dorfman
stM.
nur im Sg. (Pl. dorfliut, dorfliute).
‘Dorfbewohner, Bauer’
man schrîbit von eime dorfmanne, der hate gesniten in der erne daz her mude
was HvFritzlHl
206,34;
vnd wer der ist, er sig dorfman oder usserthalb dem dorf gesessen, er si man
oder frow WeistGr
1,7
(a. 1338);
die pauren pissen in den speck, / das in der treck / über die packen ran, /
davon manigem dorffman / sein maul und der part / überal schmalzig ward
MeierBetz
154;
ein dorfman [soll Kleider tragen] nach gewonheit
der dorflaͤut RechtssA
K47,17;
Neidh
WL 32:6,4
MWB 1 1347,32; Bearbeiter: Schnell
dorfmarc
stN.
Recht des Dorfherren aus dem Teilbesitz an der Dorfgemarkung:
vnd haben ze svnderlichen genaden ir lazzen daz dorfmarch, daz ovz dem selben
weingarten vns an horet UrkCorp (WMU)
1096,6;
urnas vini quatuor de curia, quam [...] colit i.
[...], que iure quod dorfmarch dicitur nos contingebant
DRW
2,1055
(Tirol; a. 1288)
MWB 1 1347,44; Bearbeiter: Schnell
dorfmarke
stF.
‘Dorfgemarkung’ (die zu einem Dorf gehörende Flur):
von den eigennen guͤtern, [...], ligenden in
den dorffmarchen oder selben doͤrffern UrkBern
3,503
(a. 1291);
dy vor genanden dorfe sollen [...] vor bringen allen
ufflofft vnd gezcoge, dy in den dorffen vnd dorfmarken geschyt WeistGr
3,324
(14. Jh.).
–
‘Gesamtheit der Gemeindebürger’ (Kollektivbildung in Anlehnung an
lant unde liute):
wir, dú dorfmark und gebursami von Arch, [...],
fúrjehen und tuͦn kunt UrkBern
6,808
(a. 1343)
MWB 1 1347,51; Bearbeiter: Schnell
dorfmeister
stM.
‘Dorfrichter’ in österr. Urk. (vgl. UrbSteierm ,
Einl., S. LXXXIIIff.):
item Rudel dorfmaister et fistulator de huba tantum ut Ulricus
UrbSteierm
179;
Gestnich: 23 vinee cum totidem mansis, dorfmaister preterea habet 1 mansum et
claviger unum mansum ebd.
7
u.ö.
– als Bestandteil von Personennamen:
Ott der Dorfmeister UrkCorp (WMU)
2127,16
MWB 1 1347,62; Bearbeiter: Schnell
dorfmeisterinne
stF.
‘Frau des Dorfmeisters’
der dorfmeisterinne hof giltet 5 pfunt UrbTirol
24
MWB 1 1348,6; Bearbeiter: Schnell
dorfmenige
stF.
‘Dorfgemeinde’
daz der niht stiwern solt mit der dorfmenege ze Mvͤndreiching
UrkCorp (WMU)
2122,28;
die ersten lere gebent die vorster, daz der walt widerkome, daz man ieder
dorfmenige beweise, wa si ir vihe treiben sullen, bei sehtzig hallern NüP
174
MWB 1 1348,8; Bearbeiter: Schnell
dorfrëht
stN.
‘Dorfrecht’ (herrschaftliches Recht in einem Dorf):
niechein ûzwendic man en ist ouch phlichtig in deme dorfe zu antwurtene nâh
irme sunderlîchen dorfrechte, mêr nâh gemeineme lantrechte SSp(W)
3:79,2;
diz aigen ist der maierhof mit allen sinen rethen vnd daz dorfreth mit allen
sinen rethen UrkCorp (WMU)
247,44;
do ich durch got [...] hete gemachet vnd gegeben
[...] vnser vrowen vnd dem devtschen orden datz
Mezzingen das dorfreht ebd.
462,10.
1363,4
MWB 1 1348,14; Bearbeiter: Schnell
dorfrihtære
stM.
‘Dorfrichter’
und sol auch denne der selbe dorfrihter im [dem
Landrichter] die selb schedilichen læut antwuͦrten
MGHConst
5:321,9
(a. 1316)
MWB 1 1348,24; Bearbeiter: Schnell
dorfrüechel
stM.
‘Bauernlümmel’
mich verdringent aber geiler sprenzelære [La. dorf
rúchel
] viere Neidh
WL15:3,3
MWB 1 1348,28; Bearbeiter: Schnell
dorfschaft
stF.
‘Dorfgemeinde’
komt abir der flut vnd pricht den tam, vnd ladet man mit geruft dorzu, di
dorfschaft, di bei dem tam gesezzen sein StRPrag
149
MWB 1 1348,31; Bearbeiter: Schnell
dorfsmit
stM.
‘Dorfschmied’
auch sall er weren kolenbornen, ane eyme dorffsmydt, der sall sye bornen in
siner marg vnd vnder erden vnd ane schaden vnd nit mee, dan das er sinen nachburen
damit gesmyede WeistGr
1,499
(a. 1338).
6,397
(a. 1338)
MWB 1 1348,35; Bearbeiter: Schnell
dorfspël (?)
stN.
‘(im Dorf umlaufende, frei erfundene) Erzählung’ (vgl. Felder,
Krone, S. 481):
frauwe vnd auentùre / wande sie licht by dem fùwre / ader haben
[zu haven, Kochtopf (?)] fùr ein
dorffspiel / zü winder seyten, wann ir kele / vnd jre zungen sint vil gezale / vnd
prùfent dick gelechters schale Krone
17433
MWB 1 1348,41; Bearbeiter: Schnell
dorfsprenzel
stM.
‘eitler Bauer, Dorfgeck’
die geilen dorefsprenzel, / die dâ wâren in dem geu / alle voretenzel, / der
vüert iegeslîcher nû ein îsenîn gewant / in die herevart, / dâ der vürste hin
gebiutet Neidh
WL 28:8,5
MWB 1 1348,48; Bearbeiter: Schnell
dorfstadel
stM.
‘Dorfstätte’
daz dorfstadil zu Getoͤren, daz ettewanne ein gebuwet dorf was
UrkErf
2,238
(a. 1348)
MWB 1 1348,53; Bearbeiter: Schnell
dorfstat
stF.
‘Dorf, Dorfstatt’ (Fläche, auf der das Dorf steht):
chum mîn wine! geng an den akker, wonen bî den dorfsteten
TrudHL
122,27;
wir sulin wonen in den torfsteten ebd.
123,33;
vnserr lieben gnedigen herren [...] vns gelazzen
habent ir aygen vnd ir guͤt ze der Weyssenkirchen, vnd all die dorfstet, die
sie da ze reht schuͤllen haben UrkHohenz
3,173
(a. 1348)
MWB 1 1348,56; Bearbeiter: Schnell
dorftocke
swF.
‘herausgeputztes Bauernmädchen’ (pejorativ):
si [die Bauern] gunden frölich schocken / vor den
dorffdocken; / die ers man in ser wacken sach MeierBetz
289
MWB 1 1349,1; Bearbeiter: Schnell
dorftumbec
Adj.
‘ungehobelt’, hier subst.
‘Dorftrottel’
mit hosen und hüeten manigerleie / hebt sich der Affentaler reie, / den manic
tuomherre und stolz schuolêre / mit dorftummingen ungerne verbêre Renner
16500
MWB 1 1349,5; Bearbeiter: Schnell
dorfvolc
stM.
‘Bauernvolk’
der dorfman [La. daz dorfvolc
] ist niht
wol beriht, / kan der pfaffe des glouben [das Credo] niht
Freid
70,20
MWB 1 1349,10; Bearbeiter: Schnell
dorfvride
M.
1
‘ländliches Gericht’
2 durch Einfriedung oder Dorffrieden geschützter Bereich
1
‘ländliches Gericht’
insuper iudicium, quod dicitur dorffride, coram sculteto abbatis uel conventus
agi debent UrkHess(B)
2,635
(a. 1304)
2
durch Einfriedung oder Dorffrieden geschützter Bereich:
aber der dorffride des selben dorffs vacht an bi Burgkarts des ussrosten huse,
und gât untz ze dem tor ze Schoͤnenbuͤl UrkBern
3,504
(a. 1291)
MWB 1 1349,13; Bearbeiter: Schnell
dorfwërc
stN.
‘Ware von minderer Qualität’ (die nicht den Anforderungen der
Innung entspricht):
das synt di saczungen der wollenwebere: [...] keyn
man sol machen dorffwerk adir czu stewrunge dor czu tun by eyme schocke
UrkSchles
8,125
(14. Jh.)
MWB 1 1349,21; Bearbeiter: Schnell
dorfwîp
stN.
‘Bäuerin’
rustica: dorfwip VocBV926
3:428,37.
– hier abwertend:
los ûz! ich hœr in der stuben tanzen. / junge man, / tuot iuch dan! / da ist
der dorefwîbe ein michel trünne [Schwarm]
Neidh
WL 4:2,4
MWB 1 1349,27; Bearbeiter: Schnell
dorilote
Interj.
Refrain (aus afrz. dorelot, Refrain in der Chanson):
da ienre stet vnde singet / der is beworren in einer note [mit
einem Lied beschäftigt] / der quit alliz dorilote / ey wes
willekome lieber Frgm1
29
MWB 1 1349,32; Bearbeiter: Schnell
dormentære
stM.
‘Aufseher über die Schlafsäle’
wer do hait das ampt des dormerters
[
dormitarii
] der mach das selbe ampt geben
sime knechte DRW
2,1073
(TrierArch.; 13. Jh.)
MWB 1 1349,37; Bearbeiter: Schnell
dormenter, dormiter
stMN.
auch dormpter, tormitar.
‘Dormitorium, Schlafsaal in einem Kloster’
do ging er mit ir durch den dormter zu allen zellen AdelhLangm
50,27;
daz dritte daz an dem closter ist, daz ist ain dormiter PrGeorg
20,21;
und so man complet gesang, so gieng sy nider und stund denn uff
[...] und bettet denn in dem tormitar Stagel
26,25;
daz sie [
die vroͮwen von
Klingental
] den graben vor irme dormenter wider den Rin
besliezen mit einre mure UrkCorp (WMU)
347,19;
JTit
387,1.
– übertr.:
der dormiter ist ain Götlich hertze PrWack
43,74;
die engel sont die pfleger sin, bihte das waͤschhus,
[...] kúnschi der dormenter, ain rúwigez hertze daz
bette PrGeorg
339,21
MWB 1 1349,41; Bearbeiter: Schnell
dormieren
swV.
‘schlafen’ (aus afrz. dormir):
müeste ich bî der wolgetânen liebiu kint prônieren [aus lat.
progignere oder punieren?] / und eine
ganze naht bî ir dormieren KLD:HvA
2:2,6
MWB 1 1349,56; Bearbeiter: Schnell |