harm
stMN.
→
harn
MWB 2 1206,26;
1harm
stM.
1
‘Schmähung, Verhöhnung’
2
‘Leid, Schmerz; Not, Unglück’
3
‘(kriegerischer) Grimm, Wut’
1
‘Schmähung, Verhöhnung’
mit temo harme unde mit temo spotte [den Jesus
erdulden musste]
ÄPhys
2,17
2
‘Leid, Schmerz; Not, Unglück’
swaz sî [Schar der Teufel] argis
angevînc / zu harme der cristinheit NvJer
11301;
daz habnt si [Gepeinigte] ze harme AvaJG
G
23vb,30;
dâr wart munt an mundelîn / mit lieve gar gedrucket
[...] dat was etlîches vorsten harm, / de heten irs
herzen anker dar / geschozzen an de maget clâr Crane
2172.
–
der arme / mit michelme harme / unsouber unt swarcer
Priesterl
91;
er [Christus] was rîche und wart dô arm, / daz
wir rîch würden leit er harm LBarl
15969;
wande di here frouwe hat / verkouft ir selbes husrat, / daz si umme
ewecliches leben / den armen alles hat gegeben, / unde ist sunder allen harm
[ohne Schmerz darüber zu empfinden] / notdurftic
unde worden arm Elis
10301
3
‘(kriegerischer) Grimm, Wut’
sie wuftin vf den godist [l. godis
] trost / mit so getaneme harme / daz in uor deme arme / nicht in
mochte bestan Roth
4151;
ouch dâ ir hant mit strîtis harm / gewunnen von den heidin
nam / dî stat Anthiocênam NvJer
21725;
von harmis krîge ebd.
21040
MWB 2 1206,27; Bearbeiter: Plate
2harm, harme
stswM.
Pl. herme (Akk.), hermen (Dat.) (in den Belegen nur
Wig unter 2.)
1
‘Hermelin’ , eine Wieselart, im Sommer mit braunem Ober- und weißem Unterfell,
im Winter gänzlich weiß mit Ausnahme der schwarzen Schwanzspitze; 2
‘(weißer) Hermelinpelz’ (als kostbarer Kleiderstoff, Schildbesatz usw., vgl. Brüggen, Kleidung, S. 60) 3 in Vergleichen; weiß wie ein Hermelin(fell), vgl. → harmblanc
1
‘Hermelin’, eine Wieselart, im Sommer mit braunem Ober- und weißem Unterfell,
im Winter gänzlich weiß mit Ausnahme der schwarzen Schwanzspitze;
migale: harmo SummHeinr
1:180,480;
der biber vnd der ygel ein schar, / der harm vnd der eychorn
ReinFu
K,1351;
harm und fühse, / han und henne, gans und ant / sint uns allen wol bekant
Renner
19568;
harm ist blank / unde hat doch swarzen zagel Marner (W)
L8:1,9.
– als höfisches Schoßtier:
sî zuo ir vrouwen drungen, / dâ vil der kleinen hundel bal / und vogel in
kevjen sungen, / dâ marder, harm, dâ vêhê lief, / daz in vil kiuscher megde
schôz / wonde und in ir buosem slief Virg
138,11;
ein harm vuorte diu herzogîn ebd.
310,12;
owê mîns harmen, / den ich ûf mînen armen / dicke hân vrôlîch an gesên
Crane
311.
323
2
‘(weißer) Hermelinpelz’ (als kostbarer Kleiderstoff, Schildbesatz usw., vgl.
Brüggen, Kleidung, S. 60):
von zobel unt von harme vil kleider man dâ vant
NibB
575,1;
der [
roc
] was gefurrieret [unterfüttert] / mit vil
grôzem vlîze: / herme vil wîze / hêt er bedecket Wig
755;
dem was furrieren niht vermiten / von hermen die wâren blanc
ebd.
10547;
der mantel was gefurrieret / von hermîn [La. harmen
] wîzer dan ein swan RvEGer
785;
ez chost ouch vil manig phvnt / der zabel vnd der harm Krone
542;
den dritten ritter sah ich tragen / von harm einen schilt wîz
UvZLanz
6303;
Loheng
5352
3
in Vergleichen; weiß wie ein Hermelin(fell), vgl. → harmblanc:
ein vil edel hunt [...] wîz alse ein harm
En
1775;
den swanen blanc reht als ein harm KvWSchwanr
1180;
sîn ros [...] was wîz als ein harm
RosengC
1167;
Rennew
2691;
Parz
256,20;
besonders als Schönheitsmerkmal, von weißer Haut und Zähnen:
ir hande unde ir arme / wâren blanc alseinen harme / unde
fûze unde bein SAlex
5278;
manec arm, / der wîzer was danne ein harm Eracl
1944;
ir hant snêwîz reht als ein harm KvWTroj
23110;
ir kel wis als ein harm Zwickauer
127;
diu brüstel [...] nâch harme blanc
Loheng
3125;
wie uz irem munde [...]
helffenbeinen zene schinen, / als by rubin luͤcht der harm Minneb
3453;
Krone
14382.
24781.
– rot (braun) wie ein Hermelin(fell):
var sam die harmen / rot gemischet WhvÖst
11418
MWB 2 1206,51; Bearbeiter: Plate
har|market
stM.
‘Flachsmarkt’, als Bestandteil von Personennamen:
her Chunrat an dem harmarcht UrkCorp (WMU)
1118,24.
N386,14;
her Chunrat von dem hormarcht ebd.
1735,43
MWB 2 1207,34; Bearbeiterin: Herbers
har|markter
stM.
wohl ‘Anwohner des Flachsmarktes’, als Bestandteil von
Personennamen:
her Chvnrat der harmarchter UrkCorp (WMU)
3011,25.
3346,9;
her Chvnrat der hormarchter ebd.
2131,26
MWB 2 1207,38; Bearbeiterin: Herbers
harmbalc
stM.
‘Hermelinpelz’
diz rîche kostebêre cleit / mit wîzen harmbalgen was / underzogen
HvFreibTr
4491
MWB 2 1207,42; Bearbeiter: Plate
harmblanc
Adj.
‘weiß wie ein Hermelin(fell)’
ez [Pferd] enwas ze michel noch ze kranc, / sîn varwe
rehte harmblanc Er
1427;
ein harmblankez miullîn / reit diu wol getâne
UvZLanz
4678;
ein örs harmblanch Krone
3411.
10200.
10563;
der bracke was harmblanc gevar ein clein vor an der stirne JTit
1184,1.
–
von sînem wâpenkleide / erlûhte ein harmblanker schîn
KvWTroj
31793;
der vane rehte harme blanc PleierGar
14175.
–
lîren unde ir harpfenspil / sluoc si ze beiden wenden / mit
harmblanken henden Tr
8066;
manig lade und schrin / von harm blanken hendelin / ward da
enttschlossen GTroj
14300
MWB 2 1207,45; Bearbeiter: Plate
harme
Adv.
‘schmerzerfüllt’
er [...] sprach gar harme: ey vater Habraham, erbarme
dich uber mich EvStPaul
950
MWB 2 1207,58; Bearbeiter: Plate
harmel
stN.
→
hermelîn
MWB 2 1207,61;
harmen
swV.
→
hermen
MWB 2 1207,62;
harmicheit
stF.
‘Not, Elend, Armut’
dû sihest die bluͦdin [Schwachen,
Gebrechlichen] minneclîchen ane want dû in ebin dolest in ire
armichait [
harmichait A]
TrudHL
46,24
MWB 2 1207,63; Bearbeiter: Plate
harmîn
Adj.
→
hermîn
MWB 2 1208,3;
harmîn
stN.
→
hermîn
MWB 2 1208,4;
härmîn
Adj.
→
hermîn
MWB 2 1208,5;
härmîn
stN.
→
hermîn
MWB 2 1208,6;
harmmantel
stM.
‘Mantel aus Hermelinpelz’
nim diner hilf harm mandel, / tu mich da mit bekleyden
Minneb
2534
MWB 2 1208,7; Bearbeiter: Plate
harmschar
stF.
zu Etymologie, älterer Wortgeschichte und dem Verhältnis von allgemeinspr. und
rechtsspr. Gebrauch 2RGA 14,16f. (R. Schmidt-Wiegand).
1
‘(von Gott, als Buße auferlegte) Züchtigung, Strafe, Qual, Leiden’
2 als Kriegshandlung 3 rechtsspr., ‘Ehren-, Schandstrafe’ ; sie "besteht in einem symbolischen Akt
der öffentlichen Unterwerfung, Demütigung", z.B. "im Tragen eines entehrenden
Gegenstandes" (Sattel, Sessel, Hund usw.), 2 HRG 2,777f. (dort
genauer) 3.1 eigentl. 3.2 übertr.;
1
‘(von Gott, als Buße auferlegte) Züchtigung, Strafe, Qual, Leiden’
in der finften harm schare / do chomen hovscrekken dare
VMos
39,5
u.ö.;
vil michel wirt diu not [als Zeichen des Jüngsten
Gerichts] , daz vihe lit allez tot. / diu harmscare get uber al,
des liutes wirt ein groz val AvaA
1,4;
wan diu alt ê diu ne was niht niwan ain wize unde ain harnscar der sundære
Konr (Sch)
151,5;
nu versuͦchet uns got [...] mit
harnschar StrKD
151,25;
swem got git groze harmschar ebd.
151,83;
ich enpfinch ni buza noch harmscare / so groze noch so swere, /
so mine meindethe weren SüklU
48;
da von manic harm schar / der vil armen sele
enstat [nach dem Tod]
Vät
15616;
disiu harmschar / diu ist immer hie gar / huoræren unde vrâzen
Tund
865.
1135
2
als Kriegshandlung:
mit vil hartir âchte / man in leide harmschar / kein der
cristinlîchin schar / stiftin und irweckin sach NvJer
5949.
11982.
11371;
do meosten lyden harschar / de heyden al gemeyne KarlGalie
13247;
do wurdent die burger gewarnot jn der nacht, dauon die harschar fur sich nit
gieng Kuchim
80,170.
– jmdm. (eine) ~ (ane) legen:
ein tougenlîchiu harmschar / was im ze lâge dâ geleit, /
dar în er ungewarnet reit / und wart mit frechen handen / eins strîtes dâ
bestanden KvWHvK
558;
die juden [...]leiten manige harmschar / dem
heiligen gesinde Pass I/II (HSW)
40346.
4007;
also laitend die von Ramswag her Hainrich Walther vnd her Cuͦn ain
harschar ân mit ritter vnd mit knechten Kuchim
80,167
3
rechtsspr., ‘Ehren-, Schandstrafe’; sie "besteht in einem symbolischen Akt
der öffentlichen Unterwerfung, Demütigung", z.B. "im Tragen eines entehrenden
Gegenstandes" (Sattel, Sessel, Hund usw.),2HRG 2,777f. (dort
genauer)
3.1
eigentl.:
daz [...] wͦr [= vür
] den totslac, der an Engelbolde geschach,
[...] Heinrich Zengenagel, der den totslac tet,
selbe zuuelfte, die mit im dar an waren, [...] unserme
herren dem bischoffe [...] ze bezzerunge die harnschar
[...] uon Hocheim ze Wirzeburc uur daz muͦnster
tragen UrkCorp (WMU)
504,18;
var dû hin ze Rôme, / geêre dû die crône, / wette
[leiste] dem cunige sîn harnscar, / alles rehtes
wis im gar Kchr
6664;
ist daz ainer ainen von seinem aid [...]
widertreibet, der sol die selben puͤzz an allen dingen leiden für den
widertreiber und auch gen dem richter. die selben puͤzz haist man die harmschar
StRWienerNeust
35;
ein harnschar ich dar umbe [Verführung einer
Jungfrau] erkür, / daz ich gevangen wær ein jâr
UvZLanz
1014.
7629.
7881
3.2
übertr.;
spöttisch vom Tragen eines Musikinstruments:
der ritter mit der rotten, / der hêrre mit der
harnschar Tr
13173
(vgl. Scholz, Tr., z.St. und Eitschberger, Musikinstr., S.
53).
– von der Kreuztragung Jesu:
ich bin der in der harmschar / selbe truc daz ungemach Pass
I/II (HSW)
9760
MWB 2 1208,10; Bearbeiter: Plate
harmscharære
stM.
‘Verleumder’ (vgl. AWB 4, 722 s.v. harmscarâri [Wiener
Notker])
calumpniatorem: den harmscharare. leidigare PsWindb
71,4
MWB 2 1209,6; Bearbeiter: Plate
harmscharlich
Adj.
‘Schaden, Leid stiftend’
diu twirich [Querfahrt, diagonaler Zug der
Schachfiguren]
[...] betiutet in urliuges art / lang und harnscharlîche vâr
HvBer
10675.
737
MWB 2 1209,9; Bearbeiter: Plate
harmscharn
swV.
‘peinigen’
ich wil den lip minen / vor deheiner buzze sparn. / ich wil also
in harn scharn, / daz got an der riwe / wol schowe mine triwe StrKD
49,20;
nie man wart / so sêre geharmschart / als ich bin Craun
454
MWB 2 1209,13; Bearbeiter: Plate
harmvël
stn
‘Hermelinfell’
der dritte wîzer dûhte / danne ein blankez harmvel KvWEngelh
2653;
swer gen harme vel ir keln nicht meze / und ir hende gen snewe JTit
659,3
MWB 2 1209,18; Bearbeiter: Plate
harmwîʒ
Adj.
‘weiß wie ein Hermelin(fell)’
ouch was ir diu kel / sleht unde sinwel, / harmwîz
Wig
929;
des nidern [
antlützes, Hals und Schultern] sleht, harmwîz / diu frou het
sich geflizzen Helbl
1,1106
MWB 2 1209,22; Bearbeiter: Plate
harmzagel
stM.
‘ Hermelinschwanz’
harmzagel was si [das Pelzwerk] vol
/ innen bestecket Wig
814
MWB 2 1209,27; Bearbeiter: Tao
harn
stMN.
bair. harm (immer BdN ).
‘Harn, Urin’
urina: harn SummHeinr
1:136,278;
item mit hunyr mist unde mit harne wasche daz phert
Albrant
3,45;
swer grün varb welle machen, der nem grünspat vnd siede daz in harn
vnd alaun misch dar vnder vnde gumi ein tail BairFärb
8,2;
daz tier [Eber] hât die art, ist, daz
ez der jäger früe jagt, ê ez seinen harm lâz, sô wirt ez snell müed BdN
121,24.
–
sein atem als ain harm stanck HvNstAp
9092;
der bose man [...] dar uf
[Kirchengerät] sin harn warf Pass I/II
(HSW)
358,44;
daz vil vnreine harn / fluzit von dir [Mensch] alle
stunt Martina
123,64;
[grobianisch:] trinket [...] des
pfules harn Frl
5:118G,18.
– als Gegenstand des diagnostischen Verfahrens der Harnschau (vgl. LexMA
4,1940f.):
wiltu wizzen uon welcher vuchte iglich sichtum ein genge
habe, so merke uier ding an dem harne: einez ist di substantia. daz ander ist uarbe.
daz dritte ist quantitas. daz uierde ist daz, daz in dem harne da swebet oder niden
an dem bodem lit SalArz
110,33;
swer nû wil wizen, von wiu ein igelich siehtuom chom den der
mensch habe, der sol daz merchen bî der varwe, die daz harn hât, daz von dem
menschen chunt Barth
128,4
MWB 2 1209,29; Bearbeiter: Plate
harnaffe
swM.
→
hornaffe
MWB 2 1209,54; |