houbetschande
stF.
‘große Schande, Schmach’
ich [
Meliûr
] hân êr unde prîs verlorn /
und alle mîne wirdekeit. / in sorge bin ich hie geleit / unde in houbetschande
KvWPart
8835;
die grozen haubet shande, / vater, solt du wol
bewarn [vermeiden]
Rennew
24344;
Wh
318,8;
Wartb
Rs 89,9;
Brun
6366
MWB 2 1719,1; Bearbeiter: Luxner
houbetschar
stF.
‘wichtiger Bestandteil’
swie unwert triuwe nû sî, / si muoz doch imer mêre / ein houptschar sîn der
êre GFrau
68
MWB 2 1719,8; Bearbeiter: Luxner
houbetschaz
stM.
1
‘Kapital, Grundvermögen’ im Ggs. zu sonstigen Nebenbeträgen
(vgl.
houbetguot
) 2 übertr. auf Ideelles ‘wertvollstes Gut’
1
‘Kapital, Grundvermögen’ im Ggs. zu sonstigen Nebenbeträgen
(vgl.
houbetguot
):
hastu wuechers ye gepflegen, / [...],
/ so slahe ab [erlasse] ze hant / den haubtschacz und dew
kost dein, / das ubrig ist alles sein HvBurg
1489;
wer von haubetschatz claget, wirt er fellich, der sol geben Metzer phenninge
XXX zu bussen WeistGr
2,5
(a. 1321)
2
übertr. auf Ideelles ‘wertvollstes Gut’
frouw [Maria] , alles guotes überguot, / und aller
sælden houbetschatz KvWGS
75;
der [Ehebrecher] svndit vf sin selbis lip, /
[...] / vnde vf di sele, wisze krist, / die
haubitschacz des libis ist PrHess
32,200;
aller genaden hawpschacz MvHeilFr
3
u.ö.;
Tristandes vröuden houbetschatz [d. i.
Isolde]
HvFreibTr
4467;
KvWTroj
2121.
4477
MWB 2 1719,11; Bearbeiter: Luxner
houbetschote
swM.
Tanz, bei dem (statt zu springen) mit dem Kopf geschüttelt wird (vgl. Harding,
Dancing Terms, S. 118ff.):
jarâjâ die ahselnoten [ein Lied oder Tanz] / kan er
wol ze prîse, / meisterlîch den houbetschoten / springen nâch des reien knoten; /
hôher sprünge ist er ein angerwîse Neidh (HW)
22,16;
SM:Go
2: 3,9.
2a: 7,9
MWB 2 1719,27; Bearbeiter: Luxner
houbetschulde
stF.
‘Hauptsünde, -laster’ (vgl. LThK 4,1212 und
houbetsünde
):
si vieln nider und paten in an, / den, der uns von suͤnden chan /
loͤsen aus haubetschulden setz Suchenw
41,539;
würde in daz [
der wërlde
guot
] von mir gegeben, / sô würde hôhvertic ir leben. / daz
ist ein houbetschulde / gên der gotes hulde RvEBarl
6657;
und die súnde allir tegelich / mit houbit schuldin
merent sih RvEWchr
14167;
Greg
3141;
KvWGS
547
MWB 2 1719,34; Bearbeiter: Luxner
houbetschuldenære
stM.
‘Hauptschuldner’
wer vor einig schuld bürgen nimpt, der mag sein bürgen nicht fordern, dringen
oder pfenden, er habe dann den hauptschuldner zuerst erfordert und ußgepfand
DRW
2,1112
(SaarbrückenLR; a. 1321)
MWB 2 1719,43; Bearbeiter: Luxner
houbetschuole
stF.
‘hervorragende, wichtige Schule’
der [
wîse heide Diosius
]
waz in criechen landen von einer stat, heizit Athene, da warent houbtschuolen
MNat
11,16
MWB 2 1719,48; Bearbeiter: Luxner
houbetsiech
Adj.
1 allg. im Bereich des Kopfes leidend ‘Kopfschmerzen habend; geistig,
seelisch verwirrt, verstört’
1.1 beim Menschen 1.2 bei Tieren 2 wohl verstärkend ‘schwer-, todkrank’
1
allg. im Bereich des Kopfes leidend ‘Kopfschmerzen habend; geistig,
seelisch verwirrt, verstört’
1.1
beim Menschen:
ist ein chreiz ob dem harne, sô ist
sie [
daʒ wîp
] houptsiech
oder hât die vil ubelen hitze an ir lîbe Barth
131,20;
rotten, herphen, videln / und ander seitenspil / hôrt
man dâ sô vil, / wær ein houbtsiecher man / niht schier entrunnen dan, / er wære
gar betôrt Ottok
73457.
– schlechte Gesellschaft macht houbetsiech (vgl. TPMA 4,423
und 10,149):
von ungesellen wirt der man / vil dicke houbetsiech: ir werden jungen,
denket dran: / swelch houbetsiech wirt iuwer, der muoz mit schanden an sîn
ende leben RvZw
183,5;
ein spruch was bi den alten: / geselleschaft, die bosheit kan, / von
der wirt houbetsiech ein man Frl
7:33,18
1.2
bei Tieren:
welch ros hoͤupt sich ist, so nym retich unde latich
Albrant
2,1;
welch ros roczig ist unde houpt sich, so nym boum wolle
unde quecsilbir ebd.
2,2.
3,57.
–
und die alten schaf dú sint allú
hoͮbtsiech, wan sú moͤgent nit essen die gesunden
weide, die da wahset an den hohen bergen Mechth
6: 21,17
2
wohl verstärkend ‘schwer-, todkrank’
in armuͤte girikeit und lugenhaftig in der warheit,
trege zuͦ der barmherzekeit, honsam spot in der gegenwertekeit, in der
ordenunge versumekeit: disú fúnf ding unvollekomen machent
hoͮbtsiech geistlich leben Mechth
7: 44,4.
MWB 2 1719,52; Bearbeiter: Luxner
houbetsiechtuom
stM.
Leiden im Bereich des Kopfes (vgl.
houbetsuht
):
adrianum ist ein opiate. vnde ist gut fur den houbit sichtum
SalArz
102,49
u. ö.;
wenn man ez [Betonie] seudet mit
wermuotsaf, sô ist ez guot für den hauptsiehtum BdN
386,26
MWB 2 1720,16; Bearbeiter: Luxner
houbetsmâcheit
stF.
‘große Schmach’
die selben grâven sâ zestet / den Sibenburgæren hiezen sagen
/ und ouch herzenlichen klagen / des landes schaden unde leit / und die
houbetsmâcheit, / die daz lant het genomen Ottok
83940
MWB 2 1720,21; Bearbeiter: Luxner
houbetsmërze
swM.
1
‘großer Schmerz’
2
‘Kopfschmerz’
1
‘großer Schmerz’
des wird ich im mîne tage / niemer holt von herzen. / der schanden
houbetsmerzen / lîde ich unde dulde KvWPart
8972
2
‘Kopfschmerz’
wider den hauptsmerzen, der von hitz kümt BdN
407,10.
407,16.
411,5
MWB 2 1720,26; Bearbeiter: Luxner
houbetsmit
stM.
‘hervorragender, meisterlicher Schmied’ (hier übertr.):
da wirdeclichen ufe saz / von Strazburg meister Gotfrit, / der als ein wæher
[kunstreicher] houbetsmit / guldin getihte worhte
KvWGS
98;
von Wirzburg Konrat [...] aller
blünder sprüche was / ein former und ein houbetsmit Mügeln
118,4.
– für Gott als ‘oberster Schmied’
so danne der spehe hovbt smit / sinen erst irsehe / so lerter in daz wehe /
werc vollebringen Martina
22,58
MWB 2 1720,32; Bearbeiter: Luxner
houbetsorge
stswF.
‘große Sorge’
sîn herze in houbetsorgen tief / vil gar mit grôzem jâmer wiel
KvWAlex
1038;
ich muoz von schulden iemer / in houbetsorgen sîn begraben / und êwiclichen
riuwe haben KvWPart
12053.
20218
MWB 2 1720,42; Bearbeiter: Luxner
houbetspruch
stM.
‘Kapitel’ (in der Bibel):
ich hab euch für gelegt ain sprüch in latein, der stet geschriben in dem
vurczehenden haupspruch des ganczen ewangelium Luce SeckauBrev
194,2
MWB 2 1720,47; Bearbeiter: Luxner
houbetstat
stF.
1 auf die Bedeutung des Ortes verweisend (vgl.
houbet
4 ) 1.1
‘Hauptstadt, bedeutende Stadt, (politisches, religiöses,
wirtschaftliches) Zentrum’
1.2
‘Geburtsort, Heimatstadt’ (vgl.
houbet
3.4 ) 2 auf den Kopf als Körperteil bezogen (vgl.
houbet
1 ) 2.1 Stelle, an welcher der Kopf sitzt 2.2
‘Richtstätte’
1
auf die Bedeutung des Ortes verweisend (vgl.
houbet
4)
1.1
‘Hauptstadt, bedeutende Stadt, (politisches, religiöses,
wirtschaftliches) Zentrum’
Jerusalem diu waz ein haubtstat des liutes
PrOberalt
156,25;
Rôme, aller werlde houptstat Erinn
398;
do wart verkeret sit das lant, / duͥ hoͤbtstat drin was
Koͤln genant EckenlE2
1,5;
Frigia das riche, / das ist al herlich besat / mit Smirna
der houbit stat RvEWchr
2119.
2775;
Tr
7398;
Rol
7154.
–
‘Bischofsstadt’
in einer haubetstat, daz ist dâ bischofe inne sint
SpdtL
224,15
u.ö.
1.2
‘Geburtsort, Heimatstadt’ (vgl.
houbet
3.4):
ein ieglicher mvͦste sinen zins in sine rehte
hoͮbetstat bringen Spec
20,26;
wan er [Josef] von dem geslæhte
was des herren Davides, vnde was Betlehem sin rehtiv hoͮbetstat ebd.
20,32.
21,13;
do fur ein iglicher zuͦ seiner haubstat und zu
seinem chuͤnne PrOberalt
17,2
u.ö.
2
auf den Kopf als Körperteil bezogen (vgl.
houbet
1)
2.1
Stelle, an welcher der Kopf sitzt:
diu [Schlange] hât zwai haupt,
ainz an der rehten hauptstat, daz ander hinden an dem swanz oder an dem zagel
BdN
263,9
2.2
‘Richtstätte’
unde diu selbe
schuphe [Schnellgalgen] sol stan an der hauptstat
StRAugsb
197,30
MWB 2 1720,51; Bearbeiter: Luxner
houbetstein
stM.
1
‘Eckstein’ (vgl.
eckestein
und AWB 4,1297) 2 Stein, auf dem der Kopf beim Schlafen ruht 3
‘wertvoller Edel- bzw. Schmuckstein’ (vgl. Ex 28,17-21. 39,10-13; Apc 21,19f.)
1
‘Eckstein’ (vgl.
eckestein
und AWB 4,1297):
daz stat geschriben nu: / der stein, den der bumeister list / verworfen hat,
gesetzet ist / zu haubetsteine in einen bygen [l. bogen;
vgl. Mt 21,42: lapidem [...] factus est in caput
anguli
]
EvStPaul
9728.
– übertr. ‘das Grundlegende, Wichtigste’
het dir diu aventuͤr niht geben / aller tugende
haupt stain, / dich heten mensche nymmer kain / lebende me gesehen
WhvÖst
5691
2
Stein, auf dem der Kopf beim Schlafen ruht:
do er under wegen chom / ich weiz er muden began / do leit er
sich uͦf einen stein / [...] do er irwachote / ein
nevwez sanc er mahchote / sinen hovbet stein er wîhete mit ole VMos
24,24
3
‘wertvoller Edel- bzw. Schmuckstein’ (vgl. Ex 28,17-21.
39,10-13; Apc 21,19f.):
rubin, smaragt, gamahú, / die adamast, thopasius, /
saphier, granat, grisolitus, / jaspis, baleis, die turgis / und amatisten.
[...] die hopt stain, / der zwelf sint allain / und
sint die edelsten bekant SHort
6969
MWB 2 1721,11; Bearbeiter: Luxner
houbetstërn
stswM.
herausragender, hellster Stern in einem Sternsystem oder Sternbild
‘Hauptstern’
ein strâm dort her von Ôriente gât [Milchstraße] , /
an dem wir michels mêr / der houbet sterne vinden und ir ingesinde schar
Wartb (S)
153,9.
152,3.
– übertr. auf Personen:
der tugent haupt stern [
der kuͤnc von
Spangen
] / muͦst da unsiges walten / gæn dem
ungestalten / listic manicvalten WhvÖst
12894
MWB 2 1721,31; Bearbeiter: Luxner
houbetstiudel
stN.
‘Halfter, Zaum(-zeug)’ (vgl.
houbetgestiudel
):
dâ was im durh daz tehtier [Kopfbedeckung des
Streitrosses] / daz houbtstüedel ab geslagen, / ez mohte des
zoumes niht getragen Wh
412,25
MWB 2 1721,39; Bearbeiter: Luxner
houbetstrît
stM.
‘wichtige Schlacht, bedeutender Kampf’
dâ bevor ist ûch geseit / mit der jâre undirscheit / von den
houbitstrîtin, / dî binnin den zîtin / des urloigis geschân NvJer
13457;
wizzet daz zwelf houbtstrite / di brut gevochten hat bi eren
ziten Brun
10743
MWB 2 1721,44; Bearbeiter: Luxner
houbetstücke, -stucke
stN.
‘Abschnitt eines Buches, Kapitel’
daz kurtz puch von der gestalt der werlt tail wir in vier
haubtstuk KvMSph
6,7
u. ö.
MWB 2 1721,50; Bearbeiter: Luxner
houbetstuol
stM.
1
‘oberster Gerichtssitz’
2 Chorgestühl in einer Kirche
1
‘oberster Gerichtssitz’
darrinne was, als ichz las, / der lande hoͮbt stat
gelegen / unde hoͮbt stuͦl, do man sach pflegen / ir hoͮbet
gerihtes ê da vor. / dú stat geheizen was Azor RvEWchr
16669
2
Chorgestühl in einer Kirche:
unde alsus bliben nicht me wenne zwelf elen zwischen den
stulen eynsiet und zwischen den stulen andersit. unde alsus mochtin dy houbtstule
nebin der ture dri eynsit und dri andersiet sich nicht irgen Cranc
Uzl 267,41
MWB 2 1721,53; Bearbeiter: Luxner
houbetsuht
stF.
Leiden im Bereich des Kopfes (vgl.
houbetsiechtuom
):
mit disen allen [Rezepten] so wirt
virtribin diu hoͮbitsuht Ipocr
23;
swer dâ von der houbetsuht / und kummers smerzen het
gephlegen, / der muost dô îlen von den wegen, / ob er niht sunder danc / wolde
werden kranc Ottok
75308
MWB 2 1721,63; Bearbeiter: Luxner
houbetsumme
stF.
‘(hauptsächl.) Schuldbetrag’
des setzzen wir [Karl IV.] fur das selbe gelt
[das Karl IV. schuldig ist] dem egenanten Burchart zu
einem rehten pfande [...] daz schultheizztum czu Colmar
[...], ze haben, halden und ze niezzen und des nuczzes
an der houptsummen niht abczeschlahen MGHConst
8:325,12
(a. 1347)
u. ö.
MWB 2 1722,6; Bearbeiter: Luxner
houbetsündære
stM.
‘jmd., der eine
houbetsünde
begeht’
der ze unê bî einem fröuwelîn lît daz ist ein houbetsünder
PrBerth
2:229,9
MWB 2 1722,13; Bearbeiter: Luxner
houbetsünde
stF.
‘schwere Sünde, Haupt- bzw. Todsünde’ (vgl. houbethafte
sünde):
wan daz heizet allez grôze sünde daz dâ houbetsünde sint, unde die tegelîche
sünde daz sint allez kleine sünde PrBerth
1:384,20;
er [Paulus] nennet die houptsünde
sus: / weltlîch gelust, unreinekeit, / nît, zorn, haz und meineit, / manslaht,
vluoch, untriwe, hôhvart, / mit vrâzheit trunkenlîchiu art, / gelîchesen, zouber,
trügeheit RvEBarl
4030;
swer houbetsünde und schande tuot Walth
22,18;
wil ich dâbî niht hüeten mich vor allen houbetsünden, / in der
helle gründen / muoz ich ân ende quelnde sîn KvWLd
32,268;
Ottok
15725;
Lucid
73,8;
Iw
1896.
–
die siben ~
:
engegen den siben hoͮbetsunden sint gesezzet siben
gebete Spec
149,35;
si [
die siben offenbaren viende
únser selekeit
] verblendent úns
oͮch dú oͮgen der heligen bekantnisse und leitent úns
verblendet in die siben hoͮbtsúnde Mechth
3: 7,13;
PrBerth
1:129,5;
Tauler
51,23.
97,27
MWB 2 1722,16; Bearbeiter: Luxner |