harten
swV.
1 intr. 1.1
‘hart, fest werden’
1.2 übertr. 2 tr., übertr. ‘jmdn. streng, unnachgiebig machen’
3 refl. ‘sich verhärten’
1
intr.
1.1
‘hart, fest werden’
mache wir ein tuͦrm von ciegele und bestriche wir die vuͦge mit einer
slachte erden die [...] ist also lote
[beschaffen] , swane sie gehartet, daz si weder
vuͦer noch wazzer geweichen enmach PrLpz
100,13
1.2
übertr.
–
‘beständig bleiben’
uuîe ir dîe bíderbechêit ána uînget unte vuîe ír
dâr ána gehártôtet Will
31,7.
–
‘stark, schlimm werden’
dirre grozen suche [Aussatz] leit / an im
begonde harten Pass III
65,57
2
tr., übertr. ‘jmdn. streng, unnachgiebig machen’
der [Zorn] in begonde harten / uf
den ewarten Pass I/II (HSW)
38845
3
refl. ‘sich verhärten’
an zwen sunen er [Herodes] entsub,
/ daz sie sich kein im karten [La. hartten
] / und im leides warten [zufügten]
Pass I/II (HSW)
4003;
den gotes zwen aposteln gut / hub sich da ein nuwe strit, /
wand sie [die beiden Apostel und die beiden
Zauberer] wolden alle zit / sich kein einander harten ebd.
33835
MWB 2 1217,19; Bearbeiterin: Herbers
harteslaht
stF.
‘ Herzschlächtigkeit’ (Pferdekrankheit):
[das Pferd] enhâte harteslaht noch
spat [Geschwulst]
UvZLanz
1466.
– vgl. →
hërzslehtic Adj.
MWB 2 1217,37; Bearbeiterin: Herbers
hart-, hartenhöuwe
stN.
‘Hartheu’ (Hypercium, vgl. Marzell 2,940f.):
hartouwe HvBPhys
1,215
(vgl. HvBPhys., Register S. 152);
weitere mhd. Glossenbelege s. AWB 4,733
MWB 2 1217,40; Bearbeiterin: Herbers
hartmânde
swstM.
→
hertemânôt
stM.
MWB 2 1217,44;
hartruore
stF.
zu
hart
stMN. 2.
‘Jagd, Hatz im Wald’ (?):
wir sprechen ouch das zu rechte, dass die hartrure von sanct Rickart und Bidig
eigen syge des closters vonn Andelahe, und wer in der hart fert
[...], den soll nieman pfenden WeistGr
1,729
(a. 1338 kopial)
MWB 2 1217,45; Bearbeiterin: Herbers
hartsinnic
Adj.
‘unverständig’
bi der hartsinnigen zit HeslApk
8285
MWB 2 1217,51; Bearbeiterin: Herbers
harttrügel
stM.
‘Roter Hartriegel’ (Pflanze; vgl. AWB 4,854, Marzell 1,1173f.):
sanguinarius arbor: hartrugil SummHeinr
2:469,222
MWB 2 1217,53; Bearbeiterin: Herbers
harttrügelîn
Adj.
‘ den Roten Hartriegel betreffend’
sanguinarius: harterugeliniz Gl
4:94,51
MWB 2 1217,56; Bearbeiterin: Herbers
harttrügelîn
stN.
‘ Roter Hartriegel’ (vgl. AWB 4,854):
sanguinarius arbor: [...] harttrugelin
SummHeinr
2:469,222
MWB 2 1217,58; Bearbeiterin: Herbers
harttrügelînboum
stM.
‘Roter Hartriegel’ (s.a. AWB 4,742):
hartdrugelenboum HvBPhys
3,46
MWB 2 1217,61; Bearbeiterin: Herbers
hâr|tuoch
stN.
‘feines Tuch aus (Tier)Haaren’
[ die zwei Mönche] giengen, [...] /
da sie daz houbt [Johannes] ouch vunden / mit har tuchen
bewunden Pass I/II (HSW)
39272;
nu seht, wie er verarmete, [...] / er enlege al offenbar
/ uf hartuche unde uf erden Pass III
610,89
MWB 2 1217,63; Bearbeiterin: Herbers
hârûʒrîsen
stN.
‘Haarausfall’
des paums öl und sein saf und sein wazzer
[...] hilft für daz hârauzreisen BdN
333,5
MWB 2 1218,5; Bearbeiterin: Herbers
hârvlëhte
swF.
‘geflochtenes Haar’
ez sol auch dhaine burgerin [...] kaine horeflehten
fuͤrbaz mer tragen die gemachet sein mit geslagem golde oder mit silber
NüP
184
MWB 2 1218,8; Bearbeiterin: Herbers
hârvlëhterinne
stF.
‘Haarflechterin’, bildl.:
gîtikeit hât [...] / mit aller missetât gemeine: /
[...] untriuwe ist ir râtgebîn, / unkust
[Falschheit, Hinterlist] ist ir hârflehterîn
Renner
4570
MWB 2 1218,12; Bearbeiterin: Herbers
harwe
stF.
→
herwe
MWB 2 1218,16;
harwen
swV.
oder härwen?; zu →
har
Adj.
‘aufrührerisch, widerspenstig sein’
exasperant: harewent, unsemftent PsWindb
65,7;
[
generatio
] exasperans: harwentiu, leidgentiu, reizcentiu ebd.
77,8
MWB 2 1218,17; Bearbeiter: Bohnert
hârwurm
stM.
Hauterkrankung (am Kopf):
alsô sî.N. [...] des hârwurmes, des magewurmes
[...] / der wurm der sî nû tôt WurmsLamb
6
MWB 2 1218,22; Bearbeiterin: Herbers
harz
Interj.
verkürzt aus harzuo (= herzuo):
die pauren schrien: ‘hartzjo, hartz! / mein lieb ist nit schwartz.’
MeierBetz
286
MWB 2 1218,25; Bearbeiterin: Herbers
harz
stNM.
‘Harz, Pech’
resina: harz SummHeinr
1:186,219;
gummi: harz ebd.
2:48,286;
affaltum bitumen: harz ebd.
2:154,95;
napta id est harz ebd.
2:381,101.1;
swie gelîch ist honic unde harz, / zucker und senf, wîz und swarz
Renner
11213;
des paums fruht switzt öl und sein rind gibt harz
BdN
328,25
u.ö.;
eyn salbe von wysem harcze Albrant
3,61;
SalArz
116,32;
RvEBarl
1842;
HvNstAp
2525.
– bezogen auf die Farbe, swarz als ein ~
:
einen nebel der was swarz, / alse swebel unde harz
Wig
6727;
die zene waren %\vber al / scherttet vnd ab genagen /
[...] die warent rostig vnd swartz / als ein vermischet
hartz Krone
19694;
drî môren vil swarz, / rehte als ein harz / sus wâren si
gevar Ottok
32243;
diu katze gât / eines nahtes in dem merzen / und viel in eine swerzen, / daz
si da von wart alsô swarz / sam ruoz und gebrennet harz Katze
2012;
HvNstVis
60;
HvNstAp
11771.
– bezogen auf die Konsistenz, klëben als ein ~
:
daz hemde klepte im an der hût / alsam ein harz und als ein
bech KvWTroj
38429;
ir mut ist kleber als ein hartz Physiogn
94;
div e [Ehe] clebit als ein harze
Martina
133,101;
Ottok
17073.
–
hâhen an jmdm. als ein ~
:
do ward Tyrus inne / das er pey der schwartzen lag. / er
[...] erschrack, / si hieng an im als ain hartz
HvNstAp
14229;
[die Seele spricht zum Leib:] du bist von sunden also
swartz, / die an dir hangen als daz hartz Erz III
6,136.
–
er habte iz [den Speer] gelich dem harze
[er hielt ihn wie klebendes Harz]
JTit
2040,2.
– spöttisch als Teil eines Personennamens:
einer ist wîz, der ander ist swarz, / sô heizet einer meister harz
Renner
330
MWB 2 1218,28; Bearbeiterin: Herbers
hasart
stM.
→
hasehart
MWB 2 1218,61;
hâsche, hâtsche
swF.
zu frz. hache (s.a. Vorderstemann, Fremdw., 112-114).
‘Beil, Axt’
dâ stuont ouch manec koufman / mit hâschen und mit
gabilôt [Wurfspieß]
Parz
183,17;
iuwer volc hât ouch vil ze wer: / swert, bogen, lanzen, hâschen
Wh
358,9.
60,1;
lantzen, hatschen, kuͤlen JTit
4578,1
u.ö.
MWB 2 1218,62; Bearbeiterin: Herbers
hase
swM.
‘Hase’
1 allg. 2 bezogen auf Eigenschaften von Hasen 2.1 bezogen auf Ängstlichkeit, Feigheit 2.2 bezogen auf schnelle Bewegungen, Hakenschlagen 3 sprichw. 4 als Teil von Personennamen
1
allg.:
lepus: has VocOpt
45.121;
mit strichen uie er hasen diche GenM
46,22;
ovch qvam vz dem walde / der hase vnd daz wilde swin, / der
otter vnd daz mvrmendin ReinFu
K,1347;
[im Gehege] wâren inne [...]
vühse, hasen und diu gelîche Er
7148;
EnikWchr
18252;
StRMünch
455,14.
– bezogen auf den Hasen als Wildtier:
swer einen hasen drizech iar / an einem bande behabe /
und ziehe er im daz selbe abe, / er werde dannoch wilde StrKD
44,II 2.
44,I 2;
der has vil gahes erwildet, swie lang er an dem bande si gehalten
JTit
940,4
2
bezogen auf Eigenschaften von Hasen
2.1
bezogen auf Ängstlichkeit, Feigheit:
iuwer rede zæme einem wîbe, / ir sît des hasen genôz. / iuwer angest ist
ze grôz AHeinr
1123;
da vür hat er [Gasoein] des hasen muot /
gewechselt vnd alle sein art, / der nie vnfliehend wart, / ob in ein maus wolt
iagen Krone
10712;
iz nert ein clein gedinge, daz iz vor tode alsam ein hase wenket
JTit
798,4;
Jüngl
244;
Georg
3055.
– für einen Menschen ‘Feigling’
er bœsewiht, niht wandels frî, / rehter frastmunt
[Kühnheit, Mut] ein hase!
Helbl
2,515
2.2
bezogen auf schnelle Bewegungen, Hakenschlagen:
die [Tiere] sint forhtsam vnde
snel als der has Lucid
61,3;
diz vliegende bîspel / ist tumben liuten gar ze snel, / sine
mugens niht erdenken: / wand ez kan vor in wenken / rehte alsam ein
schellec [aufspringender] hase Parz
1,19;
der ellenthafte Sarrazîn / gie dô wenkend ûf dem grase / den slegen sîn,
reht als ein hase, / der sich den hunden wil entsagen KvWPart
5980;
über eine hôhe banc / diu juncvrou mit dem schrîber spranc, / als ein hase
über eine vurch Rädlein
383;
Tr
4638;
KLD:Schulm
6:2,5
3
sprichw.
– mit Hasen lassen sich keine Löwen jagen (s. TPMA 5,411):
ist der hase also getan, / daz er lewen wil bestan, / daz
enheize ich niht frumcheit: / ez ist ein gouchlich arbeit StrKD
43,1;
der lewe niemer sol geklagen, / wellent in die hasen jagen
Freid
136,13.
– bezogen auf verdrehte Verhältnisse:
swer beren mit dem hasen jagt, der mac sich geluckes wol verkunnen
JTit
832,4;
ein hase zweine winde [Windhunde] vieng, do si
in solten jagen Marner (W)
6:11,9;
ein hase zwêne winde zôch / ein ber jagt einen valken, den vienc er in den
lüften hôch RvZw
159,4;
ein hase sprach: ‘ich tar wol wolve bîzen’. / ein igel sprach: ‘min hût
ist sô linde [...]’ ebd.
160,8;
WälGa
2662
4
als Teil von Personennamen:
des loͤgente Peter Hase UrkCorp (WMU)
1957,40;
Herman uf Swinberc, der Hase uon dem Lúpolz [...]
und ander erber lúte ebd.
1870,29
MWB 2 1219,4; Bearbeiterin: Herbers
hasehart
stM.
aus frz. hasart; auch haschart.
1
‘Würfelspiel’
2
‘Wurf beim Würfelspiel’
3 als Teil eines Personennamens
1
‘Würfelspiel’
ich hân ez dicke gesehen / und ist mir selben geschehen / swâ ein spil
geteilet wart / ûf brette ald an hashart GFrau
1094;
dar nâch kan ich einen wîn / ze rehte wol erkiesen, / gewinnen unt verliesen /
ein hashart ûf einem bret Irregang
47;
och lait er an den hase hart [...]
und spilte nit wan ort um ort SHort
4143;
Martina
122,33.
– etw. um ein Würfelspiel tauschen:
Tirol, Mezze, Megenze, Triere, / hete Swendeier die biere, / er verbbte
[l. verbüte
‘vertausche’
] in einem biere, / haseha(r)t umb sie alle Damen
5,3
2
‘Wurf beim Würfelspiel’
do sprach sente Bernhart / ‘nu wirf uz den hesehart. / swer nu gespilit baz /
der sal han gewunnen daz.’ PfzdHech
345,20.
–
‘Glückswurf, Glück’
‘eya’, sprach er [ein Spieler] , ‘nu secht, /
welch ein wolgende pfert! / ez were wol der rede wert, / hete ich druf einen
haschart.’ Pass III
408,19.
–
‘Unglückswurf, Unglück’
er was darûf versunnen, / daz er gerne mêr hiet
gewunnen, / des liezen si den wurfel walten: / verboten und gehalten / dick ez
von in wart, / schanze [Glückswurf] und hashart
Ottok
35167;
daz dich hasehart verzer RvMunre
1328
3
als Teil eines Personennamens:
her Tile Hasart UrkCorp (WMU)
2265,48
MWB 2 1219,56; Bearbeiterin: Herbers
hasel
stN.
→
heselîn
MWB 2 1220,18;
1hasel
swF.
‘Hasel(strauch)’
corulus: hasele Gl
3:540,7.
4:214,3;
setzet man ain haseln zuo dem weinreben, diu derrt im sein
wurzeln BdN
354,4;
länkloteu dingl, diu hangent an den haseln ebd.
373,28;
ich mein daz selb unvasel [böse Frucht, böse
Nachkommenschaft] : / ez bringet birche noch diu hasel / mit slegen
nimer dâ zuo, / daz ez edellîchen tuo Helbl
15,202
MWB 2 1220,19; Bearbeiterin: Herbers |