kvntlich: / zv Troyge was ein kvnic rich,
/ min alder fater Laomedon Herb
5941;
dat uns dise vorgeschreven rede kuntlich is UrkSiegen
85
(a. 1314);
UrkCorp (WMU)
1788AB,17,16.
– auch mit dem Adv. (vgl. DWB 5,2632 unter
kundlich
2,a,#G+g#G-):
es wer dan, das es schynber und kuntlichen wer, das er vor
vindschaft gegen im getragen het StRSchlettst
40;
viell. auch
jch [...] tuͦn kuͦnt
offenlichen [...], daz mir kuͤntliche
vnd wizzentliche ist, vnd ez auch gesehen vnd gehort han
UrkWürzb
41,111
(a. 1345)
(oder unflekt. Adj. mit epithetischem
-e)
1.2.2
~ werden:
daz muͤst da allez werden offenbære, / kuntlich der werld ze
sehene JTit
Marlb. 11,4;
das das kuntlich wurde vor dem obman vnd vor dien schitlúten
UrkCorp (WMU)
N243,6.
1780,19
1.2.3
~ belîben:
dur daz disú gifte vnd disú gedinge kúntlich
vnde stæte beliben UrkCorp (WMU)
541AB,42;
kuntlich vnde wissentlich ebd.
2032,32
1.2.4
~ tuon, mit Dat.d.P.:
ouch tut vns Seneca kuntlich, / wi der stete man si
vnuerwuntlich Elmend
A 813
1.2.5
~ machen:
daz einem chlager [...] daz reht in der
selben stat [...] verzogen wurde und daz der
chlager kuntlich macht StRMergenth
129;
wo man das kuntlich mag gemachen mit erbarn luten
UrkStraßb
4,2:20,9
(vor 1311);
kuntlich vnd werlich UrkCorp (WMU)
1290,5;
UrkSpeyer
329,4
(a. 1330)
1.3
Adv.
(s.a. 1.2.1)
1.3.1
bei Verben des Sagens, Nennens:
si begonden im diu mære sagen küntlîcher baz
NibB
1541,4;
von den verwern kan ich niht gesagen / kuntlich, wan ich hâns niht
gesehen Ammenh
11553;
RvEWchr
4206;
RvEBarl
3327;
Flore (P)
6920;
Ottok
40131
u.ö.;
~ verjehen
UrkCorp (WMU)
3212,41;
KvWTroj
47695;
wer dirre unt jener wære, / daz wurden wîtiu
mære, / solt der kristen und der Sarrazîn / kuntlîche dâ genennet sîn
Parz
699,30.
700,7;
Flore (P)
3123;
MinneR 481
462;
~ antwürten
Ottok
32556
1.3.2
bei Verben der Wahrnehmung, des Erkennens:
Anêpolis, ein vürste hêr, / begunde sûmen sich niht
mêr / er sæhe ie kuntlîche dar. / Alexanders nam er war, / sîn antlütze im
was erkant RvEAlex
6543.
6564;
mit mînen beiden ougen ich kuntlîchen sach, / daz sie
[die ihm erschienenen hll. Peter und Paul] ze
mîner angesiht verswunden Loheng
6362.
6945;
RvEBarl
7691;
RvEGer
2624;
WhvÖst
7165;
MvHeilGr
132;
~ ersehen
Parz
746,23;
~ hœren
Loheng
4187;
~ entvinden
KvHelmsd
4401;
~ ervarn
Ottok
28597;
~ ervinden
ebd.
57697;
~ vernemen
ebd.
17081;
~ inne(n) werden
ebd.
61106;
Seuse
119,11.
142,29;
ein ieglich kristenmensche solte sie [die Zehn
Gebote] gar wol wizzen unde gar küntlîchen erkennen
PrBerth
1:274,39;
Flore (P)
3711
1.3.3
bei verschiedenen anderen Verben:
man list dâ kuntlîche / ir namen und ir rîche
Wh
464,27;
JTit
448,4;
Ottok
80330;
daz mere, daz an dem seil geschriben stuͦnt kuntliche
JTit
1474,4.
6068,1;
Ottok
33973.
–
swaz dâ was ergangen, / kuntlich er in daz
wizzen liez Ottok
20646;
etw.
~ wizzen
Reinfr
19860.
23814.
–
dô er von der reinen sprach / die er unwizzende vor im sach
[...], / ir herze sich gein im entslôz, /
darîn sie in kuntlich nam UvEtzWh
6991.
–
kuntlich ersichert und erfunden BairFreibr
9;
in yrre danne ehafte not, di her kuntlich muge bewisen
UrkLandfr
24
(a. 1338);
und habend uns des chuntleichen mit iren briefen
und urchünden underweiset StRMünch
553,22;
~ vürbringen
UrkCorp (WMU)
N150,28;
StRAugsb
263,18.
–
vnd su̍llen dann ich oder min erben die vorgenanten haller
alle kuntlich anlegen, wenden vnd keren an gewizze gu̍lt
UrkWürzb
45,135
(a.
1338)
1.3.4
bei nominalen Prädikatsausdrücken:
daz ist kuntlich war Seuse
158,10;
do in wart kuntliche schin / sin muͦt
RvEWh
5235;
RvEGer
2338;
~ gewar werden:
ebd.
3048;
UvEtzWh
7410;
Ammenh
19178;
UrkFriedb
126
(a.
1334)
2
‘kenntlich, deutlich wahrnehmbar’, Adj.:
wâpenroc und kovertiure al ein, / beide genuoc kuntlîch Er
2340
(vgl. Bech, Er. z.St.);
si truͦg dú kuntlichen wortzeichen
[Striemen wie von Geißelschlägen] mit grossem smerzen
vil zites Seuse
44,22;
gib ein kuntlichs urlob aller der
gespilschaft [die dich vom geistlichen Leben wegführt]
ebd.
372,7.
–
nû was der heidenschefte bane / von huofslegen sô wît
erkant, / daz man si kuntlîche vant Wh
440,14;
dc si den selben schait bestatent, wan siv die markstaine kuntliche
vúndent UrkCorp (WMU)
1308,14
3
‘einem Bekannten zukommend’ (vgl. →
kunt
3), Adj.:
Kingrûn sach dicke / an in kuntlîche
blicke [Blicke wie die eines Bekannten]
Parz
219,6;
[weil er einen fremden Harnisch trug] bekant in niht sîn
selbes wîp [...], / swie kuntlîche rede er ir bôt
Wh
82,2
4
‘klug, geschickt’
(vgl. →
kündelich
, kündic
3, kündiclich
2).
– Adj.:
als er sî [die trügerische
êre
] danne ergriffen hât, / sô muoz er haben wîsen rât /
mit kuntlîchem sinne / dazs im iht entrinne RvEAlex
14977;
die tiefe der abgrúnde / hat [Gottes
hêrschaft
] in kuntlichir kúnde / beslozin
und gemezzen RvEWchr
38;
di aber geúbet an dirr andaht sint und chundlich im gaist
MvHeilFr
18.
– Adv.:
er kunde küntlîche / verdecken sînes herzen zorn / mit schœnen
worten ûz erkorn MargAntioch IV
432;
wie chuntlichen er daz verhelen chan mit listichlicher glichsenheit
Baumgart
142,16
MWB 3,2 749,53; Bearbeiter: Bohnert |