huobwîn
stM.
‘Weinabgabe von einer
huobe
’ (vgl.
gevürste
):
vinum rubeum quatordecim karratarum super censibus vini rubei dicto hubwyn
unde gefurst UrkEls
2,151
(a. 1335)
MWB 2 1799,31; Bearbeiter: Hansen
huobwise
F.
wohl ‘zu einer
huobe
gehörende Wiese’ (oder
Flurname?):
hvͦpwise zu Hoͤdorf UrkFürstenb
5,207
(a. 1309)
MWB 2 1799,35; Bearbeiter: Hansen
huobzëhende
swM.
hier huobe-.
‘Abgabe, Zehnt von einer
huobe
’
sit Berhtold von Balgingen [...] gegeben het
[...] der abbetissinnun unde der samenungen von
Rotenmuͥnster sinen taile des hoves ze Taͤgewingen unde den
huͦbezehenden, der wider in den hof hoͤret UrkWürtt
10,58
(a. 1292)
MWB 2 1799,38; Bearbeiter: Hansen
huoch
stM.
auch hoͮch
(
SummHeinr
2:476,306
),
hû ( SM:UvS , SechsFarben I
).
‘Spott, Hohn’ (häufig in Paarformeln mit
spot):
di marterære guot, / di mit ir tode / di ewigen genade /
habent erworven umbe got, / liten huh unte spot / unte nid unte haz
HimmlJer
285;
mit den gedanchen ich in sluch, / ich honde in mit der zungen,
/ ich nesprach mit dem munde / niwar huoh unde spot SüklV
478;
mit michelem huohe vil harte si in sluogen
AvaLJ
147,3.
150,5;
des muoz ich lîden spottes hû SM: UvS
27: 5,7;
huoch unde ubil spot SüklMill
48,8;
SechsFarben I
134;
Exod
139;
Gen
768;
Kchr
9283;
cavillum vel cavillatio irrisio, risus: hvͦch, hosc vel spot
SummHeinr
2:233,371;
suggillatio, derisio, reprehensio, suffocatio: hoͮch vel hosc, spot
ebd.
2:476,306;
PsWindb
43,14.
78,4.
– etw. ze ~ haben
‘etw. verspotten, sich über etw. lustig machen’
michil wirt sîn [des
Antichristen] ubermuot: er wil wesin got. / die christenliche gloube
hât er zi huohe Gen
2868;
da stunten genuoge, die habeten iz ze huohe, / daz si den
gebunden sahen gan, der so groziu zeichen habe getan AvaLJ
135,2
MWB 2 1799,44; Bearbeiter: Hansen
huof
stM.
auch huͦb, hof; Pl. auch hüeve.
‘Huf’
ein ritterlich vaͤlle / Quoykos an yme schuͦff, / das er gein
des roszes huͦff / vf den sant zù tale flog Krone
18264.
999;
dô sluoc er [der Hengst (im Kampf mit einem
Löwen)] mit den hüeven / hinder sich ze berge sâ. / den lewen traf er
schiere dâ / mit beiden füezen an den koph KvWPart
10540;
unz ûf den huof swanc im [dem
Pferd] diu man [Mähne]
Parz
256,22;
si hôrten hüeve klaffen NibB
1601,2;
welchym rosse daz eyter ist us gegangen us dem vosse, alzo daz
im der huwf sy gespaldyn, zo saltu gar ofte dor obir byndyn warmyn hundis mist: is
wirt gesunt Albrant
3,13;
czwissen dem kny unde dem hof ebd.
3,6
u.ö.;
Kudr
15,3.
552,3;
Gen
2845.
2854;
Eracl
1443;
vngula: huͦb VocOpt
1.184.
– als Gefäß:
Lêviathân het einen huof / mit vergift geschaffet dar UvEtzAlex
26852.
– phras. gewâpent (unze) ûf den ~
‘vollständig gepanzert, bedeckt’ (von Pferden):
hie stuont ein ors vil wol getân, / gewâpent vaste unz ûf den
huof Parz
72,1;
unz ûf den huof daz ors vil gar / gewâpent was mit kovertiur
Wh
360,14;
ein ors, gewâpent ûf den huof ebd.
429,11;
nû was ouch daz her bereit / und verwappent gar, / daz si
nindert schinen bar, / und diu ros unz ûf den huof Ottok
15837;
vgl. ähnl.
sî brâhten den gehiuren / mit rîchen covertiuren / ir ors verdaht hinz ûf den
huof RvEGer
5645;
drî künige man vür den vanen schuof, / die [erg.: ihre
Pferde] verdecket heten gar biz ûf den huof Loheng
4952
MWB 2 1800,3; Bearbeiter: Hansen
huofblat
stN.
das Blatt einer Pflanze, wohl des Huflattichs:
nim der preiten pleter di man haizzet hvͦfpleter Barth
(H)
475;
daz sag ich iu ungelogen, / der wintvanc [die Hutkrempe der
wîten hüet
] sleht für die nas; / under einem
huofblat der has / sô wol niht ist verborgen Helbl
3,372
MWB 2 1800,33; Bearbeiter: Hansen
huofîsen
stN.
auch hub-.
‘Hufeisen’
do gevallin [gibt es] ouch edil groze pfert, dy do
nymmer durfin keyner hubysin, wen si han gar veste hufe MarcoPolo
12,5;
die smide in der vogetige sullent ouch den forstern geben sehzehen hubysin und
genegele darzu WeistGr
1,701
(a. 1336);
ferrum quod in pedebus equi percutitur: huouisin Gl
3:668,68
(BStK287);
sternipes: hufisin SummHeinr
2:95,224;
barbatum: hubysen VocAbstr
377;
HvNstAp
18481;
Dietr
9333.
– bildl. im Vergleich:
ich wil in [den Schwätzer] harte selten prisen. / er
klaffendez [klapperndes] hufisen! / owe, er karrende
[knarrende] tur! Jüngl
916
MWB 2 1800,39; Bearbeiter: Hansen
huof|lanke
F.
hier huͦp-.
eine Pflanze, ‘Huflattich’ (vgl.
huofleteche
):
vngula caballina: wasser bluͦme oder roße huͦp oder huͦp
lanke VocClos
Vn19
MWB 2 1800,52; Bearbeiter: Hansen
huof|leteche
F.
eine Pflanze, ‘Huflattich’ (vgl. Marzell 4,850ff., bes.
868f.):
lapacium: hufleticha Gl
3:481,21
(BStK945)
MWB 2 1800,55; Bearbeiter: Hansen
huofnagel
stM.
Nagel zum Befestigen von Hufeisen, ‘Hufnagel’ (hier als
Bestandteil eines Personennamens):
quaere de alia huba in Tetzenacher que collata fuit Andreae fabro dicto
hvfnagel UrbBayJ
168
MWB 2 1800,58; Bearbeiter: Hansen
huofslac
stM.
Pl. auch -slege.
Schlag eines Hufs auf den Untergrund, ‘Hufschlag’
1 allg. 2 metonymisch ‘Hufabdruck, Hufspur’
1
allg.:
ob der getouften sarke [Särge] / nû
mit starken huofslegen / iht wol getret werden megen? Wh
394,21;
[Parzival] / kêrt ûf der huofslege
kraz [folgte der Spur der Hufschläge, vgl.
2
]
Parz
249,2.
– als akustisches Phänomen:
dâ hôrter schal von huofslegen Parz
120,15;
beidenthalp der strâzen und hinden vaste nâch / huofslege si hôrten
NibC
1641,2;
dô sach er liuten rîten und hôrte ir huofslac OrtnAW
462,2;
Ottok
57132
2
metonymisch ‘Hufabdruck, Hufspur’
als er gesehen kund, / so was er [der Weg]
gedrieben wol / vnd nuwer huffslege vol Krone
17507;
dô begunde ûf gân der tac, / daz si den huofslac / und daz spor wol sâhen
Er
4111;
des morgens vil fruo / reit er sîner slâ zuo / und reit dem huofslage nâch
StrDan
1025;
sie funden die huffslag und volgten den so ferre biß das sie
dri wege funden da zuhant hien geritten was Lanc
546,21
u.ö.;
Greg
3234;
MinneR 439
360
MWB 2 1800,63; Bearbeiter: Hansen
huofsmit
stM.
‘Hufschmied’
sufferrator: huͦfsmit VocOpt
26.041
MWB 2 1801,19; Bearbeiter: Hansen
huohen (?)
swV.
wohl ‘verspotten, verhöhnen’ (vgl. ahd. huohôn AWB
4,1379f.; oder Verschreibung?):
si [die Vögel] wuofent unde weinent
mit michelem gescreie. / si bizzent unde chrouwent, ein ander si houwent
[La. houhent
] des tages harte zergat, swaz
vettech unde chla hat AvaJG
7,5
MWB 2 1801,21; Bearbeiter: Hansen
huon
stN.
auch hon, huͤn (z.B.
HvNstGZ
5170);
Pl. auch hüener, huonre, hurre (
UrkBebenh ).
1
‘Haushuhn’ (sowohl Hahn als auch Henne) 1.1 allg. 1.2 bildl. (meist im Vergleich; vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 230f. für weitere Belege) 2
‘Vogeljunges, Küken’ (hier der Taube, vgl.
tûbenhuon
und
hüenenlîn
)
1
‘Haushuhn’ (sowohl Hahn als auch Henne)
1.1
allg.:
ez was dennoch sô spæte / daz ninder huon dâ kræte
Parz
194,6.
419,24;
er [der Fuchs] lâget auch
allermaist haimleichem [domestiziertem] gefügel, sam
hüenren und gensen BdN
163,27;
natûre machet den man von dem kinde und daz huon von dem
eie Eckh
5: 118,7;
ReinFu
K,23.
– häufig als (diätische) Speise bzw. Zutat:
ein guͦt spise von huͤnnern
BvgSp
11
u.ö.;
gip im [dem Kranken] iunge
huner ab he si wil SalArz
44,45;
se [die Schwangere] sal gute
spyse eszen, dy gut blut geue, alzo honere OvBaierl
19,4;
si [die richen und die
edelen
] kunen nicht wan honre ezen
HlReg
41,15;
ein versoten hvn svl wir han / mit gvtem specke
eberin ReinFu
K,1936;
Barth
152,18;
Eckh
1:215,5;
Parz
194,8;
Eracl
3588.
– als Naturalabgabe (vgl.
gëlthuon
u.ä.):
drie meigerhove ze Spigelharn die geltint
[...] sechs vnde drizzic hvnre
UrbBayÄ
120.
123;
funf vnd drissig schilinge guͦter haller vnd drissig hurre
ewiges vnd jaͤrliches geltes UrkBebenh
21,403
(a. 1330);
vnd gilt iglich hvbe ze vogtrecht zwelf phenning vnd ein hven, daz
gilt drei phenning UrkCorp (WMU)
N687,22
u.ö.
1.2
bildl. (meist im Vergleich; vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 230f. für weitere
Belege):
ich truͤge in ofte gerne haz / vnd zuͤrnte
gein in als ein huͦn TürlArabel
*R 288,29;
als vor dem wilden arn / daz huon der hüenel hüetet, /
swenn ez si ûz gebrüetet, / als huot diu herzogin gedrût / der zweier kinde
Ottok
2645;
sinc an, guldîn huon! [
‘du goldenes Huhn’, als Anrede an den
Sänger] ich gibe dir weize Neidh
WL 4:1,1.
– für etwas Wertloses, Geringes:
sie mocht mich geben umb ein hun, / wem sie wolt, fur
eygen hin Minneb
1890;
nît, vorhte, liebe und irdisch guot / verkêrent maniges rihters muot.
/ man würget einen armen üm ein huon Renner
8285;
in ist ein kristen als ein huͦn
TürlArabel
*R 154,31.
–
toubeʒ oder blindeʒ huon für
Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit:
er liez alsam ein toubez huon / daz mezzer vallen von der hant
KvWEngelh
1978;
und [wir] gont recht umbe
als blinde huͤnr und erkennent unser selbes nút das in uns
ist Tauler
332,30.
– in Bezug auf Schwäche, Wehrlosigkeit:
ich fürhte iuch alsô cleine / als der habich tuot daz
huon KvWHvK
127;
ane gotes loube mag / der tuvel, crenker wen ein hun,
/ den luten keinen schaden tun Hiob
757;
der mensche ist kranc als ein huen / von angeburner
geburt HeslApk
728.
14082;
MF:Reinm
63: 4;
– phras. jmdn. zerbrëchen als ein
~
‘jmdn. ohne nennenswerten Widerstand besiegen’
möhte ich an dir dehein êre / begân oder deheinen ruom, / ich zebræche
dich als ein huon Er
5483;
swer ime ieht wolde don / wir zebrachin in alse ein
hon Roth
4914;
StrKarl (S)
4585;
ähnl.:
di zepriche ich sam daz hun Rol
3791
2
‘Vogeljunges, Küken’ (hier der Taube, vgl.
tûbenhuon
und
hüenenlîn
):
diz [das Waschen der Füße] svnt ir
[Jünger] och ein ander tuon / daz machit minneclichiv
svon / demüetic als der tuben huon / niht haben vppeclichen ruon
Martina
31,71
MWB 2 1801,27; Bearbeiter: Hansen
huones|snabel,
huones|nabel
stM.
eine Pflanze (vgl. frnhd. Hundsschnabel DWB
4,2,1940):
catacalla: huͦnes snabel oder huͦnes nabel, herba
VocClos
Ca396
MWB 2 1802,26; Bearbeiter: Hansen
huonret
stN.
→
unrëht
MWB 2 1802,30;
huor
stMN.
unsittliches, verwerfliches Sexualverhalten, ‘Unzucht’,
metonymisch ein konkretes ‘Unzuchtsvergehen’ (meist von
unehelichem Geschlechtsverkehr und Ehebruch; vgl.
huore
stF.):
ich begihe dem almahtigem got, daz ich mich versvntet han mit
hoͮpthaften sunden, mit huͦre, mit
uberhuͦre [Ehebruch] , mit sippim
huͦre [Inzucht] , mit vnzitigim huͦre,
mit hures gefrvmidi, mit aller slahte huͦre Spec
3,32;
girheit, frâz mit huore / deist nû der werlde fuore Freid
31,14;
daz si [die nicht mehr jungfräuliche Tochter] in ir
vater huse vnd in ir vater gewalte daz huͦr hat begangen
SchwSp
95a;
swer mit valschem huore / zuo eines mannes konen gât / des
sêle werde nimmer rât EnikWchr
9110;
LBarl
4241;
daz huor er [Josef] vermeit des
chom er in michil arbeit [vgl. Gn 39
]
Gen
1893.
421;
er [Jesus] ist von huore geborn; /
Marîa was sîn chone niht / des man im ze vater giht KvHeimUrst
400;
mit ir [Maria von Ägypten] was der hvr also groz /
biz is di ivngelinge verdroz Glaub
2287;
die unreinen liute [die Einwohner von
Sodom] / [...] wolden hân ze briute / die
engel mit ir huore EnikWchr
4129;
incestus: huͦr Gl
4:215,40
(BStK926);
stuprum: hoͮr ebd.
4:217,41
(BStK926).
–
minze ist goͮt vur die gelust des hures
PrüllK
22;
uon huͦre unde uon huͦrs geluste
Spec
40,12.
88,16
(vgl.
huorgelust
).
– übertr. (bibelsprachl.) von treulosem Verhalten gegenüber Gott und seinen
Geboten (s.a.
huoren
und
huorlich
):
laz dir die Jezabele / vorleiten nicht die sele, / wen der
Jezabel ist vil / die trinken, ezzen und spil / hir leren und unvuren / mit siben
leien huren HeslApk
3730;
der hur ist sibenhande ebd.
3733
MWB 2 1802,31; Bearbeiter: Hansen
huorære
stM.
‘Unzüchtiger, Ehebrecher, Hurenbock’
den hochvertigen den macht er [der Hl.
Geist] dimuͤtich, den hurær macht er chæusch
PrOberalt
113,25.
171,17
u.ö.;
Mars was des urliuges got / und was ein huorære LBarl
11177;
di huorer [bezogen auf die Einwohner von
Sodom] giengen von in dan EnikWchr
4145.
18680;
mechus, fornicator: huͦrari SummHeinr
1:293,334.
2:22,422;
PsM
49,18;
StrKD
166,14
u.ö.;
PrHess
15,398
u.ö.
– als Schimpfname (vom Teufel):
dér úbelo hûorare id est diabolus
Will
51,18.
– auch allgemeiner ‘jmd., der (ehelichen) Geschlechtsverkehr
hat’ (vgl.
huore
stF. und
huoren
):
swer aber in der huorer zeche [in der Gemeinschaft
der huorer
] / sîn leben wil richten, / der sol sich ze
dem brîster nicht phlihten Priesterl
522
MWB 2 1803,1; Bearbeiter: Hansen
huorærinne
stF.
durch huor entehrte oder huor treibende Frau,
‘Unzüchtige, Ehebrecherin’ (vgl.
huore
swF.):
vnd ob daz wip irn man lazzen wil. vnd einen andern nimet di
wirt ein hvrerinne EvAug
102,2;
sie [Venus] was ein huorærinne LBarl
11249;
nim min [göttliches] antlvtze an vnd merche ob ez
iht schoner sie dene einer hvrærînne
[teuflisches] antlvtze da von svnte niht mit ir
PrFrgmLpz
382;
StrKD
106,7
MWB 2 1803,17; Bearbeiter: Hansen
huordieren
swV.
→
hurtieren
MWB 2 1803,26;
huore
stF.
auch stN. (
StrKD
166,35).
unsittliches, verwerfliches Sexualverhalten, ‘Unzucht’,
metonymisch ein konkretes ‘Unzuchtsvergehen’ (meist von
unehelichem Geschlechtsverkehr und Ehebruch; vgl.
huor
):
in svelehe stat so si [Maria von Ägypten] quam, /
selbe bat si div man / der unreinen fvre, / di man heizet hvre Glaub
2286;
sie triben unfuore, / manslaht und huore LBarl
2437.
2451;
er [der unreine
geist
] slichet ime [dem
Menschen] listechlichen zuͦ / und fugt im spat und fruͦ /
daz hure beidiu hie und da StrKD
166,35.
– auch von ehelichem Geschlechtsverkehr (vgl.
huorære
und
huoren
):
so hast du an deme arme / din ujl scone wib. / [...]
/ ih uorchte vil sere, / daz [...] / dise suze hure / uns
werde alze sure, / wande des fleischis wollust / daz ist der sele uerlust
Glaub
2492
MWB 2 1803,27; Bearbeiter: Hansen
huore
swF.
auch hurre, hürre.
durch huor entehrte bzw. huor treibende Frau,
‘Unzüchtige, Ehebrecherin’, auch ‘Hure,
Prostituierte’
der endecrist wirt geborn in der michelen Babilonia von einer
huͦren Lucid
134,8;
HeslApk
18568;
dise frauwe ir e gebrochen hat. / Moyses e, nach der wir leben, / hat vns
solich gebot gegeben, / daz man die huren steine PassSpM
226;
daz dirr din svn chomen ist der da frezzen hat alle sin
habvnge mit den hürren [der all sein Gut verhurt hat]
EvAug
179,6;
huͦrren minne JPhys
11,8;
lupa meretrix, fornicatrix, scortum vel prostituta: hoͮrra, gemeinwip
SummHeinr
1:294,341.
2:22,425.
– als Schimpfwort:
du lugest, du versorten hure. / swig und laz din falsche fure!
SalMark
889;
swa aber ein man eins biderben mannes wibe eine hurren mizzet
[...] der ist dem vogte schuldik funf schillinge
StRAugsb
124,11
MWB 2 1803,43; Bearbeiter: Hansen
huore
swM.
hier hurre.
jmd., der huor treibt, ‘Unzüchtiger, Ehebrecher,
Hurenbock’ (hier als Schimpfwort; vgl.
huorære
):
swer dem andern einen hurren spricht oder geit, der geb dem richter sechszich
phenning UrkBabenb
2:291,36
(M. 14. Jh.; dt. Übers. lat. Urk. a. 1244)
MWB 2 1803,61; Bearbeiter: Hansen
huoren
swV.
auch hüeren.
‘Unzucht treiben, ehebrechen’
der mechte man vil nennen / die geistleiche leute furent, /
die da stelent und huerent / und ander sunde phlegent vil HvBurg
3234;
dar nah so solt nieman slahin. noh insolt hvͦron
[
non adulterare
]
BrEng
4;
will si ir freuntschafft dar umb lan / das ich ain weyb
genomen han / mit eren und mit rechter ee, / so machet sy der not vil me, / ob es
mit hüeren war geschehen HvNstAp
14462.
– auch von ehelichem Geschlechtsverkehr (vgl.
huore
stF. und
huorære
), in verhüllender Wendung:
si [Bärschi und Metz] fachten den hurenden kampf; /
uff und nider als ain stampf / fuorent si an dem bette Bauernh
273.
– übertr. (bibelsprachl.) von treulosem Verhalten gegenüber Gott und seinen
Geboten (s.a.
huor
und
huorlich
), meist in Wendungen mit präp. Erg.:
du fluͦre alle die da hurent uon dir [interl. zu
perdidisti omnem qui fornicatur abs te
]
PsM
72,27;
man huret ouch an gotes gebote, / swen wir irdische abtgote,
/ die sich glichen ubeln kreten [Kröten] , / vor unsen
schepfer anebeten HeslApk
3791;
man huret an der unmaze, / an tranke unde an aze, / swen daz
vleisch des mer genimt / dan der naturen gezimt ebd.
3751.
3741
u.ö.
MWB 2 1804,3; Bearbeiter: Hansen
huorengëlt
stNM.
‘Hurenlohn’
alle ire abgote wil ich setzen in eine vorlust. want von
hurengelde sint si gesammit und kumen widir zu hurengelde [
quia de
mercedibus meretricis congregata sunt, et usque ad mercedem meretricis
revertentur
]
Cranc
Mi 1,7
MWB 2 1804,28; Bearbeiter: Hansen |