kriuzigen
swV.
1
‘kreuzigen, ans Kreuz schlagen’
1.1 jmdn. 1.2 etw./sich jmdm./etw. (Dat.) , nur in RvBib als wörtliche Nachbildung der lat. Vorlage 2
‘peinigen, martern’
3
‘jmdn./sich mit dem Kreuz kennzeichnen; das Kreuzzugsgelübde ablegen’
1
‘kreuzigen, ans Kreuz schlagen’
1.1
jmdn.:
do vnser herre der gotes svn hangete an dem krvce, do bat
er antlazes sinen vater den almæhtigen got den ivden, die in krvcigoten
Spec
26,4;
andre di zvene / di crucigte man bede Glaub
1851;
in krüzigt diͤ heidensch ridderschaf
MarlbRh
23,35.
23,26;
des menschen sun wirt hin gegeben, / daz man gecrucige yn
gar eben EvStPaul
1586.
14331;
sú schrúwent: ‘crúczege,
crúczege in! [Lc 23,21] / also tuͦ im
todes pin!’ WernhMl
9247;
EvBerl
26,29;
EvPerikZürich
67;
EvPass
244,14.
240,8.
–
der sit under mennisken gîe / v̄ sih crucigen
lie / durh liebe der christenheit Wernh
D 1196.
– passivisch:
daz ín húngerôta unte dúrsta.
daz er mûodêta. daz ér gecrúcigot uuárt. unte
erstárb Will
93,11;
suochet ir Jêsum, der gekriuziget ist - er enist niht hie
[vgl. Mc 16,6]
Eckh
2:174,1;
Jhêsus Crist / durch uns gecrûziget ist
Kreuzf
258;
Spec
84,14;
PrMd (J)
343,13;
SuTheol
184
1.2
etw./sich jmdm./etw. (Dat.) ~ , nur in RvBib als wörtliche
Nachbildung der lat. Vorlage:
ein solicher beschower waz sant Paulus, do er sprach: ‘dv̍
welt ist mir gekrutzgot vnd ich der welt’ [
mihi mundus
crucifixus est et ego mundo Gal 6,14] . dis
betu̍t sant Gregorius vnd spricht: ‘dv̍ welt was im
gekruzigot, want si was an sinem herzen tot vnd minnet si nu̍t. er hat
sich selben der welt gekruzigot, want er erzoͮget sich also der welte
[...].’ RvBib
88,1ff.
2
‘peinigen, martern’
jn der dritten wile wart unserme herren die durnine crone uf
gesezzet vnde wart uon den iuden mit den zungen gecrúceget vnde wart mit dem
besime gevillet Lucid
80,3.
– jmdn.:
wen daz sie crucigeten sie / mit martern an vumf manden
HeslApk
13856.
13963;
‘si súllent’, sprach s. Paulus,
‘iren lichamen haben gekrúzigot mit allen sinen
lústen’ [Gal 5,24]
Tauler
210,25.
234,1.
– subst.:
er ruͦft zuͦ im an daz krúz mit
bitterlichen trehen und sprach also: ‘owe, min herr und min got, sol und
muͦss ich aber ein núwes krúzgen mit dir erliden
[...].’ Seuse
87,11
3
‘jmdn./sich mit dem Kreuz kennzeichnen; das Kreuzzugsgelübde ablegen’
so tvͦn wir och allen den, die sich crucigent vn̄ lihte
sterbent, e dc div vart beginne oder ende, die gnade, dc sie tailhaftic sin aller
der gnade UrkCorp (WMU)
93,6;
die gecruciget sint oder werdent ebd.
93,11
MWB 3,2 626,33; Bearbeiterin: Herbers
kriuzigunge
stF.
‘Kreuzigung’
uch ist darinne gesaget / [...] sin kruzegunge und sin
tot, / sin urstende und sin himelvart Pass III
5,4
MWB 3,2 627,15; Bearbeiterin: Herbers
kriuzliet
stN.
‘Kreuzfahrerlied’
er singet kriuzliet twingliet schimpfliet lobeliet rüegliet alse ein man / der mit
werder kunst den liuten kürzet langez jâr KLD: RdF
3:1,5
MWB 3,2 627,18; Bearbeiterin: Herbers
kriuzlinge
Adv.
‘kreuzweise, in Form eines Kreuzes’
swelich ros ain ays [Geschwür] hat, den
durch prinn chreutzling und la swebil dar in mit ainem hayzzen eysen
Albrant
1,10.
3,27.
– mit ausgebreiteten Armen:
[er] viel nider ûf den estrîch / kriuzling und bat
klegelîch / die almehtigen gotheit EnikWchr
11868;
dy fraw viel chreuczling nyder / gegen dem sarich pider / und rüft sand
Stephan an Hawich
2961.
3935
MWB 3,2 627,22; Bearbeiterin: Herbers
kriuzloht
Adj.
‘kreuzartig’
er [
coralle
] ist auch den
pœsen gaisten wider, und daz ist leiht dar umb, daz er dick kräuzlot ist und sein
est hin und her schrenkt BdN
439,22
MWB 3,2 627,31; Bearbeiterin: Herbers
kriuzphenninc
stM.
‘kirchliche Abgabe (für die Messe), die an einem Kreuzgang entrichtet wird’
denarios dictos krüzephenninge, quos recepit de ecclesiis Gyswil et Alpenach
SchweizId
5,1124
(L Propsteiurk.; a. 1330)
MWB 3,2 627,35; Bearbeiterin: Herbers
kriuzrestetac
stM.
ein kirchlicher Feiertag:
so sint zwen chirchtag da, ainer an dem chraevtzresttag, der ander an Jacobstag
UrbBayJ
483
MWB 3,2 627,40; Bearbeiterin: Herbers
kriuzstap
stM.
Stab mit einem Kreuz:
dô sach man manegen kriuzstap / dâ den pfaffen an der hant KlageB
2354
MWB 3,2 627,43; Bearbeiterin: Herbers
kriuzwëc
stM.
‘Wegkreuzung’ oder ‘Weg mit Wallfahrtsstation’? (s. WMU
2,1048):
vnde ein zweiteil [
ackers
] stoset vber den
crúceweg bi Wiriche von Biloluesheim UrkCorp (WMU)
N722,7
MWB 3,2 627,46; Bearbeiterin: Herbers
kriuzwurz
stF.
s.a. AWB 5,427.
1
‘Kreuzkraut’ (vgl. Marzell 4,276) 2
‘echter Speik’ (vgl. Marzell 4,989)
1
‘Kreuzkraut’ (vgl. Marzell 4,276):
cardus benedictus senecion: cruceworz Gl
3:538,48
2
‘echter Speik’ (vgl. Marzell 4,989):
saliunca.i. spica celtica: crucewurz Gl
3:545,9
MWB 3,2 627,50; Bearbeiterin: Herbers
kriʒeln
swV.
‘mit feiner Stimme schreien’
die selben ich dir nenne / nâch einer vensterhenne [spöttisch: Frau,
die den ganzen Tag aus dem Fenster schaut] ; / diu krizelt von ir man /
nâch einem andern han Helbl
1,1338
MWB 3,2 627,55; Bearbeiterin: Herbers
1krîʒen
stV. (Ib)
‘kreischen, schreien’
[eifrige Spieler eines Kugelspieles:] si krîstent unde
krîzent Renner
11422
MWB 3,2 627,60; Bearbeiterin: Herbers
2krîʒen
stV. (Ib)
1
‘eine Kreislinie machen’ (s.
1kreiʒ
1 ) 2
‘kratzen’
1
‘eine Kreislinie machen’ (s. →
1kreiʒ
1):
vmme ein vihe her sal eynen kreiz krize an deme margkete vnd sal swere daz her
iz da gekouft habe lichtiz tages StRSaalfeld
4;
und [er] setze in
[Häftling] uffe einen stûl
[...] und sol einen creizze umme den stûle criezzen, dâ
er sich inne di twere und di lenge gestreken muge StRZwick
192;
wir wiszent niht, wa du gast hin. / wie mohten wir gewiszen,
/ wa si der weg gecriszen [kreisförmig vorgezeichnet] ?
EvStPaul
13555
2
‘kratzen’
do sprach di tochter zu hant / nv kerit uch vmme vnd criset di want
Sibote
204b(Hs. K2).
629(La.)
MWB 3,2 627,63; Bearbeiterin: Herbers
krocanier
stN.
evtl. Nebenform zu kroijier? ( →
kroijierære
stM. 2; s.a. Suolahti 1,
136).
– Teil der Rüstung:
sie hetten pancir, kollir, / krocanir, testir, / armysen vnde
platen Herb
4736
MWB 3,2 628,12; Bearbeiterin: Herbers
kroch
stM.
zu
kriechen
stV.
‘Schrittchen’ (Glr.):
gen [...] einen kroch MinneR 444
242
MWB 3,2 628,16; Bearbeiterin: Herbers
kröchen
swV.
‘drücken’
ir helm waren yn zurslagen und gekrochet biß in die schwarten
Lanc
330,4;
das sich der helm biß off die nasen crochete und jhener in
onmacht viel ebd.
353,29
MWB 3,2 628,18; Bearbeiterin: Herbers
krochzen
swV.
‘krächzen’
merraben [...] habent den namen von ir
stimm, [...] wan si krochzent mit der prust als die raben
BdN
250,4
MWB 3,2 628,22; Bearbeiterin: Herbers
crocota
Subst.
hier: cocrota.
‘Leucocrota’, ein Fabeltier (s. Anm.z.St. bei Hamm, Lucid., S. 142):
jn dem lande ist ein tier, daz heizet cocrota. daz ist uor
gescafen alse ein esel vnde het fuͦze alse ein ros vnde het zuo falcen an
deme horne vnde het bein als ein lowe Lucid
26,3
MWB 3,2 628,25; Bearbeiterin: Herbers
kroden
swV.
→ kroten
MWB 3,2 628,31;
kroije
stFM.
→
krîe
stF.
MWB 3,2 628,32;
kroijierære, kroijier,
krîer, kreier
stM.
Ableitung zu →
kroijieren swV. (Suolahti 1,135; Rosenqvist 1,142);
viele verschiedene Schreibungen möglich, z.B. kroierer,
kroyerer, croirære, grôgierære,
krôgierer, kroyer, grôier, krîger,
krîgierre, kreiger.
1
‘Ausrufer, Herold’ (der die
krîe stF. erhebt) 2
‘Erkennungszeichen’ , evtl. Helmschmuck (nur in der verkürzten Lemmaform, s.a. Suolahti 1, 134)
1
‘Ausrufer, Herold’ (der die →
krîe stF. erhebt):
dô wart ouch geruofen mê / von der kroirære schrê, / hie: Babilôn! dort:
Ubiân! ErnstD
4830;
die krîer lûte riefen Reinfr
616;
die krîger vast grôierten / ûf in ebd.
856.
2036;
ir baider týoste liefen mitte / vil grogierer nach ir
sitte / und riefent mengen stolzen krie RvEWh
6462.
6397
u.ö.;
die croirære / vor den rîtern schrîent sêre / ‘zâh schewaliers, rîter
guot, / edel und ouch hôh gemuot’ WälGa
3647;
di kroyer hort man schrein HvNstAp
18707;
WhvÖst
14933;
die grôier liefen hie unde dâ: / si schrîten: ‘wâ nu, wâ nu, wâ / ein
ritter, der tyostyrens ger? / [...]’
UvLFrd
69,17.
82,9.
– bezogen auf die Zugehörigkeit zu den Fahrenden, die für
ihre Tätigkeit als Herold mit Geschenken belohnt werden (s.a. Bumke, Höf.
Kultur, S. 369f.):
die grôjerære, / die sich nennent lantvarære
Ottok
74977;
für wâr ich iu daz sagen wil, / dâ wurden krôgierer gefröut, / wand ûf den
anger wart geströut / samît, gesteine und edel golt KvWPart
14533;
sîne liehten baniere / wârn den krîgierren worden. / daz
was wol in ir orden Parz
81,13.
32,17;
WhvÖst
10273
2
‘Erkennungszeichen’, evtl. Helmschmuck (nur in der verkürzten
Lemmaform, s.a. Suolahti 1, 134):
schiltknehte, die mit guoten siten / ie zwêne bî ein ander riten: / die
fuorten sper und kreiger dâ Reinfr
633;
mit des speres spîle / er dem getouften ruorte / daz houbet unde fuorte / die
croier an dem schafte dan ebd.
17343
MWB 3,2 628,33; Bearbeiterin: Herbers
kroijieren, krîieren,
kreiieren
swV.
aus afrz. crier (Suolahti 1,134; Rosenqvist 1,142);
viele verschiedene Schreibungen möglich (vgl. Vorderstemann, Fremdw., S. 159ff.),
z.B. krogieren, krojieren, grôieren,
grogieren, groyieren, kreigieren,
cregîrn.
1
‘laut schreien, den Schlachtruf (
krîe stF.) erheben’
2
‘schreien (Schlachtruf ausstoßen) und dadurch Lohn erhalten’ ,
bezogen auf den Umstand, dass (fahrenden) Herolden durch ihr Lohn zusteht
1
‘laut schreien, den Schlachtruf ( →
krîe stF.) erheben’
wîlen hôrt man kroyieren sô: / ‘heyâ ritter, wis et frô!’ / nû
kroyiert man durch den tac: / ‘jagâ ritter, jagâ jac! / stichâ stich! slaha
slach! / [...]’ Helmbr
1025f.;
abe einer wende nam er / beide schilt unde sper / und begunde kroiieren, / als
er wolde buhurdieren Er
3082;
ez liefen kreiierende hie / behender garzûne gnuoc
Iw
7106;
er [...] lie
[...] punierende crôieren: / ‘schevalier
damoysêle! / ma blunde Îsôt, ma bêle!’ Tr
9164;
do gehôrt der kurtoyse / Munschoy kreiieren / in den rivieren
Wh
41,27;
man hôrte dâ niwan ‘wê! wê!’ / vor in kreigieren
dâ Wig
4554;
die krîger vast grôierten / ûf in, des herze ie schande flôch
Reinfr
856.
11418;
‘fv, vassel, schavelier, za!’ / wart da gegroyieret
Krone
872.
740
u.ö.;
UvZLanz
3111;
WhvÖst
9531;
JTit
3949,4.
– subst.:
Êrec unde Gâwein / und swaz dâ ritterschefte schein, / ûf machten si sich
sâ. / dô hôrte man dâ / michel kroiieren / vor den banieren Er
2564;
dâ wart michel crôieren / under ir massenîe: /
‘schevelier Parmenîe! / Parmenîe schevelier!’ Tr
5574;
sich huob ein krîieren / vor zwein helden fieren
Parz
68,19;
Mantel
113
2
‘schreien (Schlachtruf ausstoßen) und dadurch Lohn erhalten’,
bezogen auf den Umstand, dass (fahrenden) Herolden durch ihr ~ Lohn
zusteht:
vil varnder liute man dâ sach. / maneger von den wâpen sprach, / daz man
krojieren nennet, / an den man daz erkennet, / daz si die decke zerrent hin. / wan
dar an lît ir gewin Mai
88,27;
nu kam zuͦzim an ainem tage / ain wapen knappe umbe
guͦt / und clegte im sin armuͦt / mit grogierenden worten
RvEWh
2825
MWB 3,2 629,4; Bearbeiterin: Herbers
krol
stM.
‘lockiges Haupthaar’
sin har was im von altere wîz, / [...] / vnd hetes also
wol gepflogen, / daz er hete einen kruͦl gezogen Segremors
12,91
MWB 3,2 629,42; Bearbeiterin: Herbers
krolle
swM.
→
koliander
MWB 3,2 629,45;
krôn
stM.
oder krœne stF.? (s.a. AWB 5, 430 s.v.
krônî).
‘Gezwitscher’
wo nemen nu di vogel dach? / da man si hure sitzen sach, / da stubet nu der kalte
sne. / [...] si hettint gesanges vil vormiden. / gelegen sint
ir kroͤn [: schoͤn] HeinzelRitt
27
MWB 3,2 629,46; Bearbeiterin: Herbers |