helle
stswF.
1
‘Hölle’
1.1
‘Unterwelt, Reich der Toten’
1.2
‘Ort der Verdammnis’
1.2.1 allg. 1.2.2 bezogen auf Lage und Eigenschaften der Hölle 1.2.3 in verbalen Wendungen 1.3 übertr. auf die Strafe, die einen in der Hölle erwartet 1.4 sprichw. für die Hölle als unersättlichen Schlund 2 als Flurbezeichnung ‘Schlucht, Abgrund’
3 als Bestandteil von Personennamen
1
‘Hölle’
1.1
‘Unterwelt, Reich der Toten’
duo sprach Jacob: ‘ [...] nû ist
Joseph tôt, diser eine mir bistuont. / / gescihet im iuweht unter wegen sô muoz
ich den lîp irgeben, / [...] unze ich sô vare ze der
helle.’ Gen
2240;
Cerberum si funden / der helle portenâre En
3199.
3239;
daz loch [...] / ez is der helle învart ebd.
2917;
nach der heidene geloube Februus daz ist der hellen got.
darnach ist der februarius genant MNat
16,19;
min hus wirt di helle werden [
infernus domus mea, Iob 17,13]
Hiob
7045
1.2
‘Ort der Verdammnis’
1.2.1
allg.:
in der helle ist dehein urlôse Spec
41,24.
41,26;
daz himelrich ist unser heimot, / diu helle ist der
ewige tot Wahrh
14;
do in den selben ziten hat er gar vil vision
kúnftiger und verborgenr dingen und gab im got neiswi ein enpfintlich
kuntsami, [...] wie es in himelrich und in helle
und in vegfúr stuͤnde Seuse
22,23;
Litan
333;
HvNstVis
52;
LBarl
2312;
UrkCorp (WMU)
93,11
1.2.2
bezogen auf Lage und Eigenschaften der Hölle:
die helle, div ist enmitten in dem ertrich
PrBerthKl
4,96;
sô ez [Gold] ie tiefer in
der erden ist, sô ez der hell ie næher ist BdN
475,11.
107,11;
die helle ist obnan enge vnde vnden wit
Lucid
7,15;
die helle hat ein hoͮbet oben,
[...] da die flammen us schlahent
Mechth
3: 21,93;
Willehalm, din gantze triwe / versperret dir der
helle tuͤre Rennew
6813.
–
di innere vinsterkeit, / di dort ist in der helle
breit Hiob
8242;
diu deumuͦt hin ze himele stiget, / daz di
ubermuͦt nider niget / in di uinsteren helle Rol
3511;
deu swartz helle KvMSph
22,12;
MF:Her
4:2,1;
Parz
463,14.
–
diu helle ist sûr und heiz Wh
219,13;
dâ mite lôste er die cristenheit / von der heizen helle MF:Her
6:1,5
1.2.3
in verbalen Wendungen:
– die ~
bûwen
‘in der Hölle leben/ bleiben’
so ist ave den vile we, / di de helle muzen buwen
HimmlJer
468;
swer in den sünden blîbet tôt, / der muoz die helle iemer bouwen
LvRegFr
587;
Frl
9:22,4;
Rennew
8595.
– zur ~
geborn/ erkorn sein:
alle, die ze der helle geborn sint, die uolgent
ime [dem Antichrist]
Spec
145,2;
swen nû der blic verleitet, / der ist zer helle geborn / und enhât
niht verlorn / wan beide sêle unde lîp AHeinr
733;
der mensche was verlorn, / durch schulde hin zer
helle erkorn Parz
448,18;
Greg
480;
KvHeimUrst
1158;
Rol
8582.
– in die/ zur ~
varn:
so vert er in die hella; / da muoz er iemer inne
wesen MemMori
72.
66;
so ich an dem crúce erstorben bin, / so vert min
sele zehelle hin WernhMl
6504;
sô müezen die verfluochten varn / zer helle mit des tiuvels scharn
Freid
180,1.
151,12;
hinnen vuor der sun zer helle, / von dem grabe, dâ er inne lac
Walth
15,27;
Lucid
130,8;
JPhys
2,28;
VRechte
336.
– jmdn. in die/ zur ~
vüeren/ senden:
der tivel hat dich geuangen. / erne wil dich
nicht lazen: / mit anderen dinin genozin / furt er dich zu der helle
Rol
8971;
Lucid
126,20;
si sol mîn zeswiu hant / hiut in die helle senden
StrKarl
7469;
RvEWchr
13874;
HlReg
13,14.
– der ~
engân/ entrinnen:
swer sich ze gote gesindet, / der mac der helle engân
Walth
77,7;
der helle er entrinnet HvBurg
1285.
– jmdn./etw. von der ~
erlœsen:
von sîneme
[Abrahams] sâmen noh der chôme / der die werlt
alle irlôste fon helle Gen
2710;
der schóne sanc, [...]
der betútet daz groze lob, daz die selen sungen, die got uon der hellen
lóste Lucid
116,2;
der almahtigi got uon dem heiligim tode erstuͦnt
unde uns daz himilrich eroffinote [...] unde
uil manige heilige sele uon der helli erloste Spec
57,4;
RvEWchr
19747;
KvHeimUrst
1536;
PrOberalt
111,12.
–
durch got so gebt in iuwer brot, / so wert ir vor
der helle fri TannhHofz
32.
– in der ~
brennen/ baden:
iwer armiu sele muz iemir da zehelle prinnen
Rol
5318.
8604;
[du] mvͦst dennoch immer mer brinnen in der
helle alle die svnttage, alle di mæntage [...]
PrBerthKl
4,89;
BdN
336,19;
ê daz ich keiner slahte gir / trüege ûf dîner kinde schaden, / ê
wolte ich in der helle baden / sunder ende und âne zil
KvWEngelh
6050;
Winsb
38,7
1.3
übertr. auf die Strafe, die einen in der Hölle erwartet:
mac iuwer segen mich bewarn / vor der helle
Wig
8172;
so sint auch etlich die dient
[...] dem almæchtigen got durch die vorcht der
helle PrOberalt
93,3;
auch spricht sant Bernhart: mensch [...] pis vrei
vor der helle MvHeilFr
23
1.4
sprichw. für die Hölle als unersättlichen Schlund:
driu dinc niht gesaten kan: / die helle, fiur und gîtegen man
Freid
69,6;
diu helle und der arge man / werdent nimmer sat WälGa
2865
2
als Flurbezeichnung ‘Schlucht, Abgrund’
ein halb acker bi hern Anshelme von Wikerzheim gat vf den weg in die helle
UrkCorp
N722,43;
si habent auch êmalen gehabt ze Chrems in der helle siben schillinge gult auf
einē paumgarten UrkCorp (WMU)
2481,30;
zuͦ der hellen i zweiteil ebd.
N150,15.
N357,16
3
als Bestandteil von Personennamen:
Conrad von der Helle UrkCorp (WMU)
1126AB,18.
2550,33;
her Berthold zur Hellvn ebd.
N99,33
MWB 2 1327,56; Bearbeiterin: Herbers
hëlle
stF.
‘Klarheit, Reinheit’, bezogen auf Gesang:
in sûzir helle / sanc der reinen pfaffin rote / ein
lobelîche messe gote NvJer
24141
MWB 2 1329,27; Bearbeiterin: Herbers
hellebant
stN.
‘Höllenfessel’
wen sie hie zuͦ aller slahte lazster bereit warent, von rehte
sint si dort gebunden mit aller slahte helle banden Lucid
129,19;
du bist gevrîet / vor allen hellebanden Wh
4,17;
Christ ist erstanden / unt hat von helle panden / manick tousent
sel erloͤst GvJudenb
2536;
GFrau
1570;
WhvÖst
10461
MWB 2 1329,30; Bearbeiterin: Herbers
hellebære
Adj.
‘Höllenstrafe einbringend’
daz werde hof gesinde versigelt was vor hellebæren sunden JTit
428,4
MWB 2 1329,37; Bearbeiterin: Herbers
hellebarn
stN.
‘Höllenkind’, als Beschimpfung:
wê dir, snœder hellebarn! Walth
149,39
MWB 2 1329,40; Bearbeiterin: Herbers
hellebâsiliscus
stM.
‘Teufel’
der hellebasiliscus / schaden vil von dir
[Maria] begreif: / din tugent schuof daz uf in sleif / des
todes hagel KvWGS
156
MWB 2 1329,42; Bearbeiterin: Herbers
hellebër
stM.
‘Höllenbär’, für den Teufel:
[Hiob] sayt / daz im di pine und di swer / si kumen von dem
helleber Hiob
6624;
gebunden wart der helle ber / van Cristo ebd.
14911.
981.
15316
MWB 2 1329,45; Bearbeiterin: Herbers
hellebloch
stN.
‘Höllenblock’ als Strafwerkzeug (zu bloch stN.
2):
vf sinen spor mit cleinem her / svnder danc vnd ane wer / nam er
[Jesus] im [dem Teufel] sin
hangetat / [...] und leit im vf daz swere ioch / vnd sluoc in
in daz helle bloch Martina
27,54
MWB 2 1329,49; Bearbeiterin: Herbers
helleboc
stM.
‘Höllenbock’, für den Teufel:
do sprach [...] Martina [...] /
ich vergihe dinem govgel stock [Götzenbild] / wesen nv der
helle bock / und den verfluochten tievil / der an allen zwivil / von dem himel wart
vertriben Martina
184,46.
156,43
MWB 2 1329,54; Bearbeiterin: Herbers
hellebodem
stM.
‘Höllengrund’
gedenke daz dvͦ unsich irlostis / uon deme helle bodeme
Ägidius
1677
MWB 2 1329,59; Bearbeiterin: Herbers
hellebracke
swM.
‘Höllenhund’, als Beschimpfung:
so brach im [Kaiser Alexander] ie der kruoc / und gelac
der vnfuoc / aller vf sinem nacke / der vngetovfter helle bracke Martina
186,90
MWB 2 1329,61; Bearbeiterin: Herbers
hellebrant
stM.
‘Höllenbrand, Höllenfeuer’
1 allg. 2 übertr. auf Pers. als Bezeichnung für einen Bösewicht/ Sünder
1
allg.:
dis bitterkait und daz geschre, / nim war, die helle brende /
han ewenclich an ende SHort
891;
wie senftmutig ditz schaf si / im wonet doch ein zorn na bi,
/ [...] sin biz zubizet den hellebrant Brun
3125.
–
‘Fegefeuer’
wol ieme, wer shone erwerbin kan als duͦ von minne werndin pris. / der
nach Paulo minnin kan, der ruͦre nummir hellebrant Marner (W)
Ml 1:13,20
2
übertr. auf Pers. als Bezeichnung für einen Bösewicht/ Sünder:
sô gîstû almuosen in die helle, sô dû einen hellebrant ûz der hellen gezogen
hest mit stiure dînre guoten werken PrNvStr
278,39.
278,32;
also denne kummet die stunde des todes,
[...], so muͤssent sú mit den groben súndern in das
vegefúr; aber ist des nút, so súllent sú ein ewig hellebrant sin
Tauler
402,22.
198,6.
108,16
MWB 2 1330,1; Bearbeiterin: Herbers
hellebrennen
stN.
‘Höllenpein’
diz si mîn hellebrennen, / daz diu sêle mîn deheine nôt / vürbaz
enpfâhe, sît mir tôt / des lîbes vreude ist Wh
454,18
MWB 2 1330,17; Bearbeiterin: Herbers
hellebrücke
F.
‘Brücke in die Hölle’, als Beschimpfung für einen boshaften Menschen (vgl.
Schmiedel, Hl. Georg § 43 und →
brucke
1.2):
valsche hellebrücke / ungetriuwes râtes Georg
4190
MWB 2 1330,20; Bearbeiterin: Herbers
hellebuobe
swM.
‘Höllenbube, Bösewicht’, für die Teufel:
swer von dir herre entwichit / der [...] muoz
[...] struchen in die gruobe / zvo den argen helle buoben
Martina
227,82
MWB 2 1330,24; Bearbeiterin: Herbers
hellediep
stM.
‘Höllendieb’, für die Teufel:
der man aber zu in sprach / ‘ey nu seht, vil lieben, / zu den helledieben, / wie
si begern unser leit [...]’ Pass III
14,22;
daz er [Gott] uns beschirme vor den helledieben, daz
sie uns den wec gein dem himelrîche iht versetzen DvASchr
378,16;
di guten sint / gotes chind [...]; / di
posen ligen / uberstigen / von manigem helle dieb Vät
41012.
16706;
Martina
216,47;
StrKD
107,286
MWB 2 1330,28; Bearbeiterin: Herbers
hellediet
stN.
‘Höllenvolk’
[Maria:] ‘kum zu mir, fridel min, ja pin ich dir berait, /
[...] swaz helle diet hie vor gestrait, / an swert han ich
ervohten, daz kain zunge nimmer mer vol sait, / ich han verslihtet und verrihtet
endelosen sweren pein.’ Marner (W)
2c,18(S. 291)
MWB 2 1330,37; Bearbeiterin: Herbers
helledorn
stM.
‘Höllenstachel’
so wirt er [...] gewurfen in di helle /
und in di scharfen helle dorn Hiob
15023
MWB 2 1330,43; Bearbeiterin: Herbers
helledrache
swM.
‘Höllendrache’, für den Teufel:
der alde helle drache Vät
28480
MWB 2 1330,46; Bearbeiterin: Herbers
helle|egel
swF.
‘Höllenwurm’, bildl.:
dî zwû helleegiln, / unkûsche und girekeit NvJer
2869
MWB 2 1330,48; Bearbeiterin: Herbers
hellegalge
M.
‘Höllengalgen’
wez blestu dich [plusterst dich auf] ,
krotenbalg? / dir ist berait der hellgalg, / wiltu dich nit hofart massen
SHort
436
MWB 2 1330,50; Bearbeiterin: Herbers
hellegeist
stM.
‘Höllengeist, Teufel’
hilf uns den angestlichen tac / mit diner stiure leisten, / daz
wir den hellegeisten / ze spotte niht gedihen KvWGS
1558;
KvWTroj
7431
MWB 2 1330,53; Bearbeiterin: Herbers
hellegerte
F.
‘Höllenrute’
unmaze wart Lucifer ein helle gerte, / diu in treip uz himelriche vrone
JTit
1917,2
MWB 2 1330,57; Bearbeiterin: Herbers
hellegiege
swM.
‘Höllennarr’
– für die Verdammten:
die blinden helle giegen / gotis wunder siv enpfiengen Martina
142,10.
61,3.
– für den Teufel:
bi dem helle giegen / der veige, der verlorne Martina
111.2,94
MWB 2 1330,60; Bearbeiterin: Herbers
helleglocke
F.
‘Höllenglocke’
dez hungers helle gloggen / in sin ore liutent Martina
131,20
MWB 2 1331,1; Bearbeiterin: Herbers |