hove|schultheiʒe
swM.
auch hoves-.
Hofbedienter (meist mit gerichtl. Aufgaben):
ez sol auch ein ieglicher, dem man wiͤnwahs hat
behuͤt, den huͤtern irn lon geben [...]. swer
des niht entut, der git in ze buͦzze 10 ß
[Pfennig] mit dem lone. die sol in helfen vordern der
hofschultheizze WüP
106i,5;
ein hoiffs scholtiss ind der geschworn boede vnd der meier
WeistGr
2,518
(a. 1298).
– als Bestandteil von Personennamen:
Rudegerus houeschulteize UrkWürtt
3,50
(a. 1216)
MWB 2 1755,3; Bearbeiter: Diehl
hövesch|wîp
stN.
‘Liebhaberin, Mätresse, Prostituierte’ (vgl.
höveschærinne
):
amasia: hupschwib VocOpt
3.102;
filia Herodiadis: Herodes húbschwibes tochter EvAlem
45 (Mt 14,6)
MWB 2 1755,13; Bearbeiter: Diehl
hoveshalp
Adv.
‘auf der Seite des Hofes’
sin hus, das da lit am Rennewege ob dem wege hofes halp UrkCorp
1503,25
MWB 2 1755,17; Bearbeiter: Diehl
hove|site
stM.
einem Hof angemessene Verhaltensweisen, Gebräuche an einem Hof (vgl.
hovewîse
,
hovezuht
):
die gruozten ouch Tristanden / und sîne rotte dâ mite /
höfschlîche nâch dem hovesite Tr
5354.
494;
man sprichet unde seit, / daz ir sint aller tugent rîch / und
iu kein fürste sî gelîch / an êren unde an hovesiten KvWTroj
15229;
dâ bin ich unschuldec mite. / Alexanders hovesite / wolde
mich es niht erlân. / des sit ist alsô getân, / swaz man dâ setzet vür den man, /
daz man im des mit willen gan RvEAlex
6500;
Neidh
WL 32:7c,14
MWB 2 1755,20; Bearbeiter: Diehl
hove|slëcke
swM.
‘Schmeichler am Hof’ (vgl.
hovelëckære
,
hoveliegen
):
Herman den huofschmid, / auch Peter den kecken / und den alten Hafenschlecken
[Hss. hofschlecken vgl. aber Anm.z.St.] /
und Henslin usz der peund MeierBetz
18
MWB 2 1755,31; Bearbeiter: Diehl
hove|smit
stM.
am Hof tätiger Schmied (vgl. Matzel, Wortschatz, S. 139):
Haͤrtel fragner schol ein totslach umb Fridlein den hofsmit. ist dar
umb enttwichen UrkRegensb
737
(a. 1325-1350)
MWB 2 1755,36; Bearbeiter: Diehl
hove|snîdære
stM.
‘Schneider an einem Hof’
das kein genecht [l. kneht
] von seinem
maister sol geen ze einem hofsneider; welcher es dar vber tut, den sol chein maister
in einem iar ze im nemen StRPrag
32.
25
MWB 2 1755,40; Bearbeiter: Diehl
hovespël
stN.
‘Hofgespräch, -gerede’ (vgl.
hovemære
,
hoverede
,
hovesprâche
):
mir hât mîn sin gewîssaget, / daz dû mîn ahtest kleine. /
[...] / dû wirst ûz mir ein hovespel / in dîner vröuden
machende. / mîn schimpfend unde lachende / hœrt man dich sprechen denne: /
‘ich hete ouch eteswenne / verborgenlîche ein herzetrût.’
KvWTroj
29276
MWB 2 1755,45; Bearbeiter: Diehl
hove|spil
stN.
‘ritterliche Übung, höfisches Ritterspiel’
hie banket er sich ofte mite / wol schirmen, starke ringen, /
wol loufen, sêre springen, / dar zuo schiezen den schaft, / daz tet er wol nâch
sîner craft. / [...] / aller hande hovespil / diu tet er
wol und kunde ir vil Tr
2121;
durch hübsche kurzewîle / triben si daz hovespil. / iedoch
gesluogens’ alsô vil / z’ein ander und gestâchen, / daz si ze jungest
brâchen / mit zorne irn gemelichen schimpf KvWTroj
5029;
daz rîten und daz hovespil / ist dâ drî stunt an dem tage
StrDan
700
MWB 2 1755,52; Bearbeiter: Diehl
hovespîse
stF.
bei der Erbteilung abgeteilter Lebensmittelvorrat:
dar nâch muoz diu vrauwe teilen gegen den erben die hofspîse
diu nâch dem drîzigesten belîbet SpdtL
100,9;
SchwSp
16a
MWB 2 1755,63; Bearbeiter: Diehl
hovesprâche
stF.
1
‘Hoftag’ (entspr. lat. colloquium curiale ) 2 höfische Rede, gehobener, höfischer Sprachstil (entspr. lat. sermo
curialis , vgl.
hovemære
,
hoverede
,
hovespël
)
1
‘Hoftag’ (entspr. lat. colloquium curiale):
die herren begunden riden / da vazzite sich man wider man /
daz er schone zo houe quam / durch daz iz ein houe sprache was / ir nehein iz ne uir
saz Roth
646
2
höfische Rede, gehobener, höfischer Sprachstil (entspr. lat. sermo
curialis, vgl.
hovemære
,
hoverede
,
hovespël
):
so sihet sú einen ganzen got in drin personen
[...]. so gruͤsset er si mit der hovesprache,
die man in dirre kuchin nút vernimet Mechth
1: 2,10
MWB 2 1756,3; Bearbeiter: Diehl
hovestat
stF.
Grund und Boden, auf dem ein Hof mit allen zugehörigen Gebäuden steht oder stehen
könnte, ‘Hof-, Hausstätte’ (stark differenziert vgl. DRW
5,1354-1360):
hie wirt dû sedelhaft! / bowe dise hovestat, / si sol an dem
jungisten dîn urchunde sîn Kchr
10436;
swâ ein ganzez dorf lac, / darin der grâf ze haben phlac /
ein huobe oder ein hofstat Ottok
63012;
vnd sol iegelich hofstat sin hvndert schvͦhe lang vnd fv́nfzig
breit UrkCorp (WMU)
1797,14.
889,8.
1399,41;
suaz min och uffi dir hovistad vindit, daz umi zugihorit, daz
sal min virteili mit dir hovistad, daz iz nummir niemini me zu nuzzi inwerdi
Mühlh
108,27;
ein hofstat da daz vogelhvs vf stet UrbBayÄ
38;
StRAugsb
110,22.
–
der edil kúnig, der wise man, / den tempil stiften
do began / uf einir hofstat alda, / dú hiez mons Moria
RvEWchr
32611;
an des tempels hovestat Reinfr
18001.
– bildl.:
tiutsch hât wîte hofestat Renner
22343
MWB 2 1756,13; Bearbeiter: Diehl
hovestæte
Adj.
‘am Höfischen festhaltend, das Höfische bewahrend’
got weiz wol, mîn lop wære iemer hovestæte, / dâ man eteswenne lobelîche tæte
/ mit gebærde, mit gewisser rede, mit ræte Walth
30,9
MWB 2 1756,32; Bearbeiter: Diehl
hovestatphenninc
stM.
Abgabe von einer Hofstelle (vgl.
hovestiure
,
hovezins
):
so ist ditz div gewonleich purkhut die man vns gibt zv dem vorgenanten haus ze
Pravnekk: des ersten sechs vnd zwainzich muͤt chorns
[...] daz marchtgericht ze Bravnekk und die
hofstetpfenning UrkBrixen
1,134
(a. 1309);
so sulen auch die putel dem zolner sein march reht und sein hofstat pfenning
samenen helfen RbHohenlohe
36
MWB 2 1756,37; Bearbeiter: Diehl
hovestatzins
stM.
Abgabe von einer Hofstelle:
die hofstatzinse in der stat und die gartenzinse dar umbe
UrbHabsb
1:417,2;
her Wernher von Wile [...] hat ze pfand an
hofstettzinsen in der selben stat 2<1/2> pfund gelts
UrkAargau
1,4:25,2
(a. 1281)
MWB 2 1756,46; Bearbeiter: Diehl
hove|stetære
stM.
‘Inhaber einer Hofstelle’
all die werichpauern und hofstetter und vreileut DRW
5,1360
(ArchKärnten; a. 1351).
– oft Bestandteil eines Personennamens:
hern Rvͦdolf dem hofsteter von Walastat UrkCorp (WMU)
1157,22
u.ö.
MWB 2 1756,51; Bearbeiter: Diehl
hovestetelîn
stN.
Dimin. zu
hovestat
:
hvs vnde hofstat vnde bavmgarten mit elliv div vnd der zv hœret ane daz
hofstætlin daz ettewenne was des Hailigen Cruces den haben wir daz wider geben
UrkCorp
549,42;
hovestettelin UrkFreiburg
3:265,31
(a. 1315)
MWB 2 1756,56; Bearbeiter: Diehl
hovestiure
stF.
Abgabe von einer Hofstelle (vgl.
hovestatphenninc
,
hovezins
):
ist aber ez ein man der weder hofstiur noch herstiur git, der
enhat chain reht StRAugsb
148,34
u.ö.
MWB 2 1756,61; Bearbeiter: Diehl
hovestrîch
stM.
‘Streichen eines Saiteninstruments auf höfische Weise’ oder
übertr. ‘höfisches Tanzlied’ (vgl.
hovetanz
und Harding, Dancing Terms, S. 121):
der junge Ranz / durch den tanz / gienc vermezzenlîche. / Kotzel hiez der
spileman; dem ruofte er dar: / ‘ir strîchet ûf die rehten hovestrîche!’
Neidh
WL 32:7a,13
MWB 2 1757,1; Bearbeiter: Diehl
hovet-
s.a. houbet-
MWB 2 1757,8;
hovetanz
stM.
‘höfisches Tanzlied’ (vgl.
hovestrîch
und Harding, Dancing Terms, S. 121f.):
schiere kam / Engelram / mit ûf erbürtem swerte: / ‘nu strîchet ûf bald
einen rehten hovetanz! / sich hebet hie, des ie mîn herze gerte. / hie wirt
entrennet, daz dâ heime wære beliben ganz.’ Neidh
WL 32:7b,12
MWB 2 1757,9; Bearbeiter: Diehl
hovete (?)
Subst.
Bed. unklar, (Gl.z.St. ‘Gehöft’):
[der Teufel] sante prediger an sie, / so daz sie
trugenlichen hie / die cristenheit vorglichsten / und mit den richen richsten / und
uz iren hoveten [Konjektur, Hss. houbten, hubeten,
huͦben
] twungen HeslApk
13513
MWB 2 1757,16; Bearbeiter: Diehl
hoveteidinc
stN.
landesherrliches Gericht (nur im Ostalpenraum, vgl. DRW 5,1369):
ich sag iu nû des landes reht. / iz kostent mangen phenninc / ze Wienne diu
hofteidinc Helbl
2,698;
in rechtem gerichte des hof taidinges ze Wienne UrkHeil
2,136
(a. 1330);
UrkEnns
6,142
(a. 1334);
UrkKlostern
1,273
(a. 1339)
MWB 2 1757,22; Bearbeiter: Diehl
hovetenzel
stN.
‘höfisches Tänzchen’ (vgl. Harding, Dancing Terms, S.
123f.):
sô die voretanzer danne swîgen, / sô sult ir alle sîn gebeten, / daz wir
treten / aber ein hovetänzel nâch der gîgen Neidh
WL 4:3,12
MWB 2 1757,29; Bearbeiter: Diehl
hovetiuschære
stM.
‘jmd., der am Hof täuscht, schmeichelt, betrügt’ (vgl.
hoveliegen
):
ein volc ist hofetiuscher genant, / daz bî dem pâbste ist wol bekant, / dâ man
billicher gerehtikeit / fünde und slehte einveltikeit. / hofetiuscher sint übel
liute, / der wir leider vil haben hiute: / wenne swer ze hofe tiuschen kan, / der
effet manigen einveltigen man Renner
17245
MWB 2 1757,34; Bearbeiter: Diehl |