d – dalmut dam – dancsagen dancwillen – dannen von dannen vür – dæren dâ(r)/ da(r) enbinnen – dâ(r)/ da(r) obe darre – dast dâte – deckeschûr deckevël – dëhsen dëhsîsen – denclîche dencliute – derpkuoche derpteic – diadrogant dîâken – diehter diehterîde – dienestbære dienestbærecheit – dienestman|erbe dienestmanguot – 2diep diep- – diernkint diernlach – dilde dille – dincphliht dincphlihte – dingelîn, dingel 1dingen – dirhalp dirre – distelîn distelsâme – diupe (?) diupguot, diubsguot (?) – dôfheit dôgen, dougen – donerec donergebirge – dorferlêhen dorfgebûwære – dorfschaft dorfsmit – dorneht dorneht – dörperdiet dörperecheit – dôʒen drabeknëht – drangen drangest – drî drîancasîne – drîgesæʒe drîgevar – dringen drî|nisse – drittelhof drittestunt – drîzëhen drîzëhenære – druc drûch – drüʒʒelstôʒ du, dû – dumme dumpfe – duns dünsel – durchbittern durchbitzen – durchdœnen durchdrengen – durchgerne durchgesiht – durchgründen durchgrunthaftec – durchkifen durchkiusche – durchlësen durchlestern – durchlûʒen durchmâlen – 1durchrecken 2durchrecken – durchsaffen durchsagen – durchschrecken durchschrenzen – durchslac durchslahen – durchsprëchen durchspreiten – durchswingen durchtân – durchverwen durchvieren, durchwieren – durchvrô durchvrœnen – durchweichen durchweidec – durchziln durchzimbern – dûrliche durlinc – durstebërnde durstec – düʒʒec
|
durf
stM.
‘Bedürfnis, Notwendigkeit’
doch e ich daz gesperge [Gebälk] / rure der rechten
materge, / so wil ich durch der synnen durff / hie werfen einen wurf, / der mir mag
kumen zu helffe Minneb
1633
MWB 1 1451,57; Bearbeiterin: Baumgarte
durfen
Prät.-Präs. (III)
Ind. Präs.: 1./3. Sg. darf, 2. Sg. darft, vereinzelt
darfst, Pl. durfen/dürfen; Konj. Präs.: durfe/dürfe
(2. Sg. dürfes); schwaches Prät. dorfte, vereinzelt
durfte; Konj. Prät. dörfte (2. Sg. dorftes); vgl.
2
5Mhd. Gr. § M 94, 97,101.
1 Vollverb ‘brauchen, bedürfen, nötig haben’
1.1 mit Gen.d.S. 1.2 mit Akk.d.S. 2 Modalverb, mit Inf. 2.1 i.d.R. in negierten oder dem Sinn nach negierten Sätzen 2.1.1 in negierten Sätzen (die Übergänge zwischen den einzelnen Bedeutungspositionen sind fließend) 2.1.2 in dem Sinn nach negierten Sätzen 2.2 vereinzelt in nicht negierten Sätzen
1
Vollverb ‘brauchen, bedürfen, nötig haben’
1.1
mit Gen.d.S.:
man darf der priester wol, da man die buze nimt Frl
5:36,7;
Mügeln
51,17;
man dorfte da niht der spise Herb
10806;
des darf ich zv note, / daz man erkenne da bi, / daz ich
ein frowen ritter si ebd.
9511
1.2
mit Akk.d.S.:
dâ darf ich guͦte helfe zuͦ Kröllwitz
2112
2
Modalverb, mit Inf.
2.1
i.d.R. in negierten oder dem Sinn nach negierten Sätzen
2.1.1
in negierten Sätzen (die Übergänge zwischen den einzelnen
Bedeutungspositionen sind fließend):
–
‘nicht (zu tun) brauchen’ (nicht nötig sein):
ir nedurffet iu furhten, fride sî iu geheizzen
Gen
2294;
wer sein [des
Rettichs] wurz izzt, der darf der slangen niht fürhten
BdN
418,19;
nieman ne dorfte urage / wer der keiser were; /
nieman ne was ime gelich Rol
689;
dune darft mir wizzen keinen danc
Parz
68,4;
Tr
2669.
–
‘nicht (tun) können’ (nicht möglich sein):
ezn dorfte nie wîbe leider / ze dirre werlte
geschehen: / wand sî muose tôten sehen / einen den liebesten man / den
wîp ze liebe ie gewan Iw
1312;
mich darf durch geraete [Ausrüstung,
Reichtum] nieman niden noch beschelten
Tannh
14,54;
het er die werlt alle mit sîner hant erslagen, /
ich slahe in, daz erz widerspel nimmer mêre darf gesagen
NibB
2272,4.
–
‘nicht dürfen’ (nicht erlaubt sein):
swaz sô si mit klage ervordernt oder ûf si
geerbet wirt, des endurfen si niht besitzen [als Geste, die
in anderen Fällen den Rechtsakt bestätigt]
SpdtL
228,13;
des wil man ir keinem ubersehen noch vertragen und
darf auch niht fuͤrziehen, daz er umb dise setze niht enweste
WüP
87,5;
welt ir got minnen / mit einfaltigen dingen / so
ne durfet ir neheinen zwifel han VMos
65,5
2.1.2
in dem Sinn nach negierten Sätzen
– mit einer durch Litotes umschriebenen Verneinung:
sîn strît si dorfte lützel müen Wh
393,19;
habet ir laster unde leit / von mîner
warlôsekeit; / von diu darf ich ez mâze clagen, / muoz ich daz laster
mit iu tragen Tr
12473.
– in Sätzen mit iht, ieman,
iemer, die von einem negierten Satz abhängig sind, vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 129:
sine wolten niemens
terkîs [Köcher] / dâ sîn deheine wîle, /
daz iemen sîne phîle / in si dâ dorfte stecken Wh
321,23;
des enist kein nôt, daz man den minnenden und
geminneten iht dürfe sagen Eckh
5: 241,6;
Rol
5415.
– in daz-Sätzen mit iht, die einen
negierenden Sinn haben (aber nicht von einem negierten Satz abhängig
sind, vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 129, 147):
der in der meide wambe saz, / der wîse mich an
bezzer stat, / daz ich den helleclîchen pfat / iht ze lange dürfe bern
Wh
38,15;
ir sult zu bichte kumen bald, / das uwer sel icht
dürfe liden smerzen Mügeln
62,3;
Parz
578,17
2.2
vereinzelt in nicht negierten Sätzen:
dar zuo het im got gegeben / (deste gerner mohter leben)
/ den aller schœnesten lîp, / den man oder wîp / dorfte gewinnen
Eracl
2921;
disiu leit darf ringe wegen, / er sol hôher fröide
enpflegen, / swer ein reine sælic wîp mac schouwen / sô daz sî mit stæter liebe
in meine KLD:Kzl
6: 2,4.
– mit ie:
da wart der nitlichste champ / der uf der erde / ie
dorfte gefrumt werde Rol
8514
MWB 1 1451,62; Bearbeiterin: Baumgarte
durft
Adj.
→
durft
stF.
MWB 1 1453,1;
durft, dürfte
stF.
auch durfte und durht.
1 subst. Gebrauch: das, was notwendig ist/gebraucht wird, und der Zustand des Bedürfens 2 häufig präd. Gebrauch 2.1 in Verbindung mit sîn, wësen und wërden
‘nötig, notwendig sein’ zeigt durft syntaktisch
neben subst. Merkmalen (Verneinung mit dehein
2.2
~ geschehen
‘notwendig sein/werden’
1
subst. Gebrauch: das, was notwendig ist/gebraucht wird, und der Zustand des
Bedürfens:
–
‘Notwendigkeit’
darnach als ir durft gepot, / und auch durch ir swester
not / müest sy uber wazzer varen Märt
1585;
daz waz des schonen obzes smac, / da her ane durft abe az
/ und wider got sich vormaz HeslApk
5759.
–
‘Bedarf, Bedürfnis’
swes man durft hât, / daz hiez er füern dâhin
Ottok
95131
u.ö.;
minne [hier: Beischlaf] ist
[...] zu vrumen [...]
wenne man ir zu rechte pflit nach des libes durft, zu schadin wenne man ir zu
ummazin pflit SalArz
24,21;
herre got, verlihe mir, daz ich gebuͦzze
[...] nach minen durftin der armen sele, also du,
herre, wizzist Spec
4,16;
got lob ich mîner dürfte / nâch der rehten slihte Helbl
2,6;
weles sint die fróden? [...] daz
ist [...] aller dinge gnuͦc ane aller slahte
durft Lucid
145,20;
welich durft waz des daz er Petrum benamen nante?
PrOberalt
86,6;
HeslApk
5857;
Litan
571;
UrkCorp (WMU)
930,28.
–
‘Bedürftigkeit, Not(lage)’
mete und wîn sint beide guot / für sorge, durft und armuot Freid
95,3;
Daniel
6982;
man saget daz in betwunge / diu tiure manunge, / dô er ir
dürfte rehte ervant Iw
4863;
Walth
5,16;
daz Siffrid [...] nach vnser lange bet durch sein
grozze durfte versatzet vnt geantwrt hat hâus vnt purchuͦt
[d.i. burc|huote
]
UrkCorp (WMU)
924,44;
BrEng
7;
der den sælderîchen / sô ungezogenlîchen / in sînen dürften emphie / und
die übele an im begie Greg
3243;
daz her [...] minen trechtin bete
/ daz in buͦz wurde / der michilen durfte / die sie in deme lande habeten
Ägidius
30
2
häufig präd. Gebrauch
2.1
in Verbindung mit sîn, wësen und wërden
‘nötig, notwendig sein’ zeigt durft syntaktisch
neben subst. Merkmalen (Verneinung mit dehein
Spec
57,27
) auch adj./adv. Merkmale
Komp.- und Superl.-Bildung
Wh
42,23,
Rol
7246;
Hinzutreten eines Adv.
PrLpz(L)
91,16;
s.a. 2
5Mhd. Gr. § S 106).
– mit Gen.d.S.:
dô wâre dâ eines friden durht SAlex
1358.
– mit Gen.d.S. und Dat.d.P. ‘etw. nötig haben,
brauchen’
sô durft enwart mir râtes nie, / noch helferîcher lêre KvWTroj
17864;
SüklV
332;
ich enchom her ze erde niht
[...] durch guͦte livte, den des dehein
dûrft wâre Spec
57,27;
want im nie orses dürfter wart Wh
42,23;
disen hantscuch furet ir Marsilien: /
[...] swa im sin nu aller durftest si, / da wil
ich hin cheren Rol
7246;
swie im des niht durft waz daz er in rurt mit siner
hant PrOberalt
39,1.
– mit daz-Satz:
so ist gar dvrft vnd nuzzeber, daz der lvte getaͥt mit scriften
[...] also bestetiget werden
UrkCorp (WMU)
679,14;
ze ainr gehv́genv́sse der beschenne dinge, so ist durfte, daz man si
ewic vnd fêste machhe mit briefen ebd.
3499,30;
ia ist durft, daz ich uon iv vâre Spec
68,1;
swer so wil behalten werden uor allen dingen durft ist daz er habe
rehten gelovben PsM
C 11,1.
C 11,28.
– mit daz-Satz und Dat.d.P.:
wi durft mir nu ware, / daz ich hete ein brustsloz
SüklV
747;
vns ist vil duͦrft daz wir in in vnser huͦs. daz ist. in
vnser herze laden mit allen guͦten werken PrLpz(L)
91,16;
nu ist uns not und duͦrft daz wir den heiligen geist wolloben
und eren PrLpz
201,22
2.2
~ geschehen
‘notwendig sein/werden’
vnde ob is durft geschehe, / her lieze sin houbit abe slan
TrSilv
683.
– mit Dat.d.P. und Gen.d.S. ‘von jmdm. gebraucht
werden’
si enphalch in [ihren
Besitz] Juliânô an sîne triwe, / daz er in behielte der
frowen / und ir in wider gæbe, / swenne ir sîn durft gescæhe
Kchr
10651;
si in [den verletzten
Kaiser] beswoͮren / daz er mazlichen chlagete, / daz
im daz uolc da uon icht erzagete, / ob im sin durft gescahe
Rol
7577.
4955;
an aller stat, wo in des noͤt vnd duͤrft geschiecht
UrkCorp (WMU)
N355B,6
MWB 1 1453,2; Bearbeiterin: Baumgarte
dürftec
Adj.
1
‘notwendig’
2
‘(etw.) benötigend, bedürfend’ , i.d.R. in der Wendung
~ sîn 3
‘bedürftig, arm’
1
‘notwendig’
[man soll] dis chlostir also machon. daz ellv dv dvrftigv
dinch. daz ist diz wascir. dv mvli. dir garto vnde die liste alle werden getan
BrEng
66;
mit der gewarsamj, du [l. diu
] nach
geschribem oder nach gwonlichem rechte duͤrftig ist UrkCorp (WMU)
1698,14
2
‘(etw.) benötigend, bedürfend’, i.d.R. in der Wendung
~ sîn:
ich bekennen mih an der stunde, / daz ich niene geruthe miner
sunden / mit sulchen ruen noch mit sulchen vorthen, / so ich were durftich
SüklU
46.
– meist mit Gen.:
swenn ich dîn aber dürftic bin / und dîn ze nœten brûchen
sol, / sô kan ich dir geruofen wol KvWSchwanr
382;
nu birt ir durftic der gebe des heiligin geistis
Spec
68,8;
ich pin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît
Parz
171,15;
Gen
1770;
LvRegFr
4039
3
‘bedürftig, arm’
der mich hute irkente niet, / do er mich so durftic sach / daz
mir allis des gebrach, / des ich zuͦ den erin solde tragin
Athis
A 55;
sol got haben ein lamez bein / und sol sîn dürftic, als er
[der Gott Vulkan] schein? / niht benamen!
RvEBarl
10068;
KvHeimUrst
1076
MWB 1 1454,13; Bearbeiterin: Baumgarte
dürftecheit
stF.
1
‘Notwendigkeit, Bedarf’
2
‘Bedürftigkeit, Armut’
1
‘Notwendigkeit, Bedarf’
si [die Räte] suͦln auch
[...] allem chauffe [...] also
auflegen, daz dem chauffær vnd dem verchauffer nach der gestalt
[Gegebenheit] der zeit vnd auch der
duͦrftichait werde behalten UrkCorp (WMU)
2345,6
2
‘Bedürftigkeit, Armut’
er vorht, es wær den frowen leit, / ob er ersæche ir dürfticheit
PleierGar
6600;
daz sie den zu gote bekanten / der
[...] eben teil ir durft enpfienc
[...] den sie san glich in hie queln / an alle der
durftikeit / die diz vellige vleische treit HeslApk
11311
MWB 1 1454,35; Bearbeiterin: Baumgarte
dürfteclich
Adj., Adv.
adv. -lichen.
‘bedürftig, armselig’
sô hât got aber eime gegeben / sô durfticlîchez leben, / daz er der werlt niht
ahtet, / nâch nihte er mêr trahtet / wan nâch dem himelrîche EbvErf
4664;
des scheltens des in der man tete / umbe sîn dürfticlîche bete, / des
ervolleten ir diu ougen Greg
2840.
–
er [Antiochus (II Mcc 9)] umme buze spete warb /
und gar durfteclichen starb HistAE
5320;
er sal her gan / unde diz gut armen luten geben, / die man durfticlichen siht
leben Vät
18752
MWB 1 1454,46; Bearbeiterin: Baumgarte
dürftege
swM.
md. auch durchtige (
Elmend
B 385.
B 400
).
‘Bedürftiger, Bettler’
dô was ein dürftege durch sîn nôt / gedrungen zuo der künegîn GFrau
2672;
wir lesen an den boͮchen, daz min trohtin uil dicche
in eines durftigen wîse den lûten erscinen ist Spec
116,14;
swer des spitals schaffer ist, der sol den duͤrftigen in demselben
spital alle iar davon geben ein mal UrkWSchott
223
(a. 1340);
StatDtOrd
90,30;
StrKD
6,315;
RvEBarl
14462;
Greg
3419
u.ö.
–
‘Bittsteller’
hie vor was ich dîn herre / und bin dîn dürftige nû AHeinr
429.
–
‘Leidender, Bedauernswerter’
die durftigen, die armen [die er im Fegefeuer leiden
sieht] / begonden in erbarmen Pass III
238,39
MWB 1 1454,57; Bearbeiterin: Baumgarte
dürfteginne
stF.
‘Bedürftige, Bettlerin’
ih pin ein lamiu durftigîn. / gebuozest dû mir dehaine mîn
nôt, / daz vergiltet dir der gewaltige got Kchr
2652;
lât daz bedenkin ûwerin mût, / daz ich mir durftiginnin / nicht andirs kan
gewinnin, / dâmitte ich irner den lîb NvJer
9399;
Er
694;
Iw
6403
MWB 1 1455,7; Bearbeiterin: Baumgarte
durftlôs
Adj.
‘ohne Mangel, ohne Bedürfnisse’
diu einekeit, diu in in beiden ist, diu ist durftlôs, si ist âne durft der
redelicheit, wand si bestêt âne rede einlich in einekeit Überschall(Pf)
518,9;
plozheit ist von adel, frei, / ir ist nimant dan ir selber pei, /
[...]. / der ploz ist durftloz genant Eckh (J)
53,28;
Überschall
18
MWB 1 1455,13; Bearbeiterin: Baumgarte
dürkel
Adj.
‘durchlöchert, durchbohrt’ (oft in Kampfszenen):
von den tiuschen gesten wart dürkel manic schildes rant
NibB
1354,4;
Rennew
14084;
so ist dy kyels want / an maniger stat durchl prant Hawich
1824;
dürkel wart dô der heiden schar Wh
22,1.
–
swer oben wol gebuwet hat / und unden uf losem grunde stat / und sinen rat /
an einen lat, / der sus mit dürkel umme gat, / daz ist nicht wises mannes tat
Frl
5:99,17.
– in Vergleichen:
si sint als ein durcheler sac /
[...], / dâ man oben în schiubet / unt ez niden ûz stiubet
Priesterl
742;
Cranc
Agg 1,6
(vgl. TPMA 9,406);
der schilt dürkel als ein siep Parz
599,4;
des triuwe was dürkel als ein sip Renner
20654;
dürkel als ein zûn Parz
178,4.
– sprichw. (vgl. TPMA 11,132):
den stein der trophe dürkel macht / dicke vallent, nicht mit kraft
WälGa
1921.
– übertr.:
mit dürkelen riuwen / hânt se alle ir sælekeit verlorn
Parz
404,14;
Wig
7741;
JTit
5729,3;
er liez niht dar durch wischen
hin [entschlüpfen] / an durkeler virgezzenheit / swaz
im gutes wart geseit Vät
487;
denke an den milten Salatîn: / der jach, daz küniges hende dürkel
[durchlässig für Gaben] solten sîn Walth
19,24;
und hab undanch der
durhel [gierig] slunt / der mit dem grozzen gut umb
gie Teichn
453,22
MWB 1 1455,20; Bearbeiter: Diehl
dürkelbære
Adj.
‘löchrig’
diu schar [...] von im vil dürkelbære / worden wære
JTit
5007,2
MWB 1 1455,46; Bearbeiter: Diehl
dürkeln
swV.
‘etw. dürkel, löchrig machen’
sy durchelent harnasch und platten, / ir pfeil kunnen schir
watten / durch das flaisch HvNstAp
3004;
kumt er mir ze râme, ich dürkel im die hirenschal Neidh
WL 32:6,14.
– refl. ‘löchrig werden’, übertr.:
ir tuot der freude alsolhen zuc, / daz sich dürkelt freuden
stat Parz
533,3;
swa sich triwe niht durkelt, da gesiget unkraft ungeweinet JTit
5401,4;
– sprichw. (vgl. TPMA 11,132):
stæte dvrchelt herten mut, / als daz wazer den stein tvt Bîspel(G)
248,19.
248,8;
vnd er [der Tropfen] doch duͤrkelt den stein
ErzIII
112,8 App.
MWB 1 1455,48; Bearbeiter: Diehl
dürkelwunde (?)
swF.
‘Wunde mit Ein- und Austritt’ oder Verbindung mit attr.
dürkel:
swer den andern wunt durchels wunden, der pezzer dem richter daz mit einem
pfunt pfenning StRBurgh
179
MWB 1 1455,60; Bearbeiter: Diehl
dûrliche
Adv.
→
tûrlîche
MWB 1 1456,1;
durlinc
stM.
‘Drossel’
turdus: durlinc VocBV8
3:26,38
MWB 1 1456,2; Bearbeiter: Diehl
durnehte
Adj., Adv.
auch durchn-, durnaht, turnot (vgl. AWB
2,788ff.).
‘vollkommen, untadelig’
also tuͦt der menniske der guͦt ist. unt
durnohte JPhys
9,12;
allen den, [...], zimet ebenlich ze
habenne rehten geloͮben, [...], durnahte minne,
deumoͮtigez herze Spec
146,1;
[er] was durch nechte / bit zuchten Roth
4369;
diu durnehte künigîn Tr
10231;
ain turnöter man HvNstAp
8907;
daz diz stæte belibe, des geben wir an dise schrift zewiger gihvgide, zi
gwærim vrkvnde, cze dvrnoͤter warhæit vnseriv insigel UrkCorp (WMU)
17,20;
PrNvStr
321,13;
der almehtigeste got ih bin. / wis
durnehte [beständig] und stete an mir
RvEWchr
4580.
– adv.:
juncher gût, / [...] / durchnecht
[ehrlich] sag mir daz / waz man cehove red von mir
GvJudenb
5274
MWB 1 1456,4; Bearbeiter: Diehl
durnehte
stF.
auch durchn-, durnahte.
‘Vollkommenheit, Unerschütterlichkeit’
daz sin dev drev geslahte / dev gestent mit durnahte
VMos
15,2;
diu want was wîz, eben unde sleht; / daz ist der durnehte
reht: / der wîze und ir einbære schîn / dern sol niht missemâlet sîn
Tr
16964;
Albert
1377.
–
‘Wahrheit’
erst allen herzen bereit, / ze durnehte und ze trügeheit
Tr
15742;
mit sime lobe mag ich wol mit rechter durnecht beide schallen unde guften
Meissner
17:11,7;
ich sag iv die dvrnaht / svnder lang gebraht, / langiv rede wehe / ist aller
der welt smähe MinneR 301
184;
daz diu miete und diu gâb / manigen leitet ab / von durnaht
und von reht Ottok
74673;
die durchnehte und die sliht ebd.
80646
u.ö.
–
‘Verantwortung, Verpflichtung’
jst aber, daz ich im des nicht erzaige, als ich sol vnd miner durnæchte vnd
beschaidenhait wol anstet UrkCorp (WMU)
2223,6;
wer aber der fvͤnft [Schiedsmann] vzzerhalb
lantes [...], so svͤln di viͤr avf ir triwe
vnd avf ir dvrnæht einen andern ze dem fvmften nemen UrkWittelsb
2,150
(a. 1308)
MWB 1 1456,20; Bearbeiter: Diehl
durnehtec
Adj.
auch durchn-, durnahtec, turnochtec (vgl. AWB
2,791).
‘vollkommen, wahrhaftig’
perfectus: turnochtiger SummHeinr
2:426,01.74;
daz dú dúrhnahtig scált sîn in dén drín túgeden
Will
62,9;
vnde svlt hivte komen engegen vnserm herren mit dvrnæhtiger
bekerde Spec
48,5;
PrOberalt
51,22;
das vnser vrowen heiliger lip chvͤische vnd reine vnd
duͤrnehtic was Konr
18,28;
durnehtic was er unde ganz / an lîbe und an gesuntheit KvWSilv
492;
die starker an dem gelouben hie / waren und ouch durch
nechtiger HeslApk
22197;
in dem durnehtigen und gantzen gelaͮben blibet man bi got
BdVollk
227,8;
[dass sie] niht woͤllent stetegen der vorgenanten
koͣuf mit aller durnehtigen stetegunge, als sie ze rehte schuldig sint zu
tvͦnne UrkCorp (WMU)
124,15
MWB 1 1456,41; Bearbeiter: Diehl
durnehtecheit
stF.
auch durchn-, durnahtecheit.
‘Vollkommenheit’
si gernt der durnahticheite / ze der drivalten gotheite
Vateruns
233;
untz daz si die hiligen durnæchticheit und die hilig minne
gewinnent PrOberalt
4,40
u.ö.
–
‘Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit’
den ich iemer gerne bin / mit triuwen und mit durnehtekeit /
an allem dienste bereit Tr
5757;
die kriege ze verrihten, / vereben und verslihten / mit der
durnehtikeit Ottok
35694.
12957;
mit trewen vnd mit rechter turnächtichait vnd nicht mit falschait
Schachzb
74,27
MWB 1 1456,57; Bearbeiter: Diehl
durnehteclich
Adj., Adv.
auch durchn-, durnaht-, ebenso
-lichen.
‘vollkommen’
biêht iwerre sunti mit durnahticlicher becherde
Spec
43,24;
alsus sô lêret minne / durnehteclîche sinne / ze valsche sîn
vervlizzen [bedacht zu sein]
Tr
12448;
ir herzekunde in ie gewern / durnehtechlicher triuwe KvWTroj
28625.
– adv. ‘vollständig, ganz und gar’
nu bitet hiute uil dvrnahteclichen die uil heiligen gotes
gemahelen Spec
129,11;
den heyden die voͤllichlichen und durnæchtichlichen
gelaubent an den almæchtigen got PrOberalt
36,18;
daz ich [...] ovf die vorgenanten hofstat
dvrnæhticklichen verzihe UrkCorp (WMU)
3330,36;
vnd daz auch ieder herre den selben sin hulde gæntzlichen vnd durnæhtichlichen
sol gebn ebd.
935,45;
daz hûs datz Stætenecke wære / durnehticlich und sleht / mit
bezzerem reht / dem landesherren undertân Ottok
27340;
het wirz niht getân / durchnehticlich durch got ebd.
45871
MWB 1 1457,4; Bearbeiter: Diehl
durnehtege
stF.
‘Vollkommenheit’ (übers. lat. perfectio):
vnde der denne zir dvrnehtigi íllit. der sol bihaltin die
lére dir heiligon vatron. wand der bihaltnischi vuͦrit din menschin zi der
hoͥhi dir dvrnehtigi BrEng
73
MWB 1 1457,23; Bearbeiter: Diehl
durnehtegen
swV.
‘sich vervollkommnen’
alliu gotes wîsheit, / diu under die liute ist gepreit, /
[...] / dar zuo schul wir durnehtigen / und scholten dâ
vil von wenden / an die er daz geruochet senden MargAntiochVI
40
MWB 1 1457,28; Bearbeiter: Diehl
durnehtîn
stF.
‘Vollkommenheit’ (zum Ansatz vgl. Hamm, Lucid. S. 339):
daz hubelin, daz der bischof vffe treit, daz betútet die
durnehtin aller tugenden Lucid
91,1
MWB 1 1457,33; Bearbeiter: Diehl
durnehtlîche
Adv.
auch durchn-, durnaht-, ebenso
-lichen.
‘vollkommen, gänzlich’
da sich ein suntare durnahtlichen becheret
Spec
111,14;
got erhorte ie di rechtin, / di an in geloubint / unt im
durhnachtlichen getriwent Rol
8568;
vnd han den selben hof minen herren [...] ovf geben
durnæhtlichen, als ain man sin reht lehen [...] ovf geben
sol UrkCorp (WMU)
2365,15
u.ö.;
vnde solm [...] eim ielichin ein
bvͦch gen daz si von dien heiligen scripften. vnde svn dv daran
dvrnehtlich [
per ordinem ex integro
]
lesin BrEng
48
MWB 1 1457,37; Bearbeiter: Diehl |