hündinne
stF.
‘Hündin’
canicula: hundinne Gl
3:444,21
(BStK926)
MWB 2 1788,63; Bearbeiter: Hansen
hündisch
Adj.
‘nach Art eines Hundes, hündisch’
wes zend hündisch zend sint, lang und stark, der ist ain vrâz
und pœs BdN
46,8
MWB 2 1789,1; Bearbeiter: Hansen
hungebluome
swMF.
→
honecbluome
MWB 2 1789,4;
hunger
stM.
‘Hunger’
1 eigentl. 2 übertr. ‘heftiges Verlangen, Sehnsucht (nach etw.)’ (meist mit
Präp. nâch, zuo oder Gen.)
1
eigentl.:
daz brôt dâ dû mit fertrîbest hungeres nôt Gen
483;
der vogel [die Harpyie] hât ainen
grimmen hunger und wirt nümmer sat BdN
167,32;
Isengrin ane rovb qvam, / der hvnger im die vrevde benam
ReinFu
K,444;
durst unde hunger AvaJG
28,3;
si ersterbent hungeres [interl. zu consumentur
fame
]
PsM
C 6,24;
Herb
5460;
SM:Had
7: 3,6.
–
‘Hungersnot’
merkch das dy stat zu Regenspurg verpran von wildem feur
und ward da ein grosser hunger, das ain mensch das ander veraz
EnikWchr
540 Prosa 9,10;
her got, [...]. / sende ûf die
Unger / sô getânen hunger, / als dû wîlen sande / zuo Egypten lande
Ottok
78401;
so ist ein grozz hvnger worden in dem selben riche
EvAug
177,19
u.ö.;
PrOberalt
10,2.
64,33;
Gen
818.
– sprichw. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 228; TPMA 6,294ff.):
der hunger ist der beste koch Freid
124,17;
swem aber wê der hunger tuot, / den dunket sûriu spîse guot ebd.
125,1;
der hunger die spise suͤzet Rennew
10774;
sîn salse was diu hungers nôt Iw
3279.
3306
2
übertr. ‘heftiges Verlangen, Sehnsucht (nach etw.)’ (meist mit
Präp. nâch, zuo oder Gen.):
frawe zart, [...] ! / wiß, ich lyde
großen hunger / nach dir und wird sin niht erlost; / [...].
/ aber der hunger den ich von dir han / von leide und trubnisse gar, / den mochstu
wol wenden zwar Minneb
2494
u.ö.;
hungir und durst zu der gerechtikeit Parad
72,27;
Mechth
3: 3,40;
Ottok
50066.
– i.S.v. ‘Entbehrung, Mangel’
aller der geistlîche hunger und bitterkeit, dâ in [die mit
einem Weizenkorn verglichene Seele] got învallen læzet, daz sol
er allez gedulticlîche lîden Eckh
2:446,1;
der meister und der junger / dort [in der
Hölle] muzen den leiden hunger / gotes gnaden immer doln
HeslApk
11738.
– nur umschreibend:
er [Jesus, im Garten Gethsemane] gie hin dan vnd
vant die ivnger / begriffen mit dez slafes hunger
[schlafend]
Martina
32,42
MWB 2 1789,5; Bearbeiter: Hansen
hungerære
stM.
wortspielende Bez. für den Saturn (vgl.
hungerjâr
2):
Saturnus haizt der satjar, darumb, daz sein craft kalt ist und
trukken. und deu zwai sint allen fruhten und allem leben widerkriegend.
daruͤmb hiez er paz der hungerjar [La.
hungrer
] wanne der satjar KvMSph
8,3
MWB 2 1789,43; Bearbeiter: Hansen
hungerbære
Adj.
‘Hunger leidend, Hunger-’
mir ist leit / dîn hungerbæriu
arbeit [Hungerleiden]
Parz
487,28
MWB 2 1789,49; Bearbeiter: Hansen
hungerbrüchic
Adj.
‘Hunger leidend, hungrig’
und wære [...], daz die [Maria und die
Apostel] iezuo wolten hungers sterben: dû soltest den selben
schillinc jenem ê widergeben, ob er halt ein sünder wære
[...], unde soltest mîne frouwen sant Marîen
hungerbrüchic lân ê und alle heiligen PrBerth
1:138,20
MWB 2 1789,52; Bearbeiter: Hansen
hungeren, hungern
swV.
1
‘hungrig sein, hungern’ (unpersönl. mit
Akk.d.P.) 1.1 eigentl. 1.2 übertr. ‘(nach etw.) heftig verlangen, sehnsüchtig
sein’ (meist mit präp. Erg nâch , seltener ze/
zuo bzw. Pron.-Adv. dâran ) 2
‘jmdn. aushungern, hungern lassen’
2.1 eigentl. 2.2 übertr.: jmdn. ûf etw. (hier Pron.-Adv.)
‘jmdn. auf etw. begierig machen’
1
‘hungrig sein, hungern’ (unpersönl. mit
Akk.d.P.)
1.1
eigentl.:
mich hungert, ich isse; mich túrstet, ich trincke
Tauler
17,6;
gvͦt was der kunic, der sich selbin ê hungirn lîe
ê sine schalche [Knechte]
Spec
63,12;
der ewige lip, der ist so getan: / da nemach daz wip noch
den man / gehungeren noch gedursten Wahrh
125;
die wîle den menschen hungert, die wîle smacket im diu spîse
Eckh
2:290,3;
Will
93,10;
SalArz
53,28.
– selten mit persönl. Subj.:
ich hungerote ir gabit mir zezenne
JPhys
14,11
1.2
übertr. ‘(nach etw.) heftig verlangen, sehnsüchtig
sein’ (meist mit präp. Erg nâch, seltener ze/
zuo bzw. Pron.-Adv. dâran):
sælic sint die armen und die dâ hungert und dürstet nâch der gerehticheit
Eckh
2:285,6.
2:290,4;
in siner alten wise lit er hie rich gefurstet, / den ie nach werdem prise
vil sere hat gehungert und gedurstet, / also daz in sin nie genuͤgen
wolde JTit
1441,2;
daz der svnder iunger / ze gotte wider hunger Martina
197,10;
PrBerth
2:5,28
u.ö.;
Daniel
2174.
– mit Obj.-Satz statt präp. Erg.:
als werleich mag disen heiligen hunger niemant gehâben denn von gotez
hunger den in seiner suzzen minne hungert, daz du in enpfâest
MvHeilFr
8.
– mit lâʒen und refl. Akk.:
er liez sich stete hungern / nach unsers lieben herren wort
Pass I/II (HSW)
32196;
sie beitten alle, diz geschach, / und liezen sich dran hungern ebd.
10101
u.ö.;
der liez sich nâch in hungern / und nâch irem bluote
dursten Ottok
22789.
2616;
der gedanc was nie sô schiere chomen, / sô sich der gotes sun hungern
lie, / ze diu, daz er in undervie [dem Teufel
entgegenträte] / und tet ouch dem Satanât des versuochens
stat Aneg
3009;
Pass III
232,4.
664,46;
Vät
2505.
– selten mit persönl. Subj.:
dâvon spricht got in dem ewangelio: di mich ezzent die hungernt noch
und die di mich trinckent di durstet noch MvHeilFr
8;
daz wir alsus nâchvolgen der gerehticheit in der wîsheit und nâch ir
hungern und dürsten, daz wir gesetet werden, des helfe uns got
Eckh
2:297,10
2
‘jmdn. aushungern, hungern lassen’
2.1
eigentl.:
man liez dar nieman ingan, / der sie durch gut bedechte / oder in icht
spise brechte, / wand man sie hungeren wolde Pass III
120,49;
do erparmät die fraw den hüettern des karichers
[Kerkers] , das sy sey als pald nicht hüngern
wolten Schachzb
63,118.
– refl. ‘nichts essen’
die fruo âzen und trunken und in der füll lebten, den
geschach nihts. welhe aber sich hungerten, [...],
die sturben BdN
112,13
2.2
übertr.: jmdn. ûf etw. ~ (hier Pron.-Adv.)
‘jmdn. auf etw. begierig machen’
diz hat an ummekere / got der vil getruwe / in tugentlicher nuwe /
verwandelt an den jungern, / die er druf weste hungern, / daz sie di werlt durch
in verkurn Pass I/II (HSW)
10662
MWB 2 1789,59; Bearbeiter: Hansen
hungergît
stM.
‘Fressgier aus Hunger’
von grôzer hungergîte wart dô den würmen zorn. /
[...]. / swaz si in dem lande funden, daz verslunden si
sô gar OrtnAW
519,1
MWB 2 1790,50; Bearbeiter: Hansen
hungergîtic
Adj.
‘aus Hunger fressgierig, ausgehungert’
im ist nâch êren alsô ger, / daz nie dem hungergîtegen ber / sô nôt enwart
nâch süezes honeges râze RvZw
228,11
MWB 2 1790,54; Bearbeiter: Hansen
hungerhâr
stN.
der erste Bartwuchs junger Männer:
pili pubertatis vel famis: hungerhar SummHeinr
1:131,217
MWB 2 1790,58; Bearbeiter: Hansen
hungeric
Adj.
‘hungrig’
1 eigentl. 2 übertr. ‘heftig verlangend, sehnsüchtig (nach etw.)’ (mit Präp.
nâch oder Gen.)
1
eigentl.:
selik syt ir dy nu hungerik synt, wen ir sult gesetit werden
EvBerl
141,5;
gnædiger herre, / du lostest Danyelen, / der den lewen was
gegeben, / di vil lange waren hungerige gelegen / in einem loche
SüklV
708;
Er
5833.
5864;
MarlbRh
8,16
u.ö.; sprichw.:
ein hungerig man mag nit tieffe studieren
Mechth
6: 1,44.
– in der Wendung ~
jâr
‘Jahr der Hungersnot’ (vgl.
hungerjâr
):
so koment huͦngeriche jaire, / und kompt der herren creig in allen
landen breit Marner (W)
Ml 2:3,14.
– subst.:
wer gît den hungerigen brôt? EnikFb
2055;
die hungrigen macht er sat WernhMl
2365;
den vrostigen solde er bewæten, / den hungerigen nerigen
Hochz
491;
Elmend
A 330;
Konr
1,13.
18,38
2
übertr. ‘heftig verlangend, sehnsüchtig (nach etw.)’ (mit Präp.
nâch oder Gen.):
er geheizt miete und lôn sinen trûten, rein spîse allen den, di hungerich sint
sîner bermde PrStPaul
57,29;
die sint oͮch sælic, der herze unde gedanc hungerick
unde durstic ist nach dem himelriche Spec
115,4;
so kumt des geistes glute / [...] / in di sele, di
nach gote / und nach dem minnenden gebote / girec unde hungeric was Pass I/II
(HSW)
10935.
10926;
Parad
72,17;
EvBerl
141,15.
– i.S.v. ‘mangelnd, bar’
das gemuͤte das get al ze dike und swerlichen von
den menschen in ein verre froͤmdes lant der ungelicheit und kumet denne
etwenne wider hungerig und turstig alles guͦtes Tauler
279,19
MWB 2 1790,61; Bearbeiter: Hansen
hungerjâr
stN.
als Eigenname auch M. ( KvMSph , BdN ).
Jahr der Missernte, Lebensmittelknappheit, ‘Hungerjahr,
Hungersnot’
1 allg. 2 wortspielend zur Bez. des Planeten Saturn
1
allg.:
siben hungerjâr kæmen über alliu sîniu lant PrBerth
1:9,2;
sich hub zeimal ein hungers not, / die sich den luten herte erbot / in sante
Nicolaus lant / mit gebrechen maniger hant, / als noch ein hungeriar pflit
Pass III
12,23;
daz volc erkennet zwar / zukumftige hungerjar, / ez helt getreide unde korn /
daz ez blibet unverlorn Secret
1424;
Renner
8095
u.ö.;
Vät
3624
2
wortspielend zur Bez. des Planeten Saturn:
Saturnus haizt der satjar, darumb, daz sein craft kalt ist und
trukken. und deu zwai sint allen fruhten und allem leben widerkriegend.
daruͤmb hiez er paz der hungerjar wanne der satjar KvMSph
8,3;
BdN
56,4
MWB 2 1791,26; Bearbeiter: Hansen
hungerkaste
swM.
spöttisch ‘Bauch, Magen’
dar kome Hildebolt mit einer stang / und sties ine da auf den hungerkasten, /
das er fiel auf seinen nack Neidh (S)
2,199 c118:6,7
MWB 2 1791,42; Bearbeiter: Hansen
hungerlachen
stN.
in der Fastenzeit den Altar verhüllendes Tuch, ‘Fastentuch,
Hungertuch’ (zur Sache vgl. LThK 5,337; vgl. auch
hungertuoch
):
drissig marke goldes, [...], die
solte ich zuͦ dem hungerlachen geben, da die gemeinen lúte zuͦ
giengen zuͦ irme gebette Mechth
5: 23,117
MWB 2 1791,46; Bearbeiter: Hansen
hungerlant
stN.
‘Land des Hungers’ (bildl.):
ist, daz wir wieder wollen / avch keren, alse wir sollen / vze deme
hvngerlande, / al von der svnden schande, / meine ich, in daz fader lant
PrHess
28,213
MWB 2 1791,52; Bearbeiter: Hansen
hungerlëben
stN.
‘Leben in Hunger, Hungerleben’
swâ daz swîn vant eine wurz, /
[...], / dâ jagete er [der verlorene
Sohn] ez balde von / und az sî. des was er gewon, / daz er der
spîse nerte sich. / diz hungerleben kumberlich / er mit grôzer armekeit / in manegem
grôzen hunger leit RvEBarl
4254
MWB 2 1791,56; Bearbeiter: Hansen
hungerlewe
swM.
‘hungriger Löwe’
wer nerte, Jona, dich in visches wamme? / wer half uz hungerlewen velsen
Daniel? Frl
2:7,2
MWB 2 1791,62; Bearbeiter: Hansen
hungerlich
Adj.
‘hungrig, Hunger-, gierig’
des lewen hungerlicher art gelich do mange strebeten JTit
1382,1;
nu begunde hungerlichiu gir / Rennewarten wisen da daz brot /
lag Rennew
10730;
[das Erscheinen des Kometen verkündet] in den landen
gemeinlîche sterben, / urlouge oder grôz urlouges nôt / oder in den selben
hungerlîchez werben Boppe
1:26,14;
GTroj
1391
MWB 2 1792,1; Bearbeiter: Hansen
hungerlinc
stM.
‘Hungernder, Hungerleider’
famelicus, fame cruciatus: hungerlinc SummHeinr
2:298,83
MWB 2 1792,9; Bearbeiter: Hansen
hungermâl
stN.
körperliches Zeichen von Mangelernährung:
aller hungermale / an in sich einez nicht erbot, / si waren schone unde rot, /
wand ir got mit truwen pflac Pass III
120,74;
der mensche boser wicze / verlvsit mit den svnden gar: / er wirdit
dvͦfeliche gefar. / daz dudit vns daz hvngermal PrHess
28,65;
hungermal sie dicke leit / unde auch von dorste smahtekeit Elis
1769;
SHort
10388.
– von Falken:
sit accipiter in pennis varia signa defectus producens quae hungermal
germanice vocantur AlbertAnimal
1481,35.
– übertr. ‘Hungersnot’
daz volc erkennet zwar / zukumftige hungerjar, / ez helt getreide unde korn /
daz ez blibet unverlorn / und in dem hungermale / lebe wol an quale
Secret
1427.
– sprichw.:
der hoh zimbret [baut] und weh
minnet, der gewinnet underwilent hungermal Seuse
13,9
MWB 2 1792,12; Bearbeiter: Hansen
hungermælic
Adj.
‘ein
hungermâl
tragend, ausgehungert’
sich möhte ein hungermælic strûz / gesaten und gespîsen /
mit dem gevegeten îsen, / daz si mit swerten schrieten hin KvWTroj
39642;
ein mensche hungermælec / wart einer ganzen wirtschaft / nie sô rehte
freudenhaft / als si [
Engelhart und Engeltrût
]
zer lieben stunde KvWEngelh
3138.
133
MWB 2 1792,29; Bearbeiter: Hansen
hungern
swV.
→
hungeren
MWB 2 1792,37;
hungernôt
stF.
‘Qual, Bedrängnis durch Hunger’
1
‘Hunger’
2
‘Hungersnot’
1
‘Hunger’
die ir seht in hungernôt, / den teilet mit iuwer brôt, / lât sie niht
verderben / noch vor hunger sterben BuchdRügen
1471;
mit hungernôt sie rungen, / daz fleisch sie gar bedrungen LBarl
4865;
von hungernœte manicvalt / was im ûzer mâzen wê, / wande er vant niht
spîse mê KvWPart
18244.
21781;
Cranc
Jer 18,21;
UrkCorp
248A,28
2
‘Hungersnot’
zv Troyge in der geburde [Gegend] /
wart do so groz turde [Teuerung] / vnde so groz hunger
not, / daz man ein vil kleines brot / koufte vm einen bisant Herb
11097;
in disen ziden ane vieng / ein hungernot, die umme gienc Elis
3478
u.ö.;
Eilh (L)
1229
MWB 2 1792,38; Bearbeiter: Hansen
Hungertal
stN.
‘Tal des Hungers’ (bildl.; hier als fingierter
Ortsname):
er [...] rîtet heim gein Hungertal, / dâ guotes und
êren diu pfrüende ist smal / und unrâtes ein vollez hûs, / in dem ofte manic mûs /
getanzet und gereiet hât, / so si anderswâ was worden sat Renner
1605
MWB 2 1792,52; Bearbeiter: Hansen |