krîen
stV. (Ib)
auch sw. (
WhvÖst
14440,
Wh
391,5
);
auch krein (HvNstAp ); zum Pl.Prät. kriren (
Helbl ) s. Weinhold, Bair. Gr. § 268;
aus afrz. crier (Suolahti 1,132, Rosenqvist 1,140).
‘laut schreien; den Schlachtruf ( →
krîe) erheben’
wan er sin wapen fuͦrte, er krey ouch sine krie JTit
4766,1.
4926,1
u.ö.;
‘Rîchersdorf!’ sie kriren [:
schriren
]
Helbl
15,353;
der uz zog wart beschriet: / manic wapen knappe kriet / dem erz
gunde, sinen krie WhvÖst
14440;
dâ mit strîte ê sêre was gekriget [La.
gekrîet, wo man kämpfend laut geschrien hatte]
Wh
391,5
(s. Heinzle, Wh. Anm.z.St.);
TürlArabel
*A 44,4;
Virg
1040,3.
1047,1;
BraunschwRchr
3366.
2110
u.ö.;
– subst.:
doch hôrte der herre ir krîen: / ofte sie dâ schrîen
Kreuzf
4103.
2213;
nu hub sich ain krein, / ain wain und ain schrein, /
[...] von dem gesinde uber all HvNstAp
2459;
wie manger hande krien hal uz ir aller sprachen JTit
870,1.
4171,1;
do hup sich ein gekrien / von der minneclichen maget, / daz nie so sere wart
geklaget SchülerB
370;
WhvÖst
10266
MWB 3,2 594,26; Bearbeiterin: Herbers
krîer
stM.
→
kroijierære
MWB 3,2 594,47;
krîf
Subst.
Bedeutung unklar:
daz ist ûf die meinung getân, / daz daz povel [Volk]
niht anders tuo, / dann daz ez emziclîchen zuo / sînem hantwerk grîfe / mit ernste und
mit krîfe HvBer
9595
MWB 3,2 594,48; Bearbeiterin: Herbers
kriffen
swV.
→
gripfen
MWB 3,2 594,52;
krîgen
stV. (Ia)
teilweise nicht von →
kriegen
swV. zu unterscheiden (vgl. DWB 5,2223; Pfeifer,
EtymWB, 734).
1 (mit körperlicher oder geistiger Anstrengung) ‘streben, trachten’ , meist mit Präp.-Erg. 2
‘etw. bekommen, erreichen’
3
‘mit jmdm. streiten, kämpfen’
1
(mit körperlicher oder geistiger Anstrengung) ‘streben, trachten’, meist
mit Präp.-Erg.:
daz mir icht geschege als dem arn, / der do kegen der sonnen
kriget, / wen her also ho gestiget Brun
2407.
9091;
daz sprichet zu dute hemelstigen, / di alle hin zu hemele
krigen / und sin irdische libe vri ebd.
5620.
8590;
ein man, der nâch den esten [eines Baumes] kreic, /
dar an er vaste ze berge steic UvEtzAlex
25961.
22636;
der wirt dô mit vlîze kreik, / daz er die sueze minne / verstæle
RvMunre
1126;
wie si zuo dem tôde kreik [Selbstmord verüben
wollte]
Frauentrost
185;
wir wollen [...] dar nach immer
crigen / alhi uf der erden, / wi wir gehohet werden / bi unserm herren aldort
Pass I/II (HSW)
37330;
wand si hat wider mich gecrigen / und mine botschaft dir
verswigen ebd.
40591;
dar vmbe so sol der mensche tvgent minnen vnd in leben vnd nach in krigen als
armuͦt vnd diemuͦt RvBib
13,5;
HvFritzlHl
125,12;
NvJer
18403.
12702.
11580
2
‘etw. bekommen, erreichen’
nu wolde er [Augustinus] ouch an eren vrumen
[wachsen] , / ein teil uf baz stigen, / und also daz
gekrigen / zu Rome in der houbtstat Pass III
417,84
3
‘mit jmdm. streiten, kämpfen’
die sich heten angenumen / mit im zu sprechene von kunst, / die vunden sulche
vernunst, / die Stephanus der gute man / liez under sie mit witzen gan, / daz ein
ieglicher gesweic / und nicht vurbaz mit im kreic; / und musten im gar den sig lan
Pass III
38,44;
und wan der leydeger ouch
creyk [
disceptaret Iob 34,19] / mit dem
armen und uf in steyk, / daz siet alles sin tyfer rat, / wan si sint sine hantgetat
Hiob
12875
MWB 3,2 594,53; Bearbeiterin: Herbers
krîieren
swV.
→
kroijieren
MWB 3,2 595,24;
krîirer
stM.
→
kroijierære
MWB 3,2 595,25;
krim (?)
stM.
→
grim
stM. 1.2
MWB 3,2 595,26;
krimme
swMF.
auch grimme.
‘Bauchschmerz, Bauchkrampf, Kolik’
Aristotiles spricht, daz des wolfes pluot und auch sein mist
guot sein für den grimmen in dem leib, den man haizt die permuoter und haizt ze
latein colica BdN
147,20;
du salt merken, dat harne rot wert itzwanne von groter suke,
alz in der bermoter eder von grozer grymmen, daz doch nicht hitte bedudet
OvBaierl
36,15;
yliaca: grim, krimme [Laa. grim,
krimmen
]
VocOpt
43.075
MWB 3,2 595,27; Bearbeiterin: Herbers
krimmen, grimmen
stV. (IIIa)
zur Vermischung der beiden Wortfamilien s. DWB 5,2307-2310;
gran
Wigam (B)
1478.
1
‘krümmen, krumm machen’
2
‘(jmdn./etw.) (mit gekrümmten Klauen/ Fingern, gekrümmtem Schnabel)
packen, verwunden, kratzen, kneifen’
2.1 von Tieren 2.2 von Menschen 3
‘jmdn. drücken, zwicken; schmerzen’
1
‘krümmen, krumm machen’
er vederspil, / daz grimmet und doch niht vahen wil Jüngl
922.
– refl.:
ez tete ir an im sô wê, / daz si sich gram Mai
227,4;
wie tier sich grimmen, wie vische fliezen Renner
11102.
– übertr. auf (gekrümmte) Fortbewegung ‘kriechen,
krabbeln’
die geiste, die dâ mit ir scharn / in wazzere unde in luften varn, /
kriechen unde krimmen, / loufen oder swimmen, / swie sie got geschaffen hât
Kröllwitz
1047.
1009
2
‘(jmdn./etw.) (mit gekrümmten Klauen/ Fingern, gekrümmtem Schnabel)
packen, verwunden, kratzen, kneifen’
2.1
von Tieren:
diu taub reizt niht noch grimmt mit irm snabel und ist ân
gallen BdN
179,27;
der adlar [...] beiz unde gram Wigam
(B)
1469.
1478;
do div chra die rede vernam, / vor zorn si in den ast gram
FabelCorp
22,44;
dâvor sol er dem raben decken / ougen nasen unde munt, / daz im das âs iht
werde kunt / daz in der werlde swimmet, / wand er mit der klâ grimmet / und
bîzet mit dem snabel drin LvRegSyon
2404;
KvWTurn
560;
Dulcifl (N)
447.
–
nû begund der gîr und der ar / einander bîzen unde grimmen
Wigam (B)
1474;
die [Krähen] woltt er
[Falke] nitt verbaren / und gram sy mitt
schalle / do ze tod alle GTroj
8395;
waz arn ez sy, der mich da grymme
Minneb
5104.
5313;
PrBerth
1:484,16.
– Part.Präs.:
ouch tar keyn koufman odir hantwerkis man haldin eyn hunt odir eyn
krymmenden vogil MarcoPolo
25,18
2.2
von Menschen:
der lantgrâve Kyngrimursel / gram durch swarten unt durch
vel Parz
411,8;
[als Trauergeste:] hende unde vuezze / grimmen er
began Rab
893,2;
die zwêne kampfgeverten / sich beide vaste werten. / nu bîzâ, bîz! nu
limmâ, lim! / nu kratzâ, kratz! nu krimmâ, krim! Schrätel
258;
[wird den vier Bannwarten bei einer Pfändung Widerstand
geleistet,] sont die viere krimmen und kratzen daz in ein
pfant werde UrbEls
360.
–
ir muter Ecuba [...] beiz
vnde cram / allez, daz ir zv quam, / zv handen oder zv mvnde
Herb
16486;
ein tuvel in den menschen quam / so, daz er beiz unde gram / sich
selben Pass III
482,18;
so vechten si denne vor sich hin. si stechen oder slahen sich, si
bizen oder crimmen sich StRFreiberg
166,8;
StrKarl
7101
(La.);
Schrätel
260.
232;
Hiob
11527.
– subst.:
sin grymmen und sin crabeln / durch greyf mich
gentzlich in unguͤt Minneb
5268.
– bildl.:
mit den sinen er durchbrach / die haiden
[...] / man hort die banier snurren, /
oͤrsh und man da kurren, / die der tot so grimt WhvÖst
17693
3
‘jmdn. drücken, zwicken; schmerzen’
wie manic angst, wie manic smerze / dich grimmet, twinget tac und naht / den
du niht wol entrinnen maht! Renner
8019;
ich bin siech und ungesunt; / ez grimmet mich zem herzen / und lide grozen
smerzen Reiher
289;
mich grimmet unde zwirget / daz jâmer in dem sinne Reinfr
9226;
en sere krymmet in deme lyue na deme dranke
OvBaierl
24,12.
43,18.
– ohne Akk.:
daz saf gesote mit getruckentin winbern hilfet genutzet
wider dem, daz in dem buche grimmet Macer
52,9.
7,3.
– subst.:
daz selbe pulver mit ezsege genutzet vertribet daz grimmen
unde daz curren in dem buche Macer
32,6.
48,11
MWB 3,2 595,37; Bearbeiterin: Herbers
krimpf
Adj.
‘krumm’
die nagele [von Cundrîes
Fingern] wâren [La. warn crimp
und
] niht ze lieht [...], / si stüenden
als eins lewen klân Parz
314,7
MWB 3,2 596,38; Bearbeiterin: Herbers
krimpf
stM.
s.a. →
krampf
(zur Verwandtschaft der Formen s. DWB
5,2012).
‘Zusammenziehung, Krampf’
bewilen hette er vnmut, / leit vnd swere, / vngedult vnde
vngebere, / augen crimf, / nasen rimf Herb
1537
MWB 3,2 596,41; Bearbeiterin: Herbers
krimpfen
stV. (IIIa)
krimpen (Mechth , MynnenR ,
Eckh ), krinpfen (Martina ).
‘krampfhaft zusammenziehen’
ir was der hals und diu kele / swarz unde gerumphen. / si selbe was
gescrumphen [La. gecrumphen
] / in bôseme
gewande En
2738;
der licham swiste unde kramp in der pine
Mechth
4: 12,84;
min adern krimpfent ebd.
2: 25,90;
MynnenR
148.
– etw. (sich) ~ :
vor grimme ich die hende krampf BFrau
341;
wan daz machet [...] die alten hut gekrunpfen / div
vor was eben vnde sleht Martina
263,92;
die âdare sich zesamine chrumphen, danen begunde er
limphin [hinken]
Gen
1546;
dô begunder sih cremfen / und di nase remfen
SAlex
2121;
der [...] sich krampf als ein wurm
HBirne
279;
de erde [...] hait sych gecrumpene in eynen wynkele
Eckh
1:233,6;
Helbl
7,1065;
Krone
12126;
KvWPart
6107;
JTit
4929,1.
– mit Dat.d.P.:
alsus wart sich im crimpfen / ein bein, wand in twanc di
gicht Pass I/II (HSW)
30736
MWB 3,2 596,46; Bearbeiterin: Herbers
krimvogel
stM.
auch crin-.
‘Greifvogel’
mir ist beschehen als einem ergremten voͤgellin, daz under
eins krimvogels klawen lit und von sterbender not sinnelos worden ist
Seuse
282,10;
dem adelarn von Rôme werdeclichen ist gelungen, / wan er
crinvogel ein wunder hât mit sîner craft betwungen KvWLd
32,317
MWB 3,2 597,1; Bearbeiterin: Herbers
crinâle
stN.
aus lat. crinale
‘Haarschmuck’ (s. Suolahti 1,132, Felder, Krone, S. 61).
‘Helmschmuck’
di helm beleit / mit reichen crinalen Krone
667;
da was von rot und von gel / vil manig panier, / deke vnd chropier, / waffenrok
vnd crinal / von timeit [
→
timît, ein Seidenstoff] vnd von zendal / wæhe gebarriert
ebd.
732
MWB 3,2 597,8; Bearbeiterin: Herbers
krinc
stM.
vgl.
1kranc
.
‘Kreis, Bezirk’
manger wênet ein meister sîn / binnen sîme krenge
[Kampfkreis] , / der kûme blibe eyn meysterlîn, / lîfe her
mit mir die lenge SSp (W)
Reimvorr. 94
MWB 3,2 597,15; Bearbeiterin: Herbers
kringeleht
Adj.
‘gedreht’
der liz buwyn [...] czwene turme von steyne x schrete ho
unde woren in der hoe kryngelecht, und czu obirst hattin si vil glockilin
MarcoPolo
36,24
MWB 3,2 597,19; Bearbeiterin: Herbers
krinne
swstF.
‘Kerbe, Einschnitt’
1 für die weibliche Vulva 2 als Flurname
1
für die weibliche Vulva:
diu minn diu tuot uns fröud bekant, zorn der muoz ir
entrinnen. / got der beschuof mit sîner hant / den nagel zuo der krinnen KLD:
Kzl
17: 4,4.
– als Schimpfwort für eine Frau:
si sprach: ‘wê gescheh der
krinne [Helena] , / dâ von Troy brinne!’
EnikWchr
16883
2
als Flurname:
vmb die alben ze der Chrinne, Hirzwisen, Dvrrenekke, Aufhorn sprech wir
UrkCorp (WMU)
631,27
MWB 3,2 597,23; Bearbeiterin: Herbers
krinnel
stM.
‘Locke’
[das Haar] hat sulich krynnel, / als ez von einer spinnel / sy
hubsch her ab gezogen Minneb
4453
MWB 3,2 597,32; Bearbeiterin: Herbers
krinnen
swV.
‘Einkerbungen (
krinne
swF.) machen, einritzen’
er snitzet, er krinnet, er macht scharten / in den tisch: daz ist unhubescheit
Jüngl
538
MWB 3,2 597,35; Bearbeiterin: Herbers
krip
stF.
zu afrz. crope (vgl. Pfeifer, EtymWB, S. 739).
‘Pferderücken, Kruppe’
Lancelot stach yn vnder die kelen, so das im die glene den schilt vnd die kele
zuhauff negelt, vnd der ritter fur dem roß vber die krip vff ihen erden
LancKarr
1411
MWB 3,2 597,39; Bearbeiterin: Herbers
kripfelîche
Adv.
‘hastig, eilig’
raptim: kripfelich GlGerm
18,68
MWB 3,2 597,44; Bearbeiterin: Herbers
kripfen
swV.
→
gripfen
MWB 3,2 597,46;
kripfic
Adj.
→ gripfic
MWB 3,2 597,47;
kripfzan
stM.
‘Eckzahn’
dens caninus: kriphzan, kripfzan VocOpt
1.068
MWB 3,2 597,48; Bearbeiterin: Herbers |