hinderrât
stM.
‘Tücke’
mit solhen hinderræten / daz rîche wart gegriffen an
Ottok
144
MWB 2 1543,43; Bearbeiter: Bohnert
hinderrede
stF.
‘üble Nachrede, Verleumdung’
die meister sprechent, das hinderrede nút anders ist denne ein swerzerunge
oder ein swecherunge eines froͤmden lúmden mit verborgenen worten
BdT
159,3;
ir hinderrede sich niht enkan / vor mir verheln: ich hœre untriuwe lîse
RvZw
151,11;
von der grozen erbeit / die das her uf dem wege leit, / wart
ir hindir rede groz RvEWchr
13312;
[
si
] tribin [...] / hindir rede und murmils vil
ebd.
13315;
la hinderrede, valschen spot! RvEWh
3413;
des itewîzes ~
Elis
1782;
bœsiu ~
ebd.
6629;
der bosen [Leute] hinderrede ebd.
6736;
ân hinderrede und âne nît / vil liuten zunge kûm gelît Boner
3,3;
sie furen ir unrechte mide / afterwert mit hinderrede Elis
1017;
daz du [Gott] mich bischirmest
[...] vor hinderrede, vor scheltwortin, vor itiwizin
MuriGeb
475;
PrGeorg (Sch)
25,403;
StRZürich (B)
40,2;
JMeissn
A1:18,2
MWB 2 1543,45; Bearbeiter: Bohnert
hinderredelich
Adj.
‘übel nachredend, verleumderisch’
eins edeln mannes mervart / in bilgerînes wîse [d.h. nicht als
Kreuzfahrer] / ich lasterlîche prîse / mit hinderredelîcher pfliht
Reinfr
15517
MWB 2 1543,63; Bearbeiter: Bohnert
hinderreden
swV.
hinter jmds. Rücken schlecht über jmdn. reden, ‘jmdn. verleumden, jmdm. übel
nachreden’.
– mit Akk.:
swer oͮuch den rat, der denne ist, hinderret [
detrahendo obloquitur
26,18
] , der sol ez beszern, als er ez vnder oͮgen téte UrkCorp
(WMU)
26AB,38,39;
der hinderreder, der minret dem menschen, den er hinderredet, sinen guͦten
lúmden BdT
159,16.
160,3.4;
der aine gerihte zungen het, dú nieman hindirredot PrGeorg
(Sch)
16,110.115;
[Christus nahm auf sich] natürliche gebresten unde
lidunge, die man niht hinderreden sol [
naturales et indetractibiles passiones
]
ThvASu
86,32;
Martina
129,15;
PrGeorg (Sch)
40,95;
PrWack
70,130;
BdT
162,7.8.
– mit Dat.:
du solt hinderreden niht / den liuten Cato
191.
– mit Präp.:
in genuogte ouch niht, ûf sî [Maria Magdalena (Mc
14,4f.)] aleine ze hinderredenne, sie mürmelten ouch ûf den
heilant DvASchr
334,33.
– absol.:
daz [ein Sünder] oͮch ain ungeriht zungun het, dú
gerne hindirredet, unde virkerit sinis ebinmentschin werk PrGeorg
(Sch)
16,102;
PrEls
19B,193.
– Part.-Adj.:
die hinderredenden zungen [
linguam detrahentem
]
BdT
162,13.
– subst. Inf.:
hinder reden und haz / waz in dinem hertzen
waz [= baz
] / wann daz pater noster gut HvNstGZ
6690;
ist das der mensche hoͤret hinderreden und dem hinderreder nút widerstat
BdT
161,21;
das ime das hinderreden wol gevalt ebd.
161,24
u.ö.;
in dem neÿden hab ich gesundet mit abcziehen meines nestes leuntes oder des,
daz iͤm got hat gegeben, mit hinderreden oder mit nachreden
DtBeichten
161,91;
Tauler
396,8
MWB 2 1544,3; Bearbeiter: Bohnert
hinderreder
stM.
‘Verleumder’
der hinderreder, der minret dem menschen, den er hinderredet, sinen guͦten
lúmden BdT
159,16;
du ensolt dich nút mischelen under die hinderreder [
cum detractoribus non commiscearis Prv 24,21]
ebd.
160,30
u.ö.;
ez insint ouch niht [der Zuneigung Gottes würdig]
die hinderrede spulgent unde verkerde [La. die hinderreder noch
verkerer
]
PrWack
56,476;
der klaffige hinder reder VitasPatr
322,26;
Eckh (B)
103,36;
MinneR 368
93
MWB 2 1544,35; Bearbeiter: Bohnert
hinderredic
Adj.
‘übel nachredend, verleumderisch’
sin zunge was [...] nút klæffig,
nút balt, nút los, / nút hinderredig, nút verlogen WernhMl
5901
MWB 2 1544,45; Bearbeiter: Bohnert
hinderrîten
stV.
‘hinter jmdn. reiten (um ihn überraschend anzugreifen)’
so sich die heiden an uch gerihtend gar, / fünf hundert tempelherren nement
min denn war, / domit wil ich die heiden denne hinder riten / und mit ritterlicher
wer gen uch her striten WolfdD (H)
2177,3
MWB 2 1544,48; Bearbeiter: Bohnert
hinderrucke, -rucken
Adv.
1
‘hinter den Rücken’
2
‘zurück’ , in Verbindung mit gân, kêren, trîben, wîchen
1
‘hinter den Rücken’
ir sult mir hinder rucke slan / mine hende und die binden Pass
III
351,50.
– bildl.,
~ schieben, werfen
‘aus dem Blickfeld entfernen: nicht beachten’
swer bœsen herren sich wil lieben, / der muoz gar hinder rücke schieben /
wârheit, zuht, triuwe und scham Renner
2150;
du hazzetes die zucht und wuͦrfes mine wort und min gebot hinder rucke [
retrorsum Ps 49,17]
PrLpz (L)
111,15;
das der mensche alle ding úber gebe und hinder rúggen
werffe und sich minneklichen mit gotte vereine Tauler
269,5
2
‘zurück’, in Verbindung mit gân, kêren, trîben, wîchen:
dâ muoz grôzer gewalt sîn, dâ alle krefte hinderrucke suln getriben und
getemmet werden und irs werkes entstân und abegân suln Eckh
4:567,23;
do erschraken si gemein / und wichen hinder rucke Pass III
114,89;
MorantGalie
2832(La.).
2840(La.)
MWB 2 1544,54; Bearbeiter: Bohnert
hindersal
stN.
‘Behinderung, Störung’
1 von jmds. freier Beweglichkeit: ‘Gefangennahme’
2 des Verkehrs 3 der rechtmäßigen Verfügung über etw., der Vertragserfüllung
1
von jmds. freier Beweglichkeit: ‘Gefangennahme’
von eynes hindersal (de impedimento hominis). der keiser hat verboten, daz
kein mensche daz ander hindern sal heimlich noch offenbar. sint hindersal ist ein
wurzel aller vnding; wan wer den andern hindert, vnd heischt nit recht von im, der
hat wider den keiser getan KlKsr
2,46;
von hindersal wider recht ebd.
2,68
2
des Verkehrs:
so sulde dyͤ stait unde dy lude zuvirsit haben zuͦ
[...] mimen gude [...] unde
sulden daiz anegrife, biz ich dy anesprache unde hindirsal des wegeis abeleitte
UrkWetzl
1,286
(a. 1307)
3
der rechtmäßigen Verfügung über etw., der Vertragserfüllung:
gein allen den, die vns kein hindersal tuͤn mit worten oder mit werken
UrkCorp (WMU)
2550,11;
wer, das uns der vorgenanten dinge deheins verbrochen werde oder [
daz wir
] deheinen gebrechen oder hindersal von ieman dar an neman, als ofte
das geschehe, als dicke sol er uns den gebrechen und daz hindersal uzrihten und
vertigen UrkHohenl
2:250, 1. 2.13
(a. 1328);
were daz dehein vertzucnusse oder hindersal an der losunge
[...] geschehe UrkWürzb
41,163
(a. 1345);
etw. bringet ~
:
MGHConst
8:396,20
(a. 1347).
–
âne ~
:
daz wib sal auch des gutes [ihres Wittums] ein
phlegerin sin, vnd sal auch an des mannes hindersal mit tun, waz sie wil
KlKsr
2,51;
zu besitzene eweliche ane ansprache, ane hindirseil inde ane allirslachte
argelist UrkCorp (WMU)
231,35;
den selben zol besetzen vnd entsetzen frylich swi sie woͤllen an alle
hindersal UrkWürzb
41,120
(a. 1345);
an allerleye hindersale, widirsprache und geverde UrkHanau
2,701
(a. 1347);
UrkFrankf
2,186
(a. 1323)
MWB 2 1545,8; Bearbeiter: Bohnert
hindersæʒe, -sëʒʒe
swM.
rechtsspr., jmd., der hinder jmdm. sitzet (vgl. →
hinder Präp. 2.1.3 am Ende), d.h. als Freier, Halb- oder
Unfreier in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Grundherrn steht (vgl.
2HRG 2,1040f.),
‘Hintersasse’
daz wir Cunrat, der únser eigen ist [...], haben
geben den herren von Bubikon ze einem rehten hindersezen UrkCorp
(WMU)
82,38;
wer mit keyme irme hinderseszen, er si ir eigen oder nút, ze schaffende
gewûnnet oder het ebd.
1047,42;
ez mag in iedem dorf ein hof zwen hindersaezzen haben und nimer
OberBairLdr
161;
swer hindersezen hat oder hausgenozen NüP
152;
vnser amptleut, diner vnd hindersezen UrkHohenz
3,45
(a. 1338);
UrkCorp (WMU)
475A,6;
UrkStVeit
49
(a. 1335)
MWB 2 1545,42; Bearbeiter: Bohnert
hindersæʒe
stF.
rechtsspr., Rechtsstellung eines →
hindersæʒe swM., ‘Hintersassenschaft’
daz ich [...] Vͦlrichv [l.
-vn?] von Wehseldorn, der min hinderseze was vf
mime guͦte ze Wæchseldorn, leͥdig han verlan der hinderseze gentzeclihe vnd gar
UrkCorp (WMU)
1843,14
MWB 2 1545,57; Bearbeiter: Bohnert
hinderschrenken
stN.
Verkehrung der Wahrheit, ‘Hinterlist, Betrug’
daz er nieht erchenne unser hinterskrenchen, / daz wir in
megen triugen mit unseren lugen Gen
510
MWB 2 1545,63; Bearbeiter: Bohnert
hinder sëhen
stV.
intr. und refl., ‘nach rückwärts schauen, zurückblicken’
so dirre floch vnde hinder sach, / ein ander in in daz ouge
stach Herb
6871;
er gesach sich hinder nie ebd.
1963.
– übertr., subst. Inf., ‘Rücksicht’
da ist kein hinder sehen: / was dißem got hat beschert, / des ist er wol wert
JunghHeinr
1702
MWB 2 1546,3; Bearbeiter: Bohnert
hindersetzen
swV.
1
‘etw. nach hinten setzen, zurücksetzen’ , hier: jmds. Schritte aufhalten (ihm
ein Bein stellen), so dass er stürzt, ‘zu Fall bringen’
2 übertr., ‘schwächen’ oder ‘überwältigen’
1
‘etw. nach hinten setzen, zurücksetzen’, hier: jmds. Schritte aufhalten (ihm
ein Bein stellen), so dass er stürzt, ‘zu Fall bringen’
di da gedathen hindersezzen genge mine [interl. zu qui
cogitaverunt supplantare gressus meos
]
PsTr
139,5
2
übertr., ‘schwächen’ oder ‘überwältigen’
swenne den starken lewen gram der hunger hinder setzet JTit
1381,1;
in hete hinder setzet di klag mit jamer garwe ebd.
469,1
MWB 2 1546,10; Bearbeiter: Bohnert
hindersidel
stM.
‘Hintersasse’ (vgl. →
hindersæʒe swM.):
wer ever sachge, dat emantz hindersedel of leynlude misschege [=
misseschehe
] , so sal ir heirre in raden inde helpen gerichte of besserunge
danneaf ze nemen UrkKöln (St)
1:46,38
(a. 1341)
(=
ebd.
1:62,1
(a. 1341-1351)
)
MWB 2 1546,19; Bearbeiter: Bohnert
hindersitzen
stV.
‘zurückgesetzt sein, einen niederen Rang einnehmen’ (?):
alle irdesliche witze / nu swige, hinder sitze, / di dirre wisen frouwen rat /
auch herliche uberkomen hat Elis
10132
(vgl.
daz ich so wenic zuneme [an Weisheit] / unde joch
hin hinder sitze Vät
20243;
andere Erklärungen s. Glossar)
MWB 2 1546,25; Bearbeiter: Bohnert
hinderslac
stM.
‘Schlag von hinten, heimtückischer Schlag’
[Doppelzüngigkeit:] wer mag vor zwein zungen gestân?
[...] / si slahent mangen hinderslag / ûf den selben dâ
zehant, / den si vor gelecket hânt Boner
91,64
MWB 2 1546,31; Bearbeiter: Bohnert
hinderslahen
stN.
‘das heimtückische Schlagen’
nît und haz macht hinderslân / und hinderred Boner
3,5
MWB 2 1546,36; Bearbeiter: Bohnert
hinderslîchen
stV.
1
‘jmdn. von hinten beschleichen’
2 subst. Inf., übertr., ‘Unaufrichtigkeit’
1
‘jmdn. von hinten beschleichen’
ich wil alle tag gan uf die lage des toͮdes, und wil mich umb
sehen, daz er mich nit hinderschliche Seuse
286,11.
238,10
2
subst. Inf., übertr., ‘Unaufrichtigkeit’
[
er kerte
] sin und mut / an den, der im tet daz gut, / ane allez hinderslichen.
/ er predigete al offenlichen / Jesum Cristum Pass I/II (HSW)
31167
MWB 2 1546,38; Bearbeiter: Bohnert
hindersnîden
stV.
‘verleumden’ (vgl. frnhd. jmdm. die Ehre abschneiden FWB
1,350):
der liuten rede ist manigvalt, / si hindersnîdent jung und alt
Boner
3,2
MWB 2 1546,46; Bearbeiter: Bohnert
hindersprâche
stF.
‘üble Nachrede’
an boser hindersprache, / dar an man sich virgizzet
Vät
13790.
– personif.:
daz sibende ist bruoder Hindersprache: der wil allez daz betegedingen daz in
der wochen begangen ist SelbhReg (W)
994,2
MWB 2 1546,50; Bearbeiter: Bohnert
hindersprëchen
stV.
‘jmdm. übel nachreden’
daz man in idewizes jach / unde in auch dicke hindersprach / umme ir
sunderliches leben Elis
1824
MWB 2 1546,55; Bearbeiter: Bohnert
hinderstân
V.
tr., ‘einer Beute hinter einer Deckung auflauern’, bildl.:
der diener waz eins tages us gegangen und hate hinderstanden
einen geischlichen rob [= roup
] , den er dem túfel wolte nemen und in got wider geben; und der rob
waz ein mensch in geischlichem schine [d.h. eine
Klosterfrau]
Seuse
370,2.
458,11
MWB 2 1546,58; Bearbeiter: Bohnert
hinderstechen
stV.
‘hinterrücks sticheln’
du soltt mit dinen smehen worten niemant hinder stechen JMeissn
B1:35,18.
– subst. Inf.:
etliche ruͦmdent wol das
kint [Jesus]
[...]; / so was etlicher geræte / vil gar ain wildes
sprechen / und valsches hindersthechen WernhMl
4736
MWB 2 1547,1; Bearbeiter: Bohnert
hinderstelle
Adj.
‘zurückgestellt, übrig’
was aber noch zinsen ze beiden siten usse stuende, und hinderstelle
[erg. sturen
] oder sturen, die nut gegeben werin und uf den guetern beliben werin
[...], das sol dem gevallen sin, den die lute und die#.
gueter anhoerent UrkEidgen (K)
177
(a. 1336)
(=
AbschEidgen
259
);
~ belîben:
dú zwei phunt, dú noch denne belibent hinderstelle an dem vorgenanten
erbzinse UrkBern
7,158
(a. 1346);
swaz dur wunne ie beschach, / hinder stelle des niht bleip / hie, wan man ze
mâle treip / swaz fröuden mac gemêren Reinfr
12433;
BrEng
S. 128(fol. 72#’r)
MWB 2 1547,7; Bearbeiter: Bohnert |