houbethaftic
Adj.
1
‘schlimm, verhängnisvoll’
2
‘einer Leibes- oder Lebensstrafe unterliegend’ (bei Kapitalverbrechen) (vgl. WMU 2,885)
1
‘schlimm, verhängnisvoll’
nû weste der arme herre niht / der houbethaftigen geschiht, / diu im dâ heime
was geschehen [ein feindl. Heer erwartet ihn]
Mai
157,36.
–
~ sünde/ gebrëste
‘schwere Sünde, Todsünde’ (vgl.
houbetsünde
):
die houpthæftigen sunde, / der si vermiden chunde, / der
besæze daz himel riche StrKD
144,21;
er [der Teufel] hat sherphe zende als der lewe.
[...] mit dem zande werdent ertoetet alle die in
hoͮftaphtigen sunden vervarent PrLeys
18,38;
nv flege [anflehen] wir die
getriwen, / daz si vns mvͤzze enriwen [l.
ent|riuwen, vgl. Glr. Z. St.] / von
hauphaftiger svnde Wernh
A 2305;
Spec
47,6;
SHort
8749;
unde wirt er [der Mensch] vunden an eime
houbethaftigen gebresten ([...]: diz sint houbetsünde),
wizzet, wer an der einem wirt funden, der muoz êwiclîche verlorn sîn
Katrei (Pf)
454,9
2
‘einer Leibes- oder Lebensstrafe unterliegend’ (bei
Kapitalverbrechen) (vgl. WMU 2,885):
daz dehain rihtær noch amptman [...] iht suͦln
haben ze rihten vͦber læzlich geschiht oder vͦber hauptheftige, noch
vͦber leiplich oder des gutes UrkCorp (WMU)
2345,16
MWB 2 1711,50; Bearbeiter: Luxner
houbethâr
stN.
‘Kopfhaar’
sie [Hersint] det einen duc
zvͦ der helle. [...] da hat sie daz huͦbethar
uerlorn ReinFu
S2,914
MWB 2 1712,9; Bearbeiter: Luxner
houbethërre
swM.
‘bedeutende, herausragende Person’ (vgl.
houbetliute
und
houbetman
)
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.) 2
‘Kirchenpatron, Hauptheiliger’
1
‘Oberhaupt, Anführer’ (bes. milit.):
des huses hŏbet herre [...] / enpfing mit
grossen eren den Kriechen vil gemeit WolfdD
944,1;
der keiser hete heimelîche an geschriben, alle die schuldic waren an dem
babeste; die hiez er offenliche nennen, die houbetherren der getat BuchdKg
(M)
175,4;
in wart in den selben tagen / kunt getan
[...] daz ælliu haidenschaft / da mit gewalt læge
[...] und daz Wildhelm der Osterman /
des [Gen.] hauptherre wære WhvÖst
16241;
in ain ander dar und dar / begunden si sich werren, / des
strites hoͮbet herren RvEWh
1242;
Tr
18948;
KvWPart
3318;
Ammenh
7277;
Dietr
8571
2
‘Kirchenpatron, Hauptheiliger’
unde wil ein vrier man sich selben an eine kilchen geben. dem heiligen der da
hovbetherre ist. daz mag in nieman erwenden SchwSp
142a;
ich hân ir [vorzüglicher Männer] mêre denne drî
gesehen, / die wêrlich mir niht konden verjehen / welch heilige in iren kirchen wêr
/ houbtherre Renner
2656;
da von bite wir euch fleizziglichen, daz ir got zu einem lobe und unserm
hauptherrn zu ern [...] daz selbe heyligtume also erlichen
enpfahet UrkBasel
4:166,29
(a. 1347);
StatTrient
114
MWB 2 1712,12; Bearbeiter: Luxner
houbethof
stM.
‘Amtssitz’ (hier des Papstes):
binnen dirre zit geschach, / daz der pabest tot gelac, / der zu Rome da pflac
/ des amtes an dem houbthove Pass III
64,79
MWB 2 1712,37; Bearbeiter: Luxner
houbethovestat
stF.
‘Richtstätte’
die ratgeben habent ab genomen mit gemainem rate, daz man vor
Gekinger tor an der houpthofstat nieman mer houpten sol StRAugsb
234,29
MWB 2 1712,41; Bearbeiter: Luxner
houbethûs
stN.
‘Hauptsitz’ (bezogen auf den Deutschen Orden):
dis ist beschriben vf deme houbethvse zv Marienburg UrkWürzb
39,254
(a. 1324);
brûdir Herman von Oppin [...] des houbithûses
spittelêr [Verwalter des Spitals]
NvJer
26694
MWB 2 1712,45; Bearbeiter: Luxner
höubetinc
stM.
Übers. verschiedener lat. Bez. für Karpfenfische (evtl. Gründling und
Döbel):
capito: hoͮpting, gropp VocOpt
47.037;
gobio: gropp, hoͮpting ebd.
47.038
MWB 2 1712,50; Bearbeiter: Luxner
houbetjuncvrouwe
swF.
‘bedeutende Jungfrau’ (bezogen auf die 11.000 Jungfrauen der
Hl. Ursula):
der houbit jungvrowen eine, heizet sancta Cordula, di vorbarc sich under den
schiffen biz an den dritten tac, wanne si vorchte den tôt HvFritzlHl
223,37
MWB 2 1712,54; Bearbeiter: Luxner
houbetkirche
swF.
bedeutendste Kirche einer Region ‘Bischofskirche,
Kathedrale’
daz selbe münster zuͦ Oche solte sin die houbetkirche zuͦ
dütschen landen und eine stat do ein keyser enphohen sine erste crone
ClosChr
406,10;
dô diz volc was alliz bî enander gesamment in der houbit kirchen
HvFritzlHl
226,10;
dar nâch liz her [Affrayas] ime [Sankt
Bartholomäus] di hût zu mâle abe zihen.
[...] dise hût ist zu Bonivente in der houbitkirchen
ebd.
185,19
MWB 2 1712,60; Bearbeiter: Luxner
houbetkleit
stN.
eine Kopfbedeckung, hier ‘Schleier’
die frauw det ir heubtcleyt von irm munde und grußt den konig
Lanc
128,33
MWB 2 1713,6; Bearbeiter: Luxner
houbetklôster
stN.
‘Hauptkloster, Mutterkloster’
die kóniginn Alene von Bonewig macht dasselb closter,
und wart ein heubtcloster Lanc
42,19
MWB 2 1713,9; Bearbeiter: Luxner
houbetkrenzel
stN.
‘(kleiner) Kranz’ (für den Kopf):
an ir [
der megde
] hovbit krenzil / uol
komin ane schrenzil [Makel] / sint die sehz bluomen
Martina
47,69
MWB 2 1713,12; Bearbeiter: Luxner
houbetkünic
stM.
‘oberster König’
das ist Marroch dú hoͮbitstat, / da ist ein
sidil in gesat / dem hohstin houbit kúnege da RvEWchr
2800
MWB 2 1713,16; Bearbeiter: Luxner
houbetküsselîn
stN.
Dimin. zu
houbetküssen
.
‘(kleines) Kopfkissen’
so sach er in dem bette / ouch ligen ein houbt kusselin
Vät
20331;
we in, di do neyn [nähen]
pholelin [l. phülwelîn
‘(kleines) Federkissen’
] undir alle hende
elbogin und machin houbtkusselin undir allis alderis houbte,
selin [Seelen] zu betrugene Cranc
Ez 13,18
MWB 2 1713,19; Bearbeiter: Luxner
houbetküssen
stN.
‘Kopfkissen’
her [Christus] was vore in dem schiffe ûf eime
houptkussin slâfinde EvBeh
Mc 4,38;
des âbendes an einer stat er [Jacob] slief, / dar
was er kumen altersein. / sîn houbet küsse was ein stein Renner
20406;
Cranc
Ez 13,21;
BrAsb
55;
Stagel
26,12
MWB 2 1713,26; Bearbeiter: Luxner
houbetlachen
stN.
‘Kopftuch, Schleier’
si het ouch bezzer gwant / denne dehein geburinne da: /
[...] ein sidin houptlachen gut / und einen wol
gestalten hut / und gut linin gwant StrKD
145,399.
119,436;
ich sach die heilegen engel und der vreuden hort: / dô hâte ir houbet lâchen
vür gehangen Wartb (S)
127,10;
peplum: hoͮbitlachen SummHeinr
1:324,122;
Gl
3:663,49
(BStK287)
MWB 2 1713,32; Bearbeiter: Luxner
houbetlachenære
stM.
wohl Hersteller von Kopftüchern (vgl.
houbetlachen
; s. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
385):
Chvnrat der hovbtlachner UrkCorp
2329,17;
Ellenbvrch hern Hermannes witiwe des havptlachner ebd.
3282,36
MWB 2 1713,40; Bearbeiter: Luxner
houbetlant
stN.
‘großes, bedeutendes Land, Region’ (andere Länder und Provinzen
umfassend):
da stozit an ein michil lant, / das ouch ist houbit lant
genant / vil lande dú darinne sint RvEWchr
2093;
das ist dú mindir Asẏa. / in disim houbit
lande da / Efphesus dú stat nu ist ebd.
2101
u.ö.;
daz Pârîs der wîgant / Sidonje hâte ir houbetlant / sô
vîentlichen an geriten KvWTroj
42674
MWB 2 1713,45; Bearbeiter: Luxner
houbetlast
stMF.
‘außerordentliche Last, Bürde’
ez ist verlüste ein houbetlast, / daz ieman kêret in den kreiz
[Kampfplatz] / ze strîten, dâ man niht enweiz / wâ
man sich enthalten sol KvWPart
4176;
sô daz dir niht swære / was aller bürden houbetlast
KvWLd
32,49
MWB 2 1713,53; Bearbeiter: Luxner
houbetlaster
stN.
‘Hauptsünde, -laster’ (vgl. LThK 4,1212 und
houbetsünde
):
dar umbe sol ein ieglich mensche snel unde wacker sîn unde niht træge an gotes
dienste: wan daz ist ouch der selben houbetlaster einez PrBerth
1:8,16;
diu siben volk daz sint die siben leie sünder, die in der heiligen kristenheit
alle tage sündent, die siben houbetsünde, die siben houbetlaster ebd.
1:187,18;
wan frâzheit ist der sünden houbetlaster einz ebd.
1:515,34.
1:517,9
MWB 2 1713,59; Bearbeiter: Luxner
houbetlëne
stF.
Rücken- oder Kopflehne an einem Bett oder Stuhl:
columnas eius fecit argenteas, reclinatorium / aureum
[...] sine [von Salomos Bett]
stollen waren silberin, / sine houbitlene was guldin Brun
111.
– Maria als die houbetlëne der Trinität:
di ture guldine houbetlene breit, / di do gab so richen
scheit [Glanz, vgl. Glr. z. St.] , / Maria di reine
meit was, / von der ich in dem buche las, / daz si der heiligen drivaldekeit / ein
houbetlene were Brun
1541;
ebd.
3828
MWB 2 1714,4; Bearbeiter: Luxner
höubetlîn, höuptel
stN.
Dimin. zu
houbet
.
1
‘Köpfchen’
1.1 von Kindern und jungen Tieren 1.2 bei Pflanzen 2 Spitze, Ende von etw., hier ‘(weibl.)
Brustwarze’
1
‘Köpfchen’
1.1
von Kindern und jungen Tieren:
ir frouwen, [...], ob ir fürhtet, daz ez
[das Kind] iht lebende an die werlt müge komen,
wan ê daz ez âne touf blîbe, sô toufet im ê daz höubetlîn ûf die gnâde unsers
herren PrBerth
1:299,2;
wer möhte einem kindelîn sîn houbetlîn oder sîniu hendelîn oder sîniu
füezelîn abe gebîzen? ebd.
2:270,19;
die des stains niht habent, die habent diu häuptel von
enander gekêrt [von jungen Schwalben]
BdN
201,7
1.2
bei Pflanzen:
zemitelst [der Lilienblüte]
stêt ain gelbez nägel dar inn und dar umb stênt klaineu dingel mit gelben
hauptleinn [Staubbeutel]
BdN
406,6
2
Spitze, Ende von etw., hier ‘(weibl.)
Brustwarze’
daz dritt zaichen [einer
Schwangerschaft] ist, daz daz häuptlein an dem prüstel
rœter wirt und auch die âdern an dem selben häuptlein werdent rœter
BdN
40,20
MWB 2 1714,14; Bearbeiter: Luxner
houbetlingen
Adv.
‘jeder einzeln’
dat si ine truͦwelois sulin scheldin vuͦr usin gemeinin magin
inde hovitlingein widir in sin UrkCorp (WMU)
146,17
MWB 2 1714,32; Bearbeiter: Luxner
houbetlist
stM.
‘größte Kunst(-fertigkeit)’
sît diu [Nachtigall] von
Hagenouwe [Reinmar] , / [...]
/ der werlde alsus geswigen ist, / diu aller dœne houbetlist / versigelt in
ir zungen truoc Tr
4782;
ez si ein küniginne, / si versaget im niht ir minne, / si weiz des sol wol den
houbetlist, / daz sin dienst niender ist / so groz so der des er da gert
StrFra
563;
KvWTroj
1991.
– bezogen auf die septem artes liberales:
si [Medea] was ein meisterîn von
art / der siben houbetliste KvWTroj
7451.
MWB 2 1714,36; Bearbeiter: Luxner
houbetliute
stM. (Pl.)
1
‘Hauptleute, Anführer’ (bes. milit.; vgl.
houbethërre
und
houbetman
) 2
‘Zinsleute, zinspflichtige Untertanen’
1
‘Hauptleute, Anführer’ (bes. milit.; vgl.
houbethërre
und
houbetman
):
dâ sach man in vil stoltzer schar / daz her sich stellen zû der zît, / als ez
solde in einen strît. / leitsagen [Wegweiser] wurden dô
gegeben / den houbtlûten LivlChr
4214;
geb vns abir got ein gelucke, daz wir iemanne viengen, die sol wir selbe
haben, ez enweren danne houbtlute UrkCorp (WMU)
N746,10;
romisch riche, als ich e sprach, / so ho an gewalde uf brach, / daz sie di
lant her und dar / besatzten mit houbtluten gar Pass I/II (HSW)
2224.
23743.
– (stellvertretende) Träger der Herrschaftsgewalt:
swenn er [der König von
Böhmen] uns sîne Bêheim [die Böhmen]
sant / ze houbetliuten in daz lant Ottok
21997;
dem koning gebot der keisir / gein Vngirn mit im reisin. / Bozey vnd
Muthinam geweldig zcu hant / der herczog macht an siner stad im lant. / do dy
zcwen houblut waren Dalimil
56,5.
– wohl ‘Vorsteher einer Stadt, (Stadt-)
Aufseher’
ob aber die fuerleut van Trint nicht wollen fueren, so sol man faren
lassen, wer da wil, doch das man nem der hauptleut urlaub und geschaft
[Anordnung]
StatTrient
159.
– übertr. auf die Hauptsünden:
ir [der dritten Schar von Sünden] houbtliut
sint grimme. / der namen sîn dir drî geseit: / hôchvart, lüg und gîtikeit
Helbl
7,308
2
‘Zinsleute, zinspflichtige Untertanen’
hominis illuc attinentes, qui appellantur houetlude alibi morantes soluunt de
capitibus suis annuatim marcam UrkMittelrhein
1,178
(a. 1222)
MWB 2 1714,46; Bearbeiter: Luxner |