halpphunt
stN.
ein Münz-Rechenwert:
[das Lehen,] daz der Moͤltler hat, giltet ain halp
pfvnt UrkEnns
4,79
(a. 1287).
6,460
(a. 1343);
wir schvln geben von den fumf lehen alle iar an sant Mychels tag ein halphvnt
Wienner UrkSeitenst
131
(a. 1302);
UrkPölt
321
(a. 1337)
MWB 2 1123,57; Bearbeiterin: Herbers
halpritter
stM.
nicht vollgültiger Ritter (nur ein Elternteil stammt aus dem
Rittergeschlecht):
bescheidet uns noch eins, [...] / von den die halpritter
sint / und doch ungern gebent ir kint / uns gebûren [...] / si
sint niht eigen und niht frî Renner
1467.
– als Bestandteil eines Personennamens:
her Leipolt Halbreitter UrkCorp (WMU)
1668,37
MWB 2 1123,63; Bearbeiterin: Herbers
halpscheit
stN.
‘Hälfte, halber Anteil’
Addeleit uxor Lucemanni dad hus hevet gemachet dad halscheide, da si inne woneht
is UrkKölnSchr
1,239;
ich [...] min halfscheit da zuͦ Spanheim han
UrkCorp (WMU)
N531,11.
337,31;
UrkSiegen
176
(a. 1345)
MWB 2 1124,6; Bearbeiterin: Herbers
halpschiht
Adv.
‘hälftig’
so sullen die selben hundert vnd zweinczik pfunt, ist die beczalung gancz,
genczlich, ist sie halb, halbschicht wider an vns vnd vnser erben geuallen
UrkRapp
339,4
(a. 1335).
338,41
(a. 1335);
UrkEls
2,150
(a. 1335)
MWB 2 1124,12; Bearbeiterin: Herbers
halpsëhstære
stM.
als Bestandteil eines Personennamens (für einen Holzhandwerker, der Gefäße der
halben Größe eines →
sëhster
herstellt, vgl. Nölle-Hornkamp,
Handwerkerbez., S. 531):
Sifrit der Halbsestere UrkCorp (WMU)
2636,14
MWB 2 1124,17; Bearbeiterin: Herbers
halpsinnic
Adj.
‘halbverständig’
halpsinnige lute antwortin allir snellist, und dunkit si daz si allir meist wizzin
Parad
59,34
MWB 2 1124,22; Bearbeiterin: Herbers
halpstündic
Adj.
‘eine kurze Zeit dauernd’
wan der mensch nimer kan / sein selbes vinster paß verstan / den pei dem
geistlichen schein, [...] dise hilig plike / sint kaum
halpstundich MvHeilGr
1366
MWB 2 1124,25; Bearbeiterin: Herbers
halpswëster
F.
‘Dienst-, Halbschwester’ (im Deutschen Orden zur Krankenpflege
eingesetzt):
sô sî ouch irloubet, daz ir zu sôgetâneme dienste wîbesnamen zu
halpswesteren [
consorores, vgl. MlatWb
2,1607] entphâhet StatDtOrd
52,12
MWB 2 1124,30; Bearbeiterin: Herbers
halpswuol
stN.
Lemmaansatz unsicher, evtl. halpvul? (s. NibB (H) z.St.).
‘halbwüchsiges Wildschwein’
sîn tier was daz êrste, daz er ze tôde sluoc, / ein vil starkez
halpswuol [Laa. halpfwͦl,
halpsvl
]
NibB
935,3
MWB 2 1124,35; Bearbeiterin: Herbers
halpteil
stN.
auch mit Binnenflexion halben-, halffen- (oder zu
halp
a
1.5.3
?).
‘Hälfte’
mir ist mîn rede nû enmitten zwei geslagen: / daz eine halbe teil
[La. halpteil
] ist mir verboten gar, / daz
müezen ander liute singen unde sagen Walth
61,34;
dô begunde vliehen gar / mê dan halpteil der schar
RvEAlex
11082;
EvAug
90,18;
toͮ daz halbtteil des sarphin ezzichis darzoͮ
Ipocr
11;
iedoch sprechent etleich alt maister, daz des mônen kugel ain
halbtail scheinend hab [...] und daz ander halptail vinster
BdN
64,27;
KvMSph
50,14
u.ö.;
StRZürich (B)
192,27.
– rechtl. ‘halber Anteil’
daz der vorgenante Cvͦnrat [...] an dem
halptail der muln rehtes hete UrkCorp (WMU)
2613,15
u.ö.;
wir geben ouch den vorgenanten burgern czu Marienwerder daz halbeteyl des
czynses von vleisbenken. brotbenken. schubenken UrkPreuss
2,208
(a. 1336);
wir [...] haben gegeben
[...] vnser halffentail an den sehs guͤtern
UrkEnns
7,117
(a. 1349).
5,330
(a. 1322);
UrkWürzb
39,311
(a. 1327);
StatDtOrd
52,35.
– adverbial verwendet ‘halb, zur Hälfte’
der herzog mit den burgæren / wart des ze rât, / daz ûz der
stat / halpteil solde varn, / swaz der besten wârn Ottok
96958;
dy stat wol halbentail / dy tauf het enphangen Hawich
1204;
wer denne sin smerze / so groz halb tail, als er sait, / er wer von sender
arbait / nv lange tot JvKonstanz
1259
MWB 2 1124,40; Bearbeiterin: Herbers
halpteilen
swV.
‘halbieren’
do halbteilde er sin her HeslNic
4648;
der ubelwillic arge wicht / halb teilet sine tage
nicht [wird die Hälfte seiner Lebenszeit nicht erreichen, vgl. non
dimidiabunt dies suos Ps 54,24]
HeslApk
3854
MWB 2 1125,4; Bearbeiterin: Herbers
halptiuvel
stM.
als Personenname:
Halbtv́uelz wib UrkCorp (WMU)
1953,36
MWB 2 1125,9; Bearbeiterin: Herbers
halptôt
Adj.
‘halbtot’
dirre halptôte man / der stirbet morgen oder
noch [bald]
Tr
1242
u.ö.;
Iw
1058;
HvFreibTr
6369;
manic jâmerlîcher dôn / ûz halptôtem munde gie Reinfr
20521;
mit manger verchwunden / liezens an den stunden / den künec
halptôten dâ RvEAlex
14825;
SHort
4568;
BdN
157,8;
div kint waren in der not / halplebentige v̄ halp tot
Wernh
D 4922
MWB 2 1125,11; Bearbeiterin: Herbers
halptuoch
stN.
‘Tuch von leichterem und feinerem Gewebe’
vier vnd zwenzig ellen halptuͦches linun WeistGr
4,93
(Anf. 14. Jh.)
MWB 2 1125,19; Bearbeiterin: Herbers
halpvaste
swF.
‘Halbfasten’, 4. Fastensonntag (dominica Laetare):
an dem sunnendage do man sang letare, zu halbfasten UrkRhStädteb
173
(a. 1344);
an der mithewochen nach halbtvasten UrkCorp (WMU)
N433,41
MWB 2 1125,22; Bearbeiterin: Herbers
halpvierteil
stN.
‘Halbviertel’, ein Hohlmaß:
swaz wines verkouffet wirt ze Basil in hiusern oder in kelren, daz zwene bodeme
hat, daz git dem bischove ein halpfierteil wins RbBasel
5,3
(a. 1260)
MWB 2 1125,27; Bearbeiterin: Herbers
halpvisch
stM.
‘Plattfisch’
pectenus: halpfisc SummHeinr
1:160,664;
all visch, die nâch der praiten swimment, die werdent vaizt wenn
der sudenwint wæt von mittem tag, als die prähsem
[Brassen] tuont und die halbvisch BdN
243,12
MWB 2 1125,31; Bearbeiterin: Herbers
halpvrischinc
stM.
‘kleiner Frischling’
Kranchesperc der hof giltit [...] æin
specswin, zwene halpfrischinge, dri gense, sehs hvnre, hvndert æier
UrbBayÄ
727,a.
724,a.
852
MWB 2 1125,36; Bearbeiterin: Herbers
halpvüederic
Adj.
‘ein halbes Fuder fassend’
swaer ein fuder wins verschencket, der sol im ein trinchen
[Getränkemaß: zwei Seidel] wins gaeben. ist aber daz vaz
halpfuederk, so sol man im ein sidlin [Seidel] wins geben
StRAugsb
192,13
MWB 2 1125,40; Bearbeiterin: Herbers
halpvüeʒic
Adj.
‘einen halben Fuß lang’
[die Eber] habent halbfüezig
zend [Zähne]
BdN
121,20;
der visch ist halpfüezig ebd.
251,6.
263,30.
439,16
MWB 2 1125,45; Bearbeiterin: Herbers
halpvul
stN.
→
halpswuol
MWB 2 1125,48;
halpwërlt
stF.
‘Erdhalbkugel, Hemisphäre’
der augenender
[Horizont]
[...] haizzet auch der
kraiz dez halphimels oder der halpwerld KvMSph
28,28;
die sunne begint sich danne widerkeren zu der undern halpwerld
ebd.
30,16
u.ö.
MWB 2 1125,49; Bearbeiterin: Herbers
halpwürhte
stF.
‘Pacht mit halben Ertrag’
swie wir oder vnser erben daz selbe guͦt in rehtem buwe nit enheten, so sol
man mit vns schoͮwen alse halpwͥrhte vnde besserunge, ob wirs virschulden
als vmbe halpwrhte UrkCorp (WMU)
N758,12
MWB 2 1125,54; Bearbeiterin: Herbers
halpzogen
Part.-Adj.
‘nicht vollständig, erst halb aufgezogen’
so diu [die Jungvögel] halpzogen sint
JPhys
23,3;
MillPhys
154,1
MWB 2 1125,60; Bearbeiterin: Herbers
hals
stM.
Pl. helse.
1
‘Hals, Genick’
1.1 bezogen auf die Außenseite des Halses 1.1.1 allg. 1.1.2 in verschiedenen Wendungen 1.1.3 übertr. als Träger schwerer Lasten 1.1.4 bezogen auf Straf- oder Gewaltanwendung an Hals oder Kopfpartie
(überwiegend rechtssprachlich, weitere Belege s. DRW 4,1485-1490) 1.1.4.1
an den hals, zuo halse slâhen
‘ohrfeigen’ (s.a.
halsslac
, stM.,
halsslagen
, swV.) 1.1.4.2 mit Todesfolge 1.1.4.3 in Wendungen, die sich auf die am Hals zu vollziehende Todesstrafe beziehen 1.1.4.4 als Bezeichnung für die Todesstrafe selbst 1.1.4.5 bezogen auf das Leben selbst 1.1.4.6 in Paarformeln zu Strafmaßen, die an Hals und Hand, Kopf u.ä. vollzogen werden 1.2 bezogen auf das Innere des Halses 1.2.1
‘Speiseröhre, Luftröhre’
1.2.2 als Sitz der Stimme 2 übertr. 2.1 anatomisch 2.2 geogr.
1
‘Hals, Genick’
1.1
bezogen auf die Außenseite des Halses
1.1.1
allg.:
collum: hals PsM
C 5,13;
den hals her niegote Roth
1886;
ir vil kleinvelwîzer hals KLD:UvL
43: 6,1;
umbe sinen hals lac / ein bouch uile waehe
Rol
1577;
nim corn blumen. vnde henge si im vmme den hals
SalArz
35,5;
EnikWchr
11189;
HvNstAp
15070.
– bildl. als Teil der Sippentafel:
nû merke wir ouch, wô die sibbe beginne, und wô si ende. in deme
houbete ist bescheiden man und wîb zu stênde
[...]. in des halses lide die kindere
SSp (W)
1:3,3;
mit deme houbite sint die man bezeichint, mit dem halse sint die
suͦne bewisint RbGörlitz
123.
–
‘Nacken’ oder übertr. auf ein den Hals umschließendes
Kleidungsstück ‘Kragen’?:
mit einander si in schuben / hin ûz [...]
bî dem hals Fressant
567;
diu spêr man schôn dâ bresten sach: / an bêden helsen
[zweier Ritter] daz geschach
UvLFrd
203,20
1.1.2
in verschiedenen Wendungen:
–
den schilt ze halse nemen, hâhen
‘sich den Schild zum Kampf umhängen’
mînen gedanken wart nie baz / dan sô ich ze orse gesaz / und den
schilt ze halse genam Greg
1595;
Rennewarten des ze sehen zam, / wie dirre den
schilt ze halse nam, / und wie der ander helm ûf houbet bant
Wh
314,2;
Parz
71,29;
Winsb
17,8;
Er
3216;
vnde als er den stegereif / mit den fuzze
begreif, / zv halse er den schilt hinc Herb
14689;
an dem schilt er sich niht betrouch, / der wart ze hals gehangen
Krone
7431;
Wh
384,14.
386,26;
JTit
1966,4.
–
umbe/ an den hals vallen
‘(stürmisch) umarmen’
an den hals er ime fiel, manigen zaher ob ime lie
Gen
2456.
2535;
[er] viel ir vmme den hals zehant
TürlArabel
*R 206,22
1.1.3
übertr. als Träger schwerer Lasten:
dînem bruoder scolt dû dienen,
[...] daz dû abe dînem halse gescutest sîn joch
Gen
1217;
BrZw
58;
NvJer
5893;
[Gott] mir einen zentener leite ûf mînen hals
Eckh
1:37,7;
der ander
ruͤger [Ankläger] her fuͤr gat:
/ daz ist sin selbs missetat, / sin sunde und sin bosheit, / die er uf dem
hals treit HvNstGZ
6649.
– bezogen auf das Lebensalter:
ich [Alberich] hân ûf mînem halse mêr
dan fünf hundert jâr OrtnAW
241,4
1.1.4
bezogen auf Straf- oder Gewaltanwendung an Hals oder Kopfpartie
(überwiegend rechtssprachlich, weitere Belege s. DRW 4,1485-1490)
1.1.4.1
an den hals, zuo halse slâhen
‘ohrfeigen’ (s.a. →
halsslac
, stM., →
halsslagen
, swV.) :
het er mich an den hals geslagen, / ich mocht ims
han baz vertragen Erz III
56,93;
EvStPaul
14156;
swa ein burgere den andern burgere an den hals slet, so sol der,
der den slach getan hat, ein iar von der stat sin UrkCorp (WMU)
816,42;
WüP
42,3;
sie spuwen sin antlitze vol, / zu halse faste
slugen sie yn EvStPaul
1871
u.ö.
–
‘an die Gurgel gehen’
so sint ime [dem
Hirsch] die hunde uf dem halse Tauler
52,31.
–
ein swert ûf den hals erteilen
‘jmdn. mit Ächtung strafen’
wirt iz [die Vergewaltigung einer
Frau] abir uf in bracht, alsi hi biscribin is· so
sal min [= man] umi [=
ihm] teili
[verurteilen] ein suert uf sienin hals
Mühlh
108,4
(s. Anm.z.St.)
1.1.4.2
mit Todesfolge:
–
‘(jmdm.) das Genick brechen’
er stîz in ze tal uber einem stein, / daz ime
sîn hals enzwei brast VAlex
231.
236;
ich wânde etwenne wie wir fliegende solten werden, und klam
[kletterte] ûf einen boum: ich möhte
den hals hân ab gevallen PrNvStr
295,16.
–
‘jmdn. enthaupten’
den hals er ime abesluͦc
Rol
8983;
cehant stûnt der schêchêre ûf unt slûc ime den
hals abe mit einir ackis PrMd (J)
347,5;
UrkCorp (WMU)
51,17;
Mühlh
104,15.
106,19;
man din leben bougete / und dinen hals der kuscheit / mit
scharfem slage enzwei sneit Pass III
667,51;
ich machen etzelichem den hals kurt KarlGalie
2958;
do nam man iene guten dri / und ouch dise zwene hie. / mit in
man alzuhant begie / an deme halse vollen mort Pass III
502,63
1.1.4.3
in Wendungen, die sich auf die am Hals zu vollziehende Todesstrafe
beziehen:
–
an den hals gân
‘die Todesstrafe verhängen’
[Wer] dan den vridi brechi wizzintliche
[...], den gingiz an urin hals
Mühlh
101,26
u.ö.;
so geet iz im iu an den hals StRFreiberg
151,10;
bûtet der munzcêre einen valschen phenning ûz sô daz her dâ
mite koufen wil, ez gêt ime an den hals SSp (W)
2:26,2
u.ö.
–
den hals verwirken
‘die Todesstrafe durch eigene Schuld erhalten’
wiert he vur girichti bracht mit giscreigi· he
heit sienin hals virworcht Mühlh
96,3.
–
den hals verteilen/ verzeln
‘jmdn. zum Tode verurteilen’
slêt ein man den andern durch nôt zu tôde
[...], man en sal ime sînen hals nicht
verteilen SSp (W)
2:14,1;
SpdtL
204,10;
kumit he nicht czu gerichte [...],
den sal man vorczelin uffe sienen hals nach der stat rechte
UrkFreiberg
1:43,37
(a. 1305);
StRFreiberg
61,19.
–
dâinkegin satztin sich / gene werlîch unde
balt, / want iz in dî helse galt NvJer
14874.
–
den hals frîen
‘von der Todesstrafe loskaufen’ (HRG 1,1915, s.v.
Halslösung):
[ein Dieb] synen hals mit xvi mark mag
fryen UrkPreuss
2,17
(a. 1286)
1.1.4.4
als Bezeichnung für die Todesstrafe selbst:
er gebôt ainen gotes fride: / nâch dem scâchroube
retailte man die wide, / [...] dem roubâre den
galgen, / [...] den hals umbe den brant
Kchr
15147;
er gebot in pi deme halse / daz si die ime geben ze zinse
ArnoltSieb
42,7;
daz sol man in gebieten bî dem halse, daz si jene
iht irren an irm kamphe SSpAug
176,13;
wirt er aber begriffen, so ist hals wider hals oder er lose sich
UrkÖsterrErbl
176,3
(a. 1338).
–
bî dem halse und bî der wide [Strang]:
unz iz diu chunigîn verbôt / bî dem halse und
bî der wide. / si swuor, swer bræche ir fride, / si hiez in in dem
sende houbten Kchr
10068;
sint stetiget her den vride / bi dem halse,
bi der wide HeslApk
19068;
Ortn
256,2;
LivlChr
4620
1.1.4.5
bezogen auf das Leben selbst:
–
umbe den hals, bî dem hals
‘um des Lebens willen’
er muoz gerihten unde muoz antwurten umbe
sînen hals SpdtL
204,20;
haiden di uertanen / bi dem halse si sich
ergaben / in des tiueles gewalt Rol
3514;
den hals niht wâgen Renner
1617;
Ottok
9874.
9882.
–
si suchten selbe den tot: / uil maniger den
hals dar bot [das Leben anbieten]
Rol
5550
1.1.4.6
in Paarformeln zu Strafmaßen, die an Hals und Hand, Kopf u.ä.
vollzogen werden:
–
di grozen gerichte, di da gen an hant vnd an hals
UrkCorp (WMU)
975,22.
50,14;
der künig unde îclich richter mûz wol richten uber hals unde
uber hant SSp (W)
3:78,1.
3:52,3;
SpdtL
223,15;
UrkBürgel
187
(a. 1333).
–
der koneg rihten sal fon rehte ubir hals unde ubir haubit
UrkFrankf
1,422
(a. 1303).
–
muste man dedinge halten von hals vnd von halsbeyne
WeistGr
2,2
(a. 1321);
were es, das es ging an den hals oder an halsgebeine
GrimmRA
2,257
(a. 1348).
–
euer sal her Teilman [...] richten
van halse ind van buͦghe [Bauch]
WeistGr
2,745
1.2
bezogen auf das Innere des Halses
1.2.1
‘Speiseröhre, Luftröhre’
dér háls der tréget daz
ézzen in den bûch Will
17,1;
stoz im eine uedere in den hals daz he spie
SalArz
46,52.
16,32;
mit der vust er in scloch / daz ime vze deme halse
vuor daz blot Roth
569;
der luft innân gêt von der lungen in den hals
BdN
16,5;
Wig
4698;
BuchdKg
13,7
1.2.2
als Sitz der Stimme:
dér háls [...]
tréget ábo dîe stímma ûz Will
17,1.
–
mit hals unde horn
‘mit lauter Stimme rufen’, für einen Jagdruf:
von hals und mit dem horne / jag ich ze mangen stunden
Hadam
446,1;
so sall der jegher mit halse ind horne jaghen WeistGr
2,780
(14. Jh.).
–
den hals verstopfen
‘jmdn. zum Schweigen bringen’
do uffinbarte der edele furste sinen getruwen mannen sine meinunge
[seine Hochzeitspläne] unde vorstophte
den bosin kleffern iren hals, daz vorbaz mer nimant torste torlichen
rede uff die hochzit Köditz
27,5.
–
in den hals liegen, die Wendung ist nicht eindeutig, sie ist
evtl. als Verstärkung ( ‘schamlos lügen’ TPMA 8,77 s.v. Lügen) zu
verstehen oder als Verbindung mit dem Körperteil, an dem die Strafe des
Lügens ausgeführt wird (vgl. DWB 4,2,254f.):
daz ist in ir hals gelogen Helbl
2,1412;
‘entriuwen, ir habt gelogen / in iuwern hals’, sô
sprach das wîp Heidin IV
1647
2
übertr.
2.1
anatomisch:
der prunn [Harn] vleuzt von den
niern durch zwên häls [Harnleiter] oder durch zwuo
âdern BdN
34,17;
dar nâch gênt si [Blutgefäße] sô
lang zwischen den zwain röcken [Hautschichten] der
plâsen [Harnblase] , unz daz si koment zuo der
plâsen hals ebd.
34,21;
so heiz in sitzen in wazzer bat uf gericht. daz der blase
hals zu tal ge SalArz
60,28
2.2
geogr.:
–
‘Berghals, Bergrücken’
dorch den hals si grûben [...] / graben vil
wîte / tiefe unde werehaft En
4088;
der berch was stechel [steil] uber al, /
niwan ein hals der was smal, / den heten sie dorchhouwen ebd.
5556.
4065.
–
‘schmale Landzunge’
kein der Mimele dâ gêt zû / ein hals; dâ quâmen sie vrû / mit irme
here hovelîch LivlChr
3966
MWB 2 1125,63; Bearbeiterin: Herbers |