Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

d – dalmut
dam – dancsagen
dancwillen – dannen von
dannen vür – dæren
dâ(r)/ da(r) enbinnen – dâ(r)/ da(r) obe
darre – dast
dâte – deckeschûr
deckevël – dëhsen
dëhsîsen – denclîche
dencliute – derpkuoche
derpteic – diadrogant
dîâken – diehter
diehterîde – dienestbære
dienestbærecheit – dienestman|erbe
dienestmanguot – 2diep
diep- – diernkint
diernlach – dilde
dille – dincphliht
dincphlihte – dingelîn, dingel
1dingen – dirhalp
dirre – distelîn
distelsâme – diupe (?)
diupguot, diubsguot (?) – dôfheit
dôgen, dougen – donerec
donergebirge – dorferlêhen
dorfgebûwære – dorfschaft
dorfsmit – dorneht
dorneht – dörperdiet
dörperecheit – dôʒen
drabeknëht – drangen
drangest – drî
drîancasîne – drîgesæʒe
drîgevar – dringen
drî|nisse – drittelhof
drittestunt – drîzëhen
drîzëhenære – druc
drûch – drüʒʒelstôʒ
du, dû – dumme
dumpfe – duns
dünsel – durchbittern
durchbitzen – durchdœnen
durchdrengen – durchgerne
durchgesiht – durchgründen
durchgrunthaftec – durchkifen
durchkiusche – durchlësen
durchlestern – durchlûʒen
durchmâlen – 1durchrecken
2durchrecken – durchsaffen
durchsagen – durchschrecken
durchschrenzen – durchslac
durchslahen – durchsprëchen
durchspreiten – durchswingen
durchtân – durchverwen
durchvieren, durchwieren – durchvrô
durchvrœnen – durchweichen
durchweidec – durchziln
durchzimbern – dûrliche
durlinc – durstebërnde
durstec – düʒʒec

   darbe - dârheit    


darbe stF. ‘Mangel’ swer geltes darbe het, der muͦst verpfenden / mit sicherheite leisten JTit 2256,3

MWB 1 1203,51; Bearbeiterin: Baumgarte

darben swV. 1 ‘(etw./jmdn.) entbehren; etw. nicht haben, das man braucht, anstrebt oder das einem zusteht’
2 refl. ‘sich einer Sache enthalten, auf etw./jmdn. verzichten, etw. (ver)meiden’
   1 ‘(etw./jmdn.) entbehren; etw. nicht haben, das man braucht, anstrebt oder das einem zusteht’ daz der darbet und mangel hât Wh 102,10; u.ö. – subst.: dise nement ouch alle ding von gotte glich, haben und darben, liep und leit Tauler 69,10; der næme als in darbenne als in habenne Eckh 5: 306,2 dô man den ane sluoc / den sî in ir bûche truoc / diu maget [Maria] galt mit darben [Verlust] / daz ezzen, daz diu uncharge [Eva] / dâ âz ze ir schaden Aneg 2929. – i.d.R. mit Gen.: sô muostû darben aller diser êren Gen 286. 504; Wh 374,26; Parz 150,8; ein veltphert, daz niht darbe / wîz und swarzer varbe Ottok 20046; er sol sins bvrclehens dar vmb nit darben [verlustig gehen] SchwSp 219a. – textkritisch problematisch (mit Gen. oder abh. Satz): sô muoz si darben [...] / des [Konjektur] daz si von mir erben sol KvWEngelh 3718. – vereinzelt mit Akk.: biz si grozen [...] zwivel gewan, daz si dez dagez gotez dinest und sine genade darben muste HlReg 66,30. – hierher oder verengt ‘hungern’? dô wart ein grôz hungir in jeme kuͦnigrîche, und her begonde zuͦ darfine [coepit egere] EvBeh Luc 15,14    2 refl. ‘sich einer Sache enthalten, auf etw./jmdn. verzichten, etw. (ver)meiden’ ez was gewonlich in der alten e, swelh wib ein degenkint [einen Sohn] gebære, daz si sich darbete der kirchen vierzech tage Spec 33,26; mir ist liebere daz ich ersterbe den ich mich iuwer beider darbe Gen 1228; Lanc 8,12; swer der minne pflit [...] darbit sich manches sichtumes der im queme uon dem fleumate SalArz 24,31;

MWB 1 1203,54; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) benidene Adv. in der Funktion eines lokalen Pron.-Adv. ‘darunter’ die suͦlin varin wonen ce Numegin ove da beniedene UrkCorp (WMU) 78,44

MWB 1 1204,22; Bearbeiterin: Baumgarte

darbetage swM. ‘Tag der Entbehrung’ wi si in ungemache / hatte an allez widersagen / gebresten grozer darbedagen Elis 7516

MWB 1 1204,25; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) bî Pron.-Adv., meist dâ bî, abgeschwächt auch derbî. Zu Gebrauch und Bedeutung vgl. → Präp. mit weiteren Belegen. 1 demonstrativ
1.1 lokal ‘dabei, dort in der Nähe, daneben, daran, darin’
1.2 selten direktional
1.3 modal, hinzufügend ‘(noch) dazu, außerdem, ferner’
1.4 instrumental ‘dadurch, mit Hilfe von’
2 relativ ‘woneben, wodurch, woran’
   1 demonstrativ    1.1 lokal ‘dabei, dort in der Nähe, daneben, daran, darin’ zvene da bi [bei dem Feuer] stuͦnten VMos 56,20; sine gesellen hiz er beiten / da bi [in der Nähe der Stadt] in einer nahen Herb 1079; Lanc 88,29; waz dar inne vnde dar bie [um das Tote Meer herum] / wunders were zv comen, / da han ich hie alsus vernvmen: / da ist wunderes gewes [= gewis ] Herb 14256; Iw 770; Tr 2225; pi den selben vier wazzeren da ist pi gewurczet vnd gewachsen vil manich guͦte wuͤrcze Konr 17,31; sich die scharten dar bî [am Schwert] / und merke danne, ob erz sî Tr 10185. – mit weiterem Lokaladv.: eine kefsen Parzivâl dâ vant: / ein gemâlet sper derbî dâ lent Parz 268,29 (vgl. 460,5 ); vrouwe, ich muoz von dem lande varn, / und ir hie derbî [hier im Land] bestân / bî mînen vriunden Tr 14037; daz unctio der geist si, / daz ist nahe beschreben do bi [ nahe do bi: gemeint die Stelle wenige Verse vorher] Brun 2261    1.2 selten direktional: da sie darby [zu dem Zelt] kamen, da sahen sie wo ein ritter da vor saß Lanc 363,7; 374,2; 613,28 u.ö.; wen di glose kumpt darbi [zum Text] , / so vernemit ir daz ist gewisse / di warheit an der lugnisse Brun 785    1.3 modal, hinzufügend ‘(noch) dazu, außerdem, ferner’ wie tiure guot wille si, / daz sungen si sa der bi VEzzo 176; wurde mir dabî [zu dem Gruß noch] ein kus, / herzeklichez sorgen ich verlus SM:Ro 9: 2,8; nv wiste ich gerne da bi, / waz minnen siech were Herb 8620; RvEBarl 887. 7667; arômâte und amber was derbî [an dem Wundpflaster als Teil davon] Wh 451,22; ir wengel und ir munt sint so rôsenrôt, / dâbî lachet sî so rechte zarte SM:Had 30: 2,10; waz schât der lieben daz si schœne ist unde dâ bî lôs? KLD:GvN 8: 5,4; SM:Had 11:3,8; ich bin vrô, dabî gemeit SM:WvK 6: 1,7; KLD:UvL 46:4,1. adversativ ‘aber, dennoch’ tochtere Jherusalem sundir hone / bin ich swarz und was do bi schone Brun 609; manger hande bluot / aber nû der meie hât. / dâbî hab ich sorge manigvalt SM:HvS 5: 1,3; KLD:UvL 5:2,6. 20:4,4; wirt, bisende uns würste, / dâbî schæfîn hirne SM:Had 18: 1,8. – ‘dabei, verbunden damit’ Alyse ir rede begunde, / sô daz doch weinen was derbî Wh 157,3; swie guot ein dinc sî, / ist diu unmâze derbî, / ez enmac niht wesen guot WälGa 10174; swâ ab der blic sô schiere ergât, / dâ enist niht ganzer triuwe bî Wig 4265. der mensche neme éine guote wîse und blîbe iemer dâ bî Eckh 5: 286,8 (vgl. → bî belîben , → bîbelîblich )    1.4 instrumental ‘dadurch, mit Hilfe von’ ein vackel wart ûf gebrant; / dâ bî kosten [untersuchten] si ir vunt Wig 5498; dev [Taube] brahte ime [Noah] ein olezvî / wole wisse er dabi / daz irgangen was dev nôt VMos 13,10; maister er in nante, daz man in dabi bechante AvaLJ 132,6; Wig 8916. 2996; Mügeln 101,3; tuot im daz erkant / daz ein lewe mit mir sî: / dâ erkennet er mich bî Iw 5126; 5506; Wig 4258; PrBerthKl 2,41    2 relativ ‘woneben, wodurch, woran’ ich bringe sie im engeine / bi daz burc tor, / da bi min svn Hector / bestatet lit Herb 13498; brehende als ein kerzen lieht / dâ man des nahtes bi gesieht Wig 10379 daz [Laubhüttenfest] wir loubvelle nennen, / da pei wir si [die Juden] erchennen GvJudenb 4022

MWB 1 1204,28; Bearbeiter: Gärtner

dâ(r)/ da(r) binnen Adv. steht als Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit binnen. – lokal ‘dort drinnen’ daer bynnen [in der Stadt] woenden groet heer HvVServ 847. – temporal ‘währenddessen, dabei’ daz er [...] einis kurzen slâfis pflac / dâbinnin dem einsidele rein / Christus unsir hêrre irschein NvJer 21576; so tummen Israhelen! [ sic fatui filii Israel Dn 13,48] / richtet hie sundir sinne, / nicht merkende da binne / ob die rede in warheit / bestê die da wirt gebreit Daniel 7718

MWB 1 1205,31; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) bobene Adv. steht als Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit bobene. ‘darüber’ – lokal: in boven [d.i. enboben ‘oberhalb’] Numegin ensuͦlen si niemer kuͦmin. quemin si ever da boven, so ensal si vͦnse here van Kolne noch husen noch hoven UrkCorp (WMU) 78,45. – modal ‘darüber hinaus’ vnd waz da boven [über das Erbe hinaus] denne blibet, daz teilen sie al geliche UrkCorp (WMU) 2265,10

MWB 1 1205,41; Bearbeiterin: Baumgarte

dar bringen V. dâr 1.2.2, → bringen

MWB 1 1205,50;

darbunge stF. ‘Mangel’ want hirumme habe ouch ich uch gegeben [...] darbunge brotis in alle uwern steten Cranc Am 4,6; ThvASu 106,17; MarcoPolo 75,14

MWB 1 1205,51; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) bûʒen Adv. steht als lokales Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit bûʒen. ‘außerhalb davon, außerhalb dessen’ slêt ir ein den anderen tôt âne sîne schult binnen sînen geweren oder dar bûzen SSp(W) 3:91,1; do enkomet aber niemant in / wen die lutter gar von sunden sin. / [...] alle die [...] sich nicht wider irlichten, / also daz sie iz hir bichten, / [...] die muzen wesen da buzen / und muzen in der helle sin HeslApk 22378

MWB 1 1205,55; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) durch Adv. auch der-, dor-, -dur, durg, durih/dureh; da- in Distanzstellung v.a. in Satzanfangsposition. Pron.-Adv., steht im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit durch und kann in alle Bezugsverhältnisse eintreten, die die Präp. durch ausdrückt (vgl. 1.1) 1 demonstrativ ‘da, dort durch’
1.1 wiederaufnehmend
1.1.1 einzelne Ausdrücke
1.1.1.1 in Kontaktstellung
1.1.1.2 in Distanzstellung,
1.1.2 den Inhalt des vorher Gesagten wiederaufnehmend
1.1.2.1 kausal (?) oder zu 1.1.1.1.1
1.1.2.2 mit einem kausalen oder finalen Nebensatz korrelierend
2 relativ, einzelne Ausdrücke aufnehmend
2.1 in Kontaktstellung
2.1.1 direktional ‘durch den/ die/das’
2.1.2 instrumental ‘wodurch’
2.2 in Distanzstellung
   1 demonstrativ ‘da, dort durch’    1.1 wiederaufnehmend    1.1.1 einzelne Ausdrücke    1.1.1.1 in Kontaktstellung:    1.1.1.1.1 direktional: – von einer Seite zur anderen, vollständig hindurch (vgl. durch 2.1.1): er [der Harnisch] ist als ein hemde ringe, / mit deheiner slahte dinge / mac man in zebrechen / noch dar durch gestechen Wig 6087; backez harte. so stecke do durch einen spiz vnd legez zvͦ dem viuͤre BvgSp 27; min herre Gawan kam rytende in eynen walt. da er dardurch kam, er fant ein schön wiesen Lanc 194,17; mîn herze sêre / si mir durbrochen hât, / wan sî da dur, diu hêre, / so giwalteklîche gât SM:Had 1: 5,3. – durch eine Öffnung (vgl. durch 2.1.2): so suôhchet siu [die Schlange] einen locherohten stein. unde slîuffet dâr dureh unde strêifet dîe hûd abo ÄPhys 11,15; hie gienc ein venster durch die want: / dâ durch rahter die hant Iw 3304; Tr 11118. – entlang seitlicher Begrenzungen (Rinne, Gasse etc.): da [im Toten Meer] werdent zvelf strazen / da durch solt du si lazen VMos 46,10. – durch ein anderes Medium hindurch (vgl. durch 2.1.3): ie dar nach als daz glas ist, also schinet die svnne da dvrch PrBerthKl 6,129; swaz ir lîp hât kleider an, / dar durch kan ich alle ir tugende spehen KLD:UvL 54: 1,4. – eine räumliche Erstreckung durchziehend, durchdringend (vgl. durch 2.1.4): bî einer linden er dô sach / ligen einen breiten stein, / [...] / striemen rôt unde gel / giengen dar durch eteswâ Wig 1482; Lanc 465,24; Kartago Diu rîche burch / mit gewalte reit er dâ durch VAlex 1186; daz geschach im doch von klârheit sîner sêle; dâ durch dranc diu minne von berunge der gotheit Eckh 1:407,9    1.1.1.1.2 kausal/instrumental: wolt ir haben nû gedult, / sô wil ich iu sagen noch eine schult, / durch waz wir sulen allentsamen / gerne heiligen gotes namen; / wir durfens dâdurch allermeist Kröllwitz 1003; sie waren [...] fro das sie yn [den Ritter] hetten, dann sie meynten, es were Lancelot und den krieg da durch [deshalb, damit] zuende bracht haben LancII 752,18    1.1.1.2 in Distanzstellung, direktional: die porte wurden zuo getân, / dâ sî durch was gegangen Iw 1705; die lücken wâren wît, / dâ si durh mohten brechen Wh 436,19; Parz 445,15    1.1.2 den Inhalt des vorher Gesagten wiederaufnehmend    1.1.2.1 kausal (?) oder zu 1.1.1.1.1: ûf den helm er in sluoc / daz der wênige man / dâ durch ein wunden gewan Er 4437    1.1.2.2 mit einem kausalen oder finalen Nebensatz korrelierend: vnd do dvrch daz daz sie sin niht vorloukenen wolden so warn si in einen gluͦenden ofen geworfen PrLeys 111,23; daz ir dar durch her sît komen daz ir mit mir strîten welt PleierMel 8178    2 relativ, einzelne Ausdrücke aufnehmend    2.1 in Kontaktstellung:    2.1.1 direktional ‘durch den/ die/das’ – von einer Seite zur anderen, vollständig hindurch (vgl. durch 2.1.1): Abdirus was ein michel stat. / [...] dâ durh er varen solde SAlex 2210. – entlang seitlicher Begrenzungen (Rinne, Gasse etc.): die der akker gewaltich wærn [...], da dvrch der vorgenant wazzerflvz get UrkCorp (WMU) 3000,31; daz mir daz wazzer würde, des enahte ich zemâle niht, waz künnes diu rinne sî, dâ durch ez mir würde Eckh 5: 307,9    2.1.2 instrumental ‘wodurch’ [der König] wart, gebalsamt gar, / geleit in einen edeln stein / ûf eine sûl, dâ durch er schein / vor der stat über al daz her Wig 10725; ich sag uch furware das ich sitt solch hilff funden han dardurch unser wiedderparthy uberwunden sol werden LancII 278,12    2.2 in Distanzstellung: won er hieng ôch aller an ainer hant. da ain nagel durch geschlagen wart PrWack 44,113; di rude bizechinit di maitheit, / da der godis sun dur von himile screith, / da he di menschit ane nam WildM 4,14

MWB 1 1206,1; Bearbeiterin: Baumgarte

dare Adv. i.d.R. dar, seltener dare, vereinzelt dari und dara; bei der Bildung von Pron.-Advv. allomorph zu in den Formen dar/dor und der/dir, vor Vokal auch dr- und d-. dar/dare steht gelegentlich für lokales → dâr/dâ, z.B.: hette sie die finster niet vertriben, / sie weren die nacht dare bliben Herb 9563. Direktionales Adv., vereinzelt temporal ( 1.1.1.3 , 1.2.2 ) und final ( 1.4 ); gelegentlich verstärkt durch al 1 demonstrativ ‘dorthin’ , ‘bis dahin’
1.1 wiederaufnehmend
1.1.1 den Ziel- bzw. Endpunkt einer Bewegung, eines Handelns oder Geschehens benennend
1.1.1.1 einen Ort aufnehmend, der durch ein einzelnes Satzglied ausgedrückt wurde
1.1.1.2 einen Ort aufnehmend, der sich durch eine beschriebene Situation oder die Gesamtsituation konstituiert
1.1.1.3 einen zeitlichen Endpunkt aufnehmend, der sich durch eine beschriebene Situation oder die Gesamtsituation konstituiert
1.1.2 die Richtung einer Handlung angebend (auch die mentale oder emotionale Hinwendung betonend)
1.1.2.1 die Hinwendung zu einer Person
1.1.2.2 die Richtung der Aufmerksamkeit, eines Wünschens oder Strebens angebend
1.2 auf dem Weg zum trennbaren Präfix den Zielpunkt vertretend
1.2.1 direktional
1.2.1.1 mit einer Perspektivumkehrung von wiederaufnehmendem ‘dorthin’ zu ‘herbei’
1.2.1.2 unter Abschwächung der Gerichtetheit im weitesten Sinne den öffentlichen Raum bezeichnend ‘vor -, hin-’ (im Belegmaterial keine Übertragung zu ‘offen’ wie in nhd. darlegen )
1.2.1.3 unter der Perspektive des Fortgebens (ohne dass eine Zielperson oder eine Richtung benannt sind, vgl. 1.1.2.1 ) ‘hin-, fort-’
1.2.2 temporal, parallel zu 1.2.1.1 mit der Perspektivumkehrung von wiederaufnehmendem ‘bis dahin’ zu ‘bis auf den heutigen Tag’ in den Wendungen
1.3 korrelierend mit einem präp. Ausdruck, der das Ziel angibt
1.4 korrelierend mit einem abh. Satz, der das Ziel oder Ergebnis angibt
2 relativ ‘wohin’
2.1 mit Bezugswort im übergeordneten Satz
2.2 oft ohne Bezugswort im übergeordneten Satz
3 in paarigen Ausdrücken
3.1 mit dan , dannen
3.2 mit dar
3.3 mit hin
3.4 mit her
3.5 mit wider
   1 demonstrativ ‘dorthin’, ‘bis dahin’    1.1 wiederaufnehmend    1.1.1 den Ziel- bzw. Endpunkt einer Bewegung, eines Handelns oder Geschehens benennend    1.1.1.1 einen Ort aufnehmend, der durch ein einzelnes Satzglied ausgedrückt wurde: do chomen si zeineme steine / dar gi Moyses alterseine VMos 48,12; diu genade ist daz paradise: / dar werdent alle di gewiset, / die daz umbe got verdienent Wahrh 16; ein fores stuont da nahen, / aldar begunde ich gahen Tannh 3,20; swar ir wellet, dar wil ich Tr 14001; ûf mînes herzen veste [...]. / sî vertrîbet al die geste, / die dar ladent mîne sinne KLD:BvH 16: 3,5; Iw 2130    1.1.1.2 einen Ort aufnehmend, der sich durch eine beschriebene Situation oder die Gesamtsituation konstituiert: Menesteus [...] stach Odiniam, / daz er vf die erden quam. / des wart Paris gewar / vnd sluc einen phil dar Herb 5746; sie schrei so lute, daz dare / die lute alle quamen / vnde sie von den sorgen namen ebd. 18171; da wurde wol gesungen, / getanzet und gesprungen. / nu dar! nemet war, wa diu liebe springet Tannh 4,119. – übertr.: din tugend ob aln tugenden stan / so hoch, daz keine tugend dar gereichet SM:We 1a: 3,4    1.1.1.3 einen zeitlichen Endpunkt aufnehmend, der sich durch eine beschriebene Situation oder die Gesamtsituation konstituiert: ouch hete er sînes lîbes kraft / harte wol enthalten dar [bis dahin] Er 796; si enmohten noch enkunden / ir mit kreften niht gelegen / noch die arme alsô geregen / als si tâten unze dar ebd. 890    1.1.2 die Richtung einer Handlung angebend (auch die mentale oder emotionale Hinwendung betonend)    1.1.2.1 die Hinwendung zu einer Person: er gnadit in vnde neic dare / vnde saz vf vnde reit Herb 1208; wer dich gesleht an dinen wangen, / den andern solt du ym dar gelangen EvStPaul 6747; daz [den Knochen] soltû dînem hunde darwerfen PrBerth 1:91,9; ich nam niht wan einer war: / mîn ougen blihten dike dar SM:HvS 3: 1,7; Tr 1101; ich tuon im werden dienst dar Parz 645,23. – mit dem Aspekt des Fortgebens (vgl. 1.2.1.3 ): schilt und sper reicht man im dar Wig 1875. 9003; Parz 150,13. Tristan der süeze junge / hiez im [dem Boten] zu sîner lîpnar / zwô marc goldes wegen dar HvFreibTr 1442; einen schilt hiez si dar strecken / und den mit rôtem gold bedecken Orend 2195; do cronete man in mit golde / vnd leh ime ein lant dar Roth 4720; Teichn 236,74    1.1.2.2 die Richtung der Aufmerksamkeit, eines Wünschens oder Strebens angebend: so warte ich jæmerlîchen dar / unde stên verdâcht als ein ellender man SM:Had 7: 4,5; frô mich der gedinge tuot, / den ich hân ze reinem guote: / mit versentem muote / ger ich dar und doch mit schœner zuht SM:KvL 19: 3,4; wê, waz ich do trôstes mich ze dir versach! / dar dient ich sît, daz ich mîn stæte nie zerbrach SM:Te 5: 1,7    1.2 auf dem Weg zum trennbaren Präfix den Zielpunkt vertretend    1.2.1 direktional    1.2.1.1 mit einer Perspektivumkehrung von wiederaufnehmendem ‘dorthin’ zu ‘herbei’ des cleinœdes was ouch genuoc / des siu im vil hiez dar tragen UvZLanz 6501; do rief er eime knappen dare / vnd enblozzete im gare / sin leit vnde sine swere Herb 11251; Sîfride und Kriemhilde wart beiden dô geseit, / daz ritter dar komen wæren NibB 740,2; VMos 47,30    1.2.1.2 unter Abschwächung der Gerichtetheit im weitesten Sinne den öffentlichen Raum bezeichnend ‘vor -, hin-’ (im Belegmaterial keine Übertragung zu ‘offen’ wie in nhd. darlegen): hübeschlîch / was alle sîne rede gar; / rechte als der rôsen wurfe dar, / sus bluoten in der stunde / die wort ûz sînem munde HvFreibTr 1304; in Verbindung mit → setzen auch im Sinne einer allgem. Verbindlichkeit: so mac der capitel ein anderen dar setzen zu eime landescommendûre StatDtOrd 101,5; iewedirz hat er dar gesezit, scilicet [nämlich] David: rehtin gedingin vnde got ze vvrhtin Spec 9,2    1.2.1.3 unter der Perspektive des Fortgebens (ohne dass eine Zielperson oder eine Richtung benannt sind, vgl. 1.1.2.1) ‘hin-, fort-’ – meist tendierend zu ‘(etw./ sich) preisgeben, ausliefern’ Genelun sine truwe dare gab: / er geuuͦgte in ze handen / den helt Roͮlanden Rol 1983; Iw 7219; wer zeiget zu dem knechte, / in solchen truwen klar / der sinen hern †befechte / und geb sich selber dar Mügeln 356,4; ze pfande er gît sich selben dar Parz 609,20; sü strahtent dar lip und muot, / dez wart verreret wit ir bluot ParzRapp 106,8; WhvÖst 15750. – hier wohl fachspr. oder umgangsspr. bedingtes verkürztes Sprechen ‘servieren’ schuͤz ez in einen ofen vnd laz ez backen. vnd gib in [den Fladen] dar also heiz BvgSp 86. 74a    1.2.2 temporal, parallel zu 1.2.1.1 mit der Perspektivumkehrung von wiederaufnehmendem ‘bis dahin’ zu ‘bis auf den heutigen Tag’ in den Wendungen: ~ bringen ‘etw. seit langem (bis heute) in Besitz haben’ (vgl. WMU 1,291 B1.2; 1,343 B4 und → hër mit bringen): wan der ertzpischolf [...] spricht, er hab ez drizzich iar in rehter gwer dar braht UrkCorp (WMU) 787,2; ir hvͤs ze Rinuelden, das ir was vnd dar hatte brach vur ir eͥgen hvͤs ane alle widersprache, vnd das si do lidich vnd leire [frei von Ansprüchen und Auflagen] in ir hant hatte UrkCorp 540,43. 5 u.ö.; hierher oder ‘mit in die Ehe bringen’ nach dem totleibe sol div frowe nemen ir morgengabe vnd allez daz dar zvͦ horet, daz varnde gvͦt heizet [...] div bette, div si dar brahte, bolster vnd kvssin, div si dar brahte SchwSp 17a. von alter ~ ‘von alters her (bis in die Gegenwart)’ diu [Secundille] het in ir rîche / hart unlougenlîche / von alter dar der liute vil / mit verkêrtem antlützes zil: / si truogen vremdiu wilden mâl Parz 519,7; wie es von alter dar komen were UrkBasel 4:138,42 (a. 1340)    1.3 korrelierend mit einem präp. Ausdruck, der das Ziel angibt: mîner frouwen solt du singen in ir ôre dar SM:HvStr 1: 1,2; HvNstAp 11891; die wâren zuo dem mâle / alle dar ze hove komen Tr 6033; Rol 220; Tauler 57,21    1.4 korrelierend mit einem abh. Satz, der das Ziel oder Ergebnis angibt: er wirt gefuͦret alsam ein schaf, dar, da man in slehet Konr 10,61; sie zeigeten mit den fingern dar, / da sie sahen in die schar / ir man vnd ir amis Herb 6253. sît diu fröide ist gar dahin, / sô wil ich gedenken dar, / der [derjenigen, der] ich eigenlîche bin SM:St 12: 1,6. von Wîzenecke her Dietmâr, / mit gefuoge brâhte schône dar [brachte es dazu] , / daz der herren etlich in / sanden gegen Beiern hin Ottok 2006    2 relativ ‘wohin’    2.1 mit Bezugswort im übergeordneten Satz: daz ich vngefangen / kvmen bin [...] / von crichen, dar ich was gesant Herb 2073; den brachte Alexander / von vremidime lande / dar nie nichein cristin man / weder e noch sint ne quam Roth 4958; so muß ich anderswar dar mich gott gewiset Lanc 41,20    2.2 oft ohne Bezugswort im übergeordneten Satz: so vergizzit er dar er scolta MemMori 120; die boten du cherten, / dar man si lerte, / zu der cristin lande Rol 626; Tr 2417. 15281; daz ich mit triuwen allen mînen sin / bewendet hân, dar es mich dunket vil MF:Reinm 6a: 4,5    3 in paarigen Ausdrücken    3.1 mit dan, dannen: lieplîch blicken von den wîben dar und dan mit spilnden ougen KLD:GvN 3: 2,2; liez ich dô daz ouge mîn / tougenlîchen an daz dîn, / daz brâhte ich unsanfte dan / unde lîhte dar MF:Reinm 26: 4,10; Tr 882. 902. mîn gewerbe ist anderswar, / ich gê dannân oder dar MF:Reinm 60: 3,7    3.2 mit dar: daz mich mîn gemüete / dar noch dar, wan dar so strîteclîchen treit SM:UvS 24: 5,4; sô sleht er danne ûz aller craft / dar unde dar und aber dar Tr 855    3.3 mit hin: als ein swîn in einem sake / vert mîn herze hin und dar SM:St 4: 4,2; dise zwifaltickeit / wiste in hin vnde dare Herb 11349    3.4 mit her: daz niemen chunde erlangen / die hœhe noch ergründen nider / die wîte für unde wider, / die lenge her unde dar KvHeimHinv 881; nv horet, wie Cassandra sprach, / do sie die toten alle sach / ziehen dar vnd her Herb 6131; er treip ez her vnt dare / mit gelubede vnde mit bete, / daz sie sinen willen tete ebd. 17597; si vrâgeten her oder dar, / daz er des alles antwurt bôt Tr 2736    3.5 mit wider: si [Akk.] triben die tobenden ünde / wîlent ûf und wîlent nider, / iezuo dar und iesâ wider Tr 2432

MWB 1 1207,18; Bearbeiterin: Baumgarte

dære stN. Bed. unklar, wohl eine übermütige Handlung bezeichnend (vgl. dæren und möglw. dârheit ), also je nach der Deutung von dæren ‘Tollheit, Tollkühnheit’, ‘Scherzen, Kokettieren’ oder ‘Vorstellung, Aufführung, Possenspiel’ dô zuhtes [da riss sie] von der wende / ein liehtschît, daz was swære. / hie gât ez an ein dære, / dâ wart lachen tiure BFrau 512

MWB 1 1210,1; Bearbeiterin: Baumgarte

dære (?) Adj. md. dâr (?). ‘passend, angemessen’ (vgl. undære Adj. und nd. dâr Adj. ‘angemessen, wenn es die Umstände erlauben’ in SSp(W) 1:63,2 mit Anm.z.St.): [ vrien ist ein passender Reim zu Marien ] : daz ‘vrien’, stunde iz anderswar, / daz were valsch und ist ganz dar, / wen [weil] sich da rimet der name HeslApk 1426

MWB 1 1210,9; Bearbeiterin: Baumgarte

dæren swV. auch taren, teren; Herkunft unklar (vgl. Schmeller, BWB 1,533). Bed. unklar: ein hörbares Verhalten (vgl. SHort 384 ), das mit singen und gleichermaßen auch mit tanzen, springen und trëten auftritt, also Aspekte von Bewegung oder Darstellung transportiert. Es gehört in den Bereich der weltlichen Freuden und wird mit dem Verhalten von und zu Kindern assoziiert. ‘übermütig sein, scherzen, kokettieren, darstellen’ (?): so wil ich tragen hohen muͦt / und wil mit ogen schowen / [...] der welt wunneclichen schin, / smaken muscat, nægelin, / horen vogel singen, / taren, saitten clingen SHort 384; im [dem Jesuskind] zarten, singen, tæren / soltu ze allen ziten ebd. 1596; daz kint kam frolichen springen, / terent und singen ebd. 2882; nim schœne iunchfrowa [...] und haiz die singen und springen und tanzon und treten und dêron PrSchw 2,131; ir gumphelfuͦr si [Salome, mit dem Haupt des Täufers] began, / teren, singen aber als e / mit wilden sprúngen sam ain re SHort 3101

MWB 1 1210,16; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) enbinnen Adv. steht als Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit enbinnen. – lokal ‘dort drinnen, innerhalb dessen’ rosen, liljen ind violen / muͤzen si al an ime holen, / diͤ bluͤen willent dar enbinnen / in dem herzen MarlbRh 7,29. 73,1. 97,6. – temporal ‘dazwischen, innerhalb (eines Zeitraums)’ dat [...] suͦlen wir endin binnen virzich dagen [...] jnde da in binnen in sal erwedir vͦp den anderen engeinen schaden duͦen UrkCorp (WMU) 78,34

MWB 1 1210,37; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) enbobene Adv. steht als Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit enbobene. – wiederaufnehmend ‘darüber (hinaus)’ dat si sprehgint op di van Colne, inde dar inboven geven suͦlin den van Colne zwei hundirt marc UrkCorp (WMU) 45,24. – vorausweisend, mit einem präp. Ausdruck oder einem abh. Satz korrelierend ‘da oben’ daz dir wirt dar enboben / zu himelrich ein ewic leben Pass III 380,86; dit han ich ouch gesacht dar enboven, / dar ich din suͤze wort muͦst loven MarlbRh 116,5

MWB 1 1210,47; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) enbûʒen Adv. steht als lokales Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit enbûʒen. ‘außerhalb davon’ wilch burger, de zo Coelne gesessen is ind eynche sachen ghaende ind zo schafen hait mit yemanne, de daenbuyssen gesessen is UrkKöln(St) 1:57,19 (a. 1347)

MWB 1 1210,58; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) enëben Adv. auch dâ-, der- -neben(t); im Belegmaterial keine Distanzstellung. Pron.-Adv., steht im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit enëben; einzelne Ausdrücke wiederaufnehmend ‘daneben’ ze Regenesburch [...] / ain wazzer haizet der Regen, / der rinnet dâ inneben Kchr 16833; der knappe den furt dar an vermeit. / den tager gar derneben reit Parz 129,12; das halbteil Genselins hvses vnd des ovenhvses dar nebent UrkCorp (WMU) 2643,22 u.ö.; daz fiwer was / ob dem tor unde derneben Ottok 9152; Lanc 349,28 u.ö. – übertr.: der nie gewarp nâch schanden, / ein wîl zuo sînen handen / sol nu dise âventiure hân / der werde erkande Gâwân. / diu prüevet manegen âne haz / derneben oder für in baz / dan des mæres hêrren Parzivâl Parz 338,6; got der sprach an ainer stat: / ‘wer ist der mich lieb hat / der hoͤr gern meinew wort / nutzleich auf allew ort / und setz seinew werch da neben Teichn 347,37. 334,31

MWB 1 1211,1; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) engegen Adv., Konj. auch do- und -engagen. 1 Pron.-Adv., steht im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit engegen und steht überw. in adversativem Bezugsverhältnis,
1.1 wiederaufnehmend
1.1.1 einzelne Ausdrücke
1.1.1.1 in Kontaktstellung
1.1.1.2 in Distanzstellung
1.1.2 den Inhalt des vorher Gesagten wiederaufnehmend
1.1.2.1 in Kontaktstellung
1.2 vorausweisend
2 Konj. zur Einleitung adversativer Sätze ‘demgegenüber, andererseits’
   1 Pron.-Adv., steht im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit engegen und steht überw. in adversativem Bezugsverhältnis, demonstrativ:    1.1 wiederaufnehmend    1.1.1 einzelne Ausdrücke    1.1.1.1 in Kontaktstellung: – direktional ‘auf jenes /jenen zu, dem entgegen’ der [Himmel] ist also geschafen, daz er iemer loufet uon ostert hin in westert. da engegen [von Westen nach Osten!] loufet die sunne vnde der mane vnde allez daz gestirne Lucid 10,6; übertr.: si wellent uns vierhalben an renne; / nu warne wir uns dar ingegene Rol 3966; Will 125,6. – adversativ ‘dagegen, dem entgegen’ unser sunde di sint vil manichvaltich; darn gegen hât der himelische vater arzât und manige helfe uns gesetzet von sînen heiligen PrStPaul 26,7; auch unter erwiderndem Aspekt: mit micheler froude huͦben si / ‘monsoy, monsoy!’ / di haiden ir zaichen / pegunden dar in gegene [dagegen an] rufen Rol 4918; abgeschwächt als gegenüberstellende, gelegentlich eher vergleichende Redefloskel ‘demgegenüber’ vone diu heizzet daz niderre terra morientium, / daz oberere dar ingegen terra viventium Himmelr 2,26; nu waren zwene arme man die solten scaz gelten, / der eine besundert der solt vif hundert, / der ander dar engegene sibinstunt zehene AvaLJ 81,5. – lokal ‘dem gegenüber, auf der anderen Seite davon’ von der selben floe hinabe die richte in den bach vnd daengegen die richte vf UrkCorp (WMU) 460,13; das der in dem grab lege und das das sin heubt were das off der zinnen da entgegen steckete Lanc 169,9. – abwägend, ausgleichend: biheldit dan die man daz guit, da min uf giclagit heit, daz guit daz da inkein gisazt is zu enir rechtin weri, daz inmac min nicht vircophi noch virsezzi ani des mannis liebi, demi iz zu werin gisazt is Mühlh 129,8; dar ingegene [zum Ausgleich] solin wir [...] hain dat dorf zuͦ Guntirshusen UrkCorp (WMU) N282,23    1.1.1.2 in Distanzstellung: si kunten in die hôhzît, diu dâ solde sîn. / dâ zierten sich engegene [schmückten sich vorbereitend darauf] diu vil schœnen magedîn NibB 564,4. Polidamas sluc dar / [...] durch des halsberges rinc, / durch fleisch, durch bein, / als da niht were engein Herb 5235    1.1.2 den Inhalt des vorher Gesagten wiederaufnehmend    1.1.2.1 in Kontaktstellung: – adversativ ‘dagegen, dem entgegen’ daz ist ein lobilichir pris, / swenniz dem manne missegât, / daz er sich dan wol gehat / vnd sich stellit dar ingegin, / als im sin dinc ist gelegin Athis C 157; swer do engegen tét, der schol der stat ze Wienne ze buͦz geben zway pfunt goldes UrkCorp (WMU) 477,34; gegen allen den, die da engegen ihttesicht ze sprechen habent UrkCorp (WMU) 1156,10; auch unter erwiderndem Aspekt: Troylus liz dare gan, / Diomedes dar engein. / da hup sich vnder in zwein / der starke zorn vnde nit Herb 12425; dâ engegen er trûreclîchen sprach Wh 67,8; abgeschwächt als gegenüberstellende, gelegentlich eher vergleichende Redefloskel ‘demgegenüber’ waz hulfe dar engegen mich / ob ich wær sinnen rîche KLD:Kzl 2: 9,11; da engegen [iterum 23,16 ] sprach der bischolf UrkCorp (WMU) 23,6    1.2 vorausweisend: – mit dem folgenden Nebensatz korrelierend: dâ engegen, dâ daz herze lac, / dar tet diu schœne manegen slac Tr 1177    2 Konj. zur Einleitung adversativer Sätze ‘demgegenüber, andererseits’ swenne div goͮte sele uon deme lichenamen sceidet, [...] so bringent si die heiligen engele zoͮ deme waren scirmare [...]. da engegene wirt div sundige sele leider bitterlichen enphangen Spec 146,19

MWB 1 1211,20; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) engegenüber Adv. steht als lokales Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdruck mit engegenüber. ‘dem gegenüber’ dc hv́s dc da gelegen ist einhalp bi des Meders hv́s vnt da dv́ offen strâse fur gat, vnt da engegen vber lît Hv́ges Swamburges wibes hv́s UrkCorp (WMU) 2294,6

MWB 1 1212,29; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) enzwischen Adv. i.d.R. Formen mit da-, vereinzelt der-; auch -in-, -’n-, -zwisken. steht als Pron.-Adv. im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit enzwischen. ‘dazwischen’ – lokal : ez sahen auch suͤmlieh daz der mane oben vil rot waz und niden swartz sam daz pech. da enzwischen sahen si daz hilig chræutz PrOberalt 10,19; so sich der mane gehindert so verre, daz er die rihte gegen der sunne ist gestellet, daz die erde der enzwischen ist MNat 11,1; die scar cherten an ain ander. / [...] ain grabe was da inzwisken Rol 4541; daz wâren tier guldîn, / geworht mit grôzem vlîze; / dâ enzwischen berle wîze / wâren gestecket Wig 783; VMos 76,26. – direktional: drîer slahte sanc, / [...]nû hilf mir, edelr küniges rât, da enzwischen dringen [zwischen die unterschiedlichen Stillagen] Walth 84,28; wil er da in zwischen durch uaren, / er muz unsanfte erbaizen Rol 3980. – temporal: den âbent und den morgen / ringe ich ie mit sorgen, / da’nzwischen über alle zît: / kumber hât mich âne strît HartmKlage 693

MWB 1 1212,35; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r) gegen Adv. auch der-. Pron.-Adv., steht im Satz anstelle eines präp. Ausdrucks mit gegen und steht überw. in (auch übertragenem) direktionalen oder abwägendem Bezugsverhältnis. 1 demonstrativ
1.1 wiederaufnehmend
1.1.1 einzelne Ausdrücke
1.1.1.1 in Kontaktstellung
1.1.1.2 in Distanzstellung
1.1.2 den Inhalt des vorher Gesagten wiederaufnehmend
1.1.2.1 in Kontaktstellung
1.1.2.2 in Distanzstellung
1.2 vorausweisend
2 relativ ‘wogegen, wohin’
2.1 in Kontaktstellung
2.2 in Distanzstellung
   1 demonstrativ    1.1 wiederaufnehmend    1.1.1 einzelne Ausdrücke    1.1.1.1 in Kontaktstellung: – direktional ‘auf jenes /jenen zu, dem entgegen,’ do ersach der tumpheit genôz / ein hûs ze guoter mâze grôz. / [...] / den knappen hunger lêrte / daz er dergegene kêrte Parz 142,20; nu tanze eht hin, min liebez, min gelüste! / la din sitzel blecken / ein wenic durch den willen min, da gegen muoz ich schrecken Tannh 11,24; übertr.: gein der wunneclîchen wunne [...] / dâ gein fröit sich manic herze KLD:GvN 7: 1,5; ze strît er sich bereite. / sîn vîent ouch niht beite, / er enwarnete sich dergegen UvZLanz 2543. 8951. – adversativ ‘dagegen, dem entgegen’ dâ gein ich niht wil strîten Parz 615,5; da schoß der ander [Drachen] flammen ußer sim hals, und Lancelot warff den schilt dargein Lanc 572,3. – lokal ‘dem gegenüber, auf der anderen Seite davon’ anderhalb ackere vffeme reine nebent deme Twingensheim wege vnd der gegene drie ackere an eime stucke UrkCorp (WMU) N100,2; sie [...] schriben off yglich grab, [...] aller der namen die uß des konig Artus hof gefangen waren, und off yglich zinne dargegen saczten sie einen helm Lanc 168,38. – abwägend, ausgleichend, eine Gegenleistung angebend ‘dafür, zum Ausgleich’ do diu schulde wart ûf getragen / und man die wâge enbor solde haben, / sô was daz unreht sô swære: ob allez guot der gegen geleit wære, / daz ie iemen getete / sô enwær diu wâge von der stete / niemer erwegen, / unze sich got dar ûf muose legen Aneg 2804; daz bette [ lît marveille ] und die stollen sîn, / von marroch der mahmumelîn, / des krône und al sîn rîcheit, / wære daz dar gegen geleit, / dâ mit ez wære vergolten niht Parz 561,26. 223,14; dar vber hant ze gisel geben die búrger von Basele hern Marchwart von Jfendal [...] da gegen die búrger von Lucerne hant ze gisel geben Chuͦnr. Thornech [...] UrkCorp (WMU) 1487,37. N364,35; Ottok 4913    1.1.1.2 in Distanzstellung: het ab ir ein vinger dort verlorn, / dâ wâgte ich gegen mîn houbet Parz 298,27    1.1.2 den Inhalt des vorher Gesagten wiederaufnehmend    1.1.2.1 in Kontaktstellung: – direktional: swenne dir din bruͦder sprichet oder tuͦt daz dich betruͦbet, so solt du dergegen gedultig sin PrGeorg 216,27. – adversativ: swes dû bitest mich / des tuon ich niht und wil durch dich / doch tuon waz dâ gegen stât [das Gegenteil von dem tun] RvEAlex 3767; wende he in ubirzugen wil, ab he keine theidinc dakegen brengen muge, he muze sinen gezuk liden StRFreiberg 84,20. – abwägend, ausgleichend, eine Gegenleistung angebend ‘dafür, zum Ausgleich’ swaz ir uns danne ze êren tuot, / da gein haben wir dienstes muot Wh 250,12; wer ir recht straffen welde, der solde do kegen sezin lip unde gut RbMagdeb 245,25    1.1.2.2 in Distanzstellung: swer iu tuot od hât getân, / dâ biut ich gegen mînen schilt Parz 24,27; wider die enhalt Leches [...], swenne vns die tvnt, da svlen si vns gegen helfen UrkCorp (WMU) 1539,15; Ottok 6382    1.2 vorausweisend: – mit dem folgenden Nebensatz korrelierend: daz er niht tac unde naht / dâ gegen trahte und gedâht, / daz er des über wære, / daz sîn lant und in verbære / beide laster unde schaden Ottok 364. – mit dem folgenden Hauptsatz korrelierend: mich enriwet niht mîns heres tôt / dâ gegen: minne mangels nôt / lestet ûf mich sölhen last Parz 219,20    2 relativ ‘wogegen, wohin’    2.1 in Kontaktstellung: idoch [...] / wurden gnug der heiden / vom lebene gescheidin / [...] / dâkegn der brûdre zu der stunt / vorsêrit zwelfe wurdin NvJer 23041    2.2 in Distanzstellung: sin lob wolt er mêren / bey der haidenischen diet / da er gegen schiet Wernh A 4256

MWB 1 1212,56; Bearbeiterin: Baumgarte

dâ(r)/ da(r)heime Adv. auch dar- (nur 2); vgl. heime Adv. 1 im (engeren oder weiteren) eigenen Lebensbereich, ‘daheim, zu Hause, in der Heimat’
2 ‘nach Hause’
   1 im (engeren oder weiteren) eigenen Lebensbereich, ‘daheim, zu Hause, in der Heimat’ sît wîbes herze hât sîn lîp / und sî mannes herze hât: / sô üebet sî manlîche tât / und solde wol turnieren varn / und er dâ heime daz hûs bewarn Iw 3006; ist der wirt dinne niht oder ist niht anheimisch, verbiutet danne der waibel des gastes gut in der frowen munt [...] so sol der wirt [später bei Gericht] davon antwurten als ob er daheime gewaesen waere StRAugsb 221,30; swer die herren die bürge habent dâ heime suochet, der sol in büezen, alse hie vor gesprochen ist SpdtL 192,4; swaz auz gegangen ist, daz ist daheim nicht Eckh (J) 36,24. sa gaben si Moyse di sculde / si sprachen algemeine / si waren baz daheime / da heten si mit follen / fleisk unde ziuollen VMos 48,2; daz sie vroliche / besazzen da heime ir riche Roth 385; wie ir igelich sin ende nam / da heime vnde in ellende Herb 18447; dâheim in tiutschen landen Ottok 54571    2 ‘nach Hause’ die man [...], di diz corn snitit unde in mi sacki darheim vurit Mühlh 153,25

MWB 1 1214,6; Bearbeiter: Plate

dârheit stF. Bed. unklar, zu nd. dâr (?) ( ‘Angemessenheit, Wohlerzogenheit, Würde’ (?) → dære Adj./ → undære Adj.; auch ‘übermütige Kühnheit, Waghalsigkeit’ in Anbindung an → dære stN./ → dæren wäre denkbar): mîn hant mit grôter darheit bôt / justêren dâ ûf mînen schaden Crane 4233

MWB 1 1214,29; Bearbeiterin: Baumgarte