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ABCDEF s.VGHIJKL
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hâ – haber-
haberlîte – hachelen
hachelwërc – hage
hage- – 2hagen
hagen- – halbe
halbe – hallergëlt
hallergülte – halphimel
halp|hunt – halpvaste
halpvierteil – halser
halsgebeine – halsveste
halsvlinken – hamerslac
hamerslahen – hanef
hanef|âkambe – 1hansen
2hansen – hantgiften
hantgiftphenninc – hantsalbe
hantschmänt – hantvestlich
hantvestunge – hârbendelîn
hârblôʒ – hârlouf
harm – harnaffe
harnasch, harnas – 1harre
2harre – hartruore
hartsinnic – haselbir
haselbluome – hasenvleisch
hasenwint – havendierne
havengazzer – haʒʒiclich
haʒ|zorn – heberînmelwer
hebesal – 3hecken
heckenjeger – hegelîn
hegeln – heidenisch
heidenischheit – heilalle
heilant – heilige
heiligeistlîcheit – heilvuorlich
heilwâc – heime suochen
hei|metze – heimvart
heimvartlich – heitber, heidelber
heiter – heiʒmuot
heiʒsühtic – hëlfebære
hëlfebërnde – hëlkleit
helle – helleglocke
hellegluot – hellemunt
hellemünzer – hellerigel
hellerîs – helle-
hellesun – hellevreisærin
hellevunke – hëllunge
helm – hëlmschîn
hëlmschirbe – helwërtwitze
hely – hendewinden
hendewringen – hennenvuoʒ
hentschuocher – herbërgen
herbërgerîe – hêre
herebërge – hergesidele
hêrgesidele – hêrischheit
hërkêre – Herodære
Herodiane – hêrrennôt
hêrrenphruonde – herschrîære
hêrschunge – hertes
hërtgëlt – hërverloufen
herverten – hërzeblüete
hërzebluot – hërzekrachen
hërzekranc (?) – hërze|nabele (?)
hërzenandâht – hërzenvride
hërzenvrô – hërzestôʒ
hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn
hërzewaʒʒer – heselîn
heselîn – hîbære
hichela – hierunder
hiesch – himelbalsem
himelbære – himelgesanc
himelgesinde – himelknabe
himelknolle – himelpalas
himelphat – himelschheit
himelschlich – himelstîge
himelstîgunge – himelval
himelvane – himelvürste
himelvürstin – hinde
hinden – hindergêunge
hindergrîfen – hindernisse
hinderrât – hinderstelle
hinderstellic – hinderwërtlingen
hinder wîchen – hinker
hinkêre – hinnëben
hin nëmen – hînt
hintber – hinwërt
hinwësunge – hirngupfe
hirnhût – hirtelîn
hirtelôs – hirʒmilch
hirʒ- – hiu
hiubelhuot – hiuten
hiutezucker – hôchgebirge
hôchgebluomet – hôchgenant
hôchgenende – hôchgewaltic
hôchgewîht – hôchmeister
hôchmësse – hôchvart
hôchvart – hôchzîtkleit
hôchzîtlich – hœhe
hôheclich – holde
hölde – hol|loch
hol|louch – holzapfelîn
holzban – holzheit
holzhërre – holzschuoherin
holzstîc – honec
honec|bluome (?) – honec|tranc
honec|triefende – hônheit
honic – hopfenziech
hopferebe – horgen
horgewat – hornicsprenget (?)
hornîn – horten
hortgadem – hospitâl
hossen – houbeten
houbet|êre – houbetkleit
houbetklôster – houbetman
houbetman|ambet – houbetsachwaltære
houbetschande – houbetsünde
houbetsündic – houbetwaʒʒer
houbetwëgen – höuptinc
höurëht – höuwezëhende
houwic – hovegeselle
hovegesinde – hovelich
hovelîche – hovephenninc
hovephliht – hoveschar
höveschære – hovestatzins
hove|stetære – hovezins
hovezorn – 1hûchen
2hûchen – hüenerhirne
hüenerhûs – hûfeht
hufel – hügenisse
hügenumft – hüllenwëbære
hüllenwëbærinne – humerâl
hummen – hundertweide
hundesber – hungergîtic
hungerhâr – hunt
huntaffe – huobdinc
huobe – huof
huofblat – huorgelust
huorgelustic – huotelôs
huote|strëbe (?) – hurmelen
hurnaʒ – hurticlich
hurtieren – hûs|êre
hûsgëlt – hûslode
hûslôs – hûsvrouwe
hûswer – hûwen
hûwen – hy

   hanthaft - hantsëhen    


hanthaft Adj. ‘in der Hand haltend, an der Hand haftend’, nur rechtsspr. in der Formel hanthafte tât ‘frische Tat, offenkundige Straftat’ (zur Bezeichnung und Sache vgl. HRG 2,741ff.): die hanthafte tât ist dâr, swâ man einen man mit der tât begrîft oder in der vlucht der tât, oder dûbe oder roub in sînen geweren hât SSp (W) 2:35; ez sol vnser rihtær dehainnen bvͦrgær vf haben vmb dehain inziht, da si dann hanthaft oder woriv [bewiesene] tat UrkCorp (WMU) 3452,30; ne ist die schultheize dar nicht zuͦhûs, geschet ein vngevuͦge, so setzet man einen richtere vmbe eine hanthafte tât ebd. 51,12. SSp (W) 2:10,1. 2:64,1. 2:64,4; StRPrag 156. – jmdn. in hanthafter tât begrîfen o.ä.: wirt ein vrouwe begriffen in hanthafter tat an totslage oder an kamphberer wnde, des is der clegere sie [...] zvͦ oberwindene selbe seuende UrkCorp (WMU) 2265,47; StRFreiberg 76,22; wen man damite irwischet an hanthafter tat ebd. 252,12; swen man mit der hanthaften tât vâhet SSp (W) 1:66,1; an den hanthaften teten / vienc her den ungetruwen schalc HeslApk 2502

MWB 2 1184,1; Bearbeiter: Tao

hanthaft stF. 1 wie hanthafte tât ( hanthaft )
2 ‘den Verbrecher überführender Gegenstand, Beweis’
   1 wie hanthafte tât ( → hanthaft): diu ir lîp / gemeilet hât mit untât: / bî der man zwêne pfaffen hât / begriffen an der hanthaft Mai 132,5; begriffet man einen diep mit der hanthaft, den sol der voit vesten UrkCorp (WMU) 1100AB,43,42 (möglich auch zu 2); SpdtL (E) Ldr 144    2 ‘den Verbrecher überführender Gegenstand, Beweis’ chæm aver ein man fur gericht [...] und hiet auch sô getân hanthaft, dâ mit er den diup wol uberwinten mæcht RbRupr 302; der ander ruͤger her fuͤr gat: / daz ist sin selbs missetat, / sin sunde und sin bosheit, / die er uf dem hals treit: / mit der hanthaft gevangen / alsus kumpt er gegangen. / da wirt sin suͤnde offenbar HvNstGZ 6650; [Fürstengericht über den König Adolf:] daz im die fursten alle gelîche / widerteilten daz rîche / und alle fursteliche kraft: / wand man ez mit der hanthaft / gegen im bewært aldâ Ottok 71571

MWB 2 1184,23; Bearbeiter: Tao

hanthaftic Adj. eine Weiterbildung von → handhaft in gleicher Bedeutung, nur formelhaft in der Verbindung mit tât (getât): die hanthaftege tat ist ouch daz, daz man einen man begrift daz swert in der hant odere andere wafen, da her den vride mite gebrochen habbe StRGörlitz 453; der abir den anderen tac seinen deube oder sein raup vnder eimandern vindet, der das offenbar gekauft hat, vnd unheimlich gehalden, den mag man keiner hanthaftigen tat beschuldigen StRPrag 156. 158; wirt aver ein man bechlaget vmbe raubpleiche gewer, da man die hanthaftigen getat beweisen mag SpdtL (E) Ldr 130,1. Ldr 146,1; SSp (W) 1:43. – jmdn. in der hanthaftigen tât bestætigen, vâhen: ab her in der hanthaftigen tât bestêtiget ist SSp (W) 2:71,5; wer in der hanthaftigen tat gefangen wirt mit deube oder mit raube, der mak sich an keinen geworn zihen StRPrag 158

MWB 2 1184,41; Bearbeiter: Tao

hantic Adj. → handic

MWB 2 1184,59;

hantieren swV. nur md.; aus mnl. mnd. hanteren, zu afrz. hanter (vgl. Rosenqvist 1,115; 2,257; Kluge, S. 391; Pfeifer, EtymWB, 508). 1 tr.
1.1 ‘etw. verhandeln, besprechen’
1.2 ‘etw. tun, ausführen’
2 refl.
2.1 gegen jmdm.: ‘mit jmdm. verhandeln, diskutieren’
2.2 ‘wirken, (über ein Land) herrschen’ , von Königen
2.3 ‘sich ereignen’
   1 tr.    1.1 ‘etw. verhandeln, besprechen’ waz habit ir an dem wege gehantîret [ tractabatis ] ? EvBeh Mk 9,32    1.2 ‘etw. tun, ausführen’ lobelîchir werc / habin sî bî irme zil / begangin mit urloige vil, / daz sî [...] in allir craft / hantîrtin kegn der heidinschaft NvJer 17591; sô hantîrten / dî Nattangin disen mein / in offinbârer schicht allein / und des alsô begundin: [...] ebd. 20555; (subst. Inf.:) daz virde gesichte sach zwar / Daniel under Balthasar / van winden und vir tiren, / gar grimig was der [deren] hantiren [vgl. Dn 7,2ff.] HistAE 4330. gegen jmdm. wehselwort, rede ~ ‘mit jmdm. diskutieren, reden’ dy materige und der syn / da von sy disputyren / und rede vil hantyren / und vuren wider und vort / ken in ander vil wechselwort Hiob 1234; ich beger sunder cryges schach / mit gote nu disputiren / und myne wort ken ym hantyren ebd. 5010    2 refl.    2.1 gegen jmdm.: ‘mit jmdm. verhandeln, diskutieren’ daz Job sy swerer wan eyn bly / und so kunstenrich nicht sy / das er muge sich hantiren / ken gote und disputiren / von den werken und den sachen / di got kan alleine machen Hiob 14197; set, di suze milde nicht / gab kein antwert uf di schicht / der steten Gerechtekeit, / [...] noch wolde disputiren, / noch sich ken ir hantiren, / sunder in warer minne / uz der vernunften rinne / durch ir ougen si da liz / gizen gar ein heisez vliz / alles dar [...] / uf zu gote TvKulm 472    2.2 ‘wirken, (über ein Land) herrschen’, von Königen: daz si vrogte genzlich, wer / nach im [David] sulde regniren / und kunglich sich hantiren HistAE 2324; bin des sich Achab hantirte / und in Israhel regnirte ebd. 3093; diz sint der kunge namen, / di nach Salomon regniren / begunden und sich hantiren / uber Israhel mit rechte ebd. 2394    2.3 ‘sich ereignen’ sus sich daz hantîrte: [...] NvJer 12004; sulchir schumpfintuire / sô vrech, sô ungehuire / der cristenheit ûf ungewin / sich hantîrte zwischin in / binnen der zwîtracht sô vil, / daz ich inweiz kein zil ebd. 21057

MWB 2 1184,60; Bearbeiter: Tao

hantkar stN. ‘Waschbecken für die Hände’, Glossenbelege aus dem mhd. Zeitraum s. AWB 4,702

MWB 2 1185,39; Bearbeiter: Tao

hantknabe swM. ‘Helfer, Knappe, Knecht’, hier als Bestandteil eines Personennamen: Ruͦdolf der Hantknabe, burger von Rinowe UrkCorp (WMU) 2021,24

MWB 2 1185,41; Bearbeiter: Tao

hantknëht stM. ‘Knecht, der zur Hand geht’ zem ersten hand si gesezzet und geboten, daz chain hantkneht chainen mvͤllaer bi dem er ist chainen phenning lihen sol StRAugsb 171,15; ez sol auch chain hantkneht noch chain zuͦmuller chain varh ziehen noh mesten ebd. 171,18; man sol ainem hantkneht von ainem sheffel roggen den man swinget ainen helbling geben ebd. 171,20

MWB 2 1185,45; Bearbeiter: Tao

hantlanc Adj. eine hantlange wîle, ‘eine ganz kurze Zeitspanne’ (vgl. → hantwîle und Zingerle, Augenblick und Handumdrehen, Germ. 11 [1866], 175f.): dû weist niht, wie lange der tôt dich læzet leben; joch eine hantlange wîle PrBerth 1:275,17

MWB 2 1185,53; Bearbeiter: Tao

hantlêhen stN. eine Art Grundleihe, Näheres unklar (DRW 5,83): quod omnia feoda, que ego quibusdam castellanis de Wede solvo, sunt feoda, que dicuntur hantlen UrkMosel 1,2:1312,6 (a. 1254); [Otto Graf von Nassau verkauft dem Erzbischof von Köln die Hälfte der Burg Ginsberg] also dat wir ind unse heire van Coelne wat der burchlude is, den man hantleyn gyft, manlich half ind half bezalin soln ind dy selve burchlude [...] uns beedin huldin ind sweerin solin UrkSiegen 176 (a. 1345); pecuniarum beneficium, quod vulgo hantlien dicitur UrkKöln 2,416 (a. 1259)

MWB 2 1185,58; Bearbeiter: Tao

hantleiten swV. ‘mit der Hand wohin führen’ die formen der berschrecken, / die gotes cristenheit muen, / die suln glichnisse tuen / den rossen die man hantleitet / und zu den striten bereitet HeslApk 14043. – übertr.: und alsô wirt diu sêle gehantleitet in das bekennen der êrsten nâtûre PrEkkewint 227

MWB 2 1186,6; Bearbeiter: Tao

hantlich Adj. ‘mit den Händen’ und swen ir hantlich ärebeit / w art von dien mägden hin geleit, / sô was nit anders ir ambaht, / swen eht si lie des slâfes maht, / wan daz si alle stunde / [...] got lobeten WvRh 1137

MWB 2 1186,13; Bearbeiter: Tao

hantlidesuht stF. ‘Handgicht’ cyrogra, cirargra: hantlidsuht, handlidsucht VocOpt 43.098

MWB 2 1186,18; Bearbeiter: Tao

hantlôn stMN. ‘Abgabe bei Besitzwechsel eines geliehenen Gutes’ vnd ist auch gewonlich vnd reht, daz nieman anders kein hantlon sol nemen, hie zv der stat [[...] denne als vil als daz gut giltet vnd giltet daz gut ein pfunt haller so ist daz hantlon, auch ein pfunt haller vnd auch furbaz also StRRotenb 492; auch sol her Heinrich [...] vnd alle sin nachkumen an der vorgnanten vicarien herberg haubtreht vnd hantlon haben vf dem vorgnanten hof, als sulcher guͤt gewoͤnlich vnd reht ist UrkWürzb 41,382 (a. 1349); weitere Belege DRW 5,88

MWB 2 1186,20; Bearbeiter: Tao

hantmâl stN. ‘durch die Hand dem Körper zugefügtes Zeichen’ oder ‘Handzeichen, handgezeichnete Urkunde’ (s.a. hantgemâl 1 und 2), hier im Wortspiel mit beiden Bedeutungen: do quam einer, der die schusseln trug; / der hatte valscheit genug / an syme herczin vorborgin: / den stis her [der unsichtbare Zwerg] [...] / vnd gab jm ein hantmal, / das von Rome ein cardenal / des nicht vulschriben kunde AnteloyeD 451 vgl. ebd. 243ff.

MWB 2 1186,32; Bearbeiter: Tao

hantmælic Adj. ‘mit einem Mal, Fleck versehen’ daz dutet: habe des hute / mit genzelicher stete / daz du dine guten tete, / der du dich hast gevlizzen, / mit bosen itewizzen / maches icht hantmelic, / so wirstu dort vil selic HeslApk 4485

MWB 2 1186,41; Bearbeiter: Tao

hantreich stM. , -reiche stF. ‘Darreichung der helfenden Hand, Hilfeleistung’ daz wir im [...] ze staten komen [...] nâch unsern staten: mit guote, mit râte, mit hantreiche, mit gebet, mit aller helfe DvASchr 340,24; swer klainen hantreich tuͦt in der mvͤl, [...] dem sol man des lonen StRAugsb 48,22; wir schullen auch weder apt, noch chelner, noch prior, [...] weder steuer noch erung noch chainerlai hantraich geben noch raichen UrkHeil 2,183 (a. 1343)

MWB 2 1186,46; Bearbeiter: Tao

hantreichen swV. ‘jmdm. etw. aushändigen, geben’ item ist zu wissen des der dechen vnd das capittel der oberster kirchen von Triere sint schuldich jerlich den dieneren derselben kirchen von Triere zu hantreichen 50 pont Trierscher penninge DRW 5,111 (TrierArch.; 13. Jh.)

MWB 2 1186,56; Bearbeiter: Tao

hantros stN. wohl Lehnbildung zu mlat. dextrarius (vgl. MLatWB 3,545), eigentlich ‘Pferd, das mit der rechten Hand geführt wird’ (vgl. Palander, Tiernamen, S. 81). – ‘Schlachtross’ durch das was ain schöne gewonhait in Ynndia [...], das der künig ze ainem mal in dem jare erschain vor seinenn leüten, unnd sas gar edelich in chünigklicher weraitschaft mit gewaffentem here auf seinem hantroß schon getzieret mit gewaffenter getzierde HvHürnh 11,3. – überhaupt ‘Reitpferd’ dô sach man füeren über den hof / vil manig schoenez handros Orend 3064

MWB 2 1186,62; Bearbeiter: Tao

hantsalbe swF. ‘Handsalbe’, hier übertr. ‘Bestechungsgeld’ wis vorsprech gotes halben / und niht durch hantsalben Erz III 36,60 (oder liegt hier ein subst. Inf. zum mhd. sonst nicht belegten swV. hantsalben vor? Vgl. Glossar z.St. s.v. salben swV.); daz sîn der phalzgrâve hât / genozzen beidenthalben, / daz er die hantsalben / reite ûf ein guot starc, / ûf vierzic tûsent marc [er hatte von beiden Parteien Bestechungsgelder bekommen] Ottok 12418

MWB 2 1187,10; Bearbeiter: Tao

hantschmänt stN. zu afrz. hachement mit epenthetischem n (Suolahti 1,103). ‘Helmdecke’ het ir gesehen / sin hantschmänt, ir muͤstent jehen, / daz auf helm nie wurd gedent / zwen braune flugel so rich verwent, / dar durch ein bar tiuwer rich Hirzelin 296

MWB 2 1187,20; Bearbeiter: Tao

hantschuoch stM. , -schuohe swM. auch umgelautet hent-; sw. Sg. Akk.: hantschuͦn Rol 1417 (La.); hentschen Karlmeinet A441,2. A441,7; sw. Pl. Akk.: hantzgin Athis C* 74; hantschuͦn UrkCorp (WMU) 51,37; hantschen Pass III 531,52; hanzckin PfzdHech 218,30; hentschen Elis 860. – vereinzelt auch mit Anlehnung an schœne: die hantschoͤne Priesterl 709 (Pl. Nom.; vgl. Anm.z.St.). – ‘Handschuh’ 1 allg.
2 Teil der Rüstung
3 symbolisch (vgl. 2 HRG 2, 749-751, DRW 5,126-131 und Schwineköper, Handschuh)
3.1 als Botenzeichen
3.2 bei der Übertragung des Lehens, Eigentums
3.3 als Zeichen königlicher Gewalt bei Verleihung des Marktrechtes
3.4 als Pfand für Erfüllung von Pflichten
4 als Anerkennungsabgabe für das bestehende rechtl. Abhängigkeitsverhältnis (vgl. Schwineköper, Handschuh, S. 105-112)
   1 allg.: zwêne wullene hantschû und ein mistgrape ist des tageworchten bûze, sîn weregelt ist ein bark vol weizes von zwelf rûten SSp (W) 3:45,8; man gap in dô ze lône / hantschuoch alsô niuwe EnikWchr 12947; sie wirken sîdîn gewant oder wullînz [...] gewant oder schuohe oder hentschuohe PrBerth 1:146,7; er [...] hete hantschen an Pass III 531,52; dünne hirzhiute / sint ze hantschouhen guot, / der dem leder rehte tuot Quodlibet (W) 1160,24; ciroteca: hentschuͦch, henscha VocOpt 22.004; da waz diu hant, diu da haizet der gotez sun. diu waz bedechet mit dem häntschuͦhe der menschhait PrSchw 1,158. 1,159; von dem magischen Handschuh für die Tugendprobe: Krone 23092. 23104 u.ö. – als Teil weiblicher Accessoires, als Schmuckstück (auch der Männer): hantschuohe von sîden wol geworht / ich [als Königin Venus verkleidet] fuort UvLFrd 166,29; snüer unde kleine hüllen, / hentschuohe, borten, stûchen, / die vrouwen solten brûchen, / hiez er dar în [in die Reisekisten] gewinnen KvWTroj 27487. 28299; ir hentschen si niht ane endet Elis 860; ir hantzgin an gestrichen Athis C* 74; die handschûch wol ginæt / ziehent si [Pfaffendirnen] an mit vlîzzen; / [...] si biginnent sich vaste brîsen; / die hantschoͤne! unt die spiegel!: / ûf einen itniwen friedel / stêt aller ir gedinge Priesterl 704; zwêne niuwe hantschuoh er [beim Tanz] unz ûf den ellenbogen zôch Neidh WL 24:10,5; dez siht man suͥ [ die minner ] dike tragen: / von golde schoͤne vingerlin, / [...] hentschvͦhe wisse, / ir guͥrtel vnd ir seckelin / von siden svnt gemachet sin JvKonstanz 492; da sind inne ir hantschuech weis, / dew perlein und dew portlein / sullen auch in der lad sein, / da sy sich mit solde / so sy hochfertig wesen wolde, / ziren und auf machen HvBurg 5468. – im Zusammenhang mit Etikette und Bekleidungvorschriften: swâ man dinget bî kunges banne, dâr en sal noch schephen noch richter kappen an haben noch hût noch hûtechîn [...] noch hantschû SSp (W) 3:69,1; hantschuch, swert, mantel, hut / treit er [der ungezogene Knabe] bi gesten und bi kunden Jüngl 724; sît er [Bauer] zem phluog ist erkorn, / sô gieng er billîch âne sporn / und underm huot ân hærîn tuoch, / für Venedier hantschuoch / trüeg er hendlinge baz Helbl 2,68. – als Teil der liturg. Bekleidung: jr [der Bischöfe] hantschuhe sint geflohten [d.h. aus nahtlosem Gewebe] Lucid 91,8    2 Teil der Rüstung: zwêne hantschuohe des selben [der selben Machart] dran [(waren) am Waffenrock] Wh 406,11; zwên hantschuoch stechlîn EnikWchr 9856; zwên hantschuoch wol geschicket, / mit îsen underspicket Helbl 2,1229; an beidin hendin sin / trug he hanzckin iserin PfzdHech 218,30; an den henden sullen si [beim Zweikampf] niht wan dünne hantschuohe hân SSpAug 175,17; SpdtL 175,15; UrkCorp (WMU) 51,37; ez ensol auch nieman furbaz auf unser tæidinch fuͤrn armbrost, sper, pantzier, pechelhauben, verborgen hantschuch, verborgen huͤt ebd. 737,11; ez sol niemant [...] bey der nacht chainerlay waffen nicht tragen, weder pantzier, hantschuͦch noch hauben, newr des richters knecht StRMünch 384,20    3 symbolisch (vgl. 2HRG 2, 749-751, DRW 5,126-131 und Schwineköper, Handschuh)    3.1 als Botenzeichen: der kaiser bot ime ie den hantscuch [La. hantschuͦn ] Rol 1417. 1430. 1435; StrKarl 2024. 2039. 2042; den hentschen hey eme do reckde Karlmeinet A441,2. A441,7; werbet mîne botschaft / ze Marsilien [...]. / füeret im disen hantschuoch dar StrKarl 8681 (vgl. Rol 7244); hantschuohe wîze / hêt er an den henden Wig 1428; UvZLanz 2599; [ein Engel zu Karl:] nu nim ouch disen hantschuoch / und stôz den an dîne hant StrKarl 382    3.2 bei der Übertragung des Lehens, Eigentums: ez sulnt ouch sin erben diz selbe guͦt nach sime tode nuͦnt [= niuwan ] mit zwain wissen handschuͦhen enphahen unde niht anders UrkRottw 23 (a. 1300); [sie] gab in daz [ wînwahs ] vf mit eim hentschuͦ, ledeklich vnd frilich mit allem rehte UrkWürzb 40,Praef. 7 (a. 1336); daz ich die eigenschaft, die ich hatte an disen nachgeschribnen lüten und an der geburt, so von inen kumet [...] han ufgeben uf den fronalter der vorgenanden chilchen Zürich mit minem hantschuo, also das ich mir selben nicht behaben han wan die vogtei über die lüte und über ir nachkomen, die in miner vogtei wonhaft sint ald werdent SchweizId 8,468 (ZGrossmünster; a.1314); DRW 5,129 (Bluntschli, ZürichRG.; a. 1327). – für das Leben als Lehen Gottes: den hantschuͦch er [der totwunde Roland] abe zoch, / in gegen dem himel er in bot; / den nam der urone bote uon siner hant Rol 6889    3.3 als Zeichen königlicher Gewalt bei Verleihung des Marktrechtes: nieman en mûz cheinen markt noch munze erheben âne des richtêres willen, in des gerichte ez ligt. ouch sal der kung sînen hantschû durch recht dar zû senden, zû bewîsene, daz ez sîn wille sie SSp (W) 2:26,4 (nach Ausweis der Ssp.-Bilderhss. hängt der Handschuh an einem Marktkreuz, vgl. 2HRG 2,750); SpdtL (E) Ldr 132,1; SchwSp 90a    3.4 als Pfand für Erfüllung von Pflichten: – beim Ehegelöbnis: da ein fri swebenne ewet ain swab, der ist ain fri man, da moͮz er im siben hantscoͮhe han: mit ten git er siben wete nach dem swabeschen rehte. [...] div wete elliu, diu niemet diu froͮwe unde dir voget Trauformel 3. – beim gerichtl. Zweikampf: sînen hantschuoch zôher abe; / er bôt in Môrolde dar Tr 6454; ‘her konig, des wil ich vollen sprechen’, sprach Banin, ‘des geben ich uch mynen hentschuch, das ich es wil bezugen off synen lip mit dem mynen das ich han gesehen und gehort das er synen gerechten herren verriet.’ Lanc 11,4 (vgl. Steinhoff, Lanc. S. 802f.); das ir ytwiedder synen hantschuch gab Claudas in syn hant zu eim urkund das sie beyd fechten wolten ebd. 11,17; und gab dem konig einen hantschuch in die hant und sprach, er wolt selb fechten ebd. 24,19    4 als Anerkennungsabgabe für das bestehende rechtl. Abhängigkeitsverhältnis (vgl. Schwineköper, Handschuh, S. 105-112): da wider sol man den, die div lehen hant, gen von eime ganzen lehen eine wannvn vnd zwene hentschvͦhe [...] ze sant Martins mes UrkCorp (WMU) 383,14. 1944,9. 2219,9. N815,26; umb einen jerlichen zins zwier weisser hantschuhe UrkBern 5,664 (a. 1328); SchweizId 8,467 (a.1332; Z.). 8,467 (a.1341; AJahn 1857). 8,467 (a.1344; LBer); do wart ertailt [...], das der selb Uolrich von Ainwile dem vorg. waibel, an mines vorg. des abtes stat von S. Gallen, vor gericht mit zwain hantschuohen dienoti, das tet ouch der selb Uolrich und dienot vor gericht GrimmRA 1,211 (a. 1341). – für die Zollfreiheit: daz dieselben burger ze Muͤnchen soͤllen in unser stat ze Nuͤrenberg zolfrei sein gelicher wize als unser burger, [...] daz ze ainen urkuͤnde derselben gnade alleu jar der erste burger von Muͤnchen, der nach sant Michels tage in unser stat ze Nuͤrenberg koͤmet, ze ainer present geben soͤlle dem zolner ain pfunt pfeffers und zwen wizze hantschuche und ein wizzes stebelin StRMünch 108,14

MWB 2 1187,26; Bearbeiter: Tao

hantschuoher stM. hentschuocher

MWB 2 1189,46;

hantschuoster stM. zur Wortbildung vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 461. – ‘Handschuhmacher’ her Rudiger der hantschuster UrkCorp (WMU) 2923,42; der selbe schade ouch besaz / gurtlær und irhære, / hantschuostær und buochlære, / kompær [...] Ottok 65692; weitere Belege s. Matzel, Wortschatz, S. 124

MWB 2 1189,47; Bearbeiter: Tao

hantsëhen stN. (Chiromantie) ‘Handlesen’ daz [Zelt des Glaubens] sol alsô gedenet sîn daz ez nieht intreiffe uon dîner hailgescouwunge deweder des fiursehennes oder des hantsehennes odir der agelsteren oder des mûsâres odir sô dich dîn ôre iucket odir dîn ouge TrudHL 95,14

MWB 2 1189,54; Bearbeiter: Tao