hungermâl
stN.
körperliches Zeichen von Mangelernährung:
aller hungermale / an in sich einez nicht erbot, / si waren schone unde rot, /
wand ir got mit truwen pflac Pass III
120,74;
der mensche boser wicze / verlvsit mit den svnden gar: / er wirdit
dvͦfeliche gefar. / daz dudit vns daz hvngermal PrHess
28,65;
hungermal sie dicke leit / unde auch von dorste smahtekeit Elis
1769;
SHort
10388.
– von Falken:
sit accipiter in pennis varia signa defectus producens quae hungermal
germanice vocantur AlbertAnimal
1481,35.
– übertr. ‘Hungersnot’
daz volc erkennet zwar / zukumftige hungerjar, / ez helt getreide unde korn /
daz ez blibet unverlorn / und in dem hungermale / lebe wol an quale
Secret
1427.
– sprichw.:
der hoh zimbret [baut] und weh
minnet, der gewinnet underwilent hungermal Seuse
13,9
MWB 2 1792,12; Bearbeiter: Hansen
hungermælic
Adj.
‘ein
hungermâl
tragend, ausgehungert’
sich möhte ein hungermælic strûz / gesaten und gespîsen /
mit dem gevegeten îsen, / daz si mit swerten schrieten hin KvWTroj
39642;
ein mensche hungermælec / wart einer ganzen wirtschaft / nie sô rehte
freudenhaft / als si [
Engelhart und Engeltrût
]
zer lieben stunde KvWEngelh
3138.
133
MWB 2 1792,29; Bearbeiter: Hansen
hungern
swV.
→
hungeren
MWB 2 1792,37;
hungernôt
stF.
‘Qual, Bedrängnis durch Hunger’
1
‘Hunger’
2
‘Hungersnot’
1
‘Hunger’
die ir seht in hungernôt, / den teilet mit iuwer brôt, / lât sie niht
verderben / noch vor hunger sterben BuchdRügen
1471;
mit hungernôt sie rungen, / daz fleisch sie gar bedrungen LBarl
4865;
von hungernœte manicvalt / was im ûzer mâzen wê, / wande er vant niht
spîse mê KvWPart
18244.
21781;
Cranc
Jer 18,21;
UrkCorp
248A,28
2
‘Hungersnot’
zv Troyge in der geburde [Gegend] /
wart do so groz turde [Teuerung] / vnde so groz hunger
not, / daz man ein vil kleines brot / koufte vm einen bisant Herb
11097;
in disen ziden ane vieng / ein hungernot, die umme gienc Elis
3478
u.ö.;
Eilh (L)
1229
MWB 2 1792,38; Bearbeiter: Hansen
Hungertal
stN.
‘Tal des Hungers’ (bildl.; hier als fingierter
Ortsname):
er [...] rîtet heim gein Hungertal, / dâ guotes und
êren diu pfrüende ist smal / und unrâtes ein vollez hûs, / in dem ofte manic mûs /
getanzet und gereiet hât, / so si anderswâ was worden sat Renner
1605
MWB 2 1792,52; Bearbeiter: Hansen
hungertuoch
stN.
in der Fastenzeit den Altar verhüllendes Tuch, ‘Fastentuch,
Hungertuch’ (zur Sache vgl. LThK 5,337; vgl. auch
hungerlachen
):
von den túfelen und von dem hungertuͦch
[aus einer Kapitelüberschrift]
Mechth
5: 23,3
u.ö.;
velum: umhang, segel, hungertuͦch, wil GlAnzfKdVz
4,238.
– bildl. (vgl. Anm.z.St.):
sît ime [dem Ritter] diu state wart alsô, / dâ lac
er sanfte, âne vluoch / nider ûf daz hungertuoch Häslein
146
MWB 2 1792,58; Bearbeiter: Hansen
hungervar
Adj.
‘von Hunger gezeichnet, ausgehungert’ (vgl.
hungermælic
):
ein spiler kind und weib / let ungezzen, klaider par / und
ist selber hunger var Teichn
541,16;
sô oft daz gewürm daz mit in treip [das
Ungeziefer zerfraß so oft die Ernte der Ägypter] , / daz si wurden
hungervar, / und ersturben vil EnikWchr
7765;
die grîfen wârn hungervar ebd.
19485
MWB 2 1793,3; Bearbeiter: Hansen
hungervürste
swM.
‘Hungerfürst’, bildl. für ‘Hungernder,
Hungerleider’
merkint waz der arme hat / kvmbers vnd vnrat / [...]
/ der hunger sweinet sin blvot / gedenkint wie in durste / der arme hvnger furste /
hunger durst er lidet Martina
128,88
MWB 2 1793,11; Bearbeiter: Hansen
hünkeln
stN.
→
hüeniclîn
MWB 2 1793,16;
hunne
swM.
auch honne.
Amtsbez. einer Gerichts- und/ oder Verwaltungsperson (wmd., vgl. DRW 6,101ff.,
RheinWB 3,989; s.a. ahd. hunno AWB 4,1364f.; zur Wortfamilie und
Etymologie vgl. RGA 15,233ff.)
1
‘Gemeindevorsteher, Niederrichter’
2
‘Gerichtsbote, Büttel’
1
‘Gemeindevorsteher, Niederrichter’
villarum rectores, qui vulgo hunnen solent appellari
UrkMittelrhein
3,994
(a. 1256)
u.ö.;
WeistGr
4,742
(a. 1135)
u.ö.
– als Beisitzer im Vogtgericht:
sall der [...] vagt van H. darumb dincgen mit den
hunnen und mit dem lande DRW
6,101
(NrhArch.; a. 1250)
2
‘Gerichtsbote, Büttel’
officiatus curie, qui dicitur honne DRW
6,102
(NrhArch.; a. 1247)
MWB 2 1793,17; Bearbeiter: Hansen
hunnendinc
stN.
hier hundel-, honde-, hoin-.
‘(Vogt-)Gericht mit den hunnen’ (vgl.
hunne
1 und DRW 6,104f.):
und die kamerer sint fry, quit, loß, ledich [...] von
dem rechte unde der gewonheit, das man nennet zu dem hundeldinge, dar zu endorfen sy
nyet gaen UrkTrier
315,3
(a. 1350);
umb dasz sie der boiszen enttragen sint, dar umb bekennent si den voigden des
dritten jares ein hondedingen, des maendages na sent Mertins dage
WeistGr
6,545.
6,546
(14. Jh.)
MWB 2 1793,30; Bearbeiter: Hansen
hunnengeseige
stN.
ein unter Aufsicht eines hunnen geeichtes Hohlmaß (vgl.
hunne
1):
4 malter weizen hunnengesei DRW
6,105
(ZRG.² Germ.; a. 1308)
MWB 2 1793,40; Bearbeiter: Hansen
hunnschaft
stF.
eine Verwaltungseinheit (vgl. DRW 6,107f., RheinWB 3,989):
prout ipsa hunschaf iacet RegErzbKöln
3(2),311
(a. 1303)
MWB 2 1793,43; Bearbeiter: Hansen
hunt
Num. (Kard.)
‘hundert’ (vgl.
hundert
):
si slugen ir in lutceler stunt / mere denne uierhunt
Rol
6650
MWB 2 1793,46; Bearbeiter: Hansen
hunt
stM.
Pl. hunt, hunde
(z.B.
Herb
14977
),
hünde (z.B.
KvWTroj
18813
).
‘Hund’, v.a. zur Jagd, Wacht und Repräsentation eingesetztes
Haustier (vgl. Batereau, Tiere, S. 30ff.; LexMA 5,213f.)
1 allg. 2 übertr. (verächtlich, als Schimpfwort) 3 im Vergleich (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 228ff.) 4 als Bez. für den Hundsstern (Sirius)
1
allg.:
rîterschefte was dâ vil; / mit hunden und mit vederspil / reit
der gast, als im gezam Wig
1030.
2884;
ich wil, daz Pentesileam / frezzen die hunde
Herb
14977;
dâ vant er einen hirz stân. / dâ hetzet er die hunt an
EnikWchr
20116;
der hunt ist ein unreins vihe PrOberalt
62,42.
118,23;
so mach hey [der Abt] doyn jaghen
[...] mit synen loufenen hunden gelich eynem fursten
[vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 142]
WeistGr
2,780
(14. Jh.);
was hilfet, das der hunt billet; die wile das der wirt
sclafet, so brichet der diep in sin hus Mechth
7: 3,20;
ie edeler hunt ie vester halsbant! ebd.
3: 1,173;
hunte vile [interl. zu canes multi
]
PsM
21,17.
58,7;
SpitEich
14,4.
–
hundes zungen heilent wunden Renner
2864
(vgl. LexMA 5,214).
– spez. auch ‘männlicher Hund, Rüde’
die hund betrüebent die hundsmuoter niht
gern [
canes masculi non de facili ledunt
feminas
]
BdN
126,8
2
übertr. (verächtlich, als Schimpfwort):
man liset in der künige buoche, daz einer dem künige Dâvît
vluohte und im grôze smâcheit bôt. dô sprach einer Dâvîdes vriunde, daz der den
bœsen hunt ze tôde slahen wölte Eckh
5: 57,1;
sie fuͦrten dich gebuͦnden / zu den
boͤsen huͦnden / die unbesniden waren. / Pylatus bi den jaren / waz da
ir rihtere HvNstGZ
2558.
3068;
stingender hunt Herb
9783;
ir ungetriwer hunt! Parz
693,22;
ich bin ain sundig hunt SHort
3912.
3919;
Kchr
12358;
StrKarl
10086.
– spez. vom Teufel (vgl. auch
hellehunt
):
nu ruche, herre, mich ze vridenne / vor dem ubelen hunde,
/ der ie zallen stunden / wirvet mit flize, / daz er mich beswiche
SüklV
586;
do uûr der ubermute hunt / also teife an den helle grunt
VMos
4,26;
ach der vaig hunt, waz hât er uns armen sælichait ab
gerizzen! BdN
234,27;
Gen
327
u.ö.;
AvaLJ
161,7
3
im Vergleich (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 228ff.):
er lieff ze tal an der stund, / unsynnig als ain hunt
HvNstAp
5394;
da det der lewe an der stunt / als ain wolgezemer hunt. / er
kroch auff den fussen / fur Appolonio den sussen ebd.
12574
u.ö.;
sú tuͦnt rechte also die unnútzen
hunde tuͦnt Tauler
82,3;
denne erste mag mir armen die gnade geschehen, das ich wider
krieche als ein gesclagen hunt in die kúchin Mechth
5: 33,11;
si fluhen ze den stunden / sam der hirz uor den hunden
Rol
6315;
diu [
helle
] stinchet wirs
danne der hunt Hochz
538;
StrKD
107,271;
GrRud
Eb 50
4
als Bez. für den Hundsstern (Sirius):
und ist ain sterne an dem haubt dez zaichens, der haizzet der
hunt KvMSph
23,19
u.ö.;
der stern, der hunt haizt, in dem himelzaichen, daz leo
haizt BdN
468,10
MWB 2 1793,48; Bearbeiter: Hansen
huntaffe
swM.
Bez. für Vertreter verschiedener, mehr oder weniger Hunden ähnelnder Affenarten,
‘Hundsaffe’
dîn got hât mich geschaffen / als einen huntaffen, / wan des einen: ich hân
vlüge [Flügel] , / dâ mit ervliug ich manige vlüge
Georg
3504.
– als Bestandteil von Personennamen:
Vlreich vnd Weichart die Huntaffen StiftZwettl
255.
253
MWB 2 1794,40; Bearbeiter: Hansen
hunt|âʒ
stN.
‘Hundefutter’
mein schwester di muß all tage / mit hundten essen hundas; /
das ist schmachlich an alle maß HvNstAp
20068;
sy habent gefast manger slacht / in duͤ wammas,
merckent daz, / muͤll stop [Staub] und hunt auß. /
da von das sy muͤller sin / so kan sy nieman bringen in pin
Teichn
586,158;
cantabrum vel brenda: huntaz Gl
3:673,46
(BStK287)
MWB 2 1794,48; Bearbeiter: Hansen
huntber
stNF.
→
hundesber
MWB 2 1794,56;
huntgebûr
stM.
mit dem Frondienst der Hundefütterung belasteter Bauer (vgl. auch
huntlëge
):
der gûte meister Winne / [...] / satzte einen, der
was sûr, / von Sôsat einen hunt gebûr / ûf daz hûs zû Winden LivlChr
690.
– als Schimpfwort:
ez wær mir lait, / [...] / daz ain
boͤser huntgebur / und valscher hovelecker, / boͤser schalk unkecker /
gehoͤrn ez [
ditz buͦch
] ymmer
scholt WhvÖst
12326
MWB 2 1794,57; Bearbeiter: Hansen
huntgesinde
stN.
Hunde, die alle zusammen einer Person gehören:
er het wol hundert winde, / ân ander huntgesinde, / bracken,
sûse und leithunt UvZLanz
1546
MWB 2 1795,1; Bearbeiter: Hansen
huntgrînen
stN.
‘Knurren, Zähnefletschen eines Hundes’ (hier übertr. vom
Menschen):
sin [Decius] honlicher spotes glimpf / begonde in
[Hippolyt] anlachen, / idoch was in den sachen / sin
lachen ein huntgrinen, / als er wol liez erschinen / darnach an grozer unvuc
Pass III
390,45
MWB 2 1795,5; Bearbeiter: Hansen
hunthiusel
stN.
Dimin. zu
hunthûs
.
‘(kleine) Hundehütte’
mit schœnen tuochen sîdîn / die bâre was gezieret
gnuoc, / die daz hunthiusel [für Petitcriu] truoc
HvFreibTr
4454;
daz hundel quam geloufen sâ / ûz dem hiusel [La.
hvnthusel
] guldîn ebd.
4567
MWB 2 1795,11; Bearbeiter: Hansen
hunthoubet
stN. , hunthoubete
swM.
st. Pl. auch -houbete.
‘Hundskopf’
1 Bez. für ein hundsköpfiges Fabelwesen,
‘Kynokephale’
2 wie 1 oder ‘Hundsaffe’ (vgl. AWB 4,1371
und
huntaffe
)
1
Bez. für ein hundsköpfiges Fabelwesen,
‘Kynokephale’
jn [den Einwohnern dieses
Landes] ist daz houbet gescaffen nach den hunden
[...]. vnde so sie sprechin wellint, so bellent sie
alse die hunde. daz heizen wir hunt hóbete Lucid
23,8;
do vertriben mich die Crichen / von in zu den Hunthoubten
Brandan
1651;
cenocephali: hunthoͮbit, hunthoͮbite, quod caninam faciem et
latratum habeant [im Abschnitt de portentis
]
SummHeinr
1:139,317;
cenoscephali: hunthoͮbitun [im Abschnitt de
portentis
]
ebd.
2:28,614
2
wie 1 oder ‘Hundsaffe’ (vgl. AWB 4,1371
und
huntaffe
):
cenocephalus: hunthoͮbet, hunthoͮbeto SummHeinr
2:207,68
MWB 2 1795,16; Bearbeiter: Hansen
hunthûs
stN.
‘Hundehütte’
auch deilent sie den sidilhofin die zu den huben horent, daz man uf iglichem
sedilhofe sal finden ein buhus, ein backhus, eine schuren und ein hunthus
WeistGr
6,398
(a. 1338)
u.ö.;
canal: hunthus Gl
3:444,29
(BStK926).
3:673,44
(BStK287)
MWB 2 1795,31; Bearbeiter: Hansen
huntkappe (?)
swM.
Bed. unklar, wohl Verschreibung (vgl. La.z.St.; vgl. aber auch frnhd.
hundskappe F. und Komm.z.St.):
so sol der sunder nach weltlichem rechten werden vernät vnd verstrickt in
ainen leder sack vnd mit ainem hunt chappen, mit ainer slangen, mit ainem affen
geworffen werden in ain wasser RechtssB
E91,18
(vgl. aber
mit einem hunt, vnd mit einem kappen [Kapaun]
RechtssA
E91,18 )
MWB 2 1795,37; Bearbeiter: Hansen |