hantgiftphenninc
stM.
‘Geldgeschenk aus Anlass der Geburt eines Kindes’, Näheres unklar:
item interdicti sunt denarii, qui dabantur dominabus in puerperiis et qui
dicuntur hantgiftphenninge in natalibus UrkStVerf
106
(a. 1214)
MWB 2 1183,30; Bearbeiter: Tao
hantgrel
stF.
‘Spieß’
der werde gast also schnell / fürtte aine hand grell. /
[...] dem argen ward erzaigett / des gastes zornlicher
hass. / er stach in daz er gesass / gar hinderm ross uff dem blon
GTroj
20516
MWB 2 1183,35; Bearbeiter: Tao
hantgrift
stF.
‘Berührung mit der Hand’
hantgrift der [Gen. Sg.] schiuwet niuwer wunden ve
[ vgl. FrlWB, S. 310, s.v. schiuwen
]
Frl
7:17,12
MWB 2 1183,40; Bearbeiter: Tao
hanthabe
stF.
1
‘Griff, Henkel (an einem Gegenstand)’
2
‘Handhabung, Durchführung, Behandlung’
1
‘Griff, Henkel (an einem Gegenstand)’
ansa: hanthaba SummHeinr
2:12,267;
ancia : hanthaba ebd.
1:353,102;
capulus: helza, hanthaba ebd.
2:227,277;
daz diu myschung irs zinwerchs diu newn tail lautter zin sey
und daz zehent tail pley, swelherlay geschirr oder trinchvas daz sey. ez sol auch
die hanthab und daz lot und daz luck der ainen myschung sein StRMünch
460,11
2
‘Handhabung, Durchführung, Behandlung’
er sluc daz houbt im abe / mit eines slages hanthabe
Pass I/II (HSW)
22368.
39609;
do schutte er alzuhant sin swert / in menlicher hanthabe Pass
III
688,59;
mit ungetruwer hanthabe / wart si von in gebunden / und geslagen
[...] / mit besmen und mit riemen ebd.
680,23
MWB 2 1183,43; Bearbeiter: Tao
hanthaben
swV.
‘beschützen, verteidigen’
auch geloben wir [...] dem rat und den burgern
[...] der [...] stat zu
Frideberch, alle dise vorgeschriben stukke besament und besundern stete und veste zu
halden und si dabey getreuliche zu behalden und zu hanthabene ane allerleye
argeliste und geverde UrkFriedb
176
(a. 1349)
MWB 2 1183,58; Bearbeiter: Tao
hanthaft
Adj.
‘in der Hand haltend, an der Hand haftend’, nur rechtsspr. in der Formel
hanthafte tât
‘frische Tat, offenkundige Straftat’ (zur Bezeichnung und Sache vgl. HRG
2,741ff.):
die hanthafte tât ist dâr, swâ man einen man mit der tât begrîft oder in der
vlucht der tât, oder dûbe oder roub in sînen geweren hât SSp (W)
2:35;
ez sol vnser rihtær dehainnen bvͦrgær vf haben vmb dehain inziht, da si dann
hanthaft oder woriv [bewiesene] tat UrkCorp
(WMU)
3452,30;
ne ist die schultheize dar nicht zuͦhûs, geschet ein vngevuͦge, so setzet man
einen richtere vmbe eine hanthafte tât ebd.
51,12.
SSp (W)
2:10,1.
2:64,1.
2:64,4;
StRPrag
156.
– jmdn. in hanthafter tât begrîfen o.ä.:
wirt ein vrouwe begriffen in hanthafter tat an totslage oder an kamphberer
wnde, des is der clegere sie [...] zvͦ oberwindene selbe
seuende UrkCorp (WMU)
2265,47;
StRFreiberg
76,22;
wen man damite irwischet an hanthafter tat ebd.
252,12;
swen man mit der hanthaften tât vâhet SSp (W)
1:66,1;
an den hanthaften teten / vienc her den ungetruwen schalc
HeslApk
2502
MWB 2 1184,1; Bearbeiter: Tao
hanthaft
stF.
1 wie hanthafte tât (
hanthaft ) 2
‘den Verbrecher überführender Gegenstand, Beweis’
1
wie hanthafte tât ( →
hanthaft):
diu ir lîp / gemeilet hât mit untât: / bî der man zwêne pfaffen hât /
begriffen an der hanthaft Mai
132,5;
begriffet man einen diep mit der hanthaft, den sol der voit vesten
UrkCorp (WMU)
1100AB,43,42
(möglich auch zu 2);
SpdtL (E)
Ldr 144
2
‘den Verbrecher überführender Gegenstand, Beweis’
chæm aver ein man fur gericht [...] und hiet auch sô
getân hanthaft, dâ mit er den diup wol uberwinten mæcht RbRupr
302;
der ander ruͤger her fuͤr gat: / daz ist sin selbs missetat,
/ sin sunde und sin bosheit, / die er uf dem hals treit: / mit der hanthaft gevangen
/ alsus kumpt er gegangen. / da wirt sin suͤnde offenbar HvNstGZ
6650;
[Fürstengericht über den König Adolf:] daz im die fursten
alle gelîche / widerteilten daz rîche / und alle fursteliche kraft: / wand man ez
mit der hanthaft / gegen im bewært aldâ Ottok
71571
MWB 2 1184,23; Bearbeiter: Tao
hanthaftic
Adj.
eine Weiterbildung von →
handhaft in gleicher Bedeutung, nur formelhaft in der Verbindung mit
tât (getât):
die hanthaftege tat ist ouch daz, daz man einen man begrift daz swert in der
hant odere andere wafen, da her den vride mite gebrochen habbe
StRGörlitz
453;
der abir den anderen tac seinen deube oder sein raup vnder eimandern vindet,
der das offenbar gekauft hat, vnd unheimlich gehalden, den mag man keiner
hanthaftigen tat beschuldigen StRPrag
156.
158;
wirt aver ein man bechlaget vmbe raubpleiche gewer, da man die hanthaftigen
getat beweisen mag SpdtL (E)
Ldr 130,1.
Ldr 146,1;
SSp (W)
1:43.
– jmdn. in der hanthaftigen tât bestætigen, vâhen:
ab her in der hanthaftigen tât bestêtiget ist SSp (W)
2:71,5;
wer in der hanthaftigen tat gefangen wirt mit deube oder mit raube, der mak
sich an keinen geworn zihen StRPrag
158
MWB 2 1184,41; Bearbeiter: Tao
hantic
Adj.
→ handic
MWB 2 1184,59;
hantieren
swV.
nur md.; aus mnl. mnd. hanteren, zu afrz. hanter (vgl.
Rosenqvist 1,115; 2,257; Kluge, S. 391; Pfeifer, EtymWB, 508).
1 tr. 1.1
‘etw. verhandeln, besprechen’
1.2
‘etw. tun, ausführen’
2 refl. 2.1
gegen jmdm.: ‘mit jmdm. verhandeln, diskutieren’
2.2
‘wirken, (über ein Land) herrschen’ , von Königen 2.3
‘sich ereignen’
1
tr.
1.1
‘etw. verhandeln, besprechen’
waz habit ir an dem wege gehantîret [
tractabatis
] ? EvBeh
Mk 9,32
1.2
‘etw. tun, ausführen’
lobelîchir werc / habin sî bî irme zil / begangin mit
urloige vil, / daz sî [...] in allir craft / hantîrtin
kegn der heidinschaft NvJer
17591;
sô hantîrten / dî Nattangin disen mein / in offinbârer
schicht allein / und des alsô begundin: [...]
ebd.
20555;
(subst. Inf.:)
daz virde gesichte sach zwar / Daniel under Balthasar / van winden und vir
tiren, / gar grimig was der [deren]
hantiren [vgl. Dn 7,2ff.]
HistAE
4330.
–
gegen jmdm. wehselwort, rede ~
‘mit jmdm. diskutieren, reden’
dy materige und der syn / da von sy disputyren / und
rede vil hantyren / und vuren wider und vort / ken in ander vil wechselwort
Hiob
1234;
ich beger sunder cryges schach / mit gote nu
disputiren / und myne wort ken ym hantyren ebd.
5010
2
refl.
2.1
gegen jmdm.: ‘mit jmdm. verhandeln, diskutieren’
daz Job sy swerer wan eyn bly / und so kunstenrich nicht
sy / das er muge sich hantiren / ken gote und disputiren / von den werken und
den sachen / di got kan alleine machen Hiob
14197;
set, di suze milde nicht / gab kein antwert uf di schicht / der steten
Gerechtekeit, / [...] noch wolde disputiren, / noch
sich ken ir hantiren, / sunder in warer minne / uz der vernunften rinne / durch
ir ougen si da liz / gizen gar ein heisez vliz / alles dar
[...] / uf zu gote TvKulm
472
2.2
‘wirken, (über ein Land) herrschen’, von Königen:
daz si vrogte genzlich, wer / nach im [David]
sulde regniren / und kunglich sich hantiren HistAE
2324;
bin des sich Achab hantirte / und in Israhel regnirte ebd.
3093;
diz sint der kunge namen, / di nach Salomon regniren / begunden und sich
hantiren / uber Israhel mit rechte ebd.
2394
2.3
‘sich ereignen’
sus sich daz hantîrte: [...]
NvJer
12004;
sulchir schumpfintuire / sô vrech, sô ungehuire / der
cristenheit ûf ungewin / sich hantîrte zwischin in / binnen der zwîtracht sô
vil, / daz ich inweiz kein zil ebd.
21057
MWB 2 1184,60; Bearbeiter: Tao
hantkar
stN.
‘Waschbecken für die Hände’, Glossenbelege aus dem mhd. Zeitraum s. AWB
4,702
MWB 2 1185,39; Bearbeiter: Tao
hantknabe
swM.
‘Helfer, Knappe, Knecht’, hier als Bestandteil eines Personennamen:
Ruͦdolf der Hantknabe, burger von Rinowe UrkCorp (WMU)
2021,24
MWB 2 1185,41; Bearbeiter: Tao
hantknëht
stM.
‘Knecht, der zur Hand geht’
zem ersten hand si gesezzet und geboten, daz chain hantkneht
chainen mvͤllaer bi dem er ist chainen phenning lihen sol StRAugsb
171,15;
ez sol auch chain hantkneht noch chain zuͦmuller chain varh
ziehen noh mesten ebd.
171,18;
man sol ainem hantkneht von ainem sheffel roggen den man
swinget ainen helbling geben ebd.
171,20
MWB 2 1185,45; Bearbeiter: Tao
hantlanc
Adj.
eine hantlange wîle, ‘eine ganz kurze Zeitspanne’ (vgl. →
hantwîle
und Zingerle, Augenblick und Handumdrehen, Germ. 11 [1866],
175f.):
dû weist niht, wie lange der tôt dich læzet leben; joch eine hantlange wîle
PrBerth
1:275,17
MWB 2 1185,53; Bearbeiter: Tao
hantlêhen
stN.
eine Art Grundleihe, Näheres unklar (DRW 5,83):
quod omnia feoda, que ego quibusdam castellanis de Wede solvo, sunt feoda, que
dicuntur hantlen UrkMosel
1,2:1312,6
(a. 1254);
[Otto Graf von Nassau verkauft dem Erzbischof von Köln die Hälfte der
Burg Ginsberg] also dat wir ind unse heire van Coelne wat der
burchlude is, den man hantleyn gyft, manlich half ind half bezalin soln ind dy selve
burchlude [...] uns beedin huldin ind sweerin solin
UrkSiegen
176
(a. 1345);
pecuniarum beneficium, quod vulgo hantlien dicitur UrkKöln
2,416
(a. 1259)
MWB 2 1185,58; Bearbeiter: Tao
hantleiten
swV.
‘mit der Hand wohin führen’
die formen der berschrecken, / die gotes cristenheit muen, /
die suln glichnisse tuen / den rossen die man hantleitet / und zu den striten
bereitet HeslApk
14043.
– übertr.:
und alsô wirt diu sêle gehantleitet in das bekennen der êrsten nâtûre
PrEkkewint
227
MWB 2 1186,6; Bearbeiter: Tao
hantlich
Adj.
‘mit den Händen’
und swen ir hantlich ärebeit / w art von dien mägden hin geleit, / sô was nit
anders ir ambaht, / swen eht si lie des slâfes maht, / wan daz si alle stunde /
[...] got lobeten WvRh
1137
MWB 2 1186,13; Bearbeiter: Tao
hantlidesuht
stF.
‘Handgicht’
cyrogra, cirargra: hantlidsuht, handlidsucht VocOpt
43.098
MWB 2 1186,18; Bearbeiter: Tao
hantlôn
stMN.
‘Abgabe bei Besitzwechsel eines geliehenen Gutes’
vnd ist auch gewonlich vnd reht, daz nieman anders kein hantlon sol nemen, hie
zv der stat [[...] denne als vil als daz gut giltet vnd
giltet daz gut ein pfunt haller so ist daz hantlon, auch ein pfunt haller vnd auch
furbaz also StRRotenb
492;
auch sol her Heinrich [...] vnd alle sin nachkumen an
der vorgnanten vicarien herberg haubtreht vnd hantlon haben vf dem vorgnanten hof,
als sulcher guͤt gewoͤnlich vnd reht ist UrkWürzb
41,382
(a. 1349);
weitere Belege DRW 5,88
MWB 2 1186,20; Bearbeiter: Tao
hantmâl
stN.
‘durch die Hand dem Körper zugefügtes Zeichen’ oder ‘Handzeichen,
handgezeichnete Urkunde’ (s.a. hantgemâl
1 und 2), hier im Wortspiel mit beiden
Bedeutungen:
do quam einer, der die schusseln trug; / der hatte valscheit genug / an syme
herczin vorborgin: / den stis her [der unsichtbare Zwerg]
[...] / vnd gab jm ein hantmal, / das von Rome ein cardenal
/ des nicht vulschriben kunde AnteloyeD
451
vgl.
ebd.
243ff.
MWB 2 1186,32; Bearbeiter: Tao
hantmælic
Adj.
‘mit einem Mal, Fleck versehen’
daz dutet: habe des hute / mit genzelicher stete / daz du
dine guten tete, / der du dich hast gevlizzen, / mit bosen itewizzen / maches icht
hantmelic, / so wirstu dort vil selic HeslApk
4485
MWB 2 1186,41; Bearbeiter: Tao
hantreich
stM. , -reiche
stF.
‘Darreichung der helfenden Hand, Hilfeleistung’
daz wir im [...] ze staten komen
[...] nâch unsern staten: mit guote, mit râte, mit
hantreiche, mit gebet, mit aller helfe DvASchr
340,24;
swer klainen hantreich tuͦt in der mvͤl,
[...] dem sol man des lonen StRAugsb
48,22;
wir schullen auch weder apt, noch chelner, noch prior,
[...] weder steuer noch erung noch chainerlai hantraich
geben noch raichen UrkHeil
2,183
(a. 1343)
MWB 2 1186,46; Bearbeiter: Tao
hantreichen
swV.
‘jmdm. etw. aushändigen, geben’
item ist zu wissen des der dechen vnd das capittel der oberster kirchen von
Triere sint schuldich jerlich den dieneren derselben kirchen von Triere zu
hantreichen 50 pont Trierscher penninge DRW
5,111
(TrierArch.; 13. Jh.)
MWB 2 1186,56; Bearbeiter: Tao
hantros
stN.
wohl Lehnbildung zu mlat. dextrarius (vgl. MLatWB 3,545), eigentlich
‘Pferd, das mit der rechten Hand geführt wird’ (vgl. Palander, Tiernamen, S.
81).
–
‘Schlachtross’
durch das was ain schöne gewonhait in Ynndia
[...], das der künig ze ainem mal in dem jare erschain
vor seinenn leüten, unnd sas gar edelich in chünigklicher weraitschaft mit
gewaffentem here auf seinem hantroß schon getzieret mit gewaffenter getzierde
HvHürnh
11,3.
– überhaupt ‘Reitpferd’
dô sach man füeren über den hof / vil manig schoenez handros
Orend
3064
MWB 2 1186,62; Bearbeiter: Tao
hantsalbe
swF.
‘Handsalbe’, hier übertr. ‘Bestechungsgeld’
wis vorsprech gotes halben / und niht durch hantsalben
Erz III
36,60
(oder liegt hier ein subst. Inf. zum mhd. sonst nicht belegten swV.
hantsalben vor? Vgl. Glossar z.St. s.v. salben
swV.);
daz sîn der phalzgrâve hât / genozzen beidenthalben, / daz er
die hantsalben / reite ûf ein guot starc, / ûf vierzic tûsent marc [er
hatte von beiden Parteien Bestechungsgelder bekommen]
Ottok
12418
MWB 2 1187,10; Bearbeiter: Tao |