k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kestenboum, kastânienboum
stM.
auch questen-.
‘Kastanienbaum’
der kestenpaum hât sein fruht in ainer rauhen spitzigen
schaln BdN
317,11
u.ö.;
castanea: kesteneboum Gl
3:386,37
(BStK726).
2:698,39
(BStK752).
3:468,52
(BStK827).
3:352,66
(BStK927);
VocOpt
48.087;
kastânjen boume ein
schache [Waldstück] / dâ stuont mit wînreben hôch: /
in der dicke er in enpflôch Wh
88,26.
– hier wohl Baum mit Maronen, Esskastanien (sonst meist nicht
entscheidbar):
margrat [Granatapfel] und vîgenboum dâ bî ir
manigen saehet, / dar umb von questenboum ein hac [
dar umbe ein questenboumîn hac Rückert, Loheng.]
Loheng
6138
MWB 3,1 226,2; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenboumîn
Adj.
→
kestenboum
stM.
MWB 3,1 226,15;
kestene, kastânie
stF.
überw. in der Pl.-Form kesten, Sg. keste (
SalArz ); zu castinea, einer Nebenform von mlat.
castanea (vgl. Pfeifer, EtymWB, S. 632); kastânie spätere
Neuentlehnung aus castanea (Pl.:
castâne Parz
378,17;
castanien BdN
93,6;
castanein; castanean; castaneen Pelzb
118,10.
128,3.7
), Sg.
castanee Pelzb
128,16.
1 die Frucht des Kastanienbaums, ‘Kastanie’ (ob Ess- oder Rosskastanie ist nicht immer zu entscheiden) 2
‘Kastanienbaum’
1
die Frucht des Kastanienbaums, ‘Kastanie’ (ob Ess- oder Rosskastanie ist
nicht immer zu entscheiden):
von den chesten SalArz
8,6;
der ercenie saltu geben als groz als ein keste ebd.
93,50
u.ö.;
da erhal manc rîchiu tjoste guot, / als der würfe in grôze
gluot / ganze castâne Parz
378,17.
– Esskastanie, Marone:
ein irdisch paradîs, / dar inne bluote manic rîs, / daz
kesten unde vîgen truoc KvWTroj
9603;
KvWPart
2322;
KvWEngelh
5238;
StRMeran
413
2
‘Kastanienbaum’
wis gegrüezet [Maria] , walt der kesten!
MarGr 18
229.
– auch in der lat. Form:
castanea gepfropt dy gedigit seldin Pelzb
128,4;
her [der Baum] ist ouch genust und ru sam eyn
castanea MarcoPolo
10,11.
– (neben anderen essbare Früchte hervorbringenden Bäumen)
Maronenbaum:
umb und umb zuo tal / stuonden vruhtbær boum ân zal: / nuz, epfel, biren,
küten und ouch kesten Wigam (B)
1166;
ein irdisch paradîs: / kesten, vîgen, mandelrîs
[...] dar inne wuohsen KvWPart
11090
MWB 3,1 226,16; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenen, kesten
swV.
auch kasten; zu lat. castigare; vgl.
kestigen
.
1
‘jmdn. bestrafen, quälen’
2
‘sich kasteien, büßen, sich Entbehrungen und Härten aussetzen’ , hier subst.
1
‘jmdn. bestrafen, quälen’
sô die liut [Akk.] die vîent chestent
Priesterl
56;
chestenet bin ih unde gediemuͦtet bin ih harte [interl. zu
afflictus sum et humiliatus sum
]
PsM
37,9;
chestente chestenot mich got [interl. zu castigans
castigavit me dominus
]
ebd.
117,18
2
‘sich kasteien, büßen, sich Entbehrungen und Härten aussetzen’, hier
subst.:
wer im [Gott] offenlichen adir
tougen / dinet mit almosen und mit vasten / mit beten mit weinen und mit kasten
Brun
11858
MWB 3,1 226,43; Bearbeiterin: Baumgarte
kestennuʒ
stF.
Frucht (Nuss) des Kastanienbaums, ‘Kastanie’
wer die kestennüz zestœzt mit salz und dar nâch mit honig
mischet, daz ist guot wider die slangen pizz BdN
317,18
MWB 3,1 226,54; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenunge
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Strafe, Züchtigung’
mîne chestenunge / möcht nimmer dehäin zunge / ze rechte fur
bringen Erinn
803;
chestenunge miniv [interl. zu castigatio mea
]
PsM
72,14
MWB 3,1 226,58; Bearbeiterin: Baumgarte
kestenwalt
stM.
‘Kastanienwald’
[in dem Land] ist grôß ein kestenwalt Mai
51,40
MWB 3,1 226,62; Bearbeiterin: Baumgarte
kestigâte
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Strafe, Züchtigung’
die ungehorsam die betingwe er an deme selben anegenge der sundin mit slegin
vnde mit der kestigate dez lichamen [
corporis castigatio
]
BrHoh
2
MWB 3,1 227,1; Bearbeiterin: Baumgarte
kestige
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Strafe, Züchtigung’
durch des vberhuores sunte vile manige chestige er in ane
sante Gen
809
MWB 3,1 227,6; Bearbeiterin: Baumgarte
kestigen
swV.
auch kastigen (
Elis
1673;
NvJer
27573
); zu lat. castigare.
‘jmdm./ dem eigenen Körper (zum Zwecke der Disziplinierung) Gewalt antun’
1
‘sich, den eigenen Körper (aus religiösen Gründen) harten Übungen, Entbehrungen
und Verstümmelungen unterziehen’
2
‘jmdn. (meist körperlich) bestrafen, züchtigen’
3
‘jmdn. quälen, peinigen, jmdm. Gewalt antun’
1
‘sich, den eigenen Körper (aus religiösen Gründen) harten Übungen, Entbehrungen
und Verstümmelungen unterziehen’
daz oͮch der brode lîp, der die sunti da tuͦt, mit vâsten
gechestigit werde Spec
44,22;
er [
der gaischliche mentsche
] sol och sinen lip mit discipline, mit vastenn, mit wachenne, mit
venienn [kniefälligen Gebeten] , mit bettenne und mit
andren guͦten dingen kestigen und nit ze zart haben, daz er nit werde ze gaile
[ausschweifend]
PrGeorg
333,25
u.ö.;
hie bi kastiget sie iren lip, / [...] / mit strichen
unde mit slegen vil Elis
1673;
EvAug
45,7;
Serv
2212;
Albert
400;
[es sind] etlîche kûsch [
eunuchi
] di sich selbir habin castiget [
qui se ipsos castraverunt
] durch daz rîche der himele EvBeh
Mt 19,12.
– auch ‘sich mühen, plagen, quälen’
so der man und daz wip die wochen chestiget sinen lip / so schulen si an
dem suntage genade unde reste haben GenM
8,29;
ohne Akk.:
wande die [ausgehungerten
Belagerten] man dâ sach ligen, / die begunden kestigen / mit
maniger hande kummer Ottok
74286
2
‘jmdn. (meist körperlich) bestrafen, züchtigen’
want gewalt der vatir hât / zu kastîgen den son vil wol
NvJer
27573;
diu goͤteliche straphe mit der got die suͥnder hie straphet unde kestigot
PrSchw
1,17;
HvBurg
693.
– in Rechtstexten:
wa ers nüt mit dem guote ab gelegen mag, das man in an dem libe darumb
kestigen sol DRW
7,510
(LuzernRatsbüchlein; a. 1332);
[der im Turm einsitzende gotshus dienstman
] sol da liegen, unz er gnade vindet, unde so er genuog gekestiget
wirt, so sol ouch der herre gnade han RbBasel
12,9;
StRBern
3:72,48.
– auch ‘im Zaum halten, bändigen, zur Vernunft bringen’
der nante yne [...] ‘eya, herze
one zaum’, wann yn nyman gekestigen kunde an demselben tag da yn der konig macht
zu ritter Lanc
53,4;
er qwam wiedder zur kónigin und saget ir das er sinen
sun nicht gekestigen kunde, er wolt úmmer vehten wiedder den ritter ebd.
632,18.
– abgeschwächt ‘tadeln, Vorwürfe machen’
ein priester was under yn, der myn herren Gawan sere
kestiget [...] er sprach das im zu recht kein ere da
von komen solt das er wapen trüg des samßtages als man none geludet hett
Lanc
593,17
3
‘jmdn. quälen, peinigen, jmdm. Gewalt antun’
der kúng an sinnen tumm / das edel volk von Israhel / kestigot an lib und an
sel / und dett inn an vil maͤnig pin KvHelmsd
2518.
2712.
–
gott der hat mengerley crúzze, mit den er sin frúnd kestget
Seuse
108,22;
Eckh
5: 48,3;
HeslApk
7193.
–
an etw. ‘hinsichtlich einer Sache Leid zufügen’
swer hat ein vbel wip, / dem ist gecchestiget der lip / an frivde ze allen
ceiten; / der muz mit læide streiten Warnung
1154.
– subst.:
buze dine schult! / halt sin kestigen, syne zucht
Hiob
9109.
–
‘foltern’
geschee, das man einen kestigete und verjehe
[gestehe] der ettliche dinge, darumb man sin libe
und sin gut solte angriffen, das gut sol angriffen ein meister und ein rat und
nit ein schultheiss noch ein vogt UrkStraßb
4,2:106,19. 14
(a. 1322).
– wohl abgeschwächt ‘auf die Nerven gehen’
‘waz wirret dir, thohter mîn?’ / ‘mich kestigt der sun dîn’
Mai
221,28
MWB 3,1 227,9; Bearbeiterin: Baumgarte
kestigunge
stF.
auch kastigunge (
Eckh (S)
22,25;
NvJer
13187
).
‘Zufügung von körperlichem Leiden (Schmerzen, Entbehrungen)’, meist zur
Disziplinierung
1 sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
2 einem anderen (zur Strafe oder Folter), ‘Züchtigung’
1
sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
der dritte ast ist dez libes kestegunge. der sælige mensche sol sinen lip
kestigon mit allen dien arbaiten, so ime sin orden vnde sin regile gebivtet vnde
setzit, vnde sol doch ime selbin die notdurfte gebin PrGeorg (Sch)
25,141;
der kunde selten rasten / mit gebete und ouch mit vasten, /
unz in sîn kestegunge twanc, / daz er vil wênic den gedanc / zuo dirre welte kêrte
RvEBarl
12311;
der biderb und der guote / mit grôzer kestigunge twanc / den lîp, wan er az
unde tranc / vil wênic und vil kleine. / niht anders wan gebeine / was an im und diu
hût dar obe KvWAlex
667;
NvJer
13187;
HvFritzlHl
235,29;
Eckh (S)
22,25;
wir [...] machen sew auch tailhafft vnd hailsam aller
der guetat die do volfuert werden in vnserm chloster [...]
ez sey mit singen, mit lesen, mit messprechen, mit vasten, mit wachten, mit gastung,
mit almuesen geben vnd mit aller geistleicher chestigung vnd vͤbung
StiftZwettl
701
2
einem anderen (zur Strafe oder Folter), ‘Züchtigung’
[der Kaiser ordnete an] swer im
[Christus] durch dekeinen zorn / iht übels sprechen
wolte, / daz er dar umbe solte / mit kestigunge werden / gepînet ûf der erden
KvWSilv
1889;
nâch dirre kestigunge alsus / wart gefüeret Jêsus / mit der waete pfellôlîn /
und mit der krône dürnîn, / und als daz ûzerwelte vaz / bespûwen und geslagen was, /
wider für Pylatum WvRh
9448;
mit zorne ich hân gerochen / den haz an iuwerm lebene, / den im sô gar
vergebene / mit willen iuwer herze truoc. / ir hânt von mir geliten gnuoc / red unde
kestegunge sît KvWPart
14891.
– auch die Bestrafung oder Reinigung im Fegefeuer:
[zum Fegefeuer des hl. Patricius, einer Höhle in
Irland] quam zur bezzerunge vil, / die sich mit willen huben /
in die selben gruben, / ir kestegunge namen; / sumeliche wider quamen, /
sumelicher da sin ende nam Pass III
235,39.
– übergehend zu ‘Leiden, Qual’
hilf uns durch die kestigunge [um der erlittenen Qual
willen] / die er [Christus] leit
von judenzunge, / durch die villât an der siule, / vor des leiden tiuvels griule
MarGr 18
723
MWB 3,1 228,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kestunge
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Zufügung von körperlichem Leiden (Schmerzen, Entbehrungen)’, meist zur
Disziplinierung
1 sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
2 einem anderen (hier zur Strafe), ‘Züchtigung’
1
sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
kestung und herzenandaht und von den lúten fliehen gebirt
kúnschkeit Seuse
105,1;
es wellent vil luͤte dêmuͤtic sîn unde doch âne versmêhede; es wellent vil
luͤte arm sîn unde doch daz in nút gebreste; es wellent vil luͤte kuͤsche sîn unde
doch ône kestunge des lîbes SprMyst (B)
199,24
2
einem anderen (hier zur Strafe), ‘Züchtigung’
von kestung der vrouwen Boner
96,Überschrift
MWB 3,1 228,58; Bearbeiterin: Baumgarte
ketene
stswF.
‘Kette’
1 zum Befestigen (Anbinden, Aufhängen, bei Tieren auch Anschirren) 1.1 von Gegenständen 1.2 von Lebewesen 1.2.1 von Tieren 1.2.2 von Menschen (im Rahmen von rechtlich geregelten Strafen oder von unrechtmäßiger Gewalt) 2 als Absperrung 3 als Teil von mechanischen Konstruktionen 4 als Schmuckelement 5 als Bestandteil von Waffen und Rüstungen 6 als Bestandteil von Gauklertricks
1
zum Befestigen (Anbinden, Aufhängen, bei Tieren auch Anschirren)
1.1
von Gegenständen:
die selben [Bücher] sol ein lupriester da
selbentz an kettenen machen in einer librari StRBern
6:13,29;
ein wîzer swan / flouc ûf dem wazzer dort herdan / und nâch
im zôch ein schiffelîn / an einer keten silberîn KvWSchwanr
250;
diu ketene was von golde, / dâ diu lampade bî hienk En
9596;
HvNstAp
18735;
Iw
300.
590;
Lanc
144,26
1.2
von Lebewesen
1.2.1
von Tieren:
ir ietwieder leyt eynen wint
[Windhund] an einer silberen ketten
Lanc
50,31;
Tr
15846;
ain bere vor ime lage / mit zwain cheten gebunden
Rol
3070;
Lanc
569,25.
629,23
1.2.2
von Menschen (im Rahmen von rechtlich geregelten Strafen oder von
unrechtmäßiger Gewalt):
in disin ketinin wart Athis / gespannin durch gerichte
Athis
A 158;
TürlArabel
*A 61,8;
Rol
6116;
sant Peter erlediget were von dem heiligen engle, der
die chettene da zebrach vnd den charchere vͦf tet Konr
15,29;
Pass I/II (HSW)
19227;
mit chetenen unde mit seilen, er [der
Teufel] bintet si algemeine AvaJG
27,3.
– übertr.:
daz aller lastere ketenen vnde boien
[eiserne Fesseln] / werde irledigit von
ir sele Litan
973
2
als Absperrung:
die keten durch die ringe [der Türen] tuo
KvWSilv
804;
KvHeimUrst
884;
es sullen auch die purger für bas nimer mer ketten vnd noch keinen rigel in
der stat ze Babenberch aufrichten RbHohenlohe
25;
UrkLudw
169
(a. 1333);
UrkCorp (WMU)
33A,46;
dô si [die feindlichen Schiffe auf dem
Fluß] gar kômen ze hûf, / dô zugen si die keten ûf / mit starken
werken ungeswacht, / [...] daz der sibenzehen hundert /
scheffe dheinez nie entran Ottok
97031
3
als Teil von mechanischen Konstruktionen:
beide die ketenen viengen, / und zucten sie so vaste / daz
diu brugge nider blaste Rennew
30612;
ouch was im [dem goldenen Adler]
der munt sîn / gemaht daz er ginte hô [den Schnabel aufsperrte und einen
hohen Ton von sich gab] , / sô man eine keten zô
UvZLanz
4794
4
als Schmuckelement:
zehen ketenen von golde / wâren dar ane gehangen. / dâ mite
was bevangen / di crône hêrlîche SAlex
5574;
an dirre chrône diu hie schein, / dâne was golt noch edel
gestein / noch [...] chetene noch strangen
KvHeimHinv
675
5
als Bestandteil von Waffen und Rüstungen:
des volk alle kolben trvͦgen, / keten in bli gegozzen
TürlArabel
*A 37,27;
an der keten er den helm fuorte Ottok
72692
6
als Bestandteil von Gauklertricks:
die mit den ketenen liegent / und stumpfe sinne triegent, /
die golt von swachen sachen / den kinden kunnen machen Tr
4667
MWB 3,1 229,6; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenen
swV.
‘in Ketten legen, mit Ketten fesseln’ hier Part.-Adj.:
mit der rede wart sant Silvester gechetenot in den charchere
gefvͤret Konr
5,19
MWB 3,1 229,59; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenhantschuoch
stM.
‘Kettenhandschuh’
an sînen handen nam ich war / zweier ketenhantschuoch guot
Helbl
1,323;
der ketenhantschuoch an hât, / [...], / er væht mit
eim umb ein wart ebd.
8,445.
2,1264
MWB 3,1 229,62; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenîn
Adj.
‘aus Ketten bestehend oder mit Metallringen versehen’
ir troien [Wams, vgl. ketenwambîs
]
[...] / dicker denne ein hant und beidenthalben ketenîn
Neidh
WL 14:2a,10
MWB 3,1 230,3; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenlîn
stN.
auch ketenli.
Dimin. zu
ketene
‘kleine Kette’
sî sach obe in schînen / einen himel mit ketenen guldînen: / an iegelîchem
ketenlîn / ein zimbel oder ein glöckelîn Tund
1899;
catella: kettenlin, kettenli VocOpt
18.023
MWB 3,1 230,7; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenlœse
stF.
‘Erlösung aus den Ketten’, als Bestandteil einer Datierung nach dem Fest
‘Petri Kettenfeier’ (vgl.
ketenvîre
):
do von Christes gebvrte vergangen waren drevzehen hvndert jar in dem sibenden
jar. an dem nehesten tage nach sande Peters tage ketenlose UrkHohenz
2,295
(a. 1307)
MWB 3,1 230,12; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenvîre
stF.
‘Petri Kettenfeier’, 1. August, der Tag, an dem Petrus aus dem Kerker in
Jerusalem befreit wurde (Act 12,5 -10):
diz ist gescheen nach Christes gebvrte tavsent jâr zweihunder jâr in dem nivn
vnd nivnzegestem jâre an sand Peters tage kethenveire UrkCorp (WMU)
3436,9;
den altenn sit danne / verdringt der newe sit, / das die welt
nach ïr czeit / die chetten veyr [Petri] begent / und von
des chaisers veyr stent [fern bleibt]
Märt
14740
MWB 3,1 230,18; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenwambîs
stN.
‘Wams, das aus Ketten besteht oder mit Metallringen gepanzert ist’
ich sach [...] / einen knappen, der het an / ob einem
ketenwambîs guot / einen roc nâch sînem muot Helbl
1,311;
dar nâch gap daz getriuwe wîp / ir lieben sune an sînen lîp / ketenwambîs unde
swert: / des was der jungelinc wol wert Helmbr
149
MWB 3,1 230,28; Bearbeiterin: Baumgarte
kettelinc
stM.
eine Fischart (vgl. einen weiteren Beleg FWB 8,832):
der hof ze Agren [...] giltet jerglich ze vogtrecht
[...] 400 roten [Fischart mit roten
Kennzeichen] , die mit enander wert sin suln 2 phunt und 8
schillinge, 400 kettelinge, die alle mit enandern 5 phunt wert sin suln, und 16 ele
[Aale] , der jeglicher 6 phenning wert sin sol
UrbHabsb
1:152,9
MWB 3,1 230,35; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzer
stM.
jmd., der Glaubensgrundsätze vertritt, die von der (durch die röm.-kath. Kirche
vertretenen) Auslegung der christlichen Heilsbotschaft abweichen, ‘Ketzer’
(vgl. LexMA 4,1933-37 s.v. Häresie):
chetzer, iuden und heiden / dunchent uns die got leiden, /
wand si des glouben niht enhant. / swie groze sunde si begant, / so sint ir sunde
doch ein wint / wider die verlorn christen sint StrKD
112,1;
HvNstGZ
6528.
– in Rechtstexten (vgl. differenzierter mit weiteren Belegen DRW
7,795-797):
ketzer haizzent die laͤut, die an dem gelauben mit willen irrent, oder einen
valschen wan habent von dem gelauben, vnd dem fraͤveleichen volgent, vnd sich niht
wellent lazzen weisen RechtssA
K18,1;
auch ist der ein ketzer, der die heiligen geschrift anders verstet vnd si
bedaͤuttet, dann si die heiligen lerer auzlegent ebd.
K18,9
u.ö.;
unde ist, daz ein chetzer wirt gevangen umbe ungelauben unde
wirt den phaffen geantwurtet, wirt der bewaert, den sol man dem vogte antwurten mit
libe unde mit gute, unde sol der uber in rihten mit der
hurt [Scheiterhaufen] , unde swaz gutes bi im begriffen
wirt daz ist des vogtes StRAugsb
106,32
(Verbrennen von Ketzern auch:
Elis
4004;
WälGa
12685;
Mai
165,27;
Ottok
45501.
86037
);
Ausschluss von gerichtlichen Funktionen:
er [der Richter] sol auch niht jude
sîn noch ketzer noch heiden; er sol ein êkint sîn; er sol auch niht lam sîn an
handen noch an füezen SpdtL
148,6;
chint, div nit ze ir tagen komen sint [...],
verbannen livte vnd verehte livte vnd chezzer vnd maineide livte, die des vor
gerihte vber zivget sint, die mvgen alle nit gezivc sin SchwSp
10b.
– pseudoetymol. Herleitung der Bezeichnung von ‘Katze’ (Symbol der
Falschheit und des Verrats):
er hiez in einen ketzer. daz tet er dar umbe, daz er sich gar wol heimelîchen
gemachen kan, swâ man in niht wol erkennet, als ouch diu katze
PrBerth
1:402,21.
1:403,6.
– Ketzer sind gefährlich, weil nur Gelehrte sie erkennen können:
nû wachet, edele cristen, wachet, / daz uns der leiden ketzer rât / iht
scheide von der trinitât RvZw
88,10;
nút underwindent úch zuͦ hoher wisheit,
[...], und lant die hohen pfaffen darnoch studieren und
disputieren, [...] umb der heiligen kirchen willen, obe sú
in not keme mit ketzern; aber daz si úch verbotten Tauler
115,5;
Märt
4942;
SchlierbAT (LS)
1,78;
Brun
11652.
– im Vergleich:
wer ouch were der sich [in Indien] nicht wusche,
der wurde gehaldin sam eyn keczer MarcoPolo
62,12
MWB 3,1 230,43; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzergeloube
swM.
nicht mit der kirchl. Lehre übereinstimmender christl. Glaube, ‘Irrglaube,
Häresie, Ketzerei’ (vgl.
ketzer
):
unde dâ stêt [...]gar wol in dem sermone
[...] wie man ûf den rehten gelouben reden sol unde wie
der ketzergeloube schînet als ein fûlez holz PrBerth
1:250,22
MWB 3,1 231,29; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerheit
stF.
‘Ketzerei, (von der kirchl. Lehre abweichende) Irrlehre, Häresie’
Lambarten glüet in ketzerheit, war umbe leschestû
[Papst] des niht, / sint daz man der dîner schâf sô
vil in ketzervuore siht? WernhSpr (Z)
35,4;
sus wart kristen gloube / gehœhet und geêret, / und die sich heten verkêret /
mit irresamer ketzerheit, / die burgen sich und was in leit LvRegFr
2602;
Märt
482
MWB 3,1 231,35; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzeric
Adj.
→
ketzerige
stF.
MWB 3,1 231,43; |