hovezorn
stM.
‘Zank, Streit an einem Hof’
hete ich bürge unde lant und wære ich zu guote geborn, / sô entsæze ich dem
winter wol sumelîchen hobezorn Fegfeuer
1:15,10
MWB 2 1759,31; Bearbeiter: Diehl
hovezuc
stM.
‘Anrufung eines Hofgerichts’
gelob wyr, sy czu lassen bey allen hofeczugen, dy si werden tun
[...] vmme schult vmme totslege
[...], also daz man dy sal richten
[...] in der stat, vor vns oder vnsen houerichter
DRW
5,1385
(LiegnitzUB. 109; a. 1344)
MWB 2 1759,35; Bearbeiter: Diehl
hovezuht
stF.
bei Hof angemessenes Verhalten (vgl.
hovesite
,
hovewîse
):
nu was durch hovezuht gesant / ein werder juncherre
dar [an den Hof]
KvWHvK
50;
daz ist des Tanhausers getiht und ist guot hofzuht
TannhHofz
Überschr.;
Iw
6253;
wer lert ivch dise hovezuht, / her chünich, daz ir iwern leip / so eisiert
[pflegt, verwöhnt] sam ein weip? Krone
3373;
si [...] hielt sich nit zuͦ
gottes ere; mere si ordente die unnútze hofzuht und hette iemer vor den
oͮgen die edellicheit irs herren und ir vroͮwen Mechth
4: 17,7.
– übertr.:
sît dû uns von dînem vater gesant bist ze einem lêrær der himelischen
hovezuht, ze eime vollebrâhten bilde aller tugende und aller heilikeit
DvAOff
40;
DvASchr
363,21
MWB 2 1759,41; Bearbeiter: Diehl
hovezûn
stM.
‘Hofzaun, -begrenzung’
sage an, waz vindest dû hie heime an dîme hovezûne, sô ein priester messe in
der kirchen singet? PrBerth
1:460,5.
1:460,17.
1:493,20.
– übertr.:
dvͥ heidenschaft waz sin hoves zvn, / dvͥ wan
dri mil von im lac. / vf velde, vf mer waz ir beiac TürlArabel
*A 9,18
MWB 2 1759,56; Bearbeiter: Diehl
hovieren
swV.
‘im höfischen Rahmen angemessene Unterhaltung treiben, höfisch
feiern’ (oft in der Beschreibung von Festen und Turnieren, überw.
subst.; vgl.
höveschen
):
dô vür den tisch gegangen kam / manic stolz spilman, / sie hofierten wol zuo
guoter wîse Wigam (B)
4593;
mit rittern und mit frouwen / liez er den fürsten schouwen / daz er wol moht
ein herre sîn. / er tet im kurzewîle schîn / mit stechen und turnieren, / mit tanzen
und hovieren, / mit allen sachen sô eht man / kurzewîle trîben kan
Reinfr
27114.
12438;
SHort
758;
ir nahtselde ich wil gedagen hovierens mit den vrouwen Loheng
1877;
in maniger hande wîse man sach / hovieren dâ vil manige schar, / iezuo hie und
danne dar. / mit vrœlîchem gesange, / mit hurt und mit gedrange / wart
geriten über al, / daz manigem dâ sîn knie geswal Heidin III
4325;
gehovieret wart mit maniger menge schalle Loheng
3726;
Darifant
50;
so wiltu haben clugheit, / hovieren, zucht, gefugheit / und
waz da suberlich ist Minneb
858.
2938;
Seuse
149,12.
–
‘Hof halten’
wie der kúnig Artus / hohfierte státe in sim
hus SHort
5414.
5419.
–
‘jmdm. aufwarten’
die wîle allertegelich / hovierte der von Osterrîch / den
hof der kunigin Ottok
75412;
ze herberg vuor der Antschouvîn / gehovieret wart von manigen vürsten rîche /
im Loheng
3113;
nû wolt ouch der kriechen vogt der keiserîn hovieren ebd.
6167;
des wart ain jubilieren / von disen wilden tieren / und
wurdent im [Jesus in der Wüste] hovieren, / buchieren und
turnieren WernhMl
6985.
– im religiösen Bereich:
die werden principaten [einer der
Engelchöre] / och ir hovieren taten / und kament alle gegen
ir [Maria bei der Himmelfahrt] / mit stolczer,
minneklicher gir, / als wol der kúneginnen zam / von den fúrsten
lobesam WernhMl
14334.
14424
u.ö.;
var ûf mit ganzen fröuden nû, / daz getroestet werdest dû
[Maria] / von Jêsu, dem kinde dîn, / mit dem
hovierende solt sîn / in froelîcher êre / von himel iemer mêre WvRh
15434.
– Lit.: Erlei, Höfisch, S.350-353.
MWB 2 1759,63; Bearbeiter: Diehl
hovierer
stM.
1
‘Spielmann’
2
‘Verehrer, Liebender’ (vgl.
höveschære
1 )
1
‘Spielmann’
gigen, rotten, pfiffen / mitt clainen fingern griffen /
meniger hoffierer begunde, / daz best daz er da kunde, / iettlicher fry personne, /
daz ward getriben schönne GTroj
7187
2
‘Verehrer, Liebender’ (vgl.
höveschære
1):
er [der Planet Venus] haizt auch
der minnenstern dar umb, daz er seineu kint, ez sei fraw oder man, minnenzæm macht,
und dar umb haizent die hofierer der minnen götinne Venus BdN
62,18;
diu frawe schol ain vergiftigz kraut legen umb ir haus und
umb ir wonung, daz all aufmacherinne und pœs werberinne oder werber
[La. hofyrer
] vliehent ebd.
226,12
MWB 2 1760,40; Bearbeiter: Diehl
howen
stV.
→
houwen
MWB 2 1760,53;
hoz
Interj.
Stimme eines Vogels:
[der Wiedehopf] hât neur ain gesank und ain stimm, wan er
singet neur hoz hoz hoz, sam der gauch [Kuckuck] singt
guck guck BdN
228,8
MWB 2 1760,54; Bearbeiter: Richter
hozelbozel
stM.
euphem. ‘Hintern, Gesäß’
nû rüerâ dû den hozel bozel vaste, / daz der gimpel gempel
[Penis] iht geraste Neidh (HW)
46,17
MWB 2 1760,58; Bearbeiter: Richter
hû
Interj.
1 Aufmerksamkeit heischend 2 Stimme eines Vogels
1
Aufmerksamkeit heischend:
swaz mit vlîze zimier het meisters hant geworht, / hû, wie die nû von swerten
nider snîten Loheng
5180;
das ist der minner sitte nu / so er uf kumet so sprichet er hu
SechsFarben I
134
2
Stimme eines Vogels:
strix oder ama der nahtvogel [...]
ist ainr äulen geleich, danne daz er klainer ist, und wenn er schreit, sô schreit er
zitterent hu hu hu, als ob in friese oder er zandklaffe vor froscht
BdN
224,15;
da mischent sich die äwlen zü / und rüfent auf mich ‘hü
hü hü’ KvMSph
1,25
MWB 2 1760,61; Bearbeiter: Richter
hû
stM.
→
huoch
MWB 2 1761,8;
hû
swM.
→
hûwe
MWB 2 1761,9;
hûbe
swF.
auch huwe (
SpitEich
6,11
), hoube (
EnikWchr
27403
).
‘Haube’
1 Kopfbedeckung 2
‘Helmhaube’ als Teil der Rüstung, unter dem Helm getragen (s.a.
badewât
,
beckenhûbe
,
hüetelîn
,
kupfe
) 3
‘Helm’
4 Kopfbedeckung eines Jagdvogels (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 94b f., s.a.
valkenhûbe
) oder anderer Tiere 5
‘Federhaube, Holle’ auf dem Kopf von Vögeln
1
Kopfbedeckung:
des selben was ein hûbe dâ / ûf sîme houbte zwivalt, / von
zobele den man tiure galt Parz
231,8;
[Priester und Ordensbrüder] mvgen haben lemmerin hvwen vnd
kvrsen bie dem bette mit anderem bettegwant SpitEich
6,11;
sîn [des Gutgekleideten] hûb was nicht sô enge, /
sie daht im sîner ôren tür, / dâ gie ninder krustel
[Strähne] für, / alsô doch vil manegem tuot. / wol
und eben stuont sîn huot, / der was niht ze spæhe Helbl
1,504;
SM:Go
4: 3,3;
SSp (W)
3:69,1.
– als Teil weiblicher Kleidung:
die hûbe mîn ouch muoste sîn / vil guot, dar an die zöpfe mîn / gemachet
dêswar wâren wol UvLFrd
176,25;
mit gewande, sam ein wîp / was gevazzet im [dem verkleideten
Jüngling] der lîp / mit hûben und gebende
RvMunre
1099.
– als Zeichen von Stellung und Autorität (vgl. Foltin, Kopfbedeckungen, S.
35-44):
etlich man ist worden sines wibes kint, / der doch zu
Paris wol ein huben trüge Mügeln
46,3;
ich woͤlt e ane huben gan Rennew
33147
2
‘Helmhaube’ als Teil der Rüstung, unter dem Helm getragen (s.a.
badewât
,
beckenhûbe
,
hüetelîn
,
kupfe
):
Hector mit dem dritten [mit dem dritten
Schlag] / spielt im [Achilles] den helm
mitten / durch die huben dar vnde Herb
10359;
daz er dem bluotenden man / durch helm und durch die hûben
sluoc / eine tiefe wunden wît genuoc UvZLanz
4539;
Pilgerf
7499;
Alph
1206
3
‘Helm’
ros, schilt, sper, hûbe unde swert / diu machent guoten ritter wert
Freid
93,6.
– meton. ‘Kämpfer’
ze Vitzentz uber di Prente / swemt er [Ellerbach der
Junge]
[...] / do er sechshundert hauben / ubervil und tet den
chunt, / daz maniger ward mit schaden wunt Suchenw
9,198.
14,63
4
Kopfbedeckung eines Jagdvogels (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 94b f., s.a.
valkenhûbe
) oder anderer Tiere:
man setzet valken und lêbarten / hûben ûf, daz si niht warten
[spähen] / hin und her, und des enbern / des si von
herzen hêten gern Renner
10035.
10041.
10057;
der keiser ûf der hant / het einen pilgrînvalken, den er wol bekant. / die
hûben er mit girde von im zücket Loheng
3403
5
‘Federhaube, Holle’ auf dem Kopf von Vögeln:
ich gelîch in [den pompösen Österreicher] ettewenne
/ der hûbohten henne: / sô diu an der sunne gât / und siht neben sich ir schat, /
diu henne von ir hûben / siht den schate strûben, / vor zorne schütt sie ir gevider,
/ sô briustert sich der schat hinwider. / also ist enem, der sich gremt
Helbl
2,1241
MWB 2 1761,10; Bearbeiter: Richter
hûbeht
Adj.
1
‘mit einer Federhaube versehen’ (zu
hûbe
5
) 2
‘haubenförmig, rund’
1
‘mit einer Federhaube versehen’ (zu
hûbe
5
):
ich gelîch in [den pompösen Österreicher] ettewenne
/ der hûbohten henne Helbl
2,1238
2
‘haubenförmig, rund’
daz [dass dieselbe Mondfinsternis je nach Position
auf der Erde zu unterschiedlicher Stunde zu beobachten ist] hat
kain ander sach, wann daz daz ertreich kuglot und haubot ist von dem aufgang der
stern piz zu irm undervalle KvMSph
14,19
MWB 2 1761,61; Bearbeiter: Richter
hübel
stM.
auch hufel.
‘Hügel, Erhebung’
sî richtin eine burc dâ ûf / ûf eime huble
NvJer
4483;
Syon als ich es las / zv Iherusalem ein hufel was Pass I/II
103,46;
collis: hvͦuel Gl
3:351,22
(BStK927);
SchöffIglau
170;
HvFreibTr
3194
MWB 2 1762,6; Bearbeiter: Richter
hûben
swV.
‘(einen Falken) mit einer Haube versehen, häuben, verkappen’
ich het yn [den Falken] auch gehuͤbet / und
beschuhet also weydenlich / daz er wol erkant daz ich / in hete in allen sinnen holt
MinneR 503
230;
MinneR 53
51
MWB 2 1762,11; Bearbeiter: Richter
hûbenhüetel
stN.
eine Kopfbedeckung (?):
was ich meiner veindt ie mocht erlangen, / die loff ich an, recht als ich wer
verprant, / mein haubenhútel hat siben raif der besten, / die behalt ich mir
zu fremden gesten, / den slah ich tief flarren [breite
Wunden] auf den zant Neidh (S)
2,41 c13:14,7
MWB 2 1762,16; Bearbeiter: Richter
hûbennestel
stF.
hier haubnestel.
Schnürriemen an der Kopfbedeckung:
sein haubnestel die sein lanck, / zwu múscat dran gepunden, / die
haben alle zu weiten swanck Neidh (S)
2,149 c73:7,1
MWB 2 1762,22; Bearbeiter: Richter
hûbensloufe
stF.
Schleife, Schnürriemen an der Schutzhaube, die unter dem Helm getragen
wird:
der helm und diu goufe [
‘Bundhaube, Coiffe’; La. huben
slaufe
] / wart ûf gestricket und ab gezogen
Wh
92,12
MWB 2 1762,26; Bearbeiter: Richter
hûbensmit
stM.
‘Helmschmied’
Vlrich Herman des haubensmids bruder NüAchtb
73
MWB 2 1762,31; Bearbeiter: Richter
hübesch-, hübsch-
→
hövesch
-
MWB 2 1762,33;
hubîsen
stN.
→
huofîsen
MWB 2 1762,34;
hûc
stN.
→
houc
MWB 2 1762,35;
huchboum (?)
stM.
eine Baumsorte:
vrrus: huchboͮn VocOpt
48.236
MWB 2 1762,36; Bearbeiter: Richter
1hûchen
swV.
‘hauchen, leise Atemluft ausstoßen’
dû [
eins ungevierten
‘unbeständigen’
mannes muot
] blæsest kalt unt hûchest warm / ûz eines
mannes munde: stæter triuwen bistû arm RvZw
61,4;
daz er die hende in den munt / vor frost beide samt bot / und
huchte dar an; des gie in not StrKD
62,16;
der slangen âtem und ir
hûchen [Zischen] ist sô schedleich BdN
275,12
u.ö.
– von sprachlichen Äußerungen ‘flüstern, zischen’
latîn [...] vellet schôn vorn ûz dem munde, / jüdisch
hûchet in der kele grunde, / kriechisch stœzet ûf an den goumen
Renner
22334;
eyns [ein Kritikpunkt] was, als
Helyu duchte, / daz Job setzte unde huchte / ungerechtekeit in gote
Hiob
12638
MWB 2 1762,38; Bearbeiter: Richter |