këverlîn
stN.
Dimin. zu
këvere
‘kleines Insekt, Würmchen, Käferlein’
er giht, als dich [König] der tôt
bestê / und als diu erd über dich gê, / sô sî ein kleinez keverlîn / sterker dan dû
mügest gesîn EnikWchr
19207
MWB 3,1 234,10; Bearbeiterin: Baumgarte
kevje, kefige
stF.
auch kebje, kevi; aus mlat. cavia,
gabia (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 5,440-42; AWB 5,66; SchweizId 3,162-64);
stN. oder Apokope:
in ein kevi Seuse
251,13
).
‘Vogelkäfig’
cavea: kebia, kevina ubi aves includuntur SummHeinr
1:346,464;
dâ vil der kleinen hundel bal / und vogel in kevjen sungen Virg
138,10;
die fogel in kefigen sungen WolfdD
1374,4;
daz hertze ist ainer hande kevi, in der singen sont vier voͤgellú, der stim
únser herre gern erhoͤret PrGeorg
22,27;
Seuse
297,4.
251,13
MWB 3,1 234,15; Bearbeiterin: Baumgarte
keye (?)
Subst.
Bed. unklar; lt. Glossar viell. ‘Keule, Wurfspieß’ (vgl. weitere Ansätze F.
Bechs in Germ 22 (1877), S. 49f.):
ir tôten, die sie hâten, / die branten sie mit irme zûge, / vur wâr ich nicht
enlûge: / spere, schilde, brunje, pfert, / helme, keyen und swert / brante man durch
ir willen, / dar mite solden sie stillen / den tûvel in jener werlde dort
LivlChr
3886
MWB 3,1 234,25; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒel
stM.
auch alem. keʒʒî stN. (
VocOpt
10.010
), s.a. SchweizId 3,516, 518.
‘Kessel, Topf, tiefes Metallgefäß’
1 zum Erhitzen von Flüssigkeiten und zum Kochen und Braten von Speisen 2 zum Vollzug von Strafen und Gottesurteilen (vgl. auch DRW 7,782-84 und 7,784f. s.v. Kesselfang) 3 in Vergleichen und Redewendungen 3.1 wer einen (alten) Kessel berührt, wird rußig (weitere Beisp. DWB 5, 620f., TPMA 4,286f.) 3.2 mit Anspielung auf den Lärm des Kesselschmiedens
1
zum Erhitzen von Flüssigkeiten und zum Kochen und Braten von Speisen:
caldarius, lebes, cacabus: chezzil Gl
3:677,42
(BStK287);
[...] chezzel unde phande, erin haefen unde swaz von ere
oder von kupher oder von ysen oder von blie oder von zin gemaht ist, daz ist allez
erbegut StRAugsb
151,12;
UrkCorp (WMU)
371,15;
snyt di kirsin [Kirschen] ane wassir
alleyne in eyme kessile odir in eyme toppe, vnd laz si sydin Pelzb
133,14;
Rûmolt der kuchenmeister, wie wol er rihte sît / die sînen
undertânen, vil manigen kezzel wît, / häven unde pfannen NibB
777,2;
Ottok
35074;
Iw
3277;
er bat in lange sniten bæn [leicht
rösten] / und inme kezzel umbe dræn Parz
420,30;
legez [das Ferkel] sanfte in einen
kezzel, laz ez erwallen, daz die hut iht zvͦ breche BvgSp
8;
Wh
285,28;
GTroj
8055;
EnikWchr
9179.
– vereinzelt auch allgem. ‘Gefäß’
den [Schwefel] macht diu kunst
in kupfereinen oder in erdeinen kezzeln und behelt man in dreu jâr. dar nâch
verkêrt er sich in weizen aschen von seiner aigenen hitz BdN
481,1;
übertr.:
Moab chezzel trostes mines [interl. zu: Moab lebes spei
mee
]
PsM
107,10
2
zum Vollzug von Strafen und Gottesurteilen (vgl. auch DRW 7,782-84 und 7,784f.
s.v. Kesselfang):
man sol in dri wal [drei Wahlmöglichkeiten] fvr
teilen: die wazzer vrteil. vnd daz heiz isen zetragen vf der hant. oder in einen
wallenden kezzel mit wazzer zegrifen vnz an den ellebogen SchwSp
24b.
26a;
SchwSp (W)
165,11.
– im Fegefeuer:
als si [die Teufel] si brahten
uf das lant, so zugen si inen bitterliche die hut abe und wurfent si in einen
siedenden kessel alzehant; darin stiessen si si mit fúrigen gablen
Mechth
5: 14,10
3
in Vergleichen und Redewendungen:
daz [Land] ist so verbrant von der
sunnen, daz ez wallit als ein kessil Lucid
36,3
3.1
wer einen (alten) Kessel berührt, wird rußig (weitere Beisp. DWB 5, 620f.,
TPMA 4,286f.):
swer den alden kezzel rûret, vêhet râm zehant RosengP
833;
wan alse daz unmugeliche ist, daz ain mentsche dike gange unde sich ribe
an ainen ramigin keszil und er doch niht werde entraint, also ist unmugeliche,
daz ieman der welt hainliche sie, daz er uon ir niht entraint werde
PrGeorg (Sch)
6,20
3.2
mit Anspielung auf den Lärm des Kesselschmiedens:
dâ wart ein sulch getemere / beidiu von zimmer und von ruof, / von rossen
und von liuten hal ein sulcher wuof, / sam tûsent smide ûf kezzel slüegen hemere
Loheng
1740
MWB 3,1 234,33; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelære
stM.
‘Kaltschmied, Kesselflicker’, der niedergelassen oder meist fahrend Geräte
aus Kupfer, Messing oder Eisen herstellt, verkauft und repariert (DRW 7,788f. mit
Lit.; Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., 276; vgl.
kaltsmit
):
retentis nobis dumtaxat caldariatoribus, qui kesseler vulgariter appellantur
DRW
7,788
(Hornschuch, Keßler; a. 1294);
wir F., [...] burggraffe ze Nürnberg, verjehen
[...] an dießem brieff, daz wir
[...] die chaldschmied und die chezzler in unßer gnade
und schirme genommen haben ebd.
7,788
(ebd.; a. 1327);
[...] kezlær und die dâ glocken giezen Ottok
65683;
mit wer si sô rungen / daz schilde, helme klungen / als glocken, kezzelære /
zesamen lâzen wære Georg
5047.
– als Bestandteil von Personennamen:
Walther der mulner, Heinrichs tochterman dez kesselers UrkCorp
(WMU)
813,33
u.ö.
MWB 3,1 235,20; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelærinne
stF.
hier als Bestandteil von Personennamen ‘Frau eines Kaltschmieds’ oder
‘Kaltschmiedin, Kesselflickerin’ (vgl.
keʒʒelære
):
daz wir haben verkvͦffet vnd gegeben [...] Adelhait
die kesselaerinne vnde Maehthilt, ir toͤhter [...], die
vnser aigen waren UrkCorp (WMU)
3151,17
MWB 3,1 235,37; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelbære
Adj.
hier wohl abwertend ‘(nur) zur Herstellung von Kesseln geeignet’ (anders
Röll, plapla, S. 403: ‘soviel in einen Kessel hineingeht’):
swer chvppher gar ze golde mit kvnste machen chvnde, / den heten si vil holde,
swaz halt er vnselden dran erfvnde, / ir golt si (allez) chvppher chesselbere!
JTitVerfFr
9,3
MWB 3,1 235,43; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelbodem
stM.
‘Kesselboden’
nu sint etlichú menschen als blint, wan sú daz ewig lieht
an im selber nút moͤgen gesehen, so vallent sú mit ir minne uf das
gesihtlich [Sichtbare] , als der sich von der sunnen
glantz keret zuͦ dem kessibodem Seuse
427,10
MWB 3,1 235,50; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelbrunne
swM.
hier -burne.
Quelle in einem (Tal-)Kessel:
jtem ein halb acker bi kesselburne UrkCorp (WMU)
N705,10
MWB 3,1 235,56; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelgarn
stN.
→
kiselgarn
MWB 3,1 235,59;
keʒʒelhuot
stM.
ein mit dem ‘Eisenhut’ identischer oder verwandter Helmtyp (vgl. Schultz,
Höf. Leben 2,68 und Abb. 59, S. 70; →
huot
,
îsenhuot
):
bekelhuben, slappen / furten ritter und knappen; / sich wandelt ir gemute: /
ez kument an kezzelhute, [...] sie sint doch gut fur den
regen / und geben fur die sonnen schaten. / innen haben sie badewaten
[...]. daz ez ein schemlich wopen ist / einem richen
ritter guͦt, / in furt dan einer vor armuͦt KgvOdenw
12,40.
1,129.
– als Bestandteil von Personennamen:
her Gerart Ketelhut UrkCorp
1621,43
MWB 3,1 235,60; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelîn
stN.
Dimin. zu
keʒʒel
, ‘kleiner oder zierlicher Kessel oder Topf’
nim ysopum und origanum, oben den sâmen, unde beize in mit
ezich unde giuz danne dâ zuo zwei teil wazers [...] unde
siud ez des andern tages in einem schônen chezelîn Barth
156,26;
etwen gie er úber den brunnen in dem grossen turste, und sah daz klinglent
wasser an in dem úberzineten kesselin Seuse
48,5.
– für Weihwasser:
nu irret ein kleiner tropfe mich [den Teufel] , /
der hiute dir kam in dînen munt, / dô du trunkener luoderhunt / dich sprengtest ûz
einem kezzelîn: / der machet daz ich nu schône dîn! Renner
11305
MWB 3,1 236,7; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelkrût
stN.
eine gekochte Mahlzeit, wohl ein als ärmlich empfundenes Kohlgericht:
sin kezzelkrut, sin spisebrot, sin boesen zuberwin, / diu bringe er vür die
hunde hin oder aber vür diu swin! FvSonnenburg
25,9;
man gap im ein kezzelkrût / und ein bier Schlegel
301
MWB 3,1 236,20; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelrinc
stM.
‘Ring zum Aufhängen des Kessels, Topfs’
das man ym das gut geben solde, das aus seynen weynen wer aufgeschankt
[...], der czwey vas gelegen weren czu dem kesselring
SchöffIglau
128.
129
MWB 3,1 236,26; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelsmit
stM.
‘Kesselschmied, Kaltschmied’ (vgl.
keʒʒelære
), als Bestandteil von Personennamen:
jch Otte der chezzelsmid tvn chvnt UrkCorp (WMU)
2471,37
MWB 3,1 236,31; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelsmitte
swF.
‘Kesselschmiede’
ir zweier freunt, Jescuten und Clauditten, / die helme kunden klengen, alsam
si wern in einer kezzel smitten JTit
5893,4
MWB 3,1 236,35; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒelvar
Adj.
‘aussehend wie ein Kessel’, hier ‘rußig schwarz’
dar nâch begunden si in [Christus] slân / mit
geiseln ân alle underschide / daz im älliu sîniu lide / berunnen wân mit bluote gar.
/ sîn lîp wart aller kezzelvar [
undique nigrescit ex livore Anm.z.St.] / und als
geswullen von dien slegen, / daz er sich kûme mahte regen WvRh
9409
MWB 3,1 236,39; Bearbeiterin: Baumgarte
keʒʒî
stN.
→
keʒʒel
stM.
MWB 3,1 236,46;
Champagne
→
Schampânje
MWB 3,1 236,47;
chimolea
Subst.
→
cimolea
MWB 3,1 236,48;
churrun
stN.
→
kurdewân
stMN.
MWB 3,1 236,49;
kibelen, kiveren
swV.
auch kivelen, kipelen.
‘zanken, keifen’ (vgl.
kîben
):
von ainem ogen blik / tuͦt er [der
Teufel] es [das Band der Ehe] wilunt sich
zerrivern / und fuͤget kriegen und kivern, / zúrnen, fluͦchen, rassen, / an ander
nyden, hassen / die sament lieplich solten leben SHort
5898;
so beginnet er zekiverne vnd zesingene eine hvndes messe
SelbhReg
436,22;
sô getân kipeln und klagen [wenn der Herr dem Gesinde vorhält,
was er alles kaufen ließ] / füllet selten mir den magen
Renner
5381.
4107;
wan er von gewonheit sundet. / alleyne da wider
vervlizzen [beflissen, eifrig] / kyvele dy sine
gewizzen, / doch nymet sin bosheit uberhant Hiob
7280
MWB 3,1 236,50; Bearbeiterin: Baumgarte
kibelwort
stN.
hier kivel-.
‘Streitwort’
dâ mite enpfliuhet er vil schaden [...] an spotte, an
müeziger rede, an unnützen mæren, an urteilen, an kivelworten DvASchr
318,5
MWB 3,1 237,1; Bearbeiterin: Baumgarte
kibelzære
stM.
jmd., der Streit entfacht, ‘Aufrührer’
so sol er doh wusscin [wissen] ,
daz er die regulam sins tegans old sins propstis, dv ime gesezzit ist, bihaltin sol.
vnde tvͦt er andirs so solm [soll man ihn] nvt han vur
ein priestir, wand vur ein chebilzere [
non sacerdos sed rebellio iudicetur
]
BrEng
62
MWB 3,1 237,5; Bearbeiterin: Baumgarte
kîben, kîfen
swV.
zur lautl. Entwicklung vgl. DWB 5,442f. s.v. keifen.
‘schimpfen, laut die Stimme erheben’
do mocht nit lǎn der juden nid, / si muͦstend dennocht gen im kÿben / und
maͤnig falt gespoͤt triben KvHelmsd
2069.
– subst.:
ouch irret mich vil manik zage, / der mit kiben / mich vertriben wil
Damen
3,3;
daz [kurze Ausfälle gegen die sie
Bestürmenden] tribbin sî sô dicke, / daz sî inhant zu schricke /
den sturmindin ûzlîfin / und kegin in mit kîfen / dâ hîlden manch gedene
NvJer
23025
MWB 3,1 237,12; Bearbeiterin: Baumgarte |